Freiburg: Loge Zur edlen Aussicht

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Johannisloge:

"Zur edlen Aussicht"

Orient: Freiburg
Matr.-Nr.: 142
Gründungsdatum:
Die Loge arbeitete bis: 9. Juli 1935
Wiedergründung: 28. Februar 1946
22. Juni 1784
Großloge: A.F.u.A.M.


Freiburg im Breisgau:
Die Loge Zur edlen Aussicht

Quelle: M.S., Stuhlmeister der Loge 2015 bis 2017

18. und 19. Jahrhundert

Es war in den Jahren 1770 bis 1780 als die zwei großen politischen Gegenspieler Europas Maria Theresia von Österreich und Friedrich II. von Preussen hießen. Deutschland war noch ein Flickenteppich aus Adelsflecken. In Preussen hatte der Philosoph Immanuel Kant den Vorrang, in Frankreich gärten die Vorboten der Revolution, die Encyclopedie wurde geschrieben und man hatte Voltaire und Rousseau als Aufklärer. In Nordamerika tobte der Unabhängigkeitskrieg.

Maria Theresia wollte durch politischen Fortschritt ihre Macht sichern und berief noch vor 1770 die Konferenz zur Reform des österreichischen Rechts ein. Sie wollte durch ein einheitliches Justizwesen die Zentralmacht im riesigen Habsburger-Reich stärken. Nach dem Tod des Ehemannes Maria Theresias 1765 war der älteste Sohn, der spätere Kaiser Joseph II Mitregent, er stand aufklärerischen Ideen noch näher und trieb die Staatsreformen an. Für Freiburg war das bedeutsam, weil es damals politisch zu Habsburg gehörte; die Stadt war die von Innsbruck aus regierte Provinzhauptstadt von Vorderösterreich.


Das frühere Logenhaus auf einer alten Ansichtskarte. Heute steht hier ein modernes Gebäude der Freiburger Universität.
Ein Foto aus den 1930er Jahren: Nach der gewaltsamen Schließung der Loge wurde der Saal, in dem der Tempel eingerichtet war, von den Nazis zweckentfremdet.
Ein Dokument aus 1968, in dem sich die komplizierte Wiedergründung im Jahr 1946 spiegelt. Da die französische Besatzungsmacht nicht erlaubte, dass die Loge ihren alten Traditionsnamen 'Zur edlen Aussicht' verwendete, mussten die Brüder, die aus vier verschiedenen Vorkriegslogen stammten, einen neuen wählen: Humanitas.

Da kam der Freimaurer Johann Georg Schlosser gerade recht, der Kants philosophische Schriften erfolgreich kritisierte und sich mit dem Katechismus der christlichen Religion für das Landvolk bereits einen Namen gemacht hatte als Kritiker des evangelischen Klerus. Dieses Buch wurde in Frankfurt zensiert und verbrannt. Es lag also nahe ihn zu dieser Reformplanung hinzuzuziehen.

Bereits 1782 war Schlosser als Illuminat und Freimaurer aufgenommen worden. In Wien auf einer der Konferenzen zur Sammlung der Länderrechte traf er in der Loge zur Wahrheit auf zahlreiche andere prägende, der Aufklärung nahe stehende Menschen wie Joseph Maria Weissegger von Weisseneck und Matthias Dannenmayer. Die beiden wurden als Professoren an die Universität Freiburg versetzt und trafen dort wieder mit Schlosser zusammen. Hinzu kam der Freiburger Münsterpfarrer Karl Schwarzl, der die Universität Innsbruck verlassen musste, weil er die unbefleckte Empfängnis Mariens leugnete. Diese Männer gründeten 1784 in Freiburg die Freimaurerloge Zur edlen Aussicht. Das Gründungsdatum am 22. Juni 1784 (Johannistag) wurde wohl bewusst auf das Verbot der Illuminaten gelegt. Einen Illuminatenorden gab es seit Anfang 1783 in Freiburg; Dannenmeyer, Schlosser u.a. waren Mitglieder.

20. Jahrhundert

Die Loge wechselte 1923 ihre Großlogenzugehörigkeit von der Großloge zur Sonne zur Große Loge von Preußen genannt Royal York zur Freundschaft. Dies führte zu erheblichen Spannungen und zur Abspaltung sowie Neugründung der Loge In Treuen Fest, die zunächst als Kränzchen der Loge Friedrich zur Eintracht Lörrach bei der Großloge zur Sonne verblieb. Diese Spannungen und Abspaltung der Loge In Treuen Fest ist nur durch die Radikalisierung innerhalb der Weimarer Zeit zu verstehen, die dann mit der NS-Zeit einen unrühmlichen Ausgang nahm.

Rein humanitär ausgerichtete Logen wie In Treuen Fest, der Freimaurerbund zur aufgehenden Sonne lösten sich wegen Unvereinbarkeit mit dem NS-Gedankengut 1933 "freiwillig" auf. Eine Mitgliederversammlung der Loge zur edlen Aussicht lehnte die Selbstauflösung 1933 ab, und so wurde die Loge 1935 zwangsaufgelöst und das Logenvermögen dem evangelischen Stift in Freiburg geschenkt.

Nach Kriegsende formierten sich Freimaurer, die in Freiburg lebten und vor der Nazi-Zeit in vier verschiedenen Logen waren, unter dem ersten Stuhlmeister Bartholdi neu. Man wollte ohne Grosslogenzugehörigkeit freimaurerisch arbeiten und den alten Traditionsnamen Zur edlen Aussicht annehmen; die meisten Mitglieder kamen von dieser Loge. Die französische Militärverwaltung verweigerte aber die Verwendung von Vorkriegsnamen und so gründete man am 28. Februar 1946 die Loge Humanitas zur freien Burg. Unter diesem Namen arbeiteten jetzt Brüder aus verschiedenen Systemen und Logen.

Verteilung der Humanitas-Gründungsmitglieder: Von der Loge ZUR EDLEN AUSSICHT kamen 19 Brüder, von der Loge ZU DEN DREI TANNEN IM SCHWARZWALD sieben Brüder, von der Loge FRIEDRICH ZUR TREUE vier Brüder und von der Loge IN TREUEN FEST ein Bruder. Bereits 1947, also nur ein Jahr nach der Wiedergründung, verzeichnete die Loge schon über 80 Mitglieder.

Bei der Gründung der Vereinigten Großloge 1949 erreichte der damalige Humanitas-Stuhlmeister, dass das Konstitutionspatent der Großloge von Österreich aus dem Jahr 1784 mit der Matrikel-Nr. 142 auf die Nachfolgeloge Humanitas zur freien Burg übertragen wurde. Somit war ausgehend von der historischen Loge zur edlen Aussicht die direkte freimaurerische Nachfolge anerkannt. Die Loge arbeitet bis heute unter der Großloge AFAM.

Die Mitglieder der Humanitas, die vor dem Krieg zur Loge Zu den drei Tannen im Schwarzwald (gegründet 1909) gehörten, arbeiten seit dem Jahre 1956 wieder unter ihrem alten Namen und gehören dem Freimaurerorden an. Das war auch möglich, weil man zu dieser Zeit die alten Namen wieder annehmen durfte.

1970 gründeten Mitglieder der „Humanitas“ eine Deputationsloge, die später eigenständig als Loge „Aquarius“ als dritte Freimaurerloge in Freiburg eingerichtet wurde. Die beiden Logen Humanitas und Aquarius koexistierten fortan unter der Großloge AFAM.

21. Jahrhundert

In der Loge Humanitas gelang es 2001 bei einer Abstimmung mit Zweidrittelmehrheit den alten Namen ZUR EDLEN AUSSICHT wieder anzunehmen. Das Namensfest wurde am 7. März 2003 unter reger Beteiligung der Tochterlogen und der schweizerischen Großloge Alpina gefeiert.

Nach schwierigen Zeiten der Koexistenz zwischen Aquarius und der Zur edlen Aussicht kam es durch sehr junge Stuhlmeister seit 2008 zur Annäherung. Johannisfeiern, Weihnachtsfeiern, Gesellenbeförderungen sowie Trauerfeiern werden gemeinsam abgehalten.

2016 konnte die Loge Zur edlen Aussicht ein eigenes Logenheim anmieten, in dem nun auch antiquarische Gegenstände, soweit diese nicht in der Nazi-Zeit geraubt worden oder verschwunden waren, einen würdigen Platz fanden.

2017: Was das Alter der Brüder betrifft, ist die Loge Zur edlen Aussicht mit einem Durchschnittsalter um 45 in Deutschland eine der Jüngsten.

Es existieren zwei Bücher über die Geschichte der Freiburger Loge zur edlen Aussicht, zahlreiche Spuren finden sich von Ihrem Wirken in Freiburg. Die Bücher über die Geschichte der Loge 1784-1874 sowie 1874-1914 sind digitalisiert und über die Universitätsbibliothek Freiburg online einsehbar (ebenso weitere Freimaurer-Bücher). Ein drittes Buch über die Geschichte der Loge 1914-2014 ist für Brüder Freimaurer über den Sekretär der Loge erhältlich.


Siehe auch

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