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Illuminés d'Avignon

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Illuminés d'Avignon

Quelle: Internationales Freimaurer-Lexikon von Eugen Lennhoff und Oskar Posner (1932)

hermetisches freimaurerisches System des 18. Jahrhunderts, das nichts mit den Illuminaten zu tun hat, mit denen es fälschlich oft in Zusammenhang gebracht wird.

Sein Gründer war der 1716 geborene Benediktiner Dom Antoine-Joseph Pernetty. Studium alchimistischer Werke brachte ihm die "Erleuchtung, die antike Mythologie sei nichts als eine Allegorie der hermetischen Philosophie". Das führte ihn dazu, 1758 die "Fables égyptiennes et greeques devoilées et reduites au mëme principe..." und im Anschluß daran einen "Dictionnaire mythohermétique" zu veröffentlichen, die Ilias und die Odyssee hermetisch zu erklären. 1765 verließ er sein Kloster ging nach Avignon, erweckte dort die infolge der päpstlichen Bulle von 1751 eingeschlafene Freimaurerei zu neuem Leben und schuf 1766 in der Aristokratenloge "Les sectateurs de la vertu" ein neues System, den Rite hermétique oder Rite de Pernetty.

Zu den drei symbolischen Graden traten sechs Hochgrade: wahrer Maurer, wahrer Maurer auf dem geraden Wege, Ritter des goldenen Schlüssels, Ritter der Iris, Ritter der Argonauten, Ritter des Goldenen Vlieses. Durch alle Grade zogen sich hermetische Lehren. Der Leib Hirams versinnbildlichte die prima materia des großen Werkes.

Antoine Joseph Pernetty

Pernetty schuf noch einen weiteren Grad, den "Sonnenritter", dessen Ritual einen vollständigen Kurs der hermetischen und gnostischen Wissenschaften enthielt. Aus Furcht vor Verfolgungen von klerikaler Seite ging Pernetty nach Berlin, wo ihn Friedrich der Große zum Bibliothekar und Mitglied der Akademie der Wissenschaften machte.

Pernetty gab in seinem Exil ein physiognomisches Werk:
"Discours sur la Physionomie et les Connaissanees physionomiques" (1769) heraus. Mit seinen Adepten in Avignon blieb er in ständiger Verbindung. Mit seiner Hilfe wurde 1770 die Loge "Saint-Jean d'Ecosse" zur "Mere-Loge Ecossaise du Comtat-Venaissin", aus der dann auf Umwegen die "Mere Loge Ecossaise de France" in Paris wurde, gegründet. Diese praktizierte unter Führung des Arztes Boileau die hermetische Maurerei von Pernetty, erhöhte aber 1778 die Zahl der Hochgrade auf zwölf durch Hinzufügung theosophisch-mystischer Stufen, deren erste drei Abteilungen waren: "Ritter des Schwarzen Adlers oder Souveräner Prinz Rosenkreuzer von Heredom", einen Lehrgang der Magie, Alchimie und Astrologie.

Die "Physiognomischen Fragmente" Lavaters führten Pernetty zur Veröffentlichung der "Connaissance de l'homme moral par celle de l'homme physique" und "Observations sur les maladies de l'âme", in denen er die abstruse Theorie zweier ungleicher Seelen aufstellte.

Immer mehr verfiel Pernetty der Mystik, kam er sich als Neugeborener, Seher, Erleuchteter (Illuminé) vor. Eifrig nahm er an den Arbeiten der Berliner okkultistischen Maurerzirkel teil, bildete auch einen eigenen Kreis der "Eingeweihten des heiligen Wortes" zwecks Suche nach dem Stein der Weisen. Hauptmitarbeiter in diesem Zirkel war der Starost von Libau, der polnische Graf Erabianka. Dom Pernetty glaubte allen Ernstes, von einem Engel Assadai geleitet zu sein, der erst zum Himmel zurückkehren werde, wenn Pernetty das Geheimnis des großen Werkes entdeckt haben würde.

1783 kehrte Pernetty, gefolgt von Erabianka und mehreren anderen Adepten, nach Valence, bezw. Avignon zurück und setzte dort in einem "Thabor" die okkulten Übungen fort.

Mittlerweile waren Elemente aus den Lehren des Visionärs Swedenborg hinzugekommen, dessen Werke Pernetty ins Französische übersetzt hatte. Die bald stark wachsende Gruppe, die später als die "Illuminés d'Avignon" bezeichnet wurde, träumte von einem neuen Zion, dessen Hohepriester Pernetty sein sollte.

Alle Mitglieder waren Freimaurer, in ihrem System spielte neben der heiligen Dreieinigkeit, die Jungfrau Maria eine besondere Rolle. Während der Jakobinerherrschaft wurde Pernetty verhaftet, aber dann wieder freigelassen. Er starb 1796.

Wenige Jahre nach seinem Tode hörte die Tätigkeit seiner Gruppe auf. Der Grad des "Sonnenritters" ging in den A. u. A. Schottischen Ritus über (vergl. Joanny Bricaud, Les. I d'A., Paris 1927).


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