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Lehrlingfragstück nach Prichard

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Inhaltsverzeichnis

Das NE. Lehrlingfragstück nach Prichard

Ausarbeitung: Roland Müller


Samuel Prichard: Masonry Dissected. London: J. Wilford 1730;
7. Aufl. 1737 u. d. T.: The Secrets of Masonry Made Known to all Men;
weitere engl Ausgabe u. d. T.:
Tubal-Kain: Being the second part of Solomon in all his glory. London 1767; Dublin 1777;
computer-enhanced facs. repr. Boston: Poemandres Press/ Kessinger 1996;

weitere bibliographische Angaben bei:
Freimaurerei: Gegnerische Schriften


Deutsche Übersetzung (hier ohne die Anmerkungen wiedergegeben) in:
Karl Christian Friedrich Krause: Die drei ältesten Kunsturkunden der Freimaurerbrüderschaft. 2. Aufl. 1820, Erster Band, zweite Abtheilung, 56-83.



Samuel Prichard legt einen Eid ab, dass die hier beigefügte Copie eine treue und echte Copie in jedem einzelnen Umstände ist.

Geschworen am 13ten

Sam. Prichard

Octbr. 1730 coram me
R. Hopkins


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Ausgearbeitet von Dr. phil. Roland Müller, Switzerland / Copyright © by Mueller Science 2001-2015 / All rights reserved - ESOTERIK von Dr. phil. Roland Müller

Der ehrwürdigen und ehrbaren Brüderschaft der freien und angenommenen Maurer

Brüder und Genossen!

Wenn die folgenden Blätter, die ohne Parteilichkeit abgefasst sind, den allgemeinen Beifall einer so würdigen Gesellschaft erlangen, so zweifle ich nicht, ihr allgemeiner Character werde ausgebreitet und geschätzt werden unter dem übrigen gebildeten Theilen der Menschheit; Welches, ich hoffe es, allen Liebhabern der Wahrheit völlige Genugthuung gewähren wird; und so werde ich verbleiben, mit aller Ergebenheit, der Brüderschaft

gehorsamster

Diener

Samuel Prichard.


Die zergliederte Maurerei

Die ursprüngliche Stiftung der Freimaurerei gründet sich auf das erste Entstehen der freien Künste und Wissenschaften, besonders aber der fünften, nehmlich der Geometrie. Denn bei dem Baue des Thurms zu Вabel wurde die Kunst und das Geheimniss der Maurerei zuerst eingeführt und von da durch Euclid, einen würdigen und vortrefflichen Mathematiker der Egypter, fortgepflanzt; und Dieser theilte es Hiram mit, dem Meister-Maurer, der bei dem Baue des Salomon'schen Tempels in Jerusalem geschäftig war; woselbst sich ein vortrefflicher und sinnreicher Maurer fand, der der erste unter dem Grossmeister Hiram war; sein Name war Mannon Grecus.
Dieser lehrte die Kunst der Maurerei einem gewissen Karl Marcil in Frankreich, der hernach auch zum König von Frankreich erwählt wurde; und von da wurde die Maurerei nach England gebrächt zur Zeit des Königs Athelstan, welcher eine jährlich in York zu haltende Versammlung anordnete; und Diess war ihre erste Einführung in England; und die Maurer wurden auf folgende Art gemacht.

Tunc unus ex Senioribus teneat Librum, ut illi vel ille ponant vel ponat Manus supra Librum; tum Praecepta debeant legi.

Das ist:
Dann halte Einer der Aeltesten das Buch, damit derselbe oder dieselben die Hände auf diess Buch legen; während Dess die Gesetze oder Pflichten gelesen werden sollen."


Aber in diesen letzten Tagen bestehet die Maurerei nicht aus Künstlern; wie Diess in ihrem uralten Zustande der Fall war, als einige wenige catechetische Fragen nothwendig waren, um einen zum Werkmaurer genug geschickten Mann zu erkennen zu geben, Der Ausdruck: freie und angenommene Maurerei, (wie sie jetzt ist,) ist nur erst seit den letzten wenigen Jahren gehört worden. Nichts wurde von constituirten Logen oder vierteljährigen Zusammenkünften gehört vor dem Jahr 1691, als Lords und. Herzöge, Advocaten und Kaufleute, und andere geringere Handelsleute, selbst Pförtner nicht ausgenommen, in diess Geheimniss oder Nichtgeheimniss aufgenommen wurden. Die erste Klasse wird um einen sehr hohen. Preiss eingeführt, die zweite Klasse um ein Mässiges, und die Letzten brauchen nur 6 oder 7 Schillinge zu erlegen, wofür sie jenes Zeichen der Ehre erhalten, welches (wie sie sich ausdrükken,) älter ist und ehrenvoller, als Stern und Hosenband, dessen Alterthum, nach den Regeln der Maurerei, sowie diese in ihrer Überlieferung enthalten sind, sogar von Adam an gerechnet wird; Welches ich dem geneigten Leser zur Entscheidung überlasse.

Von den angenommenen Maurern entstanden die wirklichen Maurer, und von Beiden die Gormogons, deren Grossmeister, ein gewisser Vоlgi, seinen Ursprung von den Chinesen ableitet, deren Schriften, wenn man es glauben darf, die Annahme von Vor-Adamiten behaupten, folglich älter sein müssten, als die Maurerei.

Die freiste und offenste Gesellschaft ist die des Gross-Kaihebar, welche aus einer auserlesenen Gesellschaft verantwortlicher Leute besteht, deren Unterredungen hauptsächlich Handlung und Geschäfte betrifft, und wechselseitige Freundschaft befördert ohne Zwang oder Einschränkung.

Wenn aber nach der Zulassung zu den Geheimnissen der Maurerei irgend ein neuer Bruder an ihrem Verfahren Missfallen tragen, und es übel bemerken sollte, wie man ihn mit guter Manier um sein Geld gebracht; wenn er folglich die Brüderschaft ablehnen, oder sich von den vierteljährigen Ausgaben der Loge, und von den vierteljährigen Zusammenkünften, ausschliessen wollte, ob er gleich gesetzlich in eine constituirte und regelmässige Loge aufgenommen worden; so soll ihm das Privilegium, (als ein besuchender Bruder,) um das Zunftgeheimniss zu wissen, verweigert werden, welches er doch bereits bezahlt hat.)

Diess nun ist ein offenbarer Widerspruch, selbst nach der Einrichtung der Maurerei; wie sich Diess durch die folgende Abhandlung augenscheinlich darthun wird


Grad des angetretenen Lehrlings

1) Frage. Woher kommt Ihr?
Antwort. Von der heiligen Loge des heiligen Johannes.
2) Fr. Welche Empfehlung brachtet Ihr von da mit?
A. Die Empfehlungen, die ich von den sehr ehrwürdigen Brüdern und Genossen der sehr ehrwürdigen und heiligen Loge des heiligen Johannes mitbringe, woher ich komme; sie grüssen (ich grüsse) Euch dreimal von Herzen auf’s schönste.
3) Fr. Was kommt Ihr hier zu thun?
A. Nicht zu thun den eignen Willen,
Sondern Leidenschaft zu stillen,
Den Regeln der Maurerei nachzuleben;
Und täglich in ihr noch weiter zu streben.
4) Fr. Seid Ihr ein Maurer?
A. Ich bin auf- und angenommen worden, es zu sein unter Brüdern und Genossen.
5) Fr. Wie soll ich erkennen, dass Ihr ein Maurer seid?
A. Durch Zeichen und Merkmale, und vollkommene Punkte meines Antritts.
6) Fr. Was sind Zeichen?
A. Alle Vierekke, Winkel, und senkrechte Linien.
7) Fr. Was sind Merkmale?
A. Gewisse regelmässige und brüderliche Griffe.
8) Der Prüfende. Gebet mir die Punkte Eures Antritts!
Der Antw. Gebet mir den ersten, so will ich Euch den andern geben.
9) Prüf. Ich hehle es.
A. Ich verberge es.
10). Prüf. Was verberget Ihr?
A. Alle Heimlichkeiten (Geheimnisse) und geheimes Wesen der Maurer und Maurerei, ausser an einen treuen und gesetzmässigen Bruder, nach gehöriger Prüfung, oder in einer gerechten und ehrwürdigen Loge von wohlvereinigten Brüdern und Genossen.
11) Fr. Wo wurdet Ihr zum Maurer gemacht?
A. In einer gerechten und vollkommnen Loge.
12) Fr. Was macht eine gerechte und vollkommne Loge?
A. Sieben oder mehr.
13) Fr. Woraus bestehen sie?
A. Aus einem Meister, zwei Aufsehern, zwei Gesellen, und zwei angetretnen Lehrlingen.
14) Fr. Was macht eine Loge?
A. Fünf.
15) Fr. Woraus bestehen sie?
A. Aus einem Meister, zwei Aufsehern, einem Gesellen und einem angetretnen Lehrlinge.
16) Fr. Wer brachte Euch zu der Loge?
A. Ein angetretner Lehrling.
17) Fr. Wie brachte er Euch?
A. Weder nackt noch bekleidet, weder barfuss noch beschuhet, alles Metalls beraubt, in einer geraden beweglichen Stellung.
18) Fr. Wie erlangtet Ihr Einlass?
A. Durch drei grosse Schläge.
19) Fr. Wer empfing Euch?
A. Ein jüngerer Aufseher.
20) Fr. Was nahm Dieser mit Euch vor?
A Er leitete mich hinauf zum nordöstlichen Theile der Loge, brachte mich dann zurück nach Westen und übergab mich dem älteren Aufseher.
21) Fr. Was nahm der ältere Aufseher mit Euch vor?
A. Er stellte mich dem Meister dar, und zeigte mir, wie ich (mit drei Schritten) zu ihm hinaufgehen sollte.
22) Fr. Was nahm der Meister mit Euch vor?
A. Er machte mich zum Maurer.
23) Fr. Wie machte er Euch zum Maurer?
A. Mit meinem entblössten und gebogenen Knie, meinen Leib im Winkelmaass (im Quadrate, innerhalb de Vierekkes), den Zirkel an meine linke nackte Brust, meine entblösste rechte Hand auf der heiligen Bibel: allda legte ich die Verpflichtung (oder den Eid) eines Maurers ab.
24) Fr. Könnt Ihr diese Verpflichtung hersagen?
A. Ich will es versuchen. (Sie lautet, wie folget.)


Ich gelobe und schwöre hierdurch feierlich, in der Gegenwart des allmächtigen Gottes, und dieser sehr ehrwürdigen Versammlung, dass ich hehlen und verbergen und nimmer entdekken will die Heimlichkeiten (Geheimnisse) oder das geheime Wesen des Maurers oder der Maurerei, was mir entdekket werden wird; ausser einer echten und ehrwürdigen Loge von wohlvereinigten Brüdern und Genossen.
Ich verspreche und gelobe ferner, dass ich selbige nicht schreiben, drukken, zeichnen, stechen oder eingraben, noch Ursache sein will, dass sie geschrieben, gedruckt, gezeichnet, gestochen oder eingegraben werden in Holz oder Stein, so dass ein kenntlicher Zug oder Eindruck eines Buchstabens sichtbar wurde, wodurch es möchte ungesetzlich erlangt werden.
Alles Diess unter keiner geringern Strafe, als dass meine Gurgel abgeschnitten, meine Zunge aus dem Gaumen meines Mundes genommen, mein Herz aus meiner linken Brust gerissen, um sodann im Sande des Meeres begraben zu werden die Länge eines Kabeltaues weit vom Ufer, wo Ebbe und Fluth zweimal in 24 Stunden abwechselt; mein Körper zu Asche verbrannt, meine Asche auf die Oberfläche der Erde zerstreut werde, damit nicht das geringste Andenken von mir unter den Maurern übrig bleibe.
So helfe mir Gott!


25) Fr. Welche Form ist die Loge?
A. Ein langes Viereck.
26) Fr. Wie lang?
A. Von Osten nach Westen.
27) Fr. Wie breit?
A. Von Norden nach Süden.
28) Fr. Wie hoch?
A. Unzählige Zolle, Fusse und Yards, so hoch als der Himmel.
29) Fr. Wie tief?
A. Bis an den Mittelpunkt der Erde.
30) Fr. Wo stehet die Loge?
A. Auf heiligem Grunde, entweder auf dem höchsten Hügel, oder in dem tiefsten Thale, oder im Thale Jоsaphat, oder sonst an einem andern geheimen Orte.
31) Fr. Wie ist sie gelegen?
A. Genau von Osten nach Westen.
З2) Fr. Warum so?
A. Weil alle Kirchen und Kapellen so gelegen lind, oder sein sollten.
33) Fr, Was unterstützt eine Loge?
A. Drei grosse Pfeiler.
34) Fr. Wie werden sie genannt?
A. Weisheit, Stärke und Schönheit.
35) Fr. Warum so?
A. Weisheit, zu entwerfen; Stärke, zu unterstützen (tragen); Schönheit, zu zieren.
3б) Fr. Welche Bedekkung habt Ihr für die Loge?
A. Einen wolkigen Baldachin von verschiedenen Farben (oder die Wolken).
37) Fr. Habt Ihr einige Gerätschaft (Auszierung, Verzierung) in Eurer Loge?
A. Ja.
38) Fr. Worin bestehen sie?
A. Mosaisches (musivisches) Pflaster, der flammende Stern und die zakkigte Einfassung.
39) Fr. Was sind diese?
A. Das Mosaische Pflaster ist der Fussboden der Loge, der flammende Stern ihr Mittelpunkt, und die zakkigte Einfassung der Rand rings um dieselbe.
40) Fr. Welches sind die übrigen Gerätschaften (Auszierungen, Schmuck) einer Loge?
A. Eine Bibel, ein Zirkel und ein Winkelmaass.
41) Fr. Wem gehören sie eigenthümlich (vorzüglich)?
A. Eine Bibel Gott, der Zirkel dem Meister, und das Winkelmaass dem Gesellen.
42) Fr. Habt Ihr auch einige Kleinode in Eurer Loge?
A. Ja.
43) Fr. Wie viele?
A. Sechs ; drei bewegliche und drei unbewegliche.
44) Fr. Welches sind die beweglichen Kleinode?
A. Winkelmaass, das Richtscheit (Wasserwage) und Bleiwage.
45) Ft. Wozu werden sie gebraucht?
A. Das Winkelmaass, um richtige und gerade Linien au ziehen; die Wasserwage, um alle wasserrechte Linien zu prüfen, und die Bleiwage, um alle lothrechte Linien zu. prüfen.
46) Fr. Welches sind die unbeweglichen Kleinode?
A. Das Zeichnenbret, der Rauhhobel und die Drehbank.
47) Fr. Welches ist ihr Gebrauch?
A. Ein Zeichnenbret für den Meister, um seine Zeichnungen darauf zu machen; der Rauhhobel für die Gesellen, um ihre Kleinode darauf zu prüfen, und eine Drehbank für den Lehrling, dass er darauf arbeiten lerne.
48) Fr. Habt Ihr auch einige Lichter in Eurer Loge?
A. Ja ; drei.
49) Fr. Was stellen sie vor?
A. Sonne, Mond und den Meister-Maurer.
NB. Diese Lichter sind drei starke Kerzen, die auf hohen Leuchtern stehen.
50) Fr. Warum so?
A. Die Sonne, um den Tag, der Mond, um die Nacht, und der Meister-Maurer, um seine Loge zu regieren.
51) Fr. Habt Ihr einige festgemachte Lichter in Eurer Loge?
A. Ja.
52) Fr. Wie viele?
A. Drei.
NB. Diese festgemachten Lichter sind drei Fenster; weil man voraussetzt, (wiewohl ohne Grund,) dass sie sich in jedem Zimmer finden, wo eine Loge gehalten wird ; eigentlich aber sind es die vier Hauptekken nach den alten Regeln der Maurerei.
53) Fr. Wie sind sie gelegen?
A In Osten , Süden und Westen.
54) Fr. Welches ist ihr Gebrauch?
A. Den Männern zu, bei, und von der Arbeit zu leuchten.
55) Fr. Warum sind keine Lichter in Norden?
A. Weil die Sonne von da keine Stralen wirft.
56) Fr. Wo steht Euer Meister?
A. In Osten.
57) Fr. Warum so?
A. Sowie die Sonne aufgeht in Osten, und den Tag eröfnet, so steht der Meister in Osten, (mit seiner rechten Hand auf seiner linken Brust, Welches ein Zeichen ist, und das Winkelmaass um seinen Hals,) um die Loge zu. eröfnen, und seine Leute an die Arbeit zu stellen.
58) Fr. Wo stehen Eure Aufseher?
A. In Westen.
59) Fr. Was ist ihr Geschäft?
A. Sowie die Sonne in Westen untergeht, und den Tag beschliesst, so stehen die Aufseher in Westen, (mit ihren rechten Händen auf ihrer linken Brust, Welches ein Zeichen ist, und die Wasserwage und die Bleiwage um ihren Nakken,) um die Loge zu schliessen, und die Männer von der Arbeit zu entlassen und ihnen ihren Lohn zu bezahlen.
60) Fr. Wo steht der älteste angetretne Lehrling?
A. In Süden.
61) Fr. Was ist dessen Geschäft?
A. Zu hören und Unterricht zu empfangen, und fremde Brüder zu bewillkommnen.
62) Fr. Wo steht der jüngste angetretne Lehrling?
A. In Norden.
63) Fr. Was ist sein Geschäft?
A. Alle Pfuscher und Traufentropfer (Abendschleicher) draussen zu halten.
64) Fr. Wenn ein Pfuscher (oder Horcher) gefangen worden ist, wie ist er zu bestrafen?
A. Er ist unter die Traufen des Hauses (bei regnigem Wetter) zu stellen, bis das Wasser an seinen Schultern hinein und herausläuft, und auch aus seinen Schuhen herausläuft.
65) Fr. Was sind die Geheimnisse (das geheime Wesen) eines Maurers?
A. Zeichen, Merkmale, und einige (mehre) Worte.
66) Fr. Wo bewahrt Ihr diese. Geheimnisse (diese geheimen Dinge )?
A. Unter meiner linken Brust.
67) Fr. Habt Ihr einen Schlüssel zu diesen Geheimnissen?
A. Ja.
68) Fr. Wo verwahret Ihr ihn?
A. In einer beinernen (knöchernen) Büchse, die nur mit elfenbeinernen Schlüsseln zu öfnen und zu verschliessen ist.
69) Fr. Hangt oder liegt er?
A. Er hangt.
70) Fr. Woran hangt er?
A. An einer Tauleine von neun Zollen oder von einer Spanne.
71) Fr. Von was für Metall ist er?
A. Gar von keinem Metall; sondern eine Zunge von gutem Rufe ist ebenso gut hinter eines Bruders Rükken, als vor seinem Angesichte.
NB. Der Schlüssel ist die Zunge, die beinerne Büchse die Zähne, die Tauleine der Gaumen seines Mundes.
72) Fr. Wie viele Grundsätze (Principien) sind in der Maurerei?
A. Vier.
73) Fr. Was sind sie?
A. Punkt, Linie, Oberfläche und Körper.
74) Fr. Erkläret sie!
A. Der Punkt ist das Centrum (um welches rings herum der Meister nicht irren kann ) die Linie ist eine Länge ohne Breite; Oberfläche ist Länge und Breite j der Körper begreift das Ganze.
75) Fr. Wie viele Hauptzeichen?
A. Vier.
76) Fr. Was sind sie?
A. Guttural, Pectoral, Manual, Pedestal.
77) Fr. Erkläret sie!
A. Guttural (bedeutet) die Kehle; Pectoral die Brust; Manual die Hand; Pedestal den Fuss.
78) Fr. Was lernet Ihr dadurch, dass Ihr ein Herr-Maurer (Maurerherr; vornehmer, gebildeter Maurer) seid (als ein Herr-Maurer)?
A. Verschwiegenheit, Sittlichkeit und gute Gesellschaft (Geselligkeit, gesellschaftliches Zusammhalten).
79) Fr. Was lernet Ihr dadurch, dass Ihr ein Werkrnaurer seid?
A. Hauen, rechtwinklich machen, Steine formen, eine wasserrechte Linie legen, und eine senkrechte aufrichten.
80) Fr. Habt Ihr Euren Meister heute gesehen?
A. Ja.
81) Fr. Wie war er gekleidet?
A. In einer gelben Juppe und einem Paar blaue Hosen.
NB. Die gelbe Juppe ist der Zirkel und das Paar blauer Hosen die Stahlspitzen.
82) Fr. Wie lange dient Ihr Eurem Meister?
A. Von Montags früh bis zum Sonnabende nachte.
83) Fr. Wie dient Ihr ihm?
A. Mit Kreide, Holzkohlen und irdener Pfanne.
84) Fr. Was bedeuten sie?
A. Freiheit, Wärme (Inbrunst) und Eifer.
85) Der Prüfende. Gebt mir des angetretnen Lehrlings Zeichen!
Der Antw. Die vier Finger der rechten Hand ausstrekken, und dieselben querüber an der Kehle vorbeiziehen, ist das Zeichen, und fordert ein Merkmal.
NB. Ein Merkmal ist, wenn man den Ballen des Daumens der rechten Hand auf das erste Gelenk des Vorderfingers der rechten Hand des Bruders legt, Diess fordert ein Wort.
86) Fr. Gebt mir das Wort!
A. Ich will es mit Euch buchstabenweis hersagen.
87) Der Prüf. MiniMini3zw.jpg. (NB. der Prüf. sagt B, der Antwortende O, der Prüf. A, der Antw. Z, das ist: MiniMini3zw.jpg.) Gebt mir ein anderes!
Der Antw. MiniMini3zw.jpg. (NB. MiniMini3zw.jpg und MiniMini3zw.jpg waren zwei Pfeiler in König Salomon's Halle; 1 Könige, Kap. 7, Vers 21.)
88) Fr. Wie alt seid Ihr?
A. Unter sieben. (Diess bedeutet, dass .er noch nicht Meister geworden ist.)
89) Fr. Wofür ist der Tag?
A. Um darin zu sehen.
90) Fr. Wofür ist die Nacht?
A. Um zu hören.
91) Fr. Wie blässt der Wind?
A. Genau von Ost nach West.
92) Fr. Welch' Zeit ist's?
A. Genau Zwölf.


Ende von des angetretnen Lehrlings Theile.


Des Verfassers Selbrechtfertigung gegen den vorurtheilvollen Theil des Menschengeschlechts

Von allen Betrügereien, welche sich unter den Menschen gezeigt haben, ist keine so lächerlich, als das Geheimniss der Maurerei, welches die Welt beschäftiget (irregeführt), und verschiedene Vertmuthungen (Annahmen zur Erklärung) veranlasst hat. Aber dieses, falsche Vorgeben (Bedrohung) wegen der Geheimheit ist nicht stark genug gewesen; das Geheimniss der Maurerei ist (obgleich nicht vollständig) entdeckt worden, und der Hauptartikel, nehmlich die Verpflichtung, ist mehrmals in öffentlichen Blättern abgedruckt, und zwar ganz echt in the Daily Journal of Saturday, Aug. 22. 17З0, nach seiner Wahrhaftigkeit völlig einstimmig, sowie sie sich in dieser kleinen Schrift findet; und wenn also die Verpflichtung des Geheimhaltens aufgehoben ist, so verliert das erwähnte Geheimniss alle Kraft, und muss ganz erlöschen; denn einige Werkmaurer (welche jedoch, gemäss der feineren Weise, angenommene Maurer waren,) machten von der (nach dem Londoner I.ogenbuche) ersten und ältesten Loge aus einen Besuch bei einer bekannten Loge der Hauptstadt, und es wurde ihnen der Einlass versagt, weil ihre alte Loge in ein anderes Haus verlegt worden war; Welches, jedoch im Widerspruch mit diesem grossen Geheimnisse, eine neue Constitution mit einem Aufwande von nicht weniger, als zwei Guineen, nöthig macht, und eine feine Bewirthung ausserdem, unter dem Vorgeben, dass sie zu wohlthätigen Zwekken verwandt werden sollen.
Wenn nun Dieses in Wahrheit geschähe, so würde es zu grossen Lobreden eines so werthvollen Unternehmens berechtigen; allein Dieses ist sehr zu bezweifeln, und der Gedanke ist viel wahrscheinlicher, dass es verwandt zu werden bestimmt ist, um ein neues System von Maurerei zu bilden; da der alte Bau so hinfällig ist, dass, wenn er nicht durch irgend ein verborgenes Geheimniss ausgebessert wird, er bald vernichtet sein muss.

Ich fühlte mich bewogen, dieses gewaltige Geheimniss zum gemeinen Besten öffentlich bekannt zu machen, auf Ansuchen unterschiedener Maurer, und ich werde, wie ich hoffe, damit volle Befriedigung geben, und den beabsichtigten Zweck erreichen, so viele Leichtgläubige davor zu. bewahren, dass sie nicht in eine so verderbliche Gesellschaft hineingezogen werden.


Teilübersetzungen aus dem Gesellen- und Meistergrad

Gesellengrad

(II, 417)
Im Gesellenfragstükke (p. 15 oder vielmehr 2З) giebt Prichard, gleich nach der in Zunftreimchen von vier Strophen abgefassten Lobpreissung des Buchstaben G, folgenden Gesellengruss, der das Gesellenfragstück schliesst.]

Der Fragprüfende. Gottes guter Gruss sei unserer glücklichen Versammlung (Zusammenkunft) geboten!
Antwortender. Und allen sehr ehrwürdigen Brüdern und Genossen.
Frag. Von der sehr ehrwürdigen und heiligen Loge des heiligen Johannes.
Antw. Von wannen ich komme.
Frag. Ich grüsse euch, ich grüsse euch, ich grüsse euch dreimal von Herzen aufs schönste, und bitte um euern Namen.
Antw. Timotheus Lächerlich.
Frag. Willkommen, Bruder, durch die Gnade Gottes.

[— Ein Meistergruss kommt in Prichard's Meister-Lehrfragstükke nicht vor.]


Meistergrad

(II, 412.413)
[Prichard giebt (in der Meisterlection) diese fünf Punkte mit einer lehrreichen Abweichung so an. —]

Exam. Wie wurde Hiram aufgehoben?
Resp. Wie alle andere Maurer, wenn sie das Meisterwort empfangen.
Exam. Wie ist Das?
Resp. Durch die fünf Punkte der Genossenschaft.
Exam. Wo sind diese?
Resp. Hand an Hand, Fuss an Fuss, Wange an Wange, Knie an Knie, und Hand an den Rükken.


(II, 408-409)
[… Hjeher gehört auch ein wahrscheinlich lange vor dem J. 1717 eingeführtes eigenes Erkennzeichen, um die angenommenen Maurer von den wirklichen arbeitenden Maurern zu unterscheiden, welches Prichard in seiner Masonry dissected zum Schluss der Meisterlection in folgenden Worten aufbehalten hat.]

NB. Wenn etwa einige Werkmaurer bei der Arbeit sind, und Ihr habt ein Verlangen, die angenommenen Maurer unter den Übrigen zu unterscheiden, so nehmet ein Stück Stein, und fragt ihn, wonach es riecht, so erwiedert er sogleich, weder nach Erz, noch Eisen, noch Stahl, sondern nach einem Maurer; sodann, wenn Ihr ihn fragt, wie alt er ist, erwiedert er, über sieben; Welches bedeutet, dass er Meister geworden.


Siehe auch


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