Lieder aus Petersburg, 1777

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Sieben neue Lieder aus St. Petersburg, 1777

Ausarbeitung: Roland Müller


Freymäurerlieder zum Gebrauch der E. Loge der Verschwiegenheit in St. Petersburg.
Zwote verbesserte Auflage.
Gedruckt bey Weitbrecht und Schnoor 1777.

Über eine 1. Auflage ist nichts bekannt.

Diese Loge wird schon 1750 erwähnt. Ein Stuhlmeister war Peter Melesino. Die Loge soll sich 1776 der Draskovic-Observanz angeschlossen haben.

Einen detaillierten Bericht hat kürzlich Robert Collis publiziert:
Illuminism in the Age of Minerva:
Pyotr Ivanovich Melissino (1726–1797) and High-Degree Freemasonry in Catherine the Great's Russia
http://sheffield.academia.edu/RobertCollis


9 der 23 Lieder erschienen in keinem späteren Liederbuch.

Die 7 mit * bezeichneten Lieder erschienen auch in der von Johann Böber herausgegebenen Sammlung:
Freymäurerlieder zum Gebrauch der Vereinigten Logen in Russland. Erste Sammlung. St. Petersburg 1780

Die Lieder

 * I. Rührt mächtig die Saiten – singt jubelnde Lieder

II.


Auch in:
Auswahl von Freymäurerliedern. Durch die E. Loge Muse Urania gesammlet. 1788, 194,
CXLIII. Auf das Wohl der Ordens-Obern

Schaft Brüder! Eure ganze Lust
Zur Ehrfurcht um, in warmer Brust;
Der Wunsch, die Ordens-Meister leben,
Befiehlt mehr als das Glas zu heben.
Sie spricht aus unser aller Blick,
Wohlan, es blüh der Meister Glück!
Ein Glück, das Leben, Kraft und Ehre
Dem Orden stets durch Sie gewähre.


III.


Auch in:
Auswahl von Freymäurerliedern. Durch die E. Loge Muse Urania gesammlet. 1788, 114,
LXXXIII. Auf das Wohl des hammerführenden Meisters

Heil Ihm, der unsern Hammer führt,
Schön, wie die Würde, die Ihn ziert,
Groß, wie Sein Eifer im Geschäfte,
Und wirksam auf der Brüder Kräfte.
Heil Ihm, doch nicht bloß dieser Wein,
Das Herz ruft: Er soll glücklich seyn.


*IV.


Auch in:
Lieder für die Freimäurer-Loge zur Bruderliebe in Reval. 1780


Auf! werthe Brüder, auf versäumt
Die Zeit nicht, die zum bessern Leben
Das gütige Geschick gegeben!
Es perlt der Wein, der Becher schäumt.

Vertrinkt die Sorgen, die uns dräun,
Der Thor ist nicht beglückt beym Leyde:
Der Weise ist es durch die Freude;
Und diese Freude giebt der Wein.

Ha! dreymal sey das Glas gefüllt!
Und dreymal rufen alle Weisen,
Die mit uns diese Freude [1780: Freuden] preisen:
Der Meister lebe, dem es gilt.

Durch Ihn ward uns die Tugend hold:
Durch Tugend ward das beßre Leben
Vom gütigen Geschick gegeben
Und dieser Wein, ein trinkbar Gold.
B.


*V.


Auch in:
Auswahl von Freymäurerliedern. Durch die E. Loge Muse Urania gesammlet. 1788, 234-235,
CLXXIII. Aufs Wohl eines Bruders, bey der Tafel-Loge


Wer in der Weisheit edlem Bunde
Der Tugend willig Weyhrauch streut,
Der Freundschaft gern die Rechte beut,
Des Loblied schallt von unserm Munde.

Chor.
Feyert ihn, mit vollen Medlodien!
Aller Herzen glühn – glühn vereint für ihn.


Wir theilen mit ihm alle Freuden,
Die uns die Tugend zugewandt;
Er schmecket mit uns Hand in Hand
Der holden Freundschaft Seeligkeiten;

Chor.
Feyert ihn, mit vollen Melodien!
Aller Herzen glühn – glühn vereint für ihn.


Ihm fliesset jetzt der Saft der Rebe!
Wir leeren reger Freuden [1788: Freude] voll
Den Becher dreymal auf sein Wohl,
Und rufen -- rufen laut: Er lebe!

Chor.
Feyert ihn, ha [1788: ihr] Brüder, feyert ihn,
Er ists, für den der Maurer Herzen glühn.


Verändert in:
Vollständiges Gesangbuch für Freimaurer.1801, 270, Nr. 415
Maurerische und gesellschaftliche Lieder zum Gebrauch der Großen Landes-Loge von Deutschland in Berlin.1817, 196
Lieder-Buch für die Große Landes-Loge von Deutschland zu Berlin und ihre Töchter-Logen. Berlin 1832, 275,
1857 und 1869, 396,
mit der Angabe: Comp. v. Hurka


Wer mit der Weisheit stets im Bunde,
der Tugend willig Weihrauch streut;
der Freundschaft [1832: Dem Freunde] gern die Rechte beut:
deß Lob erschall in unserm [1832: aus jedem] Munde!
denn er verdient der Tugend Preis,
der Freundschaft Lob in unserm Kreis.

2. Wir theilen mit ihm alle Freuden,
die uns die Tugend zugewandt;
er schmecke mit uns, Hand in Hand,
der holden Freundschaft Seligkeiten;
denn er verdient der Tugend Preis,
der Freundschaft Lob in unserm Kreis.

3. Ihm fließe jetzt der Saft der Rebe;
wir feuern, reger Freude voll,
als Brüder, dreimal auf sein Wohl,
und rufen, rufen laut: Er lebe!
Er leb'! doch nicht bloß dieser Wein —
das Herz ruft: er soll glücklich seyn!

[1832:
Drum feuern mit dem Saft der Rebe,
Als traute Brüder, freudenvoll,
Durch dreimal drei wir auf sein Wohl,
Und rufen insgesammt: er lebe!
Doch nicht der Mund sagt es allein,
Das Herz spricht: er soll glücklich seyn!]



VI. Hier in der Freyheit sicherm Schooße
siehe: Ludwig Friedrich Lenz: 9 + 4 freimaurerische Gesänge
IIII. Gesellen-Lied, 1746



VII. Wie süß, o Freundschaft, schmeckest du
siehe: Johann Wilhelm Bernhard von Hymmen: 8 neue Lieder, 1771
unter dem Titel: 23. Lob der Freundschaft


VIII. Parodie des Schlußchors aus der Muse.


Auch in:
Lieder für die Freimäurer-Loge zur Bruderliebe in Reval. 1780

Chor.
Nicht dir, o lächelnde Cythere,
Nicht dir, o Rebengott, zur Ehre,
Erbaut der Mäurer hier Altäre;
Hier ist der Weisheit Aufenthalt.

Einer.
Sie lehrt, mit Tugend uns zu schmücken,
Und sie gewähret das Entzücken,
Das froh durch unsre Adern walt [1780: wallt],
Wenn unser Lobgesang die Lüfte
(Weit lieblicher als Balsamdüfte)
Erfüllt, und weit umher erschallt.

Chor.
Nicht dir, o lächelnde Cythere,
Nicht dir, o Rebengott, zur Ehre
Erbaut der Mäurer hier Altäre:
Hier ist der Weisheit Aufenthalt.

Einer.
Ihr Menschenfeinde, flieht in Hölen,
Die finster sind, wie eure Seelen,
Ihr seyd für jede Freude kalt.
Möcht ihr doch immer von uns eilen,
Wie vor des Jägers scharfen Pfeilen
Das Wild entflieht [1780: entflicht], und sucht den Wald.

Chor.
Ihr flieht Lyäen und Cythere,
Und sucht im Menschenhaß nur Ehre:
O fliehet unsere Altäre,
Und meidet unsern Aufenthalt.

Einer.
Geruhig, selbst beym Stral der Blitze
Verändert in dem Weisheitssitze
Der Mäurer niemals die Gestalt.
Er trotzt den Stürmen, und dem Meere;
Und selbst der Leidenschaften Heere
Verliehren bey ihm die Gewalt.

Chor.
Zwar schmähen wir dich nicht, Cythere!
Wir schmälern nicht des Weingotts Ehre;
Doch hat die Weisheit nur Altäre
Und herrscht in unserm Aufenthalt.
S.


*IX.


Auch in:
Friedrich Wilhelm von Schütz: Versuch einer vollstændigen Samlung Freimaurer-Lieder zum Gebrauch der Loge Ferdinand zum Felsen in Hamburg.1790, 175-176 (ohne die 2. Strophe),
unter dem Titel: Armen-Lieder
Versuch einer vollständigen Sammlung Freimaurerlieder zum Gebrauch deutscher Logen. 2. Aufl. Altona 1800, 186-187
Vollständiges Gesangbuch für Freimaurer. 1801, 218
Maurerische Gesänge für die Loge Archimedes zu den Drei Reißbretern in Altenburg. Erster Band, 1804, 208-209
Lieder zum Gebrauch der unter der Constitution der Großen Loge zu Hamburg vereinigten Logen. 1823, 199-200


Vertont von Joseph Karl Ambrosch


Seelig, wem die Menschlichkeit
Milde Sympathien
Für die Freude und fürs Leid
In sein Herz verliehen
[1790: Mütterlich verliehen:9
Wer im Schoos der Glücklichen
Lust in Strömen trinket,
Wessen Zähre [ab 1790: Träne] Seufzenden
Auf die Wange sinket.

Heil uns! dreymal Heil! – Uns war
Dies Gefühl beschieden,
Als zuerst am Weihaltar
Unsre Herzen glühten.
Als der Weisheit Melodey,
Nachtigallen Liedern
Gleich ertönte: „Küssend weih‘
Ich euch jetzt zu Brüdern.

Ha! seit diesem Augenblick
[1823: Ja, in solchem Augenblick]
Schmelzen unsre Herzen.
Bey des Wonnetrunknen Glück;
Bey Gebeugter Schmerzen,
Harmonie und Saitenspiel
Weihen wir der Freude;
Aber Thränen, und Gefühl
Herben Grams, dem Leide.
[ab 1790: Aber Tränen, Mitgefül,
Rath und That dem Leide.]
 
Selbst beym Weine, wenn sich hier
Scherz und Ernst verschwistern,
Frommer Armer! hören wir
Deine Seufzer flüstern:
Sehn gerührt der Wehmuth Zoll
Von der Wange fliessen.
O, und [ab1790: Und wir] eilen mitleidsvoll,
Ihn dir abzuküssen.
B.



 *X. Unter Flöten, unter Saiten



XI. Wir baun der Tugend hier Altäre
siehe: Sieben Lieder von Johann Philipp Schönfeld, 1771


XII.


Auch in:
Auswahl von Freymäurerliedern. Durch die E. Loge Muse Urania gesammlet. 1788, 138-139 (mit Chor)
CIV. Zuruf an den Neuaufzunehmenden.
Eigene Melodie

Komm, nahe dich dem Lichte,
Tritt ein in unser Band:
Genieß der Freundschaft Früchte,
Die es dir zugewandt.
Horch, jeder ruft dir zu,
Mit Herz und Mund: Glück zu!

Das Glück der Ungeweihten
Ist ohne Reitz und Werth;
Hier werden rein’re Freuden
Dem, der sie sucht, gewährt.
Du bist der Suchende,
Drum ruft man dir: Houze!

Aus brüderlichem Triebe
Reicht man dir Herz und Hand:
Und Eintracht, Treue, Liebe,
Knüpft hier der Freundschaft Band.
Tilgt sie uns Schmerz und Weh,
Dann jauchzen wir: Houze!




XIII: Sey uns willkommen in des Friedens Wohnung
siehe: Acht neue Lieder aus Riga, 1779 (5) und 1785 (3)
unter dem Titel: An einen neuaufgenommenen Bruder
bereits erschienen in:
Almanach oder Taschen-Buch für die Brüder Freymäurer. 1777



XIV. Erschall in Jubelvollen Liedern
siehe:
Acht neue Lieder aus Riga, 1779 (5) und 1785 (3)
Das Gefühl der Frei-Maürer
bereits erschienen in:
Almanach oder Taschen-Buch für die Brüder Freymäurer. 1777
(hier stark gekürzt)



XV. Laßt uns zur Freude gesellig seyn!
siehe:
Acht neue Lieder aus Riga, 1779 (5) und 1785 (3)
Ermunterung zur Freude
bereits erschienen in:
Almanach oder Taschen-Buch für die Brüder Freymäurer. 1777
(hier stark gekürzt)



XVI. Preißt Freunde, Brüder, Mäurer
siehe: Johann August von Starck: neun kleine Oden, 1770



 * XVII. Harfenklang und Jubeltone
siehe: 74 Kettenlieder, 1778



XVIII. Die Freundschaft, die dem Sohn der Erde
In keinem späteren Liederbuch erschienen



XIX. Ihr, die ihr die Menschheit zieret
siehe: Johann August von Starck: neun kleine Oden



XX. Hinweg ,wer von Gewalt und Raube
siehe. Ludwig Friedrich Lenz: 9 + 4 freimaurerische Gesänge
II. Zur Eröffnung der Loge, 1746

Schlußgesänge



 *XXI. Ha! Brüder! welch beglücktes Loos



XXII. Die Zeit entflieht mit raschem Flügel
siehe: Johann Wilhelm Bernhard von Hymmen: 24 weitere Liedtexte, 1772-1781
unter dem Titel: Schlußgesang, 1776



XXIII. Wohlan! genießt der Zeit
siehe: Lied der Lehrlinge, 1722,
5. deutsche Übersetzung (aus: Die offenbarte Freymäurerey, 1745)
mit der Eingangszeile:
Auf! und genießt der Zeit,
(hier nur die 1., 4. und 6. Strophe)



Cantate
Schallt vom festlichen Klang
In keinem späteren Liederbuch erschienen



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