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Traktat: Christliche Mystik und Freimaurerei

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Inhaltsverzeichnis

Traktat: Die verlorene Botschaft hinter den Religionen - Betrachtungen zur christlichen Mystik und der Freimaurerei

Von Kai Stührenberg


„Wollen wir die Wahrheit des Christentums finden, so dürfen wir nicht an seiner Oberfläche , wo alles Schein ist suchen, sondern wir müssen in dessen verborgene Tiefen hinabsteigen, in die nur der Blick des geborenen Mystikers dringt und zwar muss er das selber tun und sich auf keinen anderen verlassen. Wie sich der Sinn eines Musikstückes nicht in dürren Worten wiedergeben oder beschreiben lässt, so ist es auch mit der Mystik. Die Mystik ist das Wissen, das nicht der intellektuellen Klüngelei, sondern der geistigen Erkenntnis entspringt.“

Mit diesem Zitat des Theosophen Franz Hartmann, möchte ich meine Zeilen beginnen.


Religion heute

Wenn wir heut über Religion sprechen dann haben wir es als aufgeklärte und tolerante Menschen nicht leicht, eine Position dazu zu entwickeln. Auf der einen Seite halten wir den Respekt vor Religionen hoch, weil wir wissen, was die Diskriminierung von Religionen in den vergangenen Jahrhunderten angerichtet haben. Der Respekt, den wir insbesondere für den jüdischen oder den muslimischen Glauben aufbringen, ist aber bei den meisten von uns weniger durch eine tiefe Auseinandersetzung mit den Inhalten der jeweiligen Religion geprägt, sondern eher durch eine Toleranz gegenüber Verhaltenskonventionen. Auch über das in unserem Kulturraum verbreitete Christentum wissen wir zumeist wenig. Der Anteil der Menschen, die überhaupt in die Kirche gehen und dann noch öfter als zu Weihnachten und Ostern oder zur Hochzeit sinkt kontinuierlich.

Obwohl unsere Gesellschaft ein eklatantes Defizit an Werten offenbart entsteht doch kein Trend wieder zurück zur Religion. Menschen auf der Suche nach Spiritualität finde diese eher in Esoterik Buchläden oder Yoga und Qi Gong. Woran liegt das?

Nun ich glaube zum einen daran, dass die Kirche es wunderbar verstanden hat, sich im letzten Jahr kontinuierlich zu entspiritualisieren und damit auch zu profanisieren. In den 70ern wurde Kirche politisch und wandre sich mehr und mehr gesellschaftlichen Themen zu. Die eigentlichen Inhalte, Sakramente, Liturgie und Wurzeln der Rituale wurden kaum noch vermittelt.

Die zunehmende Bildung verbot zusehends den naiven Glauben an den alten Mann mit weißem Bart, der auf seinem Thron sitzt und unser Verhalten beurteilt. Auch die Vorstellung von Himmel oder Hölle nach dem Tod könnte sich maximal als Archetyp halten. In einer öffentlichen Debatte würde heute wohl kaum ein intelligenter Mensch darüber sprechen, dass Sünder in die Hölle kommen und liebe Menschen in den Himmel.

Die Menschen haben gemerkt, dass die Geschichten, die man ihnen seit hunderten von Jahren in der Kirche erzählt hat, irgendwie doch eher darauf ausgerichtet waren, die Bedeutung der Kirche zu manifestieren und das Volk kontrollieren zu können oder Kinder zu erziehen. In einer relativ befriedeten Wohlstandsgesellschaft gibt es dann auch keinen echten Mehrwert mehr, den Religion stiften kann und der plausibel vermittelbar wäre.

Die Generation der in den 50er und 60ern geborenen hat dafür gesorgt, Religion als Opium für das Volk zu entlarven und hat damit dem Menschen eine neue Freiheit gegeben. Leider hat sie es versäumt, das dadurch entstandene Vakuum mit irgendetwas anderes zu füllen. Offensichtlich gibt es ein Grundbedürfnis nach Spiritualität und auch nach geistiger Führung. Manch einer mag sich ein christliches Wertesystem in der Erziehung wieder zurückgewünscht haben, wenn wir heute auf Schulhöfen erleben, dass Gewalt immer weiter eskaliert und große Steuerhinterzieher und Großkonzerne, sowie Casting Shows dafür sorgen, dass Geiz ist geil und Erfolg mehr Wert hat als Wohltätigkeit, Ehrlichkeit und Demut.

Als Kind hat uns alle die Geschichte von Adam und Eva, sowie die Genesis fasziniert. Sieben Tage für die Welt und dann zwei Menschen, die nicht hören wollten und dann nach der Verfügung durch die Schlange aus dem Paradies geworfen wurden. Dass diese Geschichte nicht als Märchen, sondern als Allegorie zu bewerten ist, liegt eigentlich auf der Hand, und doch hat man das mir als Kind jedenfalls nicht erzählt.

Diese Wahrheit kann man mit dem richtigen Blick in jeder Religion wiederfinden. In den mystischen Zweigen sowieso aber auch in der Bibel und dem Koran findet man Formulierungen, die dazu passen.

Atheisten führen oft die Ungerechtigkeiten in der Welt als Argumenten gegen die Existenz Gottes an. Ebenso wird die Unmöglichkeit des Eingriffs und der Lenkung erläutert. Dabei ignorieren sie vollkommen die Vorstellung, dass Gott auch für Gläubige kein Mann mit weißem Bart ist, sondern schlicht ein Prinzip. Gleich einem Naturgesetz nur viele Ebenen höher wirkt das Prinzip So wie die Gravitation auf alles wirkt, ob man an sie glaubt oder nicht. Das Prinzip Gott wirkt, alles hängt miteinander zusammen und bedingt sich. Dieser Umstand erklärt auch die Synchronizität, insbesondere die Astrologie. Nicht die Sterne bestimmen das Schicksal der Menschen, sondern der Astrologe zieht Verbindungen zwischen dem Verhalten der Sterne und dem der Menschen und daraus leitet er Informationen ab. Alles passiert aber weil alles miteinander zusammenhängt ist die Welt wie eine große Maschine, in der dann doch der Flügelschlag eines Schmetterlings oder der Sack Reis in China eine weltumspannende ja sogar kosmologische Bedeutung erhält.

Die Pythagoräer haben versucht, dieses Zusammenspiel durch Geometrie zu erklären und das System der Monade und der Teilung der Flächen und der Körper erklärt dann sehr gut das Prinzip der Schöpfung www.tetraktys.de. Auch in der Geheimlehre der Theosophen (H.P. Blavatsky) findet man diese Inhalte wieder.

Der unbewusste Mensch empfängt den göttlichen Geist und ahnt, dass er sich entwickeln muss. Er macht eine Reihe von Prüfungen durch, setzt sich mit Gut und Böse in sich selbst auseinander um dann irgendwann zur Erkenntnis gekommen zu sein. Dann stirbt der alte unerleuchtete Geist und wird erleuchtet und wiedergeboren. Von diesem Punkt aus kann er diese Welt verlassen und höhere Sphären. 

Kirche und Mystik

Die christliche Kirche hat sich überall dort wo sie ich ausgebreitet hat, die alten Kulte und Gottesvorstellungen entweder assimiliert oder bekämpft, manchmal beides getan. Wie zum Beispiel Ostern als heidnisches Fest der Fruchtbarkeit und gleichzeitig als die Auferstehung von Jesus Christus begangen wird. Ein weiterer Grund für das Vorhandensein der Religio Duplex ist die Annahme, dass die inkarnierten Seelen auf der Erde unterschiedlich weit entwickelt sind und daher nicht alle Menschen beriet und in der Lage sind, diese Gotteserkenntnis zu haben. So haben wir eine Religion, die das menschliche Miteinander regelt und eine Mystische Linie, die den Weg zu Gott für die weiter entwickelten Seelen bereitstellt. Eine Ansicht, die nicht ohne Gefahren ist, denn schnell kann man hierbei zu einer gewissen Hybris kommen, und die einen über die anderen Menschen stellen. Das beste Beispiel hierfür ist natürlich die Entstellung des Arierbegriffes und der Fehlinterpretation des Rassenbegriffes der Theosophie durch die Nationalsozialisten.

Ein wichtiges Indiz für das Unverständnis des Neuen Testaments liegt für mich im Pfingstfest. Die Aussendung des Heiligen Geistes ist als Erklärung noch dem einen oder anderen geläufig aber über die Bedeutung dieser Aussendung wird im Konfirmanden untereicht ähnlich wenig gelehrt wie über die Apokalypse von Johannes. Diese Themen sind voller Allegorien und beinhalten so viel an Botschaften und Symbolik, dass es wahrscheinlich auch die meisten Pastoren überfordert, hier wirklich etwas aussagen zu können.

Im protestantischen Glaubensbekenntnis wird gefordert, dass man an die Auferstehung und die unbefleckte Empfängnis glaubt. In Kombination mit dem „Lahme wieder gehend machen“ und „dem Laufen über das Wasser“ sehen wir heute sehr deutlich den Dissenz zwischen dem Gläubigen, der diese „Wunder“ einfach glaubt und dem Rationalisten, der wissenschaftliche argumentiert, dass das wohl alles nicht möglich sein. Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erde. Und an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unsern Herrn, empfangen durch den Heiligen Geist, geboren von der Jungfrau Maria, gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben, hinab gestiegen in das Reich des Todes, am dritten Tage auferstanden von den Toten, aufgefahren in den Himmel; er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters; von dort wird er kommen, zu richten die Lebenden und die Toten. Ich glaube an den Heiligen Geist, die heilige christliche Kirche, Gemeinschaft der Heiligen, Vergebung der Sünden, Auferstehung der Toten und das ewige Leben. Amen.

Einem Schüler der Magie wiederum würden diese Geschichten gar nicht so wunderlich vorkommen, weil er in Jesus einfach einen Adepten sieht, der seine Fähigkeiten, die Astralwelt zu beeinflussen soweit perfektioniert hat, dass er mit der Kraft des Willens die Realität ändern kann. Jedem, der es gewohnt ist, in Symbolen zu denken, kommt bei diesem Glaubensbekenntnis schnell in den Sinn, dass mehr dahinterstecken könnte. Gleichzeitig findet man in diesem Glaubensbekenntnis aber auch schon Formulierungen, die eine tiefere Mystik vermuten lassen.

Wie bekommen wir diese unterschiedlichen Positionen zusammen. Zugegebenermaßen hege ich eine gewisse Sympathie für die Interpretation des Magiers. Unabhängig davon, ob Jesus nun wirklich gelebt hat oder nicht und ober er zu einer bestimmten Stufe der Adeptschaft vorgedrungen ist, betrachte ich die Bibel im Kern nicht als Geschichtsaufschreibung und auch nicht als Fabel oder Märchen, sondern als eine Aufzeichnung von Symboliken und Allegorien, die letztendlich auf den Kern aller Religionen zurück zu führen sind.

Wir finden in allen Religionen, auch den monotheistischen, immer einen mystischen Urgrund, der immer von geringer Verbreitung geprägt war aber immer parallel existierte. Ob es der Sufismus im Islam ist, die Kabbala im Judentum. Oder das Urchristentum im Christentum.

Für diese ganzheitliche Anschauung wurde im 16. Jhd, auch der Begriff "Philolsophia Perennis" geprägt. Er bezeichnet „diejenigen Grundwahrheiten, die bei allen Völkern zu allen Zeiten vorhanden sein und zusammen die eine Wissenschaft aus dem einen Prinzip Gott ausmachen sollen.“ Leibniz verstand seine Beiträge zur Philosophia perennis als einen zeitgemäßen Ausdruck ewiger und universaler Geist- und Naturgesetze. Ewige Wahrheiten werden nicht entwickelt, sondern sind von „den Alten“ schon vollständig ausgedrückt worden. Man findet den Ansatz auch bei Spinoza und Giordano Bruno.

Religio Duplex

Religio Duplex nennt man dieses Phänomen. Hierzu der Ägyptologe Jan Assmann folgende Erläuterung:

„Im 17. Jahrhundert schlägt die Geburtsstunde der Religionswissenschaft. Sie entsteht aus der Frage nach der Herkunft der Götter, des Polytheismus. Der Monotheismus, darin war man sich einig, bildete die Urreligion: Das war nicht die Religion der Offenbarung, sondern die Religion der Natur und der Vernunft, die allen Menschen gemeinsam und auch in allen heidnischen Religionen aufspürbar ist. Die Vielgötterei entstand erst mit den Staaten; denn Herrschaft braucht die Götter, um dem Volk politische und moralische Orientierung zu geben. Unter diesen Bedingungen zog sich die Urreligion in den Untergrund zurück: So entstanden die Mysterien.
Grundmodell dieser Entwicklung ist das alte Ägypten, der erste Staat der Geschichte, in dem sich diese religiöse Doppelstruktur besonders klar ausprägte. Die Ägypter hatten zwei Schriften, so las man es bei den Griechen: eine fürs Volk, eine für die Mysterien, und sie bauten über der Erde für die offizielle und unter der Erde für die geheime Religion, nämlich den Kult der verschleierten Isis. In dieses Bild blickten die Geheimgesellschaften wie in einen Spiegel."

Im Sohar in der jüdischen Kabbala wird es folgendermaßen beschrieben:

“Die Erzählungen sind ihr Kleid, die aus ihnen hervorgehende Moral ist ihr Körper, der verborgene geheimnisvolle Sinn endlich ist die Seele der Thora. Die Toren aber halten die Erzählungen selbst schon für den Körper und dringen nicht weiter hinein. Die Verständigen sehen noch auf das was dieses Kleid umschließt, den Körper und nur die wirklich Weisen aber richten ihr Augenmerk ganz allein auf die Seele der Thora. Sie allein sind dazu bestimmt, in der zukünftigen Welt die Seele dieser Seelen (der Gottheit) welche in der Thora atmet anzuschauen. “

Hier wird deutlich: Es gibt nur eine einzige ewige Wahrheit und nur eine einzige Erkenntnis derselben Weisheit. Aber die Lehre, die sie mit sich bringt, kann in verschiedenartiger Form dargestellt werden. Sie ist aber wohl aus gutem Grunde nicht für jeden zugänglich, zumindest nicht für jeden zu jeder Zeit.

Die Rosenkreuzer waren es, die das alte Bild der Mysterien in Europa wieder populär gemacht haben. Leider und trotz erheblichen Einfluss auf die gesellschaftliche Entwicklung mit mäßigem Erfolg bei den gläubigen Menschen. Die Macht der Kirche war hier einfach zu groß. Berühmte Zeitgenossen wie Jacob Böhme oder Meister Eckhart hatten unter Repressalien und Gefahr von Leib und Leben zu leiden. Ihre Ideen und Auffassungen vom Sinn des Christentums, von Kosmos und Sinn des Lebens waren der Hermetik sehr verwandt und lösten sich von den Machtstrukturen der Kirche. Ihr Kern war immer, die Individualität in der Ausübung der Religion. Jeder Mensch ist Teil der göttlichen Schöpfung und ist auf der Welt, um diesen göttlichen Impuls in sich zu entdecken und zu entwickeln, um selbst Gott zu werden. Aus dem Blickwinkel der Kirche war das krasse Häresie und sie ließ nichts unversucht, diese Gedanken und deren Urheber zu verfolgen, einzuschüchtern oder zu vernichten.

Wir finden noch einige Inhalte in den Apokryphen. Vieles wurde aber durch unzulängliche Übersetzungen oder aber auch aktive Streichungen durch verschiedene Päpste auf Konzilen im Mittelalter verändert oder entfernt. So ist viel Wissen verloren gegangen, von dem einiges ggf. noch im Vatikan Archiv schlummert. Der breiten Bevölkerung sind diese alten mystischen Botschaften vorenthalten worden. Ein Vorgang der uns in Bezug auf Ritualänderungen in der Freimaurerei sehr wachsam machen sollte.

Die christliche Mystik ist heute in der modernen Gesellschaft alles andere als Allgemeingut. Kaum ein Religionsunterricht greift das Thema auf und auch in der Philosophie fristet das Thema eher ein Schattendasein. Meister Eckeharts Botschaft ist der der Neognostiker sehr ähnlich. Im Unterschied zu den Gnostikern betrachtet er die gesamte Schöpfung als von Gott gewollt und Gott immanent in allem vorhanden. Die Gnostiker betrachteten die Dualität eher als „Jammertal“ dass vom übel ist und schnell überwunden werden muss. Von der Tendenz her kann meine Eckart´s Position deistisch oder pantheistisch nennen: Christus ist zwar ein unerreichtes Vorbild, nicht aber von Natur aus von anderen Menschen prinzipiell verschieden. Grundsätzlich ist jeder befähigt, das zu verwirklichen und zu vollbringen, was Christus verwirklicht und vollbracht hat.

Eckharts Lehre kreist um die Pole Gott und menschliche Seele. Er klärt seine Hörer bzw. Leser über die Beschaffenheit der Seele und über Gott auf und lehrt, wie sich Gott und Seele zueinander verhalten. Seine Hörer sollen dazu angeleitet werden, anhand eigener Selbst- und Gotteserfahrung zu den von ihm beschriebenen Einsichten zu gelangen und nicht über die Autorität der Kirche.

Meister Eckhart war ein gelehrter und belesener Mann. Er zitiert biblische Texte als auch antike und mittelalterliche Kirchenschriftsteller und nichtchristliche Philosophen wie Aristoteles oder Platon. Durch die Offenbarung begegnet nach seiner Auffassung dem nach Gotteserkenntnis strebenden Menschen der dreifaltige Gott. Gott, als Schöpfer ist er die Ursache alles Geschaffenen, als Dreifaltigkeit tritt er in drei Personen in Erscheinung. Die drei Personen (Vater, Sohn und Heiliger Geist) bilden zwar aufgrund ihrer Wesensgleichheit eine Einheit, doch besteht zwischen ihnen zugleich ein Unterschied, sodass innerhalb der Trinität innergöttliche Beziehungen und Vorgänge möglich sind. Die Gottheit ist dem Menschen real zugänglich.

Wie die Neuplatoniker spricht Eckhart der Gottheit alle Eigenschaften ab. Gott ist alles und nicht begreifbar. Menschliche Werte können daher nicht auf ihn angewendet werden. Kategorien wie gut, gütig, weise oder böse werden so obsolet. Gott ist ewig und umfassend. Alles Geschaffene ist dagegen mannigfaltig, veränderlich und vergänglich. Das Dasein der geschaffenen Dinge ist nichts anderes als ein Kreislauf von Werden und Vergehen. Die Schöpfung vollzieht sich also in jedem Augenblick aufs Neue. Die Seele gelangt auf unterschiedliche Weisen zur Erkenntnis. Die Sinnesorgane vermitteln ihr Informationen aus der Sinneswelt, doch ihr Wissen über diesen Bereich entnimmt sie nicht der Sinneswahrnehmung, sondern sie trägt es bereits latent in sich und wird durch das, was über die Sinnesorgane hereinkommt, nur an dieses schon vorhandene Wissen erinnert. Hierfür beruft sich Eckhart auf Augustinus sowie wiederum auf Platon.

Letztendlich kann man davon ausgehen, dass es eine Wahrheit gibt, die hinter allen Religionen steht. Ein erstes Indiz dafür sind die Parallelen, die wir in allen Religionen und Kulten finden.

Die Dreiheit, die wir nicht nur in der christlichen Trinität von Vater, Sohn und Heiliger Geist finden sondern auch in Isis, Osiris und Horus finden oder in Brahma, Vishnu und Shiva, Weisheit, Schönheit, Stärke, physische, mentale und astrale Welt, Bibel Winkelmaß und Zirkel, Sonne, Mond und Sterne.

Die Zahlen 3, 4 und 7 haben auch in vielen Ländern dieser Erde eine besondere Bedeutung, wir finden die Dualität im Bilde von zwei Säulen und auch die Elemente haben häufig eine Rolle bei der Erklärung der Welt. Auch die Schöpfung durch das Wort, die Reinigung durch das Feuer und die Suche nach dem Licht.

Symbole für die Schöpfung waren schon vor 12.000 Jahren das Feuer, der Lingam und die Schlange. Der Weg zum Licht kann nur durch die Dunkelheit und den Tod führen. Diese Symbolik findet man immer wieder in allen Kulturen und Ländern dieser Erde. Die Schöpfung aus einer Ursache scheint für viele Epochen intuitiv erfahrbar gewesen zu sein. Mit den Symbolen versuchte man dies zu illustrieren. Hier liegt auch die Wurzel des Gnostizismus und auch der gnostisch sexualmagischen Kulte, von denen heute lediglich der OTO oder die Fraternitas Saturni noch Überreste in ihren hohen Graden beinhalten.

Die Freimaurerei hat viele dieser Symbole aufgegriffen. Ein deutliches Zeichen dafür, dass die alten Mysterien Teil des Freimaurerischen Gebäudes sind, bzw. waren.

Diese alte Wahrheit der Mysterien wurde von den Menschen schon früh aus Unverständnis oder Machtstreben entstellt. Es entstanden Aberglauben und autoritäre Glaubenssysteme für die gedankenlose Masse und die wenigen an Herrschaft interessierten. Die in den alten Mysterien enthaltenen Lehren, die dabei nach und nach in den Hintergrund traten, kann man vereinfacht so zusammenfassen (man beachte die freimaurerischen Bezüge, die sich einem dabei aufdrängen).

Den Ansatz der Religio Duplex kann man durchaus auch auf die Freimaurerei übertragen. Auch wenn die Freimaurerei keine Religion ist, so hat sie doch eine oberflächliche Botschaft, die leicht vermittelbar ist und eine dahinterliegende, die auf die tieferen Mysterien verweist. Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit, Toleranz und Humanität sind gute Werte, auf die sich alle Maurer einigen können. Die Arbeit an der charakterlichen Vervollkommnung und das Einstehen für Werte ist nicht nur für sich schon genug Inhalt für die Arbeit eines Freimaurers, es ist auch eine wunderbare Vorbereitung für eine vertiefende Arbeit. Die Symbolik unseres Bundes ist den meisten Brüdern nur in einer exoterischen Ebene vermittelbar und bekannt. Wer sich tiefer damit auseinandersetzt, erkennt die dahinter liegenden Wahrheiten und Botschaften. Wer ganz tief eindringt erkennt den Ursprung dessen, den man auch in den Urreligionen findet. Auch hier hilft der Verweis auf die Tetraktys www.tetraktys.de die wenn auch schwer zu erfassen, auf geometrischer Ebenen und über Zahlen die Welt erklärt.

Einen Weg zum Verständnis der Mysterien der Freimaurerei, die letztendlich die gleichen sind, die man in der Kabbala oder anderen Systemen entdecken kann, bieten die Hochgradsysteme. Auch hier werden die Wahrheiten wie eine Zwiebel Schale für Schale enthüllt und wieder erkennt der Maurer nur so viel, wie er in der Lage ist. So wie in allen anderen Mysterien auch, bieten die Initiationen und Instruktionen eine Möglichkeit, die aber nur der ergreifen kann, der die nötige Reife dafür besitzt. Daher wird die Anzahl der Maurer, die tiefer und tiefer eindringen, mit jedem Grad und jeder Ebenen geringer. Ob es richtig ist, diese Mysterien jedem, der es möchte zu enthüllen, ist fraglich. Vielleicht ist es ein gesunder Pragmatismus, denn wenn man die Reife des Kandidaten noch mehr prüfen würde als man es in den USA z.B. im AASR. Jetzt schon tut, dann würde die Zahl derer, die in höhere Gerade vorstoßen noch geringer sein. In Deutschland können wir uns über jeden Hochgradfreimaurer freien, weil es ein Bruder ist, der ernsthaft interessiert ist. Es wäre wünschenswert, den Zugang zu den wunderbaren Ritualen und Inhalten mehr Brüdern zu ermöglichen.

Die Religion in der alle Menschen übereinstimmen

Alles kommt aus einer Ursache (Gott). Das Wort/Logos ist der aktive Part dieser Ursache. Alles was ist, entstammt der Ursache (Ain, Ain Soph, Ain Soph Aur, Kether im Lebensbaum). Die Materie ist verdichtete Energie. Der Mensch ist Teil der Schöpfung und er trägt in sich einen Funken seines göttlichen Ursprungs. Er ist gefallen in die Dualität (Sündenfall) Seine Aufgabe ist es, diesen Funken zu entwickeln und damit über die Dualität zu triumphieren. Tut er dies nicht, muss er sich so lange neue inkarnieren, bis seine Seele die nötige Reife erreicht hat (Karma) schafft er es, die Dualität zu überwinden (Das Hexagramm, die Verbindung von Feuer und Wasser, von oben so unten) kann er sich aus dem Rad der Wiedergeburt befreien und seine Seele wandert zurück zu Gott (Himmel, Paradies, Licht). Alles hängt miteinander zusammen. Die Planeten, die Atome, die Gedanken und die Körper, die Natur und der Mensch.

Dahinter steht die Idee der Lehre von der Emanation, die dem Menschen die Fähigkeit zuschreibt, zu immer reineren Stufen der Erleuchtung aufzusteigen und den Makrokosmos im Mikrokosmos zu finden. Der Hierarch oder Einweihende kann Menschen, die die Erleuchtung suchten, an seiner spirituellen Erfahrung teilhaben lassen. Das ist das Wesen der Initiation.“

Meister Eckehart schreibt: zu dieser Möglichkeit: „Dazu hat Gott die Seele geschaffen, dass sein eingeborener Sohn in ihr geboren werde, Infolge der Geburt wird der Mensch der Sohn Gottes selber.“ Das beschreibt sehr gut den Umstand, dass es nicht anmaßend ist, selbst ein Gott werden zu wollen, sondern der Kern der christlichen Lehre. Diese Geburt ist allen gemeinsam , die sich ihr zuwenden wollen. Und bereit sind sie eifrig zu begehren.

Die Baghavad Gita formuliert es so: “Wer mich verehrt und meinen Geist erkennt, der kann eins mit mir werden.“ Wenn man die Schriften studiert merkt man schnell, dass die Sichtweisen eines Meister Eckharts, mit denen des Yoga wunderbar harmonieren.

Auch Origenes, ein Gelehrter, der um 200 nach Christus lebte hatte ein eher pantheistisches Verständnis von der Bibel, dass dieser alten Wahrheit sehr nahe kommt. Origenes betrachtet Gott, den Logos, den heiligen Geist, den Seinsgrund und die Engel; die Welt und den Menschen (einschließlich der Inkarnation des Logos, der Seele, den freien Willen), die Lehre von der Sünde und der Erlösung und fasst dann später das Ganze zu einem System zusammen. In seinem Werk wird erstmals der christliche Glaube als eine vollständige Theorie des Universums dargestellt. Wie Plato ist seine Lehre, dass jene Seele, die zur Erkenntnis des höchsten Grundes in der Lage ist, aber gefangen im Körper in dieser Welt, nach dem Tod in den göttlichen Bereich steigt, nachdem sie zuvor durch das Feuer gereinigt worden ist.

Den Höhepunkt dieser stufenweisen Offenbarung nach Origenes bildet die universale Offenbarung Christi. In Christus erscheint Gott, der bisher nur als der Herr in Erscheinung trat, als der Vater. Die Inkarnation des Logos war außerdem notwendig, da er nicht anders dem sinnlichen Aufnahmevermögen des Menschen verständlich würde. Aber der innewohnende Logos blieb ein Mysterium, das nur durch seine Analogie dargestellt werden konnte, das in den Heiligen innewohnt. Die materielle Natur der Welt, sie sei eine bloße Episode im geistlichen Entwicklungsprozess, deren Ende die Vernichtung alles Materiellen sei.

Es gibt eine Reihe weiterer christlicher Schriften, die sich mit den Mysterien der Bibel auseinandersetzen. So zum Beispiel die Pistis Sophia, ein gnostischer Text in koptischer Sprache, wohl von Valentinus. Hier steht geschrieben dass Jesus Christus noch elf Jahre nach der Auferstehung auf Erden gewirkt habe, und seine Jünger dabei die erste Stufe der Mysterien lehren konnte. Zu seinen auserwählten Schülern zählen auch Maria und Maria Magdalena.

Hier könnte man erste Ansätze zur sog. „Blutlinie“ erkennen, die später im Kontext der Tempelritter, der Prieur de Sion oder anderen Hochgraden zum Inhalt wurden und von Dan Brown popularisiert wurden: Die Idee, dass die Nachkommen Christi in Europa die Mysterien bewahrt haben und verschiedene Gurppen dieses Mysterium beschützen und über Symbole für die Nachwelt erhalten.

Der Text der Pistis Sophia beginnt mit einer imaginativen Schilderung von Tod, Auferstehung und Himmelfahrt Christi, die zugleich den Auf- und Abstieg der Seele beschreibt. In der Pistis Sophia finden wir eine Terminologie, die oft an das Freimaurerische Ritual erinnert. Es ist viel von Licht die Rede und von Chaos.

„Als Jesus nun all die Begebenheiten, die der Pistis Sophia im Chaos geschehen waren, erzählt hatte, und die Weise, wie sie das Licht gepriesen hatte, damit es sie rette und aus dem Chaos in den zwölften Äon führe; und die Weise, wie es sie gerettet hat aus all ihren Nöten, womit die Archonten des Chaos sie bedrängt hatten, weil sie zum Licht zu gehen wünschte - da fuhr Jesus wiederum in seiner Rede fort und sprach zu seinen Jüngern: »Nach all diesem geschah es, dass Ich die Pistis Sophia mitnahm und sie in den dreizehnten Äon hineinführte, während Ich hell erstrahlte in einem unermesslichen Licht. Ich trat ein in das Gebiet der vierundzwanzig Unsichtbaren, indem Ich überaus leuchtete, und sie gerieten in große Unruhe. Sie erblickten die Sophia, die bei Mir war. Sie erkannten sie; Mich aber erkannten sie nicht, wer Ich sei; denn sie hielten Mich für eine Art Emanation aus dem Lichtland.“ „Es geschah aber, nachdem Jesus von den Toten auferstanden war, da verbrachte er 11 Jahre, indem er sich mit seinen Jüngern unterredete und sie nur bis zu den Örtern des ersten Gebotes belehrte und bis zu den Örtern des ersten Mysteriums, das innerhalb des Vorhanges, das innerhalb des ersten Gebotes, welches ist das 24ste Mysterium außen und unten, — diese, welche sich im zweiten Raume des ersten Mysteriums befinden, das vor allen Mysterien, — der Vater in Taubengestalt. Und Jesus sagte zu seinen Jüngern: »Ich bin herausgegangen aus jenem ersten Mysterium, welches ist das letzte Mysterium, d. h. das 24ste«, — und nicht haben die Jünger gewusst und begriffen, dass etwas innerhalb jenes Mysteriums existiere, sondern sie dachten von jenem Mysterium, dass es das Haupt des Alls sei und das Haupt alles Seienden, und sie dachten, dass es die Vollendung aller Vollendungen sei, weil Jesus zu ihnen inbetreff jenes Mysteriums gesagt hatte, dass es das erste Gebot umgebe und die fünf Einschnitte und das grosse Licht und die fünf Helfer und den ganzen Lichtschatz.“

Wie funktioniert die Welt?

Aus all diesen Schriften und Ansätzen, die vielfach sehr kryptisch sind und auf jeden Fall schwer in einen unkritisierbaren logischen Zusammenhang zu bringen sind kann man aber doch so etwas wie eine allgemeine Wahrheit herauslesen. Nämlich genau die schon oben beschriebene Vorstellung eines Schöpfergottes, einer erschaffenen Welt, der gefallenen Seelen, die durch Erkenntnis den Weg zurück zu Gott finden können. Ein Gott, der bereits in ihnen angelegt ist.

Die Einheit der Schöpfung (Alles ist in allem und hängt miteinander zusammen) wird in vielen Mysterien beschrieben. Diese Beschreibungen stellen auch nicht wirklich einen Gegenentwurf zur Wissenschaft. Vielmehr setzen sie einen Rahmen, der nicht nur einige naturwissenschaftliche Phänomene erklärt sondern in Gänze die Voraussetzung für das Wirken der Naturgesetze bildet.

Die sieben hermetischen Gesetze des Hermes Trismegistos beschreiben diesen Komplex recht gut.

  • 1. Das Prinzip der Geistigkeit: „Das All ist Geist; das Universum ist geistig.“
  • 2. Das Prinzip der Analogie (Entsprechung): „Wie oben, so unten; wie innen, so außen; wie der Geist, so der Körper“. Die Verhältnisse im Universum (Makrokosmos) entsprächen demnach denen im Individuum (Mikrokosmos) – die äußeren Verhältnisse spiegelten sich im Menschen und umgekehrt. Veränderungen im mikrokosmischen Bereich wirkten sich folglich auch auf die Gesamtheit aus (Magie).
  • 3. Das Prinzip der Schwingung: „Nichts ruht; alles ist in Bewegung; alles schwingt
  • 4. Das Prinzip der Polarität: „Alles ist zweifach, alles ist polar; alles hat seine zwei Gegensätze; Gleich und Ungleich ist dasselbe. Gegensätze sind ihrer Natur nach identisch, nur in ihrer Ausprägung verschieden; Extreme begegnen einander;
  • 5. Das Prinzip des Rhythmus: „Alles fließt – aus und ein, alles hat seine Gezeiten; alles hebt sich und fällt, der Schwung des Pendels äußert sich in allem; der Ausschlag des Pendels nach rechts ist das Maß für den Ausschlag nach links; Rhythmus gleicht aus.“
  • 6. Das Prinzip der Kausalität (Ursache und Wirkung): „Jede Ursache hat ihre Wirkung; jedes Phänomen hat seine Ursache; alles geschieht gesetzmäßig; Zufall ist nur ein Begriff für ein unerkanntes Gesetz; es gibt viele Ebenen von Ursachen, aber nichts entgeht dem Gesetz.“
  • 7. Das Prinzip des Geschlechts: „Geschlecht ist in allem; alles trägt sein männliches und sein weibliches Prinzip in sich; Geschlecht offenbart sich auf allen Ebenen.“

Die Sieben finden wir auch in der Genesis der Bibel wieder, in Form der sieben Schöpfungstage.

  • 1. Das Licht und damit Tag und Nacht werden geschaffen (Das Wort).

„Am Anfang erschuf Gott Himmel und Erde. Die Erde war wüst und leer und es war finster in der Tiefe; und der Geist Gottes schwebte über dem Wasser. Und Gott sprach: Es werde Licht, und es ward Licht. Und Gott sah das Licht und dass es gut war, und Gott trennte das Licht von der Dunkelheit. Und Gott nannte das Licht Tag und die Dunkelheit nannte er Nacht. Und dann war Abend und Morgen, ein Tag.

  • 2. Das Himmelsgewölbe wird errichtet, das das Wasser unter der Erde von Wasser über der Erde trennen soll;
  • 3. Land und Wasser werden getrennt, und Pflanzen werden erschaffen.
  • 4. Himmelskörper werden am Gewölbe des Himmels angebracht (Sonne, Mond, Sterne).
  • 5. Meerestiere und Vögel werden erschaffen.
  • 6. Landtiere und zuletzt die Menschen werden erschaffen, männlich und weiblich
  • 7. Sabbat: Gott vollendet sein Werk und ruht; er segnet den siebten Tag und spricht ihn heilig.

Es ist davon auszugehen, dass mehr hinter dieser Beschreibung steckt als das was man auf den ersten Blick erkennt. Die sieben Schöpfungstage kann man auch gut in Analogie mit den sieben Strahlen und Planetensphären, Rassen, Welten und Körper der Theosophie bringen. Zumindest in der Eins ist dies offensichtlich. Bei den anderen Zahlen bedarf es der etwas tieferen Beschäftigung. Wenn wir davon ausgehen, dass vom Makrokosmos bis zum Mikrokosmos alles von Gott geschaffen ist und wenn wir dann noch den Aufbau der Weltenebenen aus dem Yoga berücksichtigen in der die Wirkungsweisen der Gedanken und Gefühle, sowie die Wanderung der Seele und die Inkarnation, sowie die unterschiedlichen Sphären, die alle gleichzeitig auf der Erde existieren, dann wird die Größe und die Allmacht der Schöpfung bewusst. Gleiches gilt für die Schilderungen des Tibetischen Totenbuches und alle dort beschriebenen Prozesse. Wir verstehen nur Teile aber bekommen eine Ahnung von der ungeheuerlichen Komplexität der Zustände, die wir als Menschen mit begrenztem Wissensstand und Vermögen nur ansatzweise und ideenhaft umschreiben können.

Die Theosophie hat es ganz gut verstanden, erste Eindrücke davon zu geben: Die Sieben Planetensphären die mit den klassischen sieben Planeten korrespondieren und umgeben aus geozentrischer okkulter Sicht in konzentrischen Kreisen die Erde und konstituieren unser gegenwärtiges Sonnensystem. Die eigentliche Realität der Planetensphären liegt nicht auf dem äußeren Physischer Plan, sondern auf dem Astralplan. Hier begrenzen die einander teilweise durchdingenden Planetensphären die Herrschaftsgebiete der höheren geistigen Hierarchien, die mit der Erd- und Menschheitsentwicklung verbunden sind. Sie sind Teil der Schöpfung und bilden die unterschiedlichen Ebenen des menschlichen, seelischen und geistigen Lebens ab.

In der theosophischen Kosmologie und auch in Steiners´s Anthroposophie finden wir viele Siebenheiten, die sich alle auf die Welt der Schöpfung beziehen:

  • 1. Die Energie des Willens, des Zweckes oder der Macht, welcher essentiell der Wille der Gottheit ist. Die Welt der physischen und mentalen Körper, Trancebewusstsein

Erstes Elementarreich: Welt der Farben, 1. Wurzelrasse, polarische Phase, Saturn

  • 2. Energie der Liebe– das Verlangen, oder die Liebe der Gottheit.– das Vermögen, dasjenige zu sich heran zu ziehen, das geliebt wird. Es ist das Prinzip des magnetischen Zusammenhaltes, welches alle Schöpfung von Formen auf jeder Ebene durchzieht, von einem Kristall bis zu einem Sonnensystem.

Zweites Elementarreich: Welt der Töne, zweite Wurzelrasse Hyperboräische Phase, Sonne Die Astralwelt, Tiefschlafbewusstsein

  • 3. Die Energie der aktiven Intelligenz; die intelligente Anwendung der Formbildung, aller schöpferischen Anstrengung, den göttlichen Zweck zu enthüllen.

Drittes Elementarreich: farbige Formen, Lemurische Epoche, Mond Prana, die Lebenskraft, Bilderbewusstsein

  • 4. Dieser Strahl erzeugt Schönheit und arbeitet darauf hin, Auswirkungen zu harmonisieren. Im Wesentlichen ist er derjenige, der verfeinert oder veredelt.

Das Mineralreich:, 4. Wurzelrasse Atlantische Epoche, Erde, die feurige Welt, Die Instinkte, Wachbewusstsein. Der Mittelpunkt zwischen den drei höheren und den drei niederen Welten

  • 5. Die Energie des konkreten Wissens, oder der Wissenschaft. Diese Energie führte den Menschen zum Verständnis der natürlichen Welt.

Das Pflanzenreich, nachatlantische Epoche, Jupiter – unsere Zeit Die Seele, psychisches Bewusstsein

  • 6. Die Energie der Devotion oder des Idealismus. Dieser Strahl gibt dem Menschen die Fähigkeit, das Ideal zu sehen, die Realität hinter der Form. Er stattet den Menschen mit dem Drang aus, in die verschleierten und verborgenen Reiche einzudringen.

Das Tierreich, die sechste Wurzelrasse Venus, Die Welt der göttlichen Natur, überpsychisches Bewusstsein.

  • 7. Die Energie der zeremoniellen Ordnung. Dies ist das koordinierende Fassungsvermögen, welches innere Qualität mit äußerer berührbarer Form oder Erscheinung vereint. Dieser Strahl betrifft vor allem die ätherischen Ebenen und beherrscht so das wahre magische Werk, die Vergeistigung der Form, das Menschenreich, Vulkan, Apokalypse, der Göttliche Geist, spirituelles Bewusstsein

Eine weitere Darstellung der Schöpfung und der unterschiedlichen Energien sind die zehn Sephiroth im kabbalistischen Lebensbaum. Auch hier kommt alles aus dem einen Urgrund Ain Soph Aur und entwickelt sich hin zur zehnten Sephira, Malkuth der Materie. Der Weg zu Gott geht dann den umgekehrten Weg. Diese Darstellung ist letztendlich Gegenstand der Grade im Golden Dawn, dem O.T.O., der SRIA oder auch in Spuren noch in der Hochgrad Freimaurerei.

In der Kabbala findet man aber auch die Sieben wieder mit einem engen Bezug zu den sieben Welten der Theosophie:

„Als der heilige Gebenedeite die Welt schuf, spannte er sieben Himmel auf, und formte unter unseren Füßen sieben Erden. Auch machte er sieben Flüsse und sieben Wochentage. Wie jeder von den sieben Himmeln seinen besonderen Gestirnen und Engelklassen hat, so ist es auch mit den Erden unten. Untereinander sind sie alle bewohnt aber von Wesen unterschiedlicher Natur.“

Die jüdische Thora beschreibt das Hervortreten der Oberen Welt Gottes, ihre Struktur und Entwicklung und dann den Vorgang unserer Schöpfung. Sie spricht über die Schöpfung als der Wille zu empfangen, genannt Seele oder Adam, mit dem Ziel, diese Schöpfungs-Wunsch-Seele mit ewigem und uneingeschränktem Licht zu füllen.

Apostel Paulus sagt in der Bibel:

„Ich kam zu euch mit dem göttlichen Zeugnis, nicht mit menschlicher Weisheit. Da wir aber reden, es ist Weisheit bei den vollkommenen. Aber es ist keine Menschen Weisheit. Sondern wir reden von der himmlischen verborgenen Weisheit Gottes, welcher er verordnet hat vor der Welt. Und welche keiner von den ?bersten dieser Welt erkannt hat. Die Dinge dieser Weisheit gehen über das menschliche Denken hinaus. Uns hat es Gott aber offenbart, durch seinen Geist. Dieses sind geistige Dinge, die nur der geistige Mensch erkennen kann.“

Da Adam die letzte Handlung des Schöpfers war, ist er damit der Zweck/das Ziel der gesamten Schöpfung. Adam steht hier für den Menschen an sich. Alles Vorhergeschaffene war für ihn gemacht. Adam muss vollständige Gleichheit mit dem Schöpfer erreichen und selber über sich regieren und sein Schicksal in der Hand haben. Mehr noch, er ist dazu verpflichtet, von allein den höchsten und perfekten Stand zu erreichen. Den von allein zu erreichen bedeutet, dass er erst einmal den schlimmsten Stand (den, der dem Schöpfer entgegengesetzt ist) erreichen muss, um dann aus eigenem Willen daraus emporzusteigen.  

Jesus und seine allegorische Bedeutung

In der Bibel können wir weitere Hinweise zu ursprünglichen Bedeutung finden. Die Geschichte von Jesus im Neuen Testament bietet hier viele Ansätze:

Hierzu wieder Annie Besant:

„Wir haben bei Moses und bei Jesus immer wieder Berge, die erklommen werden. Der Eine bringt die 10 Gebote mit, der andere hielt die Bergpredigt und war mit neuen Kräften beseelt, um den schwachen zu helfen. Diesen Berg kann man durchaus mit der Initiation gelichsetzen. So sagt Jesus: dass „Er“ in seiner Entscheidung auf dem Berge sehr verschieden sei von dem was jene schauen, die ihm nicht auf die Höhe folgen konnten. Im Christentum ist Platz für die Unwissenden vorhanden aber es ist nicht nur für diese bestimmt, sondern es enthält tiefe Lehre für die Klugen und scharfsinnigen.“

Origenes schrieb dazu:

„Und vielleicht sind unter den Worten Jesu einige Brote, die man den vernünftigeren, als den Kindern geben kann und andere Krumen sozusagen aus dem Hause des Großen und von dem Tische der Edlen.

Annie Besant formuliert es so:

"Den Christus kann man als zur Erde gesandtes Wort Gottes (oder Logos) gesehen werden. So wie er im Makrokosmos den Logos und die zweite Person der Dreifaltigkeit darstellt, so stellt er auch im Mikrokosmos die zweite Seite des Göttlichen Geistes (den Sohn) dar.

Die zweite Seite des Christus der Mysterien ist das Leben des Initiierten, in welchem er bei der ersten großen Einweihung tritt. Der göttliche Impuls ist erweckt und der Christus im Menschen kann sich entwickeln.

Maria, die jungfräulich im Sinne der Gotteserkenntnis ist, empfängt den die schöpferische Kraft Gottes. Daraus gebiert sie Jesus, den neuen Menschen, der eine Reihe von Prüfungen durchmacht und nach 33 Jahren stirbt. Wenn der alte Mensch der Dualität stirbt kann er neu geboren werden und ist dann erleuchtet und kann zurück zum Vater (Gott, dem Ursprung).“

Annie Besant schreibt weiter:

„Wenn die Materie welche unser Sonnensystem bilden soll von dem unendlichen Raum erfüllenden Ozean der Materie getrennt wird, ergießt sich die dritte Person der Dreifaltigkeit, der Heilige Geist sein Leben in diese Materie, um sie zu beleben damit sie Gestalt annehmen kann. Dann wird sie zusammengezogen und ihre Form erteilt durch das Leben des Logos, der zweiten Person der Dreieinigkeit, der die sich opfert, indem er sich den Schranken der Materie unterwirft und der „himmlische Mensch“ wird, in dessen Körper alle Formen existieren, von dessen Körper alle Formen einen Teil bilden. Das war die kosmische Geschichte, die in den alten Mysterien dramatisch vorgeführt wurde.

Es ist das Hinabsteigen des Logos in die Materie welches als Geburt Christi von einer Jungfrau beschrieben wird und dies wird im Sonnenmythos zur Geburt des Sonnengottes.

Die Materie hält Jesus im Kindesalter gefangen Seine Glorie verbirgt sich hinter den angenommenen Schranken. Langsam gestaltet Er sie zu höheren Zwecken und erhebt sich ins Mannesalter. Dann breitet er seine Arme aus auf dem Kreuz der Materie, damit er vom Kreuze aus alle Kräfte seines Leibs als Spende austeilen kann. Dieses ist der Logos von dem Plato sagte, dass Er in Form eines Kreuzes im Universum stehe. Es ist der himmlische Mensch, der im Raume steht zum Segen die Arme ausbreitet. Der gekreuzigte Christus, dessen Tod am Kreuz der Materie die ganze Welt mit seinem Leben erfüllt. Er scheint tot zu sein, steht aber wieder auf, und trägt seinen nun in strahlender Materie bestehenden Körper hinauf zum Himmel. Wo dieser Körper das herabströmende Leben des Vaters empfängt und nun zum Träger zum Vehikel des unsterblichen Lebens des Menschen wird. Denn es ist das Leben des Logos wieder auf

So ist dann die Kreuzigung Christi ein Teil des großen kosmischen Opfers- Die Allegorische Darstellung desselben in den physischen Mysterien und das heilige Symbol des im Raum gekreuzigten Menschen wurden zu einem wirklichen Tod am Kreuz materialisiert und zu einem Kruzifix, welches die Gestalt eines sterbenden Menschen trägt. Dann wurde diese Geschichte, die jetzt die Geschichte des Menschen ist mit dem göttlichen Lehrer Jesus in Verbindung gebracht und wurde die Geschichte seins physischen Todes während die Geburt von einer Jungfrau, die Gefahren, bedrohte Kindheit, die Auferstehung und die Himmelfahrt sich zu Ereignissen in einem menschlichen Leben gestalteten. Die Mysterien verschwanden aber ihre großartigen und malerischen Darstellungen des kosmischen Werkes des Logos umgaben und erhoben die geleibete Gestalt des Lehrers von Judäa und der kosmische Christus wurde so zur Mittelfigur der christlichen Kirche.

Dabei geht es in Wahrheit um den Christus des menschlichen Geistes, den Gottesimpuls, der Christus oder göttliche Funke, der in uns allen ist, der geboren wird, lebt und gekreuzigt wird, der uns von den Toten auferstehen lässt und zum Himmel auffährt, bzw. unsere Seele erhebt, in jedem duldenden und triumphierenden Menschen.

Das Problem der Mysterien ist, dass man sie zwar beschreiben aber natürlich nicht beweisen kann. Gnosis kann nicht durch intellektuelle Auseinandersetzung gewonnen werden Sie kann nur die Vorbereitung sein für die Erkenntnis. Diese kommt oft plötzlich und manchmal nur für den Bruchteil einer Sekunden. Als wenn ein Tor zu einer anderen Welt aufgeht, die die göttliche Welt vor den unreifen Seelen beschützt.

Betrachten wir ein Gespräch zwischen Jesus und den Aposteln, dass die oben beschrieben Sichtweise recht gut bestätigt. :

„Ich kam zu Euch mit dem göttlichen Zeugnis, nicht mit menschlicher Weisheit Euch anlockend, sondern mit der Kraft des Geistes Es ist die Weisheit der Vollkommenen, keine Menschen-Weisheit. Sondern wir reden von der himmlischen verborgenen Weisheit Gottes, welche Gott verordnet hat vor de Welt. Uns aber hat Gott offenbaret durch seinen Geist die Tiefen der Gottheit, die der Heilige Geist lehret. Und ich liebe Brüder könnte nicht mit Euch reden als mit Geistlichen sondern als mit Fleischlichen, wie mit jungen Kindern in Christo. Denn Ihr konntet noch nicht; auch könntet Ihr noch jetzt nicht, dieweil Ihr noch fleischlich seid. Ich habe den Grund gelegt als ein weiser Baumeister und ihr seid der Tempel Gottes und der Geist Gottes wohnt in Euch. (Korinther II, III und IV)

Kirche und Ritual

Um zu verstehen wie die ursprünglich esoterische Botschaft zur exoterischen wurde, sollten wir uns einmal mit dem Sakrament beschäftigen: Ein Sakrament ist immer eine Darstellung, eine bildliche Allegorie. Meist geht es um stoffliche Dinge, die in einer bestimmten Art und Weise verwendet werden. Durch die Handlung wird symbolisch eine Botschaft, ggf. eine Wahrheit vermittelt. Es wendet sich an die, die durch das Wort alleine nicht zu erreichen sind.

Das Sakrament funktioniert nur, wenn die durchführende Person weiß was sie tut und das hinter dem Sakrament verborgene Wissen verinnerlicht hat. Nur dann fließt die Energie, die es für die Teilnehmer zum Erlebnis macht. Wir kennen das nur zu gut aus dem freimaurerischen Ritual. Auch hier steigt die Qualität des Rituals mit dem Bewusstsein der ausführenden Personen. Tempelritter, Gralssucher, Rosenkreuzer und auch die Freimaurer sind bei allen Einflüssen immer noch eng am Christentum geblieben. Sie interpretieren es nur anders, als die moderne Kirchen es heute tun. Sie pflege die Tradition und zeigen uns in ihren Ritualen eine Ahnung von dem strahlenden Glanz und der subtilen Spiritualität christlich-mystischer Initiation. Das Sakrament bringt eine höhere Kraft in eine direkte Beziehung zum Menschen. Der Geistliche wird hier also tatsächlich zum Mittler zwischen Gott und den Menschen.

Genau dieses Wissen findet man bei vielen Pfarrern und noch mehr bei Pastoren heute nicht mehr, weswegen der Gottesdienst mehr und mehr an Wirkung verliert. Zur Reformationszeit wurden die neuen Kirchen weniger von Okkultisten, als von ganz normalen Menschen geleitet, die nicht über viel Wissen um die höheren Sphären verfügten. Im Ergebnis wurde an die Gemeinden nur die äußere (exoterische) Schale des Christentums vermittelt.

Taufe und Abendmahl sind die einzigen Überlebenden der alten Traditionen im Protestantismus, Ursprünglich scheint das hermetische Wissen, dass es unterschiedliche Sphären mit unterschiedlicher Dichte und unterschiedlichen Schwingungsfrequenzen gibt und die in einem direkten Zusammenhang mit der verdichteten Materie stehen auch in der christlichen Kirche bewusst gewesen zu sein. Wenn der Priester den Segen ausspricht, dann ist das durchaus als magischer Akt zu verstehen, in dem mit feinstofflichen höheren Energien gearbeitet wird. Ein Umstand, den die westliche Kirche immer weit von sich weist.

Das Abendmahl, die Eucharistie, ist ein sehr deutliches Sakrament, in dem Leib und Blut Christi vom Gemeindemitglied symbolisch verzehrt werden und so der Christusimpuls quasi physisch aufgenommen wird. Wir finden diese Eucharistie sehr vergleichbar in der Gnostisch katholischen Kirche des O.T.O. Hier geht es trotz teilweise anderer Vorzeichen ebenfalls um die Verbindung mit dem göttlichen Impuls. „Da ist kein Teil an mir, der nicht von den Göttern ist!“ heißt es dort.

Die Sephiroth im kabbalistischen Lebensbaum. Der im 16. Jahrhundert in Europa populär wurde zeigt das System der unterschiedlichen Welten innerhalb der Schöpfung ebenfalls auf recht anschauliche Weise. Ausgehend vom Urgrund entsteht die Welt mit Kether, verzweigt sich dann in die Dualität (jachin und Boaz) in Chokmah und Binah und von dort über Chesed und Geburah. In Tiphareeth wiederum vereinigen sich die Dualitäten wieder. Hier liegt der Ort der spirituellen Erleuchtung.

Über Netzach und Hod, die für Intellekt und Gefühl stehen geht es über Yesod zu Malkuth der materiellen Welt. An diese Darstellung knüpfen sich eine Vielzahl von Inhalten, die nur im fleißigen Studium erfasst werden können. Wir finden im Lebensbaum aber wieder das Prinzip des „Alles ist in allem“ wieder, denn auch die Sephiroth sind eine Sequenz und gleichzeitig alle an einem Ort vorhanden und gleichzeitig. Und man kann sie auf den Körper genauso wie auf die Seele oder die ganze Welt anwenden.

Das Wissen über die Hierarchien, Intelligenzen, Fürstentümer und Engel und Dämonen ist ebenfalls keine moderne esoterische Erfindung, sondern findet sich detailliert beschrieben in der Kabbala aber auch in der Bibel wieder. Interessant ist hier wiederum, dass diese Themen in unserer Gesellschaft sehr zurückhaltend gelehrt werden.

Das Gebet, ist wie das Mantra der einzige Zeuge, der Evokation oder Invokation dieser Mächte, die es in der christlichen Kirche aber auch in anderen Religionen gibt aber in seiner Funktion nur den wenigsten Christen bekannt. Die lateinische Sprache, die Lieder und das Gebet sind noch heute eingesetzte Instrumente, um Energien zu erzeugen und Kräfte zu beschwören. Dabei ist die Funktionsebene nicht nur der Text, sondern auch der Klang und die bei der Rezitation erzeugte Energie.  

Reinkarnation im Christentum

Nehmen wir das Thema der Reinkarnation. Im allgemeinen Verständnis ist die Wiedergeburt ein zutiefst buddhistisches und hinduistisches Thema. Mit dem Christentum wird es selten in Verbindung gebracht. Es ist aber wahrscheinlich, dass die Reinkarnation, die zu Zeiten Christi in vielen Kulturen inhärent war auch von den Urchristen angenommen wurde.

Gelehrte wie Origenes oder Basilidis haben dazu immer wieder Argumente geliefert und auch bei Meister Eckhart kann man es herauslesen. Klar ist auch, dass die katholische Kirche diese Lehren mit aller Macht bekämpft hat. Die Grundlage dafür wurde im Jahr 543 auf der Synode zu Konstantinopel und im Jahr 553 auf dem Konzil von Konstantinopel aus dem kirchlichen Glauben verbannt, nachdem es zuvor Auseinandersetzungen darüber gegeben hatte.

Origenes schreibt dazu:

"Dabei wechselt er seinen Leib ebenso oft, wie er beim Abstieg vom Himmel zur Erde seinen Wohnsitz wechselt."

In seinem Werk De Principiis findet man:

"So meinen die Törichten und die Ungläubigen, unser Fleisch verginge nach dem Tode in der Weise, dass nichts von seiner Substanz übrigbleibe; wir aber, die wir an seine Auferstehung glauben, erkennen, dass im Tod nur eine Umwandlung geschieht, seine Substanz aber, das steht fest, bleibt und wird durch den Willen seines Schöpfers zu einer bestimmten Zeit wieder ins Leben gerufen, und dann geschieht eine neue Umwandlung." (S. 659)

In Konstantinopel wurden zwei Lehrsätze des "Kirchenvaters" Origenes verurteil die Voraussetzung bzw. Ziel einer Wiederverkörperung bzw. Reinkarnation sind.

Bei den Lehrsätzen handelt es sich um folgende Aussagen:

  • den Glauben, dass die Seele eines Menschen bereits vor der Zeugung und Geburt dieses Menschen existiert.
  • den Glauben, dass einst alle Menschen wieder den Weg zu Gott finden.

In der Bibel findet man auch Formulierungen, die man eher dem indischen Yoga zuschreiben würde: Zum Beispiel wird Das Silberband oder die Silberschnur erwähnt, die die Seele mit dem Körper verbindet: Im Buch Prediger heißt es: "Denk an deinen Schöpfer in frühen Jahren, ehe die Tage der Krankheit kommen, ... ja, ehe die Silberschnur zerreißt, ..." Im Jakobusbrief der Bibel wird etwa davor gewarnt, dass unsere Zunge das "Rad der Geburt" in Brand setzen kann, was man durchaus mit dem Rad des Karma der östlichen Philosophie in Verbindung bringen kann. Im neunten Kapitel des Johannesevangeliums gingen Jesus und seine Jünger an einem Manne vorüber, der von Geburt an blind war. "Und seine Jünger fragten ihn und sagten: Rabbi, wer hat gesündigt, dieser oder seine Eltern, daß er blind geboren wurde?" Jesus antwortet: „Weder dieser hat gesündigt, noch seine Eltern, sondern auf daß die Werke Gottes an ihm geoffenbart würden."

Er sagte kein Wort gegen ihre Vermutung, daß ein Mensch vor seiner gegenwärtigen Inkarnation gesündigt haben kann. Hier wird der Zusammenhang von Handlung und Ergebnis (Ursache und Wirkung=Karma) deutlich. Dann haben wir den deutlichen Hinweis auf die Wiedergeburt in dem oft zitierten Satz aus der Offenbarung (3:12):

„Wer überwindet, den werde ich zu einer Säule machen in dem Tempel meines Gottes, und er wird nie mehr hinausgehen; und ich werde auf ihn schreiben den Namen meines Gottes. ...

Hören wir dazu auch wieder Origenes:

„Stimmt es nicht mehr mit dem Verstand überein, daß jede Seele aus gewissen geheimnisvollen Gründen (ich spreche jetzt gemäß den Meinungen von Pythagoras, Plato und Empedokles, die Celsus häufig nennt) in einen Körper gesteckt wird, und zwar in einen ihren Verdiensten und früheren Handlungen entsprechenden Körper?“

Die Offenbarung des Johannes, der ja nicht umsonst bei uns Freimaurern eine besondere Bedeutung hat, ist ebenfalls ein Beweis für den hohen Symbolgehalt der Bibel. Auch dieser Teil ist trotz seiner Popularität als Filmstoff nur sehr wenig in Schule und christlichem Unterricht behandelt. Nehmen wir das Beispiel "Das himmlische Jerusalem". In der Apokalypse und auch in der kabbalistischen Literatur bezieht sich das nicht auf die eigentliche Stadt, sondern auf spirituelle Kräfte mit gewisser spiritueller Energie, die einen bestimmten Platz in den spirituellen Welten haben. Wer die Offenbarung esoterisch zu lesen vermag, bekommt einen Schlüssel zur Gnosis und damit zur eigenen spirituellen Erlösung in die Hand.

Die Apokalypse des Johannes ist eines der missverstandensten Bücher der Religionsgeschichte. Diese Schrift, die vordergründig den Weltuntergang verkündet, verfolgte ursprünglich eine ganz andere Absicht, die sich nur dem mit offenem Herzen und offenen Sinnen Suchenden zu offenbaren vermag. Sie beschreibt den christlich-mystischen Einweihungsweg, der die Seele auf das Himmelsreich Gottes vorbereiten soll. Apokalypse ist griechisch und bedeutet auch »Enthüllung der Wahrheit«.

Ist das Christentum nun ein großes Missverständnis? Oder verhält es sich so, wie Celsus, ein berühmter Platoniker aus Alexandrien es formulierte. Den Juden und den Christen wirft Celsus vor, sie seien aus Neuerungs- und Geltungssucht von der gemeinsamen Urweisheit der Völker abgewichen und hätten irrige Lehren eingeführt, die aber nichts wirklich Neues seien, sondern nur aus mangelhaftem Verständnis hervorgegangene Verfälschungen des alten gemeinsamen Wissens der Weisen. Dadurch hätten sie die ursprüngliche Eintracht gestört und Zwietracht gesät. ihre Lehren stammten teils aus dem Wissen der Ägypter und der Perser, teils hätten sie sie aus griechischen Quellen geschöpft und dabei deren Wahrheiten entstellt. Mit ihrem Sonderweg hätten sich die Christen außerhalb der Gemeinschaft der Menschheit gestellt. Durch ihr Exklusivitätsbewusstsein, ihren Glauben an ihre Einzigartigkeit und ihre feindselige Haltung gegenüber allen anderen Religionen und insbesondere den staatlichen Kulten hätten sie sich von der staatlichen Gemeinschaft losgesagt. Daher seien sie keine loyalen Bürger des Reichs, sondern stellten mit ihrer staatsfeindlichen Gesinnung eine Gefahr für dessen Fortbestand dar. Origenes hat in seiner berühmten Streitschrift versucht diese Aussagen zu widerlegen. Ob erfolgreich, dass überlass ich dem Studium jedes einzelnen.

Ich denke, dass beide irgendwie Recht hatte. Es ist unstreitbar, dass die christliche Kirche aus Machtinteressen, ihre Ideologie fokussiert hat und Schriften entweder gefördert oder vernichtet hat. Es ist auch unstreitbar, dass der Alleinvertretungsanspruch ebenso schädlich für die Welt war, wie die das Selbstverständnis der anderen monotheistischen Religionen. Es ist aber ebenfalls so, dass das Christentum und die Bibel, wenn man sie richtig liest eine Quelle der Gotteserkenntnis sein können. Prüfen, fühlen und erkennen ist besser als einfach glauben.

Betrachtet man unsere Arbeitsteppiche, so ist die Dreiteilung von Materieller Welt, Phase der Arbeit und die Transzendenz offensichtlich. In der Emulation finden wir auf den Tracingboards mit der Jacobsleiter zum Licht/Himmel noch eine viel direktere Bildsprache. Die Lichtgebung ist offensichtlich der göttliche Funke, der uns motivieren soll, den Weg durch das Feuer zu gehen, um das wahre Licht zu suchen. Den rauen Stein bearbeiten, bis er ein vollkommener Kubus ist und dann in den Tempel der Humanität eingesetzt werden kann.

Es wird deutlich, wie eng die Freimaurerei auf dem Christentum, insbesondere mit dem mystischen Christentum verbunden ist. Es fällt nicht schwer den freimaurischen Weg als Analogie zu dem in den Mysterien dargestellten Weg zu betrachten. Schon im Aufnahmeritual, das eine klassische Initiation darstellt, wie man sie schon vor tausenden von Jahren gekannt hat, stirbt der alte Mensch und der neue Mensch wird geboren und der Lichtfunken wird erweckt. Dann macht er sich als Geselle wie der Handwerker Jesus auf die Reise, um sein Handwerk zu lernen. Im Meistergrad dann erfährt er das Meisterwort und wird wahrlich eingeweiht in die Mysterien. Der physische Mensch stirbt und der spirituelle Mensch steht wieder auf. Von nun an hat er das Wort und die Kraft und kann als Meister wirken. Dass man in den gängigen Lehrarten diesen Zustand schon nach zwei bis drei Jahren erreicht zeigt, wie weit die heutige Maurerei von einer Mysterienschule entfernt ist. Es sind wohl nur noch symbolische Überbleibsel. Dennoch kann man in den ersten Graden den Boden bereiten für den Weg zur spirituellen Höhe und die stetige Arbeit im Ritual glättet die Kanten, gleicht die Elemente aus und entwickelt den Charakter, so dass der Mensch und seine Seele reicf wird für den göttliche Zustand, die wahre spirituelle Entwicklung, die bei Tiphareth beginnt. Die Hochgrade in ihrer ursprünglichen Form vertiefen die Erkenntnisse und führen weiter auf dem individuellen Weg. Auch der verwandte Weg der SRIA Societas Rosicruciana in Anglia ist eine gute Ergänzung, um den in der Maurerei begonnen Weg fortzusetzen. Hier verbinden sich die rosenkreuzerischen Mysterien mit dem Brauchtum der Freimaurerei, das ja schon einiges davon enthält. Zusammen wird das Puzzle komplett.

Die Freimaurerei ist keine Religion, denn sie steht viel mehr in Konjunktion zur christlichen Mystik als zum Katholizismus oder zum Protestantismus. Genau hier liegt die vollkommen nachvollziehbare Ablehnung der katholischen Kirche begründet. Tatsächlich wäre eine starke Freimaurerei dazu geeignet das autoritäre und auf dogmatischen Glauben ausgerichtete Herrschaftssystem zu gefährden. Das eigene Denken, die Prüfung, dessen was man als richtig und falsch ansieht und die individuelle Beziehung zu Gott, verbunden mit der Vorstellung, dass genau dieser Gott schon in einem selbst enthalten ist, kann die Kirche nur ablehnen.

In ihrer Ablehnung von Dogmen und der Aufforderung zur eigene Arbeit kommt der Ansatz zu Tage, der in anderen Gruppierungen, wie z.B. dem O.T.O. viel früher und deutlicher formuliert wird: Der Mensch ist Gott – Um das zu erkennen und Gott in sich zu verwirklichen muss er den Weg über die Selbsterkenntnis gehen und auf dem Weg von Malkuth zu Kether den Hüter der Schwelle überwinden.


Das Vaterunser

Sehr gut illustriert wird der Ansatz meines Vortrages durch die Übersetzung des „Vater Unser“. Jeder kennt die heute überall verwendete Übersetzung. Wenn man sich die Urform in aramäisch ansieht, dann merkt man beim lesen sofort, dass die Kirche es für ihre Zwecke verändert hat und wie die eigentliche Botschaft von Jesus gelautet haben könnte.

Mutter-Vater alles Geschaffenen ! Dein Name tönt heilig durch Zeiten und Raum ! Dein göttliches Eins-Sein (er)schaffe in Liebe und Licht - ewig und jetzt ! Laß Deinen Willen durch meinen geschehen - wie im Geist, so in allem Geformten ! Gib uns Nahrung täglich - wie dem Körper, so der Seele ! Löse die Bande meiner Fehler - wie ich sie anderen löse ! Laß mich nicht verloren gehen an Oberflächliches und Materielles ! Befreie mich von Unreife und von allem, was mich festhält und mich nicht loslassen läßt ! Denn Dein ist die Kraft und der Gesang des Universums - jetzt und hier und in Ewigkeit. Amen.


Nachwort

Ich muss zugeben, dass mir die schriftliche Erörterung dieser Themen recht schwer gefallen ist. Dieser Text lässt daher eine gewisse argumentative Stringenz vermissen. Einige Zusammenhänge wurden nicht bis ins letzte Detail ausformuliert und auch einige Schlussfolgerungen bleiben im Status der Behauptung. Darüber hinaus gibt es Sprünge und manches konnte nur oberflächlich angerissen werden. Die Nachweisführung mit Quellennachweisen würde erhebliches Bücherstudium verlangen, dass ich zurzeit nicht aufbringen kann. Der Text erfüllt daher nicht mal ansatzweise die Kriterien einer wissenschaftlichen Betrachtung. Ich habe vielmehr versucht, Eindrücke und Erkenntnisse, die ich im Laufe der letzten Jahre gehabt habe, zu formulieren. Letztendlich kann die Gnosis nicht erlesen werden, Sie muss erkannt werden und das nicht nur mit dem Kopf. Die unterschiedlichen Versuche, das Unbeschreibbare zu beschreiben ob in den Veden, der Geheimlehre der Theosophen, der Tabula Smaragdina des Hermes Trismegistos oder auch bei Böhme oder Robert Fludd und natürlich in der Bibel vereint die hohe Komplexität und die umfangreichen Texte. Offensichtlich ist es schwer, die Dinge in einfache Worte zu kleiden. Die Systeme weisen alle in sich logische Schwächen auf, zeugen aber alle von großer Weisheit und legen den Schluss nahe, dass die Autoren eine gute Erkenntnis der einen Wahrheit gehabt haben. Aber wie soll man die unendlich große Schöpfung in Worte fassen, wenn wir nicht mal in der Lage sind präzise zu beschreiben was zum Beispiel „Liebe „ ist, für jemanden , der sie nie gefühlt hat. Alle Ansätze die Schöpfung zu erläutern müssen zwangsläufig scheitern. Ihren Wert haben sie darin, dass sie das unermessliche verdeutlichen. Da im Kern aber alle Ideen zueinander passen und zum gleichen Ergebnis kommen, haben sie ihren Wert, der von der heutigen Kultur deutlich unterschätzt wird. Bei der Beschäftigung mit den unterschiedlichen Konzepten und Kosmologien bekommt man trotz der Erkenntnis, dass man kaum in der Lage ist, den Kosmos wirklich zu verstehen, zu der Auffassung, dass die Dinge doch irgendwie zu dem passen, was aufgeschrieben wurde. Insofern kann dieser Text höchstens eine Inspiration sein, sich tiefer mit einigen Autoren oder Ideen zu beschäftigen. Wenn er dies vermag, dann hat die Arbeit daran ihren Zweck erfüllt.

Es lohnt sich, diese Dinge einmal im Leben zu studieren um ein Gefühl davon zu bekommen, das die Welt so viel größer ist, als wir sie heute erfassen können. Das lehrt Demut und schafft die Voraussetzung, dass der göttliche Impuls in einem selbst erweckt werden kann.

Literaturhinweise

  • Origenes gegen Celsus – eine Streitschrift
  • Die Pistis Sophia - Valentinus
  • Die Geheimlehre in der christlichen Religion – Franz Hartmann
  • Meister Eckehart – Predigten, Traktate, Sprüche
  • Esoterisches Christentum – Annie Besant
  • Das Kybalion – William Water Atkinson
  • Fourteen Lessons in Yogi Philosophy and Oriental Occultism - Yogi Ramacharaka
  • James Morgan Pryse - Die Apokalypse entschleiert

Siehe auch


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