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Traktat: Festrede „Lessing“ in Frankfurt am Main

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Inhaltsverzeichnis

Festrede „Lessing“ in Frankfurt am Main

Festrede anlässlich der siebzigsten Wiederkehr der Gründung der Freimaurerloge „Lessing“ in Frankfurt am Main

Rolf Keil Frankfurt, den 18.Oktober 2015

„Und so protestieren wir vor Gott und den Menschen, dass es der einzige Zweck unseres Bundes sei, ein jedes seiner Glieder besser und der menschlichen Gesellschaft dienlicher zu machen - und zwar durch Liebe und die Erforschung der Wahrheit.“

Generalabschied des Wilhelmsbader Konvents.

Liebe Brr., Liebe Gäste.

Vor etwas über 70 Jahren, nämlich genau am 26.09.1945, gründete sich die Loge Lessing. Ich spreche bewusst nicht vom Stiftungsfest, denn welche Großloge hätte zu diesem Zeitpunkt das Licht einbringen können? Und obwohl 70 Jahre schon eine recht lange Zeit ist, müssen wir weiter zurückgreifen, um diese ganz besondere Gründung zu verstehen.

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Ausflug nach Offenbach

Wir begeben uns in das Jahr 1910. Kaiser Wilhelm regiert seit 1888. Deutschland und Europa hat eine rasante wirtschaftliche und soziale und kulturelle Entwicklung hinter sich. Es herrscht Frieden. Konflikte werden mit den Mitteln der Demokratie nicht mit Waffen ausgetragen, sondern artikulieren sich in diplomatischen Aktivitäten und in lautstarken Reden nationalistischer Politiker überall. Konflikte sind allgegenwärtig und bereiten den Boden für eine Konfrontation, die sich zum Weltkrieg ausweiten wird. In dieser scheinbaren Ruhe entwickeln sich Massenbewegungen, die sich gegen die überkommenen gesellschaftspolitischen Strukturen wehren. Soziale Spannungen verschärfen sich. Die katholische Kirche reagiert mit Härte und Ablehnung auf die neue Zeit. Der Papst bezeichnet die Unruhe, die auch viele Katholiken erfasst, als »Modernismus« und verpflichtet alle Geistlichen einschließlich der katholischen Hochschullehrer zum »Antimodernisteneid«, einem Schwur, der die Beschäftigung mit modernem sozialem, politischem und philosophischem Gedankengut verbietet und jährlich wiederholt werden muss. Schuld an all diesem Aufruhr sind aus päpstlicher Sicht natürlich die Freimaurer.

Dabei waren die Freimaurerei in Deutschland an Harmlosigkeit nicht zu überbieten:

Sie fühlten sich dem Kaiserhaus verpflichtet, sie waren Konservativ und National einstellt und mit zähen Fehden untereinander beschäftigt. In dieses Herümgedümpel der etablierten Maurerei kommt erst Bewegung, als sich 1907 der Freimaurer Zur Aufgehenden Sonne,(F.Z.A.S.) konstituierte. Er verstand sich als Kontrastprogramm zur „Altmaurerei“ und bekannte sich zum Pazifismus und zur Völkerverständigung. Die etablierten Großlogen reagierten mit schroffer Ablehnung. Der Bund legte auf diese Anerkennung allerdings auch keinerlei Wert. Bald schon setzte eine Wandlung des F.Z.A.S.ein. Der Bund wandelte sich zu einem wirklichen Freimaurerbund unter Bezug auf die „Alten Pflichten“ von 1723. Es kam zu Ritualänderungen und der Einführung der drei Grade. Allerdings blieb es bei der Ablehnung des Symbols des G.B.A.W. und dem Ersetzen der Bibel durch ein Weißes Buch mit leeren Seiten, sowie auf das Weglassen des Schurzes. Ich freue mich, dass heute gleich zwei Altstuhlmeister der Mutterloge „Zur Wahrheit“ des FZAS anwesend sind.

Nun meine Freunde, seinen Sie tapfer! Wir überschreiten Grenzen, die manche schon immer als Kulturgrenze -ähnlich dem Limes- gesehen haben, wir gehen nach OFFENBACH.

Denn dort wird im Oktober 1910 die Loge Sokrates des F.Z.A.S gegründet. Aus den erhaltenen Jahresberichten wissen wir, dass die Loge ca 30 Mitglieder hatte, sich mit Themen der Zeit befasste und den Geburtstags des Kaisers ebenso mit einer Feier bedachte wie andere Organisationen dieser Zeit auch.. Die Isolation des FZAS im deutschen Freimaurertum führte schließlich innerhalb des Bundes zu heftigen Kontroversen. Viele Brüder empfanden es peinlich, von der althergebrachten Maurerei nicht zur Kenntnis genommen zu werden. Es kam zu Doppelmitgliedschaften, verbunden mit einer Regularisierung.

Die Anerkennungsfrage führte schließlich zur Spaltung des F.z.a.S. und zum Auszug einer Gruppe von 600 Brüdern, die den Grundstock der Symbolischen Großloge von Deutschland (SGL) bildeten.

Gegen Ende der 20er Jahre hatte sich in Deutschland ein Potenzial von Brüdern der Reformmaurerei gebildet, das nach Arbeit in einer regulären Großloge drängte. Dazu zählten die 600 ehemaligen Brr. des FZAS ebenso wie Brüder, die inzwischen dem A.A.S.R. angehörten und denen die Mitarbeit in den angestammten Logen durch Verbote ihrer Großlogen verwehrt wurde.

Diese Brüder bildeten mit Hilfe des gerade gegründeten Obersten Rates des Alten und Angenommenen schottischen Ritus 11 Logen, die ihrerseits 1930 die Symbolische Großloge von Deutschland gründeten. Da keine der bestehenden Großlogen bereit war, das Licht einzubringen, übernahm diese Aufgabe der Oberste Rat selbst. Er half damit den betroffenen Brüdern aus ihrer Notlage und sicherte zugleich seine eigene Basis.

Die Anerkennung durch die anderen deutschen Großlogen blieb ihr vor allem wegen ihrer Tendenz zu internationalen Kontakten und ihrer Verbindung zum dem A.A.S.R. aber verweigert. Auch bei der Loge Sokrates in Offenbach wurde die Debatte um die Regularisierung geführt und so trat die Loge am 25.Okober zur Symbolischen Großloge über. Aus der Loge Sokrates wurde so die Loge „Goethe zu den 3 Säulen“. Die Loge arbeitete mit identischem Personal weiter, bis schließlich von den Brr. aus dem Frankfurter Raum eine Teilung der Loge angeregt wurde.

Letzte Gründung der Symbolischen Großloge

Damit ist der Ausflug nach Offenbach am Ende. Denn am 22.Januar 1933 wurde in Frankfurt die Loge „Spinoza", gegründet.

Die Loge „Spinoza“ war die letzte Gründung der Symbolischen Großloge, wahrscheinlich die letzte Logengründung vor der dunklen Zeit in Deutschland überhaupt, sie trug die Matrikelnummer 27. Die Lichteinbringung erfolgte durch den Großmeister Br. Leo Müffelmann, Stuhlmeister war Br. Ernst Klein aus Frankfurt, die Tafelloge im Anschluss wurde von Emil Selter geleitet der mittlerweile aus Bonn zugezogen war.

Die dunkle Zeit

Im Angesicht der aufziehenden Naziregimes ließ der Stuhlmeister die Br. Ins Zeichen treten, und gedachte „der wahrhaften, stolzen und freien Männer, die in Winkelmaß, Senkblei und Zirkel, die Symbole freien Menschentums sehen, der Märtyrer der K.K. die ihr Haupt nicht beugten vor der Gewalt, die zufällig ist, der Erscheinungen des vergangenen Tages, der Verneinung ewiger Gewalten und Kräfte, die uns leuchtende Vorbilder bleiben sollen, wenn an uns die Frage herantritt, wie wir uns mit der Gewalt, die sich nicht an die ewigen Gesetze der Menschheit gebunden weiß, auseinander zu setzen haben.“

Das Ende kam schnell, die Loge löste sich im April 1933 auf, der Teppich und die Gerätschaften wurden von den Nazis beschlagnahmt und verschleppt. Aus der Weimarer Zeit waren nach der Befreiung vom Naziregime von den 16 Logen im Großraum Frankfurt nur 7 übrig geblieben.

Die Freimaurerei war seit dem Juli 1935 verboten und aufgelöst, die Logenhäuser enteignet, zweckentfremdet oder zerstört. Freimaurerei hatte einen schlechten Ruf, die Hetze von Ludendorff und den Nazis blieb nicht ohne Echo in den Köpfen der Menschen.

Einige Großlogen hatten aktiv an diesem Ruf mitgewirkt, hatten sie doch unter ziemlich großzügiger Auslegung des zweiten Hauptstücks der „Alten Pflichten" versucht, sich mit den neuen Machthabern nach 1933 zu arrangieren, zum Glück ohne Erfolg, jedoch mit großem Verlust für die Glaubwürdigkeit unseres Bundes hinsichtlich der Ernsthaftigkeit der von ihm propagierten Werte.

Alles in allem eine Zeit, in der die Menschen andere Ambitionen hatten, als sich um den Wiederaufbau der Freimaurerei zu kümmern. Aber glücklicherweise hatte in den Köpfen einiger Brüder das maurerische Licht die Zeit der Dunkelheit überdauert.

Wie das maurerische Licht die Zeit der Dunkelheit überdauerte

Emil Selter beschreibt das Treffen, bei dem die Loge Lessing das Licht der maurerischen Welt erblickte. ,,26. September 1945, ich sehe eine beengte Wohnung am Kaiserplatz in Frankfurt, Bruder Geier hat elf Männer zu sich eingeladen, Freimaurer, der Verfolgung des Naziregimes entgangen, den Schrecken des Krieges entronnen, entschlossen einen neuen Anfang zu machen, eingedenk aller Lehren der Vergangenheit.1 Die Logennamen ,,Spinoza" und ,,Goethe zu den drei Säulen " können wieder ausgesprochen werden, ohne die Hand vor den Mund zu halten.

Andere Logennamen tauchen auf, erwecken schmerzliche, erhebende oder mitleidige Erinnerungen, Systeme werden geprüft, Orientierungshilfen aus dem Gedächtnis hervorgeholt, alles vermengt mit den Fragen, wo ist der, wo ist jener, unterbrochen mit Nachrichten aus der Gefangenschaft, aus Konzentrationslagern und fernen Ländern der Emigration. Deprimierendes wird zur Herausforderung, bittere Erfahrung zur Quelle bedeutender Energien.

Der Name Lessing fällt, Inbegriff der Fröhlichkeit und Skepsis, geistreicher Polemiken und scharfem Blick für die menschlichen Schwächen, ein würdiger Name für eine Loge, sprudeln der Quell von Ideen und Eigenständigkeit. Nach der Feststellung, dass die eigene Zahl zu klein sei, um beide Logen, aus denen die versammelten Brr.-, stammten, wieder in Arbeit zu setzen, beschlossen die Brr.-, eine neue Loge zu gründen, die aber auch nicht den Namen einer der beiden alten Logen tragen sollte. Und so gaben sie ihr den Namen „Lessing“.

Die neue Loge "Lessing"

Die neue Loge sollte sich zunächst keiner Großloge zu unterstellen, sondern als unabhängige Loge zu arbeiten, bis eine einige deutsche Großloge geschaffen sei, und daher auch kein bestehendes Ritual annehmen, sondern ein eigenes Ritual bearbeiten, das im Rahmen der überlieferten Tradition allen freimaurerischen Auffassungen Raum bieten könne.

Durch die Militärregierung war die Neugründung von Vereinen untersagt, lediglich Wiedergründungen durften durchgeführt werden. So nannte man als Gründungsdatum, das der Loge „Goethe zu den drei Säulen an, nämlich den 25.Oktober 1930, dem 2. Geburtstag, den wir heute würdigen. Das ist der Grund warum die Loge Lessing, die Matrikel Nummer 769 führt und damit eine, die fünfzehn Jahre älter ist als die Loge. Die Brr. gingen voller Eifer und Optimismus an die Arbeit auf. Am 30. Dezember 1945 fand mit der Jahresschlussloge sicher eine der ersten rituellen Arbeiten im besetzten Deutschland statt. Als „Tempel“ diente die Wohnung des Br. Geier. Der Arbeitssteppich wurde mit weißer Farbe auf schwarzes Papier gemalt.

Br. Selter führte aus:

„Wenn auch die endgültige Konstituierung nach Genehmigung der Militärregierung noch aussteht, so ist die Loge doch bereits ein Factum, eine Tatsache die feststeht, wie unsere heutige erste Tempelarbeit in feierlichem Rahmen zeigt“.

Not permitted to operate regardless

Aber schon im Januar 1946 kam der Dämpfer:

„The Free Mason Lodge „Lessing“ falls in the category of secret organizations which hold secret meetings and as such is not permitted to operate regardless of previously granted permission.”,

hieß es in einem Schreiben der Militärregierung für den Stadtkreis Frankfurt am Main. Zum Glück waren die Strukturen bereits gelegt. Offiziell wurde die Loge „Lessing" erst im Mai 1947 anerkannt und bekam die Erlaubnis zu arbeiten.

Das Verbot der Tätigkeit hinderte die Brüder nicht daran, sich um die Beschaffung der Arbeitswerkzeuge zu kümmern, der Entwurf für ein Hausgesetz wurde erstellt, ebenso der ausführungsreife Entwurf eines Arbeitsteppichs. Anstelle der früher verwendeten Rituale sollte eines treten, dass die unterschiedlichen Traditionen aufgriff und allen Lehrarten gerecht werden sollte.


Das Ritual der Lessing, dass heute zu den Traditionsritualen innerhalb der AFAM zählt wurde zunächst aus dem Gedächtnis niedergeschrieben. Es vereinigt – im besten eklektischen Sinn- die Ritualsprache der GL „zur Sonne“ mit der Ausdrucksform der anderen Großlogen vor 1933.


Die zweite Tempelarbeit der Loge fand dann im Wartezimmer der Kinderarztpraxis von Br. Emil Selter statt. Die räumlichen Verhältnisse dieses provisorischen Tempels führten zu einigen Besonderheiten im Aufbau des Tempels, die wir auch heute beibehalten haben:

Der von den Nazis geraubte Teppich der Loge Spinoza

Ab 1946 wurde mit einem Teppich gearbeitet, der eine verkleinerte Nachbildung des von den Nazis geraubten Teppichs der Loge Spinoza war. Dieser Teppich wurde restauriert.

Viele der Gerätschaften der Loge verdanken wir dem handwerklichen Geschick und den Spenden vieler Brüder unserer Loge. Denn zu diesem Zeitpunkt war es noch nicht möglich, maurerischen Bedarf quasi von der Stange zu kaufen. Zu nennen wäre hier der Stab unseres Zeremonienmeisters, der eine getreue Nachbildung eines „common judge", des gemeinen Maßes der Frühzeit der englischen Großloge ist. Im Vergleich zu den meisten Tempeleinrichtungen wirken die Säulen der Lessing karg und schmucklos. Auch sie stammen aus der Gründungszeit, doch ihre Kargheit ist beabsichtigt. Sie soll symbolisieren, dass der Tempel der Humanität nicht von den 3 Säulen getragen wird, sondern von den Lichtern der Weisheit, der Stärke und der Schönheit.

In der Folgezeit besserten sich die wirtschaftlichen Verhältnisse und somit auch die äußeren Gegebenheiten der Loge. Der Umzug in die Mainzer Straße mit einem nicht mehr improvisierten Tempel und zum rechten Zeitpunkt zum Ablauf dieser Mietverträge schließlich die Möglichkeit des Erwerbs von Anteilen an dem traditionellen Logenhaus in der Finkenhofstraße. Ein Haus, das der Loge „Lessing“ viel Freude bereitet, dessen Erhalt und Bewirtschaftung aber auch eine stetige Herausforderung sind. Die Geschichte der Loge Lessing wäre anders verlaufen, wenn sich die Schwestern der Loge nicht von Anfang an tatkräftig eingebracht hätten und wenn sie Schnurren und den Zeiteinsatz der Brüder nicht toleriert hätten.

Mit der Gründung der Loge „Lessing“ etablierte sich auch der Schwesternkreis der über lange Jahre sehr aktiv war und wenn wir heute unseres siebzigjährigen Bestehens bedenken, so sollten wir nicht vergessen, dass auch dieser Kreis seit nunmehr siebzig Jahren besteht und wir den Schwestern unseren ehrlichen Dank schulden.

Ich würde meiner Verpflichtung als Chronist nicht nachkommen, wenn ich nicht die Rolle der Loge „Lessing“ an dem Wiederaufbau der Freimaurerei in Nachkriegsdeutschland und ihren Beitrag zu dem Versuch der Schaffung einer einigen Großloge von Deutschland zu streifen würde. Viele bereits gegründete Logen hatte ihre Anerkennung durch die Administration erhalten. Durch das Fehlen einer koordinierenden Instanz erfolgte die Gründung in den alten Strukturen.

Von den altpreußischen Großlogen ging dann der Vorschlag aus, dass alle deutschen Logen einen gemeinsamen Antrag stellen sollten, den Status vor 1933 wiederherzustellen. Dieser Antrag entsprach nicht den Vorstellungen der ehemals humanitären Logen. Emil Selter kämpfte an vorderster Front.

In einem Artikel in „ Freimaurerbriefen“ mit dem Titel „Das humanitäre und das christliche Prinzip in der Freimaurerei“, der große Beachtung fand, führte er den Nachweis, dass diese beiden Prinzipien einander nicht widersprächen. Als sich die in Frankfurt am 15. Juni 1947 eine erste überregionale Zusammenkunft von Vertretern aller Systeme mit Ausnahme der Großen Landesloge traf, war die Loge Lessing erheblich engagiert. Auf diesem „Frankfurter Konvent“ wurde der Grundstein für eine Zusammenarbeit der humanitären Logen gelegt.

Frankfurter Arbeitsgemeinschaft von Freimaurerlogen

Als Ergebnis dieser Zusammenkunft wurde die „Frankfurter Arbeitsgemeinschaft von Freimaurerlogen” gegründet, der die Loge „Lessing“ noch am selben Tage offiziell als erstes Mitglied beitrat.

Geschäftsführer war Br. Geier, 2. Vorsitzender war Emil Selter und Vorsitzender war Br. August Pauls, der zum Ehrenmitglied der Lessing wurde. In einer Resolution wurde beschlossen, dass es „fortan nur eine Johannisfreimaurerei in Deutschland geben solle, für die christlich und humanitär nichts Trennendes sei“.

In einem zweiten Treffen in Herford wurde diese Entschließung auch von den Brüdern der altpreußischen Logen mit einer kleinen redaktionellen Änderung angenommen.

Als Folge der Lockerung der Bestimmungen der Militärregierungen wurden im Laufe des ersten Halbjahres 1948 Landeslogen in den verschiedenen Ländern gebildet. In dem folgenden Jahr wurden von der Frankfurter Arbeitsgemeinschaft, die maßgeblich von den Brüdern der Loge „Lessing“ mitgetragen wurde, Schritte zur Gründung einer geeinten deutschen Großloge eingeleitet.

Am 18. Juni 1948 sollte in der Paulskirche in Frankfurt a.M. der ersten deutschen Nationalversammlung gedacht werden. Hierzu wurde auf Beschluss der Frankfurter Arbeitsgemeinschaft, die mittlerweile 125 Logen umfasste am Vortage zu einer feierlichen Tempelarbeit eingeladen. Vorbereitung, Einrichtung des Tempels und das Ritual lagen weitestgehend in der Verantwortung der Loge „Lessing“. Das verwendete Ritual basierte im Wesentlichen auf dem Ritual des Lehrlingsgrades der Loge „Lessing“, die Arbeit wurde von Br. Emil Selter geleitet.

Es wurde erwartet, dass anlässlich dieser Arbeit die „Geeinte Großloge der Freimaurer v.D.“ ausgerufen würde. Diese Gründung scheiterte jedoch an Br. Theodor Vogel und den von ihm vertretenen 31 bayrischen Logen, obwohl er bisher alle Entschließungen der Arbeitsgemeinschaft uneingeschränkt mitgetragen hatte.

Am nächsten Tage wurde in Frankfurt der „Deutsche Großmeisterverein“ unter der Führung von Br: Theodor Vogel ins Leben gerufen. Vier Monate später wurde von dem Großmeisterverein in Kissingen die „Vereinigten Großlogen der Freimaurer von Deutschland“ gegründet. Die Frankfurter Arbeitsgemeinschaft löste sich auf. Auch der gegründeten VGLvD trat die GLLdFvD nicht bei, so dass im Grunde genommen die eine deutsche Großloge auch hier nicht geschaffen werden konnte. Zwei Brr. der Loge „Lessing“ gehörtem dem ersten Großbeamtenrat der VGLvD an.

Großlogen

Die deutsche Freimaurerei musste sich mit diesem Teilerfolg zufrieden geben. Am 18. Juni 1949 trafen sich 150 Vertreter der Bauhütten, die sich der VGL angeschlossen hatten zum ersten Großlogentag in Offenbach. Am darauffolgenden Tage wurde in einer feierlichen Arbeit in der Frankfurter Paulskirche die neue Großloge VGLvD eingesetzt. Von den beiden Großlogen, die im Exil das Licht bewahrt hatten, der „GL v. Hamburg“ und der „Symbolischen Großloge“ wurde das Licht wieder eingebracht. Delegationen des „Grand Orient de France“, der „Grand Loge de Belgique“, der neu gegründeten AFAM Großloge in Dänemark, der „Großloge von Österreich“ und der Großkommandeur des DOR, Br: Pauls, der sich ebenfalls in der Frankfurter Arbeitsgemeinschaft engagiert hatte, nahmen an dieser Festarbeit teil.

Der Vollständigkeit halber sei noch erwähnt, dass auch dieser Teilerfolg durch den Anerkennungsdruck seitens der UGL nur bis 1955 Bestand hatte. Die altpreußischen Logen traten aus der VGLvD aus und die VGL nannte sich in GL AFAMvD um. Als Dachverband wurden die Vereinigten Großlogen von Deutschland gegründet, dem dann noch die ACGL und die GLBFG beitraten.

Damit wurde die Fiktion einer äußeren Einheit hergestellt, die dennoch den beteiligten Großlogen jede Eigenständigkeit beließ und die ich heute als einen großen Schatz der der Deutschen Freimaurerei ansehe und stets verteidigen werde. Meine Brüder, wir stehen in einer langen Kette mit einer guten Tradition. Wir sollten diese Tradition als Verpflichtung begreifen, der Nachwelt eine Loge zu hinterlassen in der das Licht der Erkenntnis hell leuchtet. Viel habe ich über die Vergangenheit geredet. Blicken wir also nach vorne, seien wir „der Zukunft zugewandt!

Die Loge steht heute gesund da.

Wir haben selbstbewusst unseren Platz im Konzert der Frankfurter Logen gefunden und ein eigenes Profil entwickelt. Man kennt und schätzt uns für unseren Charity-Event, das jährliche Burns Supper ebenso wie für die zahlreichen Initiativen auf dem Gebiet der Wohltätigkeit, die von Brr der Loge ins Leben gerufen wurden.

Diskussionsloge

Wir haben uns auch in 70 Jahren den Ruf erarbeitet eine „Diskussionsloge“ zu sein. Ich habe diesen Titel immer mit Stolz angenommen. Nach unserem Ritual soll „ die Loge eine sichere Stätte sein, für die, welche die Wahrheit suchen“.

Ganz gleich ob Wirtschaftsklub, Gewerkschaft, politische Partei oder Kirche, alle machen sich der gleichen Sünde schuldig: des Selbstgesprächs. Sozialdemokraten gehen in sozialdemokratische Versammlungen, CDUler zur CDU, Gewerkschaftler besuchen ihre Zusammenkünfte und Geschäftsleute die ihren.

Dort hören sie Rednern zu, deren Ansichten sie ohnehin teilen, und die Redner freuen sich, weil sie so herzlichen Beifall finden. Aber ein Austausch findet nicht statt, ihre Glaubenssätze werden nicht hinterfragt. So einfach darf es sich die Freimaurerei und im Besonderen unsere Loge Lessing nicht machen.

Wir müssen weiterhin versuchen die Angehörigen aller der genannten Gruppen zusammenzuführen. Nicht als Anwälte, Ärzte, Beamte etc, sondern als freie Männer von gutem Rufe, die sich bemühen sich gedanklich von ihren beruflichen, konfessionellen und politischen Vorfestlegungen zu befreien.

Wir wollen sie aber nicht etwa alleine zu einem Selbstgespräch über Freimaurerei zusammenführen, so wichtig auch dies mitunter ist, sondern zu einer Aussprache in freimaurerischem Geiste über das, was die Gesellschaft bewegt. Politische Zankereien sind in der Loge Tabu, ebensolche über die Konfessionen. Aber, liebe Brüder, wo wenn nicht bei uns können wir in Offenheit sprechen, unsere Standpunkte überprüfen und das tun, was laut Lessing eine der größten Freuden ist: Laut Nachdenken mit einem Freund! Lasst uns also mutig sein und uns auch dem zuwenden, was uns und der Gesellschaft auf den Nägeln brennt. Sind wir politisch in diesem Sinn. Trauen wir uns auch die Felder zu beackern, bei denen wir am Ende nur darin übereinstimmen, dass wir nicht übereinstimmen.

Wenn wir weiter darauf achten, dass wir einander in brüderlicher Liebe begegnen, den geistigen Kampf nicht zum Streit , die Diskussion nicht zur Disharmonie werden lassen, dann sind wir auf dem richtigen Weg.

Wenn wir dann auch noch daran festhalten, der Freude, dem Spaß und der offenen Herzlichkeit einen Platz in der Arbeit und in unseren Herzen einzuräumen, dann mache ich mir keine Sorgen. Spaß und Freude bei der Arbeit sind extrem wichtig. Grade dann wenn wir uns vor Augen führen, dass unsere Aufgabe nie endet!

Seit mindestens 1717, bauen die Alten Freien und Angenommenen Maurer an dem Salomonischen Tempel, einem geistigen Bau zur Verehrung des Großen Baumeisters der Welt. Ein paar hundert Kilometer von hier erhebt sich eines der gewaltigsten wirklichen Bauwerke, das von Menschenhand zur Verehrung Gottes gebaut ist: der Kölner Dom. Vier Jahrhunderte länger als an unserem Bau, von 1248 bis 1880 wurde an ihm gearbeitet, um ihn scheinbar zu vollenden. Dem Vorübergehenden erscheint er in vollendeter Schönheit. Dem genaueren Betrachter aber fallen zu Seiten der beiden 107 Meter hohen Türme die Bauhütten der Steinmetzen ins Auge, in denen jetzt seit über 700 Jahren tagaus tagein mit Hammer und Meißel, mit Winkelmaß und Senklot, mit Zirkel und Wasserwaage der raue Stein zum Baustein bearbeitet wird, um das Werk zu vollenden und zu erhalten. Sie werden auch dort noch stehen, wenn uns allen, die wir heute hier versammelt sind das Licht dieser Welt längst erloschen ist.

So werden auch an unserem Bau die Bauhütten immer stehen und immer stehen müssen, in denen mit den gleichen Werkzeugen am Bau der Menschheit zu ihrem Wohle gearbeitet wird. Möge diese Arbeit nie ruhen!

Der Freimaurerbund zur aufgehenden Sonne

Der Freimaurerbund zur aufgehenden Sonne, mit dem unsere Reise begann, forderte von seinen Mitgliedern für „ihre Ideen jederzeit furchtlos und unerschrocken einzutreten, Unrecht an Schwachen und Unterdrückten nicht zu dulden, für Wahrheit, Gerechtigkeit und Menschenliebe jederzeit die blanken Waffen des Geistes tatkräftig zu gebrauchen. Denn den wahren Freimaurer ziert der Wille zur Leistung, seine wahre Feier ist die Tat.“

Wie ich finde auch heute noch ein ehrenwerter Auftrag!

Recht sehr zu wünschen

Wir eröffnen unsere Loge mit den drei Sätzen „Recht sehr zu wünschen“ aus Ernst und Falk unseres Namenspatrons Gotthold Ephraim Lessing. Und so sollen die Wünsche der Loge „Lessing“ auch in seinem Stile vorgetragen werden:

Recht sehr zu wünschen, dass es in der Loge „Lessing“ immer Brüder geben möge, die bereit sind, durch ihr eigenes Zutun die Loge und damit die Maurerei zu fördern, und die durch ihr Wirken zum Bau des Tempels beitragen. Recht sehr zu wünschen, dass es in den in Deutschland arbeitenden Großlogen immer Großbeamte geben möge, die sich stets daran erinnern, dass es die Logen waren, die sich eine Großloge geschaffen haben. Die sich der Verantwortung für das Gedeihen der Logen in Freiheit ebenso bewusst sind, wie der nie endenden Aufgabe die Einheit der deutschen Maurerei in Vielfalt zu bewahren.

Recht sehr zu wünschen, dass es in der weltweiten Bruderkette immer Brüder geben möge, die sich nicht selbstzufrieden und selbstgerecht mit den historischen Gegebenheiten abfänden. Die ihre Kraft einsetzen um einen gemeinsamen Grund zu schaffen auf dem sich alle Brüder Freimaurer treffen können, seien Sie in Ritualgemeinschaft oder nicht. Um das zu tun, was bereits im Wilhelmsbader Konvent als Aufgabe der Freimaurei herausgearbeitet wurde: „ein jedes seiner Glieder besser und der menschlichen Gesellschaft dienlicher zu machen - und zwar durch Liebe und die Erforschung der Wahrheit“

Recht sehr zu wünschen.

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