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Weltmaurerei

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Weltmaurerei

Quelle: Lennhoff, Posner, Binder Verfasst 1932

Von Weltmaurerei spricht der Freimaurer zur Bezeichnung der auf der bewohnten Erde verbreiteten, durch das Gebrauchtum und die gemeinsame Zielsetzung ideell verbundenen Bundesteile. Von Weltmaurerei spricht auch der Gegner, um dadurch eine einheitlich aufgebaute und einheitlich geleitete Organisation mit geheimnisvollem, revolutionärem, auf Sturz der bestehenden Gesellschaftsordnung gerichtetem Machtstreben zu umschreiben.

Beide Auffassungen bedürfen der Korrektur. Die Weltmaurerei im Munde des Freimaurers ist eine durch daß Gebrauchtum geschaffene Fiktion im Sinne einer Arbeitshypothese, ein Wunschtraum, der in Arbeit befriedigt werden soll ("Geist der Lieb', erfüll die Erde, daß daß menschliche Geschlecht eine Bruderkette werde").

An anderen Stellen diese Lexikons wird ausgeführt, daß der Bund der Freimaurer einheitlich ist in seinem Humanitätsgedanken, den auch die christlichen Systeme, wenn auch in eigenartigem Gebrauchtum stark verkapselt, in sich einschließen- einheitlich weiters in den Grundzügen seines Rituals als symbolischer Mysterien-Männerbund" (Horneffer), der den Rahmen seines Gebrauchtums den Bauhütten entlehnt hat.

Tempelbau

Einheitlich ist in diesen Ritualen die Idee des Tempelbaues also der Baugedanke, dessen Bausteine die Menschen sind, und dessen endgültige Nutznießer die Menschheit sein soll. Ebenso einheitlich ist die Vorstellung einer über die ganze Welt verbreiteten, miteinander in geistiger Gemeinschaft lebenden Bruderschaft, bestehend aus gleichwertigen Mitgliedern, und beseelt von den gleich gerichtet wirkenden Impulsen des gemeinsamen Bauzweckes.

Der "Stamm"

Die tatsächliche Organisation des Bundes als Weltmaurerei bleibt hinter diesem Ziele heutigentags und auch in der weiteren Zukunft noch weit entfernt. Historische Entwicklung, Milieueinflüsse, Eigenheiten ausgeprägter Führerpersönlichkeiten haben aus dem einheitlichen englischen Stamm zahlreiche Zweige hervorgetrieben, deren äußere Erscheinungsform mitunter so stark auseinandergeht, daß erst die rücklaufige Verfolgung zum Stamme wieder zur gemeinsamen Wurzel führt.

Äußere Formen

Daß Verbindende aller Freimaurerzweige bleibt also der Gedanke und die ideelle Zielsetzung. Eine einheitliche Leitung, ja selbst eine übereinstimmung im Gebrauchtum besteht dagegen nicht und ist auch vorläufig nicht denkbar. Die drei Großen Gruppen der Freimaurerei, die angelsächsische, Deutsche und romanische, so verschieden in ihren äußeren Formen, sind einheitlich im verbindenden Baugedanken. Ihre Lebensäußerungen haben sie aber so weit auseinandergeführt, daß z. B. Angelsachsen und Grand Orient de France miteinander keinen Verkehr pflegen, und daß auch zwischen der heutigen deutschen Freimaurerei in ihren Hauptvertretern und der übrigen in der Auffassung der verbindenden Ideen kaum noch eine Übereinstimmung zu erzielen ist.

Dogmenlosigkeit

Das kann den überlegten Freimaurer nicht enttäuschen. Denn die Freimaurerei ist dogmenlos, entbehrt also der autoritativen Zurückführung divergierender Anschauungen auf den Generalnenner des Dogmas, was nicht zuletzt ihr Großer geistiger Vorteil ist. Es fehlt der Freimaurerei aber auch das zündende Schlagwort der Massenbewegung, eben weil sie überlegt ist und bleiben muß. Dogmenlos, wie sie ist, muß sie sich auf die freiwillige geistige Disziplin ihrer Mitglieder, auf die im Symbole verankerte Einordnung ihrer behauenen Steine verlassen.

Gegner und Unverständnis

Das wird von den Gegnern nicht verstanden. Nicht von der Kirche, die an eine Art Gegenkirche mit gleicher Organisation denkt, nicht von politischen Parteien, die die Freimaurerei als eine durch die Charaktere des Geheimbundes besonders festgefügte revolutionäre überstaatliche Macht" (Ludendorff) hinstellen wollen. Daher erscheinen die Freimaurer besonders gern in den Entlastungsvorstellungen der Unterlegenen und im Spiegelbild aller jener Gruppierungen, die den Humanitätsgedanken bekämpfen zu müssen glauben.

Die Freimaurerei wird so in den letzten Zweijahrhunderten der Große Unbekannte der Weltgeschichte, besonders dort, wo daß Wissen um die historische Verknüpfung fehlt und aus oftmals durchsichtigen Gründen der gedanklichen Kurzschluß von der Mühe ernsthafter Prüfung enthebt.

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