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Wilhelm Karl Vahland

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Der ehemalige Freimaurertempel von Bendigo, heute das Stadttheater, entworfen und gebaut von Wilhelm Karl Vahland

Inhaltsverzeichnis

Wilhelm Karl Vahland

Wilhelm Karl Vahland wurde am 2. Oktober 1828 in Nienburg an der Weser im Orient Hannover geboren.

Zu dieser Zeit war der Kurfürst von Hannover George IV von England. Deshalb hat sich Vahland zeitlebens niemals als "Deutscher" bezeichnet, sondern immer als "Hannoveraner". Zur anglisierten Version seines Vornamens "William Charles" kam es aber erst nach seiner Ankunft in Australien.

Hier avancierte er zu einem der bedeutendsten Architekten des 19ten Jahrhunderts. Zahlreiche Kollossalbauten entsntanden nach seinen Entwürfen. Er war lange Bürgermeister der Goldgräberstadt Bendigo und prägte dort das freimaurerische Leben.


William Charles Vahland

Quelle: http://freemasonsbendigo.net.au/index.php/history/wc-vahland/
Übersetzung ins Deutsche von Sven Zimmermann Chemnitz Juni 2015

Jede Gemeinde hat eine Geschichte von Gründern: Menschen, die hart dafür gearbeitet haben, zukünftigen Generationen ein besseres Leben zu ermöglichen. William Charles Wahland war einer der Gründer von Bendigo, und er hat mindestens so viel zur Errichtung und Infrastruktur der Stadt beigetragen, wie jeder andere in seiner Zeit oder danach.

William Charles Vahland wurde am 02. Oktober 1828 in Nienburg an der Weser in Hannover, Deutschland, geboren. Der Kurfürst von Hannover war zu dieser Zeit George IV von England, und tatsächlich leugnete Vahland sein ganzes Leben lang vehement, dass er ein Deutscher sei. Vielmehr war ein geborener Hannoveraner! Im Alter von nur wenigen Tagen wurde er als Carl Wilhelm in der Lutherischen Kirche in Nienburg getauft. Obwohl man ihn nur als William Charles kennt, fand diese Anglisierung seines Namens erst nach seiner Ankunft in Australien statt.

Er war der Sohn von Johann Ernst Otto und Augusta Sophie Caroline (geb. Scheele) Vahland, und er war der Jüngste unter 6 Söhnen und mehreren Töchtern. Johann war ein Baumeister, Schreiner und Tischler. Es ist also wenig erstaunlich, dass der junge Carl Wilhelm in die Fußstapfen seines Vaters trat.

Er beendete seine allgemeine Schulbildung im Jahr 1844. Danach scheint er einige Jahre für seinen Vater gearbeitet zu haben, bevor er die Baugewerkschule in Holzminden in Braunschweig besuchte. Diese Institution war eine der prestigeträchtigsten Hochschulen […], und sie bot eine sehr spezifische Ausbildung in der Architektur an – auf einem hohen akademischen Niveau, ebenso wie auf praktischer Ebene. Sie war die einzige Hochschule ihrer Art in Norddeutschland, und sie akzeptierte Studenten aus vielen verschiedenen Ländern. Die Schule war in den 1820er Jahren gegründet worden, nachdem eine staatliche Kommission festgestellt hatte, dass viele traditionelle Kenntnisse in der Gebäudebaukunst und Architektur verloren gegangen waren, und dass viele Auszubildende einfachste Anweisungen nicht mehr befolgen konnten. Die Lehrpläne und eine Meisterprüfung wurden aufgrund der Befunde der Kommission von Friedrich Ludwig Haarmann geschrieben, dem Gründer der Holzmindener Baugewerkschule.

Es handelte sich um ein Internat, und die Studenten wohnten in großen Schlafsälen. Sie besuchten ihre Kurse ausschließlich im Winter und verbrachten die Sommermonate mit der Arbeit in ihrem Gewerbe. Innerhalb einer Woche besuchten sie 75 Unterrichtsstunden an 6 Tagen. Der Unterricht begann um 06.00 Uhr und endete um 21.30 Uhr, beziehungsweise samstags um 19.00 Uhr. Auf diese Weise dauerte die Ausbildung insgesamt 3 Jahre. Es ist interessant zu wissen, dass Vahland nach dem Ablegen einer Eingangsprüfung das erste Jahr überspringen durfte und direkt in das zweite Ausbildungsjahr eingeschrieben wurde.

Haarmann legte großen Wert auf Geometrie, Hochbau, Konstruktionszeichnungen und die Kalkulation. Seine Kurse waren also ganz klar auf die praktische Anwendung ausgelegt. In der Tat kann man argumentieren, dass Vahland weniger ein Architekt war, sondern eher ein Bauingenieur. Haarmann war ein Befürworter der klassischen Architektur, was sich auch sehr in Vahland’s Arbeit spiegelt – einfache Linienführung im griechischen Stil, Säulen und andere Merkmale prägen das Gesamtbild (im Gegensatz zu den ausladenen viktorianischen und barocken Dekorationen, wie sie von anderen Architekten bevorzugt wurden). Haarmann betonte auch die Notwendigkeit einer Harmonie zwischen modernen Wohngebäuden und Bauernhäusern, ebenso wie zwischen gewerblichen und öffentlichen Gebäuden. Vahland’s Abschlusszeugnis von der Baugewerkschule enthält eine große Anzahl von Kategorien, wie bspw. Rechtschreibung, Mathematik, Physik, Geometrie, Technisches Zeichnen, Design, Konstruktionslehre, Recht, Vermessung und Buchhaltung, ebenso wie Verhalten und Mitarbeit. In allen Fächern erhielt er ein „Gut“ oder ein „Sehr gut“.

Nachdem er seine Ausbildung im März 1852 beendet hatte, reiste er eine Weile umher (eine empfohlene Vorgehensweise für Architekten, um ihr theoretisches Wissen im praktischen Kontext anzuwenden). Er übte seinen Beruf in Hamburg und Bremen aus, bevor er als Ingenieur für den Bau einer Eisenbahnstrecke zwischen Hamburg und Kassel arbeitete. Er war noch gar nicht lange in Diepholz, nahe Hannover, tätig gewesen, als ihn die Verlockung der australischen Goldfelder ergriff, verbunden mit einer Sorge über die lokale politische Situation und dem Wunsch, den Militärdienst zu umgehen.

So ereichte er Melbourne im September 1854 mit dem Segelschiff „San Francisco“. Bereits nach wenigen Tagen war er auf dem Weg zu den Bendigo Goldfeldern mit 3 Kameraden, die mit ihm auf dem Schiff gewesen waren. Einer von ihnen war Jacob Cohn, in welchem er einen Freund fürs Leben finden sollte. Eine Geschichte über die Reise der Kameraden war in Vahland’s Nachruf im Bendigo Advertiser zu lesen. Ihnen waren grauenhafte Geschichten erzählt worden über die Grausamkeit der Eingeborenen und die Plünderungen durch Bushrangers und die Gesetzlosen. Also verließen sie Melbourne bis an die Zähne bewaffnet mit Pistolen und Macheten. Sie hielten jede Nacht Wache und standen unter höchster Anspannung während der ganzen Reise.

Als sie nach einer vollkommen ereignislosen Reise in Bendigo ankamen, erweckten sie einen sehr seltsamen Eindruck bei den Einheimischen. Nachdem sie die Lächerlichkeit erkannt hatten, warfen sie ihre Waffen in einen stillgelegten Minenschacht und ließen sich nieder, um dort zu schürfen.

Vahland’s Suche nach Gold war nicht sehr erfolgreich, weswegen er sehr bald begann, als Zimmermann zu arbeiten. Er stattete das Crown Hotel in der Hargreaves Street aus. Der Advertiser berichtet in diesem Zusammenhang auch von seinem ersten und einzigen Versuch als Maurer. Der Besitzer wies ihn an, einen Küchenschornstein zu bauen. Vahland wies darauf hin, dass der gesamte Boden von alten Minenschächten durzogen sei, aber der Besitzer war bereit, das Risiko zu tragen. Der Schornstein war ihm gut gelungen, aber leider regnete es ein paar Tage später. Am nächsten Morgen war vom Schornstein nichts mehr zu sehen, denn er war komplett im Erdboden versunken.

Ebenfalls zu dieser Zeit dürfte er als Wachmann gearbeitet haben, um die Strecke zwischen Bendigo und Melbourne zu bewachen. Es gibt einige Berichte davon, wie Jacob Cohn ihn aufforderte, wieder in Bendigo seinem Beruf als Baumeister und Architekt nachzugehen.

Kurz darauf eröffnete er sein eigenes Geschäft als Zimmermann in der Bridge Street. Bis zum Jahr 1857 verkaufte er den Bergleuten Wiegen und anderes Zubehör, nach welchem eine große Nachfrage herrschte. Die Jahre nach 1857 stellen einen wichtigen Wendepunkt im Leben von Vahland dar, denn hier traf er einige Entscheidungen, welche sein Leben nachhaltig beeinflussen sollten.

Am 20. Juli 1857 nahm er die australische (genauer gesagt: die britische) Staatsbürgerschaft an. Seinen Treueeid legte er vor Redmond Barry (siehe Bild) ab, der später den Vorsitz führte im Gerichtsprozess gegen den berüchtigten Bushranger Ned Kelly.

Eine Einschränkung seiner Bürgerschaft, die wir vielleicht seltsam finden, war, dass er (wie alle Eingebürgerten) nicht im Parlament sitzen durfte. Er wurde zwar Friedensrichter und Stadtrat und verwaltete Gesetze und Satzungen, er zahlte wie jeder Bürger brav seine Steuern, aber Gesetze selber machen konnte er nicht. Um das zu tun, musste man ein britischer Staatsbürger von Geburt her sein. Erinnern wir uns daran, dass sein eigener Kurfürst der König von England war. Es waren Ungereimtheiten wie diese, die zur Unzufriedenheit und Vorfällen wie der Eureka Stockade (bewaffneter Aufstand in 1854, d. Üb.) und schlussendlich zur Unabhängigkeit der Australischen Föderation führten.

Im Jahr 1857 begann Vahland als Baumeister und Architekt in der schnell wachsenden Gemeinde Bendigo zu arbeiten. Er eröffnete ein Büro auf der Pall Mall 2 mit Robert Getzschmann, einem anderen deutschen Architekten, mit dem er bis zu dessen Tod in 1875 zusammenarbeitete. Es gab einige Diskussionen über die Rollenverteilung in den frühen Jahren ihrer Partnerschaft. Vahland führte anfangs mehr die Konstruktionsarbeiten aus, während Getzschmann für das Design zuständig war. Mit der Zeit vermischten sich die Rollen.

In den darauf folgenden 40 Jahren hatten Vahland und seine Firma mehr Einfluss auf das Erscheinungsbild der Stadt als jede andere Person oder öffentliche Stelle. Er war verantwortlich und ausführend für die Architektur vieler Gebäude, einschließlich Rathaus, das Shamrock Hotel, das Krankenhaus, die

Bergarbeiterschule, das Institut für Mechanik, das Princess Theater, die Masonic Hall (heute das Zentrum für regionale Kunst), die vor Kurzem wieder eröffneten Kaskaden und den Alexandrabrunnen, der Sandhurst Club und die Haupttribüne im Canterbury Park, Eaglehawk. Er war verantwortlich für viele Privathäuser, von Herrenhäusern wie dem Fortuna bis zu den einfachen Hütten der Bergarbeiter auf dem Land. Die Orte der Anbetung in Bendigo, an denen er mitgearbeitet hat, decken eine große Bandbreite ab: die Eaglehawk Wesleyan Kirche, die Lutheranerkirche, die katholische Kirche St. Liborius, die ebenfalls katholische Kiche St. Killian’s (immer noch das größte Holzgebäude in Australien), die Jüdische Synagoge (jetzt zerstört), die anglikanische, die methodistische und verschiedene Gemeinschaftskirchen in der Forest Street und so weiter… Geschäftsimmobilien, von kleinen Läden über große Hotels bis hin zu Kaufhäusern - alles wurde gebaut. Die Firma arbeitete auch in anderen Städten, in Hay, Deniliquin, Lorne, Lancefield, Rochester, Swan Hill, Yarrawonga, Benalla und noch anderen. Sie hatten ein Büro in Echuca, wo sie das Rathaus, das Gerichtsgebäude und die anglikanische Kirche gebaut haben. Vahland verbrachte sogar einige Zeit in Napier, Neuseeland, um Aufträge zu erledigen.

Bilder: St Killians, Alexandra Fountain und City-Family Hotel, Goldmines Hotel, Commercial Bank, School of Mines, Temperance Hall, Rathaus

Ebenfalls im Jahr 1857 entwarf und baute er sein eigenes Wohnhaus in der 58 Barkly Terrace, welches bis heute dort steht. Es war auch genau dieses Haus, in welches er im Juli 1859 seine Braut, Miss Jane Barrow, brachte. Sie war im Jahr 1844 mit ihren Eltern aus England immigriert, als sie 2 Jahre alt war. Das bedeutet, dass sie im Alter von 17 den 30jährigen Vahland heiratete. Ihnen war eine lange und fruchtbare Ehe vergönnt mit einer großen Familie – 7 Kinder schafften es, das Kleinkindalter zu überleben. Für die neue Frau in seinem Leben konvertierte Vahland von den Lutheranern (wo er Laienprediger und Kirchenvorstandsmitglied war) zur Church of England, und seine Familie wurde in einem typisch englisch-australischen Stil erzogen. Selbstverständlich wahrte er dennoch weiterhin seine Freundschaften und Kontakte zur deutschen Gemeinschaft in Bendigo – Leute wie die Brüder Cohn, Pater Backhaus und Ludwig Becker, der später in der Expedition von Burke und Willis gestorben ist.

Im Jahr 1858 war Vahland einer der Gründer der Bendigo Land & Building Society, der Institution, welche später zur heutigen Bendigo Bank wurde. Für 38 Jahre stand er hier als Vorsitzender und Geschäftsführer zur Verfügung. Während heutzutage die Banken ein wenig gemeinnütziges Bild in der Öffentlichkeit genießen, waren die Pläne der Gründer der Bendigo Land & Building Society ziemlich radikal: sie wollten den tausenden einfachen Bergarbeitern die Möglichkeit geben, in ihrem eigenen festen Haus zu leben. Damals lebten viele Menschen noch in Zelten oder provisorischen Hütten.

Die Society, und Vahland, waren nicht darauf aus, schnelle Gewinne aus Wohnungsbaukrediten zu schlagen. Ihr Interesse bestand darin, die Stadt Bendigo und ihre Gemeinschaft auf einer festen und sicheren Basis zu errichten. Sie arbeiteten, um den Bedürfnissen und finanziellen Möglichkeiten ihrer Klienten gerecht zu werden. So entwarf Vahland beispielsweise in den 1870ern ein einfaches symmetrisch aufgebautes Landhaus für Bergarbeiter mit einer Veranda mit 4 Stützpfosten. Es konnte in großer Stückzahl produziert und einfach aufgebaut werden, und man kann in der Umgebung von Bendigo bis heute viele davon sehen.

Alte Postkarte von Bendigo

Aufnahme in Bendigo

Es gab noch eine weitere wichtige Veränderung in Vahland’s Leben im Jahr 1857. Im Foyer des Freimaurerzentrums von Bendigo gibt es eine kleine Handorgel, welche für mehr als 40 Jahre in Benutzung war, um die Logentreffen in Bendigo mit Musik zu begleiten. Sie wurde der Golden Lodge am Abend des 5. Mai 1857 gestiftet, weniger als 3 Jahre nach der Gründung der Loge.

Es war ein ausgelassener Abend, denn die Golden Lodge hatte einen Kandidaten für die Aufnahme. William Charles Vahland wurde an diesem Abend in die Freimaurerei aufgenommen, am 5. Mai 1857. Er hatte bereits viele Freunde dort, einschließlich Jacob Cohn und seinen Partner Robert Getzschmann, also war es nur der natürliche nächste Schritt, dass er mit seiner Berufung, Gebäude zu errichten und seinem Menschenbild, welches sich in so vielfältiger Weise manifestierte, in eine Loge eintrat.

Am 27. Dezember 1861 wurde er Hammerführender Meister der Golden Lodge. Er war allerdings nicht in der Lage sein ganzes Jahr vollständig zu dienen, da er bereits im März 1862 der Arbeit wegen nach Neuseeland gehen musste. Tatsächlich führte er nur bei 2 Veranstaltungen den Vorsitz.

Wie auch immer, schon kurz nach seiner Rückkehr bekam er eine weitere Möglichkeit, der Golden Lodge zu dienen. Zu dieser Zeit agierten viele Logen auch als gemeinnützige Gesellschaften, vermittelten Kredite und Finanzierungen für gestrauchelte Brüder und kümmerten sich um die Witwen und Waisen. Es gab kein staatliches System zur sozialen Absicherung der Arbeitslosen, der Waisen, der Witwen und so weiter. Seit einigen Jahren war es üblich gewesen, dem Sekretär der Golden Lodge ein recht gutes Gehalt von £50 jährlich zu zahlen. Er nahm dafür die große Verantwortung auf sich, sich um die unglücklichen Brüder und ihre Familien zu kümmern, die den tiefsten Tiefpunkt von Armut und Not erreicht hatten.

Mit der Veränderung des Bergbaus vom Tagebau zum Untertagebau in den 1860ern gab es einen wirtschaftlichen Abschwung, und die Loge musste das Gehalt des Sekretärs zuerst auf £30 senken, später ganz abschaffen.

Im August 1863 nahm Vahland das Amt an und diente für ganze 10 Jahre unentgeltlich in dieser Position, über die Zusammenlegung mit der Corinthian Lodge und den Bau des View Street Masonic Temple hinweg.

Im Jahr 1874 schenkte ihm die Loge ein PastMaster’s Jewel und eine helleuchtende Würdigung als Zeichen ihres Dankes.

Das war keine reine Formalität, denn die Logen in Bendigo hatten in diesen Zeiten große Turbulenzen durchzustehen. Die Corinthian Lodge und die Zenith Lodge hatten sich gespalten, denn es gab verbitterten Streit über die Meister. Der Erwerb des Grundstücks in der View Street gestaltete sich schwierig mit der Golden Lodge und der Corinthian Lodge auf der einen Seite und der Zenith Lodge auf der anderen Seite in einer manipulierten Auktion. Danach schlossen sich die Golden und die Corinthian zusammen, um den Tempel zu bauen. In einer Zeitung wurde der Akt beschrieben als Ereignis, in welchem „viele Befindlichkeiten ans Tageslicht kamen, von denen wie wenigsten mit brüderlicher Liebe zu tun hatten.“

Wir werden nie herausfinden, welche Rolle Vahland im Detail in diesem Vorgang gespielt hat, jedoch lässt der Respekt, den ihm alle Seiten gleichermaßen entgegengebracht haben und die schnelle Heilung der Wunden vermuten, dass es eine wichtige und gute Rolle war.

Er hatte nur wenig Zeit, sich nach dieser Leistung auszuruhen, denn bereits 7 Jahre später, in 1881, wurde er erneut in die Position des Sekretärs der Golden & Corinthian gewählt, welche er bis 1910 bekleidete – was bedeutet, dass er insgesamt 39 Jahre in diesem Amt gedient hat. Er diente auch als Treuhänder der Masonic Hall und steuerte sie, genau wie die Golden & Corinthian Lodge durch die finanziell schwierigen 1890er Jahre, und er ermöglichte beiden einen sicheren und starken Übergang in das folgende Jahrhundert.

Im Jahr 1871 wurde Bruder Vahland zum Provincial Deputy Grand Superintendent of Workings bestimmt, und in diesem Amt war er der Zeremonienmeister in der großen freimaurerischen Prozession, in welcher am 24 Juni 1873 der Grundstein des View Street Temple gelegt wurde. Es muss für ihn ein Moment des großen Stolzes gewesen sein, als seine und Getzschmann‘s Pläne für das Gebäude als „großartigster Freimaurertempel in der Kolonie“ gepriesen wurden.

Über die Jahre hat er als Provinzialgroßmeister im Gebiet um Bendigo an vielen Veranstaltungen teilgenommen, einschließlich der komplizierten Verhandlungen über die Gründung der Vereinigten Großloge von Victoria im Jahr 1888. Viele Jahre war er ein Mitglied des Ausschusses für allgemeine Angelegenheiten, und im Jahr 1897 verlieh ihm Lord Brassey in Würdigung seiner Arbeit für den Großmeister den Titel Deputy Past Grand Master. Im Konferenzraum des Bendigo Masonic Centre befindet sich ein prächtiges Portrait des Höchstwürdigen Bruders Vahland in diesem Amt.

Er war auch ein aktives Mitglied von Royal Arch, und er diente als erster Vorsitzender des Royal Golden Chapter (heute Royal Eaglehawk) im Jahr 1867 und er wurde später geehrt mit dem Titel eines Past Grand Haggai.

Während einer Reise in sein Heimatland im Jahr 1901 besuchte Vahland in London die Einsetzung Seiner Königlichen Hoheit, des Herzogs von Connaught als Großmeister der Vereinigten Großloge von England. Der Herzog wurde eingesetzt, denn sein langjähriger Vorgänger im Amt des GM war auf dem Weg, König Edward VII zu werden. Vahland wurde auch von seinen Verwandten in Deutschland gefeiert mit einem mehr als 200 Besucher zählenden Bankett zu seinen Ehren. Offenbar dauerte das mehrere Stunden, und zwischen den Gängen gab es Pausen, um herumzulaufen und Platz für den nächsten Gang zu schaffen. Während er in Deutschland war, musste er auch eine Strafe zahlen, weil er in den 1850ern nicht zum Militärdienst zur Verfügung gestanden hatte.

Charakter

Welche Sorte von Mensch war Vahland nun? Es ist einfach, seine vielen Errungenschaften aufzulisten, aber welche Art von Person, Freund und Vater war er eigentlich?

Laut seinen Familienangehörigen war er ein typischer viktorianischer Ehemann und Vater. Seine Jüngsten bezeichneten ihn immer als „der Pater“, aber sie taten es mit Zuneigung. Er liebte Tiere, hielt sich Australian Silky Terrier und Katzen. Er genoss es, Musik zu hören und zu lesen, eine gute Pfeife oder Zigarre. Wenn er rauchte, trug er immer einen Hausrock und eine Kappe. Gutes Essen und Wein waren typisch für sein Haus, was zweifelsohne mit seinem Anwesen Charterhouse Estate in Elmore zusammenhing. Ein großer Teil des Anwesens war mit Reben bepflanzt, und die von ihm produzierten Weine und Spirituosen wurden vertrieben und exportiert durch den Weinhandel seines Bruders in Melbourne. Er exportierte sogar bis nach Deutschland.

Er erwarb Charterhouse von seinem Schwiegervater Henry Barrow, wahrscheinlich als taktvollen Weg, ihm während seiner finanziellen Schwierigkeiten unter die Arme zu greifen. In den darauffolgenden Jahrzehnten erblühte das Anwesen als Weinberg und Bauernhof.

Vahland war sicherlich ein Pionier und eine Stereotype der frühen australischen Weinindustrie. In weißer Voraussicht war er ein entschiedener Gegner der Kennzeichnung australischer Weine mit traditionellen europäischen Namen wie „Burgunder“, „Bordeaux“ und „Hock“ (deutscher Weißwein, d. Üb.), denn er war der Meinung, dass Weine nach der Region ihrer Herkunft benannt sein sollten. Erst vor ungefähr 10 Jahren fand seine Methode volle Akzeptanz.

Züge

Vahland liebte auch Züge. Wann immer es möglich war, reiste er innerhalb von Victoria mit dem Zug. Er war bekannt bei den Schaffnern, die oft für ihn ein ganzes Abteil freihielten, denn er mochte es nicht, in Gesellschaft zu reisen. Eine Geschichte über ihn spielte sich an einem sehr warmen Tag ab, als er gerade auf der Rückfahrt von Melbourne war. Der Zug war überfüllt, also musste er sein Abteil mit anderen Menschen teilen. Zum Pech der anderen Passagiere hatte Vahland einen großen und reifen Limburger Käse dabei. Es war wirklich ein sehr warmer Tag, und nicht lang, nachdem sie die Spencer Street Station (in Melbourne, d. Üb.) verlassen hatten, fand er sich ganz allein in seinem Abteil.


Öffentlichkeit

Aber was ist mit dem öffentlichen Vahland? Einfach nur zu sagen, dass er seiner Gemeinde diente, wäre eine Untertreibung. Wir haben bereits seine lange Verbindung zur Building Society hervorgehoben. Außerdem war er von 1869 bis 1872 ein Mitglied des Rates von Sandhurst, und er erlebte dort, wie Sandhurst um 1871 zur Stadt erklärt wurde. Am Ende seiner Amtszeit zog er sich hier zurück, denn er wollte nicht den Eindruck erwecken, dass ein Interessenkonflikt aufgrund seiner geschäftlichen Tätigkeit entstehen könnte.

Im Jahr 1859 war er der Leiter der Feuerwehr von Sandhurst. Er war Direktor der Gasgesellschaft für 20 Jahre. Er war der Schatzmeister der Bergarbeiterschule und dort agierte er ebenfalls als Prüfer in den Fächern Technisches Zeichnen, Bauzeichnen, Praktische Geometrie und Design, und er war ebenfalls Preisrichter in der jährlichen Ausstellung der Schule. Er diente in den Aufsichtsräten der Weinbrennerei, des Krankenhauses, des Armenhauses, der Bergarbeiterschule, des Instituts für Mechanik, und er war Mitglied des Viktorianischen Institutes für Architekten.

Vor seiner Hochzeit war er Laienprediger der Lutherischen Kirche gewesen, und er hat wesentlich zur Festigung dieser Gemeinde beigetragen, ebenso wie zu Messen und Festveranstaltungen.

William Charles Vahland war ein Mann, der diente. Er diente seiner Familie, indem er ihr ein liebevolles und sicheres Zuhause und ein gutes Einkommen bot; er diente seiner Gemeinde in sehr vielen Rollen, und er half, soziale Strukturen und dauerhafte Einrichtungen zu etablieren. Er diente seiner Loge mit Würde, Mitgefühl, Begeisterung und harter Arbeit.

Nekrolog

Sein Nachruf in einer Zeitung fand sehr geeignete Worte für ihn:

Ein typisches Merkmal des verstorbenen Br. Vahland war seine absolute Aufrichtigkeit im Leben und in seinem Charakter, seine robuste Ehrlichkeit, seine bewährte Integrität und die Loyalität gegenüber seinen Freunden. Er schien sich niemals zu verstellen, und er schien es auch niemals versucht zu haben. Niemand hat jemals an ihm gezweifelt. Keine Versuchung, kein augenscheinlicher Vorteil schienen ihn dazu verleiten zu können, seinen Pfad der Integrität zu verlassen oder seine eigenen Überzeugungen zu verraten – deshalb genoss er das Vertrauen und den Respekt aller, die ihn kannten.

Zweifellos war er ein großartiger Mann, und als solcher wurde er auch wahrgenommen von seinen Freunden, Kollegen und Brüdern. Ein Mann, der etwas, so wie viele, aber mehr als die meisten, dazu beitrug, dass Bendigo eine eine geschätzte Stadt und Gemeinschaft wurde. Die Golden & Corinthian und die Freimaurerei in Victoria haben seinen Bemühungen sehr viel zu verdanken. Er war tatsächlich ein Bruder, von dem man sagen kann, dass er „im Leben respektiert und im Tode bedauert“ war.

A History of Freemasonry in the Bendigo District,

Aber es gibt noch eine kleine Geschichte, die erzählt werden muss. Im Jahr 1904, zum Goldenen Jubiläum der Freimaurerei in Bendigo, schrieb William Charles Vahland ein exzellentes Buch über diese letzten 5o Jahre. A History of Freemasonry in the Bendigo District, welches übrigens vor kurzem in der Ausgabe Gold and Blue neu aufgelegt wurde.

Es ist sehr lesenswert, da er sich direkt auf die Erinnerungen der Menschen aus den ersten Tagen der Logen bezieht. Es schien ein passender Abschluss für das öffentliche Leben von Vahland zu sein.

Er setzte sich zur Ruhe, um seinen Lebensabend zu genießen. Bereits einige Jahre zuvor, 1901, hatte er sich aus dem Baugeschäft zurückgezogen und seinem Sohn Henry die Firma übergeben. Als Henry dann im Jahr 1902 plötzlich verstarb, musste Vahland das Geschäft wieder übernehmen, bis die Firma 1910 letztendlich verkauft wurde. Seine Hoffnung, an die großen Erfolge in der Weinproduktion von Charterhouse anknüpfen zu können, wurde von der Reblausplage um die Jahrhundertwende zunichte gemacht. Insgesamt konnten 10 Jahre später nur noch 60 Hektar wieder nutzbar gemacht werden.

Aber im Jahr 1914 kam mit dem Ausbruch des Krieges die endgültige Enttäuschung und eine öffentliche Erniedrigung, die selbst heute noch sehr schmerzhaft ist. William Charles Vahland, seit fast 60 Jahren Bürger des Landes, angesehenes Mitglied der Gemeinschaft und Familienvater, Past Deputy Grand Master Vahland wurde gezwungen, jede Woche auf der Polizeiwache zu erscheinen, seinen Pass und sein Vermögen abzugeben. Warum?


Deutschland

Er war in Deutschland geboren. Es spielte keine Rolle, dass das Land Deutschland bei seiner Geburt noch gar nicht existiert hatte, ja noch nicht mal, als er von dort weggegangen war, oder dass bei seiner Geburt sein Monarch in Hannover König George IV von England gewesen war, oder dass er seit 1857 ein Australischer Bürger gewesen war. Auch seine immensen Leistungen für Bendigo spielten keine Rolle mehr, all die Gebäude, all die Geschäfte, die ganze Wirtschaft, all die Arbeitsplätze oder seine Arbeit für die Building Society, die Bergarbeiterschule, die Kirchen, auch nicht, dass er ein Stadtrat gewesen war und ein Friedensrichter.

In der Hysterie der Zeit wurde er zum feindlichen Ausländer.

Es gab sogar Bemühungen, und ich schäme mich, das zu sagen, ihn zum Austritt aus der Loge zu zwingen. Obwohl das nicht von Erfolg gekrönt war, ist es klar, dass die ganze öffentliche Demütigung ein schlimmer Schlag war für den mittlerweile gebrechlichen alten Mann. Er starb in seinem Haus am 21. Juli 1915, an seinem 56. Hochzeitstag.

Seine Gemeinde, seine Freunde, seine Brüder und seine Familie wussten, was sie verloren hatten. Lange Nachrufe wurden veröffentlicht in den lokalen Zeitungen. Seine Beerdigung war eine große öffentliche Veranstaltung, von welcher die Zeitungen als „ungewöhnlich riesig“ berichteten. Auf dem Friedhof von Bendigo wurde ein masonischer Gottesdienst durch den Erhwürdigen Bruder O.D. Watson gehalten, dem Worshipful Master der Golden & Corinthian Lodge, und der G&C Chor sang „Holy Night“.

Der freimauerische Trauerzug wurde angeführt vom Past Deputy Grand Master Sir John Quick, und es waren die Ehrwürdigen Meister aller Logen aus der Gegend mit vielen anderen Brüdern anwesend.

Ein Nachruf schrieb: „Der Tod ereilt uns alle gleichermaßen, und wenn er kommt, macht er uns alle gleich. Wir werden sein vertrautes Gesicht vermissen, und die uns bekannte Stimme wird unseren brüderlichen Gruß nicht mehr erwiedern.“

Hier schließt sich der Vorhang im Leben eines herausragenden Mannes – Carl Wilhelm Vahland, Wiliam Charles Vahland, Architekt, Bürger, Freimaurer. Ein Mann, dem die Stadt Bendigo tief verbunden ist für sein großartiges Vermächtnis an schönen Gebäuden und öffentlichen Plätzen. Ein Mann, dem die Gemeinschaft so viel verdankt durch seine Hingabe und seine harte Arbeit für sie, und sein Vermächtnis in Form der Institutionen ist immer noch aktiv und entwickelt sich, wie bspw. die Building Society (jetzt Bendigo Bank), die Bergbauschule (jetzt die Universität und das örtliche Gymnasium). Ein Mann, in dessen Schuld sich die Freimaurerei befindet für seinen unermüdlichen Einsatz zur Schaffung eines soliden Fundaments für die KK in Bendigo und für das Schaffen einer übergeordneten Struktur.

von David Beagley


Quellen

Diese Arbeit basiert grundliegend auf Material von Ken Robert‘s (1985) W. C. Vahland 1828-1915, einer nicht veröffentlichten architektonischen Abschlussarbeit am Canberra College of Advanced Education, und wurde unterstützt von Zeitungsberichten, die gesammelt sind in The Annals of Bendigo und Vahland’s eigenem Buch A History of Freemasonry in the Bendigo District: the first fifty years (1904).

Zusätzliche Anekdoten wurden beigesteuert von Mitgliedern der Familien Vahland und Barry sowie dem lokalen Historiker James Lerk.

Sie wurde zuerst veröffentlicht als Lesung in der Golden & Corinthian Lodge am 14. März 2000, und eine editierte Version wurde veröffentlicht in zwei Teilen in Freemasonry Victoria im Mai und August 2000. Im Rahmen einer Lesung wurde sie am 27. Juli 2001 in der Victorian Lodge of Research vorgestellt und in ihren Schriften Unearthing Masonry veröffentlicht.

Darüber hinaus wurde sie mit weiterem Zusatzmaterial veröffentlicht in Gold and Blue: Freemasonry and community in Bendigo, 1854-2004.

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