Frankfurter Arbeitsgemeinschaft von Freimaurerlogen: Unterschied zwischen den Versionen
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Am 14. und 15. Juni 1947 trafen sich unter Vorsitz von Br. Pauls in Frankfurt am Main 23 Mitglieder früherer [[Großlogen]] aller Lehrarten, mit Ausnahme der [[GLLvD|Großen Landesloge]]. Die „[[Symbolische Großloge von Deutschland]]“ wurde bei der Tagung, die als Frankfurter Konvent in die Annalen der [[Deutschland|deutschen]] [[Freimaurerei]] einging, von Br. [[Emil Selter]] vertreten. Die [[Loge]] „[[Lessing (Frankfurt am Main)|Lessing]]“ organisierte die Tagung, und Br. Georg Geier stellte seine Geschäftsräume für die Beratungen zur Verfügung. Als Ergebnis dieser Zusammenkunft wurde die „Frankfurter Arbeitsgemeinschaft von Freimaurerlogen“ gegründet, die als Brücke zum Übergang zu einer einzigen [[Großloge]] dienen sollte. | |||
In einer Resolution wurde beschlossen, dass es „fortan nur eine [[Johannismaurerei]] in [[Deutschland]] geben solle, für die [[Christentum|christlich]] und [[Humanismus|humanitär]] nichts Trennendes sei“ und die getrennt von den verschiedenen [[Hochgrad]]systemen arbeitet. In einem zweiten Treffen in Herford wurde diese Entschließung auch von den [[Brüder]]n der [[altpreußische Großlogen|altpreußischen Großlogen]], mit einer kleinen redaktionellen Änderung, angenommen. | |||
Damit schien der Weg zu einer einigen [[Deutschland|deutschen]] [[Großloge]] geebnet. Den Vorsitz führte Dr. Dr. Pauls. Auch der spätere [[Großmeister]] der [[AFuAM|GL A.F.A.M.]], Br. [[Theodor Vogel]], nahm aktiv an den Sitzungen der Arbeitsgemeinschaft teil. Als Folge der Lockerung der Bestimmungen der Militärregierungen wurden im Laufe des ersten Halbjahres 1948 Landeslogen in den verschiedenen Ländern gebildet. | |||
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Dazu sollte es jedoch nicht kommen. [[Theodor Vogel]] kündigte an, dass sich die von ihm vertretenen 31 [[Logen in Bayern|bayerischen Logen]] einer solchen widersetzen würden. Damit hatte Vogel seinen Führungsanspruch deutlich gemacht. Am nächsten Tage wurde in Frankfurt der „Deutsche Großmeisterverein“ unter seiner Führung ins Leben gerufen. Vier Monate später wurde von dem Großmeisterverein in Bad Kissingen die „[[VGLvD|Vereinigte Großloge der Freimaurer v.D.]]“ gegründet. Die Frankfurter Arbeitsgemeinschaft, deren Ziele damit weitgehend erreicht waren und die dieser Gründung maßgeblich den Weg gebahnt hatte, löste sich auf. | |||
In der Rückschau lässt sich konstatieren, dass [[Theodor Vogel]] einen weiteren Blick auf die [[Freimaurerei]] hatte. Die Frankfurter Arbeitsgemeinschaft hatte von Anfang an verlangt, dass sich in ihr nur [[Loge]]n sammeln sollen, die sich frei entscheiden können, also nicht abhängig sind von den Weisungen ihrer ehemaligen [[Großloge]]n. Damit waren die [[Loge]]n der [[GLLvD]] außen vor und sie wurden auch nie zu den Verhandlungen hinzugezogen. Im Gegensatz dazu hat [[Theodor Vogel]] immer auch mit den Vertretern der [[GLLvD]] Kontakt gehalten und versucht, sie in die Einigung einzubeziehen. | |||
Die [[GLLvD]] trat jedoch auch der gegründeten „[[VGLvD|Vereinigten Großloge der Freimaurer von Deutschland]]“ trotz aller Bemühungen Vogels zunächst nicht bei. Zu unüberwindbar waren die Gegensätze, vor allem in der Frage des von der [[GLLvD]] verlangten christlichen Bekenntnisses. Dennoch war die Gründung der [[VGLvD]] ein wichtiger Teilerfolg auf dem Weg zur Einheit. Der erste Großlogentag fand am 18. Juni 1949 in Offenbach statt; es beteiligten sich 150 Vertreter der [[Loge]]n, die sich der [[VGLvD]] angeschlossen hatten. Am darauffolgenden Tage wurde in einer feierlichen [[Tempelarbeit]] in der Frankfurter Paulskirche die neue [[Großloge]] [[VGLvD]] unter Führung von [[Theodor Vogel]] eingesetzt. Von den beiden [[Großloge]]n, die im Exil das Licht bewahrt hatten, der „[[Hamburger Großloge]]“ und der „[[Symbolische Großloge von Deutschland|Symbolischen Großloge]]“, wurde das [[Licht]] wieder eingebracht. | |||
Der Weg zur Organisation der „Vielfalt in der Einheit“, wie sie heute praktiziert wird, war jedoch noch lang. Erst auf massiven Druck der [[Großloge von England]] kam es 1958 zum Konstrukt der [[VGLvD|Vereinigten Großlogen von Deutschland]] (Plural). Die bisherige „Vereinigte Großloge von Deutschland“ (Singular) benannte sich daraufhin in „[[AFuAM|Großloge A.F.u.A.M. von Deutschland]]“ um. Damit wurde eine äußere Einheit hergestellt, die dennoch den beteiligten [[Großloge]]n ihre Eigenständigkeit beließ. | |||
Mittlerweile wird die einstige Uneinheitlichkeit oft als Stärke der Vielfalt begriffen, weil sie jedem Bruder ermöglicht, seinen individuellen „maurerischen Weg“ zu finden und dabei dennoch fest in der Weltbruderkette zu stehen. | |||
=Weblinks= | |||
Freimaurer-Podcast [https://freimaurer-frankfurt.de/podcast/ "Frankfurter Demokratie-Café"] unter den [[Freimaurer-Podcasts]] zum Jubiläum der Frankfurter Paulskirche | |||
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[[Theodor Vogel]] | |||
[[Vereinigte Großlogen von Deutschland]] | |||
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Version vom 30. Januar 2026, 17:23 Uhr
Die Frankfurter Arbeitsgemeinschaft von Freimaurerlogen hatte zum Zweck, alle deutschen Großlogen nach der Dunklen Zeit in einem einzigen Dachverband zusammenzuführen. Letztlich scheiterte die Gründung eines solchen Dachverbands jedoch vorerst, weil sich die GLLvD diesem nicht anschloss. Dennoch kann die Arbeitsgemeinschaft als wichtiger Schritt auf dem Weg zur Einheit der Großlogen unter der späteren VGLvD gewertet werden.
Geschichte
Am 14. und 15. Juni 1947 trafen sich unter Vorsitz von Br. Pauls in Frankfurt am Main 23 Mitglieder früherer Großlogen aller Lehrarten, mit Ausnahme der Großen Landesloge. Die „Symbolische Großloge von Deutschland“ wurde bei der Tagung, die als Frankfurter Konvent in die Annalen der deutschen Freimaurerei einging, von Br. Emil Selter vertreten. Die Loge „Lessing“ organisierte die Tagung, und Br. Georg Geier stellte seine Geschäftsräume für die Beratungen zur Verfügung. Als Ergebnis dieser Zusammenkunft wurde die „Frankfurter Arbeitsgemeinschaft von Freimaurerlogen“ gegründet, die als Brücke zum Übergang zu einer einzigen Großloge dienen sollte.
In einer Resolution wurde beschlossen, dass es „fortan nur eine Johannismaurerei in Deutschland geben solle, für die christlich und humanitär nichts Trennendes sei“ und die getrennt von den verschiedenen Hochgradsystemen arbeitet. In einem zweiten Treffen in Herford wurde diese Entschließung auch von den Brüdern der altpreußischen Großlogen, mit einer kleinen redaktionellen Änderung, angenommen.
Damit schien der Weg zu einer einigen deutschen Großloge geebnet. Den Vorsitz führte Dr. Dr. Pauls. Auch der spätere Großmeister der GL A.F.A.M., Br. Theodor Vogel, nahm aktiv an den Sitzungen der Arbeitsgemeinschaft teil. Als Folge der Lockerung der Bestimmungen der Militärregierungen wurden im Laufe des ersten Halbjahres 1948 Landeslogen in den verschiedenen Ländern gebildet.
Am 18. Juni 1948 sollte in der Paulskirche in Frankfurt a.M. der ersten deutschen Nationalversammlung gedacht werden. Hierzu wurde auf Beschluss der Frankfurter Arbeitsgemeinschaft, die mittlerweile 125 Logen umfasste, am Vortage zu einer feierlichen Tempelarbeit eingeladen. Viele Brüder hofften, dass der Geist des Aufbruchs zur Proklamation der „Geeinten Großloge der Freimaurer v.D.“ führen würde.
Dazu sollte es jedoch nicht kommen. Theodor Vogel kündigte an, dass sich die von ihm vertretenen 31 bayerischen Logen einer solchen widersetzen würden. Damit hatte Vogel seinen Führungsanspruch deutlich gemacht. Am nächsten Tage wurde in Frankfurt der „Deutsche Großmeisterverein“ unter seiner Führung ins Leben gerufen. Vier Monate später wurde von dem Großmeisterverein in Bad Kissingen die „Vereinigte Großloge der Freimaurer v.D.“ gegründet. Die Frankfurter Arbeitsgemeinschaft, deren Ziele damit weitgehend erreicht waren und die dieser Gründung maßgeblich den Weg gebahnt hatte, löste sich auf.
In der Rückschau lässt sich konstatieren, dass Theodor Vogel einen weiteren Blick auf die Freimaurerei hatte. Die Frankfurter Arbeitsgemeinschaft hatte von Anfang an verlangt, dass sich in ihr nur Logen sammeln sollen, die sich frei entscheiden können, also nicht abhängig sind von den Weisungen ihrer ehemaligen Großlogen. Damit waren die Logen der GLLvD außen vor und sie wurden auch nie zu den Verhandlungen hinzugezogen. Im Gegensatz dazu hat Theodor Vogel immer auch mit den Vertretern der GLLvD Kontakt gehalten und versucht, sie in die Einigung einzubeziehen.
Die GLLvD trat jedoch auch der gegründeten „Vereinigten Großloge der Freimaurer von Deutschland“ trotz aller Bemühungen Vogels zunächst nicht bei. Zu unüberwindbar waren die Gegensätze, vor allem in der Frage des von der GLLvD verlangten christlichen Bekenntnisses. Dennoch war die Gründung der VGLvD ein wichtiger Teilerfolg auf dem Weg zur Einheit. Der erste Großlogentag fand am 18. Juni 1949 in Offenbach statt; es beteiligten sich 150 Vertreter der Logen, die sich der VGLvD angeschlossen hatten. Am darauffolgenden Tage wurde in einer feierlichen Tempelarbeit in der Frankfurter Paulskirche die neue Großloge VGLvD unter Führung von Theodor Vogel eingesetzt. Von den beiden Großlogen, die im Exil das Licht bewahrt hatten, der „Hamburger Großloge“ und der „Symbolischen Großloge“, wurde das Licht wieder eingebracht.
Der Weg zur Organisation der „Vielfalt in der Einheit“, wie sie heute praktiziert wird, war jedoch noch lang. Erst auf massiven Druck der Großloge von England kam es 1958 zum Konstrukt der Vereinigten Großlogen von Deutschland (Plural). Die bisherige „Vereinigte Großloge von Deutschland“ (Singular) benannte sich daraufhin in „Großloge A.F.u.A.M. von Deutschland“ um. Damit wurde eine äußere Einheit hergestellt, die dennoch den beteiligten Großlogen ihre Eigenständigkeit beließ.
Mittlerweile wird die einstige Uneinheitlichkeit oft als Stärke der Vielfalt begriffen, weil sie jedem Bruder ermöglicht, seinen individuellen „maurerischen Weg“ zu finden und dabei dennoch fest in der Weltbruderkette zu stehen.
Weblinks
Freimaurer-Podcast "Frankfurter Demokratie-Café" unter den Freimaurer-Podcasts zum Jubiläum der Frankfurter Paulskirche
