Difference between revisions of "500 Jahre "Melencholia 1""

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Revision as of 20:11, 25 December 2014



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500 Jahre

Quelle: SPIEGEL

Vor genau 500 Jahren entstand "Melencolia I", eines der berühmtesten Werke von Albrecht Dürer (1471-1528). Der Kupferstich galt schon bald als Meisterwerk, nicht nur wegen seiner präzisen Ausführung und den feinen, ausbalancierten Schraffuren, sondern auch wegen seiner außergewöhnlichen Symbolik. Dürer war stolz auf sein Werk, druckte Abzüge einzeln auf das beste Papier, das er kriegen konnte, und verschenkte sie an Fürsten und Gönner als Ausweis seines Könnens.

Aber er war auch klug genug, sich mit Erklärungen strikt zurückzuhalten. Und so bleibt auch heute noch, nach 500 Jahren, in denen sich Experten wie Amateure an dem Bild aufgerieben haben, die Bedeutung des Meisterwerks im Dunkeln - und lädt uns zum Rätseln ein.

Weiterlesen: SPIEGEL online Autor: Günter M. Ziegler

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Lennhoff und Posner

Der Kupferstich, die 1514 erschienene "Melancholie", ist zu wiederholten Malen zur freimaurerischen Symbolik in Beziehung gebracht worden. Das bisher ungedeutete Bild hat sicherlich symbolischen Charakter. Von Keller u.a. ist die Vermutung ausgesprochen worden, daß Dürer während seines Aufenthaltes in Italien mit den Gedanken der dort bestehenden Symbolischen Bunde (s. Giorgiones Geheimnis) vertraut wurde. Die auf Dürers Bild gehäuften Symboldarstellungen: Steinmetzgeräte, Leiter, Uhr, magisches Quadrat) scheinen dafür zu sprechen.

Quelle: Lennhoff, Posner, Binder

Deutung

Quelle: Wikipedia


Dieses äußerst rätselhafte Werk verschließt sich einer vollständigen Interpretation. Ein Ansatz besteht darin, es als eine Allegorie der Melancholie oder Depression zu sehen.

Der Stich ist im Übergang vom Mittelalter zur (deutschen) Renaissance entstanden. Das herumliegende Werkzeug und der mit einem Stichel an einer Platte arbeitende Putto trägt der mittelalterlichen Verbindung von Kunst und Handwerk Rechnung, Polyeder und magisches Quadrat verweisen auf die Verbindung von Wissenschaft und Kunst in der Renaissance.

Dementsprechend sah Erwin Panofsky in dem Bild einen Ausdruck für die „Melancholia artificialis“, eine Künstlermelancholie, die nicht depressiv und unfruchtbar, sondern Zeichen des Genies ist, und deren Verständnis von der neuplatonischen Umdeutung der Melancholie durch Marsilio Ficino (1433-1499) herrührt.

Dürer kannte von seinen Italienreisen die Renaissance, die nördlich der Alpen erst ca. 100 Jahre später einsetzte. Ihr könnte die sinnende Frauengestalt entgegensehen. Das Mittelalter geht zu Ende (Stundenglas), eine neue Zeit wird bald eingeläutet (Glocke), es geht aufwärts (siebensprossige Leiter), Licht (Erkenntnis) verbreitet seine Strahlen am Himmel, überwölbt von einem Regenbogen (Segen). Das Gewohnte ist bald dahin (Abschied und Melancholie). Für die künftigen Aufschwünge (Flügel) in Wissenschaft und Kunst ist die noch reglos sitzende Frauengestalt bereits mit frischen Zweigen bekränzt. Das hässliche kleine Flugtier und Fabelwesen, das das Spruchband trägt, steht für die Gefahr, im Sinnen stecken zu bleiben, sich nicht aufzuraffen.

Albrecht Dürer, der auch wissenschaftliche Werke (über Mathematik, zur Perspektive und über menschliche Körperproportionen) verfasst hat, scheint viel von seinem Selbstverständnis in das Bild eingearbeitet zu haben, so können z.B. Polyeder und Kugel (als die den Polyeder umschreibende Hilfskonstruktion) auf die von ihm erfundene zeichnerische Konstruktionsmethode von Polyedern hindeuten. Der Stich ist auf unzählige Weisen interpretierbar und verwehrt sich einer endgültigen Auslegung. Dieser Ambiguität wegen und nicht nur wegen der großen Kunstfertigkeit wird er zu den „Meisterstichen“ gezählt.


Autobiographischer Inhalt

Quelle: Wikipedia

Autobiographischer Inhalt darf erwähnt werden ohne den rätselhaften Charakter des Werks zu beeinträchtigen.

1514 ist das Todesjahr von Dürers Mutter, die im Alter von 63 Jahren am 17. Mai um 16 Uhr verstorben ist, wie die letzte Ziffer IIII auf der Sonnenuhr-Skala anzeigt. Das stimmt exakt überein mit dem von Dürer nachträglich eingefügten handschriftlichen Vermerk auf seiner Kohlezeichnung der Mutter, zwei Monate vor ihrem Tod. Ihr Sterben und Tod waren für Dürer “nicht auszuhalten“, wie er selbst schrieb, und eine wichtige Tatsache, die den Charakter von Melencolia § I auch als eine Trauerarbeit ausweist.


Sein eigenes Alter von 43 Jahren als Zahlendreher der Summe 34 des magischen Quadrats ist lediglich Zufall. Denn dies Magische Quadrat war zu Dürers schon 500 Jahre bekannt aus einem arabischen Manuskript von 963 n. Chr. Die beiden geflügelten Figuren, als Engel gekennzeichnet, stellen die Seele des Künstlers dar. Die Erwachsene ist mit Gamander (Teucrium chamaedrys) und Wasserhahnenfuß (Ranunculus aquaticus) gekrönt. Die zwölf (!) Stengel ihres ‘Brautkranzes‘ (vertex siderius) tragen ganz sicher keine Lorberblätter, allenfalls käme bei den kleinen Blättern noch Brunnenkresse (Nasturtium officinale) infrage.

Das Gestirn im Hintergrund des Bildes wurde von Ursula Marvin, Smithsonian Astrophysical Observatory als der Meteorit von Ensisheim (Ensisheim (Meteorit)) vom 7. November 1492 identifiziert. Auf Grund ihrer Nachforschungen ergab sich, dass Dürer die Explosion des Meteoriten über dem Oberelsass auf die Rückseite einer kleinen Holztafel gemalt hatte, mit Dürers Gemälde des Hieronymus (Kirchenvater) als Büßer auf der Vorderseite. Das Werk wurde erst 1956 als Dürers vom Kunsthistoriker David Carritt erkannt.

Es ist jetzt an der National Gallery of Art, London, war aber bis 1991 im Fitzwilliam Museum, Cambridge University. Damals, im Alter von 21 Jahren, hielt er sich in Basel auf, das 38 km von Ensisheim entfernt ist, und war nahe der Flugbahn des "Donnersteins." Offenbar sah (und hörte) er den Himmelsblitz.

Im übrigen wären bei einem Kometen, wie der Himmelskörper bei Melencolia-Beschreibungen regelmäßig genannt wird, immer auch noch andere Sterne zu sehen. Der eckig in das Bild gekantete Eckstein (Jes.28,16) im Vordergrund ist ein achtflächiges Polyeder auf ‘sakralem‘ hexagonalen Grundriss mit Umkugel um seine zwölf Ecken, gehört also nicht zu den platonischen Körpern, die auch noch eine Inkugel haben und wird bislang nicht aufgeführt unter den 13 resp. 15 archimedischen Körper, ist also eine Neuerung, die Dürer selbst in seinem Geometrie-Lehrbuch nicht mitaufgenommen resp. dargestellt hat: „Underweysung der messung mit dem Zirckel und richtscheyt in Linien ebnen unnd gantzen corporen durch Albrecht Dürer zu samen getzogen und zu nutz allen kunstlich habenden mit zu gehörigen figuren in truck gebracht im jar MDXXV" (1525)“

Dürer definiert hierin allerdings Netze der später “archimedisch“ genannten Körper, deren Ecken auf einer Kugel liegen, deren Seitenflächen aber verschiedenartige reguläre Polygone sind. Die Kugel, die vor dem Polyeder am Boden liegt, hat einen eigenen Augpunkt, ist also nicht wie das Polyeder in die Zentralperspektive des Melencolia-Kupferstichs gezeichnet. Der Begriff archimedische Polyeder war zu Dürers Zeit noch unbekannt. Der wichtigste Aspekt an Dürers Konstruktion ist: hiermit schuf er eine gute Näherungskonstruktion des regulären Fünfecks und damit für die Darstellung des Goldenen Schnitts.

Siehe auch:

Videos

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Links

Giorgiones Geheimnis: ein kunstgeschichtlicher Beitrag zur Mystik der Renaissance
München, 1925

Dürer hat in diesem Bild auch einen Gegenpol zu seinen christlichen Allegorien geschaffen. Die Melencolia ist weltlicher Natur, und sie führt uns in ein aufgeklärtes Fegefeuer. Was Sokrates in Worte fasste, hat Dürer illustriert: Dem menschlichen Verstand soll man nicht naiv trauen. Zur düsteren Ausgestaltung des Bildes hat sicherlich auch ein persönliches Schicksal beigetragen: Die Mutter Dürers stirbt nach schwerer Krankheit im Entstehungsjahr 1514. Das rätselhafte Bild ist 2014, nach genau 500 Jahren, noch nicht entschlüsselt.