P2

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Italien: Der böse Geist P2

Im Süden schlechte Presse für die Freimaurer (2010)
Ein Text aus ZEIT&MASS, dem Mitgliedermagazin der Großloge von Österreich: Zeit & Maß Von Rudi Rabe.

Berlusconi: 1978 Beitritt zur P2

Schon wieder eine Geheimloge, die das Land manipuliert? Diesen Eindruck gewinnt man in letzter Zeit (2010) beim Studium italienischer Medien: Von ‚la nuova loggia P3‘ oder gar ‚loggia massonica P3‘ ist da die Rede, also der neuen (Freimaurer-)Loge P3. Aber nicht in einem freundlichen Kontext, nein: als mediales Kürzel für das verwirrende politische und wirtschaftliche Korruptionsgeschehen, das in den vergangenen Monaten ans Tageslicht gekommen ist.

Leider wird mit dieser bildhaften Sprache suggeriert, Italien wurde zum zweiten Mal von korrupten Freimaurern unterwandert: diesmal von der Loge P3. Während aber vor Jahrzehnten der P2-Skandal, was die masonischen Verflechtungen betrifft, noch ein Körnchen Wahrheit enthielt, geht es jetzt nur noch um die assoziative Analogie mit dem, was damals war: zum Schaden der Kette.

In den Siebzigern: Die P2 entglitt der Großloge

Anti-Berlusconi-Karrikatur mit seiner Mitgliedsnummer 1816: Kollateralschaden für die Freimaurer

Nach dem Ende des Faschismus wurde in Italien auch die Freimaurerei wieder gegründet: so auch die alte Loge ‚Propaganda Due‘, die P2. Diese entfernte sich jedoch ab spätestens 1970 mehr und mehr von der freimaurerischen Moral und wurde zu einem masonisch getarnten halb- bis vollkriminellen Netzwerk, in dem sich einschlägig gesinnte Führungspersönlichkeiten aus Politik, Militär, Wirtschaft und Geheimdienst bis hin zur Mafia sammelten. Die Bandbreite ihrer Untaten reichte von vielerlei Korruption über die Unterstützung von Attentaten bis hin zu Putschplänen zur Abschaffung der Demokratie. Zum Glück funktionierte aber die Justiz, und auch die Politik entwickelte Abwehrkräfte, so dass die P2 schließlich nach vielen Kämpfen 1982 verboten wurde.

Natürlich hatte auch die Großloge, der Grande Oriente d’Italia, diese Umtriebe bemerkt. Und so schloss ein Großlogentag schon 1974 die P2 fast einstimmig aus. Entgegen diesem Votum gab es aber von der Großlogen-Führung danach Kompromisse, die es möglich machten, dass die P2 im Untergrund weitergeführt werden konnte („schlafen gelegt aber nicht aufgelöst“), bis es schließlich zum staatlichen Verbot kam.

Silvio Berlusconi war dabei

Das bekannte Original aus dem 18. Jahrhundert: eine Rezeption

Durch eine Hausdurchsuchung beim „Stuhlmeister“ Licio Celli kam ein Jahr vor dem Verbot eine Liste mit 962 Mitgliedsnamen an die Öffentlichkeit. Wahrscheinlich waren es noch mehr, wurde doch 1978 der damals noch wenig bekannte Silvio Berlusconi mit der Mitgliedsnummer 1816 eingetragen.(Nachtrag für FM-Wiki: Der umstrittene Politiker Silvio Berlusconi war später mehrmals italienischer Ministerpräsident; zuletzt bis November 2011). Berlusconi bestritt später, bei der P2 gewesen zu sein. Gegen Medien, die dem widersprachen, prozessierte und verlor er. Seitdem muss er es hinnehmen, wenn zum Beispiel die Quittung mit seinen Aufnahmegebühren oder einschlägige Karikaturen abgedruckt werden (oben rechts).

Der P2-Skandal ist dem historische Gedächtnis Italiens eingeprägt. Und so ist es kein Wunder, dass die italienische Öffentlichkeit jetzt auf diese Erinnerung zurückgreift und bei dem, was in Italien wieder aufgebrochen ist, P2 assoziiert und es dann P3 nennt, auch wenn es dafür wohl keine sachliche Grundlage gibt. Der italienischen Freimaurerei schadet es dennoch. Da die Freimaurer eine wichtige Rolle im eingebildeten Pandämonium der Weltverschwörer besetzen, werden es viele Menschen glauben.


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Siehe auch

Weitere inhaltliche Bezüge

Buchrezensionen

Im Wiki vorgestellte Bücher, in denen auch P2 thematisiert wird