Sagen über Freimaurerei Teil 2

Aus Freimaurer-Wiki

Sagen über Freimaurerei

Es haben sich Sagen erhalten, die aus einer Zeit stammen, in der man glaubte Freimaurer hätten etwas mit dem Teufel oder mit schwarzer Magie zu tun. Man schrieb ihnen übersinnliche und bösartige Dinge zu, die mit der Realität nicht das Geringste zu tun hatten. Auch für heutige Brüder ist es bestimmt interessant, diese alten Sagen zu lesen. Deshalb möchte Goldapfel einige davon, die Bruder Heinrich Pilgrim in der Freimauer-Zeitung vorstellte, übertragen.


5. Sage

Der Kaiser Rothbart, Obermeister des Ordens der Freimaurer

Quelle: Freimaurer-Zeitung: Manuscript für Brüder Juli 1857 Jg. 11 Nr. 31

Kennen sie, frug mich der Schlossermeister, den Unterschied zwischen weißer und schwarzer Kunst? - Ja antwortete ich. - Das wundert mich, sagte jener. Denn sonst war es den Professoren der hällischen Universität von der preußischen Regirung bei Galgenstrafe verboten, etwas davon zu verrathen. Sie haben wohl Bücher gelesen? - Ja, erwiderte ich; erlaubte und verbotene, sogar in Ketten gelegte. I was! rief mein Gefährte. Nun so ist es gut; denn anders müßte ich erst in weitläufigen Erklärungen einlassen. Sehen sie, der Kaiser Rothbart wußte seiner Zeit auch mehr, als ein gewöhnlicher guter Christ wissen soll, und seine Frömmigkeit war mitunter übel bestellt. Bei solchen Herren darf man das nicht ganz so ganz genau nehmen. Hören sie nur!

Während der Kriege, welche der Kaiser Rothbart in Italien führte, wo damals Meister der schwarzen und der weißen Kunst lehrten, gab es dort zwei Parteien, die einander mörderisch haßten. Mein Schulmeister, der auch mehr wußte, als er sollte, und deshalb bei dem Pfarrer und mehr noch bei dem Superintendenten sehr schlecht angeschrieben war, besonders weil er den Leuten alle Wunder natürlich erklärte und anschaulichen Unterricht gab, statt die Jungen im lutherischen Katechismus aufs Wort auswendig lernen zu lassen, mein Schulmeister, sage ich, nannte die beiden Parteien Waiblinger und Braunschweiger, wie er die Namen aus dem Italienischen ins Hochdeutsche übersetzte. Jene waren für, diese wider den Kaiser; jene trieben die schwarze, diese die weiße Kunst; jene huldigten den Bafomet; diese dem Paste; jene forderten, daß der Kaiser, diese, daß der Papst den Katechismus damals schreiben sollte. Es war eine ganz heillose Verwirrung in der Christenheit, der erst Luther den Kopf wieder zurecht gerückt hat. Der Kaiser Rothbart galt zwar für eine Meister in der schwarzen Kunst, war aber mit seinen Kenntnissen noch lange nicht zufrieden. Um daher die Sache so recht von Grund aus zu lernen, zog er als Schlossergeselle verkleidet unter fremdem Namen - Wanderbücher gab es damals noch nicht - ins Morgenland zu den Sarazenen bis nach Aegypten, wo seit undenklichen Zeiten die tiefsten Kenntnisse geheim gehalten worden. Als er sich unter der Hand nach allen Dingen erkundigte, hörte er, daß er nur dann in alle Weisheiten eingeweiht werden könne, wenn er vorher Freimaurer geworden sei. Da ihm nun viel daran lag, alles in der Welt zu wissen: so zögerte er nicht einen Augenblick, die freimaurerischen Gelübde zu leisten, die ganz unchristlich sind. Dabei hätte es ihm sehr schlecht gehen können, weil er seinen wahren Namen und Stand nennen mußte und die Christen mit den Sarazenen Krieg hatten; aber die Freimaurer aller Länder und Völker stecken immer unter einer Decke.

Obgleich der Kaiser Rothbart seine Reise geheim gehalten hatte, so munkelte man doch überall von ihr. Als der Papst von ihr erfahren hatte, ahnete er sogleich, daß der Kaiser Rothbart Freimaurer geworden sei. Dafür that er ihn in den Kirchenbann, der jedoch gar nichts fruchtete, weil der Kaiser kluger Weise längst schon in Deutschland eine große Gesellschaft von Freimaurern gestiftet hatte, die sich um den Papst so wenig schoren, als nachher der Dr. Luther. Zu ihr gehörten auch viele Dichter, die Spottlieder auf den Papst dichteten. Von ihnen hat Sangerhausen den Namen erhalten, weil dort die Sänger hauseten.

Vor alter Zeit befanden sich die Freimaurer im Besitze einer weit größeren Menge von Geheimnissen, als gegenwärtig; denn viele derselben haben sie unter den Drangsalen des hussitischen und des dreißigjährigen Krieges vergessen, viele ihrer geheimen Schriften durch Verwüstung des Landes verloren.


6 und 7 folgen