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Eugen Louis Rudolph von Kuycke

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Kuycke2.jpg
Foto: Tim Fabian
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Inhaltsverzeichnis

Eugen Louis Rudolph von Kuycke

Gutsbesitzer, Offizier, Kriegsteilnehmer 1866 und 1870/71.

Seit 1867 Freimaurer. Br. von Kuycke (1840-1906) war 1900 Landesgroßmeister der Großen Landesloge, er liegt auf dem Friedhof Großgörschenstraße in Berlin-Schöneberg - offiziell heißt er Alter St. Matthäus-Kirchhof Berlin. C-10-4/5

Das Grab von Eugen Rudolph von Kuycke

Ein Freimaurer aus Granit und Bronze: das Grab von Eugen Rudolph von Kuycke auf dem Alten St. Matthäus-Kirchhof

von Jens Leder

Im Jahre 2006 wurde die Feier anlässlich des 150jährigen Bestehens des Alten St. Matthäus-Kirchhofes in der Großgörschenstraße in Berlin-Schöneberg begangen. Ursprünglich gehörte das Areal zur 1846 fertig gestellten St. Matthäus-Kirche im Tiergarten am heutigen Kulturforum und Potsdamer Platz und untersteht seit 2001 der Zwölf-Apostel-Kirchengemeinde. Auf dem Friedhof ruhen bekannte Gestalten wie die Germanisten Gebrüder Grimm, der Milchunternehmer Carl Bolle, Heino Schmieden, Architekt des jetzigen Martin-Gropius-Baus, der Pathologe Rudolf Virchow und der Widerstandskämpfer Claus Graf Schenk von Stauffenberg (vielmehr Gedenkstein). Zum Jubiläum fanden Führungen, Lesungen, Vorträge, Workshops und Konzerte statt.

Jedoch fällt auf dem Kirchhof südlich der Friedhofskapelle noch ein weiteres Grabdenkmal auf, das mit Rosen, Winkel und Zirkel geschmückt ist. Es handelt sich um die Ruhestätte des Leutnants und Freimaurers Eugen Rudolph von Kuycke (1840-1906).

Kuycke kam am 16. März 1840 als Sohn eines adligen Gutsbesitzers bei Stargard in Pommern zur Welt. Das Geschlecht war seit dem 17. Jahrhundert in dieser preußischen Provinz ansässig. Nach dem Besuch des Gymnasiums und einer dreijährigen Ausbildung in der Berliner Kadettenanstalt trat er 1858 als Leutnant in ein Garderegiment ein. Er nahm teil am Deutsch-Dänischen Krieg im Jahre 1864, am Deutschen Krieg 1866 und schließlich am Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 und stieg dabei zum Hauptmann auf. Seit 1888 arbeitete er in Berlin in der Obermilitärexaminations-Kommission, einem militärischen Prüfungsamt.

Bereits Kuyckes 1864 verstorbener Vater gehörte einer Loge der preußischen Großen National-Mutterloge Zu den drei Weltkugeln an. Er selbst wurde im Jahre 1867 in Halle in die Loge Zu den drei Degen, eine der ältesten Logen Preußens, aufgenommen. Als sein Regiment nach dem Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 in Flensburg stationiert war, trat er in die 1868 gestiftete Loge Wilhelm zur nordischen Treue ein, die nach Kaiser Wilhelm I., dem Protektor der preußischen Freimaurerei, benannt wurde und der Großen Landesloge der Freimaurer von Deutschland unterstand. Im Jahre 1888 wechselte er zur Berliner Bauhütte Friedrich Wilhelm zur Morgenröte über, die zur gleichen Großloge gehörte. Diese wurde vom Monarchen im Jahre 1855 gestiftet zur Erinnerung an die Aufnahme seines Sohnes, des Kronprinzen Friedrich, zwei Jahre zuvor. Schon in der Berliner Kadettenanstalt hatte Kuycke als Mitglied und Stuhlmeister (Vorsitzender) der Bruderschaft den Arzt Wilhelm Wendt (1821-1879) kennen gelernt. Zunächst war er stellvertretender Stuhlmeister und von 1895 bis 1900 leitete er die Bruderschaft, die in dieser Zeit zwischen 200 und 250 Mitgliedern zählte. Für ihn galt der Freimaurer als ein dogmenfreier Christ, der stets nach Erkenntnis streben und sein Gottesbekenntnis offen äußern soll.

Die freimaurische Arbeit in den drei Erkenntnisstufen Lehrling, Geselle und Meister bedeutet die innere Erfahrung des Glaubens, der den Verstand erleuchtet und festigt. In seiner Amtszeit schuf Kuycke einen Erziehungsbeirat, der die Bildung und das soziale Wohl von Waisenkindern durch Logenfonds und die Zusammenarbeit mit Einrichtungen förderte. Während er Landesgroßmeister (1900-1903, Vorsitzender der Großen Landesloge) war, erlebte er im Jahre 1900 den Umzug der Großloge von der Oranienburger Straße im historischen Zentrum Berlins in die Eisenacher Straße 11-13 in Berlin-Schöneberg, wo er das neue Großlogenhaus mit einweihte.

Das Grabmal von ihm auf dem St. Matthäus-Kirchhof wurde 1906 im Auftrag seiner Loge aus Granit im Jugendstil gefertigt und mit Freimaurersymbolen aus Bronze verziert. In einer Rundbogennische steht seine Bronzebüste, die ihn als Stuhlmeister lebendig erscheinen lässt. Der Bildhauer war Oswald Schimmelpfennig, der eine Reihe von Jugendstilplastiken schuf und dabei viel Bronze verwandte. Gegossen wurden die Bronzebestandteile des Denkmals von der Berliner Bildgießerei Köhler. Im Herbst 2008 übernahm eine Familie namens Mäder die Grabpatenschaft, die eine regelmäßige Pflege beinhaltet. Sie ließ auch die Bronzebüste von Kuycke restaurieren. Seit Herbst 2009 ist vor dem Grabdenkmal ein Familienmitglied beigesetzt.

Die Freimaurerei betrachtet den Tod als eine Wandlung zu einem anderen Leben. Das irdische Dasein des Freimaurers ist die Vorstufe zur Ewigkeit, dem Ziel seiner moralischen Vollendung. Folglich hat er gegenüber seinen Mitmenschen die höchste und bestmögliche Pflicht zu erfüllen. In der Loge vollzieht sich auf einem Teppich, der einen leeren Sarg mit einem Totenkopf und einem Akazienzweig, dem Symbol des immer wiederkehrenden Lebens, darstellt, seine Erhebung zum Meister. Ferner sind auf ihm Tränen abgebildet, die die Trauer um den von drei Gesellen ermordeten Baumeister des Salomonischen Tempels, Hiram, der das Meisterwort Jahwe nicht preisgeben wollte, symbolisieren soll. Bei seiner Beförderung macht er entlang der vielen Himmelsrichtungen, indem er von Westen nach Norden, von Norden nach Süden und von dort diesen Teppich nach Osten überquert, um von der materiellen auf die immaterielle Ebene, den ewigen Osten, überzugehen.

Über dem Rundbogen, in dem die Bronzebüste von Kuycke steht, kann man links einen Akazienzweig, mit dem die Grabstelle Hirams gekennzeichnet wurde, erblicken. Links davon befindet sich ein als deutsches Volkssymbol ein Eichenzweig. Der dem Winkelmaß übergeordnete Zirkel soll deutlich machen, dass der Meister mit seinem Ideenvermögen das Reißbrett oder den Bauplan des Gebäudes der Humanität überwacht. Mit dem Winkelmaß misst er die rechten Winkel und mit dem Zirkel die Längen und Geraden des von ihm behauenen Steines. Im Gesellengrad sind beide Werkzeuge miteinander verflochten. Der Geselle ist verpflichtet, sich als einen kubischen Stein zu bearbeiten und sich verantwortungsvoll in das Bauwerk einzufügen, nachdem er als Lehrling über die Bedeutung der Symbole unterrichtet worden ist.

Die beiden Granitdoppelsäulen links und rechts von der Büste stellen in der Freimaurerei die Eingangspfeiler des Arbeitstempels dar. Sie tragen die hebräischen Namen Boas (Stärke; rechts von der Tempelpforte) und Jakin (Gott wird dich aufrichten; links). Für den an sich arbeitenden Logenbruder bedeuten sie Gerechtigkeit und Wohlwollen als zwei wichtige Grundpfeiler. Man findet sie wieder in der von Westen nach Osten lang gestreckten Loge. An der Säule Jakin im Norden sitzt der Lehrling und der zweite Aufseher, an der anderen im Süden der Lehrling und erste Aufseher. Der eine Pfeiler beinhaltet die Schönheit, der andere die Stärke. Ihnen gegenüber befindet sich als dritte Säule die Weisheit des Stuhlmeisters, in dem die Einheit von Verstand, Wille und Gefühl als Kräfte für den Neubau der Menschheit gefestigt ist.

Ferner sind die Doppelsäulen am Rand der Kapitelle mit je drei Rosen aus Bronze verziert. Wenn ein Freimaurer beerdigt wird, legen ihm seine Brüder drei Rosen aufs Grab. Die Farben Rot, Rosa und Weiß stehen für den freimaurerischen Lebenszyklus Licht-Liebe-Leben und verkünden die Entlassung des Logenbruders aus der Bruderkette. Am Schluss der Trauerfeier bilden die Freimaurer um das Grab eine Kette. Jährlich im Juni am Fest des Schutzpatrons der Freimaurer, Johannes des Täufers, bekommen die Ehefrauen und Lebensgefährtinnen als Treuebeweis Rosen überreicht. Ein bronzenes Rosenband erstreckt sich unterhalb der Büste des Verstorbenen. Auf den Kapitellen befinden sich fünf Linien, die für die Geometrie, der planmäßigen Ordnung des Universums und des menschlichen Handelns stehen.

Die Büste in der Nische zeigt Kuycke in seiner Freimaurertracht, die in der Regel aus schwarzem Anzug, weißem Hemd, weißer Fliege und weißen Handschuhen besteht. Die Letzteren stehen für die reinen Hände bei der freimaurerischen Arbeit und allgemein für den aufrichtigen Willen zur moralischen Selbstveredelung.

Am Hals trägt er ein Band mit einem achtzackigen Stern, dem Andreaskreuz, das in der Mitte ein Delta mit dem Auge der Weisheit oder Gottes hat. Kuycke erlangte den Andreasgrad, der als vertiefender Erkenntnisgrad über die drei Johannisstufen hinausgeht und besagt, das unter dem kubischen Block Jesus Christus als Schlussstein des wiedererrichteten Salomonischen Tempels zu finden sei. Darunter hängt an einem weiteren Band das Winkelmaß, das mit seinem rechten Winkel auf seinem Herzen liegt. Damit sollen seine Pflichten als Logenvorsitzender zum Ausdruck gebracht werden. Auf seiner Jacke erkennt man das Eiserne Kreuz für seine militärischen Verdienste. In seiner rechten Hand hält er den Hammer, mit dem er im Osten mit je drei Schlägen die Logenarbeit eröffnet und schließt. Am Altar mit den drei Lichtern Bibel, Zirkel und Winkelmaß sitzend, erhebt er z. B. einen Suchenden zum Lehrling. Dieser entblößt seine linke Brusthälfte und leistet einen Verschwiegenheitseid, indem er den Zirkel auf sein Herz setzt. Seine rechte Hand berührt das Winkelmaß, das auf den Seiten des Johannesevangeliums liegt. Der Meister vom Stuhl nimmt ihn in die Bruderschaft durch drei Hammerschläge auf das Winkelmaß auf.

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