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Traktat: Sprache der Symbole

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Die Sprache der Symbole

Jens Rusch

Das gesamte Wissen der Menschheit drückt sich durch Sprache und Schrift aus.
Die Schrift erst machte es möglich, Wissen nachhaltig mitzuteilen, über Generationen.
Schrift machte unser Wissen zeitlos .
Schrift machte unser Wissen vermittelbar.

Der Ursprung der Schrift aber ist das Symbol, ist die bildhaft verkürzte Darstellung eines erkennbaren, bildhaften Motives. Uns ist heute die Schrift unseres Kulturkreises derartig eigenständig im Bewusstsein, dass wir die Ursprünge der Buchstaben und Zahlen nicht mehr als Symbole zu erkennen vermögen.

Runen, Hieroglyphen oder die vorgefundenen Reste anderer früherer Kulturen erkennen wir dagegen sehr wohl noch als Bilder, auch, weil wir deren Bedeutung anders nicht zu deuten vermögen. Wer heute jedoch einen Sprache wie Chinesisch, japanisch oder Koreanisch erlernen möchte, kommt nicht um die Aufgabe einer Bilddeutung herum. Diese Schriften lassen sich für uns nur erfassen, wenn wir sie wieder auf einer zweiten Bewusstseinsebene als Bilder zu erkennen suchen. In der Sinologie, wie im Althebräischen sind für uns durchaus noch ikonographische Metaphern erkennbar.

Noch bevor der Mensch eine differenzierte Sprache entwickelte, drückte er sich in ebendiesen Metaphern, in Bildern und Symbolen aus. Wir alle kennen die Höhlenmalerei von Altamira oder vom Brandberg in Südafrika.. Diese Mitteilungen enthalten nicht einen einzige Buchstaben Und dennoch haben frühe Menschen ganz offensichtlich auf diesem Wege miteinander kommuniziert. Alle auf die gleiche Weise, um den gesamten Erdball.

Ob wir uns die Aborigines, die Ureinwohner des isolierten Inselstaates Australien ansehen, oder die Knochenschnitzereien der Inuit, oder wie wir sie respektlos nennen,: der Eskimos – überall teilte man sich durch Bilder mit. Erst die Keilschrift der Sumerer – nichts weiter als buchhalterische Symbole und Zahlen in ihrer ursprünglichsten Form -, brachte uns der heutigen Schrift ein Stückchen näher.

Äußerst kurios ist der aktuellste Entwicklungsschritt, nämlich wieder zurück zu einer ursprünglicheren Bildsprache. Auf allen Flughäfen der Welt finden Sie inzwischen die gleichen, sogenannten „Piktogramme“ wieder. Der Wunsch nach einer universellen „Verstehbarkeit“ führt uns aus dem gleichen Grunde wieder auf das Bild zurück, wie sich auf der Vielvölker-Arbeitsstätte der altägyptischen Hochkultur die Hieroglyphensprache entwickelte.

Und die gleiche Motivation führte zur Entwicklung der freimaurerischen Arbeitstafel im Zentrum der Tempelarbeiten. Freimaurerische Symbole sind nämlich ebenfalls universell. Ob ich eine Tempelarbeit in Australien, Afrika, Amerika oder Ägypten besuche, ich finde überall die gleichen Symbole auf den Arbeitsteppichen des jeweiligen Grades vor. Das alleine macht die Freimaurerei zwar noch nicht universell, aber es hilft uns dabei, uns kosmopolitisch zu verständigen.

Der überwiegende Teil unserer freimaurerischen Ikonographie ist bekannterweise der Metaphorik der Dombauhütten entnommen. Hochgradsysteme machen jedoch auch Anleihen in der Kabbalistik und in der Alchimisten-Ikonographie. Sicherlich ist die Steinmetzsymbolik irgendwann erschöpft gewesen und man hat sich für weitere Ursprünge interessiert.

Jeder neuaufgenommene Bruder wird in Instruktionslogen behutsam in die Bedeutung der Symbole auf dem Arbeitsteppich eingeführt. Manch einem erschließt sich die Bedeutung der dargestellten Metaphern erst, wenn er die Relationen der Motive untereinander logisch einzuordnen versteht.

Aber auch grundlegende, allgemeingültigere Bedeutungen lassen sich bereits bei oberflächlicherer Betrachtung ableiten.

Freimaurerische Symbolik dient also primär der Verständigung und dem Erfassen symbolisch dargestellter Zusammenhänge. Dabei ergibt sich für viele Freimaurer ein überraschender Effekt: Symbole werden nämlich durchaus besser erinnert, als schriftliche Abhandlungen. Zur Erfassung der abstrakten Bedeutung gesellt sich das unterstützende, bildhafte Gedächtnis. Diese Form der Verinnerlichung kannten also die Väter unserer heutigen Freimaurerei sehr gut.

Wenn ich nach meiner persönlichen Interpretation des allgemeinsten freimaurerischen Konzeptes gefragt werde, spreche ich gern von einem sogenannten „Selbsterziehungs-System„. Und die Basis dieses Selbsterziehungs-Systemes finde ich auf jedem Arbeitsteppich jeder Loge dieser Welt wieder.

Johann Wolfgang von Goethe hat das wichtige Wort geprägt :
“ man sieht nur, was man weiß“, und so enthält diese Tafel im Zentrum der Freimaurer-Tempel neben den sichtbaren Metaphern auch eine große Zahl an unsichtbaren Relationen, die sich uns erst erschließen, wenn wir gelernt haben, sie zu verstehen. Hierfür führen die Logen ebenfalls Unterrichte und Instruktionen durch, die über das rudimentäre , für die normale Tempelarbeit erforderliche Wissen hinausgehen. Diese Unterrichte zu besuchen gehört zur freiwilligen Arbeit am „rauhen Stein“.

Sich selbst so zu bezeichnen ,- als Rauher Stein, den er zu einem kubischen Stein formen will, damit er in das große, wohlgeordnete Gebäude der Menschlichkeit passe, - zeigt vielleicht am Besten, dass sich der Freimaurer als Mensch vollkommen in das Schema der freimaurerischen Ikonographie einzupassen bereit ist.

Seine aufrechte Verhaltensweise am Winkelmaß auszurichten und den Radius, den Wirkungskreis seines Verhaltens, durch einen Zirkel auszudrücken sind dabei noch die rudimentärsten dieser Symbole, die der Freimaurer auf sich selbst beziehen kann. Aber die Identifikation mit diesen bildhaften Vorstellungen gibt ihm die Möglichkeit, sich selbst in die Darstellung auf der Arbeitstafel zu integrieren.

Wer den Arbeitsteppich als bloße Dekoration versteht, hat nichts von der Freimaurerei verstanden.

Wer aber an seinem persönlichen Verständnis für Zusammenhänge und Metaphern arbeitet, der wird ein Freimaurer sein, dem ein Instrumentarium an die Hand gegeben wird, dass ihm auch außerhalb der Loge hilft, sein Verhalten zu überprüfen und nach Kriterien auszurichten, die von vorgehenden Generationen überprüft und für richtig befunden wurden – und unter diesen Vorgängern waren einige der wohl gescheitesten Köpfe der Menschheit.

Mit jedem neu aufgenommenen Bruder wiederholt sich also die Instruktion.

Diese Wiederholungen werden im allgemeinen als willkommen eingestuft, denn so kann man sein eigenes Wissen, die eigene Erinnerung immer einmal wieder auffrischen. Ohne es zu wissen oder zu wollen, leistet also der neu aufgenommene Bruder bereits seinen ersten Beitrag zum Gemeinwohl der Bruderschaft.

Einer warmherzigen Bruderschaft anzugehören, mit ihr die gleiche Sprache, die gleichen Rituale, und nicht zuletzt die gleichen Symbole zu teilen, das Bewusstsein, mit tausenden von Brüder die über den ganzen Erdball verstreut sind, die gleichen universellen Gedanken zu teilen, das stärkt das Selbstwertgefühl eines Freimaurers. Bestandteil einer globalen Idee zu sein, deren kosmopolitische Substanz sich in Symbolen manifestiert, die von jedem Bruder auf die gleiche Weise gedeutet und verstanden werden, das gibt ihm die Möglichkeit, jeden Bruder, wo immer er ihn antrifft, als einen solchen zu erkennen und zu empfinden.

Die Freimaurerei als globales Selbsterziehungssystem, deren Basis eine simple Arbeitstafel darstellt, diese Idee allein ist für mich schon so verblüffend genial, dass es mir nicht gelingen mag, etwas vergleichbares in anderen , sogar ähnlich konstruierten Vereinigungen zu entdecken. Kein anderes, heute existierendes System hat die Sprache der Symbole auf solch komplexe Weise perfektioniert.

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