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Traktat: Von den alten geistlichen Orden zur modernen Freimaurerei

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Inhaltsverzeichnis

Traktat: Von den alten geistlichen Orden zur modernen Freimaurerei

Erwin Mies bei einem Vortrag beim Förderverein für Kulturarbeit Lyra e.V. Erwin Mies starb am 3. März 2010

Freimaurer-Wiki bedankt sich für die Erlaubnis, den Vortrag hier ungekürzt veröffentlichen zu dürfen. Wir weisen ausdrücklich auf die Copyright-Vermerke am Ende des Vortrages hin !

Von den alten geistlichen Orden zur modernen Freimaurerei

Betrachtungen der Lehren des Benediktinerordens, Zisterzienserordens und des Templerordens

Die Freimaurerei in den Benediktiner-Klöstern

Johannis-Loge “Zur unverbrüchlichen Einigkeit” Hamburg

Von den alten geistlichen Orden zur modernen Freimaurerei

Die Erforschung von Geisteswahrheit und Erkenntnis, war eines der Ziele der Altvorderen der Freimaurerei. Die Freimaurer stellen sich gern als Bauherren eines symbolischen, eines geistigen Tempels für die Tugend und Menschlichkeit vor. Die Bauzeit für einen solchen geistigen Tempelbau, wird ein ganzes Leben in Anspruch nehmen.

Das Denken des Freimaurers soll im Diesseits stattfinden, fern von Aberglaube und zweifelhaften Jenseitsvorstellungen. Er soll frei sein, im Sinne von Kant’s Definition über die Aufklärung, Zitat: „Aufklärung ist die Befreiung aus der selbstverschuldeten Unmündigkeit“.

Das uralte Wissen, ob im fernen Asien, im fernöstlichen Nordindien, im vorderen Orient oder in Ägypten entstanden und auf merkwürdigen Wegen in die westliche, abendländisch, atlantische Kultur der Völker der Germanen, Kelten, Iroskoten und Skoten eingedrungen, birgt wertvolle Weisheiten, die ein friedvolles Zusammenleben der Menschen ermöglichen können.

Es gehört zu den Errungenschaften einer zivilisierten Welt, für die Zukunft zu planen. Für die Zukunft zu planen, begann sicher einmal damit, aus dem Nomadendasein des Umherziehens, mit dem täglichen Kampf um das Überleben, zu einer Sesshaftigkeit zu gelangen, verbunden mit einer Vorratshaltung, die eine Leichtigkeit und ein Interesse im Umgang mit den Mitmenschen mit sich brachte.

Deshalb erscheint es wichtig, seine Vergangenheit zu kennen, damit man in der Gegenwart für die Zukunft planen kann, und den künftigen Generationen Mindeststandards hinterlässt. Eine uns seit einigen Jahren hinsichtlich der sozialen Absicherungen von Politikern immer öfter vor Augen geführte Problematik.

In einer Gesellschaft, die sich unmäßigem, rücksichtlosem Vergnügen hingibt, in der Mitgefühl für den sozial benachteiligten Mitmenschen als naiv und dümmlich hingestellt wird, in einer solchen Gesellschaft, deren Maxime auf höchstmöglichen Gewinn und höchstmögliches Einkommen reduziert ist, die ihr ganzes Jetzt leben will und die es nicht wesentlich interessiert, was morgen kommt, die also den biblischen wilden Tanz um das goldene Kalb vollzieht, diese Gesellschaft verliert die Sicht für heraufziehende Gefahren für sich und die künftigen Generationen.

In dieser sich scheinbar aufklärerisch gebenden Vergnügungs-gesellschaft haben sich, wie in einer Oase, Gesellschaften erhalten, die überkommene, mehr als 2000 Jahre alte geistig/geistliche Werte pflegen und seit Jahrhunderten an nachfolgende Generationen weitergeben. Angefeindet von kirchlichen Institutionen, totalitären politischen Richtungen und parteipolitischen Ideologien mit schlimmsten Verdächtigungen verleumdet, haben diese Gesellschaften alle Verfolgungen und Opfer überstanden, weil sie sich der Wahrheit verschrieben haben und mit den ihr zur Verfügung stehenden Möglichkeiten, das Unrecht an den Menschen zu bekämpfen versuchen. Es ist die Jahrhunderte alte geistig/geistlich starke, aber eben auch sehr empfindsame Gesellschaft der Freimaurer.

Es sei der Vergleich gestattet, dass sie in der geschilderten gottlosen Spaß- und Tanzgesellschaft, wie ein Ausstellungsraum mit offenen Glasvitrinen dasteht. Glasvitrinen, in denen sehr wertvolle Porzellane und Gläser zur allgemeinen Ansicht bewahrt werden, um die hohe Kunst des menschlichen Könnens zu vermitteln. Wehe, wer unkontrolliert und geistlos durch diesen Ausstellungsraum tobt, er wird unermesslichen Schaden anrichten, weil er die Werte des Überkommenen nicht erkennt. Im wahrsten Sinn des Wortes wird er eines Tages vor einem Scherbenhaufen stehen, hier ist der Scherbenhaufen des Geistes gemeint. Ein Verlust des Glaubens an eine Schöpfung, ist auch ein Verlust des Glaubens an einen Schöpfer. Scheint nicht die Sonne für alle Menschen ?

Es muss verständlich erscheinen, dass diese Gesellschaft sich nicht auf dem Jahrmarkt präsentieren kann und darf. So war es schon in der Vergangenheit die Mission der kleinen Gemeinschaften von aufgeklärten Menschen, Überkommenes zu pflegen, zu bewahren und für die zukünftigen Generationen zu konservieren. So ist es auch zu verstehen, dass Freimaurer, das auf sie überkommene Wissen ver- borgen halten und nach Möglichkeit nur an wirklich Berufene Weitergeben. Ihr deswegen Geheimnistuerei vorzuhalten, wird dieser Vorsicht nicht gerecht.

Jede verantwortungsvolle Person, wird in eigenen Angelegenheiten ebenso handeln und nicht für eine breite Öffentlichkeit bestimmte, persönliche Dinge auf dem Jahrmarkt breittreten.

Für die kurzweilige Erfüllung der menschlichen Neugier, sind die überkommenen Erkenntnisse und uralten Weisheiten nicht geeignet und könnten eher Gefahren auslösen, wie sie uns unser großer Meister Goethe mit dem Zauberlehrling vor Augen führt: Dem Zauberlehrling, der die Geister, die er rief nicht wieder los wird ! Nur der Meister zwingt den Geist wieder in die Flasche.

Ursprünge

In ihren Ursprüngen ist die Freimaurerei christlich und nach den Strukturen eines Ordens gebildet.

Die Christianisierung, die seit rund 1700 Jahren unser westliches Abendland geprägt hat, muss in mehreren Stationen gesehen werden.

Vor dem Hintergrund der Entstehung des Benediktinerordens, auf der Grundlage der Überlieferungen der Wüstenväter und des etwa zeitgleichen Wirkens Mohammeds mit der Entstehung des Islams, der bedeutende Mystiker hervorgebracht hat, der aus dem Benediktiner- Orden heraus gegründete Zisterzienser-Orden und der Templer-Orden, die sicher nicht ohne Einfluss auf die christliche Mystik geblieben sind, muss die kulturelle Entwicklung der abendländischen, atlantischen Kulturkreise gesehen werden.

Der Benediktiner-Orden

Benedikt von Nursia, geboren 480 n. Chr., entstammt einer freien, landbesitzenden Familie aus der Nähe von Nursia. Nach neueren Forschungen starb Benedikt im Jahr 547.

Sein vorbildliches Wirken führte dazu, dass die Patrizier und Senatoren Roms ihm die Erziehung und Bildung ihrer Söhne anver- trauten.

Um das Jahr 529 siedelte er aus den Sabinerbergen, auf den zwischen Rom und Neapel liegenden Monte Cassino über. Hier gründete er, den man als den letzten Römer bezeichnet, die nach ihm benannte Mönchsgemeinschaft der Benediktiner.

In dieser Mönchsgemeinschaft schrieb er, auf der Wissensgrundlage der so genannten Wüstenväter, die Benediktus-Regel, die für die meisten späteren Ordensgründungen zum Vorbild wurde und seit rd. 1500 Jahren, bis in unsere Zeit unverändert Bestand hat.

Beim Tod Benedikts bestanden bereits 3 Klöster = Montecassino,

  • Subiaco und
  • Terracina.

Das Kloster Montecassino wurde 597 von den Langobarden geplündert und zerstört. Die Mönche flohen nach Rom. Papst Gregor der Große verwandelte den väterlichen Palast in ein Kloster und bot hier den geflohenen Mönchen ein neues Domizil. Unter seinem Schutz und Einfluss und unter Beibehaltung der Benediktinerregel blühte die Mönchsgemeinschaft weiter auf.

Seine Erfahrung aus dem selbst erlebten Eremitentum und der Erkenntnis, dass nur die Beständigkeit in der Gemeinschaft der Mönche, d. h. in der Abgeschiedenheit von der Weltlichkeit, zur unio mystika (Vereinigung mit dem Geheimnisvollen) führen kann, die das oberste Ziel der Mönche war.

ora et labora

Voraussetzung zur Erreichung dieses Ziels war, dass die Mönche die Möglichkeit nutzten, ihren Lebensunterhalt selbst zu erarbeiten und sich von der Außenwelt nicht durch Almosen oder etwa durch Betteln alimentieren lassen mussten. Die lebenswichtigen Bedürfnisse mussten durch Händearbeit der Mönche erbracht werden, die andererseits noch genügend Zeit und Muße zur geistlichen Arbeit ließ. So entstand das Motto: ora et labora (bete und arbeite).

Bereits 596 reisten 40 Mönche nach England und legten dort den ersten Grund zum benediktinischen Mönchstum außerhalb Italiens. Im Laufe des 7. Jahrhunderts gelangte es dann nach Gallien. Auf dem Umweg von Italien über Irland und England führten die erfolgreichen Benediktiner ihre Lebensform während des 8. Jahrhunderts in die germanische Kultur ein.

Die Hauptwirkungsgebiete im Mittelalter lassen sich wie folgt zusammenfassen:

  • Die Bekehrung der germanischen Völker zur Lehre Jesu,
  • die Kultivierung des nordwestlichen Europa,
  • die Erziehung der Jugend zum Lesen und Schreiben,
  • die Förderung von Handwerk, Gelehrsamkeit und Wissenschaftandwerk Handwerk

Die Aufnahme in ein Kloster war mit strengen Prüfungen verbunden, dreimal wurde der Suchende auf die Ernsthaftigkeit des Eintritts in ein Kloster hingewiesen und vor der Klostertür zurückgewiesen, mit der Aufforderung, erneut über seinen Entschluss nachzudenken.

Nach dem Einlass und der Zeit des Noviziats erfolgte die Weihe zum Mönch mit der Ablegung des Gelübdes und dem Versprechen der Beständigkeit, d. h. die Mönchsgemeinschaft nicht mehr zu verlassen:

  • Armut: d.h. Verzicht auf persönliches Eigentum, alles gehört
  • dem Kloster und damit allen Mitbrüdern, ausge-nommen Sachen des täglichen persönlichen Bedarfs;
  • Keuschheit: d.h. Ehrfurcht vor der Schöpfung und den Geschöpfen, Reinheit im Handeln und Denken, Mäßigkeit im Genuss;
  • Gehorsam: d.h. Disziplin gegen sich selbst und diszipliniertes Ver- halten gegen seine Mitmenschen, im Kloster gegenüber dem Abt und den Mitbrüdern, sowie Beständigkeit für das Leben im Kloster.

Der Zisterzienser – Orden

Robert, Abt des Benediktiner-Klosters Molesme, war unzufrieden mit der mangelhaften Befolgung der Benediktinerregel und dem Lebensstil einiger Mönche in seinem Kloster. Die Ernsthaftigkeit des monastischen Lebens war in Frage gestellt. Im Jahr 1098 verließ er mit einigen gleichgesinnten Mönchen seine Abtei um das spätere Kloster Citeaux zu gründen, den Geburtsort des Zisterzienserordens.

Er war und blieb letztlich ein Benediktinerorden, aber der „strikten Observanz“, d.h. der strengen Beobachtung der Regel. Der dritte Abt, nach Robert und Alberich, Stephan Harding, ein Engländer, gab dem neuen Orden, zusätzlich zu der Benediktinerregel, eine eigene Ordensverfassung, die „Charta Caritatis“.

Der Zisterzienserorden breitete sich über ganz Europa aus und ist maßgeblich durch seine Bautätigkeit bekannt geworden. Die Ausbildung eigener Baufachleute, Baumeister und Zimmerer führten zum Betrieb von Bauhütten direkt an den Baustellen. Die Bauhütten waren an die Südseite des Bauwerks angelehnt, damit waren sie in Ost-West-Richtung ausgerichtet, hatten naturbedingt im Norden kein Fenster, waren zum Osten, Westen und Süden offen, das Dach konnte geöffnet werden, damit schwere, behauene Werkstücke über Hebeein- richtungen direkt herausgehoben und zu ihrem Standort verbracht werden konnten.

Unter dem 4. Abt von Citeaux, Bernhard von Clairvaux, wuchs die Popularität von Citeaux sprunghaft. Aus dem burgundischen Hochadel stammend, trat er 1113 mit mehr als 30 Familien-angehörigen, ebenfalls alle aus dem Hochadel, adligen Gefährten und Rittern dem Kloster bei. Das war der Beginn einer regelrechten Begeisterung des europäischen Adels für das Neukloster.

Im Gegensatz zu dem „alten“ Benediktinerorden, ließ die neue Verfassung der Zisterzienser es zu, „Laienbrüder“ aufzunehmen und sie wie in „Leben und Tod“ wie ihresgleichen zu behandeln, ohne dass sie dem strengen Mönchsstand angehörten und nur zum Morgen- und Abendgebet verpflichtet waren, außerdem konnten sie bezahlte Hilfskräfte anstellen. Andernfalls hätten die Mönche nicht die Vor – schriften der strengen Regel bei Tag und Nacht einhalten können.

Benediktinerregel

Die Benediktinerregel umfasst 73 Artikel, die das Leben der Mönche in der klösterlichen Gemeinschaft, die Spiritualität und die klösterlichen Organisationsformen regelt. Die asketischen Grundsätze der Benediktusregel und der klösterlichen Gemeinschaft sind:

  1. Leben unter dem Blicke Gottes,
  2. äußere und innere Askese,
  3. die Gelübde der Mönche,
  4. der Abt des Klosters und seine hohe Verantwortung,
  5. die Mitarbeiter des Abtes,
  6. die Klosterfamilie,
  7. das tägliche Leben im Kloster,
  8. die Brüder des Klosters usw.

Das Leben in der Spiritualität ist nach der Vorstellung Benedikts eine Kunst und wird nach der Regel Artikel 4 als „Die geistliche Kunst“ verstanden.

Askese

Eine wesentliche Rolle nimmt die Askese ein. „Askese“ meint in der ursprünglichen Bedeutung: Die künstlerische Bearbeitung eines Gegenstandes, aber auch leibliche Übung und geistige Schulung. In der Philosophie der Stoa bedeutet Askese: Einübung in die Tugend. Die Asketen sind die „Übenden“, das heißt Menschen, die durch Übung ihre Lebensweise gestalten. Die Übungen sind u.a.:

  1. Hören,
  2. Gehorsam (Disziplin),
  3. Schweigen,
  4. Demut,
  5. Mäßigkeit, Ausgewogenheit,
  6. Freude,
  7. Liebe (Caritas),
  8. Gebet,
  9. Arbeit, ora et labora,
  10. Gastfreundschaft.

Geheimnis des Bösen

Natürlich hat die gelehrten Mönche nicht nur das Gute sondern auch die Herkunft des Bösen beschäftigt. Aber so wie man das Geheimnis Gottes nicht erklären kann, so kann man auch nicht das Geheimnis des Bösen erklären.

Es ist hinlänglich bekannt, dass die Mönche kluge Menschen waren, die ihr Leben nicht nur im Gebet zugebracht haben. Sie haben versucht die Natur der Dämonen (des Bösen) und deren verschiedene Techniken zu ergründen.

Die dabei angewandte Technik wendet sich nicht von dem Bösen ab um sich anderem, Besserem zuzuwenden, sondern versucht das Böse, Dämonische, zu wandeln. Sich vom Bösen abzuwenden würde bedeuten, ständig mit dem Bösen leben müssen, ständig in der Angespanntheit Leben müssen, jederzeit vom Bösen eingeholt zu werden.

Lehre der Freimaurer

Dies ist eine Thematik, die einem Freimaurer höchst bekannt vorkommen muss. Dabei ist diese Thematik nur ein Bruchteil dessen, was als Indiz für die Herkunft der Lehre der Freimaurer, von den Lehren der geistlichen Orden ausmacht.

Die Arten der von den Benediktinermönchen ausgemachten Dämonen sind:

  1. Der Dämon der Völlerei, Unmäßigkeit, Maßlosigkeit,
  2. der Dämon der Unzucht, Untreue, Betrug,
  3. der Dämon der Habsucht, Geiz, Missgunst,
  4. der Dämon der Traurigkeit, Psychose,
  5. der Dämon, des Zornes, Unbeherrschtheit,
  6. der Dämon der Angst, der gefährlichste Dämon,
  7. der Dämon der Ruhmsucht, Überhebung,
  8. der Dämon des Stolzes, der Dummheit.

Die Begierden, die Triebe, werden durch Entzug im Zaun gehalten. Der emotionale Teil dagegen durch positive Gefühle: Durch Großherzigkeit und Barmherzigkeit (Liebe). Im Groll zieht sich das Herz zusammen; sobald es sich weitet, verschwinden die negativen Emotionen.

Gegen die Traurigkeit kämpft man, indem man die Anhänglichkeit an die Dinge überwindet.

Die Werkzeuge der geistlichen Kunst

Artikel 4 der Benediktinerregel ist ein Tugend und Lasterkatalog, der überschrieben ist mit: „Die Werkzeuge der geistlichen Kunst“.

Dazu einige Interpretationen:

Hören: Im Hören-können ist das Wesen des Menschen angesprochen. Hören auf die Weisheit. Hört und ihr werdet leben. Das Hören ist nicht eine Fähigkeit, die man einmal erlernt hat und dann besitzt. Es ist vielmehr eine Disziplin des Herzens, ein Prozess der Achtsamkeit, der inneren Ausrichtung auf ein Ziel hin. Neige das Ohr der Stimme deines Herzens.

Gehorsam: Gemeint ist Disziplin. Hören und Tun, Horchen und Gehorchen aus der Mitte des Herzens, Rückkehr aus der Trägheit des Ungehorsams und Hinkehr zu Gott auf dem Weg des Gehorsams. Das ist ein mühevoller Prozess (=Arbeit). Die Mühe des Gehorsams will also der Liebe Raum schaffen.

Schweigen: Es wird unterschieden die Schweigsamkeit, als Grundhaltung des Schweigens, von der Übung des Stille-Seins. Der Weg nach innen ist ein Weg des inneren Schweigens. Zu vermeiden sind Fehlformen des Schweigens. Zu ihnen gehört das lieblose Schweigen, das Schweigen, um bestimmten Menschen und Ansprüchen aus dem Wege zu gehen, das oberflächliche, das grollende und hochmütige Schweigen.

Demut: Die Regel begreift die Demut als einen Weg der Reifung, der Gott im Leben des Menschen mehr und mehr Raum gibt. Benedikt vergleicht die Demut mit einer Leiter. Laut ruft uns, Brüder, die Heilige Schrift zu: „Wer sich selbst erhöht, wird erniedrigt, wer sich aber selbst erniedrigt, wird erhöht werden“. Benedikt nennt 12 Stufen der Leiter. Die erste Stufe ist die Furcht Gottes. Sie ist das Erfasst werden und Durch- drungensein des Menschen von der geheimnisvollen Gegenwart Gottes.

Liebe: Bei näherer Betrachtung ist zu erkennen, dass auf dem gesamten Weg der geistlichen Kunst die Liebe Ausgangspunkt und Ziel ist. Die Werkzeuge der geistlichen Kunst werden eingeleitet mit dem Doppel- gebot der Gottes- und Nächstenliebe. Caritas ist in der frühchristlichen Literatur die Übersetzung der biblischen (griech.) „agape“. In der Benediktinerregel bezeichnet „caritas“ die Liebe, die aus dem Zusammensein von Menschen die „Bruderschaft“ entstehen lässt. Diese „caritas“, die sich äußert im gegenseitigen Dienen, ist bei Benedikt die uner-lässliche Bedingung, für das Leben in der Gemeinschaft der Mönche.

Mäßigung: Die Mäßigung ist für Benedikt die „Mutter aller Tugenden“. Sie ist eine Haltung der inneren Aufmerk- samkeit, ist Hören und Schauen auf die Situation, die Ort- und Zeitumstände, auf die Brüder mit ihren Schwächen und Stärken. Mäßigung ist die richtige Entscheidung für den Willen Gottes, die das Zuviel und Zuwenig meidet, das heißt sich in der Mitte bewegt, die als der königliche Weg beschrieben wird. Nicht Vermögen, Geld, größeres Einkommen, auch nicht erfolgreiche bessere Arbeit haben Priorität, sondern das Heil des Menschen.

Freude: Bei aller Ernsthaftigkeit des Strebens nach einem aus- geglichenem Seelenleben, darf die Freude nicht vergessen werden. Sie ist ein Teil unseres Lebens und gehört zu unserem Schicksal wie das Leid, versuchen wir mehr Freude als Leid zu gewinnen und anderen Menschen Freude zu machen. Alles mit Freude zu machen bedeutet, alles ohne Leid zu machen.

Der Templer–Orden

Die Entstehung des Tempelritterordens wird auf das Jahr 1118 datiert. Es waren 9 Adlige, d.h. 7 Ritter und 2 Zisterziensermönche, die sich auf den Weg nach Jerusalem gemacht haben. Zuvor haben die 7 Ritter das Mönchsgelübde der Zisterzienser: Armut, Keuschheit und Gehorsam abgelegt. Aus dieser Tatsache kann kein anderer Schluss gezogen werden als der, dass sich die 9 Mönchsritter im Auftrage des 20 Jahre (1098) zuvor gegründeten Zisterzienserordens in Jerusalem aufhielten.

Alle aus dem Hochadel stammend, dürfte es ihnen nicht schwer gefallen sein, dass ihnen der König von Jerusalem, Balduin II., in seiner Umgebung, in einem Flügel seines Palastes, der an die ehemalige Moschee El-Aksa angrenzte, d.h. an den Tempel Salomo, Asyl anbot, daher kommt ihre Bezeichnung: „Arme Ritterschaft Christi vom Salomonischen Tempel“.

In einem Brief des Königs Balduin II. an den verehrten Bernhard, Abt des Klosters Clairvaux bittet er für die Ritter, um apostolische Bestätigung und um eine feste Ordensregel, mit dem Wunsch: „Das weltliche und das geistliche Schwert zu vereinen“. Diesem Wunsch kam Bernhard nach. Auf dem Konzil von Troyes im Januar 1128 wurde die Regel bestätigt. Sie enthält 72 Artikel und ist eine Mischung aus Augustiner- und Benediktinerregel, unter Berück- sichtigung der Tatsache, dass es sich um die ersten bewaffneten Mönchsritter handelt, die das Schwert im Kampf führten, aber ansonsten das Leben von Mönchen lebten.

Wegen ihrer Tapferkeit waren sie von den Gegnern gefürchtet und schon ihr Erscheinen auf dem Schlachtfeld hat bei den Feinden Angst und Schrecken ausgelöst. Bei Freund und Feind war ihre Treue zu getroffenen Abmachungen und ihre strategische Einschätzung über die Entscheidung von Krieg oder Frieden geschätzt.

Nach wenigen Jahren ihres Bestehens sind sie zu einer der reichsten Institutionen geworden und beherrschten, durch ein ausgeklügeltes System, die damalige Finanzwelt.

Mit der Rückeroberung des Orients durch den Islam, der Vertreibung der Christen und dem Ende der Kreuzzüge, mussten sich neben den anderen Orden, auch die Tempelritter zurückziehen.

Der sagenumwobene Reichtum, die Nähe zur islamischen Mystik und der rd. 150 Jahre währende Aufenthalt im Heiligen Land haben sicher dem Templerorden ein Gepräge gegeben, das ihn der Kirche und vor allem aber dem König von Frankreich, Philip dem Schönen, suspekt erscheinen lassen musste.

Im Zusammenwirken von geistlicher und weltlicher Macht, d.h. Papst Clemens V. und König Philip dem Schönen, wurden im Jahr 1307 nach einem hervorragenden Plan des Königs, alle Tempelritter in Frankreich zur gleichen Stunde verhaftet.

In willkürlichen, inszenierten Prozessen vor der Inquisition, verbunden mit grausamen Folterungen hat man versucht, das Vorgehen gegen die Templer zu rechtfertigen. In Wirklichkeit sollte eine mächtige Institution ausgeschaltet werden, die nach dem Verlust des Heiligen Landes wieder im Abendland eine neue Heimat suchte.

Der letzte Großmeister der Templer, Jacques de Molay, wurde 1314, an einem aufrechten Winkel, mit nach oben gebundenen Händen, bei langsamen Feuer auf dem Scheiterhaufen verbrannt.

Viele Legenden umranken den Templerorden, insbesondere in Ver- bindung mit der Freimaurerei. Ob geschichtliche Wahrheiten oder Wunschdenken, mag dahin gestellt sein. Als sicher gilt, dass die Freimaurer nicht die materiellen Erben der Templer sind. Es deutet aber vieles darauf hin, dass das geistige und geistliche Erbe Eingang in die Freimaurerei gefunden hat und hier auch heute noch der Geist des Tempelritterordens gegenwärtig ist.

In Portugal und Spanien, wie in vielen anderen Ländern auch, ist der Orden nicht verfolgt worden, hat aber als Zugeständnis gegenüber dem Papst den Namen geändert.

Bemerkenswert ist, dass die englische Nationalflagge noch immer die modifizierte Templerflagge ist = Auf weißem Untergrund das rote Kreuz.

Nachlese

Sowohl was den Tugend- und Lasterkatalog angeht, aber auch Organisationsstrukturen der Mönchsgemeinschaften nach der Regel der Benediktiner, müssen den klugen Vätern der Ordens-Freimaurerei m. E. als Vorbild gedient haben. Unstrittig dürfte sein, dass die ursprüngliche Freimaurerei oder welchen Namen der Orden auch immer geführt haben mag, rein christlich ausgerichtet war. Gläubigen Juden oder Mohammedanern war der Zugang zur Freimaurerei nicht möglich. Erst mit dem ausgehenden Neunzehnten Jahrhundert änderte sich diese Stellung. Es gilt als sicher, dass die Freimaurerei von Frankreich nach England gelangt ist und dort, als Folge der schweren Religionskonflikte und der sich ausweitenden Aufklärung, dem Deismus zuwandte.

Die 1723 veröffentlichte Konstitution des Presbyters Anderson geht eindeutig einen christlichen Weg. Mit dem Kernsatz der Konstitution, I. Hauptstück von Gott und der Religion:

„Der Maurer ist durch seinen Beruf verbunden, dem Sittengesetz zu gehorchen, und wenn er seine Kunst recht versteht, wird er weder ein dummer Gottesleugner noch ein Wüstling ohne Religion sein“. „Aber, obgleich in alten Zeiten die Maurer verpflichtet waren, in jedem Lande von der jedesmaligen Religion des Landes oder der Nation zu sein, so hält man doch jetzt für ratsam, sie bloß zu der Religion zu verpflichten, zu welcher alle Menschen übereinstimmen“ usw. usw.

Hat man vielleicht der Römischen Kirche, dem Papst, die Gründe für das Verbot der Freimaurerei geliefert ? In Schottland hat man lange gezögert, den verweltlichten Weg nach den neuen englischen Konstitutionen zu gehen.

Offensichtlich ist die Großloge von England seit vielen Jahren bemüht, die weitere Verweltlichung der Freimaurerei aufzuhalten und sich auf ihre Ursprünge zurückzubesinnen, wie sonst wäre ihre Bemühung nach dem Motto: „Zurück zu den Wurzeln“ zu verstehen ?

Zum Schluss noch etwas denkwürdiges:

Aus dem XXXIX Jahresbericht des Stiftsgymnasiums der Benediktiner zu St. Paul in Kärnten, am Schlussjahr des Schuljahres 1923/1924, die das Archiv des Benediktinerklosters St. Blasien im Schwarzwald aufbewahren:

„Benediktiner von St. Blasien im Schwarzwalde wirkten im 18. Jahrhundert als Professoren an der Universität und am Gymnasium in Freiburg i. Br.. Dort dürfte einer von ihnen von dem Freimaurer-Orden, seinen Gebräuchen und Zielen Kenntnis erhalten, vielleicht gar einer Loge angehört haben; war doch auch die höhere Geistlichkeit in den Geheimbünden der Zeit vertreten. Der Eintritt in diese Bruderschaft schien um so berechtigter, als dort Humanität, reine Menschenliebe die Lieblingsthemen der Reden waren. Der christliche Glaube schien nicht gefährdet, da eine Art heiliger Handlung vollzogen, der Schwur auf die Bibel geleistet und jeder bei seine christlichen Konfession belassen wurde“.

„Die Herausgabe unseres Rituals aus dem Sammelbande 32.2.36 soll als Kulturdokument der einfachen oder „blauen“ Maurerei der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts veröffentlicht werden“.

Es folgt:

Ritual-Buch für die drei symbolischen Freimaurer Grade und verbessertes Constitutions-Buch.

Einleitung

„Die unerhörten Missbräuche und Verfälschungen, denen in diesem Jahrhundert die echte Freimaurerei unterworfen wurde, wodurch die königliche Kunst entweiht, ihre Hieroglyphen entstaltet, mit unrichtigen Zusätzen vermischt. Leichtsinnig und unrichtig erklärt, und endlich, nachdem der wahre Gesichtspunkt des Ordens aus den Augen verloren, ist die ganze Freimaurerei zu einem Sammelplatz müßiger und schlechter ohne Auswahl zusammengeraffter Leute geworden.

Diese Missbräuche haben unsere Meister im Osten, welche bis jetzt in der Stille dem Unwesen zugesehen, und in Deutschland nur wenigen Brüdern sich entdeckt haben, bewogen, dem kleinen Häuflein echter Freimaurer eine Vorschrift zu geben, nach welcher sie fernerhin ohne sich von der falschen Lehre irreführen zu lassen, in den drei symbol- ischen Graden der Freimaurerei nach altem Brauch und Sitten arbeiten zu können. Hier also folgt der Unterricht zur Erteilung des Lehrlings-, Gesellen- und Meister-Grades. Der oberste Baumeister der Welt segne den kleinen Zirkel der echten Bekenner der königlichen Kunst, lasse denselben wachsen, die Brüder zu höherer Erkenntnis reif, und das Reich der Wahrheit groß und mächtig werden durch die geheiligte Zahl !“-

Es folgt das Ritual des ersten Grades (Aufnahme-Ritual), das mir vorliegt.

Eine allerletzte Anmerkung:

Wohl angeregt durch meinen ausführlichen Vortrag über das Thema Benediktiner, Zisterzienser usw. vor den Brüdern der Forschungsloge „Quatuor Coronati“ in Lübeck, erschien im „Hanseatischen Logenblatt Nr. 1, Ausgabe September 2002 folgender Bericht zu diesem Thema:

Mit dem Meisterhammer zugenagelt:

Der ‚Abt des großen und berühmten Benediktinerklosters Melk an der Donau war Präses des Prälatenstandes von Niederösterreich, Urban Hauser.

Seit 1772 war er eifriger Freimaurer und nahm fast alle seine Mönche seines Klosters zu Freimaurern auf. Der hoch gelehrte Herr lieferte wegen seines freimaurerischen Wirkens dem Kardinal Migazzi manchen Strauß.

Auf dem Sterbebett befahl er, man solle ihn mit dem Meisterschurz bekleiden, darüber das geistliche Habit. Den Sarg aber wünsche er mit einem Meisterhammer zugenagelt zu bekommen.-

Es soll am Schluss meines Vortrages nicht unerwähnt bleiben, dass Papst Clemens XII. im Jahr 1738 den Katholiken verboten hat Freimaurer zu werden, bei keiner geringeren Strafe als der Exkommunikation und dem Kirchenbann.

Völlig anders ist die Situation in England. Das Verhältnis der anglikanischen Kirche zur Freimaurerei ist hervorragend und war zu keiner Zeit getrübt. Die meisten Geistlichen, bis in die höchsten Kirchenämter, waren oder sind Mitglieder im Bund der Freimaurer und haben dort auch hohe Ämter bekleidet. Das gilt im starken Maße auch für die Kirchen in den skandinavischen Ländern.

Über den zukünftigen Bestand der Freimaurerei muss man sich keine Sorgen machen. Wenn auch hier und dort über mangelndes Interesse und der Unkenntnis des Wesens der Freimaurerei geklagt wird, ist das eher ein gesellschaftliches Phänomen, das ohnehin nicht von den Freimaurern allein zu lösen ist.

Und dann sind da noch die Clubs der Rotarys, Lions, Kiwanis usw., die mit spektakulären Geldsammelaktionen sicher viel Gutes im In- und Ausland vollbracht haben und auch darüber sprechen, sie haben aber auch nicht die geringsten Vergleichsweisen geistig/geistlichen Werte anzubieten, wie sie in der Freimaurerei seit Jahrhunderten überkommen sind. Ein Vergleich dieser Gesellschaftsclubs mit der Freimaurerei ist nicht angebracht.

Literaturhinweise

  • Geschichte der Freimaurerei in Deutschland Bd. 1 – 3, F. Runkel;
  • Geschichte der Freimaurerischen Systeme in England, Frankreich und Deutschland,
  • Freiherr C.C.F. von Nettelbladt, unveränd. Nachdruck v. 1879;
  • Der Benediktinerorden, Christian Schütz/Philippa Rath, 2. Aufl. 1997;
  • Freimaurer-Lexikon, Lennhof/Posner;
  • Der Tempel und die Loge, Baigent u. Leigh;
  • Der heilige Gral und seine Erben, Baigent u. Leigh;
  • Lexikon des Geheimwissens, Horst E. Miers, 2. Aufl. 1979;
  • The House of History, „The Middle Ages, Early Days To 1485”, Elizabeth Isaacson 1949;
  • Kompendium der Kirchengeschichte, Karl Heussi, 5. Aufl.;
  • Geschichte der Kreuzzüge, Steven Runciman, © Cambridge University Press, 1950-1954;
  • Psychologie und Alchemie, C.G. Jung, Gesammelte Werke Bd. 12, Sonderausgabe 1995;
  • Der Umgang mit dem Bösen: Der Dämonenkampf im alten Mönchtum, Dr. Anselm Grün OSB.

Alle erhältlich bei SCHOPF


Erwin H. Mies, überarbeiteter Vortrag Stand: 08. März 2005

© Erwin H. Mies; ALLE RECHTE LIEGEN BEIM AUTOR; VERVIELFÄLTIGUNGEN GLEICH WELCHER ART, NUR MIT ZUSTIMMUNG DES AUTORS:

Erwin H. Mies, Moltkestraße 17, 20253 Hamburg, Tel. 040-420 87 92, Fax 040-422 51 01

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