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Ernst Haeckel

Version vom 6. April 2017, 08:09 Uhr von Jens Rusch (Diskussion | Beiträge)

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Wer Ernst Haeckel war, wissen viele. Daß die Gründung eines „Freimaurerbundes auf monistischer Grundlage" sich auf den Haeckel'schen Monismus als Grundlage für eine Reform der Freimaurerei beriefen, in welcher sie den geschichtlichen Motor der Aufklärung sahen, jedoch nur wenige.
Grafik Jens Rusch

Inhaltsverzeichnis

Ernst Haeckel

Bildtafel Nr. 8 „Discomedusae” aus Kunstformen der Natur, 1899


Fundamentalprinzip

Einmal angenommen, die Menschheit müsste ihre gesammelten Moralvorstellungen auf einen einzigen Grundsatz reduzieren, und diese Regel sollte gleichermaßen vor Mord und Totschlag, Diebstahl und Betrug, Unterdrückung und Rache schützen - wie würde ein solches Fundamentalprinzip lauten? Der Darwinist Ernst Haeckel bezeichnete es 1899 in seinem Buch "Welträthsel" als "das edelste Prinzip der allgemeinen Menschenliebe" - und tatsächlich bildet es unter dem Namen "Goldene Regel" seit mehr als 3000 Jahren die ethische Gesamtbotschaft aller Weltreligionen und Kulturen. Dieses Sittengesetz lautet in seiner volkstümlichen Variante: "Was du nicht willst, dass man dir tu, das füg auch keinem andern zu!"
Quelle:(Wolfgang Michal in: GEO Wissen Nr. 35, März 2005, Gruner + Jahr, Hamburg)
Gefunden in: Goldene Regel Internetloge. Religionen und ihr gemeinsamer Nenner.

Biographie

Bildtafel Nr. 71 „Radiolarien” (Strahlentierchen) aus Kunstformen der Natur, 1899

Ernst Haeckel wurde 1834 als zweiter Sohn des Regierungsrates Philipp August Haeckel und seiner Frau Charlotte geb. Sethe, die aus einer Juristenfamilie stammte, in Potsdam geboren. Ein Jahr nach Haeckels Geburt zog die Familie nach Merseburg, einer Regierungsbezirkshauptstadt in der Provinz Sachsen, wo er das örtliche Domgymnasium besuchte. Durch die naturwissenschaftlichen Interessen seines Vaters und die gezielte Förderung seines Lehrers Otto Gandters kam Haeckel früh mit den Schriften Matthias Jacob Schleidens, Alexander von Humboldts und Charles Darwins in Kontakt. Einer autobiographischen Skizze zufolge war insbesondere die Reiseliteratur Humboldts und Darwins entscheidend für Haeckels spätere Berufswahl.

Nach dem Abitur 1852 nahm Haeckel das Studium der Medizin in Berlin auf, wechselte jedoch auf Drängen seines Vaters noch im gleichen Jahr an die Universität Würzburg, deren medizinische Fakultät aufgrund der Professoren Albert von Kölliker, Franz von Leydig und Rudolf Virchow einen hervorragenden Ruf besaß. Obwohl sich zwischen Haeckel und Virchow nie eine persönliche Freundschaft entwickelte, wurde die von Virchow entworfene Zellularpathologie zu einem entscheidenden Element in Haeckels Denken. In bewusster Abgrenzung zur idealistischen Naturphilosophie erklärte Virchow, dass sich alle körperlichen Funktionen durch die Interaktion der Zellen erklären ließen. Dieser Ansatz wurde von Haeckel als offensiv materialistisch aufgefasst, da er ohne die Annahme einer immateriellen Lebenskraft auskam und den Körper mechanistisch durch seine Zusammensetzung erklärte. Haeckel war begeistert von Virchows empirischen Erklärungsansätzen, sah in ihnen jedoch zugleich eine Gefahr für seinen Glauben. In einem 1856 verfassten Brief an seine Tante Bertha erklärte Haeckel, dass man zwischen den Bereichen des Wissens und des Glaubens unterscheiden müsse, da auch die erfolgreichsten wissenschaftlichen Erklärungen an ihre Grenzen stießen. An dieser Grenze beginne der christliche Glaube.

Nach dem Abschluss seines Medizinstudiums im März 1858 plante Haeckel die Habilitation bei dem Physiologen und Meeresbiologen Johannes Müller. Der überraschende und von Haeckel als Suizid interpretierte Tod Müllers zwang Haeckel zur Änderung seiner Pläne. Carl Gegenbaur, ein Freund aus Würzburg und neu berufener Professor in Jena, schlug Haeckel eine gemeinsame Italienfahrt vor, die gleichermaßen dem Ideal einer Bildungsreise und der Vorbereitung der Habilitation dienen sollte. Haeckel sagte zu, musste jedoch letztlich ohne den erkrankten Gegenbaur aufbrechen. Der erste Teil seiner Reise gestaltete sich nicht besonders erfolgreich. Von der religiösen Kunst, den Prozessionen und dem Papsttum abgestoßen, schrieb Haeckel an seine Verlobte Anna Sethe, dass er bei einem längeren Aufenthalt in Rom sicherlich zum Heiden werde.[5] Auch der Aufenthalt am Golf von Neapel war zunächst von Rückschlägen bestimmt und Haeckel wandte sich unter dem Einfluss Hermann Allmers der Kunst zu. Erst im November 1859 beschloss Haeckel, sich den Radiolarien zu widmen, einer Gruppe von einzelligen Tieren, zu denen Johannes Müller unmittelbar vor seinem Tod gearbeitet hatte. In kurzer Zeit sammelte Haeckel 101 neue Arten, 1861 wurde er mit der Schrift De Rizopodum finibus et ordinibus habilitiert.

1862 hielt Haeckel die erste Vorlesung über die Entstehung der Arten. 1865 erhielt er die Ehrendoktorwürde in Philosophie und eine Professur für Zoologie in Jena, die damals zur Philosophischen Fakultät gehörte.

1866 bis 1867 unternahm Haeckel eine Reise zu den Kanarischen Inseln und nahm dort an der winterlichen Erstbesteigung des Teide teil. In dieser Zeit traf Haeckel mit Charles Darwin, Thomas Huxley und Charles Lyell zusammen.

Nach dem Tod seiner Frau Anna im Jahr 1864 heiratete Haeckel 1867 Agnes Huschke, die Tochter des Anatomen, Zoologen und Embryologen Emil Huschke (1797–1858). Der gemeinsame Sohn Walter wurde 1868 geboren, 1871 die Tochter Elisabeth und 1873 die Tochter Emma.

1869 reiste der Forscher nach Norwegen, 1871 nach Dalmatien, 1873 nach Ägypten, in die Türkei sowie nach Griechenland.

Von 1876 an war Haeckel Prorektor der Universität Jena und unternahm Vortragsreisen durch Deutschland. Bis 1879 folgten mehrere Reisen nach England und Schottland, in deren Verlauf es zu weiteren Begegnungen mit Charles Darwin kam, sowie eine Reise nach Korfu.

Von 1881 bis 1882 bereiste Haeckel erstmals die Tropen, unter anderem auch die Insel Ceylon.

Ernst Haeckel. Quelle: Wikipedia

1882 war Haeckel am Bau der Villa Medusa und der Einrichtung des Zoologischen Institutes der Universität Jena beteiligt, deren Prorektor er 1884 erneut wurde. 1887 reiste Haeckel nach Palästina, Syrien und Kleinasien, 1890 nach Algerien, 1897 durch Südfinnland und Russland, 1899 nach Korsika und 1900 zum zweiten Mal in die Tropen. In dieser Zeit begann auch seine Freundschaft mit Frida von Uslar-Gleichen (1864–1903).

Haeckel betätigte sich auch politisch: So war er ein Mitglied des Alldeutschen Verbandes und wurde 1905 Ehrenmitglied der Gesellschaft für Rassenhygiene, ebenso war er seit 1889 Ehrenmitglied des korporativen „Medizinischen Vereins“ der Universität Jena (heute Landsmannschaft Rhenania zu Jena und Marburg).

Um seine monistische Weltanschauung zu verbreiten, gründete Haeckel 1906 den Monistenbund am Jenaer Zoologischen Institut. Daneben hat er sich stark für den Pazifismus eingesetzt, etwa indem er 1910 zusammen mit anderen bedeutenden Persönlichkeiten, wie etwa Friedrich Naumann und Max Weber, einen in deutschen Zeitungen veröffentlichten "Aufruf zur Begründung eines Verbandes für internationale Verständigung" unterzeichnete, welcher Abkommen mit anderen Nationen fördern sollte, um den Weltfrieden zu garantieren.

1907 unternahm der Forscher seine letzte große Reise nach Schweden. 1908 stiftete Haeckel das Phyletische Museum in Jena.

1909 endete Haeckels Lehrtätigkeit, 1910 trat er aus der evangelischen Kirche aus. Seine Frau Agnes starb 1915. Haeckels Gebrechlichkeit nahm in dieser Zeit erheblich zu (Oberschenkelhalsbruch, Armbruch). 1918 verkaufte er die Villa Medusa an die Carl-Zeiss-Stiftung. Ernst Haeckel starb am 9. August 1919.

Quelle: Wikipedia 4.Dez.09

Rezeption und Auswirkung

NÜRNBERG. (hpd) Zu Beginn des 20. Jahrhunderts durchlebte die deutsche Freidenkerbewegung eine ganze Reihe unterschiedlicher Entwicklungen und war in teilweise ganz erstaunlichen Erscheinungen präsent. Die Gründung eines „Freimaurerbundes auf monistischer Grundlage" gehört hierbei sicher zu den außergewöhnlicheren, wenn auch heute nicht mehr so bekannten Erscheinungen. Die Gründer wollten nicht weniger, als - auf der Grundlage des Haeckel'schen Monismus - die Reform der Freimaurerei, in welcher sie den geschichtlichen Motor der Aufklärung sahen. Vergangenen Samstag beging die „Loge zur Wahrheit", die Mutterloge des FzaS, mit einem Festakt ihr 100-jähriges Jubiläum.

Quelle/Zitat aus dem Artikel: Humanistischer Pressedienst "100 Jahre Freimaurerbund FzaS" „Freimaurerbund zur aufgehenden Sonne (FzaS)" 2.10.2007

Kunst und Natur

Haeckel sah die Biologie in Vielem mit der Kunst verwandt. Seine künstlerische Begabung wurde durch Symmetrien in der Natur stark angesprochen, unter anderem der von Einzellern wie Radiolarien. Besondere Berühmtheit erlangten seine Abbildungen von Planktonorganismen und Quallen, die die biologische Welt in eindrucksvoller Schönheit darstellten. Dies war schon in seinen wissenschaftlichen Monographien der Fall, besonders aber seine populären „Kunstformen der Natur“, die er von 1899 bis 1904 in mehreren Heften veröffentlichte, gehörten – wie Brehms Tierleben – in den Haushalt eines jeden Bildungsbürgers. Seine Darstellungen beeinflussten die Kunst des beginnenden 20. Jahrhunderts. So beruhen die Glaslüster im Ozeanischen Museum Monaco von Constant Roux ebenso auf Vorlagen Haeckels wie das monumentale Tor des französischen Architekten René Binet auf der Pariser Weltausstellung 1900. Binets von Haeckel inspiriertes Tafelwerk „Esquisses décoratives“ wurde zu einer Grundlage des Art nouveau (Jugendstil).

Auch Haeckels Wohnhaus (Villa Medusa, heute das Ernst-Haeckel-Museum) und das von ihm gestiftete Gebäude des Phyletischen Museums, beides in Jena, führen Kunst und Wissenschaft zusammen, in dem z. B. Ornamente der Fassade und Innenausstattung Tafelwerke zu den Medusen zitieren. Haeckel war unglaublich arbeitsam. So beschrieb er allein von der britischen HMS Challenger-Expedition über 3.500 neue Radiolarien-Arten. Haeckels Challenger-Report umfasst drei Bände mit 2.750 Druckseiten und 140 detailliert gestochenen Tafeln dieser fragilen Organismen. Insbesondere nach dem Tod seiner ersten Frau arbeitete er vielfach mehr als 18 Stunden am Tag. Quelle: Wikipedia 4.Dez.09

Zitate über Ernst Haeckel

  • Charles Darwin: Wäre die „natürliche Schöpfungsgeschichte“ erschienen, bevor meine Arbeit niedergeschrieben war, dann würde ich sie wahrscheinlich nie zu Ende geführt haben. Fast alle Schlüsse, zu denen ich gekommen, finde ich durch diesen Naturforscher bestätigt, dessen Kenntnisse in vielen Punkten viel vollkommener sind als die meinen. (Einleitung zu Die Abstammung des Menschen, Auflage 1870)
  • Franz Mehring: Uns scheint das Buch von sehr aktuellem Interesse auch für die sozialdemokratische Partei zu sein (zu Haeckels Buch „Welträthsel“, 1899/1900)
  • Thomas Alva Edison: Haeckel ist der größte unter den lebenden Menschen. Ich glaube absolut an seine Theorie.
  • Rudolf Steiner: In ... widerspruchsvoller Art leben zwei Wesen in Haeckel. Ein Mensch mit mildem, liebeerfülltem Natursinn, und dahinter etwas wie ein Schattenwesen mit unvollendet gedachten, engumgrenzten Ideen, die Fanatismus atmeten ... Ein Menschenrätsel, das man nur lieben konnte, wenn man es sah; über das man oft in Zorn geraten konnte, wenn es urteilte. (in Mein Lebensgang, 1925) Quelle: Wikipedia Dez. 09

Literatur

  • Volker Mueller und Arnher E. Lenz: Darwin, Haeckel und die Folgen. Monismus in Vergangenheit und Gegenwart. Angelika Lenz Verlag, Neustadt am Rübenberge 2006, ISBN 3-933037-56-5.
  • Bernhard Kleeberg: Theophysis. Ernst Haeckels Philosophie des Naturganzen. Böhlau, Köln/Weimar 2005, ISBN 3-412-17304-5.
  • Daniel Gasman: Haeckel's Monism and the Birth of Fascist Ideology. Peter Lang, New York 1998, ISBN 0-8204-4108-2.
  • Rüdiger Wehner/Walter Gehring: Zoologie, Kap.11.1.4. S. 573-575, 23.te Auflage, Thieme Verlag, Stuttgart 1995, ISBN 3-13-367423-4.
  • Peter Weingart/Jürgen Kroll/Kurt Bayertz: Rasse, Blut und Gene. Geschichte der Eugenik und Rassenhygiene in Deutschland. Suhrkamp Taschenbuch, Frankfurt am Main 1992, ISBN 3-518-28622-6.
  • Rosemarie Mann: Ernst Haeckel, Zoologie und Jugendstil. In: Berichte zur Wissenschaftsgeschichte 13, 1990, S. 1-11; [1].
  • Paul Weindling: Health, race and German politics between national unification and Nazism 1870-1945. Cambridge University Press, 1989, ISBN 0-521-36381-0.
  • Georg Uschmann: Ernst Haeckel. Biographie in Briefen mit Erläuterungen. Urania, Leipzig 1984, ISBN 3-570-09027-2.
  • Erika Krause: Ernst Haeckel. Leipzig 1984.
  • Peter Klemm: Ernst Haeckel. Der Ketzer von Jena. Ein Leben in Berichten, Briefen und Bildern. 2. Aufl., Urania, Leipzig 1968.
  • Johannes Hemleben: Ernst Haeckel in Selbstzeugnissen und Bilddokumenten. Rowohlt Taschenbuch, Reinbek bei Hamburg 1964.
  • Robert J. Richards: The Tragic Sense of Life, Ernst Haeckel and the Struggle over Evolutionary Thought. The University of Chicago Press, Chicago und London 2008, ISBN 978-0-226-71214-7
  • Birk Engmann: Ernst Haeckel zum neunzigsten Todestag. Seine Überlegungen zu Theophysis, Kristallseele und Bewusstsein und deren heutige Bedeutung. Ärzteblatt Thüringen 11/2009 S.681-684, ISSN 0863-5412

Quelle Wikipedia 4.Dez.09


Siehe auch

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