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Über Suchen und Vorschlagen

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Ueber Suchen und Vorschlagen

Quelle: Die Bauhütte, 1. Januar 1866, No. 1, IX. Jahrgang

Von Br Qust. Linde in Ratibor,


„Auf dem Pfade der Tugend gerade fortzugehen und Alles nach dem Winkelmasse der Wahrheit abzumessen", werden wir, m. Brr, nach jeder Lehrlingsloge aufgefordert, auf dass wir es niemals vergessen, wie dies die alleinige Richtschnur unseres ganzen Wandelns sein und bleiben müsse. Wie weit nun das Suchen des Bundes, worüber ich der früheren Zusage gemäss heute einige Worte zu sprechen vorhabe, ein wahres gewesen, d. h. wie weit die mündlich und schriftlich gemachte Zusage jedes Suchenden mit seiner innersten Ueberzeugung übereinstimmt, ist von der grössten Bedeutung und wird in den meisten Fällen die Bahn bezeichnen, auf welcher der dann in den Bund aufgenommene Bruder in seinem Leben und Wirken wandeln will. Ich möchte hier den Salomonischen Ausspruch anwenden: „Bewahre deinen Fuss, wenn du zum Hause gehst und komme, dass du hörest, das ist besser, denn der Narren Opfer"! und des Spruches ersten Theil dem Suchenden zur Beachtung empfehlen, wenn er Logenmitglied werden will.

Freilich kann nur der Suchende allein am Besten wissen, wenn er ohne Selbsttäuschung in sich blickt, wie es mit seinem Ernste und seiner zugesicherten Aufrichtigkeit aussieht, doch in gar vielen Fällen vermögen auch die Brüder, wenn sie erst in engeren und öfteren Verkehr mit dem Neuhinzugetretenen gekommen sind, einen ziemlich richtigen Schluss hierüber zu gewännen. Ja, ich gehe noch einen Schritt weiter und behaupte, dass es auch von grosser Wichtigkeit ist, was denkende Nichtmaurer über den urtheilen, den sie kennen und von dessen Begehr, Freimaurer zu werden, sie Kunde haben. Traurig ist es, wenn sie etwa sagen: „um diesen Zuwachs ist die Freimaurergesellschaft nicht zu beneiden;" erfreulich dagegen, wenn ihr Urtheil lautet: „zu dem neuen Mitgliede kann sich die Loge Glück wünschen!"

Vielleicht treffe ich, m. Brr, im Nachfolgenden Ihre Ansichten über diesen Gegenstand und rege zu weiterem Nachdenken an, wodurch allein wir immer geschickter werden können, dem Geheisse des Meisters Folge zu leisten und unseres Tempels Pforten vorsichtig zu bewahren.

Wegleugnen wird Niemand, dass das Suchen nicht durchweg ein bewusstes, lauteres ist, vielmehr werden wir eingestehen müssen, dass so manches Suchen mehr oder weniger sich davon fernhält. In diesem letzteren Falle muss es allerdings einen betrübenden Eindruck hervorrufen, wenn man Jemanden mit Bestimmtheit und aus freien Stücken mündlich und schriftlich von sich Gesinnungen bekennen sieht, worüber er sich vielleicht vorher nicht ganz klar geworden ist und deren Tragweite er nicht einmal kennt. In einer ger. und vollk. Loge zumal muss — worauf die ehrlich denkende Aussenwelt schon ein bedeutendes Gewicht legt — das gesprochene Wort jedesmal der richtige Abdruck der innern Empfindung sein, denn von dieser heiligen Stätte aus soll der Freimaurer vornehmlich sein immer aufrichtiges Wesen für sein übriges Leben und Wirken begreifen, schätzen und anwenden lernen.

Ein richtiger Suchender, um nur einige Andeutungen in dieser Beziehung zu geben, ist allemal nur der, welcher eine rechte Werthschätzung des Menschen in sich aufgenommen hat und Alles, was ihm zu Gebote steht, gern daran setzt, wenn er nur sich selbst zu immer grösserer Vervollkommnung erheben und dazu beitragen kann, dass Menschenwohl und Menschenglück immer allgemeiner auf Erden verbreitet werden. Ein Solcher hat immer die entsprechende Antwort auf die Frage: wer sein Nächster sei? und selbst, wenn er weiss, dass es auch ohne Logenverbindung nicht an Mitteln und Wegen für die Erreichung seines eben bezeichneten edlen Strebens gebricht, so setzt er dennoch voraus, dass durch den engern Verband mit Gleichgesinnten, wofür er selbstverständlich die Logenmitglieder hält, mehr und dieses leichter zu erzielen ist. Hieraus entspringt sein sehnliches Verlangen, in den ehrwürdigen Bund der Freimaurer augenommen zu werden und darum sucht er in rechtem Eifer ein Logenmitglied auf, dem er sein Anliegen an's Herz legt und den er bittet, Alles zur Erfüllung seines lebhaften Wunsches zu veranlassen und auszuführen.

Wer in solcher würdigen Stimmung des Herzens an die Thore des Tempels klopft, dem ist auch Alles wichtig und beachtenswerth, was bei seiner Einweihung sich ihm darstellt. Er nur ist es, der in Wahrheit diesen Tag seiner Aufnahme in den Maurerbund als einen freudigen, hohen Festtag ansieht und durch sein ganzes Erdenwallen ehrendes Zeugniss für seine reine freimaurerische Gesinnung zu geben aus freien Stücken sich angelobt hat. Auf ihn nur finden die vollste Anwendung die Worte vom Altare her: „Sie werden, m. Br, dereinst vielleicht noch mehr finden, als Sie bei Ihrem Suchen erwartet haben!"

Eingereiht in die Bruderkette besucht er dann, so oft es ihm seine Verhältnisse möglich machen, gern die Arbeiten der Loge und fühlt sich wohl und heimisch im geselligen Verkehr mit Brüdern. In jener erwartet er Erhebung des Geistes und Erleuchtung des Verstandes, und in diesem will er Erholung finden nach vollbrachter Berufspflicht und zudem lernen, auch das Seine zur Erheiterung Anderer beizutragen. Aus beiden Zusammenkünften entspringt ihm demnach Segen für sein Familien- und Berufsleben und für den Umgang mit den übrigen Menschen. Das ist, m. Brr, der Mr ohne Schurz, der in seinem Innern bereits den vorbereitenden Bruder gefunden und nur dem Raume nach da Eintritt genommen hat, woselbst ihm sein für Menschenbeglückung warm schlagendes Herz schon vor dem Verlust der Binde einen würdigen Platz angewiesen hatte.

„Das sind aber doch gar zu idealistische Anschauungen!" könnte am Ende wohl Einer von Ihnen, m. Brr, sagen und für diesen möglichen Fall habe ich in Kürze nur die Antwort: im Verhältniss zu der erhabenen Idee der Maurerei, der k. K., reicht das Gesagte noch lange nicht hin!

Soll ich nun noch einige Merkmale dafür angeben, wann man das Suchen als ein unlauteres, oder mindestens als ein unbewusstes zu halten versucht wird? Es ist im Grunde genommen nicht erquicklich, hier den Schleier ganz zu lüften, zudem lassen in der Regel die verrätherischen Spuren hiervon nicht lange auf sich warten und gelangen so zu Jedermanns Kenntniss, indessen des Zusammenhangs wegen erlaube ich mir nur einige Fingerzeige. Möglich, dass Sie deren Richtigkeit anerkennen und aus dem Schatze Ihrer eigenen Wahrnehmung noch vermehren. Dass wohl mancher Suchende, in den Bruderkreis aufgenommen, zu seinem eigenen Heile und zur Freude seiner Werkgenossen, seine vorher unklar und irrig gewesenen Erwartungen von der Loge läutert und berichtigt, ist wohl wahr, doch ist das Verlangen der Loge vornehmlich auf solche Suchende gerichtet, die schon geeignetes Material in sich für einen schönen Tempelbau mit bringen.

Man wird schwerlich irren, da ein nicht angemessenes Suchen vorauszusetzen, wo sich stete Unzufriedenheit zeigt; wo bald der Eine zu vornehm, der Andere zu gering erscheint; wo Alles, was in der Aussenwelt die Menschen sondert und trennt, ungeschwächt auch im Verkehr mit Brüdern wiederkehrt; wo die Betheiligung an den Logenarbeiten und geselligen Vergnügungen der Brüder entweder spärlich oder wohl gar nicht sich kund gibt; oder wo sie wie stolze Herablassung aussieht, oder aus blosser Gleichgültigkeit und Gewohnheit eintritt; wo um jeden Preis Logenauszeichnungen beansprucht werden und wo dann Schmollen, Droh'n mit Ausscheiden u. dgl. wahrgenommen wird, wenn die Brüder es anders beschlossen haben; wo vom Bruder mehr gefordert wird, als Berechtigung hierzu gegeben wird; wo der Eine seinen etwaigen Vorzug geltend zu machen trachtet, um den Schwachen einzuschüchtern und wo andererseits der Gedrückte seine bessere Meinung mit Aengstlichkeit zurückhält und am Ende gar zum gedankenlosen Amensager herabsinkt; wo — doch wozu noch ein Mehreres ? „Kann man auch Trauben lesen von den Dornen oder Feigen von den Disteln? Also ein jeglicher guter Baum bringt gute Früchte, aber ein fauler Baum kann nicht gute Früchte bringen."

Erlauben Sie mir nun noch eine kurze Bemerkung zu dem Vorangeschickten. Suchende, schon vor ihrer Aufnahme zum beliebigen, täglichen Besuch der geselligen Zusammenkünfte zuzulassen, ist nicht rathsam, wie gewiss es auch ist, dass dadurch möglicher Weise eine grössere Anzahl von Brüdern den Suchenden besser kann kennen lernen. Einmal wird dadurch der Verkehr der Brüder beengt und spärliche Besucher dieser geselligen Zusammenkünfte laufen Gefahr, unbewusst Aeusserungen zu machen, Zeichen zu geben und Fragen zu stellen, die nur vor Brüder gehören. Auch hängen oft Anmeldungen, andere Umlaufsschreiben aus, oder es liegen maurerische Drucksachen aus, die der Bundes-Vorschrift zufolge, jedem Nichtmaurer nicht zugänglich sein sollen. Endlich ist ja die Möglichkeit vorhanden, dass der Suchende nicht aufgenommen wird. Dagegen wäre ich dafür, den Suchenden und wenn er verheirathet ist, dessen Frau zugleich zu einem Schwesterkränzchen durch den Bürgen einladen zu lassen, wodurch ein gewünschtes Kennenlernen desselben erreicht wird. — Das Vorschlagen des Suchenden ist der andere Gegenstand des heutigen Vortrags.

Nicht ohne tiefe Bedeutung hat unser Bund das Recht ein neues Mitglied zur Aufnahme vorzuschlagen nur den Meistermaurern eingeräumt. Hierin ist klar ausgesprochen, dass der nur einen Suchenden zuführen kann, der den Bund mit seinen Anforderungen an die Mitglieder genauer kennen gelernt und die Befähigung erlangt hat, möglich richtig zu beurtheilen, ob ein Suchender in allen nöthigen Punkten dem entsprechen kann, was die Brüderschaft von ihren Gliedern erheischt. Worauf es hierbei lediglich ankommt, muss genau genommen jeder Bruder, ganz besonders aber der richtige Meister wissen. Aeussere Stellung, sofern sie nur eine selbständige ist, kann ebensowenig den Eintritt in die Loge hindern, wie die Art und Weise, die Jemand hat, das höchste Wesen zu erkennen und zu verehren, es sei denn, dass das Staatsgesetz hierüber eine besondere Vorschrift gegeben hat. „Der Mann von gutem Willen," sagt Br Fessler, „und lebendigem Sinne für das Ewige, der im Drange seiner höheren Bedürfnisse das, was der Ausdruck Freimaurerei bezeichnet, für das Höchste und Heiligste der Menschheit hält, ist für die Würde eines kunstgerechten Freimaurers geschaffen. Ja, hat der Suchende nach dem Ermessen des Vorschlagenden die nöthigen Eigenschaften zur Förderung unserer Verbindung, dann melde er ihn getrost an, wir werden ihn willkommen heissen." Ueberreden muss freilich verpönt sein! In welch üble Lage geräth auch sonst der Suchende, wenn er MiniMini3zw.jpg im Kreise der Brüder vom Meister in feierlicher Weihestunde gerade hierüber ein offenes, freimüthiges Zeugniss abzulegen, aufgefordert wird. Will man der Loge Mahnung: „Die Maurerei immer mehr zu verbreiten!" hoch halten, nun so trachte ein Jeder durch seinen Wandel Zeugniss zu geben, von dem innern Gehalte der k. Kunst und eben dadurch die Nichtmaurer zu zwingen, dass sie Genossen der Freimaurerei werden wollen, aber um Gotteswillen werde Keiner ein Werbemaurer! Abgesehen, dass er hiermit schnurstracks dem freimaurerischen Wesen entgegenhandeln würde, so wird er in den meisten Fällen dadurch auch Keinem einen Liebesdienst erweisen, sicher aber in vielen Fällen gerade das Gegentheil erzielen. Vielleicht hat Einer oder der Andere schon solche trübe Erfahrung gemacht!

Der Vorschlagende mus nie ausser Acht lassen, dass er nicht blos für sich und seinen engeren Freundeskreis ein neues Mitglied zuführt, sondern für alle Brüder seiner Loge zunächst und dann für die gesammte Brüderschaft auf dem Erdenrunde. Er muss bedenken in welch nahe Verbindung er gleichsam durch einen Schritt den Suchenden mit den Brüdern allen bringt, da er ihm das bedeutsame Anrecht verschafft, Jeden „Bruder" zu nennen und so angeredet zu werden. Mag immer bei solcher sorglichen Handhabe der Zuwachs der Logen eine Zeit lang spärlich sein, immer wird aber der regelrechte ein allseitig segensreicher werden, worauf allein doch Alles ankommt. Noch mehr. Es ist auch zu erwägen, wo der Suchende und sein Bürge sich über diesen höchst wichtigen Act des Eintritts in die Loge besprochen haben und welche Umstände dabei vorgewaltet haben.

Möchte keine Loge Christi Worte anwenden müssen: „die Ernte ist gross, aber wenig sind der Arbeiter!"

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