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Freimaurerei in der islamischen Welt

(Weitergeleitet von Der Islam und die Freimaurerei)

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Pakistan: Das ehemalige Logenhaus der durch Rudyard Kipling berühmt gewordenen 'Lodge of Hope and Perseverance' in Lahore - heute im Eigentum der pakistanischen Regierung.
Ägypten: Auf der Website der ‘Souvereign Grand Lodge of Egypt’ ist unter anderem dieses Bild zu sehen (Ausschnitt). So wie einige Textpassagen soll es offenbar die Einbettung in die ägyptische Tradition unterstreichen und damit unterschwellig die politische Botschaft transportieren, dass diese Logen - anders als es die Vorurteile in der islamischen Welt suggerieren - vom Ausland völlig unabhängig sind.

Inhaltsverzeichnis

Freimaurerei in der islamischen Welt

2018: Ein Viertel der Weltbevölkerung sind Muslime

Viele Muslime verbinden Freimaurerei mit israelischem Zionismus, westlichem Imperialismus und gotteslästerlichem Atheismus. Und so ist Freimaurerei in den meisten islamisch geprägten Staaten verboten.
Von Rudi Rabe.

Status 2018

➤ Schon lange arbeiten Freimaurerlogen in diesen mehr oder weniger islamisch geprägten Ländern:

Türkei, Libanon, Marokko, Malaysia.

➤ Verschwunden sind die Logen unter anderem in folgenden Staaten:

Indonesien: Dieser Staat mit der größten muslimischen Bevölkerung der Welt war bis nach dem Zweiten Weltkrieg eine niederländische Kolonie. Beamte und Soldaten der Kolonialmacht gründeten ab dem 18. Jahrhundert Logen. Während des Zweiten Weltkriegs war das Land von den Japanern besetzt: Diese schlossen viele Logen, es waren ja auch kaum mehr Niederländer geblieben. Was die Japaner überdauerte, wurde dann 1961 vom nun souveränen Indonesien verboten.

Pakistan: Hier gab es in der Zeit, als das Land noch eine Kolonie im Britischen Weltreich war, Logen. Auch sie waren von der Kolonialmacht in die Region gebracht worden. In westlichen Freimaurerkreisen besonders bekannt ist die historische 'Lodge of Hope and Perseverance Nr. 782": Sie wurde von Rudyard Kipling in dem berühmten Gedicht "The Mother Lodge" verewigt.

Iran: Dieser Staat war keine Kolonie, dennoch hielt die Freimaurerei Einzug, wenn auch durch das Fehlen westlichen Personals langsam und später. 1969 wurde eine Großloge gegründet. Als dann zehn Jahre später die islamische Revolution unter Khomeini ausbrach, wurde die Freimaurerei so wie vieles andere verboten. Es hatte inzwischen um die 40 Logen mit rund tausend Mitgliedern gegeben.

Algerien: Auch hier existierten Freimaurerlogen, bevor das Land 1962 von Frankreich unabhängig wurde.

➤ Nach einem Jahrzehnte langen Verbot wiederbelebt wurde die Freimaurerei in:

Ägypten: In der Zeit, als dieses Land noch zum Osmanischen Reich gehörte und danach unter der Oberhoheit des Britischen Imperiums, arbeiteten hier Logen. Dies dauerte bis Anfang der 1950er Jahre, also bis zum Ende der Ägyptischen Monarchie, die 1936 ein selbständiger Staat geworden war: zuletzt mit König Farouk, der 1952 von Gamal Abdel Nasser gestürzt wurde. Als Präsident verbot dieser nach der Suezkrise 1956 und der darauf folgenden Abwendung von der westlichen Welt alle Logen.

Seit 2013 scheint es in Ägypten jedoch einen Neuanfang zu geben: Im Internet ist jedenfalls die Website einer ‘Souvereign Grand Lodge of Egypt’ zu finden, zu der drei Logen gehören, die „alle NUR zwischen Kairo und Alexandria arbeiten“ und nie außerhalb Ägyptens - das wird besonders betont. Diese Großloge sei die „Wiederbelebung der Mitte des 20. Jahrhunderts verbotenen 'Nationalen Großloge von Ägypten' ... wir haben unsere Lektion gelernt", sind daher unpolitisch und bearbeiten „wie unsere Ahnen schon vor Jahrtausenden die östliche Freimaurerei“: zwei Logen in arabischer und eine in englischer Sprache.

In den allermeisten arabischen Ländern ist die Freimaurerei heute jedoch verboten. Verifizierbare Ausnahmen sind vor allem der Libanon und Marokko. Vereinzelt arbeiten Logen mit amerikanischen Brüdern in den US-Stützpunkten arabischere Länder.

Ein kursorischer Blick auf den Nahen Osten und Nordafrika

Die folgende Darstellung basiert auf verschiedenen Quellen, vor allem auch auf einem Artikel im Magazin der Großloge der Türkei „TESVÝYE“ (Wasserwaage, Lotwaage) mit dem Titel „Freemasonry in the islamic world“. Darin wurde jedoch nicht die ganze islamische Welt behandelt, sondern nur die Türkei und die arabischen Staaten. Die beiden amtlichen Texte, hier übersetzt ins Deutsche, stammen aus diesem Artikel.

Die Verdammung durch Al Azhar in Kairo

Am Ende des Artikels im türkischen Großlogen-Magazin steht ein antifreimaurerisches Verdikt der vielleicht einflussreichsten Instanz bei der Interpretation der islamischen Religion und islamischen Rechts, nämlich der islamwissenschaftlichen Großkörperschaft Azhar in Kairo mit Instituten, Schulen und so weiter. Ihr ‘Islamic Jurisdictional College’ hat im Juli 1978 die Freimaurerei ganz offiziell mit folgenden Gründen abgelehnt - ein Auszug:


„Nach gründlichen Recherchen über die Organisation der Freimaurer, nach dem Studium vieler Quellen und schriftlicher Berichte, haben wir festgestellt, dass die Freimaurerei eine Geheimorganisation ist, die ihr System je nach den Umständen verdeckt oder enthüllt.

Ihre eigentlichen Prinzipien bleiben den normalen Mitgliedern verborgen, nur Ausgewählte der höheren Grade können sie durchschauen. Freimaurer gibt es überall auf der Welt. Sie passen sich den regionalen Kulturen und Religionen nicht an. Vielmehr locken sie Mitglieder auf der Grundlage persönlicher Vorteile. Sie werden dann politisch aktiv, aber ihre Ziele sind ungerecht.

Neue Mitglieder nehmen an Initiationsritualen teil, die verschiedene Namen und Symbole haben. Die Mitglieder fürchten sich dann davor, die ihnen gegebenen Vorschriften und Anordnungen zu missachten. Zwar können sie ihre Religion weiter frei ausüben, aber nur Mitglieder, die Atheisten sind, werden in höhere Grad befördert, je nachdem, wie sehr sie bereit sind, den gefährlichen Prinzipien und Plänen dieser Grade zu dienen.

Die Freimaurerei ist eine politische Organisation. Sie hat allen Revolutionen, allen militärischen und politischen Umstürzen gedient. Bei alle diesen gefährlichen Umwälzungen gab es offen oder verschleiert eine Beziehung zu dieser Organisation.

In ihren Wurzeln ist die Freimaurerei eine jüdische Organisation. Ihr höchster internationaler Verwaltungsrat ist geheim und jüdisch; er fördert zionistische Aktivitäten. Sein Hauptziel ist die Unterminierung aller Religionen und das abspenstig Machen der Muslime vom Islam.

Die Organisation versucht, Männer zu rekrutieren, die finanziell, politisch, gesellschaftlich oder wissenschaftlich einflussreich sind, und sie dann für ihre Ziele einzusetzen. Sie nimmt Könige, Premierminister, hohe Regierungsbeamte und ähnlich hochgestellte Personen auf, nicht aber Beitrittswerber, die sie zu nichts verwenden kann.

Damit man ihr geheimes Tun nicht durchschauen kann, unterhält die Freimaurer-Organisation zur Tarnung auch verschiedene Organisationen anderen Namens. Diese sind als Lions, Rotary und so weiter bekannt. Auch sie folgen bösen Prinzipien, die den Regeln des Islam widersprechen.


Manches von dem, was hier steht, erinnert an die ebenso absurden Verschwörungsbehauptungen des deutschen Weltkriegsgenerals Erich Ludendorff und anderer antifreimaurerischer Propagandisten in den 1920iger und 1930iger Jahren. Millionen Menschen haben das in jener Zeit geglaubt, und es ist zu befürchten, dass es in der islamischen Welt des 21. Jahrhundert nicht anders ist.

Mehr Liberalität in Marokko und im Libanon

Es gibt aber auch andere Urteile, wenn auch von weniger bestimmenden Instanzen der islamischen Welt: Am 23. März 1973 ist der Oberste Gerichtshof von Marokko in Casablanca nach einem langen Gerichtsverfahren zu dem Schluss gekommen, dass die Freimaurerei mit dem Islam vereinbar ist. Hier der aus dem Französischen übertragene Text mit kleinen und unwesentlichen Kürzungen:


Der Staatsanwalt des Königlichen Gerichtshofs von Casablanca hat mit Antrag vom 2. Juli 1971 einen Antrag auf Auflösung der Loge ‘Esperance’ gestellt. Ebenso auf Schließung ihrer Räumlichkeiten und auf das Verbot aller Versammlung ihrer Mitglieder, und dies mit sofortiger Vollstreckung und Benennung eines Treuhänders mit der Begründung, dass der von der Freimaurervereinigung verfolgte Zweck im Widerspruch zu den Geboten des Islam steht.

Demgegenüber erklärt der Beklagte, vertreten durch Herrn Kaaba Abedelkrim, dass das Anliegen der Loge nicht im Widerspruch zu den Geboten des Islam steht. Dies insbesondere auch im Hinblick darauf, dass alle Grundsätze dieser Vereinigung mit der Verfassung des Königreichs vollständig übereinstimmen.

Die Loge ‚Esperance‘ hat laut Paragraph 2 ihres Statuts folgendes Ziel: "Die moralische Unterstützung ihrer Mitglieder bei der Anwendung humanitärer Prinzipien - die Förderung der Freundschaft zwischen den Mitgliedern - ihren Mitgliedern die Möglichkeit geben, soziale Dienstleistungen zu erbringen und dabei nach besten Kräften großzügig zu sein - dies alles mit Meinungsfreiheit und Respekt für alle vernünftigen Einstellungen.

Aus der Aufzählung dieser Ziele ergibt sich, dass keine darunter sind, die mit den Geboten unserer islamischen Religion im Widerspruch stehen. Ebenso dass die Ziele im Einklang mit der am 31. Juli 1970 verkündeten Verfassung des Königreichs stehen, insbesondere mit Artikel 6, der besagt, dass der Islam die Religion des Staates ist und dass der Staat jedem die Freiheit garantiert, seinen religiösen Glauben auszuüben.

Das Gericht lehnt den Antrag des Staatsanwalts ab.


Nun, Papier ist geduldig, Gutachten und Gerichtsurteile gelten nicht universal, und sie gelten so wie auch hierzulande nicht ewig: Das Verdikt aus Kairo und das Gerichtsurteil aus Casablanca stammen aus den siebziger Jahren. Angesichts der politisch-ideologischen Entwicklung, welche die islamische Welt seit damals durchmachte, erscheint es sicher, dass ein Azhar-Gutachten im Ergebnis genau so ausfallen würde.

Und das marokkanische Gerichtsurteil? Das Königreich Marokko ist zwar weniger islamisch grundiert als die meisten anderen arabischen Staaten, ob aber ein Gerichtsurteil heute noch so liberal wäre, muss dahin gestellt bleiben.

Freimaurerlogen gibt es in Marokko schon seit dem 19. Jahrhundert, als das Land noch eine französische Kolonie war. Heute existieren mehrere Großlogen nebeneinander - es gibt immer wieder Teilungen und Fusionen. 1999 konnte mit Hilfe der ‘Gand Loge Nationale de France’ (GLNF) und ihrem Großmeister Claude Charboniaud die ‘Großloge von Marokko’ installiert werden. Auch die ‘Großloge der Türkei’ war vertreten.

Freimaurerlogen wurden auch im Libanon schon im 19. Jahrhundert gegründet, als die Region noch ein Teil des Osmanischen Reichs war. Und es gibt bis heute Logen und mindestens eine Großloge.

Sowohl in Marokko als auch im Libanon soll es auch feminine Logen geben.

Derzeit stabile Verhältnisse in der Türkei

Rückblick in die Zeit des Osmanischen Sultanats

Das mit dem Ersten Weltkrieg untergegangene Osmanische Reich war ein mächtiges Viel-Völker-Imperium: Es beherrschte nicht nur den Nahen Osten, sondern auch Teile Süd-Ost-Europas und fast ganz Nordafrika. Und der über dieses Reich herrschende Sultan war auch die höchste Instanz in Sachen Religion.

Der Artikel des türkischen Freimaurermagazins verweist auf eine interessante Analogie: Als Papst Clemens XII. im Jahr 1738 mit seiner Bulle „In Eminenti“ die Freimaurerei verdammt hatte, seien christliche Untertanen des Sultans Mahmut I. bei diesem vorstellig geworden mit dem Ansinnen, es dem Papst gleichzutun. Der Sultan habe daraufhin die islamischen Theologen der „Ulema“ damit befasst, und diese hätten festgestellt: „Wenn der Papst erklärt, dass Freimaurer Atheisten sind, muss in seinen Worten etwas Wahres sein”. Daraufhin verbot der Sultan die Freimaurerei. Und seit jener Zeit sei das Wort "Freimaurer" im Osmanischen Reich zum Synonym für "Atheist" geworden.

Die Entwicklung war aber nicht stetig. Vor allem in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts gab es im Osmanischen Reich immer wieder Logengründungen, vor allem von westlichen Diplomaten. Aber auch westlich orientierte Türken der Oberklasse bis hin zu einzelnen Mitgliedern der großen Sultansfamilie schlossen sich an.

Anfang des 20. Jahrhunderts - eine politische Zäsur: Das Osmanische Reich war im 19. Jahrhundert in seinem Inneren und nach Außen immer schwächer geworden. 1908 wurde durch die sogenannte Jungtürkenrevolution, getragen vor allem von jungen Offizieren, die absolute Monarchie gestürzt und in eine konstitutionelle umgewandelt: Sultan Abdulhamid II. wurde entthront und durch seinen Bruder Mehmed V. ersetzt.

Relevant ist dies in unserem Kontext, weil viele jungtürkische Offiziere Freimaurer waren. Das Komitee von fünf Offizieren, das Abdulhamit mitteilte, dass er entthront worden war, bestand nur aus Freimaurern. Das hat die Ablehnung der politisch konservativen Kreise gegen die Freimaurerei natürlich verstärkt, und zwar im ganzen osmanischen Großreich: Der Sultan war ja auch der Kalif aller Muslime und der Hüter der heiligen Stätten in Mekka und Medina. Alles, was im Osmanischen Reich geschah, beeinflusste die arabische und islamische Welt insgesamt.

Ab 1919: Die Republik Türkei

Nach dem Ersten Weltkrieg, dem Zusammenbruch des Osmanischen Imperiums und der Installierung der laizistischen Republik unter Mustafa Kemal Atatürk gab es noch eine zeitlang Logen, doch 1935 wurden sie von Atatürk verboten.

In den Jahrzehnten nach dem Zweiten Weltkrieg, aus dem sich die Türkei anders als im Ersten Weltkrieg herausgehalten hatte, entstanden wieder Logen: Die heutige 'Großloge der Türkei' gibt es seit 1956. Das Licht wurde von den Großlogen von New York und von Schottland eingebracht, und seit 1970 ist die Großloge von der UGLE anerkannt. Um das Jahr 2000 gehörten zu ihr 180 Logen mit ungefähr 12.000 Mitgliedern.

Auch jetzt im Jahr 2018 gibt es die Großloge der Türkei. Sie agiert nicht politisch und scheint vom System Erdogan in Ruhe gelassen zu werden. Diesen Eindruck gewinnt man jedenfalls im Gespräch mit türkischen Freimaurern. Die Türkei ist damit eines der wenigen islamischen Länder, in dem das einigermaßen klaglos funktioniert.

Videos

  • In der islamistischen Propaganda werden Freimaurer und Zionisten als die Drahtzieher einer weltweiten Verschwörung bezeichnet. Antisemitismusbeauftragter Dr. Michael Blume erklärt die Hintergründe dieser Bewegungen und warum dies nur ein Mythos ist.

Siehe auch

Türkei

Iran

Libanon

Marokko

Pakistan

Indonesien

Ägypten

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