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Emanationssystem

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Inhaltsverzeichnis

Das Emanationskonzept

Quelle: Wikipedia http://de.wikipedia.org/wiki/Emanation_%28Philosophie%29


Das Ausfließen der Vielheit

Zur näheren Charakterisierung des Kausalzusammenhangs zwischen verursachender Einheit und verursachter Vielheit dient der Begriff Emanation. Das Differenzierte ist nur die Ausfaltung von etwas, was im Undifferenzierten auf gleichsam eingefaltete Weise vollständig enthalten ist. Wenn diese Ausfaltung als zeitlicher Vorgang aufgefasst oder zumindest wie ein solcher beschrieben wird, kann man von einem Hervorgehen oder metaphorisch von einem Ausfließen („Emanieren“) sprechen. Durch dieses „Ausfließen“ tritt eine Vielzahl von Eigenschaften zutage, die im Bereich der Vielheit wahrnehmbar sind. So betrachtet erscheint der Bereich der Vielheit als die Welt der Fülle. Da diese Fülle aber keinen anderen Ursprung hat als die Einheit, muss sie in dieser bereits ganz und gar vorhanden sein, wenn auch auf undifferenzierte, geeinte Weise. Somit erweist sich die Einheit als die eigentliche Fülle, während die einzelnen Dinge jeweils nur Teile oder Aspekte dieser Fülle besitzen können. Alles Hervorgegangene ist notwendigerweise geringer als seine Quelle. So gesehen ist jedes Hervorgehen von Besonderem aus Allgemeinem eine Erzeugung von relativ Minderwertigem, wenn man das Hervorgegangene mit der Quelle vergleicht.

Großen Wert legen die Vertreter von Emanationsmodellen auf die Feststellung, Emanation bedeute zwar, dass auf der jeweils untergeordneten Stufe etwas von der übergeordneten empfangen wird, doch trete dadurch keinesfalls eine Minderung der Quelle ein. Auf der höheren Stufe verändere sich bei der Emanation nichts. Der „Ausfluss“ sei nicht so zu verstehen, dass die höhere Stufe etwas nach unten abgibt, was ihr selbst dann infolgedessen fehlt. Insofern besteht keine Analogie zu einer ausfließenden Flüssigkeit, sondern nur zur Lichtausstrahlung (wenn man annimmt, dass eine Lichtquelle wie die Sonne bei ihrer Ausstrahlung keine Einbuße erleidet).

Die Erklärung des Übels

Wenn man die Existenz der Einzeldinge auf Emanation zurückführt und damit die Differenzierung und Vereinzelung als Verarmung deutet, ergibt sich daraus eine für emanatistische Systeme typische Erklärung für den Ursprung des Mangels (in stärker wertender Terminologie: des Übels oder des Bösen). Diese Systeme werten die Weltordnung positiv, sie erklären sie entweder in ihrer Gesamtheit oder zumindest hinsichtlich der ontologisch höheren Stufen für gut. Das ursprüngliche Eine gilt als vollkommen, als das schlechthin Gute (aus menschlicher Perspektive betrachtet; an sich ist es bestimmungslos). Da in den Emanationsmodellen alles letztlich aus dem Einen stammt, können die direkt oder indirekt aus ihm hervorgegangenen Dinge nur Eigenschaften aufweisen, die ihnen ebenfalls aus dieser Quelle zukommen und daher gut sind. Die Übel sind somit keine realen Eigenschaften der Dinge, sondern Mängel infolge der Abwesenheit bestimmter guter Eigenschaften. Beispielsweise sind ethisch verwerfliche Taten ein Ergebnis von Unwissenheit, und Unwissenheit ist ein Mangel an Wissen. Solche Mängel müssen sich zwangsläufig aus dem Verlauf des Emanationsprozesses ergeben, da dieser ein Verarmungsvorgang ist, der seinen Abschluss dort findet, wo der Abstand zum schlechthin Guten der größtmögliche ist. Dort ist das Übel zu verorten. Je näher etwas dem Einen ist, desto „besser“ ist es, das heißt dem schlechthin Guten ähnlicher.

Einen Sonderfall bilden die theistischen Systeme. Sie identifizieren die ursprüngliche Einheit, aus der alles hervorgegangen sei, mit einem absolut vollkommenen Gott, der die Welt willentlich geschaffen habe und lenke. Damit stehen sie vor dem Problem der Theodizee (Erklärung des Übels). Hier bietet die emanatistische Deutung des Übels Ansätze für Lösungsvorschläge; das Übel erscheint dabei als notwendige Folge eines Emanationsprozesses, der die Voraussetzung dafür bildet, dass Vielheit und damit auch der Mensch überhaupt existieren kann.

Emanation und Schöpfung

Das neuplatonische Emanationsmodell macht Aussagen über die ontologische Stufenordnung, nicht über einen konkreten Schöpfungs- oder Weltentstehungsvorgang in der Zeit. Die Neuplatoniker hielten die Emanation für überzeitlich oder – zeitlich ausgedrückt – für ein immerwährendes Geschehen. Zwar erzählt Platon in seinem Dialog Timaios einen Mythos, der die Weltschöpfung als abgeschlossenen Vorgang darstellt, doch waren die antiken Interpreten mehrheitlich der Auffassung, er habe dies nur aus didaktischen Erwägungen zum Zweck der Veranschaulichung getan und in Wirklichkeit die Welt für ewig gehalten. Dieses Verständnis von Platons Lehre ist wahrscheinlich historisch korrekt.

Für emanatistisch denkende Philosophen, deren Religionen lehren, Gott habe die Welt in einem einmaligen Akt zu einer bestimmten Zeit erschaffen, stellte sich hier die Frage, inwieweit ihr Emanationskonzept mit ihrem religiösen Weltbild vereinbar ist. Dieses Problem haben sie unterschiedlich gelöst oder umgangen. Bei der Behandlung solcher heikler Fragen spielte auch der Umstand eine Rolle, dass emanatistische Lehren als Abweichung vom geoffenbarten Glauben und damit als strafbare Häresie gelten konnten.

Ein weiterer Aspekt des Spannungsverhältnisses zwischen Emanation und Schöpfung ist, dass das Verhältnis eines „aus dem Nichts“ oder „aus nichts“ erschaffenen Geschöpfs zu seinem Schöpfer von anderer Art zu sein scheint als das Verhältnis von etwas Hervorgegangenem zu der Instanz, aus der es hervorgegangen ist. In manchen Emanationsmodellen erscheint die Distanz zwischen dem Abgeleiteten und dessen Ursprung als vergleichsweise gering, denn das Hervorgegangene hat notwendigerweise am Wesen seiner Quelle „Anteil“ (Vorstellung der Teilhabe) und ist ihr als Abbild mehr oder weniger ähnlich. Das kann bedeuten, dass die menschliche Seele von sich aus befähigt ist, zur Sphäre der Gottheit aufzusteigen, da in ihr etwas Göttliches ist, das sie durch die Emanation empfangen hat. Auch die Vorstellung der Stufenordnung kann dazu beitragen, den Gegensatz zwischen Hervorbringer und Hervorgebrachtem zu verringern, da den Stufen eine Vermittlungsfunktion zwischen Einheit und Vielheit oder in theistischer Terminologie zwischen dem Schöpfer und seinen irdischen Geschöpfen zukommt. In Modellen einer Schöpfung aus nichts hingegen wird oft die Kluft zwischen dem Schöpfer einerseits und allem Geschaffenen andererseits betont.

Außerdem erscheint in Emanationsmodellen oft die Existenz der Welt als Notwendigkeit, da das Hervorbringende wegen seiner Überfülle von Natur aus „überfließend“ Dinge hervorbringt, während in theistischen Schöpfungsmodellen die Schöpfung als Ergebnis eines bestimmten göttlichen Willensakts dargestellt wird.

Hinzu kommt, dass in Emanationsmodellen oft eine Zweiwegkommunikation zwischen der (höchsten) Gottheit, der Emanationsquelle schlechthin, und einzelnen emanierten Wesen als unmöglich gilt. Man meint, dass es der höchstrangigen Instanz unwürdig wäre, sich mit Wesen zu befassen, die weniger vollkommen sind als sie selbst. Diese Vorstellung kollidiert mit geoffenbarten religiösen Lehren, die von einer Interaktion zwischen Gott und Mensch ausgehen.

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