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Gebrauchtum

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Inhaltsverzeichnis

Gebrauchtum, Ritual

Quelle: Internationales Freimaurer-Lexikon von Eugen Lennhoff und Oskar Posner (1932)


heißt die besondere Form der freimaurerischen Arbeit, die sich in ihren Entstehungsformen an alte Gebräuche der Steinmetzbruderschaften anlehnt. Das in den altenglischen Bauhütten übliche Ritual war wahrscheinlich von ganz einfacher Form: der Bürge führt den Lehrling ein, die Zeremonie beginnt mit einer Anrufung Gottes (Invokation), der Vorsitzende bringt die Zunftgeschichte zu Gehör, hierauf eine Ermahnung an die Anwesenden, die jetzt zur Verlesung gelangenden Satzungen treu zu halten; die Pflichten werden verlesen, der Neuling leistet auf sie das Gelöbnis, indem er die Bibel in die Hände nimmt, er erhält darauf Erkennungszeichen und die Symbole, zum Schluß erhält er die Bekleidung, oder er bekleidet die Loge, indem er Schurzfelle oder Handschuhe überreicht. Schlußgebet. Zumeist anschließend ein einfaches Mahl.

Da die Gebrauchtümer mündlich weitergegeben worden sind, fehlen Einzelheiten. Sie sind nur aus den Manuskripten zu erschließen. Ein besonderes Gebrauchtum wird auch beim Besuche von Brüdern aus fremden Bauhütten angewendet, wie es auch heute noch unter den Steinmetzen üblich ist. (Siehe hierzu: Eugen Weiß. Steinmetzart und Steinmetzgeist, Diederichs Verlag 1927: der Zuspruch.) Dieses ursprüngliche einfache Brauchtum ist später, besonders wahrscheinlich in den spekulativen Logen, weiter ausgebaut worden. Dr. Stukeley, der nach einer Eintragung in sein Tagebuch 1717 aufgenommen wurde, schreibt, daß man damals Mühe hatte, genug Personen zusammenzutreiben, um die Zeremonie durchführen zu können. Das spricht für eine bereits kompliziertere Form des Rituals. Die erste Verräterschrift, "A Mason's Examination", erschienen in der Flying Post 11.-13. April 1723, bringt wohl kein Ritual, aber in einem Katechismus doch schon verschiedene Anhaltspunkte, ebenso die "Masonry Dissected" von Samuel Prichard. Eine genaue Schilderung des Rituals gibt bereits 1742 der Abbé Perau in seiner Verräterschrift "Le secret des Francmaçons", in dem bereits wesentliche Abweichungen von der zu erschließenden Urform feststellbar sind.

Bei der Wanderung durch andere Länder hat das Ritual fremde Bestandteile angenommen. Inwieweit die Hiramlegende ursprünglich ist, bleibt dabei umstritten. Die sogenannten physischen Proben (s. d.) sind sicherlich kontinentalen Ursprunges. Das 18. Jahrhundert mit seinen zahllosen Systembildungen und Verirrungen hat dann eine Unzahl von Ritualen gezeitigt, die zum Teil wieder ganz verschwunden sind, teils aber ihre Reste bis auf den heutigen Tag in dem urspünglich klaren einheitlichen Ritualgang zurückgelassen haben. Um die Herstellung gereinigter Ritualverhältnisse haben sich in Deutschland besonders verdient gemacht: Schröder(s. d.), der im Verein mit J. G. Herder der Hamburger Großloge ein noch heute gültiges Ritual schenkte. Feßler (s. d.), [der in gleicher Weise in Berlin tätig war, späterhin 0. Marbach Bluntschli, Ficke u. a. m. ]

Das Ritual des A. u. A. Schottischen Ritus haben Albert Pike und (für Belgien) Goblet d'Alviella u. a. bearbeitet. Im allgemeinen geht der Zug aller modernen Ritualbearbeitungen dahin, bei möglichster Wahrung wahrer Traditionswerte die Form dem Inhalt des Gegenwarslebens anzupassen. In Deutschland sind in den altpreußischen Großlogen zum Teil sehr interessante Versuche gemacht worden, das Gebrauchtum auf nationale Grundlagen zu stellen. Die einzelnen Großlogen verhalten sich bezüglich eines Einheitsrituals verschieden. Am strengsten sind die angelsächsischen, die eine starre Form weiterpflanzen, deren Niederschrift offiziell verboten ist. Die Überlieferung erfolgt mündlich. In England sorgen eigene Unterrichtslogen (s. d.) für die mustergültige Vorführung des Rituals. Auch in den meisten anderen Großlogen herrscht Ritualzwang, d. h. alle Logen sind an das von der Großloge gewählte Ritual gebunden. Mancherorts gibt es freilich Ausnahmevorhältnisse: z. B. kann eine Loge aus historischen Gründen bei Übertritt in eine andere Großloge ihr altes Ritual beibehalten. Oder es wird auch volle Ritualfreiheit gewährt, wobei nur ein gewisser Grundbestand von Symbolen vorausgesetzt oder bestimmt wird, daß die ritualfreie Loge einmal jährlich das Großlogenritual vorführen muß,. Jedenfalls läßt sich das eine fesstellen, daß abgesehen von den unter "Einheitlichkeit der Freimaurerei" beschriebenen gemeinsamen Formen, auch bezüglich des Rituals eine sehr bunte Reihe im Gebrauchtum vermerkt werden muß.

Gebrauchtum ursprüngliche Formen

Quelle: Internationales Freimaurer-Lexikon von Eugen Lennhoff und Oskar Posner (1932)


Da Ritualbücher aus der ersten Zeit der Logenarbeiten nicht bestehen, ist die Sicherstellung der ersten Gebrauchtümer sehr erschwert. Herbert Poole (A.Q.C. XXXVII) hat den Versuch unternommen, das sogenannte Urritual zusammenzustellen. Als Quellen können hier dienen: die alten Manuskripte der Freimaurer und die gedruckten Verräterschriften. Als Bestandteile des Gebrauchtums ergeben sich hierbei:

in den Manuskripten:

  1. ein Gebet oder die Invokation (Anrufung Gottes) als Einleitung;
  2. die Verlesung der Geschichte
  3. die Angelobung auf das Heilige Buch der Schriften, die Bibel;
  4. die Verlesung der Charges, Verpflichtungen, und schließlich
  5. die durch eine Gelöbnisformel erfolgende Annahme dieser Verpflichtungen.

Weitere Einzelheiten finden sich in den sogenannten Verräterschriften. So in Grand Whimsey, einer Schrift, die kurz vor Prichards "Masonry Dissected" 1730 erschien. Dort heißt es:

"Zwei Aufseher führten mich vom Dunkel ins Licht, wobei ich zwei Reihen von Brüdern passierte, zum oberen Ends des Raums. Von dort fragte der Meister: Wen haben wir hier? Ein junger Bruder antwortet: Einen Gentleman, der Mitglied der Gesellschaft zu werden wünscht. Der Meister fragte mich, ob ich aus freiem Willen oder über Wunsch einer anderen Person käme. Ich sagte: aus eigenem Willen. Darauf sagte er, wenn ich Mitglied der Gesellschaft werden volle, müßte ich einen Eid ablegen. Ein Winkelmaß wurde auf den Boden gelegt, ich mußte mit bloßem Knie niederknien, ein Zirkel wurde mir in die rechte Hand gegeben, dessen Spitzen ich auf die linke Brust setzen mußte."

Im Katachismus heißt es dann: Ich legte den feierlichen Eid als Maurer ab, indem ich mit bloßem Knie zwischen Winkelmaß und Bibel niederkniete. Nach dem Chetwode Crawley MS. (Beginn des 18 Jahrhunderts) wird der eben Vereidigte mit dem jüngsten Bruder aus dem Zimmer geschickt und erhält von diesem jungen Bruder die genaue Unterweisung der Erkennungszeichen. In Kenntnis dieser kehrt er in die Loge zurück, gibt sich dort zu erkennen und spricht die Ritualworte: Hier stehe ich, der jüngste und letztzugelassene Lehrling, so wie ich geschworen habe bei Gott und St. Johann, bei Winkel und Zirkel und Maßstab, meines Meisters Dienst zu erfüllen, von Montag früh bis Samstag abend, und dies unter dem Schlüssel (Verschluß) zu halten unter nicht geringerer Strafe als daß--. Hierauf flüstern alle Anwesenden untereinander das Wort, bis es zum Meister kommt, der es dann dem Lehrling wiedergibt.

Unter den Symbolen, die in diesen alten Ritualen vorhanden sind, finden sich: die Ornamente, die beiden Säulen, der flammende Stern, Winkelmaß, Zirkel, Maßstab, das musivische Pflaster. Fenster u. v. a. Der Teppich beschränkt sich auf drei Linien, die mit Kreide auf dem Boden gezogen sind (Mason's Confession 1755). An ihnen lernt der Lehrling die Schritte. Die Zusammensetzung der regelmäßigen Loge wird verschieden angegeben

  • 7 Meister, 5 Lehrlinge (Chetwode Crawley)
  • 2 Lehrlinge, 2 Gesellen und 2 Meister (Sloane MS., 18. Jahrhundert),
  • drei von jedem Grade (Trinity College Dublin MS., 1711),
  • 1 Meister, 2 Aufseher, 4 Gesellen, 5 Lehrlinge mit Winkel, Zirkel und Maßstab ("Mason 8 Examination", 1723),
  • Gott und der Winkel, mit 5 oder 7 regelrechten Maurern ("Grand Mystery", 1724)
  • 5 Fellow Crafts und 7 Lehrlinge ("Mason's Confession", 1755).

Trotz der großen Verschiedenheiten die mangels einer ordnenden Zentralstelle sogar im gleichen Ort zu verzeichnen sind, geht aus diesen mangelhaften Überlieferungen doch das eine hervor, daß die alten englischen Logen bereits eine hochentwickelte Ritualhandlung kannten, aus der zahlreiche Bestandteile in die modernen Ritualbücher übergegangen sind. Wobei in Hinblick auf die bald darauf in Frankreich entstandenen Hochgrade darauf verwiesen werden muß, daß die gesamte Symbolik der alten Logen vollkommen in der alten Steinmetztradition verharrte.

Aus den sonstigen Gebrauchtümern und Gewohnheiten der alten Logen sei nach Arthur Heiron (A. Q. C. XXXVII) erwähnt:

Als Grundriß der Loge wurde damals das Dreieck angenommen.
Seine Ecken stellen dar den Meister vom Stuhl und die beiden Aufseher, die beide im Westen sitzen. In einzelnen Logen war der Altar in der Mitte der Loge üblich vor dem das Gelöbnis abgelegt wurde.
Die Symbolzeichnung wurde vom Tyler in Kohle und Kreide auf dem Boden angebracht, an deren Ecken die drei Lichter brannten.
Die beiden Säulen standen vor den Sitzen der Aufseher.
Zum Logenschmucke gehörten zwei Globen, Erde und Himmelsgewölbe. (Auch heute noch in einzelnen englischen Logen.)
Der Meister trug bei der Arbeit einen dreieckigen Hut, den er beim Gebet abnahm.
In einzelnen Logen stand vor dem Meister ein flammendes Schwert als Zeichen seiner absoluten Autorität während der Arbeit.
Nach der feierlichen Aufnahme wurden Tische in die Loge getragen und die Brüder nahmen an der Tafel Platz.
Beamte der Loge waren Meister vom Stuhl und Aufseher, der Schriftführer und Schatzmeister.
Der Tyler, Logenhüter, war eine der wichtigsten Persönlichkeiten der Loge. Er trug die Ladungen aus, machte die Bodenzeichnung und sorgte für die Tafel.
Nach dem Essen wurde die Bibel wieder aufgeschlagen, die Brüder blieben bei Wein und Tabak, und der Meister ließ die "Lecture" verlesen, stellte Fragen und katechisierte die Brüder.
Getrunken wurde mit "Three times Three" (Dreimal Drei) bei den gebrauchtümlichen Gesundheiten.
Nach der Arbeit und Aufhebung der Loge brachte der Tyler die Loge wieder in Ordnung, wobei er mit "Mop and Pail" (Wischlappen und Eimer) die Bodenzeichnung verlöschte.

Die Logendisziplin mußte durch strenge Hausgesetze aufrechterhalten werden. Der Alkoholismus der Zeit zwang zu besonderen Maßnahmen. So wird Brüdern, die "disguised in liquor" (in Trunkenheit) die Loge betreten, der Zutritt versagt. Unziemliche Reden, Flüche usw. standen unter Strafe, die in Geld erlegt wurde. Die strengste Strafe war die Ausschließung. Wiederholt müssen Missbräuche gerügt und abgestellt werden. So z. B. der Verkauf von Theaterkarten in der Loge u. a. m. Auf Wahrung der Form wurde besonders bei öffentlichen Aufzügen strenge gesehen. Ziemliche Kleidung wurde vorgeschrieben, einzelne Logen gingen so weit, eine Gleichtracht, Uniform, einzuführen. Unziemliche Kleidung war ein Grund, um den Logenbesuch zu verbieten.

War die Arbeit — was in den damaligen lebhaften Zeiten sicherlich nicht immer leicht war — ungestört vor sich gegangen, so schloß der Sekretär das Protokoll mit der befriedigenden Formel: "Closed in due Form, Harmony and Decorum." Es gibt aber auch Protokolle, in denen bedauernd festgestellt wird, daß die Versammlung nicht in wünschenswerter Harmonie verlaufen sei. Der Fehler des inneren Aufbaus dieser Arbeiten lag noch in der Vereinigung von eigentlicher Ritualarbeit und den Genüssen der Tafel. Erst als die vollständige Scheidung dieser beiden Bestandteile der alten Freimaurerarbeit vollzogen war, zog auch die eigentliche Weihe des Rituals in die Tempel ein, die Labour und Refreshment auch räumlich voneinander zu trennen wußte.

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