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Lehrlings-Katechismus der Adonhiramschen Frey-Mäurerey

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Lehrlings-Katechismus der Adonhiramschen Frey-Mäurerey

Aus der Fraktur in die lateinische Schrift transkribiert von Roland Müller.

Lehrlings-Katechismus der Adonhiramsche Frey-Mäurerey

Aus:
Archiv der Freymäurer-Loge zu Livorno,
so wie solches im Jahre 1800 auf Befehl des Grossherzogs von Toscana
gerichtlich in Beschlag genommen worden.

Aus handschriftlichen französischen und italiänischen Original-Papieren in Ordnung gebracht und verdeutscht.

Leipzig: bey Paul Gotthelf Kummer 1803.
Seiten 110-119


Frage: Was verstehen Sie unter dem Worte Maurerey?

Antwort: Ich verstehe darunter Studium der Wissenschaften und Ausübung der Tugenden.

Fr. Was ist ein Maurer?

Antw. Ein freyer Mann, der den Gesetzen des Landes, in dem er wohnt, getreu, und jedes tugendhaften Menschen Freund ist.

Fr. Woran soll ich erkennen, dass Sie maurer sind?

Antw. An meinen Zeichen, an meinen Griffen, und an der Rechenschaft, die ich von meiner Aufnahme geben kann.

Fr. Welches sind die Maurer-Zeichen?

Antw. Das Winkelmaaß, die Wasser Waage, und das Senkbley.

Fr. Welches sind die Merkmaale?

Antw. Gewisse regelmäßige Griffe, die sich Brüder unter einander geben.

Fr. Warum haben Sie Sich zum Maurer aufnehmen lassen?

Antw. Weil ich gern das Licht kennen lernen wollte.

Fr. Was, bedeutet dieses Licht?

Antw. Die Kenntniß aller Tugenden, und das Band derselben, ein Bild des Großen Baumeisters der Welten.

Fr. Wo sind Sie zum Maurer aufgenommen worden?

Antw. In einer vollkommenen Loge.

Fr. Was verstehen Sie unter einer vollkommenen Loge?

Antw. Ich verstehe das Wort so: drey machen eine einfache, fünf eine gerechte, und sieben eine vollkommene Loge.

Fr. In was für einen Zustand wurden Sie versetzet, da Sie aufgenommen seyn wollten?

Antw. Ich war weder nackend, noch angekleidet, jedoch auf anständige Art, und von allem Metall entblösst.

Fr. Warum versetzte man Sie in diesen Zustand?

Antw. Ich war weder nackend, noch angekleidet, damit ich erkennen lernen sollte, daß nichts so sehr zu verachten ist, als Ueppigkeit; und der Metalle entblösste man mich, weil sie die Triebfedern der Ueppigkeit sind, und wie das Bild der Laster angesehen werden.

Fr. Wie wurden Sie in die Loge gelassen?

Antw. Durch drey heftige Schläge, die auf den Spruch anspielen: suchet, so werdet ihr finden; klopfet an, so wird euch aufgethan; bittet, so wird euch gegeben.

Fr. Warum, hatte man Ihnen die Augen verbunden, ehe man Sie in die Loge ließ?

Antw. Um nur begreiflich zu machen, daß Unwissenheit der Glückseligkeit des Menschen Abbruch thut, in. wie fern sie ihm die die Kenntniß der Wissenschaften und der Tugenden entzieht, welche allein ihn in Stand setzen, die Vortrefflichkeit seines. Wesens, und seine Verhältnisse zu dem Großen Baumeister der Welten zu erkennen.

Fr. Was ließ man Sie denn thun, nachdem Sie in die Loge gekommen waren?

Antw. Man ließ mich drey mal vom Niedergange zum Aufgange durch Mitternacht, und vom Aufgange zum Niedergange durch Mittag reisen.

Fr. Zu was Ende ließ man Sie denn reisen?

Antw. Damit ich durch die Mühseligkeiten, die mir auf diesen Reisen begegnen mußten, zu der Erkenntniß kommen sollte, daß man nicht ohne grosse Schwierigkeiten zur Tugend gelangt.

Fr. Was suchten Sie denn auf Ihrem Wege?

Antw. Das Licht.

Fr. Und da Ihnen das Licht gegeben wurde, was bekamen Sie dann zu sehen?

Antw. Da machte mich der furchtbarste Anblick stutzig; denn alle Brüder waren mit Degen bewaffnet, und zielten mit der Spitze nach meinem herzen.

Fr. Wozu dieß?

Antw. Um mir zu bezeigen, daß sie immer bereit wären, mir das herz zu durchbohren, wenn ich fähig seyn sollte, meinen Eyd zu brechen, so wie sie dagegen nicht minder bereit wären, mir zu helfen, wenn ich in den Fall käme, Hülfe zu bedürfen.

Fr. Was ließ man Sie denn thun, nachdem Sie das Licht bekommen hatten?

Antw. Man ließ mich zu den Stufen des Thrones kommen; ich hatte den Schuh am linken Fuss an, wie einen Pantoffel; und mit dem entblößten rechten Knie lag ich auf dem Winkelmaaße; meine rechte hand lag auf den Statuten, indeß ich mit der linken einen, in Form eines Winkelmaaßes geöffneten Circel hielt, dessen Spitze meine linke Brust-Warze berührte; und so legte ich den Eyd ab, die Geheimnisse, die mir vertrauet werden würden, lebenslang unverrückt zu bewahren.

Fr. Zu was Ende versetzte man Sie aber in einen solchen Zustand?

Antw. Um mich zu belehren, daß ein Maurer demüthig, sein herz immer gerecht, und folglich immer offen seyn müsse.

Fr. Was gab man Ihnen denn, nachdem Sie den Eyd abgelegt hatten?

Antw. Ein Zeichen, einen Griff, und zwey Worte.

Fr. Geben Sie mir doch das Zeichen.

Antw. (Es wird gegeben.)

Fr. Wie nennen Sie denn das?

Antw. Guttural- oder Gurgel-Zeichen.

Fr. Was hat es denn zu bedeuten?

Antw. Daß ich mir lieber die Gurgel abschneiden lassen, als den profanen die Geheimnisse der Maurer offenbaren soll.

Fr. Geben Sie mir den Griff.

Dieser wird gegeben.

Fr. Geben Sie mir das geheiligte Wort.

Antw. Ich will es Ihnen geben, wie ich’s empfangen habe. Sagen Sie mir den ersten Buchstaben; so will ich Ihnen den zweyten sagen.

Fr. Was bedeutet dieses Wort?

Antw. Weisheit. Es ist der Name der Säule, die am Niedergangs-Thore des salomonischen Tempels an der Mitternacht-Seite stand, und bey der die Lehrlinge zusammenkamen, ihren Lohn zu empfangen.

Fr. Geben Sie mir das Paßir-Wort.

Antw. T.; der Name von Lameths Sohne, der unter den Menschen zuerst die Kunst erfand, die Metalle zu bearbeiten.

Fr. Gab man Ihnen sonst weiter nichts, da man Sie zum Maurer aufnahm?

Antw. Ja, einen Schurz und ein Paar Handschuhe.

Fr. Was deutet der Schurz an?

Antw. Die Arbeit, bey welcher der Mensch, und besonders der Maurer emsig sein soll. Die weiße Farbe des Leders deutet die Unsträflichkeit der Sitten der Maurer, und die Gleichheit an, die unter ihnen herrschen soll.

Fr. Was bedeuten die Handschuhe?

Antw. Die weiße Farbe der Handschuhe ist ein Bild von der Reinigkeit der Hände, welche sie tragen sollen; denn die Hände der Maurer sollen sich nie mit Unrecht besudeln.

Fr. Wie viel Lichter haben Sie in Ihrer Loge?

Antw. Drey, die in Gestalt eines Winkelmaaßes aufgestellt sind; das eine im Aufgange, das andre im Mittag, und das dritte im Niedergange.

Fr. Was bedeuten diese drey Lichter?

Antw. Die Sonne, die den Arbeits-Leuten den Tag über leuchtet; den Mond, der ihnen die Nacht über leuchtet; und den Meister, der ihnen zu allen Zeiten mit seinem Rath und Beyspiele vorleuchtet.

Fr. Wo hält sich der Meister in der Loge?

Antw. Im Aufgagen, wo er die Loge eröffnet, und die Arbeits-Leute zur Arbeit anweist; zur Nachahmung der Sonne, die im Aufgang ihren Lauf beginnt, während dessen sie die ganze natur belebt.

Fr. Wo halten sich die Aufseher in der Loge?

Antw. Im Niedergange, wo sie, zur Nachahmung der Sonne, die im Niedergang ihren Lauf endigt, die Loge schließen helfen, en Arbeits-Leuten ihren Lohn geben, und sie vergnügt entlassen.

Fr. Wo wurden Sie nach Ihrer Aufnahme hingestellt?

Antw. An die Mitternacht-Seite, als an den am wenigsten erleuchteten Theil des Tempels; welches eine Anspielung auf die geringe Einsicht eines Lehrling ist, der sich nicht im Stande befindet, ein helleres Licht zu ertragen.

Fr. Woran arbeiten die Lehrlinge?

Antw. An dem unbehauenen Steine.

Fr. Welches sind die Pflichten eines Maurers?

Antw. Sie bestehen darinnen, daß er aufs gewissenhafteste die Pflichten des Standes, worein ihn die Vorsehung gesetzt hat, erfüllt, alle Laster meidet, und alle Tugenden ausübt.

Siehe auch

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