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Oktober 1918: Ein internationaler Jubiläums-Großlogentag in Wien

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Inhaltsverzeichnis

Führende Freimaurer aus ganz Europa und darüber hinaus feierten am 6. Oktober 2018 mit den Österreichern 100 Jahre ‚Großloge von Österreich’

Ein Bericht von Rudi Rabe.

Was wurde gefeiert? - Ein kurzer Blick in die Geschichte

Nur wenige Wochen nach Ende des Ersten Weltkriegs, dem Zusammenbruch des Habsburgerimperiums und der Gründung der Republik Österreich trafen sich am 8. Dezember 1918 österreichische Freimaurer zur Gründung der österreichischen Großloge. Logen waren bisher in der österreichischen Reichshälfte der Doppelmonarchie mehr als hundert Jahre lang verboten, hingegen im ungarischen Teil seit 1867 erlaubt gewesen. Was dazu geführt hatte, dass Österreicher im nahen Ungarn gleich über der Binnengrenze sogenannte Grenzlogen gründeten. Im Laufe der fünf Jahrzehnte seit 1867 wurden es 14. Diese übersiedelten nun im Dezember 1918 nach dem Zusammenbruch der Monarchie in das jetzt republikanische Wien und formten hier die Großloge von Wien, die später in Großloge von Österreich umbenannt wurde.

Ihren hundertsten Geburtstag feierte die ‚Großloge von Österreich’ im Herbst 2018 dreifach:

  • nach innen mit einer großen rituellen Geburtstagsfeier am 7. und 8. Dezember
  • nach außen mit der Ausstellung 100 Jahre Freimaurerei in Österreich im Freimaurer-Museum Schloss Rosenau
  • und masonisch-international mit einem Großlogentag am 5. und 6. Oktober.

Rekordverdächtig:
36 Großlogen folgten der Einladung zum Jubiläums-Großlogentag nach Wien

Es waren dies die folgenden Großlogen (gereiht nach Gründungsdatum):
England (1717) - Schweden (1735) - Deutschland ('Großloge Zu den 3 Weltkugeln': 1740) - Dänemark (1749) - Niederlande (1756) - New York (1781) - Luxemburg (1803) - Griechenland (1811) - Washington DC (1811) - Schweiz ('Großloge Alpina': 1844) - Rumänien (1880) - Ungarn (1889) - Norwegen (1891) - Türkei (1909) - Frankreich ('Grande Loge National Française': 1913) - Serbien (1919) - Tschechien (1923) - Finnland (1924) - Island (1951) - Belgien (1979) - Spanien (1982) - Elfenbeinküste (1989) - Polen (1991) - Portugal (1991) - Bulgarien (1992) - Togo (1992) - Russland (1995) - Kroatien (1997) - Estland (1999) - Moldawien (1999) - Slowenien (1999) - Malta (2004) - Bosnien Herzegowina (2005) - Zypern (2006) - Montenegro (2007) - Slowakei (2009). - Alle diese Großlogen gehören zur englisch orientierten Familie der regulären Großlogen; darauf bezieht sich die Mehrheit der Weltfreimaurerei.

Details: 41 führende Freimaurer von 32 europäischen Großlogen - ebenso zwei Amerikaner und drei Afrikaner - zusammen 46 Personen aus 36 ausländischen Großlogen. Von diesen bekleideten 24 den Rang eines Großmeisters; andere waren stellvertretende Großmeister oder Past Großmeister oder Großsekretäre.


Einer der Höhepunkte war natürlich eine gemeinschaftliche rituelle Festarbeit aller Gäste im Großen Tempel der österreichischen Großloge, der sich im Dachgeschoß des historischen Logengebäudes in der Wiener Rauhensteingasse befindet - drei Gehminuten vom altehrwürdigen Stephansdom entfernt.
Geleitet wurde die Festarbeit vom Großmeister der ‚Großloge von Österreich‘: Georg Semler - auf dem Foto stehend in der Mitte - mit dem Hammer in der Hand; daher heißt der Leiter einer freimaurerischen Arbeit in der masonischen Fachsprache „der Hammerführende“. - Seine (englische) Einleitungsrede im Wortlaut: siehe unten Rede Nr. 1.
Die Festrede hielt Jost Strnat, einer der stellvertretenden Großmeister der ‚Großloge von Österreich‘. Er gab ihr den Titel: „Österreichs Großlogen - Vor, zwischen und nach den Abgründen der Finsternis“. Darin behandelte er nicht nur die hundertjährige Geschichte der heutigen Großloge, sondern auch die Zeit davor. Genau genommen wurde diese Großloge nämlich schon 1774 gegründet. Da Freimaurerlogen im österreichischen Habsburgerreich jedoch ab der Metternich-Zeit und dann weiter bis 1918 verboten waren, hat die heutige Großloge zwar eine sehr kurze, damals unter Joseph II aber erfolgreiche Vorgeschichte. - Die Rede im Wortlaut: siehe unten Nr. 2 - wie alle Reden wurde auch diese auf Englisch gehalten, wir geben hier jedoch die deutsche Übersetzung wieder.
Den Dank im Namen aller 46 ausländischen Gäste entbot schließlich Peter Geoffrey Lowndes, Pro Grandmaster der ‚Vereinigten Großloge von England’ (UGLE). Praktisch ist er dort der amtsführende Großmeister, weil in der UGLE der nominelle Großmeister traditionell aus dem Hochadel kommt: Derzeit ist das Edward, Herzog von Kent, Jahrgang 1935, Cousin von Königin Elisabeth II. - Die Großlogen der einzelnen Länder sind zwar völlig autonom; keine steht über der anderen. Dennoch gilt die englische Großloge, die 1717 gegründet wurde und damit die älteste der Welt ist, als beispielgebend: nicht in den vielen Details des freimaurerischen Alltags, sondern wie sie ihre freimaurerischen Grundsätzen versteht und lebt. Daran orientieren sich alle sogenannten regulären Großlogen. Die Rede von Peter Lowndes im (englischen) Wortlaut: siehe unten Nr. 3.

Die drei Reden

➤ (𝟏) Einleitende Worte von Großmeister Georg Semler

Most worshipful Grandmasters, right worshipful and distinguished Brethren,

I am pleased and delighted to welcome all of you here on behalf of the Grand Lodge of Austria. We feel honored and privileged by your presence. It touches me a lot. I am deeply grateful for you joining to celebrate our centenary with us.

Being one of the oldest Grandlodges in the heart of Europe we always regarded it as our duty and noble task to build bridges within the masonic movements and connect masons, not only nationally but also internationally. When I look around, I would say we did it again.

The history of the Austrian Grand Lodge is full of turbulences in the course of the centuries, we will hear about it today.

The Austrian Freemasonry goes back two hundred and fifty years. In 1918 the Austro Hungarian Empire seized to exist. This meant that there was no need to go underground anymore. Until the end of the monarchy it was forbidden to work ritually. Now Freemasonry could function almost unimpeded during the past century. That’s the reason why we celebrate today. (I don´t think it is necessary to dwell upon the terrible Nazi interlude at this point. We all suffered at the time.)

During the past one hundred years we succeeded to establish a solid and stable building of Austrian Freemasonry. The bases are the basic principles of Freemasonry, brotherly love, mutual togetherness and regular working. Holding on to and preserving the principles and practices of our craft are obligatory. The tenets of Freemasonry are indispensable for us.

I would like to recall the help of our British brethren after the second world war. The recognition by the UGLE helped us a lot to recover and build up a new strong and lasting brotherhood in Austria. We are grateful for that.

The fall of the Iron Curtain brought new commitments and obligations to this field of force. The Grandlodges of Eastern Europe needed help and assistance. And we were happy to support them. The Grand Lodge of Austria was at the forefront in supplying help where needed. As I mentioned above it is a noble task to maintain and care for brotherhood and brotherly love.

The European masonic heartbeat still results from the good relationships between the Home-Grandlodges, the Scandinavian and the continental Grandlodges. It is a very strong field of force, so to say, and we, the Austrians are very happy to be part of it.

Friends are indispensable as well. And we had and have friends. Today I see many here. I repeat myself, I am very thankful for your presence. Without the support of friendly Grandlodges it won’t have been easy to build up our temple as a lasting home for the craft.

In this sense I wish you all well and please enjoy our today´s meeting.

➤ (𝟐) Festrede des stellvertretenden österreichischen Großmeisters Jost Strnat:
"Österreichs Großlogen - Vor, zwischen und nach den Abgründen der Finsternis"

Die Rede wurde Englisch gehalten, hier die deutsche Übersetzung:

Das Jahr 2018 steht unter dem Motto: „1918: 100 Jahre Gründung der Großloge von Wien“ - und widmet sich einem Zeitraum, der von vielen Historikern der freimaurerischen Geschichte Österreichs, als einer der Wichtigsten und vor allem prägendsten - auch für die Gegenwart unserer Bruderschaft angesehen wird, in dem Vieles, was die heutige Identität und Denkungsart der österreichischen Kette „ausmacht“, seinen Ursprung und seine Wurzeln hat. Und das im Kontext mit Allem, was vor 1918 und nach 1938, mit uns und durch uns geschah, ein eindrucksvolles Gesamtbild freimaurerischen Lebens in Österreich entstehen lässt, das sich auch im Titel der derzeitigen Ausstellung im Freimaurer-Museum Schloss Rosenau wiederfindet - der in drei Worten eigentlich „alles sagt“: Freimaurerei in Österreich - das ist Hoffnung - Vernichtung - und Neubeginn … im ewigen Kreislauf des Lebens.

Freimaurerei in Österreich beginnt bereits wesentlich früher als 1918 - mit Bruder Franz Stephan von Lothringen, dem späteren Kaiser Franz I, Gemahl von Kaiserin Maria Theresia - unter deren Beratern, wie: Staatskanzler Kaunitz, Gerard van Swieten, oder Joseph von Sonnenfels, etc, viele Brüder Freimaurer zu finden waren, die wichtige Errungenschaften, wie die allgemeine Schulpflicht, die Gründung einer Nationalbibliothek oder Gesundheitsversorgung für das einfache Volk durchsetzten.

Die Erste Großloge entstand bereits 1776. Genannt: „Große Landesloge von Österreich“ - war sie allerdings noch eine Provinzialloge der „Großen Landesloge von Berlin“, das heisst - Preussens und seines Königs Friedrich des Großen, der Freimaurer, aber auch ein langjähriger „Erbfeind“ Österreichs und Kaiserin Maria Theresias war.

Der „Reform-Kaiser“ Joseph der Zweite - Sohn und Thronfolger Maria Theresias und Franz des Ersten, der - in vieler Weise den Gedanken der Aufklärung verbunden war und mit seinen „Toleranzpatenten“ erstmals in der österreichischen Geschichte, neben dem damals übermächtigen Staats-Katholizismus, auch anderen Konfessionen „Glaubensfreiheit“ gewährte, die Folter abschaffte und - obwohl selbst kein „Bruder“, der Freimaurerei wohlwollend gegenüber stand - untersagte bzw. verbot im Jahr 1781, diese „Provinzial- Loge“ unter der Oberhoheit Preussens und verlangte die Gründung einer rein Österreichischen Großloge, die keine Anordnungen ausländischer „Oberer“ - im Falle Preussens immer wieder auch feindlich gesinnter Mächte - entgegen nehmen und befolgen durfte.

Diese Erste tatsächlich Österreichische Großloge wurde im Jahr 1784 gegründet, ihr Großmeister, 1784 bis 1794, war Johann Babtist Graf Karl von Dietrichstein-Proskau,

Die nur 10 Jahre ihres Bestehens, sind als der Erste „kurze Traum“ der österreichischen Freimaurerei zu bezeichnen. Denn bereits 1790 - nach dem Tod Josephs des Zweiten, und der Thronbesteigung seines Bruders und Kurzzeit-Kaisers Leopold II und kurz danach dessen Sohnes Kaiser Franz II (nach dem Verlust des Heiligen Römischen Reiches durch Napoleon: Kaiser Franz der Erste) - wurde der „aufgeklärte Absolutismus“ und alle zu liberal erscheinenden Reformen Josephs, beendet und die uneinschränkte Allmacht der Krone und der Katholischen Kirche wieder hergestellt. In der Folge wurde unter der Regie von Staatskanzler Fürst Metternich, ein rigides Überwachungs- und Bespitzelungs-System geschaffen, in dem Alle, im Sinne der Habsburger-Monarchie, staatsgefährdende, oder „revolutionärer Untriebe“ verdächtigte Bürger und Vereinigungen überwacht, verfolgt und von strenger Bestrafung und Folter bedroht.

So musste auch die „Große Landesloge von Österreich“, im Jahr 1795 ihre Arbeit einstellen und blieb bis 1918, dem Ende des Ersten Weltktriegs und der Habsburger-Monarchie - also 123 Jahre lang - offiziell verboten.

Einzig und allein der 1867 mühsam errungene „Ausgleich“, der dem ungarischen Teil der K&K Doppelmonarchie Österreich-Ungarn ein liberaleres Versammlungs- und Vereinsrecht gewährte, ermöglichte es den im österreichischen Teil der Monarchie nach wie vor verbotenen Wiener Logen in den grenznahen Städten des benachbarten Ungarns freimaurerisch-rituell zu arbeiten.

Die knapp 60 Jahre dieser “Grenzlogenzeit“ sind auch als die Gründerzeit der Zweiten Österreichischen Großloge - der am 8. Dezember 1918 gegründeten „Großloge von Wien“ - zu bezeichnen:

Auch während des Ungarischen Exils blieben viele der Wiener „Grenzlogen“ im österreichischen Teil der K&K Doppelmonarchie höchst aktiv - und den Menschen, die unter den schrecklichen Bedingungen des Ersten Weltkrieges und des Zusammenbruches der Monarchie zu leiden hatten hilfreich verbunden. Das Erwachen des sozialen Gewissens und zum Teil auch der staatlichen bzw. kommunalen Sozialpolitik ist untrennbar mit der Freimaurerei der Ersten Republik verbunden.

Die Logen „tarnten“ sich mit scheinbar profanen, vorsichtig „nicht politisch“ genannten „Wohltätigkeits-Vereinen,“ die sich der Bekämpfung der Not und des Elends der von Inflation und Arbeitslosigkeit ausgehungerten und verelendeten Zivilbevölkerung widmeten - während sich Brüder Sozialpolitiker wie Ferdinand Hanusch oder Julius Tandler der allgegenwärtigen Not und Armut der von Krieg, Wohnungs- und Hungersnöten demoralisierten Zivilbevölkerung annahmen. Auch Friedens-Nobelpreisträger Bruder Alfred Hermann Fried, der schon vor und noch im Ersten Weltkrieg für Pazifismus und aktive Friedenspolitik arbeitete - oder Richard Coudenhove Kalergi, der mit seiner Vision einer PanEuropa-Bewegung den Grundstein für das später Wirklichkeit gewordene Friedensprojekt Europäische Union legte, sind „Fackelträger“ freimaurerischer Werte in dieser „End-Zeit“ der Menschlichkeit, die von Kriegshetze, Faschismus und Nationalismus geprägt dem Untergang entgegen steuert.

Das Thema: 100 Jahre Gründung der „Großloge von Wien“ und die Jahre 1918 - 2018 behandelt einem Zeitraum, der durch seinen unmittelbaren Bezug zur Gegenwart auch erkennen lässt, welche Konsequenzen es haben kann und haben muss, Freimaurer zu sein - und hat ein hohes Maß an Relevanz für unsere heutige Arbeit am „rauen Stein unserer Selbst“ - und „draussen“ in der Welt, in der wir leben.

Mit der Niederlage der Deutsch-Österreichischen Kriegsallianz im Ersten Weltkrieg, dem Verlust wichtiger Kronländer, dem darauf folgenden Zusammenbruch der K&K-Monarchie, dem „Zusammenschrumpfen“ Österreichs auf einem Kleinstaat, und der Ausrufung der Ersten Republik am 12. November 1918 beginnt mitten im Chaos und dem Massenelend der Nach- und Zwischenkriegsjahre eine für die Zukunft entscheidende und prägende Zeit der Österreichischen Freimaurerei.

Bereits am 5.November 1918 hatte eine Versammlung der „Grenzlogen“ über die Gründung einer „Großloge von Deutsch-Österreich“ diskutiert, was im Sinne des damaligen Selbstverständnisses als „deutschsprachiges Rest-Österreich“ zu verstehen ist - aber von den Siegermächten des Ersten Weltkrieges, die jeden auch nur sprachlichen Wieder-Zusammenschluss mit Deutschland untersagten, verboten wurde.

Darauf hin wurde am 8. Dezember 1918 von der „provisiorischen Großversammlung“ von 14 Logen unter der Hammerführung des Meisters vom Stuhl der (Grenz)-Loge Humanitas, Bruder Adolf Kapralik, der Name „Großloge von Wien“ beschlossen.

Am 31. Mai 1919 wird Dr. Richard Schlesinger zum Ersten Großmeister der Großloge von Wien gewählt und bleibt es bis in das Schicksalsjahr 1938 - dem Ende der Ersten Republik und Österreichs als eigenständiger Staat - also bis zur Vernichtung der österreichischen Freimaurerei und seinem tragischen Tod im Juni 1938.

In verschiedenen Briefen hatte Schlesinger „Hilferufe“ an befreundete ausländische Großlogen gesandt. Darin beklagte er die katastrophale Not der Zivilbevölkerung, und er warnte eindringlich vor der immer stärker und aggressiver werdenden Bedrohung Österreichs durch den deutschnationalen Faschismus warnt. Trotz guter Beziehungen, gegenseitiger Besuche (zB. des Prince of Wales, des späteren englischen Königs Edward VIII) und vieler Kontakte zur UGLE führten die Befürchtungen der Großloge von Wien bezüglich der immer stärker werdenden Bedrohung durch den Hitler-Faschismus auf Grund der damals noch eher „abwartenden“ Haltung der Siegermächte des Ersten Wektkriegs aber zu keinem konkreten Ergebnis.

Europa und Großbritannien, mit Premierminister Chamberlain sahen der schleichenden Machtübernahme durch den Faschismus in Deutschland, Italien und Österreich so lange tatenlos zu, bis die Machtübernahme durch die Nazis in Österreich und der Tschechoslowakei neue und irreversible Realitäten geschaffen hatte, denen bald darauf der Überfall Deutschlands auf Polen und damit der Beginn des Zweiten Weltkriegs folgte. Erst Bruder Freimaurer Winston Churchill erkannte das Ausmaß der Gefahr, die von den Nationalsozialisten Großdeutschlands und von den rassistischen Allmachts-Fantasien des Österreichers Hitler und seiner Gefolgsleute ausging.

Mit dem Nazi-Mord am österr. Bundeskanzler Dollfuß, den vergeblichen Versuchen seines Nachfolgers Schuschnigg, die drohende Okkupation durch Großdeutschland mit einem missglückten Volksentscheid „pro Österreich“ aufzuhalten, und einer von der Nazi-Propaganda „bombastisch“ inszenierten Volksabstimmung für den Anschluss war das Schicksal Österreichs und damit auch der österreichischen Freimaurerei besiegelt.

Die „Nation“, die Identität „Österreichs“ als Vielvölker-Reich in Mitteleuropa, war endgültig „zerschlagen“ - von einem selbst verschuldeten Krieg und einer unheiligen Allianz mit Deutschland zertrümmert, vom Bürgerkrieg 1934 innerlich zerrissen, und von einer Bevölkerung - die mehrheitlich nicht mehr an die Zukunft dieses Landes glaubte, verlassen und sich Hitler zujubelnd auf den Weg ins Verderben machte.

Sofort nach dem Anschluss am 12.März 1938 setzte das Massenmorden des Nazi-Faschismus, die Enteignung, Verschleppung, Deportation und Ermordung der jüdischen Bevölkerung Österreichs, und aller Regimegegner ein, zu denen auch die Freimaurer gehörten. Das Logenhaus der Großloge von Wien wurde gestürmt und verwüstet, Ritualgegenstände und die Archive der Großloge wurden zerstört, geplündert und als „Exponate“ eines geplanten „Anti-Freimaurer Museums“ nach Berlin gebracht.

Großmeister Richard Schlesinger stirbt - bereits schwer krank, und vom Nazi-Hetzblatt „Der Stürmer“ noch als „Halbjude und Großmeister der „angeblich “christlichen“ Freimaurer“ verhöhnt - am 5. Juni 1938, nach schweren Misshandlungen in den Verhören durch die Gestapo als Gefangener der SS in Wien.

Viele Brüder, vor allem öffentlich bekannte oder denunzierte freimaurerische Großbeamte, Stuhlmeister der Logen und Sekretäre wurden verhört, verschleppt, über hundert von ihnen in Konzentrations- lagern ermordet. Viele Brüder begingen Selbstmord, 561 von ihnen gelang die Flucht ins Ausland, viele „tauchten unter“ und gingen in die „innere Emigration“. Während sich Andere - und auch das darf man nicht verschweigen - den neuen Machthabern opportunistisch anbiederten und ihre einstigen Ideale verrieten.

1918 war ein mutiger und hoffnungsvoller Neuanfang, nach mehr als 120 Jahren der Verbote, der Unterdrückung und Repression - und der Beginn des eigenständigen Weges der österreichischen Freimaurerei. Doch das endete nach nur 20 Jahren mit einem „Triumph“ der Menschenverachtung“ im „Armageddon“ des Holocaust und einem Vernichtungskrieges bis dahin unvorstellbaren Ausmaßes - gegen die Humanität, Toleranz und Menschenliebe.

Kurz nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs erhob sich die Österreichische Freimaurerei - genauer gesagt, nur 67 Brüder, die überlebt hatten - wie „Phönix aus der Asche“ des Weltenbrandes. Sie begannen mit dem von den Besatzungsmächten genehmigten Namen „Großloge von Wien - für Österreich“ - später und bis heute „Großloge von Österreich“ - und dem ersten Großmeister der nun „Dritten Großloge Österreichs“, Karl Doppler, den vernichteten „Tempel der allgemeinen Menschenliebe“, die Bruderschaft, und unser zerstörtes Logenhaus wieder aufzubauen.

Nach nur zwei Jahren starb Karl Doppler. Sein Nachfolger als Großmeister wurde Bernhard Scheichelbauer, der in seiner Amtszeit 1948 bis 1960 im Jahr 1952 die volle Anerkennung der Regularität der Großloge von Österreich - auf Basis der Basic principles - durch die Großloge von England erreichte.

Zuletzt und im Wissen um die Lebenszyklen der Freimaurerei und ihrer Großlogen in Österreich, ist es an der Zeit - uns zu fragen, was wir aus dieser, unserer Geschichte lernen können:

Glaube, Liebe und Hoffnung - zu unseren Idealen und Prinzipien ist ebenso unerlässlich wie die Bereitschaft, „achtsam und wachsam“ zu sein. Zu erkennen, wo unter der „dünnen Decke“ von Demokratie, Menschenrechten und Gerechtigkeit der kriegslüsterne Faschismus, die menschenverachtende Gier und die kaltherzige Gleichgültigkeit am Schicksal des Mitmenschen wieder hervor gekrochen kommt.

Oder zu glauben es wäre vernünftig, „dem kleineren Übel die Tür zu öffnen“- und nicht zu erkennen, dass „hinter jedem Kleineren Übel - immer - ein Größeres in’s Haus geschlichen kommt“.

Wichtig ist aber auch, dass wir denen, die Freimaurerei und ihre Ideale heute als „obsolet“ bezeichnen, „weil doch ohnehin alles längst erreicht zu sein scheint“, klar und deutlich sagen: Brüder, nichts ist erreicht und als „erledigt“, oder als „geschafft“ abzuhaken. Denn es ist noch nicht vorbei. Und wie uns die Geschichte lehrt: Es ist nie vorbei.

Unsere Aufgabe - für Enlightement, für Menschenwürde und Menschrechte zu arbeiten, und wenn es sein muss, auch dafür zu kämpfen, beginnt mit jeder Kursänderung, mit jedem Wertewandel und jeder Kehrtwendung des Zeitgeistes, immer wieder - immer wieder Anders - und immer wieder Neu.

Wir sollten - nein - als Brüder Freimaurer - müssen wir - „the winds of change“, und die „Zeichen an der Wand“, die einen Wertewandel und die Wiederkehr der Menschenverachtung und der Intoleranz ankündigen, bewußt wahrnehmen, rechtzeitig erkennen und verstehen - wenn wir in unserem Gelöbnis versprechen : „... Menschlichkeit und Brüderlichkeit wie hier durch das Wort – im Leben durch die Tat walten zu lassen“

Denn allen Worten folgen Taten. Den Guten genau so wie den Bösen. Und in Zeiten in denen sich - wie schon so oft in unserer Geschichte „Traum und Wirklichkeit“ - Idealismus, Absolutismus und Faschismus - als Antipoden gegenüber standen, war es offensichtlich, dass unsere Lehre auch ganz reale Konsequenzen zu ziehen und auch zu erdulden hatte. Konsequenzen, die sie oft an den Rand des Abgrundes - aber das Licht der Freimaurerei nie zum Verlöschen - gebracht haben.

Und so wie wir - Jeder von uns - Meister Hiram Abif ist, muss auch Jeder von uns Brüdern - Großmeister Richard Schlesinger sein: Ermordet, tot, aber am Leben - und ein Symbol der Unsterblichkeit unserer Idee, unserer Philosophie und unserer Lebensaufgabe: Freimaurerei, die mit dem Großen Licht an uns weitergegeben in Jedem von uns lebt - stirbt - und weiterlebt.

Danke für Eure Aufmerksamkeit.

➤ (𝟑) Stellvertretend für alle Gäste die Dankesworte von Pro Grandmaster Peter Lowndes

Most worshipful Grand Master and Brethren I am delighted to be with you on this special occasion and to bring you the congratulations and best wishes of my Grand Master, His Royal Highness The Duke of Kent, and all the members of the United Grandlodge of England. You have asked me to speak on behalf of all your foreign visitors and I am delighted and honored to do so.

As you most worshipful Grandmaster said in your address although you are today celebrating the centenary of the re-establishment of your Grand Lodge in 1918 the history of Freemasonry in Austria goes back to the 18th century. One of my colleagues in London has very happy memories of visits to Vienna in 1992 to assist in designing the stunning exhibition at the Vienna City Historical Museum to celebrate the 250th anniversary of the first lodge in Vienna.

In England we celebrated our three hundredth anniversary last year. One of the things which struck me was how relatively peaceful our Masonic existence had been over that long period, unlike so many of our neighbors in mainland Europe who regularly had to go underground because of political interference as we heard in that excellent talk earlier. I think it says a great deal about the basic principles and tenets of Freemasonry that Brethren have put themselves in mortal danger in times of persecution rather than see the Craft that they love be destroyed. That is something we should never forget.

Since the resumption of your Grand Lodge's work after the Second World War Relations between our two Grand Lodges have been close and amicable. We share the same desire to preserve the basic principles and tenets of Freemasonry and to protect the ancient charges and practices of regular Freemasonry. We worked closely together after the fall of the Iron Curtain in 1989 to ensure that the Freemasonry which was emerging in Eastern Europe was regular in its principles and practices. In that context I would like to pay tribute to your then Grand Secretary, Brother Dieter Scheitz, whose knowledge of what was happening and whose sound advice was greatly appreciated.

An anniversary is a time for celebration and looking back over the past but it should also be a time for looking forward and planning for future generations to continue to enjoy and practice their Freemasonry.

As you have rightly said, most worhipful Grand Master, we live in a fast changing world in which the old certainties are being challenged and, to my mind, public and private morality are at low ebb; a world in which the individual is paramount and sense of community and fraternity are not prized. We have often been asked in recent years if Freemasonry has any relevance to modern life. We believe that with its emphasis on morality, fraternity, tolerance and caring for others it is probably more relevant today than at any other time in its history.

Over its more than three hundred years of existence Freemasonry has adapted and changed itself to the times in which it is currently existing. Those adaptations and changes, however, have been to its outward forms and not to its basic principles and tenets. We should not be afraid of change when it comes from within and is carefully managed, our future depends upon it. I firmly believe that if we maintain that balance between preserving our basic principles and being willing to adapt then Freemasonry will survive and individual Brethren putting into practice in their lives the principles and tenets we learn in our Lodges will be a force for good in the modern world.

Most worshipful Grand Master and Brethren thank you for inviting us to your celebrations and for your hospitality in this beautiful city of Vienna. May the Grand Lodge of Austria and its members continue to prosper and remain an important link in the worldwide chain of regular Freemasonry.

☾ ☀︎


Natürlich darf bei so einem Treffen auch ein gesellschaftliches Rahmenprogramm nicht fehlen - so wie hier am Vorabend der Besuch eines Wiener "Heurigen-Lokals" hoch über Grinzing mit der nächtlichen Wiener Skyline zu Füßen.


GLvÖ-Festarbeit-Okt18-5.jpg

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