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Protokolle der Weisen von Zion

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Das Deckblatt einer 1934 erschienenen amerikanischen Ausgabe der Protokolle durch die Patriotic Publishing Co. in Chicago. Es unterstellt, der Besitz dieser Dokumente könne in Sowjetrussland mit sofortigem Tod bestraft werden.
Sergei Nilus, Близ грядущий антихрист (Blis grjaduschtschi antichrist, „Der herannahende Antichrist ist nah“). Titelillustration der Ausgabe aus dem Jahr 1911, die den Text der Protokolle der Weisen von Zion enthält. Die einzelnen Abbildungen stammen aus Dogme et rituel de la haute magie des französischen Okkultisten Éliphas Lévi: In der Mitte der Antichrist als Wiedergabe der Tarot-Karte „Der Wagen“ zwischen einem mit kabbalistischen Zeichen geschmückten Pentagramm und einem Davidstern, die beide als печать антихриста (dt.: „Siegel des Antichrist“) gekennzeichnet sind. Über diesen dämonischen Zeichen triumphierend das russische Kreuz mit der Parole Сим победиши (dt.: Darin wirst du siegen), das Motto der Schwarzen Hundert.

Inhaltsverzeichnis

Protokolle der Weisen von Zion

Quelle: Internationales Freimaurer-Lexikon von Eugen Lennhoff und Oskar Posner (1932)

ein antifreimaurerisches und antisemitisches Pamphlet, sollte dartun, daß bei geheimen Sitzungen, die 1897 anläßlich des ersten Zionistenkongresses in Basel unter dem Vorsitz von Theodor Herzl stattgefunden hätten, der Plan zur Begründung einer jüdischen Weltherrschaft unter Führung eines jüdischen Selbstherrschers (König von Zion) ausgearbeitet worden sei; als Mittel zur Erreichung dieses Ziels sei die Gründung von geheimen Oberen unterstehenden Freimaurerlogen in der ganzen Welt beschlossen worden.

Von diesen angeblichen "Protokollen" sind Ausgaben in deutscher Sprache, bezw. ausführliche Kommentare von Gottfried zur Beek (recte Hauptmann a. D. Ludwig Müller von Hausen), 1920, Theodor Fritsch, Wichtl, Alfred Rosenberg u. a. erschienen. In Wahrheit haben auf Zionistenkongressen niemals derartige Besprechungen stattgefunden, es besteht auch keinerlei Zusammenhang zwischen Zionismus und Freimaurerei.

Die Protokolle von 1897 sind eine plumpe Fälschung; sie erschienen zuerst 1905 als Anhang zur zweiten Auflage des 1901 zum erstenmal herausgekommenen Buches des Russen S. A. Nilus, "Das Große im Kleinen, der heranschreitende Antichrist und das Reich des Tempels auf Erden" (in russischer Sprache). Sie sind zwischen 1903 und l905 entstanden, bezw. aus einer alten französischen satirischen Schrift gegen Napoleon III. aus dem Jahre 1865 und einem deutschen, 1868 erschienenen Roman zusammengekittet, teilweise wirklich abgeschrieben worden. Die Satire ist eine Broschüre von Maurice Jely gegen die macchiavelistischen Weltherrschaftsplane Napoleons III., betitelt "Dialogue aux enfers entre Macchiavel et Montesquieu, ou la Politique de Macchiavel au 19e siécle, par un Contemporain".

Der Roman heißt "Biarritz" und hat "Sir John Retcliffe" zum Verfasser der in Wirklichkeit Hermann Gödsche (s d.) hieß und unter dem englischen Pseudonym eine Reihe aufsehenerregender blutrünstiger Romane schrieb. Die von Nilus begangene Fälschung wurde u. a. von Strack ("Geheimgesetze"), Benjamin Segel ("Die Politik der Weisen von Zion") kritisch beleuchtet, eine "Erledigung"), Stanjek und dem Konstantinopeler Korrespondenten der "Times" (August 1923) einwandfrei nachgewiesen. Segel hat aberdies noch eine Reihe neuester Fälschungen aufgedeckt, die erst Müller v. Hausen in die von ihm herausgebrachte deutsche übersetzung gegenüber dem russischen Urtext verübt hat (s. "Die Vernichtung der Unwahrheiten über die Freimaurerei", V. d. F., 1923).

Literatur

Ben-Itto, Hadassa: „Die Protokolle der Weisen von Zion". Anatomie einer Fälschung. Berlin: Aufbau-Verlag, 1998.

Eco, Umberto: Fiktive Protokolle, in: ders., Im Wald der Fiktionen. Sechs Streifzüge durch die Literatur, München 1994, S. 155-184. Vorabdruck unter dem Titel: Eine Fiktion, die zum Albtraum wird. Die Protokolle der Weisen von Zion und ihre Entstehung, in: Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 2.7.1994. Pfahl-Traughber, Armin: Die Protokolle der Weisen von Zion: Der Nachweis der Fälschung und die tatsächliche Entstehungsgeschichte. In: Beiträge zum Verständnis des jüdischen Schicksals in Vergangenheit und Gegenwart, 46. Jg. (1990), H. 1, S. 22-31.

Sammons, Jeffrey L. (Hrsg.): Die Protokolle der Weisen von Zion: die Grundlage des modernen Antisemitismus - eine Fälschung. Text und Kommentar. Zweite, unveränderte Auflage 2001. Göttingen 1998.

Zitat

"... Ich studiere noch einmal eingehend die Zionistischen Protokolle. Bisher war mir immer entgegengehalten worden, sie eigneten sich nicht für die aktuelle Propaganda. Ich stelle bei meiner Lektüre fest, daß wir sie sehr wohl gebrauchen können." -- Joseph Goebbels Tagebucheintragung 13. März 1943

Arabische Welt und Islam

Seit der Gründung des Staates Israel entfalten die Protokolle der Weisen von Zion in der islamischen Welt, insbesondere in den arabischen Staaten, ihre größte Wirkung: Sie gelten als wichtige Informationsquelle zum Zionismus und zum Judentum, sie werden von großen Verlagshäusern ediert, prominente Politiker, Intellektuelle und religiöse Führer aller Weltanschauungen stützen sich auf sie. Verbreitet ist der Eindruck, vom Westen kulturell, technisch, wirtschaftlich und politisch gedemütigt und unterdrückt zu werden: Die Kreuzzüge werden hier als Beginn einer Tradition gesehen, die über den Imperialismus und Kolonialismus des 19. und 20. Jahrhunderts bis zur Gründung des Staates Israel im Jahr 1948 und dem seitdem schwelenden Nahostkonflikt reicht. Die zahlreichen Niederlagen, die die arabische Welt gegenüber dem Westen und dem westlich geprägten Israel hat hinnehmen müssen, führen zu Gefühlen der Ohnmacht und der Wut, die wiederum in Verschwörungsphantasien einen Ausdruck finden: Als Ursache erscheinen nicht etwa Rückstände in der Modernisierung der arabischen Länder oder mangelnde Einigkeit zwischen ihnen, sondern das böse, konspirative Wirken eines einzigen übermächtigen Gegners: das Judentum. Die idealtypische Ausformulierung dieses Verschwörungsdiskurses stellen die Protokolle dar.

In den 1920er Jahren wurden von christlichen Arabern mehrere Übersetzungen der Protokolle ins Arabische angefertigt, ohne jedoch breite Wirkung in der muslimischen Welt zu finden. 1938 wurde auf einer von den Muslimbrüdern veranstalteten Islamischen Parlamentarierkonferenz zugunsten Palästinas eine dieser Übersetzungen zusammen mit einer Übersetzung von Hitlers Mein Kampf verteilt, womit die Karriere dieser Schriften im islamisch geprägten Raum begann. Die erste von einem Muslim ins Arabische übertragene Fassung der Protokolle wurde 1951 in Kairo herausgegeben. Seitdem hat sich der Glaube an das jüdische Welteroberungsprogramm in den arabischen und islamischen Ländern verbreitet, wo die Entlarvung der Protokolle bisher kaum bekannt ist. Bis 1970 wurden mindestens neun Ausgaben der Protokolle in der arabischen Welt gedruckt. Heute wird ihre Zahl auf mindestens 60 geschätzt, wobei eine Auflage im Verlag Tlass Books des ehemaligen syrischen Verteidigungsministers Mustafa Tlass herausgegeben wurde. Sie kursieren auch im Internet.

Das ägyptische Ministerium für nationale Führung gab 1956 eine Übersetzung ins Arabische heraus. In der Einleitung wird angegeben, dass die Protokolle nicht vom Basler Zionistenkongress von 1897 stammen würden, die angebliche Übereinstimmung mit verschiedenen jüdischen Dokumenten wie dem Talmud und mit der aktuellen jüdischen Politik beweise aber ihre Echtheit. Für diese Behauptung stützte sich der anonyme Herausgeber auf Rosenbergs Kommentierung.

Der ägyptische Präsident Gamal Abdel Nasser (1918–1970) berief sich in einem Interview auf die Protokolle, sein Bruder gab 1967 eine weitere arabische Ausgabe heraus. König Faisal von Saudi-Arabien (1906–1975) verschenkte die Protokolle verschiedentlich an Staatsgäste.

Die islamistische Webseite Radio Islam nutzt seit 1996 die Protokolle als Waffe in ihrem Kampf gegen Juden und Zionisten. Die Hamas beruft sich in ihrer 1988 entstandenen Charta auf die Protokolle. Danach hätten die Juden sowohl die Französische als auch die Oktoberrevolution ausgelöst, ebenso den Ersten Weltkrieg, dessen Zweck die Zerstörung des Kalifats gewesen sei, und den Zweiten Weltkrieg, an dem sie als Waffenhändler gut verdient und den sie benutzt hätten, um die Gründung ihres eigenen Staates vorzubereiten. Die Gründung der UNO und des Sicherheitsrats gehe ebenso auf sie zurück, denn mit diesen Institutionen könnten sie die Welt unmittelbar regieren:

“Today it is Palestine, tomorrow it will be one country or another. The Zionist plan is limitless. After Palestine, the Zionists aspire to expand from the Nile to the Euphrates. When they will have digested the region they overtook, they will aspire to further expansion, and so on. Their plan is embodied in the ‚Protocols of the Elders of Zion‘, and their present conduct is the best proof of what we are saying.”

„Heute ist es Palästina, morgen wird das irgendein anderes Land sein. Der zionistische Plan kennt keine Grenzen. Nach Palästina werden die Zionisten ihr Gebiet vom Nil bis an den Euphrat ausdehnen. Wenn sie die ganze Region verdaut haben, die sie übernommen haben, werden sie sich weiterer Expansion zuwenden, und so fort. Ihr Plan ist in den ‚Protokollen der Weisen von Zion‘ verkörpert, und ihr gegenwärtiges Verhalten ist der beste Beweis für das, was wir sagen.“

In Ägypten wurde 2002 in 41 Folgen die Fernsehserie „Ein Reiter ohne Pferd“ ausgestrahlt, die auf den Protokollen beruhte; 2004 folgte ein libanesischer, Hisbollah-naher Sender. Aus arabischen Ländern stammende fremdsprachige Ausgaben wurden für das Ausland gedruckt, unter anderem für Schwarzafrika und Länder, in denen israelische Entwicklungshelfer tätig waren. Sie erlebten dabei zahlreiche Bearbeitungen: Ein arabischer Publizist beschrieb sie als Protokolle einer „zionistischen Geheimversammlung“, die 1954 in Budapest stattgefunden habe; ein anderer als Protokolle des Zionistischen Weltkongresses 1897 in Basel.

Ebenfalls als Beschlüsse des ersten Zionistenkongresses in Basel wurden die Protokolle in einem 2004 neu von der Palästinensischen Autonomiebehörde herausgegebenen Geschichtsbuch für das zehnte Schuljahr dargestellt.[132] Nach internationalen Protesten musste eine Neuauflage ohne den Hinweis auf die Protokolle aufgelegt werden.

Auf der Frankfurter Buchmesse wurden 2005 an Ständen iranischer Verlage neben anderen englischsprachigen Ausgaben antisemitischer Bücher wie Fords The International Jew auch die Protokolle in einer von der staatlichen Islamic Propaganda Organisation herausgegebenen Fassung unter dem Titel „Jewish Conspiracy“ zum Verkauf angeboten. Die Messeleitung wurde darauf erst nach Ende der Veranstaltung infolge von Presseberichten aufmerksam und erstattete Anzeige. Auch auf der im Februar 2006 in Casablanca durchgeführten Buchmesse wurden mehrere antisemitische Bücher von ägyptischen, syrischen und marokkanischen Verlagen ausgestellt, darunter aktualisierte Ausgaben von Hitlers Mein Kampf und der Protokolle.

2011 berief sich der Oberste Rechtsgelehrte des Iran, Ali Chamene’i, auf die Protokolle, als er sagte, dass „das Abartige und Primitive“, das in den führenden meinungsbildenden Medien dieser Welt zu finden sei, mit den in den Protokollen formulierten Zielen auf einer Linie liege.

Von dem Palästinenser Muhsen al-Antabawi stammt die Schrift Warum wir jeden Frieden mit den Juden ablehnen; sie ist im arabischen Raum weit verbreitet. Darin ist die Rede vom „Juden“ (jahud) schlechthin, es wird nicht zwischen Juden und Israelis differenziert. Al-Antabawi propagiert zur Lösung des Palästinaproblems eine „Kombination von Koran und Gewehr“; Frieden mit Israel widerspreche der Scharia. Er bedient sich ausführlich antisemitischer Klischees, um nachzuweisen, warum es mit den Juden weder Frieden noch Versöhnung geben könne. Dabei bezieht er sich explizit auch auf die Protokolle der Weisen von Zion: „Die Juden planen die Beherrschung der Welt und deshalb zerstören sie die Moral und bemächtigen sich der Wirtschaft der einflussreichen Länder und der Medien.“

Gleichwohl gibt es auch in der arabischen Welt Gegenstimmen: 1948 ging Muhammad Fuad Shukri in seinem Werk Nazi-Deutschland. Studien zum zeitgenössischen europäischen Erbe (1939–1945) auch auf die Fälschungsgeschichte der Protokolle ein. Der ägyptische Journalist Mark Sayegh parodierte die Protokolle 2002 als Protokolle der arabischen Weisen, die eine angebliche arabische Weltverschwörung zum Thema haben. Zusammen mit seinem libanesischen Kollegen Hazim Saghiya wendet er sich gegen die weit verbreitete Einschätzung der Protokolle als authentisch.

Andere Länder

Die Protokolle der Weisen von Zion tauchten Mitte der 1990er Jahre auch in Osteuropa wieder auf und wurden zuvor in Afrika, Südamerika, Australien, Neuseeland und Japan veröffentlicht. Dort war die erste Auflage bereits 1924 erschienen. In den 1930er Jahren zur Zeit des Antikominternpakts und des Krieges gegen China waren die Protokolle Staatsdoktrin gewesen. Für eine Neuauflage unter dem Titel: Greift euch Japan, den letzten Feind! Die jüdischen Protokolle zur Beherrschung der Welt wurde 1993 intensiv Werbung gemacht, das Buch wurde ein Bestseller − für Daniel Pipes ein Indiz, dass Antisemitismus auch in Ländern ohne jüdische Minderheit erfolgreich sein kann (vergleiche Antisemitismus ohne Juden).

Am 23. Oktober 2012 las Ilias Kasidiaris, Sprecher und Abgeordneter der griechischen Neonazi-Partei Chrysi Avgi, im griechischen Parlament aus dem 19. der Protokolle vor.

Wissenschaftliche Deutungen

In der wissenschaftlichen Forschung herrscht Konsens, dass es sich bei den Protokollen der Weisen von Zion um einen fiktionalen Text handelt, der in keiner Weise reale Verhältnisse beschreibt.

Der Politikwissenschaftlerin Hannah Arendt fiel in ihrer 1951 erschienenen Studie Elemente und Ursprünge totaler Herrschaft auf, dass die in den Protokollen beschriebene Utopie eines totalen Staates den real existierenden totalitären Regimen ähnlich sehe. Auch ähnele die in den Protokollen beschriebene Arbeit einer konspirativen Geheimgesellschaft stark der einer Geheimpolizei. Daher kam sie zu der These, dass die Protokolle nicht nur das Motiv, sondern auch ein Modell für Hitlers Praxis der Machteroberung und Herrschaftsausübung geliefert hätten:

„Die Nazis begannen mit ihrer ideologischen Fiktion einer Weltverschwörung und organisierten sich mehr oder weniger bewußt nach dem Modell der fiktiven Geheimgesellschaft der Weisen von Zion.“

Damit griff Arendt die Analyse des jüdischen Journalisten Alexander Rubinštejn auf, die dieser 1936 im tschechoslowakischen Karlsbad veröffentlicht hatte.

Eine erste Monografie zu den Protokollen legte Norman Cohn 1967 unter dem Titel Warrant for Genocide (übersetzt etwa „Ermächtigung zum Völkermord“) vor. Er sah in ihnen eine Rückkehr des dämonologischen Antijudaismus. Die in den Protokollen verbreitete Verschwörungstheorie habe eine bedeutende Motivation für den Holocaust dargestellt.

Der italienische Medienwissenschaftler Umberto Eco glaubt, dass die Spuren weit verbreiteter Erfolgsromane, die er in den Protokollen nachweisen kann, wirkungsgeschichtlich dazu beitrugen, dass diese glaubwürdig erschienen: Der Leser habe in ihnen Vorstellungen und Klischees wiedergefunden, die ihm längst vertraut gewesen seien. Eine ähnliche These vertritt Jeffrey Sammons: Eben dadurch, dass die Protokolle erkennbar fiktiv seien und ihre Wurzel in Romanen hätten, seien sie der Kontrolle des logischen Diskurses entzogen und „von der Überprüfung anhand der belegbaren Wahrheit befreit“.

Der amerikanische Politikwissenschaftler Daniel Pipes sieht den Schlüssel für die Breitenwirkung des Buches in der Widersprüchlichkeit und der mangelnden Konkretheit des Inhalts. Namen, Daten oder bestimmbare einzelne Fakten würden nicht genannt, so widersprüchliche Phänomene wie Philo- und Antisemitismus, wie Kapitalismus und Sozialismus, wie Demokratie und Tyrannei würden als Werkzeuge der jüdischen Verschwörung hingestellt, sodass jeder sich in seinen jeweiligen Interessen davon bedroht fühlen müsse.

Der Berliner Antisemitismusforscher Wolfgang Benz erklärt die Wirkungsmacht der Protokolle in ihrer Funktion als politischer Mythos. Zwar stehe im Kern dieses Mythos hier nicht ein reales Ereignis, sondern eine reine Fiktion, durch ständige Wiederholungen, Assoziationen und Konnotationen gewinne die sinnstiftende Erzählung so scheinbar Realität und Überzeugungskraft. Das Stereotyp vom jüdischen Streben nach Weltdominanz sei beliebig verwendbar, vom zaristischen Russland über NS-Deutschland bis in den Nahen Osten. Weil es in bestimmten emotionalen Bedürfnissen wurzele, sei es aufklärenden Gegenargumenten nicht zugänglich und dadurch besonders wirksam.

Der österreichische Historiker Helmut Reinalter sieht die Wirkung der Protokolle weniger in ihrem Inhalt, der krude zusammengestückelt, schlecht strukturiert und zum Teil in sich widersprüchlich sei. Bedeutsamer sei vielmehr ihre schiere Existenz: Sie allein scheine, unabhängig vom konkreten Inhalt, die angebliche Tatsache einer allumfassenden Verschwörung zu beweisen. Damit seien die Protokolle, deren Inhalt immer schon von Ausgabe zu Ausgabe variiert habe, vielfältig einsetzbar: Statt der Juden könnten ohne inhaltliche Schwierigkeiten andere imaginierte Subjekte von Verschwörungstheorien eingesetzt werden, etwa Jesuiten, Freimaurer oder Illuminaten.

Der amerikanische Historiker und Millenarismusspezialist Richard Landes untersuchte in einer zusammen mit Steven T. Katz herausgegebenen Retrospektive die Wirkungsgeschichte der Protokolle von den Vorläufern bis in die Gegenwart.[153] Hierzu werden unter anderem die Verwendung und Neuauflage in einzelnen islamischen Ländern sowie die Kontroverse um den Verkauf der Protokolle beim Handelskonzern Walmart in den USA bis zur Rezeption bei Linksextremisten angeführt und dargestellt. Die Protokolle zeigten exemplarisch, wieso sich Verschwörungstheorien trotz eindeutiger Faktenlage erfolgreich etablieren können. Hintergrund seien apokalyptische Wahnvorstellungen, die bei Erlangung entsprechender Popularität eine Rechtfertigung für Mord und Gewalttaten lieferten.

Siehe auch

Links

Verschwörungstheorien-Wiki http://de.verschwoerungstheorien.wikia.com/wiki/Protokolle_der_Weisen_von_Zion


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