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Rezension: Susanne B. Keller: Königliche Kunst

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Inhaltsverzeichnis

Susanne B. Keller: Königliche Kunst

Rezension von Roland Müller

Keineswegs museal: Freimaurerei in Deutschland

Susanne B. Keller (Hrsg.): Königliche Kunst. Freimaurerei in Hamburg seit 1737. Eine Publikation des Altonaer Museums für Kunst- und Kulturgeschichte in Hamburg anlässlich der Ausstellung im Jenisch Haus, Hamburg 22. März bis 22. November 2009. München und Berlin: Dölling und Galitz Verlag 2009.


Dieser gut 200seitige unauffällige Ausstellungskatalog weist viel Text auf. Das ist gut so, denn die vorwiegend farbigen Abbildungen bewegen sich völlig im herkömmlichen Rahmen und bieten keine neuen Ansichten oder Erkenntnisse. Dafür bietet der Text – bemerkenswerterweise von acht Frauen und zwei Männern - einige interessante historische Streiflichter, etwa über Landschaftsgärten, die Freimaurer in der Weimarer Republik oder Filme mit Tom Hanks, Johnny Depp und Nicholas Cage. Schwerpunkt bildet die deutsche Freimaurerei vor allem in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts.

Historisches Kunterbunt

Sinnvollerweise gibt die Organisatorin der Ausstellung und Herausgeberin dieses Katalogs einen kurzen historischen Abriss der Geschichte der Freimaurerei, mit besonderer Berücksichtigung der Entwicklung in Hamburg bis etwa 1800. Der Begriff „Königliche Kunst“ kommt bereits am Ende der Geschichte der Masonry in James Andersons „Constitutions“ von 1723 vor. Er dient, laut Susanne B. Keller, „zur grundsätzlichen Charakterisierung der freimaurerischen Arbeit und Gesinnung“ (14). Für den Zürcher Joseph Schauberg bedeutet er 1861 „ein gottgefälliges und tugendhaftes, ein reines und lichtvolles Leben“.

Nach einem von Stephanie Düsterhöft eingeleiteten Abdruck der drei ersten „Gespräche für Freimäurer“ von Lessing, die unter dem Titel „Ernst und Falk“ 1778 zuerst anonym erschienen (46-56), und einer kleinen Galerie berühmter deutscher Freimaurer mit Beziehungen zu Hamburger Logen, bietet [[Rolf Appel)) nüchtern und sachlich „Innenansichten eines Hamburger Freimaurers“ (66-75). Es handelt sich um den Nachdruck eines Aufsatzes aus dem Buch „Männerbande. Männerbünde“ (1990). Nicht korrekt ist die Behauptung, Klopstock, André Gide und „Langenscheidt“ hätten sich als Freimaurer bekannt (75).

Frauenlogen und Landschaftsgärten

Auf drei knappen Spalten berichtet Ursula Henrichs uninspiriert über „Frauenlogen in Deutschland“. Drei der vier Abbildungen zeigen nichtdeutsche Freimaurerinnen: Elizabeth Aldworth, Maria Desraimes und Annie Besant. Einige dokumentarische Nachweise aus der Feder der Musikwissenschafterin Petra Eisenhardt betreffen Mozart und den Hamburger Theaterdirektor Friedrich Ludwig Schröder (96-103). Hochinteressant, aber leider spärlich bebildert sind Kerstin Petermanns Beschreibungen englischer Landschaftsgärten in Hamburg, Schleswig und Holstein aus der Zeit von ca. 1780-1820 mit zum Teil bewusst freimaurerisch gedachten Zeichen. Hinter diesen natürlich wirkenden „Landschaftsbildern“ steckte die Überzeugung, „Gärten könnten zur sittlichen Verbesserung des Betrachters beitragen“ (104). In der Schilderung der deutschen Gärten ist die Autorin, welche auch den Ausstellungsband redigierte, jedoch ausserordentlich vorsichtig mit freimaurerischen Deutungen.

1918-35: Deutsche Freimauer: nationalistisch, antidemokratisch, antisemitisch

Kritische Worte findet Marcus Meyer zur Rolle der deutschen Freimaurer in der Weimarer Republik und im Dritten Reich (126-137). Die Mehrheit der deutschen Logen zählte keineswegs zu den Orten, in denen der „Geisteskampf“ gegen den Nationalsozialismus geführt worden wäre. Im Gegenteil: „Die Mehrheit gehörte …- gewollt oder ungewollt – zu den Wegbereitern der nationalsozialistischen Herrschaft, weil sie entweder passiv die Zerstörung der Weimarer Republik hinnahmen oder sogar eine aktive Rolle dabei spielten“ (126).

Die Mehrheit war „nationalistisch, chauvinistisch und bisweilen völkisch“ (131), bewusst antirepublikanisch, ja antidemokratisch und antisemitisch. Zur Minderheit gehörten etwa der Hamburger Grossmeister Anton Hagedorn und die irregulären Organisationen wie der „Freimaurerbund zur aufgehenden Sonne“ (FzaS; seit 1905) und die „Symbolische Grossloge von Deutschland“ (1930 von Leo Müffelmann gegründet).

Marcus Meyer, der Geschichte, Soziologie und Politikwissenschaft in Berlin und Bremen studiert hat, betont, dass die Freimauer in den Jahren 1933-35 zwar massiven Repressalien und Überwachung bis zum Kriegsbeginn ausgesetzt waren, aber nicht, weil sie zum Widerstand gehört hätten. Sie hatten fälschlicherweise gemeint, Hitler liesse sich durch Anpassung „zähmen“ (132). „Sie erlitten zweifelsohne erhebliche materielle Verluste, sowohl als Organisation wie auch als Einzelpersonen. Eine Verfolgung an Leib und Leben blieb allerdings die Ausnahme … Freimaurer wie Carl von Ossietzky oder Wilhelm Leuschner starben nicht, weil sie Freimauer waren, sondern weil sie aktive politische Gegner waren“ (135).

Detailliertes aus der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts

Wieder in die frühere Vergangenheit zurück führen zwei Berichte von Frauen. Die Historikerin Hilke Langhammer schildert detailliert und liebevoll die wechselvolle Geschichte der Freimaurerloge in der niedersächsischen Stadt Celle von 1748 bis 1868: „Wie in anderen Städten spiegelt dabei die Zusammensetzung der Celler Logen immer auch die soziale Struktur der Stadt und deren Wandel im Zuge der Entstehung und Konsolidierung der bürgerlichen Gesellschaft“ (138). Die Hamburger Journalistin Maiken Nielsen – bekannt als Autorin historischer Romane, darunter „Die Freimaurerin“ (2007) – berichtete lebhaft über zeitgeschichtliche Hintergründe und Absichten der kurzlebigen „Deutschen Union“, einer Konkurrenzorganisation der „Illuminaten“. Dem Gründer, dem unkonventionellen Theologen Karl Friedrich Вahrdt, gelang es durch eine Kettenbriefaktion in nur zwei Jahren (1786-88) Mitglieder in ganz Europa zu werben; ein Jahr später wurde er verhaftet; er starb bald darauf.

Freimaurerei in Literatur und Film

Quer durch die Jahrhunderte führen schliesslich die Analysen der Kunsthistorikerin Vanessa Hirsch über Freimaurer in Literatur und Film (166-175). Obwohl die Romane (und die Verfilmungen von „The Da Vinci Code“ und „Angels & Demons“ mit Tom Hanks, 2006 und 2009) von Dan Brown reine Fiktion sind, werden sie von vielen Lesern (und Zuschauern) als bare Münze genommen. Dagegen liessen Umberto Eco („Das Foucaultsche Pendel“, 1988) sowie Robert Shea und Robert Anton Wilson („Illuminatus“, 1975) keinen Zweifel an ihrer ironischen Absicht.

Der deutsche Film „23“ (1998) schildert das tragische Schicksal eines Computer-Hackers, der an „Illuminatus“ glaubte. Der amerikanische Film „From Hell“ (2001) mit Johnny Depp ist an einen neuen englischen Comic angelehnt und schreibt die Morde von Jack the Ripper einem Freimaurer zu. Nur „deutliche Anspielungen“ auf die Freimaurerei enthält der deutsche Schocker-Film „Anatomie“ (2000) mit Franka Potente. Im Gegensatz dazu zeichnen die Filme „National Treasure“ (2004 und 2007; dt.: „Das Vermächtnis der Tempelritter“ und „Das Vermächtnis des geheimen Buches“) mit Nicolas Cage ein positives Bild, denn: „Das Geheimnis der Freimaurerei dient uramerikanischen Werten und wird daher uneingeschränkt gutgeheissen“ (174).

Ein gut brauchbares Glossar mit trefflichen Erläuterungen, eine Zeittafel ab 1717 mit Schwerpunkt auf der deutschen Freimaurerei und Logen in Hamburg sowie ein ausführliches Literaturverzeichnis runden den sorgfältig gestalteten und reich bebilderten Band ab.


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