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Rezension: Tjeu van den Berk - Das Wiener Logenbild

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Inhaltsverzeichnis

Ein altes Geheimnis neu betrachtet

Im Wien Museum am Karlsplatz hängt ein Gemälde mit dem Titel „Innenansicht einer Wiener Freimaurerloge um 1790“. Es ist eines der weltweit am meisten bekannten Freimaurerbilder. Mit ein Grund dafür ist wohl auch, dass einer der Abgebildeten möglicherweise Wolfang Amadeus Mozart sein soll.

Das Bild zeigt offenbar Freimaurer bei einer Art rituellen Arbeit. „Bei einer Art“ deswegen, weil nicht klar ist, welches Ritual gezeigt wird und ob nicht vielleicht sogar mehrere Ritualphasen miteinander vermischt werden: ein Gemälde als komprimiertes Video. Eine Reihe von Freimaurerforschern hat sich daran abgearbeitet.

Der Niederländer Tjeu van den Berk, bekannt für seine tiefreichenden Studien über Mozarts „Zauberflöte“, entwickelt in seinem Buch eine völlig neue und überraschende Perspektive.

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Eine neue und überraschende Perspektive

Kaiser Leopold II.??
Wer wird da aufgenommen??

Schritt für Schritt präsentiert Tjeu van den Berk die Ergebnisse seiner Recherchen und darauf aufbauend seine Überlegungen - fast wie ein Kriminalkommissar. Man spürt beim Lesen, dass es am Ende zu einer unerwarteten Auflösung kommen wird. Und so ist es auch.

Wie bei jedem Bericht über einen Krimi soll auch hier das Ergebnis nicht verraten werden. Nur so viel: „Auf der Suche nach der Geschichte eines Gemäldes entdeckte ich ein Gemälde der Geschichte“. Und zwar: Der im Hintergrund agierende Stuhlmeister ist nach der Einschätzung Tjeu van den Berks nicht irgendwer, ja nicht einmal einer der damaligen bis heute berühmten Wiener Freimaurer, sondern der Habsburger Leopold II., Sohn Joseph II. und als dessen Nachfolger römisch-deutscher Kaiser von 1790 bis 1792, gemeinsam mit einer „Gruppe von Brüdern, die dabei sind ‘Geschichte zu schreiben’.“ Wobei der Interessanteste der Mann mit den verbundenen Augen ganz vorn in der Mitte ist, den der Kaiser gerade im Begriff ist, in die Loge aufzunehmen. Doch wie gesagt: Wer das sein könnte, soll in dieser Rezension nicht vorweggenommen werden. Wenn Van Berks Einschätzung zuträfe, wäre das nämlich die Über-Überraschung: nicht nur wegen der völlig neuen Deutung dieses Bildes, sondern auch wegen der neuen Erkenntnisse über die Freimaurer-Politik der Habsburger jener Jahre.

So kurz hingeschrieben liest sich das, wie wenn das Gemälde nur als Rohstoff für das fiktionale Werk eines Künstlers herhalten müsste. So ist es aber nicht. Tjeu van den Berk argumentiert seine These klar durch, nicht zuletzt auf der Basis seines geschichtlichen Detailwissens aus jener Zeit, das ihm über die langjährige und fundierte Beschäftigung mit der „Zauberflöte“ zugewachsen ist. Dabei hatte er immer wieder auch mit diesem Bild zu tun, gilt doch die „Zauberflöte“ als die Freimaureroper schlechthin.

Der Band hat 90 Textseiten mit vielen Bildern: vor allem Ausschnitte aus diesem und anderen historischen Gemälden. Vor dem Hintergrund der Geschehnisse jener Zeit spielen sie eine wesentliche Rolle bei den Überlegungen Van Berks, der übrigens kein Freimaurer ist. Ein lesenswertes Buch.

Tjeu van den Berk: „Das Wiener Logenbild - Ein altes Geheimnis neu betrachtet“
Salier Verlag, Leipzig 2019.

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