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Traktat: Freimaurer sein – ohne Loge, mit Loge und trotz Loge

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Freimaurer sein – ohne Loge, mit Loge und trotz Loge

Gerd Scherm

Freimaurer sein ohne Loge – darunter verstehe ich nicht die so gerne von unserem Bund ungefragt vereinnahmten Männer, deren Werk wir als beispielgebend empfinden und die wir allzu gerne als „Freimaurer ohne Schurz“ bezeichnen. Den Dalai Lama oder auch einen human vorbildlich wirkenden Menschen unserer Stadt als „Freimaurer ohne Schurz“ zu okkupieren, hat im Verhalten mehr mit ethischem Freibeutertum zu tun als mit Freimaurerei.

Nein, unter dem „Freimaurer ohne Loge“ verstehe ich Männer, die nach ihrer Initiation keinen oder kaum noch einen Kontakt zum Logenalltag pflegen. Das heißt aber nicht, dass sie keinen Kontakt mehr zu Freimaurern haben. Natürlich fällt uns bei diesen geschilderten Umständen sofort Lessing ein. Noch heute leuchtet er uns als Vorbild durch Raum und Zeit ob seiner Formulierungen und Verbreitung unserer Ideale. Seine Schriften haben uns vielleicht mehr Suchende zugeführt als die meisten neuzeitlichen Gästeabende. Dennoch war er in den Augen vieler Brüder ein „mieser Freimaurer“. Warum eigentlich?

Klar, er hat nicht als fleißiger Sekretär Protokoll geführt, Rundschreiben verfasst und unzählige Einladungen zu Tempelarbeiten verschickt. Er hat auch nicht als Schatzmeister dafür gesorgt, dass die Logenfinanzen in Ordnung gehalten werden.

Aber er war sicher der beste „vorbereitende Bruder“ der Freimaurergeschichte. Sein Anteil an der Logenarbeit war es, das Feld zu bereiten, dem Suchenden Geist und Herz zu öffnen.

Nun mag mancher sagen: „Na ja, der Lessing ist ein Einzelfall“. Meine Erfahrung ist eine andere. Wenn wir den Maßstab kleiner setzen, das menschliche Maß unserer eigenen, überschaubaren Umgebung nehmen, unseren persönlichen Wahrnehmungskreis durchforsten, dann können wir sie finden, die „Freimaurer ohne Loge“.

Es gibt sie quasi in zwei „masonischen Zuständen“. Den ersten Zustand verkörpert der Bruder, der die Loge, meist nach einem brüderlichen Zwist, verließ und gedeckt hat. Oft ein wenig überlegter Schritt im Zorn, die Rückkehr aber durch den eigenen Stolz verbaut. Hört dieser Bruder auf, Freimaurer zu sein? Hat er mit der Rückgabe von Schurz und Bijou auch seine freimaurerischen Ideale aufgegeben? Wohl kaum.

Ich kenne mehrere Brüder, die diesen, für sie sehr schweren Schritt gegangen sind. Jeder von ihnen ist nun ein „Freimaurer ohne Schurz“, aber immer noch Freimaurer im Herzen. Sie begegnen mir nach wie vor als Bruder, und ich ihnen ebenso.

Lebenshaltung, Ethik und Ideale hängen nicht an äußeren Zeichen. Sie können durch Zeichen sichtbar gemacht werden, die Zeichen erinnern uns an das, war wir uns vorgenommen haben, aber sie sind nicht von diesen Zeichen abhängig.

Hüten wir uns also davor, diese ehemaligen Brüder als Abtrünnige, als Deserteure oder Verräter an der Freimaurerei zu betrachten. Bedenken wir, dass sie uns nicht wegen der Gemeinsamkeiten verließen, sondern meist wegen eines persönlichen Zerwürfnisses.

Den zweiten möglichen „masonischen Zustand“ des „Freimaurers ohne Loge“ verkörpert der Bruder, der zwar im Mitgliederverzeichnis steht, den man aber nie oder nur selten zu Gesicht bekommt und der oft respektlos als „Karteileiche“ bezeichnet wird.

Leider tendieren wir an der „Baustelle“ Verbliebenen dann dazu, uns als „die Guten“ und den Bruder, der nicht mehr kommt wenn schon nicht als „den Bösen“, dann doch zumindest als „den Faulen“ zu sehen.

Aber vielleicht schreibt er gerade in seiner vermeintlichen freimaurerischen Einsamkeit ein wegweisendes Buch über unsere Ideale? Oder er setzt in seinem Stadtteil oder am Ende der Welt diese Ideale in die Tat um? Vielleicht arbeitet er in einem Bereich der Freimaurerei, in dem seine Fähigkeiten besser zum Tragen kommen als in der alltäglichen Logenarbeit?

Wir können es nur ergründen, wenn wir es herausfinden wollen! Es mag vielerlei Gründe geben, warum der Bruder der Loge fernbleibt – eines aber ist sicher: er ist weiterhin einer von uns.

Nun zur zweiten Kategorie des Freimaurerseins – „Freimaurer sein mit Loge“. Dies ist mit Abstand die größte Gruppe, die von uns als der Normalfall und wohl auch als der Idealfall bezeichnet wird.

Im Prinzip eine simple Sache:

Du bist Freimaurer und gehst so oft du kannst in deine Loge – fein! Nichts, was das weitere Nachdenken lohnt. Lohnt es sich wirklich nicht? Frei nach Descartes „Ich denke, also bin ich“, den Schluss zu ziehen „Ich gehe in die Loge, also bin ich Freimaurer“ ist naheliegend, aber in der Praxis wenig aussagekräftig.

Freimaurer zu sein ist leider kein instinktives Verhalten, das in der Urnatur des Menschen liegt, Freimaurer zu sein ist Arbeit. Eine Arbeit, die bei der Initiation nicht aufhört, sondern mit ihr beginnt. Das ist den allermeisten Brüdern bewusst und oft höre ich den Ausspruch „Der Freimaurer bleibt sein Leben lang Lehrling“.

Ich weiß allerdings nicht, ob dies wirklich ein Ausdruck von Bescheidenheit ist oder ob es nicht doch nur eine Worthülse ist, die man benutzt, weil sie eben dazugehört und weil wir es von den Altvorderen der eigenen Bauhütte schon immer so gehört haben.

Denn bei genauerem Hinsehen entpuppt sich die Formulierung „Der Freimaurer bleibt sein Leben lang Lehrling“ als genauso falsch wie hemmend. Vorneweg: natürlich lernen wir ein Leben lang. Tun wir es nicht, haben wir keine Perspektive mehr.

Der Knackpunkt der Aussage aber ist, dass sie sich nicht auf das Lernen an sich bezieht, sondern auf den Status des Lehrlings.

Doch was ist ein Lehrling? Es ist ein Mensch, der sich die Grundlagen einer Materie, eines Handwerks, eines Berufs erarbeitet. Nicht mehr und nicht weniger. Keiner käme auf den Gedanken, dass ein Lehrling die Verantwortung für den Betrieb übernehmen sollte. Keiner käme darauf, dass der Lehrling die Lehrlinge ausbilden kann.

Der scheinbar so nett-bescheidene Satz „Der Freimaurer bleibt sein Leben lang Lehrling“ kann auch eine Verweigerung von Verantwortung sein, eine Negierung, dass Meisterschaft überhaupt möglich ist.

Siedeln wir unsere Ziele wirklich so tief an?

Wollen wir wirklich vom Leben nur lernen, es aber nicht zu meistern versuchen?

Dies war nur ein Beispiel, wie wir uns in unserem Logenleben durch als Tradition verbrämte Phrasen einengen, ohne es zu merken.

Das zweitbeste Werkzeug des Freimaurers ist in der „beinernen Büchse“, in der wir die Schlüssel zu allem aufbewahren: das in unserem Schädel befindliche Gehirn. Es ist wahrlich ein tolles Werkzeug, und wie alle Werkzeuge ist es enorm gefährlich, wenn wir nicht richtig damit umgehen. Das beste Werkzeug aber ist unser Herz. Damit meine ich unsere Intuition, unsere Gefühle, unsere Fähigkeit zur Empathie und zur Liebe. All diese ungeheuer großen, ungeheuer wichtigen Eigenschaften, die nicht wägbar und nicht messbar sind.

Ich kenne sie gut, diese Freude, wenn ein neuer Bruder in unsere Loge aufgenommen wird. Wenn ihm die „Herzen der Maurer entgegenschlagen“ in diesem großartigen Moment der Lichtgebung.

Doch wie sieht das Danach aus?

Wir alle, und ich schließe mich ausdrücklich mit ein, erschaffen uns den neuen Bruder „nach unserem Bilde“. Vom ersten Augenblick, besser wohl vom ersten Lichtblick an, haben wir eine Vorstellung, wie er denn sein sollte, der neue Bruder unserer Loge. Und wehe, er entspricht dann nicht unserem „Vor-Bild“. Dann wandeln sich unsere wohlwollenden Blicke auf den Neuen in so genannte kritische Blicke, das heißt in Blicke, in denen unsere geballte Kritik bereits enthalten ist.

Der Freimaurer ist von der Sklaverei seiner Vorurteile befreit, aber er hat dafür etwas viel Drastischeres, Unerbittlicheres: sein Urteil! Und dagegen eine Revision zu erreichen ist schwieriger als ein Wiederaufnahmeverfahren vor Gericht.

Das mag alles zu abstrakt, zu fern der eigenen Erfahrung klingen. Zum besseren Verständnis will ich alles auf mich beziehen und von mir als schlechtem Beispiel reden, um den Sachverhalt zu verdeutlichen.

Ich bin, zugegebener Maßen, ein Liebhaber freimaurerischer Rituale, und als solcher lege ich auch auf Kleinigkeiten großen Wert. Jahrelang habe ich mich über Brüder geärgert, die, wenn sie im Zeichen stehen zwar das Halszeichen ausführen, nicht aber das zugehörige Fußzeichen.

Genervt von dieser und anderen „Schlampigkeiten“ im Ritual habe ich mich leider bei manchen Tempelarbeiten selbst um die Tiefe dieses Erlebnisses gebracht. Bis ich eines Tages gemerkt habe, dass mich diese Brüder nicht absichtlich ärgern wollen und dass sie mir in Wirklichkeit etwas schenken.

Sie machen mir nämlich klar, was mir wichtig ist. Sie zeigen mir, was für mich bedeutungsvoll ist. Seither gehe ich mit dem nicht vorhandenen Fußzeichen viel entspannter um und genieße die Tempelarbeiten noch mehr als zuvor. Ich sage bewusst „genießen“, denn eine gute Tempelarbeit ist nicht nur rituelle Erbauung, sondern auch ein sinnlicher Genuss.

Natürlich geht es mir in meinem Nachdenken über die Brüder nicht nur um ein, von manchen als läppisch empfundenes Fußzeichen. Es ist lediglich ein Beispiel auf der untersten, physisch wahrnehmbaren Ebene.

Viel problematischer für den brüderlichen Umgang sind unterschiedliche Vorstellungen auf der geistigen und emotionalen Ebene.

Es ist wohl ein urmenschlicher Zug, dass wir oft Gedanken oder Vorgehensweisen ablehnen, die nicht in unser kleines persönliches Universum passen. Sich Neuem oder Ungewohntem zu verweigern ist aber nicht „typisch Freimaurer“, sondern „typisch Mensch“.

Jeder einzelne von uns ist anders, und darin gleichen wir uns. Ich denke, dass die Individualität eines Menschen alle Kategorien übersteigt und sich allen Festlegungen widersetzt.

Vielleicht sollten wir unserem Bruder nicht nur die Frage stellen: „Wie geht es dir?“, sondern manchmal auch: „Wovon träumst du?“

Wenn wir Freimaurer, unseren Idealen entsprechend, dem Anderen nicht nur sein Anderssein lassen, sondern dieses Anderssein auch als Gewinn für uns selbst ansehen, sind wir auf dem richtigen Weg.

Oft wird in Logen beklagt, dass die Aufgaben nicht abreißen, dass ständig neue Dinge die Arbeitskraft der Maurer fordern. Kaum ist das arbeitsintensive Stiftungsfest vorbei, stehen schon die Vorbereitungen für öffentliche Gästeabende an.

Und allzu oft geht es um substanzielle Probleme – sei es, das marode Logenhaus zu retten oder die Loge selbst vor dem Aussterben.

Doch genau diese Aufgaben sind es, die eine Loge wirklich am Leben erhalten. So wie sich die Philosophie seit den Vor-Sokratikern damit abfinden muss, dass es mehr Fragen als Antworten gibt, so müssen wir uns in den Logen damit abfinden, dass es mehr Aufgaben als Lösungen gibt. Und das ist auch gut so. Lösungen führen nach der verdienten Zufriedenheit meist zu Sattheit und Stillstand. Aufgaben dagegen fordern unseren Geist und unseren Einsatz stets aufs Neue.

Beim Thema „Logenarbeit“ halte ich noch einen Begriff, der in den letzten Jahren immer wieder auftaucht, für nachdenkenswert: Die Loge als „Labormodell“ für die Gesellschaft.

Demnach bedeutet „Freimaurer sein mit Loge“ die Arbeit in einem Labor, verbunden mit der Entwicklung eines Modells.

Ein Laboratorium ist eine Arbeits- und Forschungsstätte für Versuche. Und ein Modell ist der Entwurf einer Sache in kleinerem Maßstab. Ein Modell hat auch die Bedeutung von „Vorbild“, und das im Zusammenhang mit unserer Gesellschaft. Das, liebe Brüder, ist ein immens hoher Anspruch! Aber nur wer große Ziele hat, kann auch Großes erreichen.

Wenn der Begriff „Labormodell“ mehr sein soll als eine weitere Worthülse, müssen wir klären, was er für unsere Loge konkret bedeuten könnte. Unsere Bauhütte ist also das Labor und der Gegenstand unserer Forschung sind wir selbst, auch in Bezug auf die Gesellschaft.

Wenn wir also ein Modell, einen Entwurf, ein Vorbild für die Gesellschaft abliefern wollen, müssen wir erst einmal den Ist-Zustand dieser Gesellschaft betrachten und die Grundfrage beantworten: Wollen wir diese Gesellschaft überhaupt verändern? Oder wollen wir etwas in ihr in Teilbereichen verändern? Wenn die Antwort „Nein“ lautet, brauchen wir kein Labor und auch keine Menschen, die in ihm arbeiten.

Dann ist der Begriff der „Loge als Labormodell“ schlicht falsch. Lautet die Antwort aber „Ja“, dann müssen wir für uns herausfinden, in welchen Bereichen der Gesellschaft wir was verändern, sprich verbessern wollen.

Nun zeigt der Blick in die Arbeitskalender vieler unserer Labors, dass die gesellschaftliche Relevanz der Themen oft wohl an der mangelnden Verfügbarkeit von entsprechenden Rednern und Referenten scheitert.

Da springt dann der Bruder Zahnarzt ein und spricht über die „Vorteile von Implantaten beim Zahnersatz“, der Bruder Förster spricht über die „Der Borkenkäfer – Geißel des Waldes“ und ein dritter Bruder erbarmt sich und beglückt seine Loge mit dem Vortrag „Goethe und Gesundheit“. Alles mit viel Fleiß aufbereitet, durchaus informativ, aber „Labormodell Loge“? Entwürfe für die Zukunft? Wege, Ideale in die Tat umzusetzen? Wohl kaum. Hier gilt es in den meisten Fällen, die freimaurerischen Hausaufgaben zu machen und sich freimaurerische Ziele zu setzen.

Für uns Freimaurer sehe ich die Aufgabenstellung, sich die Ziele und Visionen unserer Altvorderen anzusehen und diese in die Gegenwart zu übertragen. Waren es im 18. Jahrhundert die Aufklärung und die Befreiung der Menschen von feudaler und klerikaler Unterdrückung, wandten sich die Zielsetzungen im 19. Jahrhundert mehr nach innen und rückten Ethik und Bildung ins Zentrum. Das 20. Jahrhundert brachte durch zwei Weltkriege und deren Folgen die Zerstörung der Illusion einer naturgesetzmäßigen Höherentwicklung der Menschheit.

Ganz im Gegenteil zeigte sich, dass Zivilisation und Barbarei nur durch einen hauchdünnen Schleier voneinander getrennt sind.

Nun, zu Beginn des 21. Jahrhunderts, ist es an uns, die Ziele erneut festzulegen.

Die erschreckenden Bilder aus dem Irak, aus Guantanamo, Syrien und der Ukraine zeigen, dass die Menschenwürde leider immer noch nicht eine Selbstverständlichkeit ist. Eine wirtschaftlich einigermaßen gesicherte Existenz mit einem Dach über dem Kopf und ausreichend Nahrung ist immer noch ein Privileg einiger weniger Länder. Und die persönlichen Freiheitsrechte drohen im sogenannten „Kampf der Kulturen“ auf beiden Seiten unterzugehen.

Bei der Vielfalt der unterschiedlichsten Talente und Kompetenzen in unseren Logen haben wir ein großes, ein sehr großes Potenzial, unseren ganz eigenen Beitrag zu einer positiven Gestaltung der Gesellschaft beizutragen. Ein Potenzial nicht nur in der Entwicklung von Ideen, sondern auch für ihre Umsetzung.

Sorgen wir dafür, dass in unseren Logen-Labors nicht nur schön geredet, sondern auch schön gearbeitet wird. Und zwar nicht am Archivieren von Idealen, sondern an der Verwirklichung von Visionen, deren Wurzeln in unseren Traditionen liegen. Denn wir Freimaurer haben die Erfahrung machen dürfen, dass trotz aller Rückschläge, Beharrlichkeit und das Festhalten an den eigenen Idealen zum Erfolg führen kann.

So wie Bundespräsident Johannes Rau in seiner letzten Berliner Rede sagte: „Die Kultur ist nicht die Sahne auf dem Kuchen, sondern die Hefe im Teig“, so sollte für uns die Freimaurerei nicht nur ein brüderliches Glanzlicht, sondern auch ein ständiger innerer Motor und ein pulsierender Unruheherd in uns sein, der uns voranbringt.

Wie bei Versuchsreihen in Labors auch einmal etwas daneben gehen kann, entsteht in unserem „Logen-Labor“ dann das Phänomen „Freimaurer sein trotz Loge“. Manchmal kommt es bei Experimenten im Labor zu Explosionen, manchmal entweicht ein kaum wahrnehmbares Gas, das die Atmosphäre vergiftet.

In der Logenpraxis bedeutet dies, dass sich eine Anspannung plötzlich im Streit entlädt oder dass die Stimmung in der Loge langsam, aber stetig schlechter wird. Ich höre nach solchen Vorkommnissen oft den Satz: „Es menschelt eben überall“ und meist kommt dann noch mit einer Portion Galgenhumor der Spruch: „Die Freimaurerei wäre so schön, wenn nur die Brüder nicht wären“. Ich mag mich damit nicht mehr abfinden!

Wie oft musste ich es schon erleben, dass sich ein Bruder dann zurückgezogen hat und in die Kategorie „Freimaurer sein ohne Loge“ gewechselt ist. Und das nur, weil er nicht dem „Bruderbild“ eines anderen Bruders entsprach. Nur deshalb, weil es Brüder gibt, die meinen, nur ihre Art „Freimaurer zu sein“ sei die einzig richtige. Zu oft bleibt von der viel zitierten „Streitkultur“ nur der Streit, aber keine Kultur mehr übrig.

Ich habe mir die Mühe gemacht, den Ursachen einiger Streitigkeiten in meiner Nähe auf den Grund zu gehen. Es ist erschreckend, wie schlicht die Ursachen oft waren. Einmal hat ein Bruder in seiner subjektiven Wahrnehmung etwas behauptet, was so nicht stimmte, andere sind ihm in dieser Ansicht vertrauensvoll und ohne Überprüfung gefolgt und nach kurzer war die Loge zerstritten und in sich gespalten. Eine einfache neutrale Betrachtung der Sachlage hätte genügt, dies zu verhindern.

In einem anderen Fall versuchte ein Altstuhlmeister stets schwache Nachfolger zu lancieren, um die Loge weiterhin zu steuern. Dies wurde von den meisten Brüdern zwar erkannt, doch vor lauter Dankbarkeit und Ehrfurcht vor den langjährigen Leistungen des Bruders, der von seiner scheinbaren Macht nicht loslassen wollte, schwiegen sie. So lange, bis ein Teil der Bruderschaft den spannungsvollen Zustand nicht mehr ertragen konnte und eine eigene Loge gründete. Offene, ehrliche Worte zur rechten Zeit hätten dies sicher verhindert.

Man sollte es sich nicht zu einfach machen, dies dann nur unter dem Etikett „dumm gelaufen“ abzulegen. Dazu sind wir Freimaurer viel zu wenige und jeder einzelne von uns ist viel zu wertvoll, um ihn durch Dummheit oder Sturheit zu verlieren. Lassen wir deshalb unsere Toleranz nicht zur Ignoranz verkommen. Lasst uns, trotz aller Widrigkeiten, die der Logenalltag manchmal mit sich bringt, zusammen arbeiten und auch zusammen feiern.

Und freuen wir uns daran, dass der Bruder neben uns nicht das Abziehbild unserer selbst, sondern ein ganz anderer ist.

Und das, meine lieben Brüder, ist der Grund, warum ich gerne Freimaurer bin – ohne Loge, mit Loge und trotz Loge!

© Gerd Scherm

GLT-Zeichnung München im Mai 2004, überarbeitet Februar 2014


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