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Traktat: M.K.A. Baumgartner - Überschätzte Toleranz

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Inhaltsverzeichnis

Traktat: M.K.A. Baumgartner - Überschätzte Toleranz

Traktate in diesem Wiki geben die Meinung des Autors wieder.
M.K.A. Baumgartner ist Mitglied der Loge ‚Zukunft’ der Großloge von Österreich

Einführung: Toleranz als Leitstern der Freimaurerei

Üblicherweise nennt die Freimaurerei folgende Begriffe als ihre konstitutiven Werte: Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit, Humanität und Toleranz. Den meisten Mitgliedern ist wohl klar, dass einige dieser Begriffe toller klingen als sie in der Praxis zu leben sind: zum Beispiel weil sie Schnittmengen des Widerspruchs enthalten, etwa Freiheit und Gleichheit. Oder weil unklar ist, was ein Wort überhaupt bedeuten soll, so die Brüderlichkeit. Andere Begriffe stehen ohne viel Reflexion hoch im Kurs: nicht nur in der Freimaurerei sondern ganz allgemein in den demokratisch-westlichen Gesellschaften. Dazu gehört die Toleranz. Sie wird so oft eingefordert und zitiert, dass man das Gefühl haben kann, sie dient vor allem der oberflächlichen Befriedigung unserer Harmoniebedürfnisse.

In seinem Traktat hat der österreichische Freimaurer M.K.A. Baumgartner den Begriff zuerst wie heute allgemein üblich definiert, und ihn dann aber mit geradezu mathematischer Präzision auf ganz verschiedene prinzipielle Lebenssituationen umgelegt. Dabei kommt heraus, was wir ohnehin ahnen: Je mehr es ans „Eingemachte“ geht, desto schwieriger ja sogar unmöglich wird es, Toleranz walten zu lassen, es sei denn, man gibt sich auf. Baumgartners Fazit: Die Toleranz wird überschätzt.

Das Freimaurer-Wiki dankt dem Autor für die Erlaubnis, den Text hier wiedergeben zu dürfen. Rudi Rabe.


Die überschätzte Toleranz

Abstract

Mit der Gegenwart haben wir den bisher höchsten Grad an Mobilität und Informationsaustausch in der Geschichte erreicht. Die Konfrontation mit dem Menschen, der anders denkt und anders handelt als wir selbst, war noch nie so eindringlich und dauerhaft wie heute. Um die Konflikte, die dabei entstehen können, zu vermeiden, versucht die aufgeklärte, demokratisch organisierte Gesellschaft dem Fremden mit Toleranz zu begegnen. Dabei wird oft übersehen, dass sich das Respektieren und erst recht das geforderte Akzeptieren nur auf die Ansichten des anderen erstreckt. Wenn dieser andere gemäß seinen Ansichten auch handelt, stößt die Toleranz schnell an ihre Grenze. Unterschiedliches Denken und Reden hat meist keine unmittelbare Konsequenz. Unterschiedliches Handeln aber wird in den Augen des Andersdenkenden rasch zu einem Zuwiderhandeln. Somit kann keine der beiden Seiten die andere akzeptieren, ohne selbst einzulenken. Die Toleranz ist dann kein sinnvolles Konzept mehr. Wenn die räumliche Trennung der konkurrierenden Gruppen nicht möglich ist, wird der Konflikt konsequenterweise mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln ausgetragen werden.

1. Einleitung

Der Toleranzbegriff

Toleranz, das Ertragen und Erdulden des anderen, wurde in der Antike und im Mittelalter in erster Linie im religiösen Kontext gesehen. Erst die Aufklärung dehnte den Begriff auch auf das Andersdenken und Anderssein außerhalb religiöser Kategorien aus und befand weiters, dass das reine Erdulden nicht ausreicht, dass das Ziel der Toleranz letztlich die Anerkennung sein muss. Sie soll den Menschen von der anfänglichen Ablehnung über das Gewährenlassen bis zur Wertschätzung führen. In der Gegenwart gilt Toleranz zumindest in den westlichen Demokratien als nicht verhandelbares Konzept der Koexistenz. Sie ist zum Gradmesser der politischen Kultur geworden.

Kritik der Toleranz

Der Toleranzbegriff ist immer wieder von verschiedenen Seiten und mit unterschiedlichen Argumenten kritisiert worden. Dabei fällt auf, dass die meisten Kritiker von einem grundlegenden Wertekanon ausgehen, der entweder als Minimalkonsens allgemein gültig oder als philosophisch-ideologisches Konzept erstrebenswert sein soll. Ausschließlich vor solch einem Hintergrund werden dann Toleranz und Intoleranz untersucht.

So lenkt etwa für Marx die Toleranz als bürgerliches Ideal vom Klassenkampf ab und kann frühestens in der klassenlosen Gesellschaft gelebt werden. Sie ist für ihn keineswegs das geeignete Mittel, die Aufhebung des Privateigentums oder gar der Religion voranzutreiben. Auch für Marcuse ist Toleranz ein Hindernis auf dem Weg zur Befreiung der Menschen, da sie der repressiven Gesellschaft lediglich dazu dient, die Opposition zu neutralisieren.

Auch der neben Marx zweite große Toleranzkritiker des 19. Jahrhunderts, Nietzsche, kritisiert die Toleranz vor dem Hintergrund seiner eigenen Konzepte, etwa des Übermenschen oder des Willens zur Macht. Für ihn ist sie damit eine Begünstigung des Schwachen und ein „Beweis für das Misstrauen gegen ein eigenes Ideal“. Die Toleranzkritik des Feminismus prangert die Toleranz gegenüber frauenverachtenden Gesellschaften oder Religionsgemeinschaften an. Auch hier muss aber angemerkt werden, dass die Kritik von einem Wertekanon ausgeht, der zwar in der westlichen Welt unbestritten ist, offenbar aber nicht von allen Menschen anerkannt wird.

Auch von Seiten neuerer philosophischer Richtungen wie etwa des Kommunitarismus wird die Toleranz kritisiert, weil sie dem angestrebten Ziel – in diesem Fall der aktiven, gemeinschaftsbezogenen Bürgergesellschaft – durch Stärkung von Liberalismus und Subjektivismus entgegenwirkt. Eine zunächst weniger stark ideologisch vorbelastete Kritik der Toleranz kommt von Žižek, der in seinem Plädoyer für die Intoleranz eine Politisierung der Politik fordert. Die postpolitische Gesellschaft hat mit ihrem dogmatischen multikulturellen Ansatz verlernt wichtige Konflikte zu erkennen und erst recht sie auch auszutragen.

Das Konzept der Wertekataloge

Um die nachstehenden Betrachtungen zu erleichtern, empfiehlt sich folgendes Bild: Man denke sich zu jedem Menschen einen Wertekatalog, der alle Begriffe auflistet, die diesem Menschen wichtig sind. Diese Begriffe können sowohl positiv als auch in ihrer Negation formuliert sein. Z.B.: Jemand will in einer Demokratie leben und in seinem Land soll es keine Todesstrafe geben. Auch profane Begriffe, wie etwa der Erwerb bestimmter Luxusgüter, können sich auf solch einer Liste finden.

Entscheidend aber ist, dass der Wertekatalog jedes Menschen nicht nur die Wertbegriffe selbst, sondern auch Argumente bzw. Argumentationsketten enthält. Durch sie entscheidet dieser Mensch, ob er etwas für plausibel, machbar, angemessen etc. hält.

Zuletzt denken wir uns diesen Katalog nach der Wichtigkeit der Werte geordnet. Ganz oben in der Liste sollen die Einträge stehen, die für den betreffenden Menschen essentiell sind, weiter unten die für ihn weniger wichtigen Begriffe.

Während die am weitesten oben gereihten Begriffe tief in der Persönlichkeit des jeweiligen Menschen verankert sind, ihm oft vielleicht gar nicht bewusst werden, sind die weiter unten stehenden Einträge wandelbarer. Sie können im Lauf des Lebens ihren Platz in der Liste ändern oder auch ganz entfallen. Auch neue Begriffe können in den Wertekatalog aufgenommen werden.

Im Folgenden soll keinerlei Werturteil bezüglich dieser Listen gefällt werden. Es ist ja die Schwäche der etablierten Toleranzkritik, dass sie den ethisch-politischen Standpunkt des Kritikers stützen soll (s.o.). Auch wie solche Wertekataloge zustande kommen, ist nicht Gegenstand dieser Betrachtung. Es soll ausschließlich untersucht werden, welche Interaktionen von Menschen vor dem Hintergrund ihrer Wertekataloge möglich sind. Dabei wird sich zeigen, dass stark differierende Wertekataloge die Möglichkeiten des Zusammenlebens deutlich einschränken. Realpolitisch dient die Toleranz dann oft nur dazu, diesen Umstand zu verschleiern.

2. Interaktion ohne gemeinsames Handeln

Ignorieren

Wenn zwei Menschen in Kontakt treten, so ist die erste und einfachste Form der Begegnung, dass die jeweiligen Wertekataloge wechselseitig ignoriert werden. Bei den meisten Kontakten im Alltag ist das der Fall. Der stattfindende Austausch ist rein sachlich und berührt nicht die Persönlichkeit des Gegenübers. Nun wird oft konstatiert, dass Ignorieren noch keine Toleranz darstelle. Dem ist aber entgegenzuhalten, dass das Ignorieren auch als eine Art Nichtangriffspakt gesehen werden kann. Unausgesprochen hat man sich darauf verständigt, den anderen bezüglich seines Wertekataloges unbehelligt zu lassen. Das kann sehr wohl als eine rudimentäre Toleranz verstanden werden.

Betrachten, Austauschen

Die nächste Stufe, auf der sich zwei Menschen vor dem Hintergrund ihrer Wertekataloge begegnen können, ist die des gegenseitigen Betrachtens der beiderseitigen Listen. Dabei ist sichergestellt, dass man sich gefahrlos dem anderen öffnen kann. Dieses Szenario ist sozusagen die Heimat der Toleranz. Hier erproben wir unsere Offenheit und sind stolz auf unser Unvoreingenommensein. Bereitwillig hören wir dem anderen zu, lassen ihn gelten und übernehmen vielleicht sogar – aus freien Stücken – den einen oder anderen Eintrag. Wer über eine gewisse innere Gelassenheit und vor allem über eine gute Kinderstube verfügt, wird diese Situation kaum als Herausforderung empfinden. Schließlich besteht ja keine Gefahr, dass die eigenen Lebensbedürfnissen vom anderen in irgendeiner Weise ein- geschränkt werden.

Den anderen ändern wollen

Die nächste Stufe der Begegnung ist nicht mehr so harmonisch. Hier versucht zumindest eine der beiden Seiten den Wertekatalog des Gegenübers abzuändern. Dafür kann es verschiedene Gründe geben: erstens alle Formen der Erziehung und des Lehrens, zweitens die Überzeugung, dass die Liste des anderen mangelhaft sei und ein Modifizieren seines Wertekataloges für ihn vorteilhaft wäre – auch gegen seinen Willen. Hier kann besonders jede Art des Missionierens als Beispiel dienen. Zuletzt kann auch versucht werden, den Wertekatalog des anderen vor allem zum eigenen Nutzen abzuändern. Beispiel hierfür ist die Manipulation, etwa in der politischen Propaganda oder in der Werbung.

Diese Stufe der Begegnung liegt aber bereits an der Grenze zum Handeln, das im nächsten Abschnitt beleuchtet werden soll.

3. Interaktion mit gemeinsamem Handeln

Gemeinsames Handeln

Wenn Menschen gemeinsam handeln, gibt es fast immer jemanden, einen Einzelnen oder eine Gruppe, der – zumindest für einen bestimmten Zeitraum – das Sagen hat. Das dient der schnellen Entscheidungsfindung, besonders in kritischen Situationen. Wir kennen den Bergführer, den Kapitän, Firmenchefs und auch die Regierung eines Staates.

Es zeigt sich nun, dass man einer solchen Führungsinstanz – egal ob sie aus einer Einzelperson oder aus einer Gruppe besteht – ebenfalls einen Wertekatalog zuordnen kann. Die daraus ableitbaren Konsequenzen sollen im Folgenden am Beispiel eines Staates und seiner Regierung dargestellt werden.

Wenn in einem Staat Entscheidungen getroffen werden, so können diese in unterschiedlichem Maß mit den Wertekatalogen der Staatsbürger kompatibel sein. Zwischen Regierenden und Regierten besteht oft eine deutliche Diskrepanz und der Handlungsspielraum dieser beiden Gruppen ist nur in seiner Summe gleich. Exemplarisch sollen daher die beiden Extreme, die Diktatur und die Demokratie untersucht werden.

Diktatur

In diktatorischen Systemen kommt es von Seiten der Entscheidungsträger nur selten zum Versuch, den eigenen Wertekatalog mit dem der Untertanen abzugleichen. Der Teil der Bevölkerung, auf den sich das Regime stützt, ist ja ohnehin gleichgeschaltet, meist durch protektionistische Maßnahmen. Jener Teil der Bevölkerung, der die Ziele der Machthaber trotz der allgegenwärtigen Propaganda nicht teilt, wird durch Repression neutralisiert. Angst bringt die Menschen dazu, ihre eigenen Wertekataloge zumindest scheinbar der politischen Realität anzupassen oder in der Hoffnung auf einen baldigen Regimewechsel vorübergehend stillzulegen. Wenige haben den Mut, aktiv Widerstand zu leisten.

Ein öffentlicher politischer Diskurs findet nicht statt und so ist erwartungsgemäß die Toleranz im diktatorisch regierten Staat keine relevante Kategorie.

Demokratie

Auch in demokratischen Systemen leben Menschen, deren Wertekataloge in wesentlichen Punkten nicht mit dem Wertekatalog der Regierung übereinstimmen. Man könnte aber die Demokratie dadurch definieren, dass sie versucht die Anzahl dieser Menschen möglichst gering zu halten. Dies erfolgt vor allem mit dem Instrument der Abstimmung, aber auch durch einen – im Idealfall – breiten Diskussionsprozess, der das gemeinsame Planen und Handeln begleitet.

Sowohl demokratisch als auch diktatorisch Regierende haben aber auffallender Weise einen Eintrag in ihren Wertekatalogen fast immer gemeinsam: Sie wollen an der Macht bleiben. Die diktatorische Regierung erreicht dieses Ziel durch Gewalt und Repression und die übrigen Einträge in ihrem Wertekatalog werden dadurch kaum beeinträchtigt. Bei demokratischen Regierungen führt der Wunsch, an der Macht zu bleiben, aber oft dazu, dass ihr gesamter übriger Wertekatalog korrumpiert wird. Man findet vor allem in Mediendemokratien kaum mehr Regierungen, die diesem Ziel nicht alles andere unterordnen. Ständig modifizieren sie ihre Wertekataloge gemäß den Meinungsumfragen und nehmen vor allem vor Wahlen bereitwillig die Einträge der verschiedensten Wählergruppen in ihre Liste auf.

Wenn nun in der Demokratie Entscheidungen zu treffen sind, werden (gemäß dem Dogma der Toleranz) abweichende Meinungen gehört und kritische Einwände offen erörtert. Ganz im Sinne Marcuses muss sich letztlich aber ohnehin alles dem Diktat des (politisch) Stärkeren beugen. Die Gewalt geht von der Mehrheit aus und die demokratisch gewählte Regierung sichert sich diese Mehrheit oft durch Manipulation, Verschleierung der Sachverhalte und Zugriff auf Medien.

Auch ein Kompromiss, den Regierende mit Regierten schließen, hat nichts mit Toleranz zu tun. Das Abgleichen der Wertekataloge durch geeignetes Streichen, Hinzufügen und Umreihen ist nur ein Einlenken, damit oppositioneller Widerstand nicht die eigene Machtbasis gefährdet. Auch Verhandlungen, die einem solchen Kompromiss oft vorausgehen, sind nicht von Toleranz getragen. Man taktiert, übt Druck aus, verschleiert die eigenen Absichten und versucht die andere Seite dazu zu bringen, für sie essentielle Einträge aus ihrem Wertekatalog zu streichen oder ungeliebte Einträge aufzunehmen.

Natürlich erfordert Handeln die Entscheidung für einen Plan und damit die Entscheidung gegen alle anderen Pläne. Doch die so oft beschworene Toleranz täuscht darüber hinweg, dass die von ihr selbst geforderte Anerkennung damit ausbleiben muss. Bei stark differierenden, vielleicht einander sogar widersprechenden Wertekatalogen ist es nicht sinnvoll, von der Anerkennung des einen Standpunktes zu sprechen, wenn gemäß dem entgegengesetzten Standpunkt gehandelt wird.

Unvereinbare Wertekataloge

Wertekataloge können als unvereinbar gelten, wenn sie in den wesentlichen Punkten zumindest disjunkt sind, vor allem aber, wenn sie sich gegenseitig verneinen. Besonders im letzten Fall ist es angebracht, von einem feindlichen Wertekatalog zu sprechen. Menschen werden durch unvereinbare Ziele und Überzeugungen zu Feinden und es ist eine Illusion zu glauben, dass Toleranz daran substantiell etwas ändert. Sie kann lediglich ein vielleicht sogar gutes Gesprächsklima bereitstellen, aber sie muss enden, wenn beide Seiten vom Reden zum Handeln übergehen.

Menschen mit unvereinbaren Wertekatalogen können auf Dauer nicht gemeinsam handeln. Sie behalten ihre Handlungsfreiheit nur dann, wenn sie räumlich voneinander getrennt werden. Bei disjunkten Listen, die das Ignorieren des anderen ermöglichen, kann das schon durch Segregation erfolgen. Bei Listen, die sich wechselseitig verneinen, ist das Zusammenleben im selben Staat für keine der beiden Seiten zielführend. Die Forderung, dass Menschen mit unvereinbaren Wertekatalogen zusammenleben sollen, bedeutet also im Grunde, dass Feinde zusammenleben sollen. Das aber bedingt Unterwerfung – entweder des einen unter den anderen, oder beider unter diese Forderung. Damit sind die Wertekataloge jedoch nicht mehr unvereinbar. Zumindest einer der beiden wurde ja verworfen bzw. an den anderen angeglichen.

Wenn aber keine Bereitschaft oder Möglichkeit besteht, die Wertekataloge abzuändern, dann folgt aus ihrer Unvereinbarkeit, dass jede Seite früher oder später versuchen wird die andere physisch zu vernichten.

Schlussfolgerung

Die Toleranz als politisches Dogma gewährleistet lediglich den friedlichen Informationsaustausch über unterschiedliche Standpunkte. Sie ist außerstande differierende Positionen einander anzugleichen. Sie will ja akzeptieren und kann damit nicht das Einlenken (von zumindest einer der beiden Seiten) fordern. Wenn nun Menschen mit unvereinbaren Standpunkten gemeinsam handeln sollen, kommt es unvermeidlich zum letztlich auch gewaltsam ausgetragenen Konflikt. Dieser kann nur durch räumliche Trennung vermieden werden. Wo sie nicht möglich ist, bleibt lediglich die Unterwerfung. Durch wirtschaftlichen oder politischen Druck sehen sich die Menschen dann gezwungen, essentielle Einträge aus ihren Wertekatalogen zu streichen, um mit anderen Menschen, die möglicherweise ebenfalls schon solche Streichungen in ihren Listen vornehmen mussten, zusammen zu leben.

Die heute im Namen der Toleranz ausgerufene multikulturelle Gesellschaft läuft dadurch Gefahr, eine akulturelle Gesellschaft zu werden. Das ursprüngliche Bedürfnis, nach den eigenen Wertvorstellungen zu handeln, wird dem Zusammenleben geopfert. Die verschiedenen Gruppen sind – wenn überhaupt – nur mehr an oberflächlichen folkloristischen Attitüden unterscheidbar. Fraglich aber bleibt, wie dauerhaft der Konflikt damit unterbunden ist. Manche Gruppen könnten ihren Wertekatalog lediglich stilllegen und auf lange Sicht sehr wohl die Dominanz ihrer Überzeugungen anstreben.

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Siehe auch


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