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Traktat: Wieviel Öffentlichkeit verträgt die Freimaurerei ?

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Wieviel Öffentlichkeit verträgt die Freimaurerei ?

Von Sven Jösting

Meine Damen und Herren,

ich darf heute in meiner Funktion als Gästesekretär der Loge "Roland" diesen Gästeabend mit einem kleinen Beitrag bestreiten bzw. gestalten. Eigentlich hört man ja immer, die Freimaurerei sei etwas Geheimes, sie verberge ein Geheimnis, es handelnde sich um eine geheime verschworene Gesellschaft, die das profane Leben nicht die Schwelle zu den freimaurerischen Orten übertreten lässt und schon gar nicht in das Heiligste, den Tempel. Zudem wäre da etwas Geheimnisvolles, was wie ein Schatz gehütet wird und mit strengen Regeln versehen ist, die arge Konsequenzen erahnen lassen, sollte sich ein Bruder erdreisten, das Geheimnis preisgeben.

Nun, so ist es nicht wirklich. Das Geheimnis liegt in verschiedenen Formen der Selbst-Erkenntnis und in jedem Bruder selbst. Man könnte fast sogar sagen, es handelt sich um eine Form des Selbst-Coachings mit dem Ziel, über verschiedene Erkenntnisstufen ein besserer Mensch zu werden, werden zu wollen im Diesseits. Ein Prozess, der erst mit dem Tod zu Ende geht. Den Grundzügen der Humanität Rechnung zu tragen, ist eines der Ziele eines jeden Bruders wie unserer Gemeinschaft.

Die Öffentlichkeit ist dabei keineswegs ausgeschlossen, soll sie doch wissen, für was die Freimaurerei, der Bund in der Bruderkette und der Kette der Herzen steht. Nur: jeder Bruder allein entscheidet, was er über sich und seine Zugehörigkeit zur Freimaurerei preiszugeben bereit ist. Der Eine wird freigiebig über seine Aktivität und Erkenntnisse berichten, der andere Bruder sucht die Deckung und möchte absolut nicht, dass man weiß, dass er ein Bruder ist.

Und es gibt klare Regeln, dass kein Bruder für die Bruderschaft sprechen darf, sondern nur immer für sich selbst.

Was die Kommunikation der Freimaurerei im Allgemeinen in der Öffentlichkeit angeht, hat es Phasen der Öffnung gegeben, die sehr unterschiedlich ausfallen, und zwar von Loge zu Loge unterschiedlich aber auch von Land zu Land unterschiedlich, denn Freimaurerei hat weltweit bestimmte Grundprinzipien, Rituale u.a., fällt dann aber auch wiederum von Land zu Land sehr unterschiedlich aus, wenn auch die Ziele u.a. der Toleranz, der brüderlichen Harmonie, der gegenseitigen Vertrauensregeln, freiheitliche Grundprinzipien u.a. überall gleich sind.

Neue Medien wie das Internet haben ein völlig neues Interesse an der Freimaurerei initiiert, welches auf einer Vielzahl von Berichten, Meinungen, Suchmaschineneinträgen beruht aber auch auf Autoren wie Dan Brown, die sich der Freimaurerei für ihre Handlungen bemächtigt haben.

Es gibt auch sehr viel Literatur wie z.B. von einem unserer Roland-Brüder entwickelten freimaurischen Wikipedia, einer Art interaktivem Nachschlagewerk, wo jeder Bruder aufgerufen ist, Beiträge zu liefern, Kommentare abzugeben oder Kritiken zu äussern.

Vortragsabende und öffentliche Veranstaltungen u.a. aus dem Bereich der Literatur, der Musik und schönen Künste, Ausstellungen u.a. runden das Spektrum ab, welches die Öffentlichkeit in das freimaurische Leben einbezieht.

Und: viele Vorurteile in der Öffentlichkeit können nur über Öffentlichkeitsarbeit beseitigt werden, denn wer weiss wie es wirklich ist und abläuft, redet z.B. nicht mehr abfällig über unserer Bund oder eventuell darüber, dass Freimaurer Frauen ausschliessen, denn diese haben ebenfalls Logen und sind immer gern gesehen wie auch über ihre Männer direkt wie indirekt am Logenleben beteiligt.

Kurzum: unser Bund, die Freimaurerei verträgt viel Öffentlichkeit, wollen wir doch darauf hinweisen, was es bedeutet, Freimaurer zu werden, zu sein auf dem Weg bis zum Lebensende.

Und klar sei gesagt: unser Bund verkörpert die Werte, die jeden Menschen gleichermaßen betreffen und zwar unabhängig von der gesellschaftlichen Position, der Religion, der wirtschaftlichen Situation u.a., also die Werte des Humanismus, der Freiheit, der Toleranz und dem Entfliehen vor VorUrteilen, die jeder Mensch u.a. durch seine Prägung erfahren hat.

Letztendlich brauchen wir die Öffentlichkeit auch für die Mitgliederwerbung, denn unser Bund hat viele ältere Brüder denen jüngere folgen sollten, und ausschließlich über Referenzen lässt sich dies nicht bewerkstelligen, wenn auch der größte Teil interessierter und um Aufnahme ersuchender Herren aus dem Umfeld der Brüder selbst kommt, sei es aus verwandtschaftlichem Bezug – z.B. der Großvater war eventuell Freimaurer oder aus freundschaftlichem Verhältnis zu einem Bruder.

Öffentlichkeit hört aber da auf, wo unser Geheimnis, welches jeder Bruder auf eine sehr schöne individuelle Art tiefster Gefühle erfährt, offen gelegt wird. Lassen sie es mich mit einem Kind beschreiben, welches sich sehr auf die Bescherung zu Weihnachten freut und dann mit grossen Augen diese erleben darf. Wüßte das Kind schon vorher alles, wäre der Charme, wären die Gefühle nicht dieselben, eher sogar Enttäuschung würde sich einstellen.

Deshalb ist Öffentlichkeit bis zu einem gewissen Punkt sehr wichtig, geradezu notwendig, daneben aber sollte und muss ein Geheimnis ein Geheimnis bleiben, wenn es auch eher rein symbolische Kraft genießt.

Mir sei eine Anmerkung zu dem Mordanschlag in Norwegen erlaubt. Dieser verirrte Geist, ja Verrückte, Fundamentalist einer eigenen kruden Wirklichkeit, war Bruder einer Ordensloge in Norwegen. Sein Handeln steht im völligen Widerspruch zur Freimaurerei und ihren humanistischen/humanitären Zielen. Durch dieses Verbrechen könnten Verschwörungstheorien bezüglich der Freimaurerei neu entflammt werden, auch wenn unser Bund in vielerlei/aller Hinsicht transparent ist. Auch deshalb ist es wichtig, dass wir viel Öffentlichkeitsarbeit machen, um auf unser Wirken aufmerksam zu machen und wirren Interpretationen und Theorien entgegen zu treten.


Lassen Sie mich unseren Bruder Prof. Hans-Hermann Hömann zitieren: „auf alle Fälle müssen Freimaurer redlich sein und sagen, was sie sind und was sie wollen."


Veranstaltungen wie diese können dazu beitragen, die Gesellschaft über unseren Bund zu informieren. Sie sind aber auch – Stichwort „Schnittstelle“ - dazu da, Impulse und Kritik von aussen aufzunehmen und für eine dynamische Weiterentwicklung des Freimaurerbundes zu nutzen. Die Freimaurerei braucht intellektuelle Auseinandersetzung wie die Luft zum Atmen. Gern wird in den Logen gesagt, Tradition hieße nicht Asche zu bewahren, sondern Feuer weiterzugeben. Feuer aber entsteht durch Reibung, und Reibung entsteht an den Schnittstellen, wo die inneren Entwicklungen der Freimaurerei auf die Herausforderungen durch die Gesellschaft stoßen.

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