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Verteidigung

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Verteidigung, Abwehr

Quelle: Lennhoff, Posner, Binder


Die Haltung der Freimaurerei zu den Angriffen ihrer zahlreichen Gegner (s d.) ist uneinheitlich. Die Anschauungen über die Frage, ob und in welcher Weise Verteidigung, Abwehr, am Platze ist, sind sehr geteilt. Sehr häufig, selbst in Ländern, in denen die Freimaurerei keine besonders gefestigte Stellung einnimmt, wo systematische Hetze der freimaurerischen Sache immer wieder Abbruch tut, begegnet man nicht selten einer erstaunlich wirkenden Zurückhaltung gegenüber allen gegnerischen Äußerungen.

Diese wird recht verschiedenartig begründet, u. a damit, das die Freimaurerei keine Kampforganisation sei und nicht in die Arena der Polemik mit Pamphletisten heruntersteigen dürfe, das man Dinge, die im Wesentlichen auf eigenem inneren Erlebnis beruhen, nicht auch noch selbst in die Öffentlichkeit zerren dürfe, daß es zwecklos erscheine, mit von Haus aus unbelehrbaren Gegnern gegen notorische Lügen zu debattieren, daß überdies jedes Hinaustreten die Gefahr in sich berge, als Propaganda gewertet zu werden. Diese Anschauungen sind so tief eingewurzelt, das, die Zahl wertvoller Verteidigungsschriften lange Zeit verhältnismäßig gering war, wobei wir unter Verteidigungsschriften nicht solche verstehen, die sich im allgemeinen mit Freimaurerei beschäftigen, sondern.

Literatur, die konkret auf konkrete Anschuldigungen eingeht.

Deren erste war die 1730 (als Antwort auf Prichards "Masonry Dissected") in London anonym erschienene "Defence of Masonry", die 1738 auch im Anhang zum Konstitutionenbuch gedruckt wurde. Die Autorschaft wird Martin Clare (s. d.) zugeschrieben.

Bis in die neueste Zeit beschränkte man sich darauf, vielfach die Sturzflut der Angriffe über sich ergehen zu lassen und aus dieser Reserve nur herauszugehen, wenn der Verleumdungsfeldzug einmal gar zu arg wurde. Diese Taktik hat sich aber immer wieder als durchaus verfehlt erwiesen. Die sie vertreten, übersehen ganz, daß Stillschweigen nicht als Würde, sondern als Ausfluß eines "Schuldbewußtseins" ausgelegt wird, das Unwahrheiten, mögen sie auch noch so handgreiflich und als solche auch sofort erkenntlich sein, von Leuten doch schließlich geglaubt werden, denen man sie stets aufs neue einhämmert, und das durch Passivität gegenüber ihren Angreifern die Freimaurerei Gefahr läuft, auch in jenen Kreisen Kredit zu verlieren, die nicht von Haus aus gegnerisch eingestellt sind.

Wenn auf noch so vehemente Vorstöße immer nur vornehmes Schweigen antwortet, dann erscheint es nicht verwunderlich wenn das Bild der Freimaurerei sich auch in den Augen der Objektivsten trübt, wenn von dem Schmutz, der über die freimaurerische Ideologie ausgegossen wird, immer etwas hängen bleibt, wenn hinter dem "freimaurerischen Geheimnis" Dinge vermutet werden, die "das Licht des Tages zu scheuen" haben. Wie nützlich aber wohldurchdachte Abwehr sein kann hat sich beispielsweise in der Zeit des Taxilschwindels erwiesen, als infolge der Kampfrufe Findels maßgebende deutsche Katholiken zur Erkenntnis gelangten, einem bösartigen Schwindel aufgesessen zu sein.

In den angelsächsischen Ländern, in denen die Gegner des Bundes (abgesehen vielleicht von Irland) nur selten hervortreten, ist Abwehr im allgemeinen naturgemäß überflüssig. In den romanischen Staaten, wo das Antifreimaurertum mit sehr heftigen Äußerungen hervortritt, wird vielfach nicht reagiert, gelegentlich aus der Verteidigung zum Gegenangriff übergegangen, in Deutschland haben neuerdings die maßlosen Vorstöße Ludendorffs und des Tannenbergbundes, der Nationalsozialisten und anderer völkischer Kreise zur Überwindung der Scheu geführt, die lange Zeit bezüglich des Eintretens in eine zielbewußte Abwehrkampagne herrschte.

Namentlich der Verein deutscher Freimaurer hat eine ganze Reihe von Schriften herausgebracht, die geeignet erscheinen, jenen, die nicht ganz verblendet sind, die Augen über die gegnerischen Argumente zu öffnen, Lügen und Verleumdungen als solche zu kennzeichnen. Auch Vorträge, Feierstunden usw. werden veranstaltet, und es zeigt sich bei diesen Gelegenheiten immer wieder, daß nicht nur die Feinde der Freimaurer, sondern auch diese selbst die größten Säle zu füllen vermögen, wenn sie sich zum Abwehrkampf stellen. So wichtig dieser aber auch ist, viel wichtiger ist es, nicht erst dann an die Öffentlichkeit zu appellieren, wenn es sich um die Verteidigung des freimaurerischen Gedankens handelt. Aufklärung über Wesen und Ziele des Bundes, über dessen Wollen und Wirken tut auch dann not, wenn kein aktueller Anlaß dazu herausfordert.


Es hat mit Propaganda gar nichts zu tun, wenn von Zeit zu Zeit Neutralen und Gegnern Gelegenheit geboten wird, sich über die Freimaurerei zu unterrichten.


Aus dieser Erkenntnis heraus erscheinen immer mehr Bücher um mit jener gewissen Geheimniskrämerei aufzuräumen, die zwar lediglich der Scheu entsprang, "inneres Erleben zu profanieren", die aber fehl am Ort war.

Als wertvolle Ergänzung haben sich - auf Grund eines 1930 vom Großosten der Niederlande im H'aag gegebenen Beispiels - Pressekonferenzen erwiesen, die nicht vorbereitete Mitteilungen an Zeitungsleute bezwecken, sondern Einblick in die Grundlagen des Gebrauchtums und rückhaltloses Eingehen auf alle gestellten Fragen bringen sollen. In Frankreich dienen der Aufklärungsarbeit die "Tenues blanches" (s. d.), Veranstaltungen, zu denen Nichtfreimaurer herangezogen werden. Einige deutsche Großlogen besitzen Abwehrausschüsse (s. d.), eine ähnliche Institution wurde seinerzeit auch an der Großloge "Alpina" ins Leben gerufen. Planmäßige Abwehr steht auch auf dem Programm der Allgemeinen Freimaurerliga, namentlich deren Journalisten- und Schriftstellergruppe.

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