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„Schottischer Meister“, 1763

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Inhaltsverzeichnis

Ein frühes Hochgradritual: „Schottischer Meister“, 1763

Bearbeitet von Roland Müller

Aus:
Der Signatstern oder die enthüllten sämmtlichen sieben Grade der mystischen Freimaurerei nebst dem Orden der Ritter des Lichts
für Maurer und dies nicht sind aus dem Nachlaß des verstorbenen hochw. Bruders W … [Johann Christoph von Wöllner]
an das Licht des Tages befördert von seinem Freund und Bruder B …
Berlin 1803, I, 147-172
Band III, 1804, 89-99

Die:
Historie der Schottischen Meister, und Ritter des heiligen Andreas
bereits in:
Théodore Henri de Tschoudy: Der flammende Stern. Oder die Gesellschaft der Freymäurer. 1779, I, 30-33, 52-53, II, 75-77, 81-87
 (frz. 1766, I, 43-44; II, 103-107, 112-123);
2. dt. Aufl. als Sechster und Siebenter Theil von „Der Signatstern“, 1810; 3. Aufl. 1866; Neuabdruck 1920; Nachdruck 1979


Der angeblich ca. 1740 von Andrew Ramsay erfundene Schottische Meister wird beschrieben in:
Heinrich Lachmann: Geschichte und Gebräuche der maurerischen Hochgrade und Hochgrad-Systeme. Braunschweig 1866, 3-4

siehe auch zum Vergleich:
Die_zerschmetterten_Freymäurer_-_1746#Von_denen_Baumeistern_oder_Schotten.

Eine völlig andere „Aufnahme des schottischen Meisters“ bei der Strikten Observanz aus dem Jahre 1764 findet sich bei:
Klaus C. Feddersen]]: [[Rituale des hohen Ordens vom heiligen Tempel zu Jerusalem, auch Strikte Observanz genannt, weltlicher Zweig nebst Ordensregeln und vielen Abbildungen aus dem Jahre 1764. I. bis VII. Grad. Schriften der freimaurerischen Forschungsvereinigung Frederik der Großen Landesloge der Freimaurer von Deutschland. Flensburg 1999, 111-121.


Schottischer Meister

und Ritter des heiligen Andreas vom Schottland.
(Nach dem alten System von 1763


Schottische Meister und Ritter des heiligen Andreas vom Schottland.


Die Loge der Andreasloge wird durch vier schottische Schläge eröfnet Der erhabene Meister avertirt es, wie gewöhnlich, an die beiden Vorsteher, welche es wiederholen.
Hierauf spricht der Erhabene zum Orden.
Meine Brüder Ritter, die Andreasloge ist geöfnet.
Beide Vorsteher wiederholen es. Man klopft viermnal in die Hände. Man bringt hierauf den neuaufzunehmenden Meister vor die Thüre der Loge.
Der erste Vorsteher avertirt den Erhabenen davon. Der Joh.-Mstr. wird befragt, was er wolle?
Antw. Schottischer Meister werden. — Wer er sei? — Johann.-Mstr. —

Der erste Vorsteher führt ihn, mit einem Stricke um den Hals, zur Thüre der Loge rückwärts herein, und stellt ihn zwischen beide Brüder Vorsteher. Der Erhabene frägt ihn:
mein Bruder was begehren Sie? — Antw. Schottischer Meister zu werden. Fr. Warum? — Antw. Weil ich wünschte in den Geheimnissen des Ordens mehrern Unterricht zu erhalten. Fr. Sind Sie Frmr? — Gesell? — Meister? —
Er wird hier über die drei unteren Grade examinirt.
Fr. Fühlen Sie sich stark genug uns die härtesten Proben Ihrer Standhaftigkeit ablegen zu können? — Antw. Ja! —
Bruder erster Vorsteher! so lassen sie ihn die vier großen Reisen gegen Morgen thun. —


Während dieser fängt der Erhabene die Geschichte der Schottischen Maurerei an. — Zu den Zeiten der Kreuz-Züge, unter Regierung Wilhelm II. als Balduin König von Jerusalem war, beredten sich viele edle Schotten mit nach dem heiligen Lande zu ziehen. Sie kamen nebst den großen Heeren, die damals fast die ganze Christenheit dahin absendete, unter Anführung Roberts, des Königes von Engeland Bruder, 1089 zu Jerusalem an. Sie suchten die heiligen Oerter wieder auf, und fanden endlich, nach vielem Bemühen, unter den Ruinen wo ehemals der heilige Tempel gestanden, vier aufeinander liegende goldene Platten; in deren Mitte sie den Buchstaben J erblickten. Sie erkannten sogleich den allerheiligsten Namen des großen Baumeisters der Welt; sielen nieder auf ihre Kniee, lobten ihn und dankten ihm für diese große Entdeckung, errichteten zum ewigen Andenken dieser wichtigen Begebenheit den großen Königl. Orden der schottischen Maurerey; und nannten sich Ritter des Tempels zu Jerusalem, zum Andenken, weil die Bauleute bei dem zweiten Tempelbau, zu den Zeiten Zorobabels in der einen Hand die Waffen, in der andern aber die Baugeräthe führen mußten, weil sie ihre Feinde immer in ihrem Bau stören wollten. -- --


Nach vollbrachter vierten Reise wird der aufzunehmende Mstr. an den Salomonischen Stuhll geführt, Ivo er den Eid der Treue und der Verschwiegenheit ablegen muß. – I

Ich N. N. Johann.-Mstr., gelobe und verspreche vor dem großen J, und dieser erhabenen Gesellschaft schottischer Meister und Ritter des heil. Andreas, die Geheimnisse des erhabenen Ritter-Ordens jederzeit geheim und verschwiegen zu halten, solche keinem Johann.-Mstr. noch Gesellen, noch Lehrling, vielweniger aber einem Profanen zu entdecken.
So ich dawieder handle, will ich das heilige Land gegen Morgen, wo das erhabene Licht und die vollkommene Gerechtigkeit herrscht, nicht sehen.
Ich verspreche auf der Bahn der großen Schottischen Moral lebenslang fortzugehen, die Pilgrimme, wenn der Fall einst wieder kommen sollte, gegen die Ungläubigen mit allem Eifer zu vertheidigen, und mich in allen nach der Verordnung und Gesetzen der Schottischen Meister zu verhalten.
So wahr mir Gott helfe! —

Nachdem der Eid vollbracht, bringt der erste Vorsteher den Johann.-Mstr. zurück, und weist ihm auf Befehl des Erhabenen die vier Schritte. Der Erhabene nimmt- ihm den Strick ab, läßt ihn niederknieen, giebt ihm den Orden des heil. Andreas, und schlägt ihn zum Ritter; den ersten Schlag im Namen des heiligen Andreas, Patron des Ordens; den zweiten im Namen des Ordens Stifters David, Königs von Schottland; den dritten im Namen König Balduins von Jerusalem, den vierten im Namen des Protektors des Ordens und aller auf der Oberfläche der Erde ausgebreiteten Ritter des heil. Andreas und schottischen Meister. —

Wenn dieses geschehen, läßt er ihn aufstehen, hängt ihm das Kreuz um, und giebt ihm die Ordens-Kleidung, und die Mauerwerkzeuge in die Hand, mit der Erklärung davon. Hierauf theilt er ihm das heil. Wort, welches J — ist; das Losungs-Wort, welches Gabaon, das Zeichen und den Griff am Ellbogen. Er küßt ihn viermal. Der erste Vorsteher führt ihn zu allen Schottischen Meistern, welche es wiederholen.

Erklärung des Teppichs.


Unten steht die zerbrochene Stuffe und Säule des Salomonischen Tempels. Ferner noch Reste von der Thür, welche in das Heilige und Allerheiligste führten. Zur rechten der Rauch-Altar, zur linken das eherne Meer, welches vor dem Heiligen gestanden. Der Rauch-Altar zielet auf die eifrigen Gebete, welche die Schottischen Meister gethan, als sie die vier goldenen Platten gefunden, worauf der Name des großen J. gegraben war. Ferner das gegossene Meer zur linken bedeutet, daß sich ein Johanniter-Meister, ehe er in das Heiligthum eingehen kann, völlig müsse gereiniget haben.
In der Mitte sind die Platte, worauf die heil. Namen Gottes eingegraben sind.
Weiter sieht man die Lade des Bundes, oder des Zeugnisses, welche uns an die stille Anbetung des großen J, und an die große Verbindung mit ihm erinnert. Dieser zur Rechten sieht der goldene Leuchter, welcher die sieben Kräfte der Seele, und auch das siebenfache Licht unsres großen Ordens anzeigt. Zur linken ist der Schaubrodstisch mit den Brodten, welche auf die Nahrung unsers Geistes zielen, die wir durch die große Schottische Ritter Moral erhalten.
Oben sieht man den flammenden Stern mit dem Buchstaben G, welcher hier die Größe, den Glanz, oder die Herrlichkeit Gottes bedeutet; zur rechten den babylonischen Thurm, welcher uns erinnert an den Hochmuth und Stolz jener Menschen, welche von Gott mit der Verwirung der Sprachen, und Zerstreuung in alle Welt gestraft wurden; welche Laster ein Schottischer Meister mit allem Ernste fliehen und vermeiden soll.
Zur linken die Arche Noä, zeigt an die Bosheit der ersten Menschen, welche durch die Sündfluth bestraft wurden, worunter nur sieben Seelen erhalten, die sich solcher Sünde nicht theilhaftig gemacht hatten.

Katechismus der Schottischen Meister.


Fr. Sind Sie ein Schottischer Meister?
Antw. Ja! ich habe die Ehre es zu seyn.
Fr. Wo sind Sie aufgenommen?
Antw. Auf den Ruinen des Tempels.
Fr. Wodurch?
Antw. Durch vier Ritterschläge.
Fr. Was erblickten Sie als Sie die heiligen Orte durchsuchten? —
Antw. Ruinen von den Stufen, von den Säulen, und von der Thüre des Tempels.
Fr. Was fnden Sie als Sie suchten?
Antw. Vier goldene Platten worauf der große Name des Unsterblichen J gegraben war.
Fr. Was thaten Sie als Sie diese gefunden?
Antw. Ich fiel auf meine Kniee, betete ihn im Geiste an, und lobte ihn.
Fr. Was bedeutet der Rauchaltar?
Antw. Die feurigen Gebete und den brünstigen Dank der alten Schottischen Meister bei der Entdeckung der vier goldenen Platten, welche gleich wohlriechenden Rauchwerken zu J. aufsteigen.
Fr. Was bedeutet das eherne Meer?
Antw. Es zielet auf die Reinigung eines Johanniter Meisters von allen Lastern, ohne die er nicht in das Heiligthum der Schottischen Meister eintreten kann.
Fr. Was bedeutet die Bundes-Lade?
Antw. Sie erinnert uns an die stille Verehrung des großen J. und an die Verbindung mit ihm.
Fr. Was bedeutet der Leuchter mit den sieben Lichtern?
Antw. Die sieben Seelenkräfte und das siebenfache Licht unsers Ordens.
Fr. Was bedeutet der Schautisch?
Antw. Er bedeutet die Nahrung unsers Geistes die wir durch die große Moral unsers Ordens erhalten.
Fr. Was bedeutet der Buchstabe G im flammenden Stern?
Antw. Die Große, den Glanz Gottes oder die Herrlichkeit des großen J.
Fr. Was bedeutet der Babilonische Thurm?
Antw. Er erinnert uns an den Hochmuth und Stolz jener Menschen, welche Gott mit der Verwirrung der Sprachen und der Zerstreuung in alle Welt bestrafte, als welche Laster ein Schottischer Meister mit allem Ernste fliehen und vermeiden soll.
Fr. Was bedeutet die Arche Noa?
Antw. Gleich wie die Bosheit der ersten Menschen durch die Sündfluth bestraft, und in derselben nur sieben Seelen erhalten wurden, also sollen wir unsre Seelenkräfte dazu anwenden, daß wir in den Augen des großen J gleich wie jene in allen unsern Handlungen unsträflich befunden werden.
Fr. Was bedeutet das Wort Jakin, welches Sie noch als Lehrling haben kennen lernen?
Antw. Es bedeutet fest und steif.
Fr. Was bedeutet dieses?
Antw. Die Festigkeit und Dauer unsers Baues.
Fr. Was bedeutet das Wort Boas der Gesellen?
Antw. Stark und mächtig.
Fr. Worauf zielet dieses?
Antw. Auf die Stärke und Macht unsers Ordens.
F r. Kennen Sie weiter keine Erklärung davon?
Antw. Sie bedeuten noch große Dinge, welche mir aber noch unbekannt sind,
Fr. Wie alt sind Sie als Schottischer Meister.
Antw. Vier Jahr.
Fr. Was machten die Schottischen Meister als sie die vier goldenen Platten mit dem heiligen Worte fanden?
Antw. Das Zeichen der Verwunderung.
Fr. Was sprachen Sie dabei aus?
Antw. Das Wort Gabson.
Fr. Was bedeutet dieses?
Antw. Die Herrlichkeit, die Größe und den Ganz Gottes.
Fr. Wo steht es?
Antw. Im flammenden Stern.
Fr. Wie viel machen eine vollkommene Andreasloge aus?
Antw. Vier.
Fr. Wie viel haben Sie Schritte als Schottischer Maurer.
Antw. Vier.
Fr. Worauf ist Ihre Andreasloge gegründet?
Antw. Auf ∆ und □.
Fr. Was bedeuten diese?
Antw. Der ∆ bedeutet die drei untern Stuffen; das □ die vierte Stuffe oder den Schottischen Meister Grad.
Fr. Wer erleuchtet ihre Andreasloge?
Antw. Der flammende Stern mit seinem G, oder die Herrlichkeit des großen J.
Fr. Wie viel haben Sie Lichter in der Andreasloge?
Antw. Viere.
Fr. Was bedeuten Sie?
Antw. Die vier Schottischen Meister welche die vier goldenen Platten unter den Ruinen des Tempels gefunden haben.


Nach gegebener Instruktion werden die Gesetze verlesen, imgleichen das Protokoll, und unterschrieben. Alsdann erkundiget sich der Erhabene durch seine Vorsteher: ob noch jemand zum Wohl der Andreasloge etwas vorzutragen habe. Alsdann wird die Andreasloge wieder durch v v - - geschlossen.

Die Bekleidung in diesem Grade muß grün seyn.
Die Schläge und alle Tempos bei der Tafel müßen durch 4 geschehen, so wie bei den Mstr. alles durch 3 geschieht.
Den Beschluß macht nach einer Reception allemal eine prächtige Tafel.
Der St. Andreas Tag ist ein sehr Solennes Fest bei uns.

Historie der Schottischen Meister, und Ritter des heiligen Andreas.


auch: Tschoudy, 1779, I, 30-39

Die ältesten Krieger, welche die Form eines disciplinirten Corps hatten, die Ritter der Morgenröthe und von Palästina, die Vorfahren und Väter der Maurer, diese erleuchteten und erhabenen Männer, von deren Ursprung ich den Zeitpunkt nicht nennen darf, hatten alle die Erniedrigungen, welche das Königreich Juda erlitten, mit Betrübniß angesehen, und hofften schon seit langer Zeit, daß Gott dies heilige Land, wo sich seine Gegenwart seit der Gesetzgebung schon geoffenbaret hatte, endlich eines gnädigen Blicks würdigen würde.
Es war den meisten noch unbekannt, ob seine geheimnißvolle und göttliche Geburth diese Oerter neuerdings durch die Wohlthat des Gesetzes der Gnade geheiliget hatte.

In verschiedenen abgelegenen Gegenden zerstreuet, wohin unglückliche Vorgänge, und der fast gänzliche Untergang des jüdischen Volkes sie geworfen hatte, erwarteten sie eine glückliche Veränderung, welche sie wieder in das Erbtheil ihrer Väter einsetzen, und ihnen Mittel verschaffen konnte, den Tempel zum drittenmale wieder herzustellen, ihre Aemter darin wieder zu übernehmen, und unter einer friedlichen Regierung Glanz und Ehrenstellen wieder zu erhalten, welche sie sonst immer bekleidet hatten, vermöge welcher sie der geheiligten Person ihres Landesfürsten stets nahe seyn konnten.
Sie behielten unter sich diese rechtmäßige Ansprüche bei, und bewahrten die Beweise ihres vorigen Zustandes, ihre Einrichtunng und heiligen Gebräuche sorgfältig auf.

Endlich glaubten sie das Ende ihres Mißgeschickes vor sich zu sehen, und nun brach die Morgenrothe einer nahen Befreiung hervor, als nun das Jahr 1093 Peter der Einsidler alle christliche Prinzen zur Wiedereroberung des gelobten Landes beredete, und zur Wiederherstellung der glorreichen Oerter, wo sich die Güte Gottes Mose zuerst geäussert hatte, und welche noch vom Blute rauchten, welches sein göttlicher Sohn aus Liebe für das Heil der Welt daselbst vergossen hatte.
Auf diese Nachricht, welche auf schnellen Flügeln des Rufs und des allgemeinen Gerüchts bis an die äussersten Gränzen der Erde gegangen war, gingen die Ritter von Palästina, die bisher in der Thebaischen Wüste verborgen gewesen, hervor, und da sie die Einsamkeit, um sich wieder in ihrem vorigen Glanz und Stande zu zeigen, verließen, so vereinigten sie sich bald mit einigen aus ihrem Mittel die zu Jerusalem geblieben waren, um die günstigen Gelegenheiten sich hervorzuthun auszuspähen, und den Untersuchungen der Natur, den tiefsten Betrachtungen über jene Ursachen, und jene zusammengesetzten Wirkungen obzuliegen, welche die Kunst erreichen, verbessern und zur Vollkommenheit bringen kann, und deren schätzbare Entdeckung ihnen ein schickliches Mittel zu seyn scheinen, ihr Vorhaben auszuführen.

Die geistvolle Abhandlung, welche der tiefsinnige Mönch, einer der Asceten aus Thebais über diese schwere Materie geschrieben hatte, war der Gegenstand ihrer beständigen Betrachtung, und ihrer philosophischen Untersuchung. Emsig auf alles dasjenige bedacht, was zur Wiederherstellung ihrer alten Spekulationen dienen könnte, schöpften sie aus den Dokumenten der Weisen, und, schränkten sich bloß auf solche mühsame und tiefsinnige Beschäftigungen ein, deren Resultate ihnen die nöthigen und kräftigen Mittel verschaffen sollten, ohne welche jeder Entwurf scheitert.

Ich verlange eben nicht, ob dasjenige was ich eben gesagt, einem jeden verständlich sey. Die richtigen Begriffe davon sind bloß der Antheil einer kleinen Zahl arbeitsamer, und wichtiger Männer.
Viele unserer Brüder, die sich aus Geschmack für die geheimen Wissenschaften zu Jerusalem aufhielten, hatten schon die Grundsätze der jüdischen Religion abgeschworen, um dem Lichte des christlichen Glaubens zu folgen. Diejenigen, die gekommen waren sich mit ihnen zu vereinigen, wurden ohne Mühe durch ihr Beispiel aufgemuntert ein Gleiches zu thun. Sie wünschten die Wiederherstellung des Tempels desto mehr, nicht um das Opferblut darin fließen zu lassen, sondern durch feierliche Merkmale ihrer Erkenntlichkeit die Wirkungen der Barmherzigkeit und das unbefleckte Opfer zu preise«, dessen noch im frischen Andenken stehende, übernatürliche Aufopferung das Reich des groben Aberglaubens zerstöhret, und an dessen Stelle wahre Anbethung aus reiner Liebe eingeführt hat.

Indessen gaben sie doch das Andenken an ihre alten Gebräuche nicht auf, deren Ueberbleibsel ihnen köstlich waren und einigermaßen noch das glorreiche Gepräge ihrer ersten Stiftung mit sich führten. Sie entschlossen sich diese Gebräuche mit großer Verschwiegenheit bloß allein unter sich fortzusetzen. Also übten die tugendhaften Christen, die unter dem Diokletian, Domitian und so vielen andern zitterten, die heiligen Gebräuche ihres Glaubens in den Eingeweiden der Erde in den finstern Catakomben aus, weil die Verfolgung, und andre Umstände öffentlichen Gottesdienst und Bekenntniß ihres Glaubens nicht gestatten.

Die Wiederherstellung des Tempels unter verschiedenen Gesichtspunkten betrachtet, schien überhaupt der Wunsch aller kreuz-fahrenden, und der wesentliche Zweck aller Kreuz-Züge zu seyn. Unsre Brüder, unsre verehrungswürdigsten Stifter sahen wohl ein, wie nöthig es sei von ihren eigentlichen Entwürfen, und Absichten nichts merken zu lassen, weil diese mit Hülfe der Zeit, der guten Behandlung, und anderer Umstände zusammen genommen, zuverläßig von selbst erfolgen würden. Sie kündigen sich bloß als Leute an, die an der allgemeinen Sache Antheil nähmen; jedoch ließen sie eines und das andere hervorblicken, wodurch sie sich von andern unterschieden.
Sie gaben sich für Abkömmlinge der ersten Bauleute aus, die am Tempel Salomons gearbeitet haben, und daß sie als solche noch die Plane, Risse und Berechnungen des ersten Tempels in Händen hätten.

Von dieser Zeit an schienen sie sich besonders dem neuen Tempelbau zu widmen, und legten sich zum Voraus auf die Architektur, worunter sie ihre weit ruhmvollere Absicht versteckten. Seitdem gaben sie sich den Namen freier Maurer (Maclib) stellten sich unter diesem Titel der Armee dar, und begaben sich unter ihre Fahnen. Der Vortheil, sich den Augen der Neugierigen und Eifersüchtigen, und den boshaften Auslegungen des Neides entziehen zu können, setzte die Ritter von Palästina nicht vor derjenigen Neugierde in Sicherheit, welche ihre besondere Versammlungen, und selbst ihr angenommener Name erregen mußten. Sie sahen es auch voraus.
Die Europäer fanden Geschmack an dieser Art von Gesellschaft, welche mitten unter einem ehrgeitzigen und muthwilligen Haufen ganz einsam zu leben schien. Sie wünschten aufgenommen zu werden. Die Ritter, welche dafür hielten, daß es auf alle Fälle nützlich seyn müsse, verschiedene Nationen mit in ihre Ansprüche, oder in ihr Vorhaben zu bringen, und zu verwickeln, setzten daher eine Art von Einweihung fest, die indem sie immer auf den richtigen Punkt führte, zugleich geschickt war den großen Haufen durch die gemachten Schwierigkeiten bei der Aufnahme abzuhalten, oder die Eigenschaften, den Verstand, und Fähigkeiten des Aufzunehmenden zu prüfen. Aber ohne die geringste Neuerung zu machen, beobachteten sie bloß die seit ihrer ersten Installation üblichen Gebräuchen wieder in Gang zu bringen.

Mitten in einer Armee, die aus vielen tausenden von allerhand Leuten bestand, und überall von Feinden umgeben, mußten unsere Brüder in allen Stücken sehr vorsichtig und behutsam zu Werke gehen. Um einen Ueberfall zu verhüten, erneuerten sie den Gebrauch der Zeichen und der Losungsworte des Ordens. Hievon stammen noch die Zeichen, Worte und Griffe her, die allgemein angenommen, und eben darum bei den Maurer-Meistern in so großem Werthe sind. Nöthige Vorsicht um unser Geheimniß vor allen Anfällen der Neugierde, der Verrätherei und Bekanntmachung zu sichern! daher kommen auch alle in den drei untern Graden beobachteten Ceremonien, welche Grade den Geist, und das Wesen der Maurerei in sich enthalten.

In diesem Zeitpunkte, dessen Entwickelung bloß allein den Rittern von Palästina vorbehalten ist, und dessen bloße Anzeige den eigentlichen F. Mrn. hinlänglich seyn kann, muß man ein für allemal den Ursprung des Ordens hinbringen.
Die Schott-Meister des heil. Andreas von Schottland können dem ungeachtet für sich, und unabhängig von den andern bestehen.
Die Theorie dieser letztern ist zwar mit der Taktik der ersten Urheber verknüpft, jedoch ohne ein gegenseitiges Bedürfniß, oder eine nothwendige Kette.
Die Maurerei ist eine schöne Ableitung von der Erstern. Sie stellt ein einfaches und sinnreiches System dar, welches man befolgen kann, und auch befolgen und zur Vollkommenheit bringen muß. Die Palästinische Maurerei ist ein für sich bestehender Orden, der wieder in seinen vorigen Glanz hergestellet werden kann, ohne daß irgend etwas dadurch zerstört, oder verändert würde, auch ohne daß es für irgend jemand Schaden nach sich zöge. Ihre Ordnung und Gesetze sind nützlich, verdienen in aller Absicht Hochachtung, würden ungezweifelt die größten Dienste leisten können. Die Maurerei, wäre sie erst vollkommen gemacht, von allem Ueberflüssigen gereinigt, und beständig auf ihren wahren Zweck gerichtet, würde eine nicht minder preißwürdige Gesellschaft sein.

Die schwache Verläumdung mag schreien, wüthen und verfolgen, wie sie will, so bleibt doch unumstößlich wahr: derjenige allein ist strafbar, der den Frmr. zum Feinde des Staats macht. Cäsar bediente sich, da er vor dem Senat verklagt wurde, solcher Ausdrücke gegen seine Ankläger:
Rom! nur der allein ist strafbar, der mich als einen Feind des Vaterlandes anklagt. (Luc. In Pharsal).


In der Geschichtsbeschreibung des Grades der Wohlehrwürdigen schottischen Mstr. von heil. Andreas von Schottland genannt heißt es:


auch Tschoudy, 1779, I. 52-53:


[In der Geschichtsschreibung des Grades viermahl erwürdiger Schottischer Ritter Meister vom heiligen Andreas von Schottland genannt, finde ich Seite 13.]

Als die Architekten durch die Kriegesbeschwerden und Schlachten auf eine geringe Anzahl zusammengeschmolzen waren; entschlossen sie sich fast allesammt nach Europa überzugehen, um neue Etablissements daselbst zu errichten.
Viele kamen mit dem Prinzen Eduard, Heinrich des III. Sohne nach England, und wurden bald darauf von Lord Stuart nach Schottland berufen. Ihre Installation in diesem Königreiche fällt nach Maurischer Rechnung und nach übereinstimmenden Zeugnissen in das Jahr 2007 [Tschoudy hat: 2307]. Man bewilligte ihnen liegende Güter, und das besondere Privilegium die alten hergebrachten Gebräuche ihrer Brüderschaft beizubehalten, unter der ganz natürlichen Bedingung, sich übrigens dem bürgerlichen Leben, und den Landesgesehen gemäß zu betragen, welche zu verletzen die Maurer als Freunde der guten Ordnung sich nie würden einfallen laßen.
Nach und nach erhielten sie den Schutz der Könige von Schweden, von England, von Irland und von Schottland. In Schweden unter dem Könige Ingo Anno 1125. In England unter Richard Coeur de Lion Anno 1190, und unter Heinrich dem III. Anno 1270. Irland unter Heinrich dem II. dem Vater Richards Anno 1100 [Tschoudy hat: 1180] und in Schottland unter Alexander III. der mit Ludwig dem heil. zu gleicher Zeit lebte Anno 1284.

Auf dieses alles folgt die Geschichte des Johannes ohne Land, und ein Theil der Geschichte Bruder Ritter Wilhelm des Eroberers, welche ziemlich in einander verwebt sind, und in Ansehung des schwarzen Meisterzimmers einiges Licht [beaucoup de jour] geben können.


auch Tschoudy, 1779. II, 75-77

(Rede in einer Schottenloge gehalten vom Br. Redner D. H. den 8. März 1765)
Dem wahren Schotten oder Ritter des heil. Andreas geben vier Punkte den Vorhang [besser: Vorrang] über die FMY; welche sind:
das Alterthum,
die Wissenschaft,
die Treue und
die wichtigen Dienste.

Ich schlage die heil. Bücher auf, und finde eine ausdrückliche Erwähnung des vierten Grades in der FMY, den wir unter dem Namen der Schotten verstehen. Wir werden daselbst unter dem Titel der Hauptleute des Bauwesens, das heißt, Architekten aufgeführt. Sie empfangen unmittelbar die Befehle von Hiram: der Tempel wird fertig.
Die Zunft der Architekten bleibt so lang er besteht; sie bekommen die Aufsicht darüber. Die Baumeister des Salomonischen Tempels werden nicht verabschiedet; die Maurer werden abgelohnt und entlassen. Sie bleiben bei dem König an der Pforte des Tempels selbst; die Arbeiter kehren jeder heim; es bleibt eine zahlreiche und regelmäßige Zunft; jene Zahl der ... [Tschoudy: Handwerker] und Künstler zerstreuet sich; noch mehr, der Tempel wird von den Assyriern zerstört; die Baumeister bleiben beisammen.
Es erhebt sich ein neuer, und sie übernehmen die Aufsicht darüber; dies zweite Gebäude, stürzt unter dem Titus ein; die Baumeister bleiben unerkannt, aber vereinigt.
Die Kreuzzüge kündigen neue Arbeiten an; sie streiten für die Religion. Die heiligen Kriege glücken nicht; sie errichten nützliche Stiftungen und tugendhafte Vergesellschaftungen.


Es giebt kein Volk, keine Nation, keinen Orden, keine Gesellschaft, die sich eines ehrwürdigern Alterthums, einer so ununterbrochen durch die Folge von Jahrhunderten bestätigten Dauer, rühmen kann. Ueberall glänzen die Schotten; bei Hofe, bei den Heeren, im Rathe der Könige, im Heiligthum der Gerechtigkeit. Ueberall thun die Schotten sich hervor und erwerben Hochachtung. Der Grund davon läßt sich leicht angeben.
Nächst der Tugend ist nichts, was die Menschen mehr erhebt als die Wissenschaft. Ich verstehe unter Wissenschaft alles, was beiträgt den Menschen vollkommener oder glücklicher, geselliger oder menschlicher zu machen. Wissenschaft der Sitten; Wissenschaft der Regierung, das ist die Wissenschaft der Schotten. Dadurch thaten sich die Udalrichs, die Moras, die Stuarts hervor; dadurch regierten sie die Völker, und triumphiren über ihre Feinde, dadurch setzten sie den Scepter, die Tiare, den Purpur in Ehre, dadurch befestigten sie unsre Stiftung und bewährten unsre Grundsätze.


auch Tschoudy, 1779, II, 81-88

Durch ihre Treue erhoben sich die Schotten zu den rühmlichsten Stellen. Der heil. Ludwig las sich eine gewisse Anzahl von Schotten aus, da er nach dem heil. Lande zog die an seiner Seite fechten sollten. Er bildete aus ihnen die erste Leibwache der Könige von Frankreich. Mit Schotten will er die heilgen Länder erobern, und ein neues Reich gründen. Dieser weise Fürst, ein scharfsinniger Kenner des Verdienstes, kannte seit langer Zeit die Schotten; und wollte ihre Tugend ehren.
Seit der Zeit haben die französischen Monarchen den Dienst der Schotten nicht entbehren können, und man sieht noch jetzt in ihrem Gefolge die Stelle der schottischen Leibwache. Diejenigen, welche der heil. Ludewig um sich versammelte, kannten die Geheimnisse der MY. Diese eigneten sich den Namen der Schotten zu, und legten auf allen Seiten Stiftungen an. Unser Orden verbreitete sich. Schweden, Schottland, England waren die Schauplätze ihrer Tapferkeit und Treue. Man wollte Schotten heißen, und ihre Tugend ausüben. Die Fürsten zogen alle tapferen Männer an sich, die von den heil. Kriegen nach Europa zurückgekehrt waren, daher entstammten die Schottischen Logen die Schottisch. Gesellschaften.


Ich will Sie hier nicht an tausend ruhmwürdige Thaten der Schotten erinnern, wie sie die Stützen des Staates, die Retter der Unschuld, die Rächer des Verbrechens, die Haupttriebfeder der Regierung, die Geiseln der Bösewichter und Schutzwehren der Tugendhaften waren. Lassen Sie uns nur unsere Aufmerksamkeit auf gewisse Punkte richten, die unsrem Zwecke nahe liegen, und auf die maurerischen Pflichten eine genaue Beziehung haben. Nicht auf einzelne in den Kreis ihrer Familie eingeschlossene Menschen will ich mich berufen; ganze Nationen, Eroberer, Helden, Heere sind meine Gewährsmänner.

Frankreich, Italien, England, Schweden, Palästina, Syrien, Egypten sind meine Zeugen. Einzelne Menschen kann man bestechen, und zu Aussagen anstiften, an denen uns gelegen ist; aber niemand wird sich berühmen, die Augen der ganzen Welt verblenden zu können.
Frankreich sey mein Zeuge von der Eintracht der Häupter des ersten –Kreuz-Zuges. Balduin, Eustach, Robert, Gottfried, Hugo, Raymund, deren Anschläge bekannt, deren Tapferkeit bewährt, deren Verdienste überschwenglich sind. Vereint mit den alten Schotten, welche sie abzuholen gekommen sind, zogen sie in die Felder, wo sie Palmen für sich grünen sahen.
Syrien sei Zeuge von den gefahrvollen Thaten Behemonds, bei der Bestürmung von Antiochia, als er mit Gottfrieds Hülfe diese Hauptstadt dem trotzigen Araber entriß. Da blühete unser Orden und die Trümmer dieser großen Stadt zeigen noch den Reisenden das ehrwürdige Denkzeichen!! der kreuzfahrenden, 9 Fürsten.
Egypten sei Zeuge von der heldenmüthigen Standhaftigkeit aller schottischen Krieger. Die Stadt Daminta war der Schauplatz, ihrer Arbeiten, ihrer Tapferkeit, das Denkmal ihres Muthes. Die Wasser selbst werden von der tiefen Wissenschaft der Schotten, von ihrem Fleiße, von ihrer Emsigkeit Zeugniß geben, und die philosophischen Unterweisungen, die wir noch aus den wohlehrwürdigen Schriften des Gelehrten Morerus hervorziehen können, werden es bestätigen.
Palästina und Jerusalem sind meine Zeugen von dem Einzug Ludwig des Gl. [frz. Louis IX.] Entwafnet und angethan mit einem härenenen Kleide, sahen diese geweiheten Orte den Soldat mit seinen Thränen den Boden benässen, die durch die Gegenwart so vieler berühmter und göttlicher Männer geheiliget waren.
England sei Zeuge von allen den bewundernswürdigen Einrichtungen, die die Tugend ehrten, das Laster ausrotteten, und Wahrheit verbreiteten, von jener ersten ursprünglichen Logen welche Wilhelm der Erobererer [!] bei einem Volke, das er nur eben erst überwunden, errichtete, und welche er zu den stärksten Grundfesten seiner königlichen Gewalt machte.
Schweden rufe ich zum Zeugen, über die geheiligten Beilagen die es noch bewahrt.

Die Tugenden Udalrichs, die Thaten der Ritter seiner Zeit den glänzenden Schutz den ihnen die Könige gaben, die vielen berühmten Schaaren, die sich unter der Fahne des Kreuzes daselbst versammelt haben, wem sind sie unbekannt? Die Todten selbst und die Gräber werden meine Zeugen seyn. Wie viel Helden aus den Kreuz-Zügen tragen noch im Staube ihrer Gräber das Zeichen ihres Bündnisses über sich? Alle Leichensteine, alle Grabmäler, alle Wappen sind mit Kreuzen von unendlicher Verschwiegenheit beladen. Denn alle jene Ehrenzeichen, womit sich die Familien schmückten, haben ihren Ursprung aus den heil. Kriegen genommen, und alle diese Kreuze sind so viele ehrwürdige Spuren von der Tapferkeit unsrer Vorfahren. Die Finsterniß der Nacht, die Felsen, die Wildhölen werden mir noch zu Zeugen dienen.

Ludewig VII. steht verlassen von seinem Heere, auf der Spitze eines steilen Felsens allein, und wehrt sich noch. Die Pfeile fliegen um ihn her; sein Haupt will sinken, der Augenblick des Todes naht. Bald wird der Monarch, nicht mehr seyn. Zween Soldaten stürzen sich durch die Gefahr zu ihm heran; ihre Bemühungen gelingen, der Fürst kommt in Sicherheit. Wer waren diese zwei Krieger? zwei Schotten.
Sich für seinen König hingeben, seinen Herren retten, vor seinen Augen verscheiden, dies ist die Ehre der Schotten. Sie gehen den Mächtigen zur Seite, sind die Freude der Landesfürsten, die Geistlichkeit des Thrones selbst; alles ist ihnen hold. Die Könige gaben ihre Waffen, ihre Schilder ihre Tracht; ja meine Brüder der Dom in Paris selbst verschließt ihre Gräber die mit den Wappen von Frankreich, so wie es itzt der Monarch selbst führt geschmückt sind. Das war die Belohnung, das köstliche Unterpfand der unbezwinglichen Tapferkeit, welche die Reiche bevestigte, die Könige befreiete, und das Vaterland rettete.


Wird es wohl noch nöthig seyn diese interessante (N. B.) Erzählung der schottischen Verdienste noch weiter zu treiben? Alle Geschichten, alle Jahrbücher sind hierüber einstimmig, alle Ueberlieferung gleichlautend, alle Menschen einerlei Meinung.

Ich halte ein, erhabene Brüder Sollten die angezogenen Zeugnisse irgend einen Zweifel hinter sich zurückgelassen? Habe ich genugsam unsre Vorrechte, unser Ansehen, unsern rechtmäßigen Vorrang dargethan? Sehen Sie, was wir gewesen sind, was wir jetzt?
Wir haben unter dem Schutz der Tugend bestanden, wir lebten mit unsern Freunden, unsren Mitbürgern, unsren Brüdern Die heiligen Kriege gaben zu einer Menge Vergesellschaftungen Anlaß, die man heut zu Tage miskennet. Diese großen Zünfte sind nunmehro nur ein Schatten von dem, was sie vormals waren. Es ist das Schicksal aller menschlichen Stiftungen, unvermerkt zu verfallen, und nach dem Gange der Jahre sich zum Untergange zu neigen, die zerstörende Hand der Zeit zeigt sich eben sowohl an dem Orden als an der Welt.

Laßt uns diese traurigen Bilder entfernen Meine Brüder Lebt glücklich, nicht durch den Besitz der Reichthümer und Güter, sondern durch das innere Zeugniß des Gewissens. Lebt glücklich! nicht durch die Ehre und Würden, noch durch den Glanz der Geburt, sondern durch eure Sitten und Rechtschaffenheit.
Das Herz, das gutartige Herz, das Herz der Schotten, das sei euer Schatz. Ein Elender stellt sich vor uns hin; er fleht uns um unsre Hülfe an; unsre Herzen verschließen sich, und wir sind nicht mehr Schotten. So war das Betragen des heil. Mannes nicht, den wir zu unserm Vater erwählt haben. Arm gebohren verwendete er seine Dienste an die Dürftigen; ohne Vorwürfe gewann er Brüder. durch seinen Eifer; ohne Freunde zog er sich durch seine Tugend Nachahmer zu.

Laßet die Thaten großer Männer in Erz und Marmor graben. Von unsrem Schutzheiligen wird es heißen: Er liebte seine Brüder.

Gesetze, Rechte und Freiheiten der schottischen Meister,

welche wenigstens einmal des Jahres, nehmlich an ihrem gewöhnlichen allgemeinen, oder der Loge besonderm Festtage, von dem Secretär vorgelesen werden sollen.


Gemäss:
Georg Franz Burkhard Kloss: Geschichte der Freimaurerei in Frankreich aus ächten Urkunden dargestellt. (1725-1830.) Erster Band, Darmstadt 1852, 68,
eine „wortgetreue Übersetzung“ einer „um 1750-1756 geschriebenen, von der S. Andreasloge de la Munificence au Sphinx, an J. Bapt. Louis Gerdret abgegebenen Handschrift“.



Art. 1.
Schottische Meister werden diejenigen Freimaurer-Brüder genannt, welche durch die Mitthellung erfahrner Brüder bekannter, aber den Brüdern der niedern Grade unbekannte Geheimnisse vermittelst der Erhaltung dieses Grads von der Unterwürfigkeit gegen die Loge und Zusammenkünfte der niedern Grade frei erkannt worden sind, und Erlaubniß erhalten haben, ohne Freiheitsbrief Freimaurer-Lehrlinge, Gesellen und Meister auf und anzunehmen, indem sie die Erlaubniß haben in allen Logen der vorbenannten Grade, die Tafeln der Lehrlinge, der Gesellen und der Meister vorzulegen.

Sie haben ihre besondern Geheimnisse, welche ihrem Grad vorbehalten sind, und nichts ist ihnen von demjenigen verborgen, was den Bruder Freimaurer-Lehrling, Gesellen und Meister, desgleichen den schottischen Mitbruder und Gesellen bearbeitet wird.

Art, 2.
Schottische Meister, wenn sie sich an einem Orte aufhalten (zur Herberge sind) wo eine große Landes- oder Provincial-Loge ist, halten niemals St. Johannis-Loge zur Arbeit geöfnet, aber sie beweisen nicht gleiche Höflichkeit und Achtung gegen die Unbeständigen, oder Loges Ambulantes und Zusammenkünfte,

Art. 3.
Zwei schottische Meister können, ohne daß einer den andern Eintrag thut, Aufnehmungslogen eröfnen, wenn sie sich an einem und demselben Orte aufhalten: doch biethet der jüngere Meister dem ältern seinen Hammer an, wenn sie sich einander in der Loge treffen,

Art. 4.
Eine schottische Meisterloge hat leine Macht jemand schriftliche Constitutions-Logen zu zu eröfnen und die Gesellschaft anzuführen zu geben; denn sie gebraucht ihre Gerechtigkeit an dem schottischen Meister selbst, aber nicht an niederm Grade.

Art. 5.
Sobald man schottischer Meister ist, bedarf man keiner Constitution, denn man besitzt die Gerechtigleit aufzunehmen und die Gesellschaft der Loge St. Iohanis zu regieren durch die schottische Meisterwürde selbst, Sie gebrauchen ihr Recht so wie es diese Verordnungen mit sich bringen, ohne durch Vorweisung eines schriftlichen Freiheitsbriefes (wie es die gewöhnlichen Meister, welche constituirt werden, thun müssen) bei einer großen Landesloge Rede und Antwort zu gehen. Aber dafern der Landes-Großmeister selbst schottischer Meister ist, geben sie ihm unter 4 Augen Nachricht von ihrer Arbeit.

Art. 6.
Sie sind nicht verpflichtet sich in irgend einer andern Freimaurer-Loge der niedern Grade einzufinden, als in derjenigen, welche sie selbst regieren, wo sie eins von den gewöhnlichen Aemtern verrichtet oder aufgenommen worden sind. Doch sind sie gleichfals hier für frei erkannt, dafern der Hammer in eine Hand gefallen, welcher nicht mehr als Meister ist.

Art. 7.
Sie dürfen in der Loge das Haupt nicht entblößen, obgleich der Großmeister es entblößte, als unter Ablegung des Eides, und niemals jemanden anders als dem Landes-Großmeister (wenn er gleich nur Meister wäre) den ehrwürdigen Brüdem von höhern Graden, einem ältern schottischen Meister und dem Meister welcher ihn zum Maurer gemacht hat, obgleich derselbe nur Meister wäre, den Vortritt geben.

Art. 8.
Ein schottischer Meister, wenn er anders Logen besucht, muß zum öffnen seinen schottischen Meistergrad verbergen, damit er der Achtung, welche die ehrwürdigen Brüder niederer Grade ihm durch Anbietung des Hammers und Stellung über die Offizianten sofern sie diesen Grad nicht besitzen, zu beweisest schuldig sind, entgehen möge.

Art. 9.
Schottische Meister müssen alle die Handlungen (Acten) haben, welche die niedern Graden betreffen, aber es ist ihnen nicht erlaubt, dieselbe jemanden zur Abschrift mitzutheilen, oder auszuleihen; diese gehören ihnen nur selbst zu, und kann eine solche Erlaubniß den ehrwürdigen Brüdern der niedern Grade einzig und allein von den Ordens-Kapiteln, oder durch Konstitution mitgetheilt werden.

Art. 10.
In einer Versammlung oder Loge welche von einem Meister, welcher nicht schottischer Meister ist, regiert wird, müssen die letztern, dafern die Meister die Handlungen der Aufnahmen nicht unter drei Schlüsseln und Schlössern verwahrt haben, dieselben wegnehmen und ihm selbst nichts anders übrig lassen, als nur die allgemeinen Verordnungen und die Freimaurer-Lieder.
Kein schottischer Meister kann in einer andern Loge den andern fiskalisiren, viel weniger kommt es einem Bruder von niedern Graden zu, einen Meister zu fiskalisiren, welcher davon freigesprochen ist, und nur allein in seiner besondern Loge und von schottischen Meistern gerichtet werden kann. Dafern ein schottischer Meister seine Schriften nicht unter drei Schlössern verwahrt hat, werden sie ihm von den Brüdern höherer Graden weggenommen.

Art. 11.
In einem Lande wo keine Loge ist, ist ein schottischer Meister verpflichtet eine gute Loge einzurichten, und beruht es auf ihm, zu welchem von den drei ersten Graden er sie bringen, oder ob er allda alle drei Grade austheilen will. Er muß den gewöhnlichen Chiffer der Freimaurer-Brüder kennen, welchen er dem Sekretair der Loge mittheilen kann, und welcher einem jeden schottischen Meister bekannt seyn muß. Außer dieser Chiffer haben die schottischen Meister noch einen besondern Chiffer untereinander.

Art. 12.
Wenn ein schottischer Meister eine Loge formirt, hat er die Gerechtigkeit, so lange er selbst den Hammer führt, von 16 vorgeschlagenen Suchenden, vier von diesen Angemeldeten, dafern ers ihnen vergönnen will, ohne Einstimmung und Abgabe anzunehmen.

Art. 13.
Er hat eben dieselbe Gerechtigkeit in der schottischen Loge, dafern er dieselbe in Kraft des Rechts formirt hat, und wenn er in seiner Loge jemand befördert, welcher Meister in einer andern Loge geworden ist, nimmt und behält er bei Austheilung des schottischen Schmucks, den Schmuck des neuaufgenommenen Meisters, nemlich das Schurtzfell, die Maurerkelle, das Meisterband und den Schlüssel, dafern der Neuaufgenommene dieselben nicht auszulösen verlangt, um sich damit in den Logen der niedern Grade kleiden zu können, oder auch zum Beweise, daß er von einem schottischen Meister zum Maurer gemacht worden sey.

Art. 14.
Ein schottischer Meister hat die Freiheit an demjenigen Ort, wo seine Loge geöfnet ist, heimlich Loge zu halten, und in eines schottischen Meisters Gegenwart einen Fremden anzunehmen und ihm an einem und demselben Tage den Lehrlings, Gesellen und Meistergrad ohne Abgaben, welche sonst der Loge zufallen müßten, zu etrheilen, aber alsdann muß der Neuaufgenommene, ein von einem guten allgemein bekannten Leumunde, hoher Leumund oder Amt, oder großen Verdiensten seyn.

Art. 15.
Wenn ein solcher Fremder angenommen und befördert wird, läßt man ihn bei Ablegung des gewöhnlichen Lehrlingegelübdes folgende Worte zusetzen:
„Ich versichere gleichfalls unter eben derselben Strafe und fürchterlichem Eide, welchen ich schon abgelegt habe, und in Kraft dieses unveränderlichen Gelübdes, niemals von irgend einem Bruder vielweniger einem Fremden, wer er auch seyn mag, die Gewogenheit mich besonders aufzunehmen, welche man mir jetzt wiederfahren läßt, zu offenbahren, oder einzugestehen, und dieses gelobe ich, damit der erleuchtete Großmeister, welcher den schottischen Grad und die Gerechtigkeit besitzt, nicht möge durch unnöthige Ansuchungen beschwert werden, von denjenigen, welche eben dergleichen oder dieselben Vortheile verlangen könnten, so wahr wie mir in diesem und in allem andern der gute Gott helfe."

Ärt. 16.
Im Fall kein schottischer Meister an demjenigen Orte, als allein der Großmeister gefunden würde, so hat er das Recht einen schottischen Bruder, oder dafern auch derselbe nicht gefunden würde, einen würdigen Meister zu rufen und demselben der Aufnahme beiwohnen zu lassen, nachdem er ihnen die vorhergehenden zwei Artikel nach vorher abgelegter Pflicht, welche folget, mitgetheilt hat.
„Ich (oder wir) versichern vor dem allmächtigen Gott und auf dieses heilige Evangelium unter eben denselben Strafen, welchen wir uns durch einen unveränderlichen Eid unterworfen haben, als uns der Eintritt in die hochwürdige Gesellschaft und Aufnahme vergönnt wurde, niemals jemanden, wer er auch seyn mag, Bruder oder Fremder, zu entdecken, daß wir unterrichtet worden sind von der Macht, Rechten und Freiheiten, welche unsern erleuchteten Brüdern schottischen Meistern zukommen, vielweniger, daß wir einer besondern Aufnahme beigewohnt haben, und dieses darum, damit Innhaber dieser Gerechtigkeit, unser schottischer Meister, durch die Ansuchung derjenigen nicht möge beschwert werden, welche eben dieselben Vortheile wünschen könnten, die eine heimliche oder besondere Aufnahme mit sich führt, und allein von einem schottischen Meister bewerkstelligt werden kann. So wahr uns der gute Gott helfe!"

Art. 17.
Der schottische Meister hat die Erlaubniß bei der Aufnahme in heimlicher Loge die Abgaben zu empfangen und auf solche Art in allen drei Graden Maurer aufzunehmen, bis daß er sich die nöthigen Werkzeuge, ordentliche Loge zu halten, anschaffen könne.

Art. 18.
Dem schottischen Meister, der die Werkzeuge sich solchergestalt angeschaft hat, gehören sie persönlich und nicht der Loge.

Art. 19.
Ein schottischer Meister, welcher heimlich Loge hält, muß ein dergleichen Recht nicht misbrauchen, und niemals jemand aufnehmen, welchen er nicht sogleich zur Beförderung in der schottischen Loge angemeldet zu werden würdig befindet.

Art. 20.
Ein in heimlicher Loge angenommener Bruder Maurer, kann nicht von einem schottischen Meister auf gleiche Art zu einem schottischen Grad aufgenommen werden, denn die besondere Austheilung der schottischen Grade beruhet auf der Gerechtigkeit der Brüder von höheren Graden.

Art. 21.
Ein schottischer Meister kann gleichwohl an einem Orte wo gar kein schottischer Meister gefunden wird, einen einzigen annehmen, dafern er dazu von der schottischen Loge Erlaubniß erhalten hat, aber er darf nicht eine solche Erlaubniß zur Beförderung mehrerer schottischen Grade ausdehnen.

Art. 22.
Ein schottischer Meister kann von der schottischen Loge Konstitution erhalten, schottische Annehmungsloge zu eröfnen.

Act, 23.
Ein schottischer Meister kann in den Logen der niedern Grade allen den 5. 6. 7. 8. 10. 12. und 14ten Artikel dieser Rechte und Freiheiten, und gleichfals nach abgelegtem Eide der Verschwiegenheit, den würdigen Meistern den 15ten und 16ten Artikel derselben vorlesen lassen.

Art. 24.
Nach gegebenem Eide der Verschwiegenheit kann ein schottischer Meister einem schottischen Lehrling und Gesellen, einen oder mehrere, oder alle Artikel dieser Privilegien vorlesen.

Art. 25.
Wenn ein schottischer Meister als Großmeister einen Hammer entgegen nimmt, welcher vorher in eines bloßen Meisters Händen gewesen ist, so läßt er, wenn er zum erstenmal den Hammer führt, durch den Sekretär der Loge den 5ten,6ten, 10ten und 14ten Artikel dieser Rechte und Freiheilen vorlesen.


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