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Die zerschmetterten Freymäurer - 1746

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Inhaltsverzeichnis

Die zerschmetterten Freymäurer - 1746

Zerschmettert.jpg
Zerschmetterte Freymäurerey.jpg
Tafelbearbeitet.jpg

Bibliographische Angaben

Aus der Fraktur übertragen von Roland Müller

Die zerschmetterten Freymäurer, Oder Fortsetzung des verrathenen Ordens der Freymäurer. Franckfurt und Leipzig 1746 (35 + 360 Seiten), 1747 (344 Seiten);
Faksimile Nachdruck (Fraktur) Rotterdam: Uitgeverij Cagliostro 1984 (360 Seiten);

unter dem Titel:
Geheimniße der Freymäurer
leicht gekürzt und ohne Kapiteltitel, in einem Band, 1766 (248 Seiten).

2. dt. Übersetzung von Luise Adelgunde Victorie Gottsched: Die gestürzten Freymäurer. Berlin, Leipzig: Néaulme & de Bourdeaux 1747 (293 Seiten).1746.

Bearbeitung der „zerschmetterten Freymäurer“:
Allerneuste Geheimniße der Freymäurer. 2 Bde, 1766, 1770-72 (124 und 148 Seiten), 1780 (126 und 154 Seiten).

Abschrift der „Allerneusten Geheimniße der Freymäurer“:
Geheime Unternehmungen der Freymaurer. London, Berlin 1787 (230 Seiten), 1788 (230 Seiten).
http://www.internetloge.de/ (unter „Geheimnis + Verrat“)

Spätere freie Bearbeitung:
Heinrich Sautier: Warum soll ich ein Freimaurer werden? Basel: Flick 1786.

frz.:
Abbé Larudan (vermutlich ein Pseudonym; manchmal auch Pérau zugeschrieben):
Les Francs-Maçons Ecrasés. Suite du Livre Intitulé L’Ordre des Francs-Maçons Trahi. Traduit du Latin. Amsterdam 1747 (XXXVI und 448 Seiten!); weiter Aufl. 1747 (338 Seiten), 1762 (383 Seiten), 1766, 1774, 1776.

Avertissement.

[aus dem französischen Original]

Cet Ouvrage aiant été traduit du Latin en François par trois Personnes différentes de Nation, de génie, & de capacité, il n'est pas surprenant qu'il s'y trouve quelque bigarrure dans le stile; malgré l'uniformité de l'Original, où la pureté, l'élégance, la facilité & le feu de l'expression se soutiennent jusqu'à la fin.

La Traduction est cependant fidèle, autant que la nouveauté des termes, la singularité des idées, & la difficulté du sujet, pouvoient le permettre. Les méprisés y sont en petit nombre, & ne méritent pas, pour la plupart, d'être relevées.

Je ne ferai qu'indiquer ici les principales.
- Page 26. ligne 16. on doit dire que la Société a été divisée en plusieurs Classes, & pas en trois.
- Page 69. ligne 6. & page 73. ligne 17. on ne doit pas dire troisième Classe, mais les Classes inférieures.
- Page 28. ligne 11. jusqu'à la page 60. ligne 16. & page 91. ligne 1. jusqu'à la page 102. ligne 22. Ces deux Traductions, la prémière du Sens mystique du Temple de Salomon, la seconde., de la prémière tenue de la Loge de la Société, ne sont pas tout à fait exactes; mais l'essentiel s'y trouve, & le Lecteur intelligent réformera le reste.
- Page 121. ligne 22. La raison pour laquelle ce Maitre de Loge fut cité devant le Magistrat, fut un passage du Livre intitulé Histoire, Obligations & Statuts de la très vénérable Confraternìtê des Francs-Maçons tirés de Ieurs Archives, imprimée à Francfort sur Ie Meyn, chez François Varretrapp 1742. pag. 148. ligne 17.

Nöthige Vorrede.

Ob ich gleich nicht ausdrücklich versprochen, die Früchte meiner langen und mühsamen Untersuchungen einstens der Welt mitzutheilen (1), so sind doch die Versicherungen und Verbindungen, so man mit dem Publico macht, so heilig, daß ich nicht langer verziehen kan, der Ungedult, welche es unfehlbar haben wird, die Wunder, so ich versprochen habe, zu sehen, Genüge zu leisten.

(1) Vorrede zu dem verrathenen Freymäurer.

Ich habe dem Leser im voraus eine gute Meynung von mir machen wollen, und deswegen den verrathenen Orden der Freymäurer [1745] herausgegeben. Sieben Ausgaben und vier unterschiedene Uibersetzungen, so man in weniger als vier Monaten davon gemacht, beweisen, daß ich Ursache gehabt zu jagen, es könne nicht fehlen, daß es von iederman wohl aufgenommen würde (2), und veranlassen mich die Schatze, so ich dem Publico verheißen, aufzuthun, und noch ein Werck von der Freymäurerey zu schreiben. Hierdurch werde ich vollends zeigen, wie wichtig diese Materie sey, und wie sie die gantze Welt angehe.

(2) Eben daselbst.

Ich kenne die Schwierigkeit des Weges, welchen ich angetreten; ich weiß, wie schlüpfrig und gefährlich da ieder Schritt ist, und man kan wahrhafftig ietzt mit mehrerm Recht, als ehemals Horatius zu einem seiner Freunde, zu mir sagen:

Periculosae plenum opus aleae,
Tractas, et incedis per ignes
Suppositos cineri doloso.

[Ein Werk voll gefährlicher Risiken behandelst du und beschreitest ein Terrain, wo Feuer unter trügerischer Asche glüht]

Allein es liegt nichts daran; ist die Gefahr, so mir bevorstehet, auch noch so groß, wird dieses Buch seinem Verfasser viel Thränen, und vielleicht das Leben kosten können: diese Rede, so zu meinen Ohren gekommen, diese Rede, sage ich, mag noch so viel Grund haben, so ist doch nichts vermögend, meiner Neigung vor die Wahrheit Einhalt zu thun. Die Freymäurer mögen mich immer vor einen Verräther und Meineidigen, der das Stillschwelgen, wozu er sich verbunden, gebrochen, und also ein schändliches Laster begangen hat, halten: Der Vortheil der gantzen Welt, wird mich genugsam rechtfertigen.

Das Laster wird zur Tugend,
Das man vors Vaterland begeht.

Sehen sie mich nur als einen Betrüger an, dem man im geringsten nicht Glauben beymessen darff, so mögen sie ia aufhören, sich zu beunruhigen, zu drohen, und alles anzuwenden, den Eindruck meiner Betrügereyen zu hindern: Das Publicum wird sich durch die Verachtung und Verwerffunq des Werckes rächen. Ich bitte dasselbe so gar, mit seinem Urtheil an sich zu halten, und so lange Anstand zu nehmen, mir zu glauben, bis daß es deutlich inne werde, ob alles, was ich von dem Endzweck, dem Ursprung und der Moral des Ordens beybringen werde, wahrscheinlich genug sey, um Beyfall zu verdienen.

Hatte ich bloß mit billigen Leuten zu thun, so würde ich hier meine Vorrede endigen, denn weil iederman seit langer Zeit eine so grosse Neugierde vor das, was diese berühmte Gesellschafft angehet, bezeigt, so ist es unnöthig, viel Worte zu machen, ihm solche einzuflössen. Allein das Buch macht so viel Leute aufrührisch, und ist der Vorwurff von so vielen Anfällen, daß es eine Nachläßigkeit seyn würde, nicht wenigstens denen vornehmsten darunter zu begegnen.

„Was?“ wird ein aufgebrachter Freymäurer sagen, „ein Schrifftsteller, der im vorigen Jahr ein Buch herausgab, worinnen er feierlichst versprach, die Materie vollkommen abzuhandeln, und davon ein vollständiges Werck zu verfertigen, ein Schrifftsteller, der zu erkennen giebt, daß er die Geheimnisse der Schotten gar nicht kenne (3), der sich so gar nicht einmal unterstehet, etwas von der Wircklichkeit des Ordens zu behaupten, und endlich versichert, daß er vor einen Betrüger gehalten seyn wolle, wenn es ausser denen in seinem Buche befindlichen Geheimnissen noch andere unter uns gäbe: Dieser Mann hat die Kühnheit, uns einen neuen Band, der zweymal so starck als der erste ist, von dieser Materie zu liefern. Hat er damals die Geheimnisse, so er uns ietzt zu entdecken vorgiebt, nicht gewust, wo hat er sie nachhero erfahren? und wenn er sie gewust, warum hat er nicht gemeldet, daß er die Fortsetzung ein ander mal herausgeben wolle? Wer sieht nicht, daß dieser Ungenannte, da er ein sinnreiches Systema anfänglich ausgesonnen, solches ietzo vollkommener macht, indem er es mit denen wahrscheinlichsten Umständen und den lebhafftesten Farben vorstellt?“
(3) Eben daselbst.

Sehet, meine Herren Freymäurer, was ihr vornehmlich, das Publicum auf andere Gedancken zu bringen, vorbringen könnt. Allein es ist schlimm vor euch, daß ihr mit einem Menschen zu thun habt, der eure verstellte Demuth und List vollkommen kennt, die wunderbare Verbergung eurer Aufführung deutlich einsieht, und den unter euren subtilen und zahlreichen Gleichniß-Reden verborgenen Verstand völlig begreifft, der im Stande und fest einschlossen ist, eure Absichten zu entdecken, die Ursachen der Begebenheiten, so sich unter euch zugetragen, zu finden, und den Vorwand und Schein von der Wahrheit zu unterscheiden: der wie ein anderer Aristäus in euch die Fabel von Proteus erneuren, euch unter allen Gestalten, die ihr so geschickt anzunehmen wisst, fassen, und endlich in eurer Verschanzung angreiffen wird.
Kommt, ehrwürdige Meister des Ordens, von einer Allegorie auf die andere, von einem Gleichniß auf das andere, von einer List auf die andere, zeigt euch unter so vielen Farben, als der Regenbogen hat, ihr mögt es immer thun, mir sollt ihr nicht entgehen. Ich werde ohne Unterlaß in euch dringen, bis daß ihr endlich gezwungen seyn werdet, die Gestalt, in welcher ich euch angetroffen, wieder anzunehmen, und ihr werdet sodenn als rasende und verzweifelte Leute bekennen, daß ihr entdeckt, und eure List künfftig unnütze sey. Der Himmel gebe, daß, wenn ihr auf diese Art, wie Proteus, gezwungen worden, ihr ihm nachahmet, und euch zwar nicht, wie er ins Meer stürtzet, sondern euer Werck vernichtet, und eure abentheuerlichen und riesenmäßigen Einfälle fahren lasset, so daß man künfftig von eurer Gesellschafft weder Gutes noch Böses reden möge!

Nach diesem Wunsche, den ich von Hertzens-Grunde vor das Aufnehmen des Ordens thue, will ich auf euren Einwurff antworten. Die subtilen und besondern Begriffe, die ihr von dem grossen Endzweck der Gesellschafft hegt, die feine Politic, die ihr anwendet, um andere anzulocken, und die unendliche Kunst, damit ihr die Fähigkeit eurer Candidaten untersucht, sind die festesten Stützen eures Vorhabens, und machen, daß ihr solches unter zwey verschiedenen Gestalten vorstellt. Die eine zeigt denen Mitgliedern die äußerlichen Cerimonien, so bey euch gebräuchlich sind, und die gleichsam den Cörper der Freymäurerey ausmachen. Die andere zeigt ihrem Verstande, in eurer Moral, und in eurem Endzweck, ein weites Feld von Betrachtungen über diese Cerimonien, und eine fruchtbare Qvelle von Folgen, die unstreitig daraus fliessen.
Die erste, so bloß äusserlich in die Augen fällt, dient, die kleinen Geister damit zu wiegen und einzuschläffern, indem sie sich bey der Schale aufhalten, weil sie durch solche nicht hindurch können. Die andere, so gantz erhaben und sinnreich ist, ist die starcke Speise, so vor Geister, welche eine Sache ergründen, und den Absichten des Ordens beyzutreten geneigt sind, zugerichtet ist. Vermittelst dieser beyden Vorstellungen, welche ihr so zu unterscheiden, und von einander abzusondern wißt, daß eine ohne die andere gezeigt und betrachtet werden kan, geschieht es, daß die meisten von euren Gliedern die erste vollkommen einsehen, da indessen das andere unter der dunckeln Decke der Gleichnisse vor ihren Augen verborgen ist.

Da dieses also ist, meine Herren, darf es uns wohl fremde vorkommen, daß ich mich, da ich von eurer Gesellschafft handele, eben der Schreibart bediene, die ihr, sie zu befestigen, zu unterrichten und zu erhalten, anwendet? Wenn ein Mensch, der bloß zur Stelle eines Lehrlings, Gesellens, oder blossen Meisters gelangt, die Geheimnisse, die er erfahren, bekanntmachen wolte, wäre er nicht berechtigt, nachdem er das, was in meinem Buche: Der verrathenen Orden der Freymäurer, enthalten ist, getreulich erzehlt, zu versichern, daß er die Materie (4) vollkommen abgehandelt. daß er ein völliges Systema von der Lehre der Freymäurer geschrieben, daß er es zufrieden seyn wolle, vor einen Betrüger zu paßiren, wenn andere Geheimnisse, als wie sein Buch enthalten, unter euch wären. Er könnte sagen, er wisse gantz wohl, daß eine Rede unter den Freymäurern von einem gewissen Orden sey, den sie die Schotten nennen daß er aber von der Wircklichkeit desselben nichts behaupten wolle.

(4) S. die Vorrede des angeführten Buches.

Er könnte sich in der That auch nicht anders ausdrücken, weil es ein Stück eurer Politick gegen die Lehrlinge, Gesellen und Meister ist, nur ungewiße Reden von den Schotten auszubreiten, und es also unvorsichtig gewesen seyn würde, das wirckliche Daseyn einer solchen Classe zu behaupten. Eure genaue Vorsicht und Behutsamkeit bewahrt euch vor allen denenienigen, bey denen ihr keine gewissen Zeichen ihres Beruffs zu diesem hohen Grade wahrnehmt. Ihr müst Leute haben, so sich entweder aus natürlicher Neigung oder um eines grossen Nutzens willen gantz und gar zu Beförderung und Ausführung eures Unternehmens wiedmen. Ihr seyd nicht einmal mit dem besten Scheine zufrieden, ihr müst viele Proben haben, die einem mathematischen Beweis ähnlich sind. Dergleichen Leute sind die eintzigen, denen ihr die Geheimnisse und Lehre der Schotten offenbart, und wenn sich unter euern Gliedern einige finden, so eine grosse Macht in der Welt haben, ihre Neigungen aber euch verdächtig sind, die aber doch in diesen Geheimnissen unterrichtet seyn wollen (wie ihr an einem grossen Könige ein Exempel gehabt habet) so bringt ihr tausend Ursachen euch zu entschuldigen vor, und so gar zu behaupten, daß die Würde der Schotten bloß in der Errichtung des äusserlichen und der Gesetze des Ordens bestünde, übrigens aber weder besondere Cerimonien noch Gebräuche hatte. Auf diese Art wißt ihr durch allerhand Umwege den Kopf aus der Schlinge zu ziehen, und dem Schlage auszuweichen.

Da ich demnach in meinem ersten Werke keine andere Absicht gehabt, als was die Lehrlinge, die Meister und Gesellen angehet, zu erzehlen, so ist es klar, daß ich auf diese Art verfahren muste, und so wie ihr, sagen konnte, daß es die Geheimnisse des Ordens alle wären: ich konnte es auch mit grösserer Wahrheit sagen, da meine Absicht war, bloß von den Freymäurern, und nicht von den Schotten zu reden. Die Vorsicht, mit welcher ich von diesen in einer Anmerckung zu meiner Vorrede gesprochen, hat auch zu verstehen geben können, daß ich mehr von ihnen gewust, als ich mir nicht habe merken lassen: und wo ihr noch daran zweifelt, so wird euch dieser neue Band vollends überzeugen, daß ich eine gantz genaue Kenntniß von eurem Orden habe, und dem erfahrensten unter euren Lehrern den Kragen umzuthun im Stande sey (5).

(5) Siehe die angezogene Vorrede.

Allein was liegt dem Publico daran zu wissen, warum ich meine Anmerckungen über die Freymäurer in zwey Bände getheilt? Es kommt alles darauf an, daß ich zeige, wie ich das äusserliche der Gesellschafft in dem ersten Wercke sorgfältig beschrieben, in diesem aber den Ursprung, die Moral, die Lehre und den Endzweck des Ordens eben so wahrhaftig abgehandelt habe.

Meinem ersten Satze Genüge zu thun, will ich auf die Criticken, so man über mein Werck gemacht, antworten, und damit ich die Einwürffe, in aller ihrer Stärcke zeige, so will ich mich vornemlich an die halten, die mir ein berühmter Zeitungs-Schreiber gemacht, ein Mann, der nicht zu frieden ist, uns alle Monate überhaupt zu erzehlen, was eintzeln und stückweise in den Zeitungen gestanden, sondern noch überdieses das Publicum alle Monate mit einem Blatte beschenckt, darinnen er die zweifelhafften Begebenheiten auf gewisse Gründe setzt, die Verdienste der Generale richtig beurtheilt, die Aufführung der Minister entdeckt, und den Königen Gesetzpredigten hält. Ein vortreffliches Blat, so nach und nach unter den verschiedenen Titeln des Magazin, des Epilogueur, des Demosthene moderne, des Avocat pour & contre, herausgekommen, und, ausser seiner innerlichen Vortrefflichkeit, noch durch die besondere Anmuth einer halb Picardischen und halb Teutschen Schreibart verherrlichet wird. Mit einem Worte, ein Blatt, so seinen Verfasser unsterblich machen würde, wenn er sich nicht schon zuvor durch die Würde eines Hauptes der Freymäurer in Amsterdam, verewiget hatte.

Der Epilogueur, welchen dieser fürchterliche Criticus wider mein erstes Werck, so nur von den Cerimonien und Gebräuchen der Freymäurer handelte, geschrieben, ist ein Vorbote von dem, was ich bey der Ausgabe dieses Wercks von den wichtigsten Geheimnissen des Ordens zu gewarten habe. Ich bin indessen zu allem bereit: was das künftige anlangt, so erwarte ich meinen Gegner standhafft, und was das vergangene betrifft, so ist nichts leichters als die Schantzen, so er wider mich aufgeworffen hat, zu ruiniren.

Alles was der gantze ausserordentliche Epilogueur vom Donnerstag den 24 Decemb. 1744 enthält, kommt auf zwey sich einander widersprechende Sätze an. Der Verfasser streitet anfänglich wider drey Ungeheuer, die eine gemeine Einbildungs-Krafft als eines ansehen würde, die aber unser Criticus sehr genau und ordentlich unterscheidet. Das erste ist ein Ungetreuer, das andere ein Verräther, das dritte ein Meyneidiger. Nachdem er auf diese so verhasten Feinde zu unterschiedenen mahlen Angriffe gethan, so zeigt er uns endlich, daß sie noch weniger als die Puppen und Windmühlen des Don Quichotte seyn können: da die Freymäurer niemahls einen Eid verlangen, so kan man keinen Meyneid begehen, wenn man ihnen untreu wird, und deswegen ist auch in dem angegriffenen Buche nicht die qeringste Verrätherey, und unmöglich, daß einige darinnen seyn könne? (6).

(6) p. 71 72.

Gleichwie ich Dinge, so nur in der Einbildung bestehen, weder angreiffen noch vertheidigen will, so will ich das, was ich in dem ersten und gegenwärtigen Wercke dem Leser vorgetragen, beweisen., so denn meine Aufführung rechtfertigen, und zeigen, wie wenig sie die Schimpffworte, damit sie der Epilogueur angegriffen, verdiene.

Was das erste betrifft, so kan ich keinen bessern Beweis führen, als wenn ich die Zeit, den Ort, und die Logen, zu welchen viele vermittelst der Zeichen, der Griffe, und des Losungs-Worts, so ich angezeigt, einen Zutritt gefunden, nenne. Herr R.. u. D.. haben die Wahrheit derselben erfahren, und den Eindruck, den sie in ihrem Verstand und Beutel gemacht, empfunden. Das geschahe durch die List eines gewissen Spltzbubens, Ferdinand, der, nachdem er die Zeichen der Freymäurer gelernt, den Herrn R... zu Amsterdam besuchte, und sich dem Grafen von Rosenguai, Rittmeister des Regiments von de Plessis in Diensten der Königin von Ungarn nennte.

Nachdem dieser Betrüger ihm seine Begebenheit auf gut frantzösisch, erzehlt das ist, den Geld-Mangel, worinnen er sich befand, auf eine Sache, die seine Ehre beträffe, geschoben, zugleich aber sich als einen Freymäurer zu erkennen gegeben, so schenckte ihm Herr R... sogleich einen Ducaten, und versprach ihm den folgenden Tag, da man die Loge halten würde, noch mehrere. Allein da der neue Freymäurer bezeugte, daß er gleich wieder nach dem Haag gehen wollte, so gab ihm Herr R... ein Empfehlungs-Schreiben an Herrn D.. dem Meister der Loge im Haag mit. Dieser ließ sich voll der Freymäurerey dieses herumschweiffenden Grafens so sehr einnehmen, daß er so gleich im Wirthshause zum rothen Löwen, bey der Wittwe le Quint in der Heerstat vor ihn gut sagte. Er hatte so gar willens ihm funffzig Durcaten zu verschaffen, wenn Herr Scotti de Spadina, ein Italiänischer Officier, der nach Rußland gieng, und ein Freymäurer ist, den Herrn D... so bald er von dieser Betrügerey Nachricht erhalten, nicht gewarnet hätte, der so gleich in das Wirths-Haus gieng, und sein Wort zurück nahm. Indessen muste er ausser der Tafel, der Wirthin eine gewisse Anzahl Bouteillen des allerbesten Weines bezahlen, welchen der falsche Graf auf die Gesundheit der Gesellschafft getruncken hatte.

Diese Sache ist so bekannt, daß sich so gar die Obrigkeit derselben«« annehmen müssen: indem dieser Betrüger einige Zeit hernach wiederum nach dem Haag kam, und den Herrn Scotti, sich wegen dieser Begebenheit zu rächen, mit Schimpf Worten angriff, dieser Officier aber ihn auf öffentlicher Strasse mit dem Stock prügelte, und bey dem Ober-Amtmann anhielt, diesen Menschen fortzuschaffen, der aber denen Schergen durch eine geschwinde Flucht zuvor kam.

Der Herr Graf T... der anietzt die hohe Schule zu Leyden mit seiner Gegenwart beehret, hat durch die gedachten Zeichen gleichfalls in verschiedenen Logen dieses Landes so wohl als in Londen, wo er vergangene Ostern hingereiset, einen Zutritt erhalten. Der Herr Graf S. hat solches zu Paris, der Freyherr von K. zu Berlin, gethan; und der Herr Baron von V. der Ritter von R... und die Herren P. junge und sehr wohlbekannte Herren, die in Leyden studiren, können gleichfalls bezeugen, daß sie in verschiedenen Logen dieses Landes angekommen sind.

Zu so vielen bewahrten Zeugnissen, kan ich ieden Leser selbst setzen, dem ich gut davor bin, daß wenn er das, was ich ihm in diesem Wercke vorgeschrieben, wohl in Acht nimmt, in alle Logen, die ihn nicht personlich als einen Unheiligen [pour Profane] kennen, und folglich bloß aus den Zeichen, den Griffen, der Losung, und dem Examen, welches er auszustehen hat, von ihm urtheilen müssen, gehen kan.

Der Verfasser des Epilogueur vom 24 December giebt uns selbst einen Beweis von der Wahrheit des Buchs, welches er angreifft. Wir wollen setzen, daß alles darinnen erdichtet sey, pflegt man wohl iemahls so wider einen Roman zu toben? wird der Leser davon grössern Schaden, als von andern Büchern dieser Art haben? Solle es wohl dem Orden einige Gefahr bringen? werden die wirklichen Mitglieder nicht allemahl wissen, woran sie sich zu halten haben, und werden die Unheiligen deswegen diese Geheimnisse einsehen, weil sie glauben, daß sie dieselben einsehen? hat man nicht über dieses die Gesellschafft wegen unendlich heßlicher Dinge, als die hier beschriebenen Cerimonien sind, in Verdacht? Solle es nun ihr nicht nützlicher seyn, daß man mit einer eingebildeten Entdeckung zu frieden wäre, und die rechte Wahrheit zu untersuchen sich nicht weiter Mühe gäbe? Weswegen ist also die Loge ungehalten? Wozu dienet dieses ausserordentliche Blatt, diese Sammlung von Schmäh- und Schimpff-Worten? Man kan die Ursache davon nicht angeben, ohne auf das Sprichwort, welches eben so wahr als gemein ist: daß nichts so sehr als die Wahrheit zum Zorn reitze: und daß man also ein Geheimniß (so nach des Verfassers dieses Wochen-Blattes Meynung bißher unbegreiflich gewesen, und es auch bis an das Ende der Welt seyn wird,) müsse offenbahret, und diejenigen Dinge beschrieben haben, von denen Herr D. von einem zu meiner Freunde gesagt: daß wenn man sie auch tausend mahl gesehen hätte, dennoch keine Feder sie zu beschreiben im Stande seyn würde.

Dieser Advocat des Ordens ist auch wahrhafftig von einem so harten Schlage dermassen getroffen, daß er nicht bey sich selbst ist, und sich auf ieder Seite widerspricht. Es ist, sagt er p. 68, in dem gantzen Buche nicht eine Sylbe, die den Schatten unserer Geheimnisse ausdrückte, nichts, daraus man nur etwas davon muthmassen sollte. Indessen wende man das Blat um, und lese p. 70, so wird man ein gantz anderes Bekenntniß finden: Man wird einige aufgenommen haben, sie werden einige Worte verstanden und einige Ceremonien gesehen haben. Man lese ferner bis zur 71 Seite, und erwege die Worte: Vielleicht ist das die Formul eines Eides, welchen die Meister der Loge in Franckreich ihre Neuaufzunehmende ablegen lassen, welches ich eben nicht leugnen will: allein in dem Fall hätte er sein Buch den verrathenen Orden der Frantzösischen Freymäurer betiteln sollen.

Dieses Bekenntniß nöthigt ihm die Wahrheit ab, so fähret er nach denen gewissesten Versicherungen fort, da ihn die erste Hitze getrieben, alles ohne Ausnahme als erdichtet anzusehen. Und wenn man von dem Eid, der allerfeyerlichsten, wichtigsten, und folglich auch der allergeheimsten Handlung so wohl unterrichtet gewesen, warum hat man es nicht von den übrigen auch seyn können.

Endlich behauptet der Epilogueur, daß wenn man auch von den Frantzösischen Freymäurern glaubwürdige Nachricht gegeben, solche doch die Englischen nicht angehe. Ich nehme hierüber erst die angeführten Personen, die eben so wohl in die Englischen, Teutschen, und Holländischen als in die Frantzösischen Logen einen Zutritt erhalten haben, zu Zeugen. Wie kan ferner der Criticus diesen Unterscheid der Englischen und Französischen Freymäurer erweisen? sagen sie nicht ungescheut, daß sie alle eine Gesellschafft ausmachen? Soll das blosse Wort des Epilogueur. mehr als diese Versicherungen gelten? Wer kan von andern verlangen, daß sie von seiner Aufrichtigkeit so hohe Gedancken hegen sollen, da er alle Englischen Freymäurer, welche die Französischen aufgenommen, ungescheut beschuldiget, daß sie Betrüger gewesen, wenn sie ihnen versichert, daß sie die wahren Geheimnisse, die man vor ihnen verborgen, vollkommen inne hätten: daß sie Spitzbuben gewesen, die ihnen das Geld vor ihre Aufnahme gestohlen hatten? Die Rolle der Betrüger und Tölpel, welche er den Frantzosen spielen läst, ist dieser sinnreichen Nation nicht weniger schimpflich. Was hat demnach der Verfasser von beyden vor Danck zu erwarten, da er ihre vortreflichsten Qvalitäten dem Eifer seine Meinung zu behaupten aufgeopffert; denn er selbst weiß so gut als ein anderer, er mag seyn, wer er wolle, die Wahrheit von dem, was er bestreitet.

Da er also nicht erweisen können, daß man die wahrhafften Geheimnisse der Freymäurer offenbaret, so ist er eben so unglücklich, einige Bosheit und Verwegenheit bey dem Vorhaben, sie zu entdecken, zu zeigen. Es ist wahr, die gelehrten und grossen Wercke, so wider den Meineid geschrieben haben, werden ihm gar leicht mit einigen Stellen an die Hand gehen können, die sein Blat desto mehr schmücken, da er sie in zwey Sprachen angeführet: Es ist ferner wahr, daß ihm seine Galle die Mühe ersparet, das Französische Wörter-Buch nachzuschlagen, um die ärgsten Schimpf-Wörter zu finden und davon ein gelehrtes Gewebe zu machen. Allein er hat indessen zu beweisen vergessen, daß der unglückliche Vorwurf seines Zorns solches verdiene, und in meinen Handlungen die Zeichen eines Meyneidigen anzumercken. Worinnen er Horatii Vermahnung vollkommen gefolget ist, daß man die Dinge, so man nicht wohl ausführen könne, liegen lassen solle. Und ui Wahrheit, wie hätte er beweisen können, daß die Logen insgesamt alle nöthige Vorsicht angewendet, um sich den neugierigen Blicken der Unheiligen, so ohnvermerckt zusahen, nicht auszusetzen, auch den Zutritt einiger Betrüger, und andere dergleichen ungefähre Fälle, zu verhüten.

Ich kenne selbst eine Frau von Illens in Lausanne, die einesmals, als die Loge bey ihrem Manne gehalten wurde, durch ein Loch, alles gesehen haben würde, wenn sie das Lachen lassen können, und nicht dadurch entdeckt worden wäre. Ich kenne ferner zu Amsterdam die Magd des Herrn Advocaten de la Chenelle, de la Charbonnelaye, welche da sie in Leyden war, sich eben dieses Mittels bediente, und da sie die Gedult hatte bis zu Ende da zu bleiben, alle Cerimonien der Aufnehmung mit ansahe.
Ich kenne endlich in Berlin ein Englisches Frauenzimmer, so an den Baumeister des Königlichen Theaters verheurathet ist, und da sie aus Londen zu ihrem Manne nach Berlin kam, in dem Geheimniß des Ordens so wohl bewandert war, daß man sie nicht nur in Hamburg als eine wahrhaffte fremde Schwester ansahe, sondrn auch hernach als eine solche in der berühmten und vollkommen eingerichteten Loge zu Berlin annahme.
Ich will bey dieser letzten den Fall setzen, daß man sie durch ein mir unbekanntes Mittel zum Stillschweigen verbunden, indessen erzehlet sie es so, und hat mir es vielmahls selbst versichert. Allein was die zwey ersten betrifft, voll denen die eine einen Theil der Cerimonien, die andere alles gesehen, worinnen hätten sie einen Meyneid, oder auch nur eine Untreue begehen sollen? es müfte denn vielleicht seyn, daß man nach dem Recht der Freymäurer diese Fehler ohne geschworen oder angelobt zu haben, nicht begehen könne. Und kan ich also nicht in eben diesen oder in andern dergleichen Umstanden seyn? Was hätte ich sodenn vor eine Pflicht zu schwelgen? Sollte ich nicht wenigstens eben so viel Recht über das Geheimniß des Ordens, als Herr R... über die Europäischen Höfe hat, haben?

Allein wir wollen, ohne es einzugestehen, einen Augenblick zugeben, daß ich den Eid, der denen, so in den Orden treten wollen, abgefodert wird, wirklich abgelegt hätte, so ist selber um verschiedener Ursachen willen so mangelhafft, daß er mich unmöglich zu etwas verbinden kan. Erstlich haben blosse Privat-Personen nicht Macht, einen Eid zu fodern. Zum andern weiß man, wenn man solchen schwört, noch nicht, wozu man sich verbindet, indem man weder die Dinge, die man verschwelgen [besser: verschweigen], noch die man ausführen soll, inne hat. Drittens ist man schon durch die eidliche Versicherung der Treue und des Gehorsams gegen den Landes-Herrn gebunden, dessen Dienste und Befehle vielleicht mit dem, was man der Loge versprechen muß, nicht bestehen können. Endlich besteht die gantze Krafft des Eides in der Uiberzeugung, daß das Wesen, so man zum Zeugen nimmt, und dessen Rache man sich, wenn man nicht die Wahrheit sagt, unterwirfst, göttlich ist: Was kan nun also der Eid, den man auf das Evangelien-Buch ablegen läst, bey denen vor eine Krafft haben, welche es verwerffen?
Ich habe in Amsterdam drey Juden aufnehmen sehen, die Herr R... der Vorgesetzte der Loge, auf das Evangelium Johannis schwören ließ, und ich weiß, daß der Eid überall, und der Neuaufzunehmende mag vor eine Religion haben was er vor eine wolle, einerley sey. Es ist wahr, da ich das Glück habe, ein Christ zu seyn, der Eid auf diese Art dadurch gültig werden, und mich verbinden würde. Allein mein letzte Anmerckung beweist nichts desto weniger, daß er nicht vollkommen sey, indem er bey einer so grossen Menge, die ihn ablegen müssen, und die also alles, ohne wider ihre eidliche Zusage zu handeln, entdecken können, ohne alle Krafft ist.

Wollte ich die Meynung vieler gelehrten Leute, die mein Buch mit aller Einsicht, und ohne Parteylichkeit untersucht haben, zu meiner Rechtfertigung anführen, so könnte ich zeigen, daß nach ihren Gedancken ein ehrbarer Mensch, der die Geheimnisse der Freymäurer insgesamt innehat, gar nicht meineidig werde, wenn er sie entdecke, sondern, daß er vielmehr, nach der Vorschrifft der Religion und Erbarkeit, dazu verbunden sey. Die Ursache ist, daß der Eid der Freymäurer eine wahre Entheiligung des göttlichen Nahmens, und folglich eine schändliche Handlung ist, die alle, so ihn ablegen, des Fluchs würdig macht. Was ich von dem Entsatze,. so dieser Eid verursachen sollte, gesagt, wird durch die Verfasser der Frantzösischen Bibliotheck im XL Th. im andern Band, p. 292 bekräfftiget:

Wenn wir, sagen sie, keine andere Sitten-Lehre, als die, welche die erbaren Leute im Heydenthum vorgetragen haben, hätten, so würde ein solcher Eid gottloß seyn, und wenn es wahr ist, daß sich die Freymäurer keine Schwierigkeit machen, ihn abzulegen, und zu halten, so sind sie des öffentlichen Hasses, den sie an verschiedenen Orten in Europa empfunden haben, würdig. Ist die Beschuldigung falsch, und hält sich der Verfasser des Geheimnisses der Freymäurer so unverschämt über die Gesellschafft und das Publicum auf, so weiß ich nicht, wie man ihn nennen soll, wenigstens bin ich versichert, daß kein ehrbarer Mensch so, wie er, wird heissen wollen.

Sehr viel Personen, die entweder durch mein Buch, oder meinen besondern Unterricht, in den Stand gesetzt worden, das Examen der Gesellschafft auszuhalten, haben in den Logen in Holland, Franckreich, Teutschland, Brabant und Engelland erfahren, daß es mit dem Eide seine Richtigkeit habe. Ich erbiete mich so gar denen, die diese Probe nicht gemacht, Beweise, die eben so überzeugend, als die Erfahrung selbst ist, zu geben, wenn sie an meinen Verleger schreiben wollen, der ihnen meine Antwort richtig besorgen wird.

Ich habe nunmehro dem Herrn R... wegen der wichtigen Einwürffe, die er mir in seinem Epilogueur, in der ersten Hitze gemacht, Genüge gethan. Jetzt wollen wir sehen, was dieser fruchtbare und grosse Schrifftsteller, in dem Avocat pour & contre, nach einem Nachsinnen von 18 Monaten zu Verteidigung der Gesellschafft beygebracht hat. Sollte man es glauben? Alles besteht in einem elenden Gesange, vor dessen Verfasser er mich ausgiebt, und den er seinem Leser als einen Wiederruff und Abbitte vorlegt. Man lese den Avocat pour & contre vom Montage den 30 May 1746, so wird man die so seltene Geburt des Orackels der Amsterdamer Caffe-Häuser finden.

Allein ihr irret euch, Herr Groß-Meister der Loge, wenn ihr glaubt, daß man es euch so hingehen lassen werde, dem Publico etwas aufzuhefften. Der Wiederruff, den ihr von mir zu qewarten habt, ist da: Ich bin gesonnen, durch dieses andere Werck, wegen des ersten um Verzeihung bitten. Nehmt es an, und last es euch wohlgefallen; ihr seyd nicht der geringste von denen, vor welche ich es aufgesetzt. Diese Abbitte wird euch zwar nicht, so wie ich wünsche, gefallen; allein wie kan man einen so zarten Geschmack, als der eurige ist, vollkommen befriedigen?

Hier wollen wir unsern Criticum verlassen, die Untersuchung, ob man der Neugierigkeit des Publici Genüge zu leisten berechtigt gewesen, endigen, und nur noch einige kurtze Anmerckungen von andern Dingen beyfügen.

Erstlich darf man nicht meynen, daß alle Freymäurer der Meynung, so ich dem Orden zuschreibe, beypflichten. Die Baumeister sind die eintzigen, so das Geheimniß inne haben, welches man den andern nicht weiter entdeckt, als in so ferne man sie fähig findet, es anzunehmen und zu erhalten. Vielleicht sind selbst nicht alle Schotten davon vollkommen und deutlich unterrichtet. Die Gesellschafft hat sich über dieses sehr geändert, und man findet, daß sie hin und wieder die grossen Absichten, um derer willen sie errichtet worden, aus der Acht gelassen, und an ihrer Statt bloß an der Tafel, der Gesellschafft, und an besondern Zusammenkünfften Belieben gefunden.

Eine andere Anmerckung ist, daß wenn das Lehrgebäude des Ordens nichts strafwürdiges enthält, so können sie es ohne Schwierigkeit bekannt machen, wenn sie nur allein die Zeichen, woran sie einander kennen, geheim halten, oder vielmehr andere an jener Stelle, die ihnen nun nichts mehr nütze sind, weil sie der ganzen Welt bekannt gemacht worden, erdencken. Mit dieser Vorsicht können sie an der Ausführung ihres Plans arbeiten, ohne ihn zu verbergen, und ohne daß ihn etwas, wenn er anders gut ist, hindere. Auf diese Weise bewahrt man die Städte, und erhält die Armeen, ohne daß man seine Absicht heimlich hält, und kommt damit dennoch zu Stande, wenn man nur die Losungs-Worte niemals kund werden läßt.

Endlich wenn ich den Orden geschimpftt und gefährlicher Sätze beschuldigt haben, so habe ich bloß, was ich in der Loge vernommen, erzehlt und beurtheilt. Es gehet also dieienigen, welche diesem Vornehmen nicht beygetreten sind, die Censur desselben gar nichts an, ia wenn der gantze Orden seine Einrichtung und Absichten ändern wird, so bin ich willens ihm an stat dieses Buches eine Lobschrifft zu verfertigen

Liste des Ouvrages sur les Francs-Maçons qu'on donnera incessantment au Public, traduits du Latin en François, du même Àuteur.

[aus dem französischen Original]

  1. Le nouveau Dictionnaire des Francs- Maçons. 2 vol. in 4.
  2. L'Apocalypse d'un Franc-Maçon, tirée des Archives de la Loge de Londres, avec les Commentaires, vol. in 4.
  3. Les Francs-Maçons persécutés. Tragédie en vers.
  4. Lamentations des Francs-Maçons aux bords du Siloé, en style de Jérémie. 4Elegies, & 7 Pseaumes. Brochure in 12.
  5. Le Profane pompé- Comédie en trois Actes. La Scène est à Paris, à l'Hôtel de Soissons.
  6. Le Traitre puni. Poëme héroïque en 6350 vers,
  7. Description Géographique , avec des Plans très exacts, du Royaume de la Liberté & de l'Egalité sous le Gouvernement Franc-Maçon, vol. in 4.
  8. Le Franc-Maçon vainqueur d'une Belle, ou l'Art d'aimer à la Franc-Maçonne. Brochure in 12.
  9. Catalogue des Loges Franc-Maçonnes, avec les Noms & les Caractères des principaux Officiers & Frères de la Sociéte. 4 vol. in4.
  10. Dialogue d'un Déiste & d'un Franc-Maçon. Brochure in 12.
  11. L'Ombre de Cromwel, & celle d'un Ecossois mort depuis peu, se rencontrant aux Enfers. Brochure in 12.
  12. Quatre Déclamations contre la Franc-Maçonnerie en général , à l'imitation des quatre Oraisons de Cicéron contre Catilina.
  13. Déclamation contre Mr. R... très vénérable Maitre d'une Loge de Hollande, à l'imitation de la seconde Philippique de Cicéron.
  14. Déclamation contre Mr. D... très vénerable Maitre d'une autre Loge de Hollande, à l'imitation de la prémière Déclamation de Cicéron contre Verrès.
  15. Le Moqueur de la Société, ou les Francs-Maçons tournés en ridicule. Comédie en un Acte, 1550 vers.
  16. Apostrophe à tous les Princes & Magistrats, dans laquelle on prouve évidemment la nécessité de détruire tout à fait la Société des Francs-Maçons, vol. in 8.

Innhalt.

Von dem Ursprung der Freymäurer und ihrer Lehren

Von den Verrichtungen und Ceremonien des Freymäurer-Ordens und zwar erst von den Dienern oder Aufwärtern

Beschreibung der auf dem Fuß-Boden der Loge beschriebenen Figur und der Art, wie sich die Freymäurer um solche herum stellen

Von der Art die Loge zu eröffnen

Aufnahme eines Bruder-Dieners und Lehrlings

Rede, so in einer Versammlung der Freymäurer bey der Aufnahme eines Lehrlings gehalten worden

Von der Schuldigkeit und denen Verrichtungen des Bruder-Dieners

Fortsetzung und Ende der Cerimonie der Aufnahme

Von dem, was in der Loge, nachdem der neue Bruder abgetreten ist, vorgehet

Art einen Neuaufzunehmenden vorzuschlagen

Von der Art die Loge zu schliessen

Von den Zeichen, den Griffen, und der Losung der Brüder-Diener

Catechismus der Brüder-Diener

Eid der Freymäurer

Von den Lehrlingen

Von den Gesellen oder Arbeitern

Von den Meistern

Fortsetzung des Catechismi der Meister

Von den Baumeistern oder Schotten

Catechismus der Baumeister

Von der Sprache und den Zeichen der Freymäurer

Von dem Mahl der Brüder überhaupt

Anmerckungen über die Freymäurer überhaupt

Von dem Ursprung der Freymäurer und ihrer Lehre.

Der Ursprung der Freymäurer ist nicht verdächtig, und man kan ihnen nicht vorwerffen, daß sie nicht alt genug wären. Solte dieses allein genug seyn ihr Ansehen und Verdienste zu erweisen, so würde man nicht viel dagegen einzuwenden haben.
Glauben wir vielen von ihren Gönnern, so ist es allzuwenig, wenn man solchen bis an den König Salomon hinauf führt: die Jahre vor der Sündflut sind die sichere und wahrhaffte Zeit, da man den Anfang der Freymäurer feste setzen muß: und vielleicht hatte es Noa bey dem allgemeinen Schiffbruch der Natur dieser kostbaren Eigenschafft zu dancken, daß die Wellen das Schiff, worinnen er sich befand, verschoneten, und in der Person des vortrefflichen Wiederbringers dieses Ordens einen Mann verehrten, dessen Nachkommen, nachdem sie sich überall ausgebreitet, der Welt die ersten Bürger in denen Freymäurern geben sollten.

Man wird dieses leicht begreiffen, wenn man auf die Gassenhauer und Lieder, so das Glück dieser Gesellschafft bekannt zu machen, verfertiget worden, so wohl als auf die berühmtesten Völcker des Erdbodens, die Assyrier, Perser und Egyptier, die ihren Ursprung auf fast undenckliche Zeiten, welche sie durch ihre Jahrbücher und die unendliche Reihe von drey oder vier Millionen Jahre berechneten, hinaussetzten, Achtung giebt.
Gleichwie es aber unmöglich ist, daß eine solche Einbildung bey einer so vernünfftigen Gesellschafft, als die Freymäurer sind, allgemein seyn sollte, und da wir überdieses sehen, daß die Chineser, ein so gesittetes Volck, ihr Alter auf 14 bis 15 000 Jahr setzen; so glaube ich nicht, daß es mir iemand unter ihnen verargen werde, wenn ich an einem Ursprunge, der dem Gedächtniß so beschwehrlich, und in einer solchen Menge von Jahrhunderten gleichsam schon verlohren ist, zu zweiffeln mich erkühne.
Und endlich, was haben sie wohl vor einen Vortheil, die Schatten der alten Ertzväter herbey zu ruffen, und die ersten Gräber in der Welt zu durchsuchen, um ihrer Ankunfft einen Werth hinzulegen? Denn wenn ihr Orden, wie sie sagen, keinen andern Endzweck, als die menschliche Glückseligkeit, hat, wenn alles auf die Einrichtung und Beförderung derselben abziele; warum sucht man anderswo, als bey sich selbst, die Vortrefflichkeit, so sein Wesen ausmacht und welches ihm die älteste Asche und die dunckelsten Denckmäler nicht mittheilen können?

Alles, was gut ist, hat keiner fremden Hülffe von nöthen, und daß etwas neu sey, ist ihm deswegen nicht nachtheilig. Wie viel Dinge sind zu unsern Zeiten zum Nutzen und Vergnügen der Menschen erfunden worden? Verdienen solch- deswegen weniger unser Lob, und ihre Urheber unsern Danck. weil sie nicht die Hochachtung einiger Jahrhundert vor sich haben? Wenn die Gesellschafft selbst dem Menschen schädlich wäre, würde sie dadurch mehr Ansehen und Glantz bekommen, weil sie seit dessen Schöpffung bestanden wäre? Mit einem Wort, kan ein allqemeines Uibel durch ein Zeugniß von dieser Art gerechtfertiget werden? Im Gegentheil, ie mehr eo durch die Zeit in Ansehen gekommen, ie mehr sollte man sich davon entfernen. Was thun sich demnach die Freymäurer nicht vor schaden, da sie einen Ursprung, der dem grösten Staats Manne, von welchem sie solchen in geheim abzuleiten verbunden sind, so wenig rühmlich ist, vorgeben, da dessen Verstand und Gaben, so er bey der Stifftung ihres Ordens gewiesen, so wenigstens verdienen, daß sie sich eines solchen Urhebers nicht schämen sollten, ob ihm schon sonst, durch allerhand Nachreden, so mit dem, was er vor sie gethan, nichts gemein haben, ein Schandfleck angehängt worden.

Sie erlauben demnach, daß ich seinem Andencken die schuldige Ehre erweise, und ihm den Ruhm, daß er diese Gesellschaft gestifftet, beylege, welche zwar dadurch einige tausend Jahr an ihrem Alter verlieren wird, wenn man siehet, daß solche kaum hundert gestanden, und zuerst in Engelland errichtet worden. Diese Wahrheit ist durch die, so aufrichtig handeln wollen, niemals in Zweiffel gezogen worden, und selbst die hartnäckigsten haben nicht in Abrede seyn können, daß man solche in diesem Reiche wachsen, zunehmen, und endlich zu demienigen Grad der Größe und Vollkommenheit, worinnen sie sich gegenwärtig befindet, gelangen sehen, daß sie die fruchtbare Qvelle aller Logen, so man in der Welt angelegt, geworden, und daß diese insgesamt daher ihren Ursprung haben.

Allein wer ist unter den Engelländern so glücklich gewesen, daß ihn der Himmel zum ruhmwürdigen Stiffter dieses Ordens auserkohren? Es sind wenige, so ihn der Beschreibung nach, die ich von ihm gemacht, kennen sollten; noch geringer aber ist die Zahl derer, welche mit ihren Blicken, so wie er, in die Hertzen der Menschen dringen, die Krümmungen desselben ergründen, die Falten desselben aus einander wickeln, und auf einmal den Nutzen einer solchen Stifftung, die Mittel, sie mit Nutzen zu errichten, und zu ihren Absichten anzuwenden, einsehen sollten. Es sind wenige, die Jupiter, nach dem Ausdrucke eines Dichters, gütig angeblickt, die die Nacht, so sie umgiebt, plötzlich vertreiben, und die Wahrheit durch die Schatten, welche sie umhüllen, und die dunckeln Bilder, worunter sie versteckt ist, zu erkennen vermögend sind.
Mit einem Wort, es muste ein Cromwell seyn, der hier fortkommen wollte: ein so grosser Geist, als der seinige war allein vermögend, ein Werck von dieser Wichtigkeit zu unternehmen, und die Mittel zu finden, es bis auf diesige wunderbare Ausführung, aufrecht zu erhalten, welche die Welt durch die erschreckliche Veränderung in Erstaunen gesetzt, und diesen ehrgeizigen Schatten auch im Grabe vergnügt haben würde, wenn ihn nicht der unvorsehene Fall gestört hätte, der vielleicht die Augen über das sich immer mehr und mehr zusammen ziehende Ungewitter öffnen, und die Potentaten, so an dem Rande des Abgrunds im Schlaffe liegen, erwecken wird,

Man bilde sich im übrigen ia nicht ein, daß die besondere Gemüthsart dieses Feindes der Könige Ursache sey, daß ich ihm die Stifftung dieses Ordens zuschreibe. Nein, ich verlange gar nicht das Urtheil des Lesers zu verwirren, sondern bitte ihn vielmehr, damit so lange an sich zu halten, bis eine genaue Vergleichung und rechte Zusammenhaltung der Gebrauche und Neigungen der Freymäurer mit denen, so Cromwell gehegt, sie überrede und genugsam überzeuge.
Das Erstaunen, worein sie dieser Nahme setzen wird, wird demienigen nie beykommen, darinnen ich mich, als ich solchen das erste mal nennen hörte, befand, und ich bekenne frey, daß weder die Glaubwürdigkeit des Groß-Meisters, von welchem ich ihn habe, noch seine mir bekannte Offenherzigkeit und Einsicht, mich iemals beredet haben würde, wo ich nicht, nachdem ich die Geschichte dieses Beschützers von Engelland und der Moral und den Gesetzen seines Ordens fleißig nachgedacht, überall Cromwellen gefunden hätte, welchen ich dem Leser, in dem Verfolg dieser Historie, so offt als es zu Rechtfertigung meiner Betrachtungen nöthig seyn wird, vorzustellen, nicht ermangeln werde.

Gleichwie aber unter denen, welchen der Orden seine Geheimnisse anvertrauet, bloß die vornehmsten Mitglieder den Stiffter kennen, und die übrigen Mitbrüder, denen man solchen zu verschweigen vor gut befunden, nicht wenig erstaunen und sich wundern werden, wenn sie ein Geheimniß, das sie bis ietzo nicht gewust, erfahren, so will ich vornehmlich um ihrentwillen das gefährliche Lehr-Gebäude, welches zu unterstützen und zu erhalten, sie sich durch den erschrecklichsten Schwur anheischig gemacht, zu entdecken suchen, und ihnen den Endzweck und die Absichten ihres Urhebers bekannt machen, das übrige aber ihrem eigenen Nachdencken überlassen.

Der Orden der Freymäurer ist demnach eine Gesellschafft, welche unter dem scheinbaren Nahmen der vertrautesten Brüderschafft, eine Menge von Personen zu gleichen Absichten verbindet, ohne daß der Unterschied der Gemüths-Arten, der Neigungen, oder der Religion, dabey im geringsten im Wege sey. Eine wundernswürdige Politic, so in der Lehre, welche sie vorträgt, enthalten ist, belebt und erhält sie, und erstreckt sich nicht nur auf die Brüder, die sie unter einander verbindet, sondern auch auf alle Einwohner der Welt; ia selbst die wildesten und unbändigsten Völcker, so in America wohnen, sind davon nicht ausgeschlossen.
Diese Lehre nun, so gleichsam das Leben der gantzen Gesellschafft ist, so alle Glieder derselben beseelt, ist nach der Freymäurer Meynung nichts anders, als der natürliche Grundsatz, das in alle Hertzen geschriebene Gesetz, so der Grund aller unserer Handlungen seyn soll.

Jedem Schüler wird den Tag. da er aufgenommen wird, dieser Satz eröffnet, den man ihm nichts destoweniger allemal als den Tag des Vergnügens und Nutzens, und nach dem Masse des Verstandes und der Einsicht, so er denen, welchen die Loge seine Unterweisung aufgetragen, zu erkennen giebt, vorstellt. Eine weise Vorsicht, und die mit Cromwells Klugheit gewiß sehr wohl übereinstimmt, als welcher allemal beschäfftigt war, das seltene Talent wohl anzuwenden, die Menschen, die in ihren Neigungen und Vorurtheilen so unterschieden sind, durch Sinnbilder, und durch die Entzückung, darinnen er sich selbst befand, zu vereinigen, und der nach seiner grossen Einsicht sehr wohl erkannte, daß die Erklärung seiner Moral nach der Geschicklichkeit und Fähigkeit aller Mitglieder eingerichtet seyn müste, zugleich aber sich wohl in Acht nahm, ihr eine Deutung zu geben, deren Zweydeutigkeit seinen Vorsatz verrathen, oder die vortheilhaffte Meynung, so er selbiger beylegen wollte, verringern könnte.

Man schlüsse ia nicht hieraus, daß ein Bruder, so einmal aufgenommen worden, das Vorurtheil, so ihn zeithero bemeistert, ablege; nein, das Ansehen der Loge flöst ihm nicht gleich die Manier, so man daselbst die Staats-Manier nennet, ein, und wircket in dem Hertzen die seltsamen Veränderungen nicht, so denen Wunderwercken ähnlich sind. Die verschiedenen Meynungen wenden da keines weges vernichtet, sondern bleiben beständig so, wie sie vormals gewesen. Alle Religionen behalten ihre Rechte, die Catholiken und Protestanten, die Juden und Christen, vereinigen sich bey dieser Fahne, ohne sich von ihren Secten zu entfernen. Der Landesherr und die Obrigkeit verlieren nichts von der Unterwerffung, so ihnen ihre sämtliche Unterthanen schuldig sind: man verbannet da nichts, als die Uneinigkeit und Zwietracht, die in einem Augenblicke entstehen und gelöschet werden, und dieser Grundsatz der Vereinigung und Gesellschafft davon ieder Bruder eingenommen ist, wird der Grund des Friedens und der Ruhe, welche er ohne Veränderung bis auf den Tag, der sie bloß stören soll, um sie desto allgemeiner und dauerhaffter zu machen, geniesset.

Was ich von dieser Ruhe und Zufriedenheit, so in dem Freymäurer-Orden herrschet, beygebracht, wird einigen ohne Zweiffel unbegreiflich vorkommen- allein ich sage mehr, und man wird siech noch mehr verwundern, wenn man hören wird, daß diese Verbindung die Empfindlichkeit bis aufs äusserste treibet, so, daß wenn zwey Brüder, ohne sich zu kennen, zu Ausmachung einer Streitigkeit den Degen ziehen sollten, die Wut und Macht, so beyde Gegner erhitzt, der grösten Zärtlichkeit und aufrichtigsten Versöhnung augenblicklich weichen würde, wenn einige Zeichen einem oder dem andern, ich will nicht sagen verrathen, sondern nur den Verdacht geben sollten, daß sie Glieder eines Leibes, und Anhänger einer Lehre wären, und daß tausend zärtliche Liebkosungen und tausend Umarmungen den brennenden Haß, der sie zuvor zu ihrem Verderben gewaffnet, endlich auslöschen würden.

Der Leser verlangt hier ohne Zweiffel mit Ungedult, von dieser Lehre umständlich benachrichtet zu seyn: er fragt schon, was vor eine subtile und tieffe Wissenschafft, was vor eine angenehme und unbegreifliche Kunst hat die, so unendlich andern Secten beypflichteten, in eine zusammenbringen, und das wunderbare und allgemeine Band, so sie alle, ohne einer eintzigen Abbruch zu thun, vereiniget, werden können?

Die vornehmsten Gründe sind die Gleichheit und Freyheit [L’Egalité & la Liberté]. Das sind die kostbaren Vorzüge, welche sich die Gesellschafft vorbehält, um alle ihre Mitglieder in den Besitz derselben zu setzen. Sie bringen diese wunderbare Wirckungen hervor, indem sie die vergiffteten Qvellen, woraus alles menschliche Unglück herkommt, die Hoffart und den Geitz, austrocknen. Die erstere macht, daß alle beschwerliche und verdrießliche Begriffe vom Vorzug verschwinden, durch sie erkennt der Mensch, der in seine vorigen Rechte wieder gesetzt worden, weder Rang noch Würde mehr, deren Anblick ihm unangenehm, und seiner Eigenliebe zuwider ist. Die Unterwürffigkeit ist nun weiter nichts, als eine leere Einbildung, die keinesweges ihren Ursprung in der Ordnung einer weisen Vorsicht, so sie nothwendig gemacht hätte, sondern bloß in dem eigensinnigen Schicksal, und dem ausschweiffenden Hoffart, welcher will, daß sich alles vor ihm beuge, und die Geschöpffe, woraus die Welt bestehet, als geringe und verächtliche Wesen, so bloß ihm zu dienen verdammet sind, betrachtet, suchen darff. Die andere bringt den angenehmen Frieden und die so süsse und beneidenswürdige Zuversicht hervor, so mit dem Geitze gar nicht bestehen kan, indem sie alle seine Absichten zu Schanden, die Güter und Reichthümer aber, deren Besitz dem Menschen so viel Sorge, der Verlust so viel Kummer kostet, allgemein macht.

Dieses ist der Grund der Lehre der Freymäurer. Man stelle sich aber ja nicht vor, als ob man sie auf einmahl in ihrem völligen Lichte, und in so förmlichen Worten allen, so in den Orden treten wollen, vorstelle: ein subtiler und durchdringender Verstand könnte daraus Folgen ziehen, so denen Absichten, welche dieselbe verbirgt, gefährlich wären. Deswegen hat man ihm kaum die beyden Worte Gleichheit und Freyheit hören lassen, so weiß man gleich dem Lauff seiner Gedancken wo nicht vorzukommen, doch ihn aufzuhalten, indem die Sinnebilder und Hieroglyphen ein gewisses Mittel sind, so man augenblicklich anwendet, ein Nachdencken durch die Mannigfaltigkeit der Dinge, so man ihm vorstellt, zu zerstreuen. Das ist die wunderbare Qvelle, das ist die Frucht der feinen Politick ihres Urhebers, der in der Kenntniß des menschlichen Hertzens viel zu geübt war, als daß er nicht mit aller ersinnlichen Geschicklichkeit den bezaubernden und Geheimniß-vollen Becher, welchen er darreichte, hätte gebrauchen, und der Seele eines ieden Bruders eine schädliche Lehre, so aber unter einer unschuldigen Gestalt, die ihren wahren Sinn verdeckte, verborgen lag, beybringen sollen.

Auf diese Weise hat man also in dem Orden die Lehre nach der Fähigkeit eingerichtet, und, um den Fortgang derselben zu erleichtern, und ihre Wichtigkeit mehr oder weniger bekannt zu machen, solchen in drey verschiedene Classen eingetheilet, in deren ersten die durchdringenden, in der andern die widerwärtigen und unruhigen, in der dritten die leicht- und abergläubigen Geister sich befinden. Jede von diesen Classen wird zwar in einerley Lehre, aber nicht auf gleiche Weise, unterrichtet.

Der wahre Verstand wird gar bald von der ersten eingesehen, indem die aufgeklärten Mitglieder die Wolcken, so ihn umgeben, mit einem Blick zu zertreiben vermögend sind. Deswegen gehören ihnen auch die ersten Stellen, als der Enthusiasten und der Redner der Gesellschafft: welches wichtige und schöne Aemter sind, die den gantzen Orden unterstützen und aufrecht erhalten. Der andere Hauffen ist flüchtig und unruhig, und kommt zu dieser hohen Erkenntniß nicht anders, als durch Stuffen, welches die Sinnbilder und Gleichnisse sind, die man ihm zu errathen vorlegt, und die durch ihre Dunckelheit die flattrige Einbildungs-Krafft, deren Ausschweiffungen einige Unordnung erregen könnten, im Zaum halten. Was die letztere betrifft, so kan ich solche die Classe der Schwachen nennen, die ausdrücklich angelegt zu seyn scheinet, die Unwissenheit und den Aberglauben zu beherbergen. Man verlangt nichts von ihr, als dem Geist der Lehre, so man ihr vorträgt, blindlings und ohne Vorbehalt zu folgen, sie mit Eiffer anzunehmen, mit Gewalt zu vertheidigen, und diesen göttlichen Aussprüchen, so eine prophetische Raserey ihr unaufhörlich wiederholt, unverbrüchlich beyzupflichten.

Auf diese Weise breitet sich dieses Licht, so den Erdboden erleuchten soll unvermerckt aus, so wird das Lehr-Gebäude, welches solchen reinigen, und ihm seine erste Vortrefflichkeit wieder geben soll, vollkommen gemacht: da man sich indessen wohl in Acht nimmt, es mit Ungestüm bekannt zu machen, aus Furcht, die allzu schwachen Geister gleich anfangs durch ein so starckes und durchdringendes Feuer, davon man von Zeit zu Zeit einige Strahlen, das Auge unvermerckt an solches zu gewöhnen, schiessen läßt, bestürtzt zu machen: fast wie man mit denen unglücklichen verfähret, die man nur Schritt vor Schritt aus einem finstern Kercker führet, weil ihnen sonst ein allzu helles Licht mehr Schaden, als die Dunckelheit, woraus man sie bringt, zufügen möchte.

Was diese Freyheit und Gleichheit, so die beyden grösten Vortheile des Ordens sind, anlangt, so würden die Freymäurer, wenn sie ihren Schülern in das Hertz sehen, wenn sie sich von ihrem Geschmack und Naturell versichern könnten, solchen gar bald als die Wiederherstellung des ersten Zustandes, worinnen sich der Mensch, da er von der Hand seines Schöpffers gekommen, befunden, vorstellen: sie würden ihn vor die Freyheit, so nach ihrer Meynung sein ewiges Eigenthum gewesen seyn würde, wenn nicht Hochmuth und Geitz seine Beschaffenheit verändert, und das schwächere der Tyranney des stärckern unterworffen hätten, ausgeben: mit einem Wort, sie würden ihn das heilsame Mittel nennen, so sie wider den Fortgang eines allzu sehr verjährten Uibels anwenden wollten, denen unglücklichen die Hand zu bieten, welche ihre Bande zerbrechen, ihre Tyrannen zerschmettern, und sie endlich wieder in die Rechte, deren Verlust ihnen so viel Seuffzer gekostet, einsetzen könnte.
Allein eine so deutliche und umständliche Erklärung ist nicht nach ihrem Geschmack, sie kennen den Schaden, der dem Opfer durch den Eindruck, welchen diese Sprache in denen Gemüthern machen würde, zuwachsen möchte, gar zu wohl, und die Allegorie, die ihnen beständig zur Seiten gehet, ist eine gar zu nützliche Figur vor ihre Absichten, als daß sie solche abschaffen sollten. Geschicklichkeit und Kunst müssen also zuvor angewendet werden, die Erfindung muß dabey zustatten kommen, man muß das wanckende Hertz untersuchen und erforschen, und es so sanfft bewegen, daß es kaum einige Gewalt mercken kan. Man muß es belustigen, es bey Gelegenheit verführen, machen, daß es seine eigene Irrthümer liebt, es in der angenehmen Gewohnheit seines neuen Zustandes einschläfern, und ihm die Absichten, so man seinetwegen hat, nicht eher zeigen, als bis es beynahe zum Ziel gelanget, und in denen Umwegen eines Labyrinths, woraus es nicht kommen kann, sich dermassen verlohren hat, daß es keinen andern Weg nehmen kan und will, sich vielmehr völlig an die, so es bishero geführet, hält, und endlich so weit kommt, daß es die wunderlichste und ausserordentlichste Veränderung als einen gantz gewöhnlichen und natürlichen Zufall ansiehet.

Das sind demnach die wohl ausgesonnenen Mittel, deren sich die Freymäurer mit Nutzen zu bedienen wissen. Diese Art, niemanden unterthänig zu seyn, und sich von allem Ansehen und aller Gewalt zu entziehen, ist anfänglich bey ihnen nichts anders, als die Wiederherstellung der Zeit, so die Poeten das goldene Alter nennen, und welches ihre Einbildung-Krafft zu allen Zeiten erschöpfft hat, die Wiederherstellung des so hoch gepriesenen Reichs, da eine gütige Gottheit auf die Erde herab kam, und die ersten Einwohner derselben unter einem Scepter von Blumen vereinigte. Das ist die Zeit, sagen sie, das sind die glücklichen Jahrhundert, da das Hertz von allen Leidenschafften so befreyet war, daß es auch nicht die geringsten Bewegungen derselben fühlte: da die Eifersucht, die Beflissenheit, sich vor andern zu zeigen, und eine listige Fertigkeit, unbekannte Wesen waren: da die Menschen einander gleich waren, denen Gesetzen der Natur sich allein überliessen, und keinen andern Unterscheid, als welchen diese weise Mutter unter ihnen gemacht, beobachteten: dergleichen zum Exempel der zwischen Vater und Sohn, zwischen Alten und Kindern ist, als welchen die hochmüthigste Eigenliebe nicht verkennen, und die argdencklichste Eigenliebe nicht mißbilligen kan.

Diese glückliche Zeit ist es demnach, welche die Freymäurer wieder in der Welt einführen wollen: aber wie zu einer so behenden Veränderung nichts geringeres als ein Wunderwerck vonnöthen ist, und eine gar zu geschwinde Ausführung vielen Zufällen unterworffen seyn würde, so hat die Politick vor gut befunden, diese Freyheit und Gleichheit anfangs unter denen Brüdern einzuführen, sie daselbst zu befestigen, und so lange ungestört zu erhalten, bis daß die genugsam bestätigte Gesellschafft endlich die gantze Welt vereinigen konnte. Und ob es gleich noch iedem ihrer Mitglieder, die Ausübung und den Gebrauch davon öffentlich zu zeigen, unmöglich ist, so hat sie doch indessen das Geheimniß, sie daselbst ungestrafft zu erhalten, und vor denen Augen der Unheiligen durch Zeichen und Anrühren zu verbergen, gefunden.
Deswegen haben die Freymäurer, die zu denen Zeiten, da es gefährlich gewesen seyn würde, sich bloß zu geben, behutsam sind, alle Kennzeichen, dadurch sie hätten entdeckt werden können, geschickt abzuschaffen gewust. Diese Zeiten sind noch nicht gekommen, und der anietzt unvollkommene Verstand hat sie noch nicht voraus sehen können. Der Grosse und Edele behält allemahl die Zeichen seiner Grösse: der Herr und Knecht, der Reiche und Arme, haben ihren Zustand nicht verlassen, um sich in dieser so sehr verlangten Gleichheit zu sehen: die Stände sind noch immer die vorigen, und es fehlt so viel, daß die Loge hier einige Veränderungen fodere, daß vielmehr der Diener daselbst, was er vor seinem Eintritt in dieselbe gewesen, bleiben, und seine Nachkommen ihre vorige Beschaffenheit unverändert beibehalten; ia wenn sich zwischen diesem geheimen und dem bürgerlichen Orden einiger Unterscheid findet, so bestehet er in nichts, als in dem Vorschmack derienigen Gleichheit, nach welcher sie seufzen, und die iedes Glied, in dem Genuß der Güter, so ihnen allen gemein sind, antrifft. Denn obschon die Tafel der Diener bey den Gastgeboten von der andern ihrer abgesondert ist, so siehet man doch da nicht weniger eben den Uiberfluß und eben die Niedlichkeit; was zu Unterhaltung des Leibes nöthig ist, wird ihnen durch die Gesellschaft gegeben, und der Nutzen, welchen sie haben, wenn niemand unter ihnen mißvergnügt ist, macht, daß sie alles, was ihnen nöthig ist, besorgen.
Was aber die Unterwürffigkeit und Ungleichheit der Stände betrifft, so bestehet sie daselbst noch wie in einem ieden Staat, da die Kinder ordentlich eben den Rang geniessen, welchen ihre Väter haben, und iede Familie als ein vollkommenes Gantzes betrachtet werden kan, davon der Vater den ersten, die Kinder den andern, und die Bedienten den dritten Theil ausmachen.

Das ist die eigentliche Manier, welche die Freymäurer angenommen haben, um öffentlich und mit Sicherheit den Knoten, welchen sie geknüpfft, nach und nach aufzulösen. Sie sehen sich demnach als eine besondere Familie an, welche frey von denen beissenden Sorgen, deren Opffer der Mensch ist, in dem Schosse der Natur ihre Tage, so gleichsam von Gold und Seide gewebet sind, zubringt. Da sie sich bloß ihren Neigungen und Gesetzen überlassen, wissen sie von keinen andern, und dieser Unterscheid der Sitten, Sprachen, und sonderlich der Religion, ist eine allzuschwache und allzueitele Hinderniß, als daß sie den Lauff dieses unschuldigen Vergnügens, und den Strohm der Süßigkeit, damit ihre Gemüther erfüllet sind, hemmen sollten. Sie sind frey von diesen alten und gemeinen Gedancken, so allein die schwachen und matten Geister zu beunruhigen fähig sind, sie sind dem Meer, das wegen so vieler Schiffbrüche bekannt ist, entgangen: sie betrachten mit Erbarmen den Hauffen der Irrthümer, worein die Menschen gerathen sind: sie sehen die ohnmächtigen Leidenschafften zu ihren Füssen erzittern, und nachdem sie von den drey vornehmsten, welche das Hertz als seine mächtigsten Tyrannen ansiehet, ich meyne den Hochmuth, den Geitz und die Liebe, die beyden erstern in ihrer Wurtzel vertilgt, so bleibet ihnen nur noch ein geringer Kampfs gegen die letzte übrig, deren hartnäckigte Bemühungen aber ihre gäntzliche Niederlage desto gewisser machen. Und in Wahrheit, welche Reitzungen würden lebhafft, welche Pfeile durchdringend genug seyn, daß sie Hertzen, die von der Bezauberung der Liebe befreyt und allzu starck sind, als daß sie ihr den Eingang wieder öffnen sollten, zu treffen fähig wären?

Glückliche Sterbliche, großmüthige Uiberwinder dieses schrecklichen Gottes, lehret uns zum wenigsten, wie wir uns vor ihm in Acht nehmen sollen. Ach warum ist euer vortreffliches Oberhaupt nicht in dem Augenblicke, da die Liebe sich zum ersten mal blicken lassen, erschienen! So viel kostbare Denckmähler, so viele blühende Reiche würden nicht der Schauplatz seiner Wut geworden seyn: Troia, das stoltze Troia, würde noch stehen: und Paris, wenn er ein Freymäurer gewesen, würde Menelaum in dem ruhigen Besitz der schönen Helena gelassen haben. Vielleicht geniessen wir einmal den Vortheil, welcher diesen unglücklichen Zeiten versagt gewesen, und vielleicht entdeckt man in unsern Tagen die unbegreifliche Kunst, welche wir uns zu fassen bemühen wollen, nachdem wir die Sinnbilder und Hieroglyphen, so eure geheime Lehre decken, werden eingesehen haben.

Der Gesetzgeber der Freymäurer kannte das Hertz des Menschen und dessen verschiedene Bewegungen, allzu wohl, als daß er nicht hätte voraus sehen sollen, seine Lehre würde einmal ein Vorwurff und eine unerschöpfliche Qvelle von Einwürffen werden, ia es würden sich unter seinen eifrigsten Anhängern grosse Spaltungen ereignen, wenn er sie umständlich eröffnen würde; oder man würde sie wenigstens mit Verachtung und als die Frucht einer Entzückung. ansehen, so dieselbe gantz geringschätzig machen könnte.
Um nun einer Schwierigkeit, welche sein gantzes Lehrgebäude in Unordnung gebracht, oder vielmehr zerstöret haben würde, zu begegnen, nahm er die Partie, einen ieden, so in den Orden treten wollte, dahin anzuhalten, daß er alles, was er sehen und hören würde, mit einem unverbrüchlichen Stillschweigen bey sich behielte. Endlich gefiel ihm die Allegorie, den Grund einer Lehre, so er nach eines ieden Fähigkeit vortragen wollte, zu verbergen und zu verstellen. Er theilte seinen Orden in drey Classen, davon iede einen Theil der Moral, welcher sich vor sie schickte, erfahren sollte, und diese Classen waren gleichsam so viele Stuffen, welche den, so in die Gesellschafft treten wollte, nach und nach zu einer vollkommenen Kenntniß führten. Er wollte, daß diese Stuffen durch eben so viel Zwischenräume bemerckt würden, die ihn in den Stand setzten, von denen Neigungen und dem Naturell eines ieden mit Gewißheit zu urtheilen. Er vollführte dieses Werck durch die Zeichen und das Anrühren, so der gantzen Gesellschafft gemein, und doch zugleich einem ieden Mitgliede des Ordens besonders eigen sind, damit der Meister auf einmal das, was einem allein, und das, was allen überhaupt zukäme, erkennen möchte. Gleichwie aber seine Absicht keines weges auf das weibliche Geschlecht gerichtet war, so fand er vor gut, es von diesem Geheimniß gäntzlich auszuschliessen: davon ich im folgenden die Ursachen beybringen werde.
Ietzo bin ich gesonnen, die Allegorie, davon ich oben Erwehnung gethan, zu erklären.

Cromwell gab seiner Gesellschafft den Nahmen des Freimäurer-Ordens, weil er willens war, ein neues Gebäude aufzuführen, das ist, das menschliche Geschlecht zu bessern, die Könige und Potentaten aber, deren Geissel er war, auszurotten. Um nun seinen Anhängern einen deutlichen Begriff von diesem Vorsatze zu machen, stellte er ihnen die Wiederaufbauung des Tempels Salomons vor: und auch hier muß man den grossen Verstand dieses ausserordentlichen Mannes bey seinem Vorhaben noch mehr bewundern, da er unter der stillen Asche dieses fürchterliche Feuer, dessen Funcken ich anietzo zeige, verbergen wollen. Und welche Verstellung hat wohl, in der That mit einer Unternehmung von dieser Art mehr Aehnlichkeit gehabt? Ich will hier den Leser vornemlich bitten, solche bis auf die geringsten Umstände genau zu erwegen.

Der Tempel Salomons war auf Befehl Gottes, welchen er diesem Fürsten gegeben, erbauet worden. Er war das Heiligthum der Religion, und der Ort, so denen prächtigen Ceremonien derselben gewiedmet war: bloß zur Herrlichkeit des Tempels hatte dieser weise Monarch so viele Diener, welche vor dessen Reinigung und Auszierung sorgen musten, bestellt. Da dieses herrliche Denckmahl viele Jahre in Pracht und Herrlichkeit gestanden, kam ein fürchterliches Heer, so es einäscherte. Das Volck, so die Gottheit daselbst anbetete, ward in Ketten und Banden nach Babel geführet, und endlich nach einer harten Gefangenschafft durch die Hand seines Gottes wiederum befreyet. Ein abgöttischer Fürst ward zum Werckzeug der göttlichen Gnade ausersehen, und erlaubte diesem unglücklichen Volcke nicht allein den Tempel in seinem vorigen Glantze wieder herzustellen, sondern sich auch der Mittel, die er ihnen zur Ausführung darbot, zu bedienen.

In diesem Bilde nun finden die Freymäurer die genaue Vorstellung ihrer Gesellschafft. Dieser Tempel, sagen sie, in seinem ersten Glanze, ist das Bild des ersten Zustandes, worinnen sich der Mensch, da er aus nichts erschaffen wurde, befand. Diese Religion, diese Ceremonien, so man daselbst beobachtete, sind nichts anders, als das allgemeine und allen Menschen ins Hertz geschriebene Gesetz, welches seinen Grund in den Begriffen der Billigkeit und Liebe, wozu die Menschen unter einander verbunden sind, hat. Die Zerstörung dieses Tempels, die Sclaverey derer, so darinnen zusammen kommen, sind Hoffart und Ehrgeitz, die die Unterwürffigkeit bey den Menschen eingeführet haben. Die Assyrier, das unbarmhertzige Heer, sind die Könige, die Fürsten, die obrigkeitlichen Personen, deren Macht so viele unglückliche, die sie gedrückt, völlig niedergeschlagen. Das erwählte Volck endlich, dem man die Wiederaufbauung dieses prächtigen Tempels aufgetragen, sind die Freymäurer, welche der Welt ihr erstes Ansehen wieder herstellen sollen.

Man wird mich sonder Zweiffel fragen, wie ich den Verstand dieser Gleichniß-Rede errathen, und die rechte Deutung derselben treffen können? Welcher lichter Strahl hat das heilige Schrecken der tieffen Nacht, die mir solchen verbarg, zertreiben können? Ich antworte hierauf, daß ich lange Zeit in der Finsterniß gesteckt, und, wie sehr viele andere, auf gut Glück herumgeirret, ohne daß ich mich, den geringsten Ausspruch zu wagen, unterstehen durffte; bis daß mir endlich tausend Betrachtungen über die Moral, so man mir mittheilte, die Augen in so weit geöffnet, daß ich den Endzweck derselben einsehen können, und mir endlich selbst nach einer genauen Zusammenhaltung der Ceremonien und Gebräuche, davon ich bey denen verschiedenen Logen, so ich besucht, und wo ich allemahl eben die Sinnbilder zu errathen, und folglich eben den Verstand zu ergründen gefunden, die Wahrscheinlichkeit davon gewiesen haben.
Allein wir kommen wieder auf die Freyheit und Gleichheit, so durch den Tempel Salomons vorgestellt worden. Diese wesentlichen Eigenschafften, sagen die Freymäurer, so von der menschlichen Natur nicht getrennet werden können, sind ihm von dem Schöpffer nicht anders als ein Eigenthum, darüber niemand das geringste Recht hat, gegeben worden. Es ist der Gott, welcher, nachdem er die Natur aus ihrem Nichts hervorgezogen, den Menschen zu ihrem Haupt und vornehmsten Zierrath gemacht, ohne ihn einer andern, als seiner eigenen Gewalt zu unterwerffen. Er ist es, der ihm die Erde, als einem Wesen, so von seines gleichen gar nicht dependirte, und denen er ohne Gotteslästerung und Uibertretung der ausdrücklichen göttlichen Befehle nicht gehorsamen konnte, zur Wohnung angewiesen.
Es ist nichts, sagen sie ferner, daß der Vorzug, welchen einige wegen ihrer Gaben, einige wegen ihres Verstandes haben, Verehrung und Hochachtung als einen Tnbut zu fodern geschienen: alle diese Vorrechte, so bey andern in einem höhern Grade, als bey ihm verbunden sind, können diese Sünde nicht rechtfertigen: der eifferige Gott, so ihn geschaffen, will seine Ehre mit niemanden theilen: und der Weyrauch eines solchen ist vor seinen Augen unrein, wenn er einige Körner davon auf dem Altar dieser zerbrechlichen und vergänglichen Götzen-Bilder, die nicht werth sind, daß man ihnen so edle Opffer bringe, verbrannt hat. Mit einem Wort, man erniedrigt, man verdunckelt den Glantz, man verliert den gantzen Preis seiner Natur, wenn man in andern Menschen etwas mehreres, als eine Gleichheit, und einen Zustand, der besser und erhabener als der unsrige ist, anzutreffen glaubt.

Das sind die Meynungen der Freymäurer, welche sie durch die Vorstellung des menschlichen Unglücks, und durch die Vorschläge, die sie solchen abzuhelffen thun, zu bestärcken suchen. Von dem ersten urtheilen sie also: Wenn der Mensch, sprechen sie, gemerckt, daß seine Rechte vernichtet werden, wenn er sich von dem herrlichen Zustande, der seiner Natur gemäß war, herunter gesetzt, mit einem Worte, wenn er sich ietzo mit Schmach und Schande in einer Unterwürffigkeit siehet, so hat ihn entweder der Hochmuth derer, so seines gleichen sind, oder die Vergessenheit seines eigenen Nutzens in diesen Abgrund gestürtzet.

Hat ihn der Hochmuth darein gebracht, so ist es seine Schuldigkeit, sich davon los zu machen, und sich wieder in die Freyheit und Gleichheit, welche ihm der Stoltz geraubt, zu versetzen, und das grausame Ungeheuer, so an seinem Verderben schuld ist, zu bezwingen. Im Gegentheil, wenn er selbst der Urheber seines Unglücks, wenn seine Erniedrigung das Werck seiner Hände ist, so muß er über die Bande, zu welchen er sich selbst verdammt hat, die Augen öffnen, und die Hülffe von der Hand, welche sie zerbrechen, und die Tyrannen damit fesseln will, annehmen.
Die Freymäurer nun sind im Stande, dieses Wunderwerck zu vollführen, alle diese unterschiedene Familien in einem Cörper zu vereinigen, welche ihren allgemeinen Ursprung, ie mehr sie sich davon entfernet, so sehr vergessen haben, daß sie, da sie zusammen nur ein Gantzes ausmachen, solches durch sich selbst, ob sie schon nur Theile davon sind, verstellen wollen. Sie sind endlich allein vermögend, die Fackeln der Zwietracht, so die gantze Welt verzehren, auszulöschen, und die fruchtbare Asche derselben, um eine vollkommenere und reinere Art hervor zu bringen, zu beleben. Sie werden bald, als ein neuer Moses, ein schmachtendes Volck befreyen: Pharao und seine Macht werden bey dem Anblick der neuen Wunder-Zeichen, so sich ereignen, gar bald zu nichte werden: Das Meer wird seinen Rachen öffnen, und wenn sich seine Wellen nicht wie ehedem zertheilen, so ist nicht ihr Unvermögen Ursache, sondern weil ihre Verbindung und Gewalt die unermeßliche Last und Geschwindigkeit des kostbaren Schiffes, worauf die Freymäurer die durch die Tugend ihrer Befreyer wiedergebohrne Menschen in das gelobte Land bringen wollen, zu tragen nöthig ist.

Gleichwie indessen die Kühnheit dieses Unternehmens einen Zweifel wegen dessen Ausführung machen könnte, und die Freymäurer selbst sich nicht schmeicheln, solchen alleine, und in so kurtzer Zeit auszuführen, so schlagen sie denen, mit welchen sie Mitleiden haben, gewisse Mittel, deren sie sich bedienen sollen, und die ich hernach anführen will, vor.

Durch diesen Tempel, welchen sie zum Sinnbild angenommen, welchen Salomon auf göttlichen Befehl erbauet, die Gewalt der Heyden verwüstet, und ein auserwehltes Volck, dem ein abgöttischer Fürst, auf Gottes Eingebung dieses grosse Werck wieder zu unternehmen erlaubt, von neuem aufgeführt: hierdurch, sage ich, verstehen sie, wie ich schon offt erwehnet, die Freyheit und Gleichheit, so der Schöpffer dem Menschen zum Eigenthum gegeben. Sie zeigen ihm, daß er ohne sie in einer blossen Furcht und Erniedrigung schweben, daß er sie, nachdem er sie durch Gewalt verlohen, mit Verdruß entbehren müsse: daß nicht bloß die Gewalt das Werckzeug gewesen, welches man, ihm solche zu rauben, angewendet, sondern daß man sich der Unwissenheit und des Aberglaubens, seine Augen zu blenden, und die Güter, so man sich angemaßt, ungestrafft zu behalten, bedienet: daß seine glückliche Tyrannen, indem sie ihren Thron auf sein Verderben gegründet, um solchen desto mehr zu befestigen, ihm geschickt beyzubringen gewust, daß die angenehmste Verehrung Gottes in einer Unterwerffung und in einem blinden Gehorsam vor die Beherrscher der Erden bestände: daß ihre Unterthanen, ohne Gott zu beleidigen, die Treue, so sie ihnen schuldig wären, nicht brechen könnten: daß endlich dieses das Netz, so man dem Menschen künstlich gestellt, das wunderbare Geheimniß, dessen man sich, um ihn anzulocken, bedienet, gewesen, daß man ihm etwas überredet, welches sein Murmeln gestillt, und seine Vernunfft eingschläffert, ihn aber zugleich verhindert hätte, einen ernsten und wohl überlegten Unterscheid zwischen dem göttlichen und natürlichen Recht zu machen, indem er die Veränderung seines Zustandes nicht allein als etwas gantz unmögliches, sondern auch als eine Verletzung der heiligsten Gesetze, betrachtet.

Wenn man nun von dieser Lehre gnugsam überzeugt worden, so ist nichts mehr übrig, als daß man sie recht anwende: und hier zeigen uns die Freymäurer deutlich, daß dem, welcher eine Sache zu unternehmen sich erkühnet, nichts schwer sey, daß das Gegentheil durch das Gegentheil zerstört werde, und die Empörung dem Gehorsam, der Unwille der Schwachheit folgen: daß man Gewalt mit Gewalt vertreiben, das Reich des Aberglaubens, um die wahre Religion zu erheben, zerstören müsse: daß man den Irrthum und die Unwissenheit verbannen, und nur dem Lichte der Natur nachgehen solle: daß es Gott selbst sey, der dem Menschen dieses Licht als eine ewige Lampe, seine Handlungen zu erleuchten, als ein sicheres Orackel, dessen Eingebungen er trauen, als einen gewissen Führer, auf den er sich verlassen könne, ins Hertz gesetzt habe: daß der Herr der Welt, der sich sonst um die Handlungen seiner Geschöpffe nicht bekümmere, allein ihren Gehorsam eifrig verlange, daß die Verehrung, so er hauptsächlich von ihnen fodere, eine blosse Erkenntlichkeit vor seine Wohlthaten, und ein zärtliches Andencken seiner Geschencke sey: daß man aber, stat der Unterwerffung, die so lange Zeit durch Verblendung und Vorurtheile bestanden, die Bezauberung vertreiben, einen Anblick, der der Gottheit so schimpflich ist, vertilgen, die Götzen, welche ihm seinen Weyrauch nehmen wollen, zerbrechen, und der von Natur freye Mensch sich in den Besitz seiner Vorrechte wieder setzen müsse.

Diese Moral kommt, wie man sieht, mit der Heiligkeit ihres Urhebers überein, und hat ohne Zweifel zu denen geheimen Worten, deren sich Freymäurer bedienen, Anlaß gegeben, wenn sie sagen, daß ihre Gesellschafft auf drey Haupt-Säulen, die Weisheit, die Gewalt, und Schönheit sich qründen, welche nichts anders als die Eigenschafften des natürlichen Gesetzes, und der Gebrauch der Gewalt, die man anwenden soll, sind. Ihr ist der Orden gleichfalls die prächtigen Nahmen, des Tempels der Wahrheit, des Mittel-Puncts des Lichts, der neuen Welt, des gläntzenden Gestirns, der unvergleichlichen Sonne, schuldig, welchen Benennungen, da sie bis auf diesen Tag unbekannt gewesen, man den Nahmen der Neuigkeit wahrhafftig nicht streitig machen kan.

Allein man glaube ia nicht, wie ich schon oben gedacht, daß man eine Lehre, die denen Absichten der Gesellschafft so gemäß ist, und sich so wohl vor sie schickt, auf diese Art darinnen vortrage. Nein: an stat daß man sie mit ihren rechten Farben abmahlen sollte, überzieht man sie mit einem fremden Firniß, und weist sie nicht einem ieden Bruder ohne Unterscheid in ihrer rechten Beschaffenheit. Der Orden ist allzubehutsam, und allzu fein, daß er nicht alle Arten der Figuren vor gut besinden sollte. Man muß zuvor den Boden untersuchen, findet man ihn nicht feste, ist er zu locker, so wirfst man alsdenn eine neue Schantze auf, man macht listige Anschläge, man giebt der Sache ein anderes und besseres Ansehen, man schwächt oder verringert die Krafft eines ieden Wortes, und seine Absicht verschwindet.
Dieser Tempel Salomons, diese Freyheit und Gleichheit gehet bloß die Loge an, und erstreckt sich nicht weiter: man redet nicht mehr von Empörung, von unumschränckter Freyheit, von Entziehung der Oberherrschaft, alles verwandelt sich in einem Augenblicke. Man spricht von nichts als den Pflichten, so man beobachten, von Gott, den man erkennen, den Tugenden, so man ausüben, und der Treue, so man denen Obern erzeigen müsse. Die Ungeheuer, die Tyrannen, die Geißeln des menschlichen Geschlechts sind Väter des Vaterlandes, lebendige Bilder, sterbliche Vorstellungen der Gottheiten, Könige, deren Grösse und Erhebung nothwendig, und die nichts als Ehrerbietigkeit, Gehorsam und Hochachtung verdienen. Mit einem Wort, die Gesellschafft hat keinen andern Endzweck, als die Furcht des Höchsten, die Unterthänigkeit gegen die Potentaten, den Gehorsam gegen die Obrigkeit, die Liebe des Guten und den Haß des Bösen, nachdrücklich einzuschärffen.

Diese Lehren, so ietzt nun nicht mehr so unförmlich sind, verwandeln sich in so viele Sätze der strengsten Moral, und die Schule der Laster wird auf einmal der Lehrstuhl des Evangelii, und der Mittelpunct der Tugend. Durch Hülffe dieser reinen und unparteyischen Sätze befestigen wir unsere Freyheil und Gleichheit mehr und mehr, sagen die Freymäurer. Eine falsche Lehre von dieser Art macht denen Menschen zu viel Ehre, als daß sie nicht ihres Beyfalls gewiß seyn sollte, und sie ist ihnen allzu nützlich, als daß man sich ihrer Ausbreitung widersetzen sollte.

Betrügerische Reden, verführerische Lockungen, welche das gefährliche Netz verbergen, so sie iedem, um ihn desto gewisser zu fangen, stellen; man kan dieses mit Recht nennen, den Rand des Gifft-Bechers mir einem köstlichen Saffte bestreichen. Und gewiß, was diese Freyheit und Gleichheit betrifft, welche man, nach der Freymäurer Meynung, nothwendig wieder zu erlangen suchen muß, hat wohl Gott, dessen unendliche Weisheit alles zu einem gewissen Endzweck geschaffen eines seiner Geschöpffe, ohne ihm die Mittel, seinen Zweck zu erlangen, bereitet? Führt er sie nicht im Gegentheil unaufhörlich auf denselben, und können sie sich iemals davon entfernen? Sollten diese Eigenschafften, diese schätzbaren Gaben, dem Menschen, wenn er sie iemals erhalten, bloß darum seyn gegeben worden, um das Werckzeug seiner Marter zu seyn, wenn er mit Verzweiflung und Verdruß inne wird, daß ihn Betrug und List darum bringen wollen? Sollte er auch wohl ihren Verlust haben genehm halten können, ohne die göttliche Güte zu beleidigen?
Wenn uns also diese Güter wahrhafftig wären zugetheilt worden, diese Unterwerffung aber nicht von Gott selbst ihren Ursprung hätte, würde man so verschmitzt auch, nach der Freymäurer Meynung, die ungerechten Urheber derselben, so leichtgläubig der Mensch selbst gewesen, iemals das Vergnügen der Liebe, und die Uiberzeugung dieser Gleichheit, aus seinem Hertzen haben verbannen können, und würde man nicht die Erhaltung derselben eben so hoch als sein Leben geachtet haben? Die Annehmlichkeit und das Vergnügen eines solchen Vorrechtes ist es auch, worauf sie eine ihrer vornehmsten Betrachtungen gründen. Denn, sie sagen ihren Feinden ins Gesichte, was vor Gaben sind höher als die Freyheit und Gleichheit, so wir wieder herstellen wollen, zu schätzen? Sie sagen weiter, was will, was bedeutet das allgemeine Geschrey, so man in allen Hertzen spüret, die sich über das harte Joch, so sie als Sclaven drücket, beschweren: Welcher Zustand scheint dem Menschen niederträchtiger, welcher Schmertz ist empfindlicher, als wenn er sich einem Wesen von seiner Art, von gleicher Natur, und das nicht den geringsten Vorzug hat, unterworffen sieht. Welches Recht setzt demnach selbiges zum Herrn und Tyrannen über ihn? Ist der unglückliche Unterthan nicht zuweilen besser als jene? Schreyen nicht seine Sitten und Handlungen, so die Vemunfft regiert, die Unschuld begleitet, wider ein so ungerechtes Verfahren? Behaupten sie nicht mit lauter Stimme, daß der eine ehe ein Sclave zu seyn verdiene, als der andere? Wenn man ia einen Unterschied unter denen Menschen machen wollte, sollten solchen nicht die Tugend und die Frömmigkeit allein ausmachen?

Was soll man bey einer so entsetzlichen Verwirrung, bey der Beraubung eines Gutes, so uns zugehört, vor ein Mittel anwenden? Was soll man zu unserer Rettung vornehmen? Man hat nichts vor sich, als Gewalt mit Gewalt zu vertreiben, den unrechtmäßigen Besitzer auf seinem Throne anzufallen, ihn herunter zu stossen, oder wenigstens mit Verlust seines Lebens eine Sache, die die gantze Welt angeht, zu vertheidigen. Wir bekennen es, und es ist die Wahrheil, die Fürsten und Könige sind Bilder der Gottheit; sie müssen mit ihr den Tribut der Liebe, der Zärtlichkeit und Treue, so wir ihr bezahlen, theilen. Sie müssen aber auch ihren ehrwürdigen Rang behaupten, sie müssen Väter, Verteidiger und sichtbare Schutz-Götter ihren Volckes seyn, so wie Gott selbst dessen Herr und Erhalter ist.
Was aber zu thun? wenn wir finden, daß diese Tugenden, so wir zur Belohnung unserer Erniedrigung von ihnen fodern, sich in die abscheulichsten Laster verwandelt; wenn die Nahmen der Boshafften, der Gotteslästerer, der Hencker, ihnen nicht erschrecklich sind! Sollen wir die Hand, so uns drückt, mit Zittern küssen, dem Tyger, so uns zerreißt, liebkosen, dem Colosso, so uns zerschmettert, räuchern, und als freywillige Schlacht-Opffer den Altar, wo man uns erwürgt, mit unserem Blute befeuchten? Welche Unterwerffung ist in der Welt billiger, als des Sohns gegen seinen Vater, welche Neigung ist süsser und reitzender, als die, so uns antreibt, denen, von welchen wir das Leben haben, zu gehorchen, und so viele Mühe, so viele schlaflose Nachte, so sie unsertwegen gehabt, mit Dancke zu erkennen?
Ohne Zweifel gehet unsere Verbindung und unsere Schuldigkeit gegen die Könige nicht weiter. Wenn indessen ein Vater die Regungen des Blutes so sehr unterdrücket, daß er seinen Sohn, ich will nicht sagen ermordet, sondern nur grausam tractirt, wenn er ihn ohne Ursache um seine Güter bringet, wenn er sein Hertz so sehr gegen das Schreyen der Natur verhärtet, ist es nicht diesem unglücklichen Sohne erlaubt, der Tyranney seines Vaters sich zu entziehen, das Joch, so ihn drückt, abzuschütteln, und die Freyheit, so er verlohren, wieder zu suchen? Um wie vielmehr, fahren die Freymäurer fort, ist die Gewalt, so uns von unsern Tyrannen befreyet, ihnen die uns unrechtmäßig entzogenen Güter entreißt, und uns die Freyheit und Gleichheit, so wir mit ihnen gemein hatten, wieder giebt, erlaubt und rechtmäßig. Mit einem Wort, haben sie ihre Versicherung, gerecht, aufrichtig, Freunde der Wahrheit zu seyn, gebrochen, wovor sollen wir ihnen die unserige, getreue und gehorsame Unterthanen zu seyn, halten? sollen wir nicht vielmehr unsere Kräffte verdoppeln, sie wieder in das Nichts, woraus sie, so wie wir, hervorgekommen, und dazu sie ihre Laster verdammen, zu stürtzen, um der Vorrechte, die sie uns geraubt hatten, in Ruhe zu geniessen?

So schliessen die Freymäurer aus einem falschen und schlecht bewiesenen Satze. Mercken sie bey ihrem Schüler einen Verstand, der zu dergleichen Folgerungen nicht genugsam vorbereitet ist, so wissen sie ihm sogleich eine andere Deutung, deren sie ohnedem eine Menge im Vorrath haben, zu geben, und in dieser neuen Moral, ob sie schon allemal einerley, und einen vielfachen Verstand haben kan, iede Sache so gut zu drehen, daß sie auch nicht einmal den geringsten Verdacht übrig lassen. Sie erzehlen ihm demnach, daß die Gesellschafft den Tempel Salomons aus keiner andern Ursache zum Wahrzeichen erwehlt, als weil, gleichwie iener das festeste und prächtigste unter allen Gebäuden, so iemals gestanden, man mag dessen Ursprung oder den Bau selbst ansehen, gewesen: also auch keine von allen Gesellschafften, so die Menschen errichtet, fester und stärcker, als der Freymäurer ihre sey: daß ihr einziger Endzweck sey, die verschiedenen Leidenschafften mit einander zu vereinigen, die Menschen mit dem Geist des Friedens und der Eintracht, der sie von allen Bewegungen des Hasses und der Zwietracht, die ihre schönste Tage vergifften, bewahrt, zu erfüllen: ihnen die Gedancken von Ehre und Tugend, die sie immer mehr und mehr an ihre Pflicht verbinden, einzuprägen: die Schuldigkeit gegen die Obern nie bey Seite zu setzen: sich mit dem zärtlichen Bruder-Nahmen unter einander zu benennen, und dessen Person großmüthig vorzustellen: und mit einem Worte, eine treffliche Gesellschafft, die keinen andern Endzweck, als Freyheit, Liebe und Gleichheit hat, zu stifften.

Ist diese Erklärung noch nicht nach dem Geschmack ihrer Candidaten, oder sehen die Freymaurer voraus, daß sie selbige mit allzuviel Widerwillen annehmen würden, so wissen sie sich noch auf eine künstlichere Manier zu verbergen. Der Tempel Salomons bedeutet bey der Gesellschafft nichts anders als den Tempel, welchen sie selbst bauet. Der Tempel, welcher den Tugenden, so man daselbst in der grösten Vollkommenheit ausübt, gewiedmet, aber auch zugleich ein Kercker vor die Laster ist, wo diese Ungeheuer unter der Last der strengsten Bande seufzen. Dies Laster aber bestehen nicht bloß in dem Mißbrauch einiger moralischen. Sätze, die Freymäurer sind in diesem Punct sehr strenge.

Ihre Lehre, die weit ernsthaffter als dieienige, so die Laster, welche der Religion entgegen sind, verbannt, verursacht unterdessen, daß viele andere entstehen. Die Politic, die Oeconomie, der Eigennutz, sind der Gesellschafft eigen, sie dürffen keine Veränderung leiden, und man darff nicht dagegen handeln, wenn man sich nicht eines abscheulichen Verbrechens schuldig, und einer ewigen Verfolgung würdig machen will. Endlich ist es nicht genug, um ein wahrer Freymäurer zu seyn, alles, was die reineste Philosophie und die heiligste Religion verordnet, nach dem Buchstaben zu erfüllen. Es ist nicht genug, von den Schwachheiten, die von der Natur bey nahe nicht zu trennen sind, befreyt zu werden; man muß die Gaben, welche sie uns geschenckt, in ihrer Herrlichkeit erhalten, sie ausputzen, die Natur selbst vollkommen machen, und mit allen den Tugenden, welche sie fassen kan, mit dem Glantze und Schimmer, damit sie in ihrem ersten Zustande gezieret war, ausschmücken. Welche unter denen Tugenden und Gaben aber, so wir von ihr erhallen, ist so edel und vortrefflich, als die Freyheit und Gleichheit, welche verdienet mehr, daß die Menschen sich unter einander verbinden, und alle ersinnliche Mühe, ihre Rechte zu vertheidigen, anwenden?
Gewiß keine, und die Freymäurer kennen die Vortheile derselben, und die Vorzüge, welche sie verdienen, gar zu wohl, als daß sie solche ihren Neubekehrten nicht sollten mercken lassen: ob es schon allemal auf eine Art geschehet, die sie bisweilen in den Stand setzt, daß sie die Mittel, sie wieder herzustellen, nicht gebrauchen können. Deswegen hat diese Freyheit und Gleichheit gewisse Gräntzen, welche zu überschreiten, gefährlich und sündlich wäre. Beyde sind so beschaffen, daß sie mit der schärffsten Moral, so uns den Gehorsam gegen Gott, und alle Obrigkeiten anpreist, bestehen können.

Dieser Gehorsam aber, fügen sie hinzu, gehet allzu weit, wenn er die Menschen auf Blindheit und Aberglauben führt. Zum Exempel, die Ehrerbietung, so man denen Fürsten schuldig ist, wird eine Schwachheit und Niederträchtigkeit, wenn sie nicht nach ihrer Weisheit und Billigkeit abgemessen ist: so daß wenn man ihnen in den Fällen, woran weder die eine noch die andere Theil haben, gehorsam ist, so macht man sich ihrer Laster schuldig, und führt die schändlichen Absichten, deren Abscheulichkeit, dem Urheber und Werckzeug derselben, einen Schandfleck anhängt, aus. Um aber allem Irrthum zuvor zu kommen, um das ächte Gold von dem Metall, so nur den Glantz des Goldes hat, zu unterscheiden, und genau zu erkennen wozu uns die Religion und der Gehorsam gegen die Obrigkeit verbindet, mit einem Wort, um jene von dem Aberglauben, diesen von der Tyranney abzusondern, dazu hat man, nach der Freymäurer Lehre, einen Probierstein einen Leitfaden, den ieder Mensch ergreiffen muß, um sich aus diesem verwirrten Labyrinth zu helffen, vonnöthen. Dieses ist die erste Kenntniß der Natur, der erste Strahl des Verstandes, welcher uns erleuchtet, der erste sichere Grund, welcher uns dazu antreibt, mit einem Wort, die Vernunfft, die einzige Führerin, der man folgen muß. Nichts ist rechtmäßig, als was sie verordnet, nichts als das, was ihr gemäß ist, verdienet Beyfall, und ieder Weg, den man, ohne diesen Compaß zu Rathe zu ziehen, antritt, ist gefährlich, und führet uns zu einem Abgrunde.

So klug als diese Lehre eingerichtet ist, so sind doch die Freymäurer noch nicht versichert, daß sie solche gnugsam verstellt haben. Wenn der, welchen sie überreden wollen, noch zu viel Zärtlichkeit des Gewissens blicken läst, wenn das Vorurtheil noch zu viel Gewalt über ihn zu haben scheint, und man ihn durch diese letzte Erklärung nicht völlig überwinden kan, so greifft man ihn endlich so an, daß man des Sieges und seiner Niederlage gewiß versichert ist, und die Loge behält endlich die Oberhand, wenn sie ihm einige Jahre Zeit läst, bis er dahin, wo sie ihn hin haben wollen, gebracht worden. Dieser Tempel Salomons, welchen wir schon so offte erwehnt, seine Erbauung und Pracht, sein Fall und Zerstörung, seine Wiedererbauung und Herrlichkeit, stellt nun nichts anders, als das menschliche Hertz, so Gott selbst bereitet, mit seinen reichen Gaben überhäufft, zum Guten durch die Natur geleitet und geführt, das aber endlich durch die hefftigen Leidenschafften verdorben worden, vor.
Das ist nun das bedaurenswürdige Hertz, welches in seinem Elend noch einen gewissen Üiberrest von Hoheit behalten, welches verlangt, daß man ihm solche gantz wiedergeben soll, darum man sich also bemühen, und alle seine Kräffte anwenden muß. Es sind nicht mehr bloß weltliche und irdische Gebäude, womit sich die Freymäurer beschäfftigen. Der Himmel allein ist der Vorwurff ihrer Gedancken, die Welt und ihr verderbter Zustand hat nichts mehr, welches sie reitzen könnte: ihre einzige Bemühung ist, die Tugenden zu pflantzen, und die Laster auszurotten. Salomon ist nichts anders, als die Vernunfft und der Verstand, die in den ersten Zeiten alle ihre Handlungen regierten. Dieses war die Königin des menschlichen Verstandes, deren Herrschafft seine Leidenschafften im Zaum hielte, seine Hitze dämpffte, und ihm nichts, als den Vorwurff seines Glückes zu suchen, und was ihm schädlich seyn könnte, sorgfältig zu vermeiden, gestattete.

Aber ach! diese glückliche Zeiten sind verschwunden, und haben nichts als ein trauriges Andencken hinterlassen. Das, was von Natur gut war, hat seine erste Vortrefflichkeit gänzlich verlohren. Dieses Hertz ist auf einmal unkenntlich worden. Die weise, die göttliche Asträa ist in den Himmel zurück geflogen: ein schreckliches Heer von Assyrern, eine Sündftut von Lastern, haben den ihr gewiedmeten Tempel überschwemmt; und ihre unglücklichen Unterthanen haben in Ketten und Banden, so ihnen die grausamen Hände angelegt, unter dem Joch des Vorurtheils geseuffzet, welches ein abscheuliches Ungeheuer ist, so ihnen durch seine unglückliche Beredsamkeit, daß eine solche Veränderung gantz natürlich, und die leere verwirrten Begriffe von einem vorigen Glücke, Einbildungen wären, die sie, um ihre Ruhe desto mehr zu bestätigen, verbannen müsten, beredet. Diese allgemeine Schläferigkeit, diese schädliche Bezauberung, wollen nun die Freymäurer vertreiben: diese Sclaverey des menschlichen Hertzens wollen sie zernichten, indem sie die Leidenschafften, die davon Urheber sind, vertreiben, und das Hertz in seine erste Unschuld versetzen.
Der Vorsatz ist allerdings lobenswürdig, und die Ausführung zu wünschen: sie ist aber, nach ihrem eigenen Geständniß, noch allzu schwer, als daß man nicht alle nöthige Behutsamkeit dabey anwenden müste. Denn, fügen sie hinzu, seit der erschrecklichen Veränderung in der Natur, scheint der Mensch bey der Wahl des Guten und Bösen geneigter zu seyn, das letzte zu erwehlen: nicht als ob das Gute nicht noch etwas anzügliches hätte, sondern weil er sich bloß die verführerischen Sinne leiten läst, weil er ihren Bewegungen folgt, und sie gantz allein anhört, worinnen er denen wilden Völckern ähnlich ist, die ohne die Lebens-Mittel, deren wir uns bedienen, zu kennen, mit Kräutern und Eicheln zufrieden sind, die man aber gleichwol nach und nach zu einer Veränderung der Kost angewöhnen würde, wenn man ihnen offt die Vortrefflichkeit und den Nutzen der unsrigen zeigen sollte. Auf gleiche Weise kan der Mensch, so durch die Freymäurer und ihren Eifer, ihm die Lehre des Ordens einzuschärffen, bewegt worden, sich endlich auf ihre Vorstellungen ergeben, und sie mit Uiberzeugung annehmen.

Deswegen hat auch Cromwell nicht gewollt, daß man seine Moral auf einmal bekannt machen, sondern daß man sie einem auserlesenen Hauffen seiner Anhänger nach und nach zu erklären bemüht seyn sollte: wobey er sich der Sinnbilder bedient, um diese erst entstandene Gesellschafft, so man vor allem Ungewitter in Sicherheit bringen muste, dem Verderben nicht auszusetzen. Denn die Leidenschafften, so er in der letzten Erklärung des Tempels Salomons, welche wir angeführt, und die gleichsam der dritte Vorhang seiner Absichten ist, auszurotten vorschlägt, sind lebhafft, mächtig, und schwer zu überwinden.
Damit nun dieser Vorsatz nicht mißlingen mögte, muß man anfänglich stille schweigen, und die List, ihr Verderben zu bereiten, hernach aber Gewalt und Muth, es zu vollführen, anwenden. Diese Vorsicht ist um so viel nöthiger, weil dieses grosse Werck sogleich verlohren, und nicht ohne grosse Schwierigkeit wieder hergestellt werden kan, wenn nur der Feind die Anstalten inne wird: welches auch Cromwellen bewogen, die Erklärung seiner Lehre der Loge gantz allein, ohne daß etwas davon offenbar würde, zu überlassen: damit die Unheiligen, wenn sie von der natürlichen Vollkommenheit der Mitglieder überzeugt wären, mit ihnen vereinigt zu seyn wünschen, und indem sie selbige als die einzigen Besitzer der Ehre und Redlichkeit ansehen, zu dieser wunderbaren Qvelle mit eben der Begierde, womit ein Hirsch zu dem Brunnen eilet, lauffen möchten, um daselbst den hefftigen und brennenden Durst nach denen Geheimnissen, entweder aus Leichtsinnigkeit oder Vorbedacht, welches unserem Stiffter einerley war, zu stillen.
Ihr indessen, welche dieser heisse Durst brennt, ihr, die ihr durch sein Feuer verzehrt werdet, glaubt ia nicht etwan, daß eure Veränderung sich so plötzlich ereigne. Euer berühmtes Oberhaupt hat, ich gestehe es, diesen Wassern eine geheime Krafft, welche sie heilsam macht, mitgetheilt; es hat aber zugleich vorausgesehen, daß man sie nicht nach der Grösse des Durstes, welchen ihr empfindet, verschwenden müsse, und daß sie sich bald in Gifft verwandeln würden, wenn man euch den Becher, der sie in sich faßt, austrincken liesse: worinnen er den weisen Aertzten ähnlich gewesen, die aus Gefälligkeit einem Krancken die Speise, so er verlangt, zwar erlauben, eine zu grosse Menge aber ihm so lange versagen, bis eine vollkommene Wiedererlangung seiner Kräffte ihn in den Stand gesetzt, eine grössere Portion zu sich zu nehmen.

Dieses kluge Betragen Cromwells hat ohne Zweifel die bekannte Eintheilung des Ordens in Jungen, Gesellen, Meister und Baumeister veranlaßt. Da er die Augen allezeit auf den Tempel Salomons richtete, ließ er nichts, was seiner Einsicht entgegen seyn konnte, fahren. Alle diese verschiedene Classen finden sich bey den Arbeitern am Tempel Salomons: Man theilte die Verrichtungen nach der Fähigkeit eines ieden Arbeiters, so in der Loge bekannt sind, ein: man ordnet die Lehrsätze nach der Geschicklichkeit des Schülers so lange, bis er auf die Stoffe der Vollkommenheit, so den Endzweck derselben einzusehen nöthig ist, gelanget, die verschiedenen Aemter, woraus sie besteht, verwalten, und allemal die Eigenschafften eines Dieners, oder eines Menschen, der zur Ausführung willig ist, beyzubehalten.
Was diese Diener, oder Handlanger betrifft, so kan man ihren Ursprung finden, wenn man Achtung giebt, daß sich unter denen, so an dem offt erwehnten Tempel arbeiteten, viele befunden, die bloß bestellt waren, denen Arbeitern das nöthige, so sie allemal bereit halten musten, zuzulangen: und daß Cromwell dergleichen in seiner Gesellschafft eingeführt, die Ähnlichkeit seines Ordens mit diesem Gebäude desto vollkommener zu machen.

Nachdem er diese verschiedene Classen errichtet, so ordnete er gewisse Gebräuche, die bey der Aufnehmung der Brüder in den Orden unverändert beobachtet werden sollten. Was dieselben betrifft, so werde ich davon, wenn ich von den unterschiedenen Classen der Gesellschafft reden werde, ausführlicher handeln. Jetzt will ich das Geheimniß, so Cromwell ersonnen, um seine Lehre durch ein unverbrüchliches Stillschweigen vor aller Verfolgung zu bewahren, und sich immer mehr und mehr Anhänger zu machen, zeigen. Der Eid, welchen er von allen, die in die Gesellschafft treten wollen, forderte, war das wunderbare Mittel, dessen er sich bediente. Gleichwie aber solcher nach den verschiedenen Classen unterschieden, ob er schon dem Inhalt nach einerley ist, und in dem grossen Versprechen eines ewigen Stilleschweigens besteht, so will ich ihn doch, nebst der Vorstellung der entsetzlichsten Martern, denen sich iedes Mitglied des Ordens, wenn er solchen verrathen würde, unterwirfft, bis an seinen Ort versparen.

Jetzo komme ich auf die mannigfaltigen Beschuldigungen, welche die Feinde des Ordens ausgesprengt, nachdem ich dem Leser eine genaue Vorstellung und Abschilderung der Gesellschafft, daraus er schliessen kan, was er will, gegeben habe. Die Geistlichen kommen hier zuerst vor, als welche in ihren besondern und öffentlichen Zusammenkünfften auf die Freymäurer losgezogen sind.

Die Gesellschafft der Freymäurer, sagen sie, ist der wahren Religion unstreitig zuwider, wenigstens kan man aus ihren Grundsätzen schliessen, daß sie zu deren Aufnahme nichts beytrage. Die unselige Vermischung, die unerlaubte Verwirrung verschiedener Secten, denen sie den Zutritt verstattet, beweiset augenscheinlich, daß sie die Gründe des Glaubens untergraben will. Die Gottesleugner und Freygeister möchten noch hingehen; allein selbst die Götzendiener, dergleichen die Americaner und Chineser sind, werden da ohne Unterschied aufgenommen. Hierinnen irren sich nun die Geistlichen nicht gantz und gar, indem ich hier eine Menge von Leuten nennen könnte, die ihr liederliches Leben auf die Meynung der erstern geführet, und mich selbst einmal in einer Holländischen Loge befunden habe, da man die Mittel, einige Brüder nach America zu schicken, um daselbst eine erledigte Stelle zu ersitzen, überlegte. Ich habe da drey Juden aufnehmen sehen, von deren Redlichkeit sich zu versichern, ein Mann vom ersten Range, und welcher wegen seines Amtes eines Meisters der Loge eben so sehr, als durch die Bogen, so er drucken lassen, berühmt worden, keinen andern Weg fand, als daß er sie auf das Evangelienbuch schwören ließ. Gleichwie es aber nicht vor mich gehört, das menschliche Hertz zu erforschen, und über dieses die verführerische Beredsamkeit des Herrn ** aus einem Juden augenblicklich einen Christen und Freymäurer würde haben machen können; so komme ich wieder auf den Einwurff der Geistlichen, welche ferner behaupten, daß ieder Christ, der einmal von der Loge in die Zahl der Mitglieder aufgenommen worden, sich so feste an sie halte, daß er die Verbindlichkeit, denen Gebräuchen seiner Religion zugethan zu bleiben, vor nichts zu halten anfange, und ihnen ferner beyzuwohnen, verabsäume: oder daß, wenn sich ia einer in der Kirche sehen lasse-, die Vorstellung und Begierde das gemeine Volck zu betriegen, der einzige Bewegungsgrund dazu sey. Dieser Verdacht bestätige gar bald den Abscheu, welchen er vor die Gemeine hegt, von der er sich auf einmal absondert, nachdem er seine Spaltung durch Laulichkeit und Gleichgültigkeit angefangen: dieses sey die übernatürliche Wirckung der Lehre, so man ihm eingeflößt, und welche anfangs seinen Fuß auf dem Wege der Religion aufhalte, um sie völlig nach dem Wege der Loge zu richten.

Ich will hier weder die Freymäurer von der Gottlosigkeit, so man ihnen Schuld giebt, rechtfertigen, noch weniger aber diesen Einwurff unterstützen: das Volck mag den Ausspruch thun und sehen, ob diese Vermischung der Secten mit der wahren Verehrung, so wir Gott schuldig sind, bestehen könne. Was die Einwendung, welche die Politici machen, anlangt, so will ich mich dabey, weil sie nicht so fein und schwer scheint, länger aufhalten, in der Absicht, solche genau vorzustellen und zu erwegen, keinesweges aber zu tadeln und zu schelten, als welches der Gesellschafft einen grossen Stoß geben könnte.

Nachdem also die Geistlichkeit die Freymäurer vor den Richterstuhl des Höchsten als Gotteslästerer und Uibertreter seiner Gesetze gefodert, so erscheinen die, von denen ich reden will, welche sie vor den Thron der Obrigkeit, als Beleidiger der Maiestät, als eine verderbliche Seuche des menschlichen Geschlechts, so allen, die sich ihnen nahen, anstecke, vorladen. Die Freymäurer, so wegen ihres Geheimnisses allemal gesichert sind, beantworten sie bloß durch, eine förmliche Verachtung, und sagen hönisch, dieser Verdacht ist wohl gegründet. Sie erlauben mir, hier ohne Spötterey zu zeigen, daß er wenigstens nicht bloß in der Einbildung bestehe.

Dieser Verdacht ist wohl gegründet: und warum sollte er es nicht seyn? Diese Verwerffung des obrigkeitlichen Ansehens, welche die wahren Freymäurer, das ist, die, so die Absichten der Gesellschafft vollkommen einsehen, einander ohnaufhörlich vorpredigen, die Freyheit, so sie einführen, die Scepter, so sie zerbrechen wollen, diese Ordnung in der Welt, so sie abschaffen, und völlig auflösen wollen, alles dieses besteht in blossen Veränderungen, die man ruhig und gleichgiltig ansehen kan, und die in die bürgerliche Gesellschafft und das gemeine Wesen gar keinen Einfluß haben? Dieser Verdacht ist wohl gegründet: die Freymäurer mögen also auf ihrer Hut seyn, dessen Gründlichkeit und Wahrheit besser, als durch die prächtigen Nahmen der Treue, des Eifers, der Liebe und des Gehorsams, so ieder Bruder, wie sie sagen, gegen die Potentaten unverbrüchlich erhält, zu widerlegen. Denn so wenig Kenntniß auch ein Mensch von der Loge und ihren Grundsätzen hat, so wenig Verstand und Einsicht er besitzet, so wird er doch sich nicht so leicht ändern: das vergangene wird ihm wegen des zukünfftigen keine Versicherung geben, und weit gefehlt, daß ihn eine betrügerische Stille einschläfern sollte, so wird es vielmehr von dem bevorstehenden Ungewitter zu schliessen, genug seyn, wenn er siehet, daß sich die Wolcken von allen Seiten zusammenziehen, ob sie gleich ihren Weg noch auf keine Weise bemercket haben.
Und um deutlich zu zeigen, daß das äusserliche gesetzte Wesen, das mit allen Gesetzen so wohl übereinkömmt, nichts als blosse Heucheley und Verstellung sey, könte man nicht den Freymäurern diese Vorstellung thun? Ihr sprecht, eure Gesellschafft habe sich bis ietzo so verhalten, daß man sich auch ins künfftige nichts von ihr besorgen dürffe. Sie sey in den verwirrtesten Zeiten stille, und bey den ausserordentlichen Begebenheiten, so den Zustand gantzer Völcker verändert, ruhig, und ohne Theil daran zu nehmen, geblieben.

Wir gestehen es, und lassen euch wegen des vergangenen so viel Gerechtigkeit, als ihr verdienet, wiederfahren; obschon diese Ruhe und Friedfertigkeit, womit ihr so sehr pranget, nicht so wohl von der Liebe vor das gemeine Wohl, als von der Kenntniß eurer Schwäche und desienigen, was euch euren Vorsatz auszuführen, annoch mangelte, herrührte. Da weiter eure Absicht auf die gantze Welt gehet, so würde sich solche, wenn ihr sie bloß auf einige Theile derselben gerichtet hättet, verrathen haben, und es würde eine Thorheit und Schwachheit von euch gewesen seyn, wenn ihr sie bey. einer Gelegenheit, da nur gewisse Länder diese Veränderungen erfahren, bekannt gemacht hättet. Deswegen ist es ein schlechter Beweis eurer Unschuld, daß ihr von der friedfertigen Neigung, die ihr wider euren Willen, um aus Furcht anzustossen, an euch blicken lassen, so viel Aufhebens macht.
Mit der Treue, die ihr so hoch erhebt, ist es auf gleiche Weise beschaffen. Wenn ihr sie nicht gebrochen, wenn ihr denen Fürsten, so euch zu befehlen haben, gehorsam geblieben, so haben sie solches bloß dem Mangel der Gelegenheit, die ihren Stuhl vor den gewaltsamen Erschütterungen bewahret, zuzuschreiben; die sie aber gewiß empfunden hätten, wenn euch die Umstände günstig gewesen, wenn die geheime Rüstungen und stillen Anstalten nicht eine längere Zeit erfordert hätten: wenn die Menge, so die Fahne der Empörung auszustecken und zu halten nöthig war, groß genug, oder vielmehr die Zeit nicht zu kurtz gewesen wäre, sie von euren wahren Absichten zu unterrichten: mit einem Wort, damit man euch sicher trauen, und vor solche Leute, die sich, wie ihr uns überreden wollt, nie empören werden, halten möge; so müst ihr uns vor das künfftige von dieser vorgegebenen Treue versichern, und von ihrer beständigen Dauer Gewähr leisten. Denn wenn ein Mensch, der nicht vernünfftig genug ist, eine Schlange zu ernähren, uns beredet, daß dieselbe niemals iemanden stechen würde, daß sich ihr Gifft ohne Zweifel in einen heilsamen Safft, vermöge der Erkenntlichkeit, so sie vor die gehabte Sorge und Mühe haben müsse, verkehren würde; so wird man einen solchen gewiß den Augenblick vor einen Thoren halten, und der allgemeine Nutzen, sich vor den Bissen dieser von ihm auferzogenen Schlange zu bewahren, wird iedermann, sie umzubringen, waffnen: wenn nicht ihr Ernährer deutlich weiß, daß sie weder Zähne noch Gifft habe, und daß man ihr also das Leben lassen könne, ohne etwas von ihr zu besorgen.

Der unglückliche König Carl hat dem Scheine nach nie einen eifrigern Anhänger, als Cromwellen, in den ersten Zusammenkünfften, womit er diesen Untreuen beehrt, gehabt. Das Parlament selbst, dessen Ansehen er mit so viel Feuer behauptete, hatte in der That an seiner Gnade eben so wenig Antheil, und eine aufrührische Armee konnte sich allein seiner Hochachtung rühmen. Ihr nun, die ihr dieses hochmüthigen Tyrannen Schüler und Nachfolger seyd, müst die genaue Gleichheit, so sich zwischen seinen und euren Lehr-Sätzen findet, vernichten, und uns endlich durch einen unumstößlichen Beweis überführen, daß die Frömmigkeit, womit ihr pranget, die Unterwürffigkeit, der Gehorsam gegen die Potentaten, so ihr vornemlich in eurer dritten Classe lehret, nicht eben so viel günstige Decken sind, worunter ihr euer schädliches Vorhaben verberget.

In diesem Beweise fortzukommen, rathe ich den Freymäurern nicht, als eine Ursache anzuführen, daß die Geheimnisse ihrer Gesellschafft Königen und Fürsten, als ihren vornehmsten Mitgliedern, bekannt sind, und daß ein offenbarer Beweis ihrer Redlichkeit sey, daß gecrönte Häupter, so bald sie sich mit ihnen vereiniget, ihre vornehmsten Stützen geworden: deswegen man die Beschuldigung, als ob ihre Absichten der obrigkeitlichen Gewalt entgegen wären, als eine blosse Verleumdung anzusehen habe. Diese Antwort ist in der That listig, und wenn man bloß bey der Schale bleibt, sollte man die Freymäurer vor vollkommen unschuldig halten: sie ist indessen leicht zu widerlegen, wenn man die Art, wie die Könige in solche aufgenommen werden, erwägt: und hier ersuche ich vornemlich die Freymäurer, sich gefast zu halten, den Streich, welchen ich auf sie thun werde, aufzuhalten. Diese Fürsten und Könige, welche die Loge aufgenommen, sind in eurer Lehre unterrichtet, und wissen ihren wahren Verstand. Aber ist wohl einer unter denen, die dieses Vertrauen zu euch gehabt haben, denen ihr solchen entdeckt hattet. Was hat wohl der König, dessen grosse Gnade ein danckbares Lob von euch fodert, und vielleicht der einzige Potentat, der euch mit reichlichen Wohlthaten überhäufft: der König, sage ich, dessen Donner, welcher die Begriffe, die der Maiestät, die ihn umgiebt, so schimpflich waren, zerstreuet und vertilget, vor einen Rang unter euch? Hat er in der That die Stelle eines Groß-Meisters, so eine allzu schlechte Belohnung so vieler Wohlthaten seyn würde, ist er derselben durch die Stelle des Schotten, so gleich darauf folgt, einmal nahe? Nein, der Titel eines Mitgesellen ist der einzige, den ihr ihm zugestanden.
Das ist, ihr habt ihn in diesen Orden, der mit einer dicken Finsterniß sowohl, als die andern umgeben ist, gesetzt, um vor seinen Augen die Wahrheit der Sinnbilder und Gleichnisse zu verbergen, wobey ihr seine Einsicht besorget, und die ihr ihm, nur so offte, als es, seinen Argwohn zu vertreiben, vonnöthen ist, mit Zittern sehen last. Die Gütigkeit, welche gemacht, daß er sich von seiner Hoheit bis zu euch herunter gelassen, bleibt hier, ich bekenne es, stehen. Aber schreibt die Beständigkeit derselben ia keiner andern Ursache, als dem geheimen Vergnügen und der angenehmen Zufriedenheit zu, welche dieser Monarch empfindet, wenn er unter seinen Unterthanen den Geist der Einigkeit und Ruhe, die großmüthigen Neigungen, sich unter einander zu helffen, welche aber die betrügerische Masqve, so ihm ihre wahren Absichten verheelt, unaufhörlich befestigen, herrschen siehet.
Und wie könnten über dieses die Potentaten, welche ihr unvermerckt in das Verderben stürtzet, die mit Blumen bestreuten Wege, die ihr so schön vor sie schmückt, vermeiden? Die prächtigen Gastmähler, womit ihr sie beehret, die Menge von Wein, so dabey fließt, die Music, welche so angenehm klingt, der Umgang, der sie vergnügt, die Lieder so eure Unschuld bekannt machen, sind das nicht eben so viel Sirenen, deren bezaubernde Stimme ihren Verstand einschläffert, und sie endlich in den tieffen Schlaff, den ihr so sehr wünschet, bringt.
Was Wunder demnach, wenn sie euch bey einer so schönen Gestalt in Schutz nehmen? Fand nicht euer Stiffter, den ich hier bis zum Ende dieser Geschichte wieder anzuführen verbunden bin, das Geheimniß, sich die Gunst des Parlaments, auf dessen Untergang er bedacht war, zu erwerben, als er im Jahr 1647, zu der Zeit, da er die Soldaten aufwiegelte, auf ihre Meuterey, öffentlich und mit so grosser Beredsamkeit loszog, daß man ihm die Sorge, eine Empörung, davon er selbst Urheber war, zu stillen, auftrug?

Ihr werdet vielleicht einwenden, daß die Aufrichtigkeit, so euren Orden belebt, iedes Mitglied dermassen eingenommen habe, daß man noch bis auf diesen Tag niemanden gefunden, welchen Versprechen und Drohen, ia nicht einmal der Glantz des Geldes, so weit, bringen können, das wichtige Geheimniß, so man euch schuld giebt, zu entdecken, und daß, wenn ein so mächtiger Bewegungs-Grund keine Krafft gehabt, man ohnfehlbar schliessen müste, daß es gantz was anders sey, als man gemeiniglich glaube.
Schwacher Grund, der weiter nichts beweist, als daß ihr das Geheimniß dem unwissenden und leichtgläubigen Hauffen, daraus eure dritte Classe besteht, verheelet, und daß ihr solche zu Vollführung eures Lehr-Gebäudes immer mehr zubereitet, indem ihr derselben die unveränderliche Verbindlichkeit, solches zu befestigen, worinnen sie sich befindet, seitdem sie sich durch einen schrecklichen Eid dazu anheischig gemacht, beständig einschärfft.
Was die übrigen Glieder eurer Gesellschafft betrifft, so kennet der Geist der Hoffart und Freyheit, der sie belebt, seinen eigenen Vortheil gar zu wohl, als daß er einen Vorschlag, welcher ihn von aller obrigkeitlichen Gewalt befreyet, fahren lassen sollte.

Indessen werden die Tage der Offenbarung, da diese Menge von Lehrlingen und Dienern vielleicht die Augen öffnen, und den Betrug, der sie bishero gemißbraucht, einsehen wird, bald anbrechen. Dieser zu euren Absichten so nöthige Hauffen wird vielleicht einmal sein Versprechen, dessen Abscheulichkeit ihm Tugend und Frömmigkeit zeigt, brechen. Der König, dessen Wohlthaten ihr so übel belohnet, dessen Verderben ihr mit euren Lippen, so noch mit seinen Geschenken angefeuchtet sind, in geheim schwört, wird als ein anderer Nebucadnezar euren eigenen Untergang befördern. Der Tempel, den ihr erbauet, wird der Vorwurff seines Grimms und seiner Rache seyn: und sein Zorn, der nach der Liebe so er vor euch gehabt, abgemessen seyn wird, wird nicht eher gedämpfft werden, als bis dessen Priester erwürgt, die Anhänger vertilgt, und bloß ein schändliches Andencken von ihnen übrig seyn wird.
Diese Prophezeyung ist schon in verschiedenen Reichen, durch die Verfolgung der Freymäurer, dem Buchstaben nach, erfüllet worden, und noch zu Paris den 22 des abgewichenen Mays ausgebrochen, da die Wache 25 Brüder ergriffen, und vor den Policey-Richter gebracht, der in Ansehung ihres Standes, sie mit einem hefftigen Verbot ihre Versammlung bey harter Straffe nicht wieder anzufangen, von sich gelassen.

Allein ich komme wieder auf die Einwürffe, die ich schon oben berührt. Es ist gewiß, daß wenn die Freymäurer sie einmal auflösen können, es ihnen nicht schwer werden wird, den schimpflichen Verdacht, welchen man gemeiniglich von ihrem Betragen, wenn die Loge gehalten wird, hegt, zu widerlegen. Es ist diese Sache unserer Betrachtung würdig, und ich will sie mit aller Aufmercksamkeit und Billigkeit untersuchen. Das tieffe Stillschweigen, so die Freymäurer beobachten, das Geheimniß-volle Ansehen, so sie in allen ihren Handlungen zeigen, hat zum Schaden ihrer Ehre gewisse Leute gegen sie aufgebracht, deren Eigenliebe nicht vertragen konte, daß man ihnen nichts von dem, so in der Versammlung der Freymäurer entdeckt, und sich deswegen berechtiget zu seyn geglaubt, ihnen Laster schuld zu geben, die einmal das Feuer, so ehedem 5 gottlose Städte eingeäschert, über die Loge bringen könnten. Sie suchen solches aus einem Grunde, der eben so schwach und seichte ist, als der, woraus die Freymäurer ihre Verbindung, Gleichheit und Freyheit wieder herzustellen, ableiten, zu erweisen.
Warum, sprechen sie, schliessen sie die Weiber von ihrer Gesellschafft aus, wenn solches nicht zu Vermeidung eines Aergernisses, dessen Verheelung ihnen die Mittel, sich einer entgegen gesetzten Ausschweiffung in aller Stille und Sicherheit zu überlassen, leichter macht.

Ehe ich auf eine Beschuldigung, die die Freymäurer nicht verdienen, antworte, so wollte ich wohl von Hertzens Grunde wünschen, daß ich das, was die christliche Religion zu ihrer Vertheidigung zeigt, zu ihrem besten anführen könnte. Wäre diese Gesellschafft, ich will nicht sagen, so reine, sondern nur so offenhertzig, den Endzweck ihrer Absicht, welchen sie verborgen hält, bekannt zu machen, und die Richtigkeit ihrer Neigungen klärlich zu beweisen, so gestehe ich, daß ich sie mit dem grösten Vergnügen mit unsrer heiligen Religion zusammenhalten und genau vergleichen wollte.
Was die Lästerung, so man wider sie vorbringt, und die Verfolgungen, so sie ausstehen muß, betrifft, so wollte ich sagen, daß das Christenthum eben so, wie sie in seinem Anfange denen Heyden eine Ergerniß gewesen, daß die Abgötterey solches der schändlichsten Laster, so wie die Betrügerey die Freymäurer des abscheulichsten und unnatürlichsten Verbrechens beschuldigt habe. Ich würde hinzusetzen, daß wenn die Religion, ohngeachtet ihrer heiligen Lehre, ohngeachtet ihres Urhebers, mit einem Wort, ohngeachtet der Wunder, welche sie verherrlichet, tausend Widersprechungen nicht entgehen können: es gar nicht zu verwundern sey, daß die Freymäurer, die gleichwohl von Gott nicht eingesetzet worden, zu ihrem Ansehen keinesweges gelangen können, ohne von der Bosheit ihrer Verfolger vieles auszustehen.

Da aber die Gesellschafft sich selbst der Ehre dieser Vergleichung beraubet, so ist es wenigstens unbillig, daß so viele berühmte Männer, die die blosse Neugierigkeit in den Orden zu treten veranlasset, ohne dessen Beschaffenheit zu kennen, angegriffen werden. Man kan versichern, daß man dergleichen abscheuliches Laster niemals in der Loge eingeführt oder gedultet habe: und die Freymäurer dürsten, um sich von einer Sünde, damit sie sich nie besudelt, völlig zu rechtfertigen, bloß diejenigen, so ich angeführt, nennen, indem deren bekannte Frömmigkeit alle Waffen der Feinde stumpf machen, und ihr zartes Gewissen diese Lügen unwidersprechlich beweisen kan: indem es nicht wahrscheinlich ist, daß sie der Eid, womit sie sich verbunden, hätte verhindern sollen, sich davon zu befreyen, und aus diesem abscheulichen und schändlichen Babel auszugehen.
Was mich, der ich der Gesellschafft in vielen Ländern beygewohnt, und also dergleichen Mißbrauch zeitig oder späte würde betrachtet, anlangt, so würde ich es vor das gröste Unrecht halten, wenn ich mich nicht der Gewalt, so man dem Orden anthut, widersetzte, und bey allein, was heilig ist, versicherte, daß nicht nur kein Merckmahl, sondern auch nicht das geringste Sinnbild den Verdacht einer so entsetzlichen Sünde bey mir erreget habe. Allein ich halte mich bey einer Sache, damit man das Papier nicht einmal besudeln soll, zu lange auf: bey dergleichen Beschuldigungen fällt alles auf den, der sie vorgebracht, zurücke.

Wir kommen ietzo auf einen andern Einwurff, der denen Freymäurern nicht so leicht zu beantworten ist: auf die Ausschliessung der Weiber, davon ich die vornehmsten Ursachen anzeigen will, obschon, die Wahrheit zu sagen, die Gesellschafft keine zu ihrer Rechtfertigung beybringen kan.

Die erste, so sie anführt, ist die allgemeine Schwatzhafftigkeit der Weiber, denen ein Geheimniß, wie sie sagen, eine so schwere Last ist, daß eine Frau sich den grösten Zwang anthun muß, bis sie es einer guten Freundin eröffnet, die, da sie gleichfalls es unmöglich ertragen kan, sich bald davon zu befreyen, und folglich dessen gantzen Werth zu verderben, bedacht ist.

Die andere ist die Unterthäniqkeit und Unterwerffung, worinne sich die Weiber, vermöge ihrer Natur, befinden, und die ihnen den Zutritt zu der Freyheit und Gleichheit, die ihnen niemals, so wie denen Männern, eigen gewesen, verbietet.

Hier bitte ich um Erlaubniß, eine Sache, die so gut ist, daß ich mir einen sichern Fortgang davon zu versprechen getraue, vor die Hand zu nehmen, ohne unterdessen eine Schutzrede vor das weibliche Geschlecht zu machen, oder es durch eine niederträchtige Schmeicheley über das unsrige zu erheben. Wir wollen von der Leichtsinnigkeit und Bosheit der Weiber, welche sie von diesem Geheimnisse völlig ausschliessen, zuerst reden. Sind diese Gebrechen, die sie dem weiblichen Geschlechte zuschreiben, bey selbigem ein so allgemeiner Fehler, daß man keiner einzigen Frau dabey Gnade widerfahren lassen kann? Wie viel Exempel von Stärcke und Beständigkeit haben wir indessen täglich unter ihnen, die zu häuffig sind, daß man sie hier anführen könnte, die aber der hochmüthigste und eingebildteste Mann nicht leugnen kan. Warum glauben die Freymäurer, daß es unmöglich sey, noch ietzo solche muthige Weiber zu finden, welche die harte Probe aushalten können, die die großmüthige Porcia von ihrer Beständigkeit gab, als sie von ihrem stoischen Mann ein Geheimniß herauslockte, so von der Freymäurer ihrem bloß darinnen unterschieden war, daß es auf das Verderben eines einzigen Helden abzielete? Oder wenn es wenig dergleichen Exempel giebt, wenn diese edle Verachtung des Todes und der Schmertzen, so bey denen Römern beyden Geschlechtern gemein war, mit der Zärtlichkeit eurer Zeiten gar nicht bestehen kan, wie viel wahrhaffte Gemüther, wieviel unüberwindliche Hertzen, würde man dagegen unter den Weibern antreffen, die die Freymäurer in ihren Unternehmungen unterstützen, ihnen in ihren Anschlägen zu statten kommen, und mit ihrem Urtheil, zum Wachsthum der Gesellschafft, mehr als man glaubt, beytragen würden?
Wenn ihnen über dieses das Mißtrauen gegen sie gegründet zu seyn scheinet, warum brauchen sie bey ihrer Wahl nicht eben die Vorsicht, so sie bey der Aufnahme ihrer Mitglieder beobachten. Eine so kluge Aufführung würde sie von ihrem Stillschweigen versichert, und eine so angenehme Vermischung würde den allgemeinen Sieg, den sie zu erhalten trachten, durch die allgemeine Begierde der Menschen sich unter der Fahne der Liebe und Freundschafft zu versammlen, weit geschwinder befördert haben.
Die Freymäurer wenden ia nicht die Unterwürffigkeit der Frau gegen diese gerechte Vertheidigung ein: sie suchen ia nicht dem Schlage auszuweichen, indem sie behaupten, daß alle Eigenschaften, damit das weibliche Geschlecht pranget, dessen Schönheit, Annehmlichkeit und Bescheidenheit, so allen Tugenden der Männer die Waage halten, sie nicht bewegen können, das kostbare Erbtheil, in welches sie der Freymäurer-Orden wieder einzusetzen vorgiebt, mit denen ihnen unterworffenen Weibern zu theilen. Denn wenn Mann und Weib bloß deswegen von Gott geschaffen worden, daß sie mit einander nach einem gleichen Endzweck, nach ihrer Glückseligkeit, streben sollen, ob schon solches durch unterschiedene Wege geschiehet, ob schon das eine und andere durch Züge, so nichts unter einander gemein haben, unterschieden sind: Wenn ferner diese Glückseligkeit in der Freyheit und Gleichheit, darein die Freymäurer die Menschen wieder setzen wollen, bestehet: warum will man ein Wesen davon ausschliessen, so gleich wie die Männer, glücklich zu seyn, geschaffen worden, und welches der Schöpffer mit ihnen verbunden, damit es durch die Hülffe, die sie einander zu leisten vermögend sind, dazu gelange?
Ich will gleichwohl etwas vor die Freymaurer thun, und zugeben, daß die Unterwürffigkeit eine unüberwindliche Hinderniß der Weiber sey: wenn sie nur zugeben wollen, daß solche bloß von der Vereinigung mit den Männern herrühre, und nichts, als die Verbindung, so sie mit ihnen eingegangen, zum Grunde habe.

Nachdem ich dieses vorausgesetzt, wende ich mich noch einmal zu ihnen, und frage, warum begreifft diese Ausschliessung so unendlich viel Personen des weiblichen Geschlechts, welche noch keine Verbindung denen Männern unterworffen, noch iemals unterwerffen wird? Dieienigen zum Exempel, welche die Liebe des ehelosen Standes von allem Umgang mit ihnen entfernt, dieienigen, so der Tod der Ehegatten von ihren Banden losmacht, und wieder in die vorige Freyheit setzet? warum sind dieselben mit in der ungerechten Verordnung, welche sie sowohl als die andern von der Gesellschafft ausschlösset, begriffen? Ich weiß nicht, was die Freymäurer auf so gegründete Einwürffe antworten können.
Allein wir wollen diesem liebenswürdigen Geschlechte überlassen, sich wegen einer Aufführung, die ihm weniger, als es sich vielleicht einbildet, nachtheilig ist, zu rächen: indem seine Tugenden und Zärtlichkeit, von welchen die Loge, bey Entdeckung ihrer Absichten, allzuviel würde zu besorgen gehabt haben, die einzige Ursache, warum man solches davon zu entfernen beschlossen, gewesen.

Es ist über dieses Zeit, daß ich diese Lehre, welche ich gnugsam erklärt zu haben glaube, und von der ich versichern kan, daß sie vollkommen dieienige, so ich von den vornehmsten Mitgliedern des Ordens, die von ihrem Endzweck vollkommen unterrichtet seyn konnten, gehöret habe, sey, einmal beschliesse.

Der Ursprung der Gesellschafft erinnert mich, ihr die letzten Striche der Aehnlichkeit mit ihrem Stiffter zu geben. Es wird vielleicht nicht verdrießlich fallen, hier sein Bild mit natürlichen Farben, und so, wie es ein unparteyischer Geschichtschreiber, so ietzo in aller Händen ist, der Nachwelt beschrieben, geschildert, zu sehen. Wenn man seine vornehmsten Sätze zusammen nimmt, und mit der Lehre der Loge vergleicht, so wird der Leser, wie ich ihm versprochen, ein sicheres Mittel, von der Wahrheit seiner Stifftung frey zu urtheilen, bekommen.

Cromwell ward, wie bekannt, zu Huntingdon am 12 April 1599 gebohren. Man weiß, wie dieser willfährige und geschickte Mann sich aus einem mittelmäßigen Stande zu einer grossen Hoheit zu erheben, und die Kunst, das Glück gleichsam zu zwingen, ihm beständig bis in Grab günstig zu seyn, und ihn in seinem Pallast den 3 Sept. 1651 ruhig sterben zu lassen, gewust.

Da er im Jahr 1628 in die Dienste des Parlaments getreten, so hielt er nicht vor gut, seine Gaben auf einmal zu zeigen, er brachte so gar eine geraume Zeit zu, ohne einige besondere Eigenschafften an sich blicken zu lassen, welche die Augen seiner Mitbürger auf ihn ziehen, und ihm ihre Verwunderung erwerben können. Seine Politic war so groß, daß er wohl absehen konnte, was er zu einer Zeit, da ihm die Verstellung, um in der Verwaltung der Staats-Geschäffte fortzukommen, nöthig war, von seinen Mißgünstigen zu fürchten und auszustehen haben würde. Diese Politic machte, daß er seinen Verstand allemal nach seinem Glücke abmaß, bis daß er endlich auf den Gipfel des Ruhms, wornach er strebte, gestiegen, und sie in ihrem völligen Lichte blicken lassen konnte. Eine Art von Entzückung, die seinen Absichten günstig war, war die Decke, worunter er sich allemal verbarg. Wenn er eine Rede hielt, so überließ er die Bemühung, sie genau zu verstehen, seinen Zuhörern, und redete nichts, als was zweydeutig, und auf mancherley Weise ausgelegt werden konnte.

Im Jahr 1640 sagte Cromwell bey einer Unterredung, so er mit dem Ritter Chichelay von der Religion hielt, zu ihm:

Ich könnte euch wohl sagen, was ich nicht wollte, aber ich kan euch nicht sagen, was ich gerne wollte.

Zweydeutige Worte, daraus man Cromwells Vorsatz, eine Gesellschafft, worinnen alle Religion gleichgültig wäre, zu stifften, abnehmen kan. Man wird hierinnen noch mehr bestärckt, wenn man auf die Art, deren er sich im Jahr 1648 eine Menge verschiedener Secten zu vereinigen bemühete, Achtung giebt: darunter befanden sich Presbyterianer, Independenten, die sich schmeichelten, daß sie in allen Regierungs-Arten bestehen könnten, eine Art von Leuten, deren Ansehen die Armee unterstützte, und die, wie sie sagten, vor die freye Religions-Uibung in Engelland stritten (les Agitateurs): eine andere, deren Hauptzweck die Abschaffung aller monarchischen Gewalt war (les Niveleurs): mit einem Wort, viele andere Parteyen, die in ihren Meynungen qantz unterschieden waren, die er aber alle durch seine Geschicklichkeit zu vereinigen wuste.
Dieses erste Unternehmen brachte er mit Nutzen zu Stande, und ließ es bloß eine Zeitlang fahren, um sich mit einem andern, so seiner Aufmercksamkeit nicht weniger würdig schiene zu beschäfftigen. Das war die Verbesserung der Policey in Engelland, woran zu arbeiten ein hefftiger Streit, der sich zwischen dem Parlament und den Soldaten 1647 erhoben hatte, ihn veranlaßte. Das Parlament, so noch des Königs Carls Partey hielte, suchte ihn noch immer wider die Armee, so ihm feind geworden, zu schützen: Cromwell aber wuste die uneinigen Mitglieder so wohl zu tractiren, daß er ihre Empörung durch die Versicherung, daß sie ehestens befriedigt werden sollten, stillte. Allein diese Ruhe, so er wieder hergestellt, war bloß eine günstige Zeit, so er, die Gemüther geschickt zu versuchen, und die unermeßlichen Proiecte, so er beständig im Kopff hatte, nach ihrer verschiedenen Beschaffenheit zu unternehmen, anwenden wollte.

Er zeigte auch 1648 die Früchte in der That, so er in dieser Zeit gesammlet hatte. Da, er eines Tages mit seinem Vertrauten, Ireton, ins Parlament gekommen, hielt er eine Rede, in welcher er ungescheut versicherte,

daß, da Carl aus einem Vater des Volcks ein Tyrann worden, ihm Engelland nicht mehr unterworffen sey, sondern daß die Nation sich künfftig selbst regieren sollte. Daß wenn das Parlament nicht gesonnen wäre, etwas zu Wiederherstellung der Freyheit beyzutragen, er, Cromwell, ihm vor die Vortheile, so sich die Nation verschaffen könne, nicht verbunden seyn, sondern sie durch die Soldaten, so unter seiner Anführung stünden, und die die einzige Hülffe von Engelland werden sollten, erhalten wolle.

Man glaubte damals nicht, daß Cromwell bey dieser Red bloß die Abschaffung des Königs, um dem Volcke die höchste Gewalt einzuräumen, zum Zweck gehabt: nein, sein Vorsatz erstreckte sich viel weiter, indem sein Unternehmen zu der Zeit, da er die von der Königlichen Partey, die Presbyterianer und Independenten, mit der Hoffnung eines eingebildeten Friedens unterhielte, eine neue Krafft bekam. Er hatte solches bereits einigen seiner Freunde, als Algernon Sidney, Newil, Martin Wildmannen, Harrington, Monk, Fairfax, und unzehlig andern, so dem König und Parlament im Hertzen feind waren, entdeckt. Sie hatten schon einige heimliche Zusammenkünffte, um die Mittel, es sicher anzufangen und klug auszuführen, zu finden, gehalten: welches mich unvermerckt auf die Erzehlung desienigen, was unter ihnen den ersten Tag, als sich Cromwell darüber mit ihnen beredete, vorgieng, führt.

Er bediente sich im Jahr 1645, als er seinen Freunden auf seine, und derer, die seine Absicht kennten, Unkosten, ein Gastgebot gab, der guten Gelegenheit, sich der gantzen Gesellschafft zu entdecken. Nachdem man beyderseits starck getruncken, und von der Religion und Freyheit obenhin geredet hatte, brachte Cromwell anfänglich die Gesellschafft, in welcher sich viele Parlaments-Glieder, Presbyterianer und Independenten, befanden, auf den traurigen Zustand, worinnen sich Engelland befände. Er zeigte mit grosser Beredsamkeit, wie viel diese unglückliche Nation von den Spaltungen in der Religion und Policey auszustehen hätte, er stellte ihnen vor, was es so klugen Leuten vor eine Schande wäre, daß sie ein so schreckliches Uibel nicht zu hemmen suchten. Kaum war Cromwell so weit, als Ireton, welcher Zeit gehabt, sich auf seine Rede gefast zumachen, mit Ungestüm aufstand, und nachdem er die Gesellschafft voller Grimm angesehen, ihr die Nothwendigkeit, so viel einander entgegene Parteyen, die die Geissel des Volcks wären, zum gemeinen Besten zu vereinigen, vorstellte. Er fügte voller Feuer hinzu, daß er weder Gut noch Blut schonen wollte, einem so grossen Unheil abzuhelffen, und denen Menschen den Weg zu zeigen, das Joch, so sie drückte, abzuwerffen, und das eiserne Scepter, worunter sie seuffzeten, zu zerbrechen: daß man aber, um dieses grosse Werck recht anzugreiffen, alle Gewalt, so die Rechte der Nation verrathen, zerstören müsse. Hierauf wendete er sich zu Cromwell, und bat ihn, seine Meynung hierüber zu sagen.
Cromwell stand gleichfalls auf, und stellte nach vielen Geberden und Gleichnissen, seine Zuhörer desto besser vorzubereiten, die Verehrung Gottes, die Notwendigkeit, Gewalt mit Gewalt zu vertreiben, und unsers gleichen von Unterdrückung und Tyranney zu befreyen, in zweydeutigen Ausdrückungen vor: und nachdem er sogleich aufgehört, wollte er die Neugiergkeit der Gaste noch mehr erregen, indem er ihnen vorstellte, daß er ein sicheres Mittel, dieses große Unternehmen auszuführen, Engelland aus seinem Verderben zu reissen, und den verlangten Frieden wieder herzustellen, wisse: und daß endlich dieses Mittel, wenn es der Welt bekannt gemacht worden, den Danck der Menschen verdienen, und das Andencken seines Erfinders bey der spätesten Nachwelt in Ruhe erhalten würde.
Man that bald, was Cromwell wünschte, und kaum hatte er zu reden aufgehört, als ihn ieder Gast bat und ersuchte, dieses vortreffliche Mittel zu offenbaren: An stat aber, daß er sich durch ihr wiederholtes Bitten hätte bewegen lassen sollen, so machte er vielmehr ihre Neubegierde noch mehr rege, da er ihnen bescheidentlich antwortete, daß ein so sonderbares Vorhaben die Macht eines Menschen überwöge, und er allein nach der Nichtigkeit seiner Absichten und der Grösse seines Muthes anfangen könne, da er zugleich, es allein auszuführen, nicht im Stande wäre, er lieber in geheim seuffzen, und an dem allgemeinen Unglück Theil nehmen, als Leute, die vielleicht zaghafft genug wären, sich dadurch in Furcht setzen zu lassen, der erschrecklichsten Gefahr aussetzen wolle.

Welche Verschlagenheit, welche List konnte besser ausgesonnen, welche Politic sinnreicher seyn, seine Absichten zu verheelen, und sie doch unvermerckt auszuführen. Unter allen, die sich mit Cromwellen an der Tafel befanden, war nicht einer, dessen Naturell er nicht hätte genau kennen sollen. Diese erstaunliche Einsicht, die ihm selbst in den Hertzen seiner Feinde die geringsten Bewegungen, so darinnen vorgiengen, zeigte, hatte ihn unstreitig bey der Wahl derer, so er zu seinen Gehülffen erwehlt, nicht verlassen. Es giengen deswegen einige Augenblicke vorbey, da er nichts that, als daß er lachte und mir seinen Freunden schertzte, um sich dieselben noch mehr zu versichern, und aus iedem Hertzen sein letztes Geheimniß zu bringen, da er indessen das seinige in einer dicken Finsterniß verbarg. Das Bitten gieng indessen von neuem an, und wurde mehr als zuvor, sonderlich von seinen Vertrauten, mit denen er es abgelegt, unaufhörlich in ihn zu dringen, verdoppelt.

Cromwell gab sich endlich, und sagte, nachdem er viel von der Wichtigkeit einer solchen Entdeckung gegen seine Gäste gesprochen, daß er zwar bereit wäre, ihnen sein Vorhaben zu eröffnen, allein mit der Bedingung, daß ieder Anwesender sich durch einen Eid verbinden müste, niemanden, er möchte seyn wer er wollte, etwas davon zu entdecken, und seinen Vorsitz, und die Art, ihn auszuführen, ohne alle vorgefaßte Meynung, zu betrachten. Die Bedingungen wurden einmüthig angenommen, und da Cromwell, was er verlangt, erhalten, so fiel er auf die Knie, und nahm mit aufgehabenen Händen Gott und das gantze himmlische Heer zu Zeugen seiner Unschuld, und reinen Ablichten. Dieses Gebet war von einer prächtigen Sammlung von hohen Ausdrückungen begleitet, nach dessen Endigung er sich zu denen Gästen wandte, ihnen sagte, daß die Zeiten, ihnen, was er versprochen, zu offenbaren, noch nicht gekommen, und eine göttliche Eingebung, so er eben empfunden, ihn solches noch 4 Tage aufzuschieben verbände, nach deren Verfliessung er sie ersuchte, sich in Kingsstreet, Abends um 6 Uhr, einzufinden.
So groß die Begierde und das Warten eines ieden war, dieses wichtige Geheimniß zu erfahren, so muste man solches doch bis auf den vom Cromwell angesetzten Tag versparen, und aus einander gehen, nachdem man das Versprechen, nichts von dem, was man gesehen, bekannt zu machen, wiederholt, welches um so viel leichter zu halten war, da Cromwell noch niemanden etwas entdeckt hatte.

Do endlich der vierte Tag anqebrochen, begab sich ieder an den angewiesenen Ort, obschon nicht ohne Besorgniß, daß Cromwell einen neuen Besuch von dem guten Geiste bekommen haben, und alle wie zuvor wieder nach Hause schicken möchte. Das mal aber hatte er sich so wohl mit dem Himmel vertragen, daß die Cerimonie ihren Anfang nahm. Er führte demnach diesen Hauffen in ein finsteres Zimmer, wo er ihn durch lange Gebete vorbereitete, in welchen er sich anstellte, als ob er mit denen seligen Geistern in einer genauen Bekanntschafft stünde. Da dieses Vorspiel aus war, redete er die gantze Versammlung an, und sagte, er sey gesonnen, eine Gesellschafft zu stifften, deren Endzweck sey, Gott die schuldige Ehre, und Engelland den gewünschten Frieden wieder zu geben, daß aber ein Vorhaben von dieser Wichtigkeit eine unendliche Klugheit und eine vollkommene Geschicklichkeit erfodere. Endlich streute er unvermerckt einem ieden, so sich im Zimmer befand, Weyhrauch, und nachdem er sie durch die Lobeserhebungen, womit er sie überhäuffte, dahin gebracht, wohin er sie haben wollte, so gab er ihnen zu verstehen, daß er im Sinne hätte, eine gewisse Cerimonie bey der Aufnahme eines ieden neuen Anhängers zu beobachten, welche dieser sich gefallen zu lassen verbunden wäre: da nun in solcher nichts, als was sich auf Gott bezöge, wäre, so hielt er es vor nöthig, sie einzuführen, wenn anders die Gesellschafft darein willigen wollte.
Man nahm diesen Vortrag durchgängig an, und nachdem er die Stimmen aller Anwesenden gesammlet, so lase er fünffe unter ihnen aus, die Plätze, davon wir im folgenden reden wollen, zu bekleiden: er gab zweyen den Nahmen der Aufseher, einen machte er zum Secretär, einen zum Redner, und einen zum Meister. Nachdem er diese neuen Aemter ausgetheilet, ließ er den Hauffen aus dem Zimmer gehen, um ihn in ein anderes, so man mit Fleiß dazu zu rechtegemacht, und auf dessen Fußboden man den zerstörten Tempel Salomons gemahlt hatte, zu führen. Aus diesem neuen Zimmer ließ er die Anwesenden noch in ein anderes treten, nachdem er ihnen befohlen, ihre Gebether zu verdoppeln, um sich würdig zu machen, endlich in dasienige, so der Mittelpunct des Lichtes, das sie erleuchten sollte, zu treten.
Er selbst, nachdem er vorausgegangen, schickte einen Aufseher zu seinen Schülern, der einen ieden höflich bitten muste, sich die Augen verbinden zu lassen, bis man ihn an den Ort, der zu seiner Ausnahme bestimmt wäre, geführet. Die Begierde, hernach desto heller zu sehen, machte, daß iederman einwilligte. einen Augenblick das Tages-Licht zu missen, welches auch so gleich ohne Ansehen der Person vollzogen wurde.

Da die gantze Cerimonie geendiget, und einem ieden die Binde abgenommen worden, so war die Policey und Religion das erste, womit sie Cromwell unterhielt. Er zeigte den Presbyterianern und Independenten, wie sie sich unter einander vereinigen, und die nichtswürdigen Fragen, die, ohne in der Hauptsache etwas zu ändern, bloß die Gemüther erbitterten, und die zärtlichste Liebe in den unversohnlichsten Haß verkehrten, fahren lassen sollten.

Cromwell muß bey dieser Gelegenheit gewiß alle seinen feinen Verstand angewendet, die völlige Macht seiner Beredsamkeit gezeigt, und die Heucheley und Verstellung mit dem wundernswürdigsten Fortgang aufs äusserste getrieben haben, da er zwischen Leuten, deren Herzen von so unterschiedenen Neigungen eingenommen waren, eine Vertraulichkeit und vollkommene Freundschafft stifften können.
Bey dieser Gelegenheit nun erklärte er ihnen seine Lehre und Meynung von der Religion, die wir oben angeführet haben. Endlich kam er auf das Uibel, welches so viele Veränderungen im Staat gemacht, und zu vielen einander gantz entgegenen Parteyen Anlaß gegeben hätte. Er setzte hinzu, daß man solchem nicht begegnen könne, ohne bey dessen Ursprunge anzufangen, und die Wurtzel desselben gäntzlich abzuhauen.

Um ihnen aber einen rechten Begriff von diesem Unheil zu machen, erklärte er ihnen die Beschaffenheit der drey Regierungs-Arten, der Monarchischen, Aristocratischen und Democratischen.

Und ob er schon im. Eingange gesagt, daß diese drey Regierungs-Arten, wenn man sie an sich betrachtete, vollkommen wären, und er vor keine mehr Neigung als vor die andere habe, sondern derienigen, welche die göttliche Vorsicht beliebte, beytreten wollte, so waren doch seine Freunde abgerichtet, zu behaupten, daß die Monarchie keine gute Regierungs-Form, weder in Absicht auf die ietzigen Umstände, noch an sich selbst, wäre. Sie wendeten zu Erweisung ihres Satzes viele Gründe an, und bemüheten sich die Errichtung einer Republic, worinnen iedermann eine vollkommene Freyheit und Gleichheit hätte, anzupreisen. Sie brachten die Beweise, die sie anführten, mit so viel Überzeugung vor, daß dieienigen selbst, die diesem Vorhaben am meisten zuwider gewesen, dermaßen wanckten, daß sie nicht wusten, wozu sie sich entschliessen sollten, und vor keine Parthey mehr Neigung, als vor die andere, hatten.
Worauf der geschickte Cromwell, der ihre Unschlüßigkeit so gut in ihren Gesichtern lase, als ein ieder die sine im Spiegel siehet, der Wage mit einer treflichen Kunst den Ausschlag gab, indem er, wie Kudlow erzehlet, sagte:

Er wäre von den Gründen, welche die Ausführung seines Vorhabens bestätigten, vollkommen überzeugt, allein er zweifelte, daß die Mittel, es zu stande zu bringen, so leicht seyn möchten.

Diese Antwort war über alle massen fein, indem er dadurch einen Versuch that, wie weit er mit seinem Vorhaben durchdringen würde, sich des Geschmacks seiner Zuhörer versicherte, und sie auf seine Seite zog, ohne sich zu stellen, daß solches seine Absicht wäre. Es war nun also ietzt nicht mehr die Frage von seinem Vorhaben, sondern von den Mitteln, es auszuführen. Sie gaben sich einander beym Abschiede die Hände zum Zeichen der Treue, des Stillschweigens und der Eintracht.

Kaum hatte Cromwell die Gesellschafft verlassen, als er nach den Regeln der Politic nicht zufrieden war, den Samen seiner Meynung in die Hertzen der Glieder seines neuen Ordens ausgestreuet zu haben, sondern er that alles, um ihn zu erhalten, zur Reife zu bringen, und die Früchte, darauf er sich Hoffnung gemacht, einzusammlen. Weil er also befürchtete, es möchte ein ieder seine Meynung ändern, oder wenigstens in eine Unschlüßigkeit gerathen, wenn er sich selbst überlassen wäre, und Zeit bekäme, allzufleißig nachzudencken: so stattete er sogleich, als man aus einander gegangen war, bey einem Mitglied nach dem andern seinen Besuch ab, und fing bey seinen Freunden, die sich nebst ihm über den Fortgang seines Vorhabens freueten, an. Es war ietzo nichts mehr übrig, als daß man es zu Stande brachte, woran Cromwell gar nicht zweiffelte, ob er schon nicht gantz ohne Unruhe war. Diese suchte Ireton, wie der angeführte Ludlow berichtet, durch folgende Worte zu vertreiben:

Ihr verstehet die Kunst ihnen liebzukosen, und schöne Worte zu geben, wenn ihr ihrentwegen in Sorge seyd.

Nachdem er dieses nach seiner gewöhnlichen Art gethan, wendete er sich zu den Officirern, die er mit gleicher Geschicklichkeit auf seine Seite brachte, so daß, nachdem er ihnen die Grunds«« seiner Lehre angenehm gemacht, nichts mehr übrig war als daß er sich ihrer Gewalt bediente. Hier legte er nun eine neue Probe von seiner grossen Verstellung und seinen Künsten ab, indem er unter denen Officirern und Soldaten, so sich an dem Ufer der Twede befanden, einen Aufruhr erregte, und ihnen sein Vorhaben, die Freyheit wieder zu erlangen, und das Joch der Knechtschafft abzuschütteln, bekannt machte.

Wenn das Feuer der Zwietracht unter den Truppen einmal angezündet worden, so ist niemand dessen Wut Einhalt zu lhun vermögend. Der General der Armee Fairfax, der dem Cromwell gantz und gar ergeben war, bließ das Feuer zuerst an, und Cromwell unterhielt es durch tausend Scheingründe so wohl, daß die Truppen dem Parlement eine weitläufftige Klage zuschickten, darin man unter andern diese Worte las:

Man muß den König gantz von der Regierung ausschliessen, ihn, als die -Haupt-Ursache alles Unglücks im Reiche, nach den Gesetzen straffen, dem Prinzen von Wallis und Herzoge von Yorck einen Tag, daran sie vor dem Parlament erscheinen sollten, ansetzen, und sie, wann sie sich nicht stellten, vor Verräther erklären, das Parlament endigen, und ein neues zur Sicherheit der Nation zusammen beruffen: es sollte künfftig kein König anders als durch die Wahl zum Regiment gelangen, und solches als ein Gut, das ihm das Volck unter gewissen Bedingungen anvertrauet, besitzen.

Die Glieder des Parlaments waren nicht alle mit diesen Beschwerden der Armee zufrieden, sondern die, so Cromwells Lehre nicht angenommen, wollten sich der stoltzen Verwegenheit der Truppen wiedersetzen. Nach einem hefftigen Streite, der einen gantzen Tag und Nacht daurete, ward den 5 December 1648 beschlossen, das Parlament sollte der Armee willfahren und den Frieden im Reiche und in der gantzen Nation wieder herstellen. Cromwell aber hatte kaum von dieser Widersetzung, und dem Widerspruche, so die Verordnung der Cammer aufgehalten, Nachricht bekommen, als er, daß seine Anhänger ihre Meynung ändern möchte, besorgte: deswegen er sich durch sich selbst von der Ausführung seines Vorhabens versichern wollte.

Er versammlete demnach selber die Häupter der Armee, so seine Freunde waren, zeigte ihnen die Notwendigkeit, gerade auf London loszugehen, und sagte:

das Loß ist geworffen, wenn unsere Feinde die Oberhand behalten, werden sie uns als Verräthern und Missethätern begegnen, deswegen ist hier kein ander Mittel, wir müssen entweder siegen oder sterben: wir wollen alle unsere Gewalt anwenden, und die Ausführung unsers Vorsatzes beschleunigen.

So groß war Cromwells Verschlagenheit; die von der gegenseitigen Partey mochten seine verdächtigen Absichten ausführen wollen, oder nicht, sie mochten sie vor recht oder unrecht halten er hatte sie einmal an den Rand eines Abgrundes geführet, da sie weder hinter sich, noch sich aufhalten konten, und das eintzige, was sie erwehlen musten, war fortzugehen. Da sie also durch die Notwendigkeit und Cromwells Hefftigkeit hingerissen worden, gingen sie gerade auf London los, brachen in Westmünster ein, und bemächtigten sich der Thüre des Parlements. Sie nahmen 42 Glieder desselben, so sich dem Verlangen der Armee widersetzten, gefangen, und wehrten denen übrigen den Eingang. Der Rest der Presbyterianer, die vor Furcht über das, was ihren Freunden und Anhängern begegnet, ausser sich waren, überließ die Verwaltung der öffentlichen Geschäffte ungefehr 150 Mitgliedern, die entweder der Officiers, so den beständigen Entschluß, Cromwells Befehle auszuführen, gefaßt, oder wenigstens seiner Partey zugethan waren. Von dieser Art waren die Parlaments-Glieder, denen der Oberst-Lieutenant Axter die Meynung der Truppen

vom Frieden und der Sicherheit des Englischen Volcks, ingleichen von der Straffe, welche man dem Könige, als dem Urheber der Unruhe, als einem Verräther und Tyrannen anthun müsse,

einhändigte.

Als dieses eben im Parlament vorgieng, fand sich Cromwell mit einer Menge seiner Freunde und Anhänger daselbst ein: und kaum zeigte er sich, so rufften alle, mit lauter Stimme, er sey der Befreyer der gantzen Nation, man erkenne seine Dienste mit Danck. Angenehmer Zuruff! welchen der falsche Cromwell nach seiner Gewohnheit mit grossem Schein der Demuth annahm, und Gott dem Urheber des Sieges alles, sich selbst nichts, zuschrieb.

Da Cromwells Lob geendigt war, schlug man vor, und faßte den Entschluß, daß man wider den König gerichtlich verfahren müste; worüber iedeman frohlockte, Cromwell aber aufstand, und mit seiner gewöhnlichen Verstellung sich erklärte: daß, wenn iemand dergleichen Vorschlag aus Ehrgeitz thäte, er ihn vor den ärgsten Verräther hielte; da aber die Vorsorge und Nothwendigkeit das Parlament dazu zwinge, so bäte er Gott, die Entschliessungen der Cammer zu segnen, ob er schon ietzt nicht bereit wäre, ihr seine Meynung darüber zu sagen.

Cnomwell blieb in dieser äussersten Politic und Verstellung, weil noch verschiedene Glieder im Parlament waren, die, ob sie schon seine Partey hielten, ihm doch mehr aus Furcht als aus Lust folgten. Daher kam es, daß Cromwell den Entschluß wider den König, obschon mit grosser Verstellung, trieb. Er wandte alle seine Beredsamkeit und Entzückung an, und hielt eine lange Rede, worinnen er sich öffentlich erklärte:

1) daß das Volck nach Gott die Qvelle aller rechtmäßigen Macht sey;
2) daß die Cammer der Gemeinen, so das Volck erwehlte, die eintzige und höchste Macht bey der Nation habe;
3) daß alles, was die Cammer der Gemeinen, die im Parlament versammlet wäre, beschlösse, die Gewalt eines Gesetzes ohne Einwilligung des Königes habe.

Bey eben dieser Gelegenheit ernannte man die Richter, den König zu verurtheilen. Der Proceß fieng sich den 22 Jenner an, und die Ursachen der Anklage waren folgende:

Er hätte eine tyrannische Regierung einführen wollen, und in dieser Absicht einen grausamen Krieg entsponnen und unterhalten, durch welchen die öffentliche Ruhe gäntzlich vertilget, die Schatz-Kammer erschöpfft, viel tausend Personen ums Leben gebracht, und unzählich anderes Unglück erreget worden.

Hierauf hielt Cromwell mit vieler Beredsamkeit eine Rede, und da er allezeit die vorige Meynung hegte, behauptete er ungescheut, daß wenn ein König die Treue, so er dem Volke schuldig wäre, im geringsten hintansetzte, solches weit strafbarer wäre, als ein ander Laster, es möchte seyn, welches es wolle, bey einer Privatperson: indem die erstern die Besitzer der Gerechtigkeit, des Friedens und der Treue wären, das ist, dieienigen, so über die Beobachtung derselben halten sollten, da hingegen die letztern sie bloß vor sich zu beobachten hätten.
Was den Eid, den die Unterthanen geschworen, anlangt, so antwortete er:

die Unterthanen hätten dem König zu Vertheidigung der wahren Religion treu zu seyn geschworen, wenn es nun offenbar wäre, daß der König eine Hinderniß derselben sey, und man solche, ohne ihn aus dem Wege zu räumen, nicht ausbreiten könne, so wären sie ferner an ihren Eiid nicht gebunden. Er fügte hinzu: sie hätten sich durch einen Schwur verbunden, alle übelgesinnte, die Mordbrenner, die Feinde des gemeinen Volcks, zu straffen, und dieses müsten sie unparteyisch beobachten Wer waren aber dieienigen, (sagte Cromwell) an denen man ein Exempel bewiesen? geringe Uibelthäter, die auf Befehl des Königes böses begangen hatten.

Da also Bradshaw, der damalige Redner der Cammer, am 17 Jenner zur Rechtfertigung des Parlament« eine lange Rede über den Satz: das Volck hätte die gröste Gewalt, und die Cammer der Gemeinen stellte das Volck vor, gehalten hatte, so sprachen die Richter, die durch die Meynung von Gerechtigkeit und Billigkeit, die Cromwell in den öffentlichen und Privat-Versammlungen einschärffte, gantz eingenommen waren, das Todes-Urtheil über den König. Es war in folgenden Worten verfaßt:

der Hof verdamme wegen aller dieser Verrätherey und Laster Carl Stuarten als einen Tyrannen, Verräther, Mörder und Feind des Volcks, zum Tode, und daß ihm der Kopf abgeschlagen werden solle,

welches auch den 30 Jenner erfolgte.

Die königlichen und fürstlichen Gesandten baten Cromwellen, den Tod des Königes, weil es etwas unerhörtes wäre, zu hindern, und dieses um so viel mehr, weil er selbst bisher eine grosse Treu gegen ihn blicken lassen; er antwortete aber ungescheut:

Es komme nicht auf ihn, sondern auf die Armee an, und ob er schon ehedem einige Worte von dieser Art fahren lassen, so hätten sich doch die Zeiten anietzo geändert, und die Vorsicht schiene es anders zu verordnen. Er habe vor den König gebetet und gefastet.

Er schloß endlich:

Er wäre, wie viel andere, der Meynung, man dürfte den ordentlichen Regeln der Moral nicht folgen, wenn man seinem Vaterlands einen ausserordentlichen Dienst erweisen könte.

In welchen Umständen sich, wie er glaubte, die Richter in Israel ehemals befunden hätten.

Nach des Königs Tode war Cromwells erste Sorge, um die Unternehmungen derer, so ihm bey der Einrichtung der Republic im Wege seyn konten, durch einen Parlaments-Schluß bekannt zu machen:

Sie hätten erfahren, daß die königliche Würde unnütze, beschwerlich und der Freyheit, der Sicherheit, dem Besten der Nation, schädlich sey, und daß sie gantz abgeschafft werden müste.

Hierauf beschloß man, die Regierung sollte künfftig in den Händen der Vornehmsten seyn, und verordnete eine Art von einem Staats-Rath, so aus 40 Personen, worunter Cromwell selber war, bestand, die den Titel der Beschützer der Englischen Freyheit bekamen. Sie waren alle seine Freunde oder Anhänger. Sie erdachten eine neue Eides-Formul, wodurch die Unterthanen sich verbanden, dem neu errichteten Regiment, ohne König, ohne dem Ober-Hause, getreu zu seyn. Diesem Regiment gab man völlige Gewalt, Truppen zu werben, und die Einrichtung der Armee und Flotte zu machen.

Da also der Grund dieser neuen Republic geleget worden, so war nichts mehr übrig als auf die Mittel, sie zu erhalten und zu befestigen, bedacht zu seyn. Cromwell glaubt nicht, daß die Lehre von Religion und Freyheit, so er predigte, hierzu genug sey: sondern daß man alle die, so sich seinen Absichten widersetzten, aus dem Wege räumen müste. Diese Politic war Ursache, daß er dem Hertzog von Hamilton, dem Lord Capel und vielen andern den Proceß machen und die Köpffe abschlagen ließ.
So blieben Cromwells Anhänger im Besitze der obersten Gewalt und Freyheit, die zu Ausführung seiner Befehle nöthig waren. Ist es also zu verwundern, daß diese Gedancken von Religion und Politic sich bald in gantz Engelland ausgebreitet? Er selbst war unermüdet in Ermahnen, Bitten, Drohen und Vorstellen, und wandte List, Gewalt und Schmeicheley an. Er schickte oder hinterließ Abgeordnete nicht nur in den vornehmsten Städten Engellands, sondern auch in Schottland und Irrland, welche Reiche er durch die Gewalt seiner Waffen bezwungen hatte. Ihre Verrichtung war, die Gesellschafft zu stifften, oder zu befördern.
Da die Truppen in Winter-Qvartieren lagen, war der muntere und wachsame Cromwell überall, und unterredete sich mit iedem Officier, um ihn bey seiner Neigung zu erhalten. Die abwesenden benachrichtigte er durch Briefe, so er ihnen unaufhörlich schrieb, und worinnen er alles anwendete, um sie bey einer Gesellschafft, die, wie er sagte, der Nation die grösten Vortheile bringen sollte, beständig zu erhalten. Das Ende von allen diesen Briefen war eine Ermahnung, Gott, den Herrn aller Dinge, allein zu preisen.

Alles dieses ereignete sich in der Ordnung, wie wir es erzehlet, bis auf das Jahr 1650, da ein Buch unter dem Titel Character des Königs Cromwells herauskam, darinnen man den Grund seiner neuen Einrichtung nach der Länge zeigte, und durch eine Art von Prophezeyung von ihm als von einem Menschen redete, der ein Tyrann von Engelland werden, und diesem Reiche ein bis anhero unerhörte Gestalt geben würde. Und gewiß, alle sein feines und verstelltes Wesen, und die Sorgfalt, sich niemanden ohne ihn recht zu kennen, bloß zu geben, hinderte nicht, daß man ihn offtmals beschuldiget, er habe den Frieden und die gemeine Ruhe gebrochen, und eine neue Religion und Policey eingeführet.
Herr Hollis, der Ritter Stapleton, Meyrier und andre klagten über Cromwellen als einen Mordbrenner, der sich in Engelland und Schottland mit denen, so die Flamme der Zwietracht und Uneinigkeit in dem Reiche angeblasen, verbunden hätte, welches man als den Grund, ihn vor einen Feind des Vaterlandes zu erklären, ansahe, ob es ihm wohl nicht an Geschicklichkeit mangelte, diese Beschuldigung von sich abzulehnen. Diese Freunde, so an seinem Verbrechen Antheil hatten, dienten ihm zugleich zu Zeugen seiner Unschuld und seiner aufrichtigen Neigungen gegen das gemeine Wesen.

Grimston verklagte ihn einmal vor dein Parlament, daß er die Hände an einige Mitglieder desselben legen wollen, und führte disfalls Zeugen an. Cromwell aber fiel auf die Knie, und sprach ein Gebet, worinnen er Gott zum Zeugen seiner Unschuld anrieff. Er that solches, mit viel Feuer und Thränen, und hielt eine so lange Rede zu seiner Rechtfertigung, daß er die Cammer verdriesslich machte, dabey er sich so wohl zu stellen wuste, daß man dem Angeben seiner Feinde keinen Glauben beymaß. Gleichwohl war er kaum aus dem Parlament gegangen, als er sich zur Armee, und von dar wieder nach Londen begab, und, wie wir oben gemeldet, einige Mitglieder des Parlaments, denen er nicht trauete, fortiagte. Ob er schon seine Politic, seine Verstellung und Betrügerey, bey dieser und vielen andern Gelegenheiten aufs beste in Acht nahm, so lieff er doch Gefahr, unter der Gewalt seiner Feinde zu erliegen, und vor einen Rebellen erklärt zu werden.

Cromwell that denen Truppen allen Vorschub, wiegelte sie gegen das Parlament auf, und beschützte sie in geheim. War er im Gegentheil im Parlament, so schiene er, nach der äussersten Verstellung, so er besaß, die er aber mit der vollkommensten Geschicklichkeit verbergen konnte, über die Verwegenheit der Soldaten verdrießlich zu seyn, und zog gegen ihre Kühnheit mit vieler Hefftigkeit los. Er schlug vor, Fairfax, um die Rebellion, wie er sagte, zu dämpffen, zur Armee zu schicken, und man glaubte seinen Worten so leichte, daß man ihn offt selbst dahin abordnete, um die Aufrührer wieder zum Gehorsam zu bringen. Wenn er etliche Tage bey der Armee zugebracht, und sie in dem Vorsatz, sich aufzulehnen, gestärckt hatte, so kam er wieder ins Parlament, beklagte sich über die ungebundene Freyheit der Soldaten, und fügte einsrnals hinzu, daß ihn seine Feinde durch ihre Künste so verhaßt bey ihr gemacht, daß man den Vorsatz, ihn umzubringen, gefaßt, wo er sich nicht beyzeiten davon gemacht hätte. Bey dieser letzten Gelegenheit merckten viele seine Arglist, und wollten ihm den Proceß machen, wenn er nicht durch andere Kunst-Stücke, die. ihn gleichwohl nicht von allem Verdacht befreyten, dem Netze entgangen wäre.

Ehe ich weiter fortgehe, so muß ich mit der Loge Erlaubnis die vollkommene Gleichheit ihrer Gesetze mit Cromwells Naturell dem Leser zeigen.
Wie wahrscheinlich ist es nicht, wenn man auf ihre Meynungen von Religion und Policey, auf ihre Neigung zu Entzückungen, einer figürlichen Schreibart und dunckeln Worten, auf ihre Freyheit und Geschicklichkeit ihre Meynung, ohne sie vorzutragen, kund zu thun, auf die Gründe, so sie anführt, Achtung gieb, daß man auf den Verdacht geräth, daß sie eine neue Religion, und bishero unbekannte Regierungs-Form, worinnen alle einander gantz gleich, und alle vollkommen frey sind, einführen wollen?

Was die Art, womit sich die Freymäurer gegen die Beschuldigungen ihrer Feinde vertheidigen, anlangt, findet man nicht auch darinnen eine vollkommene Aehnlichkeit mit derienigen, welcher sich Cromwell bediente. That er nicht eben so wohl, als wie sie, die stärckste Versicherung von seiner Liebe, Treu und Gehorsam? Und wer kan uns gut dafür seyn, daß die Gesellschafft nicht in der That anietzo beschäfftiget sey, sich in die gehörigen Umstände zu setzen, um einmal mit ihrem ersten Groß-Meister sagen zu können:

nicht wir, sondern die Armee sind daran schuld, und ob wir schon ehemals dergleichen Reden geführet haben, so haben sich die Zeiten doch ietzo geändert, und die Vorsorge hat es anders geordnet, wir haben vor die Könige gebeter und gefastet.

Sollten sie nicht endlich glauben,

daß wenn man seinem Vaterlande ausserordentliche Dienste zu erweisen beruffen ist, man denen gemeinen Regeln der Moral nicht folgen dürffe?

Das sind Cromwells Reden, so wir oben angeführet haben, und die sie gleichfalls so, wie seine andern Sätze, und Reden einmal brauchen können. Der Leser kan endlich eine andere vollkommen ähnliche Aufführung zwischen denen Freymäurern und Cromwellen darinnen finden, daß sie ihre Absichten gantz unvermerckt bekannt machen, und sie, wenn die Zeit einmal kommen wird, so wie er, offenbaren werden.
Unterdessen haben sie dieses mit ihm gemein, daß sie gleich wie er, fast in allen Ländern zum öfftern verschiedener Laster beschuldigt werden. Man glaubt, daß sie den Vorsatz hegen, die Religion über den Hauffen zu werffen, und das Regiment zu ändern. Man hat sie folglich zum öfftern verfolgt: in Italien hat sie der Pabst in Bann gethan, der Rath zu Venedig und der König von Sardinien aus seinen Ländern verbannt; die Königin von Ungarn hat sie vor einigen Jahren zu Wien in Oesterreich verfolgt, die Staaten von Holland haben endlich ihre Zusammenkünffte durch Befehle, so man an den Ecken der Strassen angeschlagen, untersagt.

Man hat alle Vorsicht gebraucht, ihre Ausbreitung in dem Russischen Reiche zu hindern. Zu Bern in der Schweitz hat man sie gezwungen, durch einen Eid, den sie vor der Obrigkeit abgelegt, auf alles, wozu sie sich bey ihrem Eintritt in den Orden anheischig gemacht, Verzicht zu thun, und an vielen andern Orten hat man sie des Landes verwiesen.
Was antworten sie auf die Verordnungen der Obern, so wider sie gemacht werden, als das, was Cromwell seinen Anklägern antwortete?

Das ist, was ein Meister der Loge in Holland, als er vor Gerichte erscheinen muste, um von dem, was in der Gesellschafft, davon er das Haupt war, vorgieng, Rechenschafft zu geben, geantwortet. Ich weiß nicht, ob er eben auf die Knie gefallen, aber das ist gewiß, und ich habe es vor einigen Monaten aus seinem Munde gehört, daß er ein Gebet gethan, darinnen er Gott zum Zeugen seiner Unschuld angeruffen. Er that solches mit vielem Feuer und Thränen, und hielt zu seiner Rechtfertigung eine so weitläufftige Rede, daß er die Versammlung gantz verdrießlich machte. Folgte er aber denen Befehlen der Obrigkeit, hörte er deswegen auf, die Loge zu halten? Nein, er fuhr fort, und thut solches bis auf diesen Tag, aber in geheim, und mit vieler Vorsicht, so daß das Verbot der Obrigkeit weiter nichts ausgerichtet, als daß es die Freymäurer nicht nur in Wahl neuer Mitglieder, sondern auch bey dem Halten der Loge aufmercksamer und behutsamer gemacht: welches sie aber noch gefährlicher macht, wenn man einmal glaubt, daß sie wircklich gefährlich sind.
Worinne besteht also ihr Gehorsam gegen die Obern? Sie können, an stat sich damit zu berühmen, ohne Verstellung sagen:

Ist es nicht wahr, daß in allen Ländern, so wir genennt, woraus man die Gesellschafft verbanne, solches nichts weiter genutzt, als daß sie zahlreicher, blühender und mächtiger geworden, und ihre Anschläge mit mehrerer Vorsicht gemacht hat.

Dieses zeigt uns in der That, und mehr als alles andere, die gröste Aehnllchkeit zwischen Cromwellen und dem Orden. Jener hat aller Gewalt und aller Gefahr ungeachtet in Engelland seinen Zweck erhalten. Dieser bekommt seine Krafft, wie der Blitz, durch den Widerstand, und vermehrt sich, wie die Lernäische Hydra ihre Köpffe, wenn man ihn bestreitet: und der Himmel gebe, daß diese Schrifft nicht vor die Fürsten und alle Welt ein eben so gewisser Prophet werde, als das oben erwehnte Buch, so zu Londen 1650 uner dem Titel: Character des Königs Cromwell, herausgekommen, vor Engelland gewesen.

Seitdem beförderte Cromwell seine und des Ordens Angelegenheiten so wohl, daß er im Monat December 1653 die höchste Gewalt, nebst dem Titel eine« Beschützers der drey Königreiche, Engelland, Schottland und Irrland, erhielt. Damals verschaffte er seinem Orden, wie sich ieder einbilden kan, einen mächtigen Schutz, der ihm erstaunliche Progressen zu machen behülfflich war. Ein ieder wollte in denselben treten, einer aus Schmeicheley, der andere aus Neugierigkeit, und der dritte aus Eitelkeit.

In wenig Jahren nahm gantz Engelland die Meynungen der Freymäurer an, und Cromwell war dermassen geliebt, daß man ihn vor etwas mehr als einen Menschen hielt, und ihm nicht nur den Titel eines Protectors im Jahr 1657 bestätigte, sondern auch den 26 Junius zu seiner solennen Crönung in dem Saal zu Westmünster ansetzte.

Man that ihm hier beynahe göttliche Ehre an, und verordnete, daß solches alle Jahre an diesem Tage wiederholt werden sollte. Man stellte ein Danck-Fest vor die Wohlthaten, so Gott der Nation unter seinem Regiment erwiesen, an. Der Orden stand damals auf dem höchsten Gipffel seines Ansehens, und ward in der Person seines Oberhaupts beynahe göttlich verehrt.

Ob er gleich die höchste Gewalt seit langer Zeit inbrünstig gewünscht, und alle List und Verschlagenheit, solche zu erhalten, angewendet, so stellte er sich indessen doch, als ob ihm solche gantz zuwider wäre, und er sie gantz gezwungen annehme. Wir wollen die arglistigen Künste, deren er sich bedient, den Königl. Titel, indem er ihn ausschluge, zu erlangen, nicht anführen, indem dieses nicht eigentlich, sondern nur in so weit, als solches einen Beweis von seiner äussersten Verstellung, geben kan, zu unserm Vorhaben gehört.

Hatte er bey diesem übermäßigen Ansehen und Ruhme viele Feinde, so besaß er auch die Geschicklichkeit, sich von ihnen zu befreyen. Seine Macht erhob sich so sehr, daß er die, durch deren Hülffe er groß geworden, stürtzen konnte, so bald sie den Vorsatz, ihr eignes Werck zu vernichten, mercken liessen. Konnte er sie nicht aus dem Wege räumen, so wuste er sie durch seine gewöhnliche Entzückung, so ihm bey nahe natürlich worden, durch dunckele Reden, und lange Gebeter, zu gewinnen.

Wir wollen eine seiner Reden als eine Probe anführen. Er hielt sie in einer Gesellschafft, da alle Presbyterianer, Republicaner, und Independenten, vor denen er sich am meisten fürchtete, beysammen waren. Er fiel auf die Knie, und ruffte Gott zum Zeugen an, daß er lieber einen Hirten-Stab, als das Protectorat annehmen wollen, indem seinem Naturell nichts mehr als eine solche Hoheit zuwider wäre. Es wäre aber nöthig gewesen, um die Nation vor der äussersten Verwirrung zu bewahren, und sie abzuhalten, der Raub ihres allgemeinen Feindes zu werden. Deswegen sagte er, hätte er sich diese Zeit über unter die Lebendigen und Todten begeben. bis ihnen Gott eingeben würde, auf was vor einen Fuß sie die Regierung einrichten sollten, und alsdenn wäre er willens, die schwere Last, so er auf seine Schultern genommen, mit so grossem Vergnügen, als die geheimen Schmertzen, so er bey diesem prächtigen Aussenwerck fühlte, empfindlich wären, abzulegen. Er stellte sich zugleich, als ob er mit diesen Leuten gantz freymüthig umgienge, und in seine vorige Gleichheit mit ihnen träte. Er machte seine Stubensthüre zu, ließ sie neben sich mit bedeckten Häuptern niedersitzen, um zu zeigen, wie wenig er sich auf den Vorzug, den er nur zum Schein bey dem Volcke anzunehmen verbunden wäre, zu gute thät, und endigte seine Unterredungen gemeiniglich mit einem langen Gebete.
Durch diese Verstellung suchte nun Cromwell die verschiedenen Secten nicht nur unter einander, sondern auch mit sich selbst zu vereinigen.

Wir beschuldigen den Orden nicht, daß er Cromwellen in allen nachahme, und sagen nicht, daß er sich von denen, so ihm verdächtig scheinen, loszumachen suche, sondern nur, daß er eben die Kunst-Stücke anwende, seine Gewalt durch die Zahl der Mitglieder auszubreiten. Da sein kluger Stiffter eine ungemessene Macht über Engelland, Schottland und Irrland erhalten, und sie in diesen drey Königreichen befestiget, so blieben seine grossen Unternehmungen und seine unergründliche Politic dabey nicht stille stehen, sondern die gantze Welt war der Vorwurff derselben, alle Völcker, die durch ihn zu ihrer natürlichen und angebohrnen Freyheit wieder gelangen sollten, sollten ihn einmal, gleichwie die Britannische Inseln als ihren Befreyer betrachten.

Seine grossen Absichten veranlaßten ihn demnach, eine Cammer von 7 Personen, nebst 4 Secretären, anzuordnen. Der Erdboden ward in 4 Provinzen eingetheilt, davon Franckreich, die Schweitz, die Thäler von Piemont und Italien die erste, die Pfaltz und übrigen Protestanten in Teutschland die andere, die Nordischen Reiche und die Türckey die dritte, Ost- und West-Indien aber die vierte ausmachten. Jedem dieser Secretäre ward eine von diesen grossen Provinzen angewiesen. Jeder sollte eine Correspondenz unterhalten, und denen Abwesenden in allen Theilen der Welt Nachricht geben. War man bedacht einen neuen Abgeordneten zu senden, so muste er durch die 7 Beysitzer und 4 Secretäre erwählet, examiniret und unterrichtet werden. Cromwell setzte iährlich 10 000 Pfund Sterlings zu Bestreitung der Unkosten aus, und diese Summe sollte, wenn es die Noth erfordete, vermehret werden.

Man errichtete ein besonderes Gebäude zur Ausführunq dieses Vorhabens. Sollte man sich demnach wohl wundern, daß Franckreich, Teutschland, Italien und die andern benachbarten Länder in diese Gesellschafft getreten, und sich solche von Norden bis nach Westen ausgebreitet? Einige glauben, daß Cromwells Absicht bey dieser Stifftung die Ausbreitung der Protestantischen Religion gewesen; aber sie betrügen sich sehr, und trauen der äußerlichen Aufführung Cromwells, ohne seine wahren Absichten einzusehen. Wir werden zeigen, daß die Frömmigkeit und Tugend, so er an sich blicken ließ, ihn nicht gehindert, mit der Religion und Moral ein Gespötte zu treiben. Die Religionen waren ihm insgesamt allzu gleichgültig, als daß eine von ihnen der Vorwurff seiner Bemühungen und Unternehmungen seyn sollen. Und wie sollte auch wohl das Aufnehmen der Religion der Endzweck eines Ordens, worein Catholicken, Protestanten, Juden, Türcken und Heyden ohne Unterschied aufgenommen werden, und einerley Vortheile zu geniessen haben, seyn können?

Die Gesellschafft hat in den ersten Jahren sehr offt ihren Nahmen geändert. Der, welchen sie ietzo führet, ist der erste gewesen, hernach sind ihre Mitglieder die Niveleurs, sodann solche, die der Policey nicht unterworffen sind, hernach Mitglieder der 5ten Monarchie genennet worden: endlich haben sie ihren ersten Nahmen der Freymäurer, den sie noch ietzo führen, angenommen. Sie gaben von allen diesen unterschiedenen Benennungen einen scheinbaren Grund an: der Nahme der Niveleurs sollte ihren Vorsatz, alle Glieder in eine gewisse Gleichheit zu setzen, andeuten; ihr Haupt war der General Rainsborough, ein großer Freund Cromwells.
Der Nahme derer, so sich der Policey entzogen, hatte seinen Ursprung von der vollkommenen Freyheit, die sie im Staat einführen wollten.
Die Niveleurs waren die verwegensten und mächtigsten unter den Republicanern: sie hatten den Tod des Königs am meisten gerathen, und waren über die Veränderung ihres Nahmens in den Nahmen der Freymäurer, die Cromwell machen wollte, so ungehalten, daß sie ihm den Tod schwuren.
Endlich sind sie Mitglieder der 5ten Monarchie genannt worden, weil die Baumeister die fünffte Classe oder Würde, woraus ihre Monarchie bestand, ausmachten. Ihr Haupt, oder wenigstens einer von ihren vornehmsten war Harrington, dem Cromwell einen guten Theil seiner Uiberschattung und Entzückung überlassen hatte. Sie wollten die Freyheit und Gleichheit einführen, und niemanden als Christo unterthänig seyn, deswegen sie sich der Worte bedienten: sie erwarteten die Ankunft Jesu, ihres Königs, täglich. Sie waren grosse Enthusiasten, hatten wenig oder keine Religion, und lebten bloß nach den Grund-Sätzen der bürgerlichen Freyheit. Algernon, Sidney, Nevil, Martin Wildmann, und andere, waren von dieser Zahl. Cromwell hatte sie anfänglich mit einer wunderbaren Geschicklichkeit auf seine Seite gebracht; allein mit der Zeit fingen sie an ein Mißtrauen in ihn zu setzen, und hatten ihn in Verdacht, daß er wohl selbst die höchste Gewalt an sich reissen dürffte.

Dieser Vermuthung vorzubauen, hielt Cromwell mit gedachtem Harrington eine Unterredung, und sagte zu ihm nach vielen Worten und wiederholten Gebeten:

er suchte sich nicht selbst, sondern bereitete dem Reich Jesu den Weg, damit Jesus den Scepter führen könnte.

Worauf Harrington antwortete:

wenn Jesus nicht bald kommt, wird er zu späte kommen.

Auf diese Art trauete Harrington Cromwells Grund und seiner Verstellung nicht, sondern erregte eine Zusammenverschwörung wider ihn, wiegelte fast alle Glieder der Gesellschafft auf, und beruffte sie in ein Haus, so nicht weit von Thoneditch war, um den König Jesus in seine Stelle zu setzen, das ist, sich eine vollkommene Freyheit zu verschaffen, Cromwells Joch aber abzuwerffen. Dieser aber bekam durch seinen Secretär Turloc von dieser Zusammenkunfft Nachricht: schickte also sogleich Soldaten hin, die sie in Verhafft nahmen, und ins Gefängniß brachten, wo sie vor Mattigkeit umkommen musten. Sie hatten eine Fahne, darauf ein schlaffender Löwe, so wie etwan der vom Stammm Juda, mit den Worten: wer wird ihn aufwecken? gemahlt war. Nach dieser muthigen Unternehmung Cromwells wider seine Feinde, hielt er mit Recht davor, daß der Orden seinen ersten Nahmen wieder annehmen müsse.

Wir ersuchen hier den Leser, nicht auf uns ungehalten zu werden, daß wir das Vorhaben und die Beschaffenheit der Niveleurs, derer, so sich der Policey entzoge, und der Mitglieder der 5ten Monarchie, nur gantz kürtzlich erzehlt haben. Gleichwie solches nur unterschiedene Benennungen der Freymäurers-Gesellschafft sind, so ist es genug, daß wir sie angeführt haben, und man könnte auch ihre besondere Meynungen nicht vortragen, ohne die verdrießlichsten Wiederholungen zum öfftern beyzubringen.
Die Worte, der König Jesus, der Löwe, und die Aufschrifft der Fahne, scheinen einige Erklärung nöthig zu haben: allein viele werden die Verhaltung dieser Sinnbilder gegen ihren Endzweck gar leicht einsehen.

Jetzo wollen wir von der Art, wie sich die Gesellschaft bis ietzo erhalten, und ihr Lehr-Gebäude, ihre Cerimonien und Gesetze, verbergen können, reden: welches wir mit wenig Worten aus dem, was wir bereits angemerckt, und was wir nach eben der Eides-Formel, so die Freymäurer ihren Mitgliedern, wenn sie aufgenommen werden, vorlegen, erinnern werden, herleiten wollen.
Cromwell war demnach gesonnen, dem Orden einige Begriffe von Religion und Frömmigkeit zu geben, nicht nur dadurch über seine Thaten mehr Ansehen zu bekommen, sondern auch das Geheimniß selbst unverbrüchlich zu erhalten.
Da er sehr wohl erkannte, aus was vor Gründen die meisten Handlungen der Menschen geschehen, so wollte er die Erhaltung seines Ordens nicht bloß auf die Hoffnung einer künfftigen Freyheit und Gleichheit ankommen lassen; Gleichwie aber die Erwartung des Guten, sonderlich des Ungewissen und weit entfernten Guten, nicht so eine hefftige Wirckung in den Gemüthern, als die Furcht der Straffe hat, so verordnete er dergleichen wider die Verrätherey, wie man aus den angeführten Eides-Formeln abnehmen kan. Venner, Gray, Gowler, Hopkins, Haphton, und verschiedene andere, worunter Lokyer und Thomson, ingleichen viele Niveleurs, sind damals Exempel einer strengen Bestraffung worden. Wir haben nicht einmal nöthig, bis auf den Stiffter des Ordens zurück zu gehen, um die wirckliche Ausführung der an dem Eid benennten Straffen zu beweisen: man beobachtet dieses noch zu unsern Zeiten, wie ich es unter andern von obgedachtem Holländischen Meister der Loge erfahren: welches man mich auch in Berlin, zu Franckfurt am Mayn, und au vielen andern Orten versichert.
Eines von diesen unqlücklichen Rachopffern des Ordens ist ein Engelländer, Nahmens Pachard [Samuel Prichard?], gewesen, der, wo ich nicht irre, 1736 zu Lüttich ein Buch in Duodez in Frantzösischer Sprache drucken liesse, so nachmals Teutsch, Italiänisch und Englisch übersetzt worden. Er entdeckte darinnen kürtzlich, aber aufrichtig, und nach der Wahrheit, die Geheimnisse der Schüler, der Mitgenossen und Meister: was ihre Lehren und Meynungen anlangt, so zeigte er dieselben nicht offenbar, sondern trug sie nur als Dinge, die er aus blossen Muthmassungen wüste, vor. Ich habe diese Schrifft vielmals gelesen, und lange Zeit besessen, bis daß ein berühmter Meister der Loge, dem ich solche unvorsichtiger Weise sehen lassen, mir sie mit vieler Feinheit wegnahm. Der unglückliche Verfasser kam folgender Gestalt ums Leben. Man führte ihn bey Nacht mit Gewalt in die grosse Loge zu Londen, wo viele Brüder beysammen waren, man riß ihm die Zunge bis auf die Wurtzel aus dem Halse, das Hertz aus dem Leibe, worauf man ihn so lange, als die Zusammenkunfft der Loge dauerte, an einen Nagel hängen ließ; endlich verbrannte man den Cörper, und streuete die Asche in die Lufft. Alle Logen in der Welt bekamen von dieser Begebenheit Nachricht, und ich, der ich keine Ursache, etwas zu erdichten, habe, kan versichern, daß ich die Beschreibung davon in Holland, Berlin und Franckfurt, gesehen habe.

[Diesen Bericht bezeichnet Mackeys „Encyclopedia of Freemasonry“, 1874, als „wild tale“ und „wondrous narrative“.]

Ich habe auch sehr offte von den Mitgliedern des Ordens sagen hören, daß das die Straffe derer, so ihn verriethen, wäre, ich habe aber solche niemals ausüben gesehen. Aber dieses weiß ich gewiß, daß man in allen Logen ein Buch habe, darinnen die Nahmen aller Verräther, so man bestraffen muß, mit Buchstaben, so dem Orden eigen sind, verzeichnet stehen. Ich weiß nicht, ob es wirckliche Verräther gewesen, indessen schwören die Brüder insgesamt, ihr möglichstes dabey zu thun.

Als der erste Theil dieses [d. h. des vorliegenden] Wercks verwichenes Jahr zu Amsterdam unter dem Titel: Der verrathene Freymäurer-Orden [genauer: Der verrathene Orden der Freymäurer], ans Licht trat, sagte der Meister einer gewissen Holländischen Loge, indem er von dem Verfasser redete:

Der Verräther wird kein Jahr mehr leben.

Worauf ich ihn fragte, auf was vor Art man ihn straffen könnte, und setzte hinzu, daß in einem so freyen Lande, wie Holland, wo die Gerechtigkeit so sehr im Schwange gehe, der Meuchelmord, wenn man dergleichen an ihm begehen sollte, nicht ungestrafft bleiben würde. Er antwortete mir, daß so bald der Verfasser bekannt seyn würde, man ihn ohne Lermen und heimlich aus dem Wege räumen, oder mit Gewalt wegnehmen, und nach Engelland schaffen würde, und ich habe von diesem Vorsatz, den Verräther anzugreiffen und umzubringen, in verschiedenen Zusammenkünfften der Freymäurer reden hören. Bis ietzo halten sie mich vor einen ihrer getreusten und eifrigsten Anhänger; aber ich habe Ursache, alles zu besorgen, wenn iemals mein Nahme bekannt werden sollte: und in diesem Falle bitte ich die Obern, unter deren Schutz wir leben, den Donnerschlag abzuwenden, welches ich von ihrer unverbrüchlichen Gerechtigkeit und gnädigen Großmuth, worauf ihr Ruhm und unsere Ruhe gebauet ist, erwarte.

Sind die Freymäurer willens mich zu strafen, so muß ich der Notwendigkeit weichen, indessen bitte ich sie, sich zu erinnern, daß ich nie keinen Eid abgelegt, und niemals aufgenommen worden, daß ich mich folglich zu nichts verbunden, und keines weges die Strafe der Verräther, sondern nur derer, die weil sie einige Zeichen wissen, die Heiligkeit der Loge durch ihre unheilige Gegenwart zu beflecken, sich erkühnen, verdiene. Ihre Züchtigung bestehet darinne, daß man sie unter ein Rohr stellt, und sodann, vermittelst einer Pompe, vom Kopffe bis auf die Füsse naß macht. Ich habe davon viele Exempel in Berlin, Franckfurt und Paris gesehen, unter andern wollte der Herr Abt Percau [Pérau], so kein Freymäurer war, im verwichenen Jahr der Loge im Hotel von Soissons beywohnen, wie er an verschiedenen andern Orten in Paris gethan hatte; einer von den Brüdern aber, der versichert war, daß Herr Percau ein falscher Freymäurer sey, entdeckte ihm durch ein Wort, so man bey dergleichen Fällen in der Loge zu sagen pfleget, es regnet, worauf so gleich der Meister zu den Aufsehern sagte:

sie sollten untersuchen, wer der schuldige wäre:

der falsche Bruder ward so gleich erkannt, denn ob er schon die Zeichen, Griffe, und Losungen wuste, so konnte er doch den Ort, wo er war aufgenommen worden, nicht sagen: deswegen führte man ihn unter das Rohr der Pompe, und machte ihn über und über naß, alle Anwesende aber lachten, und belustigten sich auf seine Unkosten. Das war ein sehr angenehmer Anblick vor die Freymäurer. Hierauf legte er sein Hemde, Hosen und Strümpffe, so gantz naß waren, ab, und zog andre an, und endlich ward er, er mochte wollen oder nicht, gezwungen, alle Cerimonien der Aufnahme auszuhalten, und sich wircklich in die Gesellschafft, so er ausspioniren wollen, zu begeben. Ich war zugegen, als man ihm diesen Streich spielte, und niemand warff einen Verdacht auf mich, ob ich schon ein Fremder war: indessen will ich nicht sagen, ob ich nicht mehr vor mich besorgt gewesen, oder mit den andern gelacht habe.
Das ist demnach die Strafe, so meine Entheiligung verdient, und der ich mich gerne unterwerffen will, wenn die Gesellschafft ihre Gunst, oder zum wenigsten ihre Gleichgültigkeit auf diese Weise zeigen wird.

Was ich von der Aehnlichkeit Cromwells und der Freymäurer angemerckt, wird genug seyn, die genaue Verbindung, so sie unter einander haben, zu erweisen. Indessen scheinen diese sich eines so berühmten Urhebers zu schämen, und bestehen doch wider alle Wahrscheinlichkeit darauf, ihren Ursprung von Salomon herzuleiten, die erste Loge in dem Kasten Noa zu suchen, und aus Adam selbst den ersten Groß-Meister zu machen. Da es also ohnmöglich ist, ihnen dieses edle Alterthum auszureden, so will ich sie bitten, wenigstens zu gestehen, daß ihr Orden, so in eine Dunckelheit, die ihn vor den Augen der Welt verdeckt, gefallen war, durch Cromwellen wieder erneuert, und in Ansehen gebracht worden: Indem kein Freimäurer leugnen kan, daß er in Engelland, unter dem Schutz und durch die Gunst Cromwells, so ein grosses Ansehen erlangt, und sich so sehr ausgebreitet, daß man sein Aufnehmen als eine neue Stifftung ansehen kan: welches, um meinen Satz zu beweisen, genug ist.

Nunmehrs wollen wir auf die Sache selbst kommen.

Wir müssen nemlich von den vornehmsten Ehren-Stellen des Ordens, nemlich dem Großmeister, dem Protector, dem Aufseher und Secretair der Gesellschafft, ingleichen von denen, welche diese Titel vor iede Nation führen, reden. Die Art ihrer Erwehlung, der neue Zustand, worinnen sich ietzo die Gesellschafft in Teutschland, Engelland, Holland, Italien und Franckreich befindet, der Unterschied der Cerimonien fast bey allen Nationen, die Feste des Ordens, sein Aufnehmen in verschiedenen Ländern der Welt, seine Gütigkeit gegen die armen oder fremden Mitglieder, alles dieses sind Dinge, so natürlicher Weise in unsere Materie einschlagen, und welche wir dem Leser genau zu erklären willens sind.

Gleichwie aber die Aufnahme das erste unter allen, so einem Freymäurer begegnet, ist, so wollen wir davon zuerst handeln. Wir wollen bey denen Dienern, welche die letzten sind, anfangen, und sodenn auf die Jungen, Gesellen, Meister und Baumeister oder Schotten kommen. Eine umständliche Erzehlung hiervon könnte verdrießlich seyn, und wir wollten uns die Mühe gerne erspart haben, wenn wir es nicht, wiewohl wegen der Ordnung, so wir allemal genau beobachtet, als auch, um die Neugierigkeit der Leser, die allemal ehe eine verdrießliche Erzehlung überschlagen, als das, was sie gerne wissen wollen, und man ihnen nicht erzehlt hat, ergäntzen kan, vollkommen zu stillen vor nöthig gehabt.

Von denen Dienern oder Aufwärtern.

[Des Frères Servans]

Die Brüder Diener sind Glieder der Gesellschafft, so denen andern, wenn die Loge gehalten wird, und bey andern Gelegenheiten, so den Orden angehen, aufzuwarten bestellt sind. Man nennt sie Brüder, um die vollkommene Gleichheit, welche die Freymäurer vornemlich einführen wollen, anzudeuten, zugleich aber zu zeigen, daß wenn sie zu knechtischen und geringen Verrichtungen gebraucht werden, solches nicht von einiger Verachtung herrührt, sondern weil die Verrichtungen, so man ihnen auftrage, schlechterdings nothwendig wären.

Nach denen ersten Statuten des Ordens soll die Zahl der Diener wenigstens fünffe in ieder Loge seyn, zwey, um an der Thüre Wache zu stehen, zwey, die Speisen zu besorgen, und einer ist Bote, oder Pedell [deux pour garder la porte, deux pour faire la cuisine, & un Bedeau ou Messager]. Allein viele kleine Logen haben sich hierinnen geändert, so daß sie nur einen, oder zwey, oder auch wohl gar keinen, Diener haben.

Diese Stelle zu erlangen, ist es nöthig, daß man von ehrlicher Geburt und Aufführung sey, oder doch zum wenigsten in keinem übeln Ruffe bey den Leuten stehe. Man braucht indessen nicht von vornehmer Ankunfft zu, seyn, weil dieienigen, so in solchen Umständen sich befinden, einen Widerwillen davor haben, oder doch die Verrichtung eines Dieners nicht mit gehöriger Geschicklichkeit beobachten möchten. Deswegen nimmt man sie nicht leichte an, wenn sie nicht zuvor bey andern Meistern so gedient, daß sie mit ihnen zufrieden gewesen. Eine allzu grosse Armuth ist gleichfalls eine Hinderniß, in die Gesellschafft zu kommen, welche verlanget, daß ihr Ansehen und Glantz durch alle ihre Mitglieder vermehrt werde. Eben diese Beschaffenheit hat es mit einer allzu grossen Jugend, einer allzu schwachen Gesundheit, und einem gar zu hohen Alter.

Ein gelehriger Verstand, ein angenehmes und bescheidenes Naturell, und überhaupt eine Kunst, oder Handthierung, so mit dem, was der Orden fodert, eine Verwandschafft hat, sind gleichfalls solche Qvalitäten, welche die Aufnahme befördern, und verursachen, daß man die, so dergleichen Gaben und Geschicklichkeit besitzen, als Köche, Zuckerbecker und Caffe-Schencken, sucht.

Niemand kan sich der Loge selbst anbieten, sondern muß sich disfalls zu einem Bruder wenden: und ieder von diesen ist verbunden, den, welcher ihn darum ersucht, zu hören, und zu willfahren. Es ist wahr, daß, da es denen Dienern nicht zusteht, ein Mitglied selbst vorzuschlagen, sie weiter nichts thun, als daß sie ihn einer von den obern Classen recommendiren, deren Glieder insgesamt vorzuschlagen berechtigt, und solches eines ieden Dieners Begehren zu thun, gehalten sind. Wenn der, welchen man vorgeschlagen, tüchtig befunden worden, so bekommt er den Titel eines Bruders, der die Anwartschafft hat [le titre de Frère Aspirant, ou en herbe], und damit man Zeit bekomme, ihn genauer kennen zu lernen, so verschiebt man seine Aufnahme ordentlich 3 Monate, die man das Noviciat des Ordens nennet, und welche Zeit über man alles anwendet, sein Hertz zu prüfen, und seine Aufführung zu erforschen.

Derienige, so ein neues Mitglied vorgeschlagen, muß ihn den Entschluß, der entweder seine Zulassung zum Noviciat, oder die Zeil, wie lange es dauren soll, betrifft, und den zu seiner Aufnehmung bestimmten Tag andeuten. Wenn selbiger gekommen, so wird der, so bisher sein Patron gewesen, alsdenn sein Pathe [Parrain], führet ihn in die Loge, und hilfft ihm das Cerimoniel recht beobachten.

Wenn sie beyde an die erste äussere Thür gekommen, so hebt der Pathe die rechte Hand auf, macht mit dem Mittel-Finger einen halben Circkel, und klopfft mit dem Gelencke dreymal an, das erste mal sachte, das andere mal gleich darnach und etwas stärcker, das dritte mal nach einer kurtzen Verweilung und noch stärcker.

Kaum hat er das letzte mal angeklopfft, so machen zwey Wächter die Thüre halb auf, und zeigen sich mit den blossen Degen in der Hand [l’épée nue à la main]. Einer von ihnen fragt den, so angeklopfft: wer seyd ihr? Dieser antwortet nach dem Range, welchen er in der Gesellschafft hat: der Wächter sagt hierauf: Wer ist der andere? Es ist ein Neuaufzunehmender, spricht der Pathe. Was wollt ihr also? sagt der Wächter, und was verlangt der andere? Der Pathe antwortet: Ich muß mich in die Loge begeben, und was den Neuanzunehmenden Bruder betrifft, so habe ich Befehl ihn hereinzuführen, um ihn vorzustellen. Ist die Zeit seines Noviciats geendigt? fragt der Wächter; Ja, spricht der Pathe. Alsdenn gehen sie beyderseits hinein, der Wächter macht die Thüre zu, der Neuaufzunehmende aber bleibt stehen, bis sein Pathe Bericht erstattet, welches folgender Gestalt geschieht.

Er klopfft mit dem Gelencke des mittelsten Fingers an die innere Thüre an, welche der Thürsteher halb aufmacht, und sagt: Was verlangt ihr, Bruder Diener? Dieser antwortet: ich habe einen Bruder, der in den Orden aufgenommen zu werden wünschet, hergeführet. Der Thürhüter macht zu, und der. Bruder Diener geht fort, ohne dem Neuaufzunehmenden etwas zu sagen. Hierauf legt der Thürhüter seine Degen creutzweis, und macht ein gewisses Geräusche, so einen von den Aufsehern, es liegt nichts daran welchen, zu kommen, und zu sehen, was man will, bewegt. Der Thürhüter sagt: es ist ein Bruder Diener da, der in den Orden treten will. Dieser giebt sodann dem Meister davon Nachricht, welcher einen andern Bruder den Aufzunehmende in die finstere Kammer zu führen, und einige Beamte, ihn zu examiniren, schicket.

Der Meister wehlt diese beyden, und die Gesellschafft bestätigt sie, ohne Wiederspruch, und ohne besondere Cerimonien, indem solches ordentlich vor Eröffnung der Loge geschieht, da man denn auf dem Fußboden eine Figur, die wir bald beschreiben wollen, macht.

Gleichwie man sich ohne Grundriß einer Loge keinen rechten Begriff von allen Bewegungen und Cerimonien, so wir zu erklären haben, machen kan, so wollen wir den von der Berlinischen, die eine der schönsten und ordentlichsten ist, beyfügen. Unten sind verschiedene Zimmer vor die Brüder Diener, den Hausverwalter, den Küchenmeister, den Koch, den Zuckerbecker, und so fort [plusieurs appartements occupées par les Frères Servans, le Concièrge, le Maître d’Office, le Cuisinier, le Confiseur, etc.]. Jeder thut daselbst, was seines Amtes ist, und die Unheiligen [les Profanes] können da hinein, und bis oben, auf die Treppe des ersten Stockwercks gehen, wo die zur Feyrung der Geheimnisse der Freymäurer gewiedmeten Zimmer folgender Gestalt angelegt sind.

Die gantze Loge ist Wagrecht, und in vier Qvartiere, so wir hier 1, 2, 3, 4 bezeichnet, eingetheilt.

In dem ersten 1) muß man die erste Thüre A, welche die geweihten Oerter von den unheiligen absondert, bemercken. Sie ist allezeit verschlossen, und wird mit grosser Vorsicht durch zwey Brüder Diener bewacht. C C sind zwey kleine Kammern, so in dem Winckel des Qvartiers gebaut sind. Man nennet sie die finstern Kammern, weil sie es wircklich sind, wenn man den Neuaufzunehmenden hineinführt, und darinnen läßt.

B, der Eingang des andern Qvartiers 2) hat eine Thüre ohne Schloß und Wache. Auf beyden Seiten sind zwey Bäder O O, und zwey Kammern, die man verschliessen kann D D.

Das dritte Qvartier 3) sieht man als das allerheiligste an, man berathschlaget sich daselbst, nimmt die Mitglieder auf, und beobachtet die gewöhnlichen Cerimonien. An dem Eingange E stehen von aussen zwey Brüder Diener mit ihrem Gewehr, und inwendig ein Lehrling. Der Saal ist sehr groß. In der Mitten F zeichnet man mit Kreide die hier in Kupfer beygefügten Sinnbilder. Diese Figuren sind ordentlich in einem langen Viereck von 8 Fuß und 4 Fuß in der Breite begriffen. Alle Glieder der Loge setzen sich da herum.

Das letzte Qvartier 4) ist den Ergötzlichkeiten der Gesellschafft gewiedmet, und man geht durch die Thüre G in dasselbe. Die Grösse und Lage dieses Saales giebt denen, zu deren Gebrauch er gewiedmet ist, tausend Beqvemlichkeiten. Seine Länge nimmt eine Tafel ein, so man, wenn die Gesellschafft beysammen ist, deckt, und Stühle herum setzet. Indem die Haupt-Personen des Ordens mit ihren Geheimnissen beschäfftigt sind, so bereiten die Brüder Diener unterdessen den Schmauß oder das Gastgebot: und so bald diese ansehnliche und prächtige Cerimonien geendigt sind, so bald gehet iedes Mitglied in das Zimmer, wo alles, so prächtig, kostbar und ordentlich, als es der Reichthum und gute Geschmack der Gesellschafft mit sich bringet, zubereitet ist.

Das ist die Abbildung der ersten Loge in Teutschland. Die, so ich in Paris im Hotel von Soissons gesehen, weicht ihr weder an Grösse noch andern Beqvemlichkeiten, und ich habe auch welche in London und in vielen andern Städten von Europa angetroffen, die nicht weniger ordentlich und schön waren. Der Unterschied des Platzes, des Aufwands, den man machen will, des Clima, und des Geschmacks in der Baukunst, so ieder Nation eigen ist, machen auch unter den Logen einen Unterschied. Indessen kommen alle in der Einrichtung und Lage der Behältnisse, diese aber in den verschiedenen Dingen, so darinnen befindlich sind, überein.

Jede vollständige Loge muß viele Zimmer haben, davon eines gleichsam das Vorgemach, das andere die finstere Kammer ist: Das dritte kan das Bad seines Gebrauchs wegen, den wir bald erklären wollen, genennt werden. Das vierte ist insbesondere den Zusammenkünfften der Gesellschafft gewiedmet, und wird deswegen die Loge genennet. Das fünffte ist der Speise-Saal, und das sechste die Küche.

An einigen Orten hat man so gar noch andere Zimmer, zum Exempel, wo die Brüder ihre Degen, wenn die Loge ohne Aufnehmung eines neuen Mitgliedes gehalten wird, und ihre Kleider, wenn die Hitze zu groß ist, ablegen können. Man muß indessen bekennen, daß man nicht überall die Beqvemlichkeit von so vielen Zimmern hat, indem ich in Teutschland, Frankreich, und selbst in Holland, sehr gute Logen, die nur aus zwey Zimmern bestanden, gefunden habe; andere hatten deren eine grössere Zahl, drey oder vier: sie müssen aber alle aus mehr als einem Gemach bestehen, indem man allemal zum wenigsten einen Ort den Neuaufzunehmenden vorzubereiten, und einen andern ihn aufzunehmen nöthig hat.

Wir haben geglaubt, daß diese Ausschweiffung von der Loge zum Verstand der Cerimonien, so wir beschreiben wollen, eben so nöthig sey, als die Charte von einem unbekannten Lande vor die, so eine genaue Kenntniß der Begebenheiten, so sich daselbst ereignet haben, ist.

Jetzt kommen wir wieder auf den Neuaufzunehmenden, welchen wir innerhalb des Thors A gelassen haben. Sein Führer kömmt wieder zu ihm, und bringt ihn in eine Kammer, da er ihn allein läßt, nachdem er die Thüren zugeschlossen. Man giebt sich daselbst Mühe, daß er nicht die geringste Spur des Sonnen-Lichts oder eines Gestirnes, oder einer Fackel zu sehen bekömmt, sondern in der tiefsten Finsterniß gleichsam begraben ist, welches wir das finstere Zimmer in der vorigen Beschreibung der Loge genennet haben. Alt diesem Ort lässet man ihn eine gantze Stunde so voll Gedancken, als man sichs einbilden kan, stehen. Wenn diese Zeit vorbey ist, öffnet man die Thüre, ein Bruder, den die Gesellschafft ausdrücklich abschickt, kömmt zu ihm, und schließt sie hinter sich zu. Derienige, so dieses Amt verwaltet, muß dem Neuaufzunehmenden unbekannt, und einer von den Lehrlingen, Gesellen, Meistern, oder Schotten, seyn: indessen wird er gemeiniglich unter den Beamten ausgelesen, und ist mehrentheils ein Aufseher, der bey solcher Gelegenheit den Titel des Examinators annimmt.
Seine Verrichtung ist 1) den Neuanzunehmenden mit folgenden Worten höflich zu grüssen: Mein werther Freund, ich grüsse euch von Grund des Hertzens, habt guten Muth, wie befindet ihr euch? Hierauf muß er, die Antwort des Neuangehenden mag seyn, wie sie wolle, ihn bey der Hand nehmen, und nochmals ermahnen: guten Muth zu fassen, und Beständigkeit, ohne alle Merckmahle der Furcht, zu zeigen. Endlich fügt er hinzu:

Mein Freund, hört mich aufmerksam an, ich will einige Fragen en euch thun, seyd so gut, und antwortet mir mit aller möglichen Aufrichtigkeit, und entdeckt mir das Innerste eures Herzens. Wie ist euer Geschlechts- und Tauff-Nahme? Von was vor Stande, Alter und Religion seyd ihr? Sagt mir euer Vaterland.

Hierauf ist der Neuaufzunehmende genau und mit Wahrheit zu antworten verbunden. Endlich sagt der Examinator: Aus was vor Absichten seyd ihr hieher gekommen? Jener antwortet: daß man mich zum Bruder Diener unter den Freymäurern aufnehme. Dieser sagt:

Ich wünsche, daß dieser Vorsatz eine reiche Qvelle von Zufriedenheit, allem ersinnlichen Vergnügen, und dem vollkommensten Glücke seyn möge. Ich werde euch also künfftig nicht bloß den Nahmen eines Freundes, sondern eines Bruders, der in unsern Orden treten will, geben. Ehe ich euch aber in die Loge führe, und euch zum Mitgliede unsrer vortrefflichen Gesellschafft mache, so muß ich euch eine Nachricht davon geben, und sagen, was das vor Dinge sind, die ihr thun, vermeiden, oder suchen solle: ich muß euch von dem, was in dem Orden angenehm und unangenehm ist, unterrichten: damit ihr, wenn ihr beydes kennet, und nicht Lust habt, hinein zu treten, euch mit allen Ehren wieder wegbegeben könnt, oder auch, damit ihr, wenn ihr bey dem Vorsatz ein Mitglied zu werden, bestehet, im voraus wissen könnet, wozu ihr euch anheischig macht, und zu was vor Pflichten ihr euch verbindet, damit es euch nicht hernach, wenn es geschehen ist, gereuen möge.

Sodann hält er eine lange Rede an den Neuanzunehmenden, worinne er ihm in prächtigen Worten vorstellt:

Die Gesellschafft der Freymäurer sey eine Versammlung grosser Männer, deren edle Absicht sey, eine großmüthige Empfindung bey dem Elend der Unglücklichen, eine einnehmende Höflichkeit gegen die fremden Brüder, eine allgemeine Zärtlichkeit vor das menschliche Geschlecht, Gehorsam gegen die Obern, die allertiefste Ehrerbietung gegen Gott, Frömmigkeit und Treue bey aller Gelegenheit, und mit einem Worte, ein von allen Lastern entferntes Hertz, zu zeigen.
Diese Tugenden, fährt er fort, die man bey allen Menschen wünschen möchte, leuchten in der Aufführung aller Mitglieder unserer Gesellschafft hervor. Es ist aber noch etwas, so die Freymäurer von andern unterscheidet, nemlich ein tieffes und unerforschliches Stillschweigen, von allem, was man bey der Gesellschafft in dem lnnern der Loge hört, sieht und thut. So daß es verboten ist, durch Zeichen, Wörter, Kupfferstiche oder andere Vorstellungen iemanden, der kein Mitglied des Ordens ist, Nachricht zu geben. Ich muß also, lieber Bruder Diener, wissen, ob ihr dieses vollkommene Stillschweigen zu beobachten fest entschlossen seyd?

Ja, mein Herr, antwortet der andere, ich bin es fest und unverbrüchlich zu halten entschlossen.

Worauf der Examinator noch eine lange Rede von dem vollkommenen Gehorsam, den man der Gesellschafft und denen, die die Obern und Häupter [les Supérieurs & les Directeurs] derselben sind, schuldig ist: und sagt ihm, daß die Früchte davon der gröste Vortheil, das gröste Vergnügen und die vollkommenste Annehmlichkeit so wohl vor ihn als vor alle andere Brüder seyn würde.
Ihr wollt demnach gehorsam seyn? beschließt er, und der Neuaufzunehmende antwortet: Ja, mein Herr. Wenn er endlich zum Diener aufgenommen werden soll, so giebt ihm der Examinator von seinem künftigen Amte, er mag nun Pedell, oder Wächter, oder Thürhüter, Koch, oder Aufwärter werden [soit de Bedeau, de Garde ou Portier, de Cuisinier ou de Valet], von welchen Verrichtungen wir oben geredet, Nachricht, und fragt ihn, ob er solche recht beobachten wolle? Nachdem er abermals versichert, daß solches sein Vorsitz sey, so sagt der Examinator:

Wenn es denn also wäre, und da iedes Werck seinen Lohn verdiene, so könne er versichert seyn, daß er alle Monate einen Lohn, der nach seinen Verdiensten eingerichtet sey, von der Gesellschafft bekommen werde,
und fragt ihn zugleich ob er mir dem Gelde, das man ihn zahlen würde, vergnügt seyn wolle?

worauf iener Ja antwortet.
Alsdenn sagt der Examinator:

Wisset demnach, lieber Bruder, daß man nicht in die Loge kommen, oder ein Mitglied der Gesellschafft werden könne, ohne gewisse Cerimonien, aus denen die Aufnahme nothwendig bestehet, sich zu unterwerffen. Wollt ihr euch demnach solchen unterwerffen?

Ja, antwortet der andere, ich bin dazu bereit. Der erstere fährt fort:

aber mein Herr, so bald die Sache angefangen worden, kan man nicht wieder zurücke: werdet ihr wohl genugsamen Muth und Beständigkeit haben?

Nachdem der andere Ja geantwortet, sagt der Examinator:

Ihr seyd demnach, lieber Bruder, bereit, mir in allem zu folgen?

Ja, mein Herr, antwortet der Neuaufzunehmende nochmals. Endlich fügt iener hinzu:

Damit ihr aber euch alles Verdachtes und aller Furcht entschlagen mögt, so seyd versichert, daß alle Diener, so iemals in den Orden aufgenommen worden, alle die Cerimonien, so ihr zu beobachten habt, ausgestanden, und man bey eurer Aufnahme weder eine hinzuthun, noch hinweglassen werde. Da es nun keinem von euren Vorgängern iemals, so bald sie geendigt worden, gereuet, noch iemals iemand, der angefangen, auf die Hinterbeine getreten, so hoffen und versprechen wir uns solches gleichfalls von euch.

Nachdem der Neuaufzunehmende durch diese oder einige andere Reden von gleicher Art aufgemuntert worden, so wird er von neuem eine Viertel-Stunde lang allein gelassen, damit er sich desto gewisser entschliessen möge. Hierauf endigt der Examinator sein Examen, und sagt:

Bedenckt euch demnach, lieber Bruder, noch einen Augenblick wegen der Gesellschafft, worein ihr treten wollt, wegen desienigen, wozu ihr euch verbin« der, und wegen der Vortheile, so ihr erhalten werdet.

Indem diese Zeit des Stillschweigens dauert, so schlägt sich der Neuaufzunehmende mit Gedancken, die man sich leichter einbilden, als beschreiben kan. Es ist wahr, daß ein Mensch, der einige Standhafftigkeit besitzt, vor dem Verlust seines Lebens sich nicht fürchtet. Indessen habe ich doch verschiedene gekannt, die schwach genug gewesen, es zu thun, ob schon nichts weniger gegründet ist: indem die grösten Feinde des Ordens kein Exempel anzuführen wissen, welches zu dem geringsten Verdacht von dieser Art Anlaß geben können. Die einzige Ursache, die man haben könnte, um ruhig zu seyn, ist die Versicherung, so man dem Orden thut, und da man freylich befürchten muß, sich in Dinge verwickelt zu sehen, davon man sich hernach nicht, wenn man will, losmachen kan.

Wenn diese Viertel-Stunde verflossen, so unterbricht der Examinator das Stillschweigen und sagt: Lieber Bruder Diener, beharrt ihr noch allemal bey eurem Entschluß? Wenn er ia geantwortet, sagt iener ferner: Gehorchet demnach, und beobachtet alles genau, was ich euch heissen werde. Alsdenn bekommt der Neuaufzunehmende Befehl, alle sein Metall, sein Geld, seine Schnallen, und so gar seine Nadeln abzulegen: Dieses alles legt er auf einen Tisch, der zu dem Ende in der finstern Cammer, wo solches geschieht, steht. Sodenn fragt der Examinator ihn von neuem, ob er alles Metall abgelegt? Denn es ist verboten, dergleichen, es sey von was vor Art oder Gestalt es wolle, wenn man zur Loge kommt, bey sich zu haben. Der Examinator bekommt sodenn von dem Neuaufzunehmenden die Versicherung abermals, daß er kein Metall mehr bey sich habe. Hernach befielt man ihm, die Schuhe auszuziehen, den Hut, wenn er ihn noch behalten, und die Peruqve, wenn er eine trägt, abzulegen. Endlich muß er die Strümpffe, (so daß er barfuß bleibt) und alle seine Kleider, bis aufs Hemde, so er nebst den Hosen anbehält, ausziehen.

Die Cerimonie, alles Metall und die Kleider abzulegen, wird mit einem ernsthafften und gravitätischen Tone verordnet, und mit einer prächtigen Ordnung vollzogen. Die Befehle folgen nicht gleich, sondern nach etlichen Minuten, auf einander, da der Examinator den Neuaufzunehmenden allemal dazwischen fragt, ob er seinen Befehl genau beobachtet, und wenn er es bejahet, die Frage wiederholt, ob er bey dem Vorsatz in die Gesellschafft zu treten beständig verharre? indem er noch die Freyheit habe, davon abzustehen. Wenn er noch immer aufgenommen zu werden, verlangt, so schlägt der Examinator mit einem kleinen Hammer etwas starck an die Thüre an. Sie öffnet sich auf dieses Zeichen, und zwey Brüder Diener zeigen sich, zu denen der Examinator spricht:

Brüder Diener, es ist hier ein neuer Diener, so sich feste entschlossen hat, in unsere Gesellschaft, zu treten, und der sehr gerne alles, was ich ihm befohlen, beobachtet hat. Ich habe also mein Amt bey ihm verrichtet, und überlasse ihn euch nunmehro, das eurige zu verwalten.

Hierauf antwortet der älteste von beyden, (der Rang dependirt von der Zeit der Aufnahme):

Wir werden unsere Schuldigkeit mit der Sorgfalt, welche uns die Gesetze und Ordnung unserer ehrwürdigen Gesellschafft vorgeschrieben, beobachten.

Hierauf wendet sich der Examinator nochmals zu dem Neuaufzunehmenden, und vermahnt ihn, einen Muth zu fassen, sich mit Standhafftigkeit zu waffnen, und allem, was ihm gegenwärtige Brüder Diener befehlen würden, zu gehorchen. Er endigt mit einem Wunsche, vor sein Wohlseyn, und vor die glücklichen Folgen seiner Ausnehmung, worauf denn die Thüre hinter ihm und den zwey Brüder Dienern zugemacht wird.

Der ältere wiederholt sodann den Wunsch vor sein Wohlergehen, und die Frage, ob er fest entschlossen sey, in den Orden zu treten, welches wir hier, weil es in der That geschieht, vielleicht zum Verdruß des Lesers, wiederholen müssen. Antwortet der Neuaufzunehmende, daß er bey seinem Vorsatze beharre, so wiederholt man nochmals: er müsse demüthig und gehorsam seyn. Alles dieses sagt der ältere, befielt sodann seinem Cammeraden, dem Neuaufzunehmenden die Augen mit einem Bande, so ausdrücklich hierzu gemacht ist, zu verbinden. Nachdem er also zwey Stunden in der finstern Kammer zugebracht, und das, was wir erzehlet haben, gehöret, so raubt man seinen Augen durch die Binde das Licht vollends, so ihm die Dunckelheit noch übriggelassen, welche Cerimonie sein Schrecken gar sehr vermehrt. Um ihn davon zu befreyen, giebt der älteste von den Brüder Dienern den andern den tröstlichen Befehl, dem Neuaufzunehmenden das Zeichen der Dienstbarkeit anzulegen, welches ein Strick ist, den man ihm um den Hals bindet.
Wenn solches geschehen, fügt der ältere hinzu: gebt ihm auch das Zeichen der Gefangenschafft. Worauf der jüngere ihm befielt, die Hände zu falten, und sie ihm mit einem Bindfaden zusammen bindet: dieses muß auf drey mal geschehen, nemlich wenn der Faden gedrehet, und die Hände creutzweis beym Puls, und wo sie mit dem Armen zusammen gefüget, gebunden werden.

Wenn also der Neuaufzunehmende ausgekleidet und gebunden ist, so fragt ihn der älteste von den Brüder Dienern aufs neue: Bruder, besteht ihr immer noch auf dem Vorsatze, in den Orden zu treten? Ja, mein Herr, sagt er. Führt ihn denn an den Ort, wohin es gebräuchlich ist; sagt sodann der ältere zu dem jüngern. Sogleich pocht der letzte mit dem Gelencke des Mittelfingers an die Thüre. Ein Wächter, den man daselbst als zur Hut gelassen, öffnet solche. Der jüngere, so angepocht, nahet sich alsdenn zu dem Neuaufzunehmenden, faßt das Ende des Stricks, den er um den Hals hat, und sagt zu ihm, Bruder Diener, folgt mir ohne Furcht. Der Neuaufzunehmende muß ihm folgen, und damit er nicht etwan falle, führt ihn ein oder wohl gar alle beyde Brüder, wenn man so viel Furcht bey ihm spürt, daß man besorgt, er möchte zu Boden sincken.
Auf diese Art führt ihn der iüngere von den Brüdern Dienern am Stricke, wie man einen Ochsen am Joche [comme un boeuf par le licol], oder ein wildes Thier an der Kette führt. Die Hände sind ihm mit einem dreyfachen Knoten gebunden. Man geht mit ihm zum Bade, dessen Thüre durch einen Bruder Diener mit blossem Degen bewacht wird. Wenn der ältere, der jüngere, und Neuaufzunehmende dahin gekommen, befielt der ältere dem jüngern, ihm die Füsse zu waschen, und sie mit der Qväle, so dazu bereit liegt [avec le morceau de toile de lin prêt pour cela], abzutrocknen. Hernach lässt er ihm die Hände, endlich den Leib und Kopff waschen und abtrocknen. Jedes von diesen Dingen wird nach einem besondern Befehl vollzogen.
Die beyden Wiedertäuffer [les deux Anabaptistes] kriegen sodann den Neuaufzunehmenden zu fassen, und nachdem sie ihn mit Gewalt in die Höhe gehoben (es sey, daß er gerne mit sich umgehen läßt, wie man will, oder daß er sich widersetze) so tauchen sie ihn, ohne ein Wort zu sagen, und mit aller möglichen Ernsthafftigkeit ins Wasser: alsdenn bekommt er ein ander Hemde und ein paar neue Hosen auf Unkosten der Gesellschafft.

Wenn dieses Abwaschen vorbey ist, sagt der ältere von den Bruder Dienern nochmals: Bruder Diener, der ihr aufgenommen zu werden wünschet, wollt ihr in eurem Vorsatze beständig seyn? Ja, antwortet der andere. Alsdenn wendet sich der ältere zu dem iüngern, und sagt zu ihm: Bruder Diener, laßt uns fortfahren. Der iüngere sagt zu dem Neuaufzunehmenden: Bruder Diener, folgt nur ohne Furcht. Sodann führt man ihn aus dem Bade an die Thüre des langen Ganges des Tempels, da ihn der iüngere Bruder allemal beym Stricke, den er um den Hals hat, fortschleppet. Wenn sie noch drey Schritte von diesem Orte entfernet sind, treffen sie zwey Brüder Diener mit blossen Degen in der Hand an, die ein so starckes Lermen [tout le vacarme], als zwey Personen, so sich im Ernst schlagen, machen. Auf dieses Geräusche [A ce bruit] wendet sich der ältere von denen, so den Neuanzunehmenden führen, zu ihm, und spricht:

Es sind hier zwey Personen, davon die eine euch in den Orden aufnehmen will, die andere hingegen sich widersetzet, und das ist die Ursache, warum sie sich schlagen Der, so euren Eintritt in die Gesellschafft verwehrt, ist ein Unheiliger, ( dieses bedeutet, daß er kein Freymäurer ist) der andere ein Bruder. Ihr könnt ihren Streit beylegen, und wehlen, welche von beyden Parteyen ihr nehmen wollt. Habt ihr denn Lust, in die Gesellschafft zu treten?

Nachdem dieser Ja geantwortet, so befielt der ältere dem iüngern, ihm die Hände aufzubinden, und einen Degen zu geben. Worauf der ältere sagt:

Neuaufzunehmender Bruder Diener, zieht vom Leder, und schlagt euch tapfer mit dem Unheiligen, so sich euren Absichten widersetzt.

Der Neuaufzunehmende ergreifft hierauf den Degen; allein der ältere befielt ihm, die Spitze hoch, gerade und unbeweglich zu halten. Hernach schlägt der andere, welchen man den Unheiligen nennt, dreymal mit dem Degen daran, und endlich rufft der ältere, gleich als ob der Neuaufzunehmende ienen niedergestossen:

Ihr habt überwunden, Bruder Diener, der Unheilige ist todt, ihr seyd würdig, in den Orden zu treten.

Ferner befielt der ältere dem iüngern, den Neuaufzunehmenden in die Gesellschafft zuführen. Dieser vermahnt den Bruder, ihm ohne Furcht zu folgen, und zieht ihn an dem Stricke, davon wir geredet haben, bis an die Thür des Zimmers, worinnen man die Loge hält, nach sich. So bald sie daselbst angelangt sind, so befielt der ältere dem iüngern, anzuklopfen. Solches thut er dreymal an der innern Thüre, auf die oben beschriebene Art. Was aber die Cerimonien bey Eröffnung der Thür und dem Eingange betrifft, so wollen wir davon reden, nachdem wir, was in der innern Loge beobachtet wird, beschrieben haben, welches in dem folgenden Artickel geschehen soll.

Beschreibung der auf dem Fußboden der Loge beschriebenen Figuren, und der Art, wie sich die Freymäurer um solche herumstellen.

[Description de la Figure tracée sur le plancher de la Loge, et de la manière dont les Frères se rangent autour]

In allen Logen der Lehrlinge, Gesellen, Meister oder Schotten, mahlt man mit Kreide auf den Fußboden der Loge, oder das Bret, so man an dessen stat hingelegt, gewisse Figuren, so den Tempel Salomons entweder gantz oder zum Theil vorstellen, ab, so offt man ein neues Mitglied in die Gesellschafft aufnimmt. Man scheuert deswegen, oder kehrt zuerst den Boden, hernach beschreibt man darauf vier Linien, so ein länglicht Viereck ausmachen, und in welchem man die vier Welt-Gegenden les quatre Points Cardinaux] bezeichnet, so, daß die Breite des Vierecks zwischen Morgen und Abend, die Länge zwischen Mittag und Mitternacht ist.
Wenn dieses geschehen, so fängt man die Zeichnung der Figuren nach Mitternach an t [par le Septentrion], da man in der Mitten der Breite des Vierecks ein Thor, zu welchem man durch eine einzige Stiege kommt, mahlt. Zur Rechten und Lincken in den beyden Winckeln des länglichen Vierecks macht man zwey Zimmer, so man die finstern nennt, und über dem Thor gerade gegen über eine Treppe auf den Gang, wo fünff Seulen stehen, zu steigen. Der Boden dieses Ganges stellt ein Pflaster von mosaischer Arbeit vor, so aus kleinen weissen und schwartzen Steinen zusammengesetzt ist. Auf dem Dache mahlt man Gold und Edelsteine. Zur Rechten und Linken gedachter Treppe setzt man zwey Wasch-Becken. Hinter dem Gange, gegen über muß eine Seule stehen, und über solcher stellt man noch eine Stiege, von welcher man sich einbildet, daß sie nach dem Tempel Salomons führe, vor. Zur Rechten der Seule mahlt man zwey creutzweis gelegte Degen, zur Lincken ein Joch [un Joug]: über dem Thor zeichnet man eine Welt.-Kugel [un Globe], und darunter ein Gebäude. Zur Rechten einige Kugeln, so man mit dem Hebebaum aufheben will, zur Lincken einen kleinen Karren, die Steine zuzuführen. Zur rechten Seite des Gebäudes eine Wage, zur Lincken ein Scepter: über dem Gebäude einen Stern, so Strahlen wirfft. Zur Rechten die aufgehende Sonne, zur Lincken den vollen Mond in seinem grösten Licht. Das sind die Figuren, die nun zwischen den vier Linien, so das länglichte Viereck ausmachen, mahlt.

Auswärts gegen Mittag bereitet man einen Altar [un Autel], welcher nichts anders als ein mit einem Teppiche, worauf verschiedene Figuren des Fußbodens gemahlt sind, belegter Tisch ist: Auf solchen legt man das Schurtzfell der Lehriungen, so vor dem Altar hängt. Nach der Seite gegen Mittag stickt man auf das Schurtzfell eine von denen Figuren des Bodens und in ihrem Geschmack. Auf dem Altar liegt ein kleiner Hammer [un petit Maillet], eine Bibel, oder bloß das Evangelium Johannis, und ein Degen. Ferner drey ins Dreyeck gesetzte Lichter, so daß zwey zur Rechten und Lincken des Meisters, und das dritte gegen ihm über ist. Zum andern steht ausser denen auf dem Boden gezogenen Linien ein Lehnestuhl, worauf sich der Meister, bey der Aufnehmung neuer Glieder in die Loge, setzt.
Zur Rechten und Lincken stehen drittens ausser diesen Linien acht halbe Arm-Stühle, vor den Groß-Meister des Ordens, den obersten Protector, den Ober-Aufseher, den obersten Secretär, den National- oder Provincial-Meister, Protector, Aufseher und Secretär. Die Plätze dieser halben Lehnstühle sind folgender Gestalt geordnet: zur Rechten des Meisters der Loge sitzt der Groß-Meister des Ordens, auf dem folgenden der Ober-Aufseher, neben ihm der National-Obermeister, und auf dem letzten Platz der Aufseher. Auf dem ersten Platz zur Lincken sitzt der oberste Protector, auf dem andern der oberste Secretär, auf dem dritten der National-Protector, und auf dem vierten der Secretär. Diese Beamten des Ordens mögen zugegen seyn oder nicht, so werden doch die Stühle vor sie hingesetzt. Wenn sie sich niederlassen, legen sie ihre Schurtzfelle ab, und sind sie nicht zugegen, so legt man sie auf ihre Sitze. Ein Licht, so zwischen der Thüre und dem Vorgemach stehet, erleuchtet endlich den gantzen Boden.

Das sind die Figuren, die man zeichnet, und die Dinge, so man bey der Aufnahme eines Bruders Dieners bereitet. Das Gemach, worinnen dieses geschieht, muß nicht mehr als eine Thüre haben, die von innen durch den iüngsten Lehrling mit zwey blossen Degen, davon der eine zur Rechten mit aufwärts gekehrter Spitze, der andere zur Lincken mit zur Erden gerichteten Spitze ist, bewacht wird. Wenn einige Thüren ausser dem Haupt-Eingange sind, so macht man sie so genau, als möglich, zu, und giebt hernach nicht weiter Achtung darauf. Die Fenster müssen so wohl verwahrt seyn, daß nicht ein Sonnen-Strahl oder etwas vom Tages-Lichte hindurch kan, und also das Zimmer bloß durch die drey Lichter auf dem Altar, und das, so auf dem Boden zwischen dem Vorgemach und dem Gebäude selbst stehet, erleuchtet wird.
Vor diesem Gemach, welches die innere Loge ist, ist ein anders, wo zwey Brüder Diener mit blossen Degen stehen. Diese Herren, deren Verrichtung man bereits gesehen hat, dürffen nicht Wache halten, indem die Thür der Loge solche von aussen nicht nöthig hat, und sie über dieses drey Schritte weit davon entfernet sind. Dieses zweyte Zimmer muß wenigstens zwey Thüren haben, eine in die Loge, die andere, ins Bad zu kommen, wo eine einzige Wache mit blossem Degen steht. Uiber dieses hat man, wie wir schon erwehnt, finstere Gemächer mit Wachten. Was die Bäder, oder Wannen betrifft, so kan man solche auch, wenn die Einrichtung des Gebäudes solches erfodert, in das andere Zimmer setzen; es ist aber weit beqvemer, ein besonderes Zimmer dazu zu haben. Man. setzt zwey Bade-Wannen, eine zur Rechten, die andere zur Lincken des Zimmers. Sie sind rund, und in Manns-Höhe, von Holtz oder Stein verfertigt, und mit kaltem Wasser angefüllt. Man hat über dieses ein weisses Tuch, die Hände, Füsse, und den gantzen Leib des Neuaufzunehmenden, wenn er eingetaucht worden, abzutrocknen. Er findet daselbst auch andere Hosen und ein weisses Hemde, sich abzutrocknen und anzuziehen.
Ausser denen erwehnten Zimmern hat man noch eines, so wir oben das Vorgemach der Loge genennt, dessen Thüre von innen durch zwey Brüder Diener, die man die nähere Wache nennt, bewahrt wird, welche mit blossen Degen in der Hand an der Ecke der Thüre stehen, und solche halb auf- und zumachen, wenn einer von den Brüdern anklopfft. Alle demnach, welche man an das äussere Thor, an das Bad, und innere Thor der Loge stellt, sind blosse Diener, derienige aber, so inwendig an der letzten Thüre stehet, muß ein Lehrling, und der iüngste von denen, so aufgenommen worden, seyn.

Was die Ordnung der Bruder in der Loge der Lehrlinge anlangt, so haben wir von den Thürhütern weiter nichts anzumercken, weil wir bereits gezeigt, wie sie postirt sind. Wir wollen also sehen, was die Verrichtung der übrigen Brüder ist. Sie stehen in dem innersten Zimmer der Loge um die auf dem Boden gemahlten Figuren herum: Der Meister der Loge steht gegen Mittag zwischen dem Altar und einem Stuhle: Zur Rechten und zur Linken ist der Groß-Meister, der Protector, der Ober-Aufseher und oberste Secretär des Ordens: Der National-Protector, Aufseher und Secretär, wenn sie bey der Versammlung zugegen sind. In ihrer Abwesenheit setzt man die Stühle auf die Art, wie wir oben angemerckt haben. Wenn sie stehen, so haben sie dieselben allezeit hinter sich. Ihre Entfernung von dem Meister der Loge ist allemal ungefehr zwey Schritte: so daß, ob wir schon ihres Ranges wegen von den Plätzen, die sie inne haben, gleich nach des Meisters der Loge seinem geredet, so sind sie deswegen doch nicht die nächsten nach ihm.
Der Raum, der sie absondert, ist vor dem Redner, so zur Rechten des Meisters der Loge, und gleich neben ihm ist, nach ihm folgt ein Secretär, so von dem Secretär des Ordens und der Nation unterschieden ist. Der Schatzmeister hat da gleichfalls seinen Platz zur Lincken, und neben ihm sind auf beyden Seiten zwey Aufseher.
Die neuen Brüder sitzen gleich neben ihnen, aber nur den Tag ihrer Aufnahme. Die Schotten, der Meister, die Gesellen und Jungen, als blosse Mitglieder der Gesellschafft, sitzen in eben dieser Linie. Endlich befinden sich zwey Ober-Aufseher an den Ecken der Figur nach Mitternacht.

Jedes Mitglied des Ordens hat ein Schurtzfell, so seiner Würde oder Classe eigen ist. Der Meister der Loge trägt eine Trommel von Pergament, so an einer blauen seidenen Schnure an seinem Halse hängt, und auf welche der Klöppel gemahlt ist. Die obersten Beamten desselben haben ebenfalls besondere Schurtzfelle, und tragen, wie der Meister, eine blaue seidene Schnure am Halse. An dieser Schnure hängt eine Wage, oder Trommel, oder ein Hammer, oder sonst eine Figur von denen, so auf den Boden der Loge der Brüder Diener gemahlt sind. Jeder Aufseher, Meister oder Bruder, trägt den Degen auf einerley Art, ingleichen die Figur oder Vorstellung des Wapens der Loge.
Es gilbt Gesellschafften, deren Beamte und vornehmste Mitglieder eine Art von Lantzen [une espèce de lance] von einer mittelmäßigen Grösse tragen. Sonderlich haben die Aufseher durchgehends einen Schlegel [un maillet] in der Hand, und die Brüder einen blossen Degen. Alle aber sind mit entblößten Häuptern.

Von der Art, die Loge zu eröffnen.

Nach dieser vorläufigen Nachricht will ich dem Leser die Gebräuche, so nun, wenn die Loge gehalten, und ein neues Mitglied aufgenommen wird, beobachtet, beschrieben. Er wird nicht ehe, als bis sie sich angefangen, hinzugelassen, und sie continuirt und endigt sich, so bald er eingeführt worden.

Wenn demnach die völlige Figur gezeichnet, die Fenster und Thüren zugemacht worden, so nimmt der Meister der Loge seinen Platz gegen Mittag zwischen einem Lehnstuhl und Sessel. Er nimmt seinen Schlegel, klopfft auf den Altar, und sagt: Brüder, helfft mir die Loge öffnen. Wenn man diesen Schlag gehört, und dieser Befehl gegeben worden, so sind die Brüder insgesamt verbunden, sich an ihre Stellen zu begeben, und um die Figur herum zu treten. Alsdenn schlägt der erste Aufseher, so seinen Schlegel in der Hand behält, auf den, welchen der andere Aufseher hat, und sagt gleichfalls: Brüder, helfft mir die Loge offnen. Der andere Aufseher schlägt gleichfalls einmal mit seinem Hammer auf des ersten seinen, und sagt: Brüder, helfft mir die Loge öffnen.
Sodann haben die Brüder insgesamt so fleißig, als sie können, Acht. Der Meister der Loge macht das Zeichen des Lehrlings, und alle machen es zugleich nach. Sodann wendet er sich zu allen Brüdern, und giebt iedem den Titel, der seinem Range und Würde gehört. Es mögen also die obersten Mitglieder zugegen seyn oder nicht, so redet er sie allemal an, als ob sie in der Gesellschafft personlich zugegen wären:

Dreymal ehrwürdiger Großmeister des Ordens, dreimal ehrwürdiger Groß-Protector des Ordens, dreymal ehrwürdiger Ober-Aufseher des Ordens, dreymal ehrwürdiger Groß-Secretär des Ordens: ehrwürdiger National Groß-Meister, ehrwürdiger National Groß-Protector, ehrwürdiger National Ober-Aufseher, ehrwürdiger National Groß-Secretär, hochgeehrter erster und andere Ober-Aufseher, Redner, Secretäre, Schatzmeister, Aufseher, Brüder, Schotten, (wenn einer da ist) neuaufgenommener Bruder (im Fall, sich einer in der Gesellschafft findet) Meister, Gesellen und Lehrlinge, die Mitglieder sind, ich bin willens die Loge zu eröffnen.

Dieses Formular wird durch den ersten, und hernach durch den andern Oberaufseher wiederholet, mit dem eintzigen Unterschiede, daß sie sich erst zum Meister der Loge wenden, und indem sie die obersten Mitglieder nennen, wenn sie bis auf die Aufseher gekommen, und es der erste ist, so redet, kehrt er sich bloß zu dem andern, und dieser macht es auf gleiche Weise.

Wenn man einen von den Obern des Ordens anredet, so grüßt man ihn mit einer Verbeugung, indem man ihn nennet. Hernach wenn das Zeichen zur Oeffnung der Loge gegeben worden, fährt der Meister in seinen Verrichtungen fort, und wendet sich zu einem von den Ordens-Brüdern, zu welchem er will, ohne Ansehen des Ranges und der Würde, und er fragt ihn aus dem Catechismo der Bruder Diener und Lehriungen, welchen alle zu wissen verbunden sind. Ob es nun schon ihre Schuldigkeit ohne Ausnahme ist, so wohl als auf die Fragen, so der Meister zu thun Macht hat, zu antworten; so wendet er sich doch gemeiniglich zu den Aufsehern, und fast allemal zu einigen Beamten des Ordens, und andern, von denen man weiß, daß sie den Catechismum auswendig können. Wird iemand gefragt, und er kan nicht antworten, so muß er es durch eine Verbeugung zu verstehen geben: und alsdenn ist es nicht einem ieden vor ihn zu antworten vergönnt, sondern man muß warten, bis der Meister fragt. Kluge Verordnung, die sonder Zweifel gemacht worden, der Verwirrung, und dem Neide, welchen die Eitelkeit und Einbildung zwischen Gliedern von einem widerwärtigen Naturell erwecken könnte, vorzubeugen. Der, welcher nicht antworten können, muß auf die richtige Antwort des andern wohl Achtung geben, indem er sie, ohne die Anrede des Meisters zu erwarten, sogleich wiederholen muß. Auf diese Art üben sich die geschickten, und erhalten ihre Wissenschaft, die unwissenden aber erlangen solche.

Wenn: der Catechismus, den man unten antreffen wird, geendigt worden, so redet der Meister die Beamten und Brüder des Ordens nochmals, wie im Anfange geschehen, an, schlägt mit dem Hammer auf den Altar, und sagt: Die Loge ist geöffnet. Die Ober-Aufseher wiederholen das Formular nach der oben beschriebenen Art, schlagen mit ihren Schlegeln wechselsweise auf einander, und sagen: Die Loge ist geöffnet. Man macht zugleich das Zeichen der Lehrlinge und einige Verbeugungen.

Die Redens-Arten: ich will die Loge offnen, sie ist offen, Brüder helfft mir die Loge offnen, bedeuten nicht, daß die Thüren des Zimmers aufgemacht werden sollen, oder daß sie offen sind. Es ist vielmehr eine den Freymäurern eigene Redens-Art, deren Verstand dem, welchen das Wort öffnen im gemeinen Leben hat, gantz entgegen ist: denn sie gebrauchen diese Kunst-Worte, zu zeigen, daß alles zugemacht, oder es wenigstens seyn solle, daß alles so sicher sey, daß man die Zeichen der Gesellschafft frey machen, und ohne Scheu reden könne, ohne zu besorgen, man möchte durch einen Unheiligen gehört oder gesehen werden, indem die innere und äussere Wache, ihnen den Zutritt zu wehren, bestellt sey. So bald die Figur auf den Boden gezeichnet worden, der Meister den Catechismum hersagen lassen, und alle Brüder sich in dem Innern der Loge versammlet haben, so sagt man, daß sie geöffnet worden. Hier ist nicht zu vergessen, daß wenn der Meister den ersten Schlag mit dem Schlegel auf den Altar thut, und den Brüdern ihm bey Oeffnung der Loge zu helffen befohlen, die Ober-Aufseher aber diese Worte wiederholt haben, so muß der andere den Platz, der ihm bey der Figur angewiesen ist, verlassen, und zu der Thür der Loge, wo der iüngste Lehrling die Wache hat, gehen, und zu ihm sagen: Bruder Thürhüter, man öffnet die Loge; sodenn gehet er an seinen eigentlichen Platz, macht das Zeichen des Lehrlings, und eine Verbeugung. Der Thürhüter macht die Thür halb auf, und sagt zu den beyden Brüder Dienern, die, wie wir angemerckt, mit blossen Degen haussen stehen: Brüder Diener, die ihr euch hier schlagt, die Loge wird geöffnet. Dieser letztere sagt gedachte Worte dem Wächter des finstern Zimmers, dieser der Schildwacht, so an der äussern Thür steht, alles aber wird wiederholt, wenn der Meister sagt: Die Loge ist geöffnet.
Nach dieser letztern Nachricht muß ieder Thürhüter sein Amt mit aller möglichen Vorsicht beobachten. Wenn man also zu Oeffnung der Loge, in dem Zimmer, wo die Figur ist, schreitet, so wird der, den man aufnehmen will, an die innere Thüre geführt, wo wir ihn zu Ende des vorigen Artickels gelassen haben, und wo wir ihn ietzt wieder abholen, um die Gebräuche der Aufnahme selbst zu beschreiben.

Aufnahme eines Bruder-Dieners und Lehrlings.

[Réception d’un Frère Servant Aprentif]

Die beyden Brüder Diener führen den Neuaufzunehmenden an die innere Thüre der Loge, wo der andere Bruder auf Befehl des ersten dreymal anklopfft. Auf dieses Geräusche öffnet sich die Thüre halb, der Wächter kömmt und fragt den, welcher anklopfft: wer seyd ihr? Der erste antwortet: was mich betrifft, so bin ich der erste Bruder Diener, der aber, welchen wir am Stricke herführen, einer, der Willens ist, in die Gesellschafft zu treten.
Was wollt ihr also? sagt der Thürhüter. Ich will, antwortet iener, meine Schuldigkeit beobachten, den Neuaufzunehmenden der Gesellschafft vorstellen, und alsdenn meine andern Verrichtungen in Acht nehmen.
So dann macht der Wächter die Thüre zu, schrenckt den Degen, so er in der Hand hat, creutzweise, und macht ein Geräusche, indem er mit dem einen dreymal auf den andern schlägt. Dieses Zeichen soll andeuten, daß der Thürhüter der Gesellschafft etwas zu hinterbringen habe: denn er kan seine Stelle nicht verlassen, um ihr von dem, was an der Thüre vorgeht, Nachricht zu geben, sondern muß mit dem Degen anschlagen, und einen an dem andern wetzen, Hierauf macht der andere Ober-Aufseher das Zeichen der Lehrlinge, schlägt dreymal mit seinem Schlegel auf des ersten Ober-Aufsehers seinen, macht ihm eine Verbeugung, und sagt zu ihm: Ehrwürdiger erster Aufseher, der Thürhüter schlägt an. Der erste Ober-Aufseher schlägt gleichfalls dreymal mit seinem Schlegel auf des andern Aufsehers seinen, macht das Zeichen des Lehrlings, und dem Meister der Loge ein Compliment, und sagt: Hochehrwürdiger Meister, der Thürhüter klopfft an. Hierauf klopfft der Meister der Loge dreymal mit seinem Schlegel auf den Altar, macht das Zeichen des Lehrlings, und sagt, indem er den ersten Ober-Aufseher grüßt: Ehrwürdiger erster Aufseher, seht, was der Thürhüter verlangt.
Der erste Aufseher schlägt von neuen dreymal mit dem Schlegel auf des andern seinen, macht ihm das Compliment, und das Zeichen des Lehrlings, und sagt: Ehrwürdiger anderer Aufseher, seht, was der Thürhüter verlangt. Dieser macht hierauf gleichfalls das Zeichen, und die Verbeugung gegen den Meister, und verläßt seinen Platz, um zu dem Thürhüter zu gehen. Wenn er noch drey Schritte von ihm entfernet ist, so bleibt er stehen, sieht ihn genau an, ohne eine Bewegung zu machen. Hierauf macht der Thürhüter dem Ober-Aufseher nicht der Lehrlinge, sondern der Brüder Diener Zeichen, welches wir bald beschreiben wollen, und der Ober-Aufseher ist auf gleiche Weise zu antworten verbunden. Denn bey dieser Gelegenheit muß man das Zeichen der Classen, worein man iemanden aufnehmen will, machen, so nur in dem Augenblicke, da er aufgenommen wird, geschieht. Die Brüder, so nicht Diener sind, gebrauchen niemals das Zeichen derer, so es sind, weder zuvor noch hernach. Ist die Cerimonie der Aufnehmung vorbey, so nehmen sie das Zeichen der Lehrlinge wieder an.

Der Thürhüter macht nach dem Ober-Aufseher das Zeichen des Bruder Dieners mit vieler Ernsthafftigkeit. Nachdem ihm der Ober-Aufseher auf gleiche Art geantwortet, macht der Thürhüter mit seinen Degen, indem er sie creutzweise legt, ein Geräusche, grüßt den Aufseher, und sagt zu ihm: hier ist der Bruder, so ein Mitglied der Gesellschafft zu werden verlangt. Der Ober-Aufseher antwortet: Wer ist er? So gleich öffnet der Wächter die Thüre, und sagt zu dem ersten Bruder Diener: Wie nennt sich der Neuaufzunehmende? wo ist er her? was hat er vor Qvalitäten? Nachdem der erste Bruder auf diese Fragen geantwortet, schließt man die Thüre zu, und der Thürhüter wiederholet gegen den Ober-Aufseher seine Antwort. Endlich setzt dieser hinzu: Bruder Thürhüter, hat der Neuaufzunehmende einen rechten Beruff? Ist die Zeit seines Examens aus? hat er es, wie sichs gehört, ausgestanden? Alle diese Fragen geschehen besonders, und eine nach der andern. Der Ober-Aufseher thut sie an den Thürhüter, und dieser an den ersten Bruder Diener. Man macht die Thüre allemal, so offt man eine Frage thut, auf, und wenn man die Antwort erhalten, wieder zu. Bey ieder Antwort, so der Thürhüter an den Ober-Aufseher gethan, macht er das Zeichen des Bruder-Dieners, und die Verbeugung, und der Ober-Aufseher, wenn er mit dem Thürhüter redet, thut dergleichen.
Da« sind die Fragen, so sie einander lhun, und deren Menge und öfftere Wiederholung dem Leser sehr verdrießlich gewesen seyn würde, wem wir sie nach der Länge hergesetzt hätten.

Wenn diese Unterredung, so der Aufseher, der Thürhüter, der Neuaufzunehmende, und der Bruder Diener, so ihn begleiten, unter einander bey der Thüre gehalten, aus ist, so geht der Aufseher davon und an seinen Platz bey der Figur, macht das Zeichen des Bruder Dieners, und dem ersten Aufseher ein Compliment und sagt: Ehrwürdiger erster Aufseher, der Bruder Diener ist hier, um seine Aufnahme zu bitten. Der Ober-Aufseher macht das Zeichen des Bruder Dieners, und ein Compliment, und sagt: wie nennet sich der Neuanzunehmende? wo ist er her? was hat er vor Eigenschafften? ist sein Beruff richtig?
Die zwey Aufseher thun noch viele andere Fragen von der Art derer, so wir oben angeführet, da wir die, so der Thürhüter, der andere Aufseher, der erste von den Brüder Dienern an einander thun, erzehlt. Wenn alles dieses vorbey ist, so macht der erste Aufseher das Zeichen des Bruder Dieners und dem Meister ein Compliment, und redet ihn folgender Gestalt an: Hochehrwürdiger Meister, der neue Bruder Diener ist hier, um seine Aufnahme zu ersuchen. Der Meister wiederholet das Zeichen des Bruder Dieners, grüsset und antwortet: wie heisst der Aufzunehmende? und thut alle die vorhergehenden Fragen, gleichwie der erste Aufseher die Antwort wiederholt. Das gantze Formular ist wegen seiner Länge und wegen seiner pedantischen und unnatürlichen Ernsthafftigkeit, auch weil man einerley Dinge wohl tausendmal wiederholt, unangenehm.

Der unermüdete Meister wiederholt von neuem zu dreyen malen: Ehrwürdiger Ober-Aufseher, hat der Bruder Diener, so in die Versammlung treten will, einen Beruff dazu? Dieser antwortet auf die drey Fragen, deren iede besonders geschiehet: Ehrwürdiger erster Aufseher, last den neuen Bruder Diener hereinkommen. Sodenn wendet sich der Aufseher auf des andern Seite, und sagt: Ehrwürdiger anderer Aufseher, last den neuanzunehmenden Bruder Diener hereinkommen. So bald also der andere Ober-Aufseher das Zeichen des Bruder Dieners, und die Verbeugung gemacht, entfernt er sich von der Figur, und nahet sich dem Thürsteher bis auf drey Schritte. Sodenn bleibt er mit einer gravitätischen Stellung stehen, macht das Zeichen des Bruder Dieners und das Compliment, und sagt: Bruder Thürhüter, man lasse den neuaufzunehmenden Bruder hereintreten. Indem dieses geschiehet, macht der Thürhüter mit eben der Ernsthafftigkeit das Zeichen und die Verbeugung, öffnet, ohne ein Wort zu reden, oder eine Antwort zu geben, die Thüre, und sagt zum ersten Bruder Diener: Bruder Diener, laßt den Neuaufzunehmenden hereintreten.
Jener, nebst seinem Gefehrten, übergiebt ihn sodenn dem Thürhüter, welcher ihn am Stricke, den er um Hals hat, bis an die Schwelle führet, und die Thüre hinter ihm zumacht. Währender Zeit treten die Brüder Diener, welche den Neuaufzunehmenden aus dem finstern Zimmer bis an die innere Thür der Loge geführt hatten, gantz ab, und gehen, ohne sich weiter um die Gebräuche der Aufnahme zu bekümmern, an die Verrichtungen, so die Loge entweder in der Küche oder anderswo von ihnen fordert.

So bald der Neuaufzunehmende an die Thürschwelle gekommen, so bleibt der, welcher die Wache daselbst hat, ohne einen Schritt zu weichen, stehen, und fährt fort, sie zu bewachen. Der andere Aufseher, so, wie gedacht, nahe dabey ist, nimmt den Strick, den der Neuangehende um Hals hat, und spricht: Neuangehender Bruder Diener, zieht euren Degen heraus, haltet die Spitze in die Höhe, und fürchtet euch nicht. In dieser Stellung führt der Aufseher denselben um die auf den Boden gemahlte Figur erst von Morgen gegen Mitternacht, und hernach gegen Mittag und Abend, und wenn er endlich wieder nach Mitternacht gekommen, so stellt er sich zwischen dem ersten und andern Aufseher, mitten in die Linie, so das lange Viereck ausmacht, dem Thor nach Mitternacht gerade gegen über.

Nachdem man den Neuaufzunehmenden auf diese Art herumgeführt, so ist zu mercken, daß die Brüder, so um die Figur herumstehen, so offt als er an eine der vier bezeichneten Welt-Gegenden gekommen, einen halben Circkel machen, ihn umgeben, und ihre Degen mit einem erschrecklichen Geräusche, als ob sie sich im Ernste schlügen, an einander wetzen. Die Ursache, warum sie nur einen halben Circkel machen, ist, weil der Neuanzunehmende am Rande der Figur, wo kein Bruder ist, steht, und er von dieser Seite, welches auch die, wohin er das Gesicht wendet, ist, nicht umgeben werden kan. Indem nun die Brüder sich mit :ihren Degen schlagen, sagt der andere Aufseher zum Neuangehenden: verschiedene Unheilige und Brüder sind unter einander streitig; die ersten wollen euch hinderlich, die andern beförderlich seyn, in die Loge zu treten. Es steht also bey euch, ob ihr euch wieder zurück begeben, oder fortgehen, und euch aufnehmen lassen wollt. Sodenn wird der Neuaufzunehmende sagen: Ich will in die Gesellschafft treten, und von meinem Vorhaben nicht abstehen. Hierauf giebt ihm der Aufseher diesen Befehl: Neuaufzunehmender Bruder Diener, haltet euren Degen feste, und fechtet muthig mit denen Unheiligen, so sich euch widersetzen. Hernach befielt er ihm, die Spitze des Degens in die Höhe zu halten, ohne sie zu bewegen, worauf drey von den Brüdern, die man als Unheilige ansieht, mit ihren Degen dreymal auf den seinigen schlagen. Wenn diese grosse That vollendet worden, so rufft der Ober-Aufseher, gleich als ob die Unheiligen umgebracht worden:

Ich wünsche euch Glück, neuaufzunehmender Bruder Diener, die Unheiligen sind todt, ihr habt gezeigt, daß ihr würdig seyd, ein Mitglied der Gesellschafft zu werden.

Man wiederholt diese Worte und dieses Geklirre der Degen viermal, nemlich auf ieder auf der Erde gezeichneten Welt-Gegend einmal. Indem der Neuaufzunehmende, von dem Aufseher begleitet, um die Figur herumspatziert, so wendet er das Gesichte weder nach ihrer, noch nach der andern Seite, sondern sucht es allemal nach der Rechten zu halten. Indem ihn die Brüder in einen halben Circkel eingeschlossen haben, so ist der Ober-Aufseher mit ihm zugleich darinnen begriffen.
Indessen umgeben nicht alle Brüder diese beyden Herren, sondern nur die, so um eine von den 4 Seiten der Figur, nahe bey einer der beyden bezeichneten Gegenden, herumstehen. Zum Exempel, wenn die Gesellschafft aus hundert Brüdern besteht, so stehen deren 25 gegen die mitternächtige Seite der Figur, und sie allein formiren den halben Circkel, wenn sich der Neuaufzunehmende an diesem Orte befindet: befindet er sich an einem andern, so sind auch 25 andere Personen da, so um ihn herumtreten. Sind die obersten Beamten zugegen, so müssen sie einander sowohl, als der Meister der Loge, helfen, wenn der Neuaufzunehmende gegen Mittag zugeht. Endlich spaziert selbiger nicht bloß um die Figur, sondern auch um die Brüder herum.
Wenn diese Proceßion geendiget, und der Neuaufzunehmende dem Meister der Loge gegen über gekommen, so treten zwey Aufseher hinein, und der andere Aufseher klopfft mit seinem Schlegel dreymal an die Stiege der Thür, durch welche man in die Gallerie geht. Er macht hierauf zuerst das Zeichen des Bruder Dieners, grüsst ihn, und sagt: Ehrwürdiger erster Aufseher, der neuaufzunehmende Bruder Diener ist hier, um aufgenommen zu werden. Hierauf schlägt der Meister dreymal mit dem Hammer auf den Altar, macht das Zeichen des Bruder Dieners, und das Compliment, und sagt:

Ehrwürdiger erster Aufseher, wie heist der Neuaufzunehmende, aus was vor einem Geschlechte und Lande ist er, was vor Jahre, was vor ein Naturel hat er? ist er examiniret und vorbereitet, hat man einen rechtmäßigen Beruff bey ihm wahrgenommen?

Eben diese Fragen, eine nach der andern, thut auch der Meister. Er wendet sich zum ersten Aufseher, dieser zum andern, und der letztere zum Neuaufzunehmenden: dessen Antwort von ihm zum andern Aufseher, von diesem zum ersten, und endlich zum Meister kommt. Alles wird mit lauter Stimme gesprochen, und die, welche reden, machen allemal das Zeichen des Bruder Dieners, und ein Compliment: und ob wir schon die Fragen hier nach der Ordnung erzehlet haben, so ist doch solches bloß, um die Gedult des Lesers nicht zu mißbrauchen, geschehen. Denn man thut iede Frage besonders, wie wir bereits gedacht haben.

Die Antwort auf die fünff ersten Fragen, wird, sie mag seyn, wie sie will, in das Buch der Brüder durch den Secretär der Loge geschrieben, welcher den Tag, den Monat und das Jahr auf folgende Weise bemerckt:

den 1 Jenner 1745 hat sich Frantz Procoq aus Paris gebürtig, ein Koch von. Profession, seines Alters 50 Jahr, als ein Bruder Diener, bey der ehrwürdigen Loge zu Franckfurt am Mayn angegeben.

Diese Umstände des Geschlechts, Nahmens, des Vaterlandes und der Qvalilät des Neuaufzunehmenden werden in dem Augenblick, da er sie anzeigt, durch den Secretär der Loge auft gezeichnet, welcher zu dem Ende ein Buch oder Schreibzeug unter dem Arme oder im Schubsacke trägt, und es, wenn er schreiben will, auf den Altar legt. Die andern vier Antworten werden nicht niedergeschrieben, sondern es ist genug, daß der Oberaufseher sie mit Ja beantwortet.

Der Meister läst hierauf dem Neuaufzunehmenden mit aller gewöhnlichen Gravität sagen, daß er ihm mit einer vollkommenen Aufrichtigkeit antworten solle. Darauf macht er das Zeichen des Bruder Dieners ohne Reverenz, und alle gegenwärtige Brüder thun dergleichen, hernach wendet er sich zum Bruder selbst, und nicht zu den übrigen, und sagt mit einem ernsthafften Tone: Neuangehender Bruder Diener, wollt ihr in den Orden treten? Wenn er solches von neuen bekräfftiget, so setzt der Meister hinzu: Ihr wollt demnach die Ordnungen und Gesetze des Ordens genau beobachten? der andere verspricht es. Ihr wollt also dessen Geheimnisse unter der Decke der Nacht begraben? fährt der Meister fort. Er versichert es gleichfalls, und der Meister sagt:

wollt ihr euch also zu diesem Stillschweigen von den Geheimnissen des Ordens zu dem dem Meister schuldigen Gehorsam, zu dem Eifer vor das Wohl der Brüder, und zu allen euren übrigen Pflichten durch einen Eid verbinden?

Der Neuaufzunehmende beantwortet solches auch mit ia: da ihm denn der Meister befielt, mit dem rechten Knie sich auf die Erde nicht weit von der Stuffe, auf welcher man nach dem Thore gegen Mitternacht geht, niederzulassen, und was er ihm vorsagen würde, nachzusprechen. Er legt sodann den Eid, welchen wir bald hersetzen wollen, ab, und thut solches, indem er mit dem rechten Knie auf der Erde liegt, das lincke aber nur gebogen hat, in der rechten Hand einen Degen, die Spitze in die Höhe gekehrt, den lincken Arm aber, die Hand und Finger ausgestreckt hat. Wenn der Eid geendigt ist, so sagt der Meister zu ihm: Stehet auf Bruder Diener, der bald völlig aufgenommen werden soll.
Er thut solches, und stellt sich dem Thore nach Mitternacht gegen über. Der Meister befielt ihm nochmals, indem er ihm den vorigen Titel giebt, die rechte Hand auszustrecken, und die Spitze des Degens in die Höhe zu halten: welches er thut. Sodann sagt der Meister zum ersten Aufseher: Ehrwürdiger erster Aufseher, zeigt dem Bruder Diener, welchen man bald völlig aufnehmen wird, wie er gehen soll. Der Aufseher spricht sodann zu ihm: Bruder Diener, der nun bald völlig aufgenommen werden wird, erlaubt mir eure Füsse zum gehen einzurichten; und stellt sie ihm in Form eines Winckelmasses, so daß der lincke Fuß den untern Theil, der rechte die Seite bezeichnet. Hernach thun sie einen Tritt auf die Stuffe, so nach der Thüre zugeht, und der Aufseher befielt dem Bruder Diener, den rechten Fuß in die Höhe zu heben, welchen er auf die gemahlte Stuffe, davon wir geredet, setzt; hernach spricht er: hebt den lincken, und setzt ihn gleichfalls drauf, so daß sie noch ein Winckelmaß formiren.
Wenn nun selbiger auf der Stuffe ist, so befielt der Meister dem Aufseher ihn in die Loge zu führen, welches er durch einen Schlag mit dem Schlegel auf des andern Aufsehers seinen thut. Dieser Schlag ist an stat desienigen, welchen man an die Thüre, so nur gezeichnet ist, thun sollte: der andere Aufseher antwortet darauf, und sagt: Was wollt ihr, ehrwürdiger erster Aufseher? Er sagt: Ich will hineingehen. Der andere Aufseher fragt ferner: Wer ist der andere? Der erste Aufseher antwortet: Es ist ein Bruder Diener, dessen Aufnahme man vollenden will.
Worauf iener sagt: Gehet hinein. Der Meister aber spricht zum ersten Aufseher:

Ehrwürdiger erster Aufseher, sagt dem Bruder Diener, welcher aufgenommen werden soll, daß es nicht erlaubt sey, mit verbundenen Augen in die Loge zu gehen, und fragt ihn, ob er sie frey haben wolle?

Der Aufseher spricht demnach zu ihm: Die Finsterniß vergeht in der dreymal ehrwürdigen Loge, sie ist gantz von dem Schein eines ausserordentlichen Lichts angefüllt. Wollt ihr also, Bruder Diener, dieses Licht sehen, welches ihr gantz neu und vortreflich finden werdet? Es ist leicht zu erachten, daß der Neuaufgenommene ein grosses Verlangen darnach bezeigen werde.

Sodann tritt der andere Aufseher hinzu, ihm die Binde, womit ihm die Augen zugebunden waren, abzunehmen, und zu gleicher Zeit sagt der erste Aufseher zum Neuaufgenommenen: Gebt mir euren Degen, ihr habt nunmehro alle Schwierigkeit überstiegen, und seyd in die dreymal ehrwürdige Loge aufgenommen: so daß der neue Mit-Bruder, sobald er die Binde los geworden, sich ohne Degen sieht; alle andere Diener machen mit der rechten Hand das Zeichen des Bruder Dieners, und mit der andern drohen sie dem neuen Bruder mit ihren Degen, dessen Spitze sie ihm vorhalten.

Der erste Aufseher, so sich mitten an der Figur des Bodens befindet, und den Degen d« Neuaufzunehmenden zu sich nimmt, hält ihn solchen gleichfalls mit der lincken Hand vor, indem er mit der rechten das Zeichen des Bruder Dieners macht. Alle stehen überaus ernsthafft und unbeweglich in dieser Positur, bis daß nach Verlauff einiger Minuten der Meister einen Schlag mit dem Hammer gethan, und gesagt: Brüder, es ist genug. Auf diesen Befehl nehmen alle ihren Platz um die Figur des Bodens ein, und machen das Zeichen des Bruder Dieners.

Hier kan sich der Leser das Erstaunen und die Mäßigung des Neuaufzunehmenden weit besser einbilden, als sie die beste Feder beschreiben würde. Nachdem er zwey Stunden in einer dicken und erschröcklichen Finsternis gleichsam begraben gelegen, durch ein ernsthafftes und verdrießliches Examen geplagt worden, das Vergnügen und die Erfrischung des Bades sowohl, als des Concerts, und Geklirres der Degen genossen, einen Strick um den Hals getragen, an allen Thoren angeklopfft, und seinen Nahmen hergesaget hat; endlich aber nach langem Verzug hineinzutreten Erlaubniß erhalten, so kommt er in ein Zimmer, wo er nichts als eine Geheimniß-volle Figur auf dem Boden gezeichnet findet, und das traurige Licht einiger Wachs-Kertzen, nach abgenommener Binde, scheinen sieht, um hundert Degen, die auf ihn gerichtet sind, zu erblicken.

Es ist gewiß, daß man, ohne etwas ernsthafftes und wirckliches zu unternehmen, sich nicht leicht mehr erschröckliche Dinge auf einmal vorstellen kan. Deswegen haben sich auch viele dermalen davor entsetzt, daß sie blaß worden, gezittert, und sich nicht lange halten können. Ich habe so gar einige in Ohnmacht fallen sehen. Unter andern nahm man zu A * * * in einer Loge, wo ich die Ehre hatte, den eifrigen Herrn K * * * präsidiren zu sehen, den Herrn von M * * *, einen Pagen des Marckgrafens von Bayreuth, auf. Dieser Edelmann erschrack dermassen über den Anblick, als man ihm die Binde abnahm, daß er feste glaubte, er sollte an den Strick, welchen er um Hals hatte, gehenckt werden, und fiel auf einmal in eine so starcke Ohmnacht, daß ihn die Brüder aus der Loge tragen musten, da er denn erst, nachdem man ihn angestrichen, wieder zu sich selbst kam.

Andere haben an diesem ersten Vergnügen der Loge so wenig Gefallen gehabt, daß ihr Eintritt und Abschied in einem Tage geschehen, wie man von dem berühmten Herrn Crousatz, einem grossen Gelehrten unserer Zeiten, erzehlt, welcher auch in der That eine lächerliche Figur, als ein Mann von 80 Jahren, sowohl währender Cerimonie, als sonderlich, da er aus der Wanne wieder her ausgestiegen gemacht haben muß: wenigstens ist sein Geblüte, wie man sagt, entweder vor Furcht oder Kälte, dermassen erstarrt gewesen, daß solches das rare Wunderwerck, ihn auf 14 Tage mit der Seele des Herrn von Leibnitz, und mit dein Wolffischen Systemate zu einem Stillestande zu bringen, gewirckt.

So sonderbar auch die Wirkungen, so diese Aufnahme bey denen, welche in die Loge treten, hervorbringt, dem Leser vorkommen mögen, so sind sie indessen nicht so selten, daß sich nicht auch dergleichen bey andern Fällen hätten ereignen sollen. Dergleichen war, zum Exempel das Gastgebot, so ein Römischer Kayser dem gantzen Rath gab, da man alle Zugänge des Zimmers durch Soldaten mit blossen Degen bewahrt, alle Fenster dichte zugemacht, alles mit schwartzen Tuche ausgeschlagen hatte, und wo der düstere Schein einiger Lichter so viel Särge, als Gäste waren, deren Nahmen darauf geschrieben stunden, erleuchtete. Der Degen, welchen ein anderer Fürst über dem Haupte eines seiner Hof-Bedienten an einem Pferde-Haar aufhängen lassen. Das unverhoffte Geschrey, und der Anblick der Elephanten, womit man, wie man erzehlt, die Fremden, so an den Hof nach Siam kommen, bisweilen empfängt. Viele andere Dinge könnten mit der Cerimonie dieser Aufnahme, wo wir stehen blieben, verglichen werden: allein es ist Zeit, daß wir solche wieder vor uns nehmen.

Wenn die Brüder alle um die Figur des Bodens herum stehen, und das Zeichen des Bruder Dieners machen, so setzt man voraus, daß der Neuaufzunehmende noch an der Treppe der Thüre ist, und seine Füsse in Form eines Winckelmasses hält. Der Meister sagt hierauf zu dem ersten Aufseher:

Ehrwürdiger erster Aufseher, führt den Bruder Diener, der bald vollkommen seyn wird, in die Loge, und bringt ihn auf die bey solchem Fall gewöhnliche Art zu mir.

Der Aufseher spricht zu dem Neuaufzunehmenden: Bruder Diener, macht einen Schritt. Dieses thut er, indem er erst den rechten, sodann den lincken Fuß fortsetzt, und auf die oben gezeigte Art ein Winckelmaß forniret. Er befindet sich sodann zwischen der Thüre und der Treppe, so nach der Gallerie zu sehen, und wendet das Gesicht gegen Abend, indem er die Füsse immer nach Art des Winckelmasses setzt, mit einem andern Schritte kommt er zur Figur, so die finstere Kammer gegen Abend vorstellt. Ferner wendet er das Gesicht gegen Morgen, und kömmt mit einem andern Schritte auf die Treppe, so zur Gallerie führt. Endlich macht er einen andern zur Gallerie selbst, und fünff Schritte um die fünf Seulen, so daselbst gezeichnet sind. Er wendet hierauf das Gesichte gegen Morgen, und macht einen Schritt nach der Figur des Bades, hierauf richtet er es gegen Abend, und tritt auf die Seule, so ausserhalb des langen Ganges gezeichnet ist, endlich geht er gerade vor sich bis zur Treppe, so zur Thüre des Tempels Salomons führet, und zu welcher er nur noch einen Schritt hat: er kommt mit einem andern zur Welt-Kugel, sodenn zu einem Gebäude, über welchem man einen hellleuchtenden Stern sieht. Alsdenn befindet er sich dem Meister der Loge gegen über, welcher zum ersten Aufseher sagt:

Ehrwürdiger erster Aufseher, nehmt dem Bruder Diener, der bald vollkommen seyn wird, den Strick vom Halse, ich glaube, daß es Zeit ist, und last ihn in meinen Händen.

Dieses geschieht sogleich, der erste Aufseher aber stellt sich an seinen Platz gegen Mitternacht.

Hernach sagt der Meister zu dem Neuangehenden: Bruder Diener, betrachtet unter euren Füssen den Stern, welcher Strahlen wirfft, und die Sonne und Mond, so zur rechten und lincken sind.

Dieser beobachtet den an ihn ergangenen Befehl.

Wir müssen hier mit zwey Worten anmerken, daß ieder Schritt, den wir beschrieben, in Form eines Winckelmasses geschieht, welche Figur man auch macht, wenn man bey dem Stern, dem Meister der Loge, gegen über stehen bleibt. Bey iedem Schritt zieht der Aufseher den Neuangehenden am Stricke, und weist ihm, wie er gehen muß.

Wenn er nun die Sonne und Mond eine Zeitlang betrachtet, so sagt der Meister zu ihm:

Bruder Diener, der nun bald vollkommen seyn wird, setzt das rechte Knie auf die Erde, und das andere so, daß es einen rechten Winckel macht. Legt eure rechte Hand auf die Bibel, streckt die lincke aus, und wiederholt den Eid, welchen ihr zuvor abgelegt, von Wort zu Wort.

Der Meister läßt ihn also den Eid nochmals ablegen, und spricht hernach:

Steht auf Bruder Diener, der ihr nunmehr vollkommen seyd, setzt euch zu meiner Rechten.

Sodann rufft er den Schatzmeister, und sagt zu ihm:

Ehrwürdiger Schatzmeister, bringt dem neuen Bruder, welchen wir ietzt aufgenommen haben, die gewöhnlichen Geschencke der Gesellschafft.

Dieser sieht auf, nimmt das Schurtzfell und die Männer-Handschuhe, die er auf einem Tische, oder in einem Korbe in Bereitschafft hat, und bringt sie ihm mit ausgestreckten Armen, nahet sich dem Neuaufgenommenen, macht dem Meister eine Verbeugung und des Bruder Dieners Zeichen. Hernach sagt er zu ienem: Bruder Diener, der ihr anietzt vollkommen seyd, nehmt das euch zugehörige Schurtzfell, und legt es, wie sichs gebühret, an. Indem der Schatzmeister diese Worte sagt, bindet er das Schurtzfell dem Neuaufgehenden selber vor, so daß der Knoten auf den Rücken kömmt, und spricht:

Bruder Diener, wisset, daß Könige, Fürsten, Potentaten und grosse Herren in der Welt, dieses Schurtzfell zu tragen, wünschen, und es doch nicht haben können, wo es ihnen der Orden nicht gestattet. Schämet euch deshalben der Bemühung und Unterwerffung, wozu ihr euch verbindet, nicht, denn die Grossen wollten gerne allein arbeiten, was uns betrifft, so sind unsre Wercke vor den Augen der Unheiligen unbekannt, ihr werdet sie mit der Zeit erfahren.

Hierauf giebt er ihm die Männer-Handschuhe, und sagt zu ihm:

Bruder Diener, ziehet die Handschuhe, welche ich euch gebe, als ein Zeichen der guten Absicht, der Erbarkeit, und einer vollkommenen Verschwiegenheit an.

Nachdem er solches gethan, macht iener das Zeichen des Bruder Dieners und die Verbeugung, und nimmt seinen rechten Platz bey der Figur wieder ein.

Sodann sagt der Meister zum Neuaufgenommenen:

Bruder Diener, der nunmehr vollkommen ist, nachdem ihr alle Cerimonien, so die vortreffliche Gesellschafft verordnet, genau und standhaft beobachtet, so ist es an der Zeit, daß ich euch die Geheimnisse derselben, insoweit sie vor eure Classe gehören, entdecke.

Wir haben erstlich besondere Zeichen, Griffe, und Wörter, woran die Brüder Diener sich einander kennen, und von den Unheiligen unterscheiden können. Hierauf zeigt und sagt er dem Neuaufgenommenen dieselben klar und deutlich, und befielt ihm solche bey sich und mit denen Bruder Dienern, so gegen Mittag und Abend bis an die Aufseher stehen, nachzumachen. Endlich sagt der Meister: neuer Bruder Diener, kommt zu mir her: und wenn er solches gethan, spricht der Meister:

Ihr habt bey eurer Ankunfft viele Figuren auf dem Boden gesehen, und da deren noch viele sind, die ihr nicht wahrgenommen, so ist es nöthig, daß ich sie euch erkläre.

Er befielt ihm also sich gegen Morgen zu wenden, und daselbst ein gemahltes Joch, das Zeichen der Unterwerffung und des Gehorsams, zu betrachten. Gegen Abend stellen zwey über einander creutzweis gelegte, und gemahlte Degen dem neuen Mitbruder den Muth und die Gewalt, mit welcher er die ihm aufgetragenen Sachen ausführen soll, vor. Hernach kömmt eine Kugel, nebst einem Hebel, der durch seinen Gebrauch, schwere Lasten in die Höhe zu heben, andeutet, daß die Gesellschafft bisweilen sehr schwere Dinge verordne, die eine grosse Bemühung erfordern. Zur Rechten der Kugel siehet man einen Wagen Steine zufahren, welches bedeutet, daß die Logen einander von dem, was sie vortheilhafftes haben, Bericht erstatten, und alles gute gemein haben sollen. Endlich bemerckt man zur Rechten des Gebäudes eine Wage, das Zeichen der Gleichheit unter allen Brüdern, und wie sie auf Dinge von Wichtigkeit Achtung geben sollen. Ein zur Lincken gemahltes Zepter bezeichnet das Ansehen, die Macht und das Regiment der Gesellschafft, hernach die Vollziehung desienigen, so auf den Boden gemahlt ist. Das sind die Erklärungen der Figuren, so der Meister macht. Sie sind indessen vieler anderer fähig, und können noch mehrere Bedeutungen haben. Allein man sagt nicht auf das erste mal alle verborgene Absichten des Ordens, ia nicht einmal alle Geheimnisse der Brüder Diener. Und, wie wir bereits angemerckt, der erste und andere Aufseher unterrichten hernach die Brüder Diener nach und nach. Indessen nimmt der Meister die Erklärung der übrigen Figuren des Bodens, über welche der neue Bruder gegangen, wieder vor.

Der Neuaufzunehmende hatte vor der Treppe, so nach der Thüre führt, seine Füsse in Form eines Winckelmasses stellen, und ieden Schritt auf diese Art thun müssen. Diese Gewohnheit bedeutet, daß er in allem, was die Gesellschafft angehet, ordentlich, gerecht, geschickt und manierlich handeln müsse. Die andern Anwesenden machen das Zeichen des Bruder Dieners, das geheime Stillschweigen, und die vollkommene Eintracht, so unter denen verschiedenen Classen des Ordens herschen soll, anzudeuten. Er kömmt endlich auf die erste Stuffe, wo man ihm den Degen abnimmt, und das Licht wieder sehen lässet. Dieses bedeutet, daß der neuangehende Bruder, wenn er zuerst in die Loge kömmt, von seiner Blindheit in vielen Stücken geheilet worden, welche man ihm nach und nach entdeckt, und die die Ruhe des Gemüthes, das allgemeine Wohl der Gesellschafft, und die Pflichten eines guten Bürgere betreffen.
Die Cerimonie, den Degen abzulegen, gründet sich darauf, daß alle Schwierigkeit, so bald man einmal in die Loge getreten, gehoben, und man da nichts als Friede, Ruhe und ein allgemeines und vollkommenes Vertrauen unter einander antreffe. Endlich thut der Candidat einen andern Schritt in Form eines Winckelmasses nach der finstern Kammer, wo man glaubet, daß er seine Blindheit vollends verliere. Wenn er hernach auf die Treppe der Gallerie selbst gekommen, so gelangt er an den Ort, wo der Boden wie ein Estricht von kleinen schwarzen und weissen Steinen gemahlt ist.
Sodann trifft er fünff Seulen, über welche er gehet, an, die die fünff Classen des Ordens, so wir oben erwehnet, bedeuten. Noch weiter findet er, wenn er sich gegen Morgen wendet, ein Bad, wo man glaubt, daß er den noch übrigen Unflat der Unheiligen ablege, um sich zum Eintritt in Tempel geschickter zu machen. Ehe er dahin kommt, findet er eine Seule, so man der Bruder Diener ihre nennt, indem man sie als den Grund ihrer Würde ansieht. Wenn er über diese Seule weg ist, findet er eine Stiege, so nach dem Tempel Salomons führt, welches das Gebäude ist, so die Freymäurer allegorisch aufzubauen vorgeben. Ist er über diesen Tempel hinaus, kommt er an die Welt-Kugel, so den Erd Kreis bedeutet: indem die Freymäurer, wenn sie ihr allegorisches Gebäude vollendet, das ist, wenn sie ihren Endzweck erlangt, Meister und Herren der gantzen Welt werden sollen. Uiber dem Globo findet man ein Gebäude, auf welchem ein hellglänzender Stern zwischen Sonne und Mond stehet. Dieses nennen sie den Pallast der Ehre, der Freyheit und Gleichheit, welcher durch das schimmernde Licht der drey Gestirne, die Natur, die Religion und Stärcke, deren Licht und Gewalt den grossen Endzweck der Freymäurer unterhält, bedeutet.

Nachdem die Figuren des Fußbodens erklärt worden, so macht der Meister die Auslegung der Zeichen, so die Brüder am Halse haben, des Schurtzfelles, welches zwar alle, aber nicht aus einerley Ursache, tragen, des Strickes, welchen der Neuangehende um den Hals hat, der Binde, damit man ihm die Augen zubindet, und endlich der Knoten, womit man ihm die Hände bestrickt. Alle Brüder tragen demnach eine symbolische Figur an einer blauen seidenen Schnur am Halse, die blossen Meister, Gesellen oder Lehrlinge nur die, so der Loge, worinnen sie sind, oder von der sie Mitglieder sind, wenn sie sich von ungefehr als Visitatores daselbst befinden, eigen ist.
Diese letztere Gewohnheit soll die Aehnlichkeit der Cerimonien, die Einigkeit der Gemüther, zugleich aber, aus welcher Loge ein Bruder ist, andeuten. Die Beamten tragen eine von den Figuren, so auf den Boden gezeichnet sind, um die Macht zu befehlen, die sie, wenn es nöthig ist, haben, anzuzeigen. Die vornehmsten Mitglieder haben die Wage, die Trommel und den Schlegel zum Zeichen der obersten Gewalt, die Brüder in Ordnung zu halten, sie zu versammlen, und die Güter der Gesellschaffft unter sie zu theilen.
Die Pergamentne Trommel des Meisters der Loge und die Degen der beyden Aufseher bedeuten, daß die Befehle des erstern vor die Brüder Diener und alle andere eben das, was der Klang der Trommel vor die Soldaten ist, seyn sollen, und daß sie ihm also einen vollkommenen Gehorsam erweisen sollen. Die Degen der Aufseher deuten an, daß man ihren Willen auch mit Gewalt, wenn man nicht anders kan, vollziehen solle.
Das Schurtzfell der Brüder betreffend, so ist es nach ihrer Würde, wie wir bereits angemerckt haben, unterschieden. Es ist in allen Logen einerley. Der Meister der Loge verändert es allein nach dem Unterschied der Gesellschafften; so daß er bey der Aufnahme der Brüder Diener eines von einer gewissen Art trägt, und andere, wenn er die Loge der Lehrlinge, Gesellen, Meister, oder Schonen hält, vorthut. Man ändert gleicher Gestalt das Schurtzfell, so man auf die Decke des Altars und in das innerste der Figur hengt. Bey der Aufnahme eines Bruder Dieners trägt der Meister ein Schurtzfell, darauf der Trommel-Klöppel gemahlt ist, welcher einen Befehl, den er den Brüdern wircklich gegeben, andeutet. Dasienige aber, so alsdenn an den Altar gehenckt wird, stellt eine von den Figuren des Bodens, so auf die Wahl derer, so es sticken, ankommt, vor, und es ist gleichsam nur das Zeichen der Würde derer, vor welche man die Loge hält, oder die solche ausmachen.
Der Strick, welchen der Neuangehende um Hals hat, und woran er erst durch den Bruder Diener, hernach durch den Thürhüter, und endlich durch den Aufseher, geführet wird, ist ein Sinnbild der knechtischen Unterwerffung eines Unheiligen, unter die Vorurtheile der Natur, des Aberglaubens, und der Gewalt, davon er elendiglich hin- und hergetrieben wird, und von denen er sich nicht anders, als durch den Eintritt in den Orden, befreyen kan. Die drey Knoten, womit man ihm die Hände bindet, haben eben diese Bedeutung.

Die Binde, womit man dem neuangehenden Diener die Augen verbindet, muß von schwartzer Seide, ungefehr vier Finger breit, und drey Ellen lang, am Ende ieder Elle aber eine Figur gestickt seyn. Die erste von diesen muß weiß, die andere, so gleichfalls eine Elle davon ist, roth, die dritte in gleicher Entfernung grün, und die vierte am Ende der Binde, die an dem andern Ende, weiß seyn. Diese Binde geht dreymal um das Haupt, und wird im Nacken zugeknüpfft.

Diese Figuren bedeuten die Gerechtigkeit und Billigkeit, mit welcher ein Freymäurer die Gewalt, auch so gar mit Daransetzung seines und anderer Leute Blut, anwendet, um sich den Frieden, die Freyheit und Gleichheit, künfftig zu verschaffen; welches vor den vornehmsten Endzweck der Gesellschafft gehalten wird.

Nachdem der Meister eine weitläufftige Auslegung von allen diesen Dingen gemacht, so wendet sich der Redner der Loge auf Befehl des Meisters: Ehrwürdiger Redner redet, zu dem neuen Bruder, befielt ihm, den Platz, welchen man vor ihn bereitet, einzunehmen, welches er, nachdem ihm der erste Aufseher solchen angewiesen, beobachtet. Bishero hatte er dem Meister gegen über gestanden, nunmehro aber stellt er sich nicht gleich neben ihn, sondern neben die Beamten der Loge, so zur Rechten sind.
Nachdem hieraus der Redner das Zeichen des Bruder Dieners, und die Verbeugung gemacht, hält er eine Rede, worauf er sich, wie leicht zu erachten, vorbereitet hat. Ich könnte hier einige Exempel, um einen Begriff der Entzückung der Freymäurer zu machen, anführen: es wird aber eines genug seyn, um davon auf alle andere zu schliessen.

Rede, so in einer Versammlung der Freymaurer bey der Aufnahme eines Lehrlings gehalten worden.

„Habt guten Muth, lieben Brüder, erfreuet euch, singt Triumph-Lieder, und verbannet alle Unruhe. Die Finsterniß ist vertrieben, die Berge, die Hügel, und Flüsse sind überstiegen und vorbey; eine angenehme Ebene und die bezaubernden Gärten des irdischen Paradieses sind unser Aufenthalt. Hier ist keine Schlange, und keine Frau, so uns verführen könnte. Hier kommen die Finsterniß und das Licht in einer wunderbaren Vereinigung zusammen, unsern Orden groß zu machen. Der da ist, der da war, und seyn wird, vollführet seinen Weg in gerader Linie, im Cirkel und in die Qvere, wie ein Pfeil, ein Gestirne, oder ein fliegender Drache.
Er ist der, so uns liebkoset, verwundet und heilet. Was unten ist, ist eben das, was oben ist, und was oben ist, ist eben das, was unten ist. Er wird einerley Wunder durch das Winckelmaß und den Circkel auf einer Kugeln und in der Finsterniß durch das Licht, thun: nicht zwar durch das Licht der Sonne, der Sterne, des Tages oder der Kertzen, sondern durch die Hülffe eines unsichtbaren Lichts, welches blaß und schwach scheinet, ob es schon Krafft und Stärcke hat. Dieses Licht ist des Diogenis Laterne, und wir selbst sind die Fackeln dieser Leuchte
Ist euer Hertz nicht entzündet, merket ihr nicht, daß es dermassen erleuchtet sey, als ob e« lauter Licht wäre. Habt ihr nicht den mächtigen Geist, der, ob er schon ruhig ist, dennoch droht, mit dem Schlegel pocht, in einem Buche liest, sich unterwirfft, fortgeht, und in das Allerheiligste hineintritt? Seine fünff Stützen machen nur eine einzige aus: sie ist eckigt, rund, drey- und viereckigt. Die Welt wird untergehen, ihre Bruchstücken aber werden uns rühren, ohne uns zu erschrecken. Die Verblendung ist vergangen, die Nacht-Eule getödtet, das Licht wird den Löwen zu Boden schlagen, und unterdessen doch durch den Löwen zerstört werden. Der Fuchs wird umkommen, und der, welcher ihn tödten wird, wird ein Fuchs seyn. Der Affe wird -ebenfalls durch seines gleichen gefällt werden.
Diese Wunder werden auf dem Musvischen Esterrich durch das Musivische Esterrich selbst geschehen. Die fünff Ordnungen, die Toscanische, die Dorische, die Ionische, die Corinthische, und die zusammengesetzte, werden künfftig einerley und einander gleich seyn.
Schweigt, redet, schweigt: nein, ia, gantz und gar nicht. Der grosse Erbauer der Welt gebe euch das Bau-Geräthe, die Geschicklichkeit, die Gelegenheit und Zeit zum Baue. Wir wollen uns mit unserm Vorsatze, unsern Kleidern und Hemden umgürten. Amen, Amen. Wir wollen die Welt mit einem Hebel von ihrer Stelle bewegen. Wohin? in die Gärten von Engeddi; Aus was vor Ursachen? Um sie in der Wage zu wägen. Was wollen wir endlich machen? Wir wollen sie so theilen, daß die Linie, die Ober-Fläche, und der Cörper selbst, ln geraden Winckeln seyn. Amen, Amen. Durch R. durch N. durch F. * Amen, Amen.

* Das ist, durch die Religion, durch die Natur, durch die Force.

Neuaufgenommene Brüder, ich bitte, verzeihet mir. Der Geist, dessen Hauch mir meine Rede eingeblasen, hat sich der Rätzel bedient. Ich will sie euch erklären. Amen, Amen.“

Von der Schuldigkeit und denen Verrichtungen des Bruder Dieners.

Nachdem der Redner seine Rede geendigt, so wendet sich der Meister zu dem Neuaufzunehmenden, und sagt:

Lieber Bruder Diener, ich habe euch alles, was von unsern Gebräuchen offenbart werden konnte, entdeckt. Jetzo will ich euch in wenig Worten dasienige, so ihr, zu beobachten habt, und die Vortheile, so der Lohn davor seyn werden, erklären.

Nach dieser Vorrede sagt der Meister, daß selbst der Nahme des Bruder Dieners genugsam anzeige, daß der, so ihn führt, die Nothdurfft und das Vergnügen des Ordens willig befördern, und die Befehle der Loge, des Meisters, und der andern Beamten, ia selbsten eines ieden Bruders, beobachten müsse. Indessen müsse das, was man von ihm fodert, zum gemeinen Nutzen und Vortheil der Loge gereichen: denn ein Bruder Diener sey nicht verbunden, allen Befehlen eines andern Bruders, als ob er sein besonderer Diener und Aufwärter wäre, zu folgen. Er dürffe solches nur in der Loge, und in dem, was dazu gehöre, thun, dergleichen die Verrichtungen sind, die er bey der Aufnahme seiner Mitbrüder, wie wir gesehen, zu verwalten hat, die Sorge, alles zu reinigen und auszukehren, was an den Tagen der Versammlung rein und sauber seyn muß, die Bäder mit frischen und reinen Wasser zu füllen: die Küche, und was zum Schmausse gehört, zu bestellen: den Vorrath und das Geräthe zu besorgen: auf die Körbe, worein man die Meubeln des Ordens legt, Acht zu haben: die Thüre auf- und zuzumachen, daselbst Wache zu stehen, und alle Unheilige abzuhalten, den Tisch zu decken und abzuräumen, und den Brüdern, wenn sie beysammen sind, aufzuwarten.
Diese und andere dergleichen Forderungen geschehen in der Loge. Ausser derselben werden die Brüder Diener als Boten gebraucht, daß, wenn was neues und merckwürdiges vorfällt, der Meister, oder ein anderer Bruder, es sogleich einem Bruder Diener, der den Nahmen des Pedells führt, aufträgt. Man thut dieses so offt, als die Loge ausserordentlich gehalten wird: dann alsdenn ist seine Schuldigkeit, von Hause zu Hause zu gehen, und ieden Bruder einzuladen, sich dabey einzufinden, und was ihm aufgetragen worden, auszurichten. Dieses geschieht ferner, wenn er vor die Mitglieder, so in Noth sind, und vor die man, wie wir im folgenden zeigen wollen, Geld sammlen muß, solches zusammen legen läst.
Was die Vortheile, so die Bruder Diener betrifft, anlangt, so haben sie, ausser der Ehre, Mitglieder des Ordens zu seyn, einen Gehalt, so alle Monate voraus bezahlt wird. Es ist solcher nach dem Orte, dem Lande, der Zahl, und dem Vermögen der Brüder, aus denen die Loge besteht, gantz unterschieden. In Engelland hat ein Bruder Diener monatlich eine Guinee, in Teutschland einen Ducaten, in Franckreich einen halben Louis d' Or, in Holland einen Gulden und noch weniger. In Italien bekommen sie ausser der Besoldung allen alten Hausrath der Loge, wenn er nicht mehr gebraucht, und neuer angeschafft wird. Dergleichen sind die Schurtzfelle, die Qvelen, Stühle, Tische, die übrigen Stücken Licht, und der Rest der Speisen, das Küchen-Geschirr, und andere dergleichen Dinge [tels sont les tabliers, linges, chaises, tables, restes de chandelles & des mets, batterie de cuisine, & autres choses semblables]. Alles wird unter sie in gleiche Theile ausgetheilt.

Fortsetzung und Ende der Cerimonie der Aufnahme.

Wenn die weitläufftige Nachricht, so der Bruder Diener von allen diesen Dingen bekömmt, zu Ende ist, so schliesset man endlich, und sagt ihm, daß er nach den Gebräuchen, Gesetzen und Ordnungen der Gesellschafft wircklich aufgenommen sey. Der Meister klopfft demnach dreymal mit dem Schlegel auf den Altar, macht das Zeichen des Bruder Dieners, und das Compliment, und sagt:

Hochehrwürdiger Groß-Meister des Ordens, hochehrwürdiger oberster Protector, hochehrwürdiger Ober-Aufseher, hochehrwürdiger oberster Secretär des Ordens, hochehrwürdiger Groß-Meister, Protector, Aufseher und Secretär der Nation, N. N. (hier nennt man den neuen Bruder) ist als Bruder Diener Koch, nach denen Satzungen des Ordens, unter die Freymäurer aufgenommen worden.

Dieser Schluß der Aufnahme wird durch den ersten und andern Aufseher nebst denen Schlägen des Hammers, und allen den Gebräuchen, davon wir sattsam geredet, von Wort zu Wort wiederholet. Hierauf verläst der Secretär seinen Platz abermals, und tritt zum Altar, worauf er das Buch, so die Nahmen der Brüder enthält, legt, und diese Worte hinein schreibt: und ist auf die durch die Gesetze verordnete Art aufgenommen worden. Dieses wird gleich zu denen Worten, welche der Secretär, wie oben gedacht, da der Neuaufzunehmende dem Meister noch gegen über stand, daß nemlich der und der sich gemeldet, um in den Orden aufgenommen zu werden, hinzugethan.

Wenn der Secretär solches verrichtet, so klopfft der Meister noch dreymal mit dem Schlegel auf den Altar, macht das Zeichen des Bruder Dieners und die Verbeugung, und sagt zum ersten Aufseher: Ehrwürdiger erster Aufseher, da die Aufnahme des Bruder Dieners geendiget ist, so führt ihn aus der Loge. Dieser (nach der Gewohnheit des Ordens, so auch sonst nicht unbekannt ist) trägt es seinem Collegen auf, welcher, nachdem er dreymal mit dem Schlegel geklopfft, das Zeichen und Compliment macht, sich auf die Seite des neuen Bruders wendet, und zu ihm sagt: Bruder Diener, kommt her, und wenn er es gethan, stellt er ihn mitten auf die Linie des Vierecks, und sagt zu ihm: Bruder Diener, macht allen Brüdern das Zeichen des Bruder Dieners, und die Verbeugung, und folgt mir. Sodann muß nicht nur er, sondern auch alle anwesende Brüder mit ihren Füssen ein Winkelmaß und das Zeichen des Bruder Dieners machen, und das neue Mitglied ihrer Gesellschafft grüssen, den Thürhüter allein ausgenommen, welcher, wie wir zeigen wollen, indessen etwas anders zu thun hat.

Der andere Aufseher verläst also seinen Platz, und geht nebst dem Bruder Diener nach der Thüre der Loge. Wenn sie noch drey Schritte von dem Thürhüter sind, so bleibt der Aufseher mit besonderer Gravität stehen, sieht ihn mit einem sehr ensthafften Gesichte an, und macht das Zeichen und die Verbeugung. Der Thürhüter antwortet auf gleiche Art, und sodann sagt der Aufseher: Bruder Thürhüter, last den Bruder Diener hinaus gehen, denn er ist aufgenommen. Sobald er dieses gesprochen, macht der Aufseher dem Thürhüter das Zeichen des Bruder Dieners und das Compliment, gehet sodann weg, und an seinen Platz an der Figur, wo wir ihn bald wieder finden, und was er sonst zu thun hat, sehen werden.

Indessen grüst der Thürhüter den neuen Bruder, und macht das Diener-Zeichen, welches dieser auf gleiche Art nebst dem Compliment zu machen verbunden ist. Endlich sagt der Thürhüter: Bruder Diener, gehet hinaus, und sehet, was euch eure Mit-Brüder sagen werden: er klopfft hierauf, dreymal mit dem Gelencke des Mittel-Fingers an die Thüre, öffnet sie, rufft: der neue Bruder ist aufgenommen, und geht hinaus. Dieses Zeichen bedeutet, daß der, so hinausgehet, ein neuer Bruder ist, und daß also einige Brüder Diener unverzüglich kommen sollen, ihn auf die Art, die ich zeigen werde, wenn ich das, was nach seinem Abtritte in dem innersten der Loge vorgehet, beschrieben habe, anzunehmen.

Von dem, was in der Loge, nachdem der neue Bruder abgetreten, vorgeht.

Nachdem der Thürsteher die Thüre zugemacht, so wendet er sich zur Loge, und sagt mit lauter Stimme: der Bruder-Thürhüter ist hinausgegangen, er ist aufgenommen worden. Der andere Aufseher, so wieder an seinen Platz nach Mitternacht zu gegangen, bleibt da einige Zeit stehen, und wartet, bis der Bruder Diener gantz aus der Loge hinaus ist. Sodenn macht er die Verbeugung, und nicht des Bruder Dieners, sondern des Lehrlings Zeichen welches man, wenn man anfängt die Loge zu halten, macht, und alle Brüder Diener müssen dergleichen thun, endlich sagt er: Ehrwürdiger erster Aufseher, der Bruder Diener ist hinaus.
Der erste und andere Aufseher wiederholen dieses mit eben solchen Zeichen, dieses thut auch der Meister, welchen der letztere angeredet, und wendet sich zu denen Brüdern insgesamt, die alsdann Erlaubniß haben das Stillschweigen, welches sie bishero beobachtet, zu brechen, neue Mitglieder vorzuschlagen, ihre Mitbrüder zu verklagen, und der Gesellschafft die Neuigkeiten, so sie angehen, zu erzehlen. Man kan alsdenn seine Gedancken frey sagen, ohne zu erwarten, bis der Papst des Ordens die Cerimonie, den Mund zu öffnen, verrichtet.

Was die Art, wie alles dieses geschiehet, anlangt, so wollen wir nur die Vorstellung der Neuaufzunehmenden umständlich beschreiben: theils weil uns solche, einige geringe Veränderungen ausgenommen, einen Begriff von dem übrigen machen kan, theils auch weil sie eine der wichtigsten Handlungen der Freymäurer ist.

Art, einen Neuaufzunehmenden vorzuschlagen.

Um einige Ordnung zu beobachten, will ich anfänglich zeigen, wie und von wem ein Bruder Diener vorgeschlagen werden müsse? Wer es Lust zu werden hat, kan sich dißfalls an ein Glied des Ordens, es sey welches es wolle, wenden, und der, so darum ersucht worden, ist schuldig, ihm zu willfahren. Ist es aber ein Bruder Diener, so kan er nicht selbst vorschlagen, sondern ist verbunden, mit einem aus den obern Classen deswegen zu reden.
Es geschiehet solches folgender Gestalt: der, dem es aufgetragen wird, heist der Vorschlagende. Er fängt mit dem Zeichen der Lehrlinge an, er mag in ihrer, oder in einer höhern Classe seyn; die Ursache davon ist, daß alle Brüder, so keine Diener sind, in diesen Arten der Versammlungen sich ohne Ausnahme befinden. Bediente er sich eines andern Zeichens, als desienigen, so unter diesen letztern gebräuchlich ist, so würde er den Regeln des Ordens zuwider handeln, die ausdrücklich verbieten, daß man die Zeichen der Mitglieder der obern Classe denen untern nicht verrathen solle.
Wenn nun also der Vorschlagende das Zeichen des Lehrlings gegeben, so wendet er sich zu dem andern Aufseher, grüßt ihn mit einer Neigung des Hauptes, und sagt zu ihm: Ehrwürdiger anderer Aufseher, ich muß Seiner Hochehrwürden einen Bericht erstatten. Der Aufseher giebt ihm hierauf keine Antwort, sondern macht bloß das Zeichen des Lehrlings, und grüst ihn: endlich wendet er sich zum ersten Aufseher, und nachdem er sich ihm genähert, schlägt er dreymal mit seinem Schlegel, den er in der rechten Hand hält, auf des ersten Aufsehers seinen, und sagt zu ihm: Ehrwürdiger erster Aufseher, der Bruder N. hat Seiner Hochehrwürden etwas vorzutragen.
Der Meister macht sodann das Zeichen der Lehrlinge, schlägt dreymal mit seinem Hammer auf den Altar, der gerade vor ihm steht, und sagt. Ehrwürdiger erster Aufseher, sagt dem Bruder N. daß er mir vortragen könne, was er wolle. Der erste Aufseher schlägt wiederum dreymal mit seinem Schlegel auf seines Collegen seinen, macht ihm ein Compliment, und das Lehrlings-Zeichen, und sagt zu ihm: Ehrwürdiger anderer Aufseher, sagt dem Bruder N. Seiner Hochehrwürden den Vortrag zu thun, er habe die Erlaubniß dazu. Der andere Aufseher schlägt von neuen mit seinem Hammer auf des andern seinen, wendet sich zu dem Vortragenden, macht das Lehrlings-Zeichen, und dem Meister ein Compliment, und sagt: daß der und der (dessen Geschlechts- und andere Nahmen, Titel und Vaterland er hinzufüget) sich ausbitte, die Ehre zu haben, ein Freymäurer und Bruder Diener zu werden.

Hierauf klopfst der Meister dreymal mit dein Schlegel auf den Altar, macht das Zeichen des Lehrlings und die Verbeugung, welches alle Mit-Brüder gleichfalls thun. Nachdem er sich hierauf an die gantze Versammlung gewendet, und ieden Beamten nach denen verschiedenen Classen, bis auf die Lehrlinge angeredet, so sagt er:

N. wünscht unter die Freymäurer als ein Bruder Diener angenommen zu werden. Hat iemand gegen sein Ansuchen etwas einzuwenden, so thue er es, wo nicht, so hebe er die lincke Hand in die Höhe.

Wenn einige Zeit, ohne daß iemand etwas gesagt, vorbey ist, sondern vielmehr alle die lincke Hand in die Höhe heben, so fragt der Meister den Vorschlagenden, ob er vor das Stillschweigen und die genaue Beobachtung der Gesetze des Ordens, sowohl als vor den Eifer seines Clienten gut sey? dieser beantwortet solches mit ia, worauf der Meister noch drey Schläge thut, und sagt: Der Candidat wird angenommen.

Die beyden Echo oder Aufseher [les deux Echos, ou Surveillans] wiederholen es, der Meister aber trägt dem Vorschlagenden auf, dem Neuaufzunehmenden den seinetwegen gefassten Entschluß zu hinterbringen, und ihm den Monat, den Tag und die Stunde, da er sich der Loge zeigen könne, anzusetzen. Wenn er sich an einen Bruder addreßiret hat, so läst ihm der Vorschlagende durch denselben diese Nachricht wissen, so daß er allemal von der Person, der er sich im Anfange empfohlen, Antwort erhält: Selbige muß auch die Sorge, ihn den Tag seiner Aufnahme in die Loge zu fahren, über sich nehmen.

Wollte iemand etwas dargegen einwenden, so darff er bloß die lincke Hand mit denen übrigen nicht in die Höhe heben. Denn alsdenn würde sich der Meister auf seine Seite wenden, und zu ihm sagen: Bruder N. sagt, was ihr einzuwenden habt. Wenn solches geschehen, und man sein Bedencken gegründet gefunden, so wird der Candidat völlig ausgeschlossen. Dergleichen Ursachen sind, wenn man bey ihm eine grosse Leichtsinnigkeit, viel Schwatzhafftigkeit, eine angewöhnte Trunckenheit, ein böses und schändliches Hertz, oder sonsten die Flecken eines Haupt-Lasters, wahrgenommen.
Es geschiehet im übrigen selten, daß man die Neuaufzunehmenden, welche der Loge bereits vorgeschlagen worden, abweiset, indem die Beamten, ehe sie solche vorschlagen, davon im voraus Nachricht haben, und sie von ihrem Vorhaben abmahnen, wenn sie finden, daß sie in den Orden zu treten nicht würdig sind. Weil indessen einige Hindernisse, die etlichen, aber nicht allen bekannt sind, sich ereignen können, und es auch bisweilen in der That geschieht, daß wenn man einen Candidaten der Untersuchung aller Brüder vorschlägt, man seinetwegen neue Entdeckungen macht. Wenn also die Brüder eine Ursache der Ausschliessung haben, so muß der Vorschlagende entweder damit zufrieden seyn, oder die Unschuld des andern erweisen. Und diese Ausschliessung der Brüder Diener sowohl als der andern, besteht gleich in dem Entschlusse der Gesellschafft, den Candidaten nicht anzunehmen. Man giebt ihm davon durch den, der ihm seine Aufnahme, wenn er sie erhalten hätte, angekündiget haben würde, Nachricht, und das ist, wie wir angemercket haben, der Vorschlagende selbst, oder der Bruder Diener, der solchen ienem recommandirt.
Man läst endlich durch den Secretär in das Buch der Loge schreiben, daß der und der, welchen man nach allen seines Nahmen, Titeln und Umständen bezeichnet, an dem Tage, Monat und Jahre der Loge vorgeschlagen, und von ihr verworffen worden. Der Secretär giebt endlich allen Logen davon in Briefen Nachricht. Diese Art der Abweisung veranlasset uns der Ausschliessung der bereits aufgenommenen Brüder mit zwey Worten zu gedencken. Wenn iemand von ihnen verklagt, und eines Fehlers, der solche Straffe verdient, überwiesen worden, läst ihn der Meister der Loge vor sich kommen, hält ihm den Fehler, dessen er beschuldigt worden, zweymal vor, und drohet ihn aus der Gesellschafft zu stossen. Jedesmal trägt der Secretär, was man gesagt, in sein Protocoll ein. Diese Vorhaltung wird zum dritten mal wiederholet und alsdenn verordnet der Meister, daß der Beklagte aus dem Orden gestossen werden solle. Der Secretär schreibt alles so wohl in die Acten seiner, als aller Logen in fremden Städten und Ländern, nieder. Bezeigt der, so aus dem Orden gestossen worden, einige Reue und Besserung, so verzeiht man es ihm, und nimmt ihn von neuen in die Gesellschafft; der aber, so einmal verworffen worden, wird niemals wieder hinzugelassen.
Man beobachtet hierbey eine gute Politik, daß man die, so die Geheimnisse verrathen könnten, nicht aufbringt, oder böse macht, da man im Gegentheil von denen, so nicht aufgenommen worden, nichts zu befürchten hat.

Ist die Ursache der Ausschliessung nicht gültig, sondern nur ein blosser Vorwurff, oder ein Fehler, den man übersehen kan, als Leichtsinnigkeit und Schwachheit in Ansehung der Religion und der Weiber, so antwortet der Vorschlagende denen, so Einwendungen machen, und ihr Streit wird entweder durch sie selbst, oder durch die Vermittelung und den Ausspruch des Meisters und der übrigen Brüder, so den widersprechenden dahin vermögen, daß er in die Aufnahme willigt, gehoben. Wenn sich aber auch bey dem Eintritte des Neuaufzunehmenden Hindernisse finden, so verbindet man ihn nicht nur zu den drey Monaten des Noviciats, oder der Zeit des Examens, sondern läst ihn sechs Monate und noch länger, nachdem es der Meister und die andern Brüder vor gut befinden, warten.

Das ist es, was wir von der Art neue Mitglieder dem Orden vorzuschlagen, anzumercken gehabt. Haben die Brüder der Gesellschafft sonst noch was zu hinterbringen, so geschieht solches ohne Unordnung und ohne Umstände, indem sie das Zeichen der Lehrlinge und das Compliment machen.

Von der Art, die Loge zu schliessen.

Wenn nichts mehr zu sagen ist, so thut der Meister der Loge einen Schlag auf den Altar, und sagt, nachdem er das Compliment und Lehrlings-Zeichen gemacht: Brüder, helfft mir die Loge schliessen. Alle anwesende sind eben dieses Zeichen und Compliment zu machen verbunden. Der erste Aufseher aber thut über dieses mit seinem Schlegel auf des andern seinen einen Schlag, und wiederholt des Meisters Erinnerung. Der andere Aufseher thut dergleichen, worauf der Meister den ganzen Titel der Anwesenden noch einmal gravitätisch wiederholt, und endlich sagt: Brüder, ich will die Loge schliessen.

Die Aufseher wiederholen diese Worte mit gleichen Cerimonien. Endlich treten die Brüder in die Figur, so das Zeichen der Lehrlinge ist. Der Meister fragt einige aus dem Catechismo der Brüder Diener und Lehrlinge, auf die Art, so wir oben bey Oeffnung der Loge bemercket haben. Endlich spricht er die angenehmen und tröstlichen Worte: die Loge ist geschlossen, nachdem er zuerst geklopfft und nebst den Aufsehern die Titel der Gesellschafft wiederholet hat. Gleichwie nun der andere seinen Platz (wie wir oben bemerckt) verlassen, um den Thürhüter von Oeffnung der Loge zu benachrichtigen, so verlässet er ihn auch, wenn man sie schliesset, und gehet an die Thüre, dem Wächter zu sagen: die Loge ist geschlossen. Worauf dieser es denen Brüder Dienern hinterbringt.

So öffnet und schliesset man die Loge, und das sind die Gebräuche, so man bey Aufnehmung neuer Mitglieder inn- und ausserhalb derselben beobachtet. Es ist noch übrig, daß wir erzehlen, was dem Bruder Diener, wenn er aus der Loge gehet, und von seinen Mitbrüdern aufgenommen wird, begegnet. Alle die, so an der ersten Thüre Wache halten, stellen sich in einen halben Circkel, empfangen ihn mit offenen Armen, doch ohne ihn zu umfassen: endlich machen sie das Zeichen des Bruder Dieners, und fügen selbigem das Anrühren und Losungs-Wort besonders bey, welches der neue Freymäurer beantworten muß. Endlich führt man ihn ins finstere Gemach, so alsdenn entweder durch des Tages Licht, oder durch Kertzen erleuchtet ist. Hier zieht er seine Kleider an, nimmt das Metall, so er abgelegt, wider zu sich, und der erste von ihnen sagt, daß seine Verrichtung ietzt seyn solle, in der Küche Anstalt zu machen, den Tisch zu decken, hernach den Brüdern zu helffen, die Loge reinlich zu halten, bey der Tafel zu dienen, und daß er endlich die Anwartschafft auf die ansehnlichsten Verrichtungen der Brüder Diener haben solle.

Unter diesen letzten giebt es in der That verschiedene Bediente, davon einer unter dem andern stehet. Der Pedell ist der erste, und ftn Amt ist das vornehmste; nach ihm haben die beyden Wächter der ersten Thüre die ansehnlichsten Stellen: und diese Aemter werden nach dem Range und dem Alter der Aufnahme ausgetheilt. Hieraus folgen die Bade-Diener, und die beyden, so sich vor der innern Thüre schlagen, und mit ihren Degen ein Geräusche machen. Endlich sieht man dieienigen als die niedrigsten an, welche die wichtigsten Verrichtungen haben, und Aufwärter in der Küche, oder Köche sind.
Was diese letztem betrifft, so kommen sie nicht weiter, sondern müssen ihre Stelle Zeit Lebens behalten, indem es durch eine ausdrückliche Verordnung, so ein Zeugniß von der vollkommenen Weisheit des Ordens seyn kan, ausgemacht worden, daß ein geschickter Koch ein Schatz sey, welchen man verschwenden würde wenn man ihn zu etwas anders, als zu den Beschäfftigungen seiner Kunst gebrauchen wolle.
Was die Beförderung dieser Herren betrifft, so gehet solche nach dem Range, und die letzten sind verbunden, zu warten, bis die Jahre, oder andere Schwachheiten, die alten ausser Stand, ihr Amt ferner zu verwalten, setzen, es müste denn seyn, daß die, so die Anwartschaft haben, ihres Wunsches durch iener baldigen Tod ehe gewahret würden.
Die Besoldung ist nach dem Amte eingerichtet. Die Beförderung von einem zum andern findet von dem Augenblicke an, da eine Stelle offen wird, Platz. Alles beruhet anfänglich auf dem Gutbefinden des Meisters und der Loge, und hernach auf der Bestätigung, so in der Gesellschafft aller Anwesenden, nachdem ein Bruder Diener aufgenommen worden, und ehe man die Loge zuschließt, geschieht.

Man beobachtet dabey folgende Gebräuche: Der erste Aufseher macht das Zeichen des Bruder Dieners, und das Compliment, und sagt: Ehrwürdiger, der Pedell der Loge, zum Exempel, ist gestorben, oder sehr alt, oder kranck, der Bruder Diener, der erste Wächter, soll seinen Platz, vermöge seines Ranges, und der Satzungen unsers Ordens, bekommen. Der Meister macht eben dieses Zeichen, und das Compliment, wiederholt die Worte des Ober-Aufsehers, und setzt hinzu: Wollt ihr disfalls eine Verordnung machen? Wenn solches niemand thut, sagt der Meister: Brüder, der Bruder Diener N., der erste Wächter, hat die Stelle des Pedells erhalten. Die Vermehrung der Besoldung folgt von sich selbst auf die Beförderung, und man begreifft leichte, daß wenn einer weiter rückt, alle die andern, so nach ihm sind, eine höhere Stelle bekommen. Der erste Aufseher giebt denen, so neue Stellen erhalten haben, von ihrer Bestätigung durch die Gesellschafft, Nachricht. Endlich ist zu mercken, daß man denen Dienern, so ihr Alter, oder andere Schwachheit, ausser den Stand, ferner zu arbeiten, gesetzt, die Besoldung, so sie vormals, da sie noch ihr Amt verwaltet, gehabt, zu bezahlen fortfährt.

Von den Zeichen, Griffen, und der Losung der Brüder Diener.

[Du Signe, des Attouchemens, et du Mot des Frères Servans]

Das Zeichen der Diener fängt sich mit Aufhebung der rechten Hand, so hoch als die Schulter ist, an, man streckt den Arm in seiner gantzen Länge aus, doch so, daß der Daum weil genug von den andern Fingern, einen Circkel zu machen, entfernet ist. Diese erste Figur wird die erste Zeit des Zeichens genennt. Hernach wenn der Daum und die übrigen Finger wieder zusammen gelegt worden, so bleibt die Hand eine Zeitlang zugemacht, sodenn streckt man allein den Zeige-Finger aus, da indessen die übrigen in ihrer vorigen Lage bleiben. Diese Veränderung und Faltung der Hand heist man die andere Zeit.
Zum dritten legt man die Hand aufs Gesichte, so daß der Zeiger mit seiner Länge den Mund genau zuschließt, der Arm mitten auf dem Magen, und der Ellbogen auf der Brust aufliegt. Man muß mercken, daß der Zeiger, indem er den Mund schließt, eine besondere Lage haben müsse. Die Faust muß darunter liegen, so daß die Breite zwischen dem Daum und Zeiger das Kinn berühre, und das erste Gelencke des letztern die Lippen unmittelbar bedecke, die zwey andern aber, so gerade über der Nase sind, die Stirne berühren; das ist das letzte, woran die Brüder Diener einander kennen, und nach dessen Endigung ieder von ihnen die Arme in ihre natürliche Lage fallen läst
Gewisse Logen sind von dieser Gewohnheit, wider alle Regeln der Gesellschafft, abgegangen, und haben eingeführt, daß wenn zwey Brüder das Zeichen auf die beschriebene Weise gemacht, sie bey der dritten Zeit wieder anfangen, und bey der ersten aufhören müssen. Dieses ist die neue Art, so sich in den Frantzösischen und Holländischen Logen eingeschlichen, durch die Gesetze und Befehle der Obern aber verboten worden. Sie sind also von der Lauterkeit, welche man in den Englischen und Teutschen Logen erhalten, abgegangen, als welche von ihnen, da sich solche durch die daselbst gemachten Neuerungen gar sehr geändert hat, gantz unterschieden sind.

Was die Griffe betrifft, so geschehen solche gleich nach den Zeichen, und zwar auf folgende Weise: Die beyden Brüder, so einander erkannt, treten zusammen, und fassen einander bey der rechten Hand, krümmen beyderseits den Daum über dem letzten Gelencke des Zeigers, welches diesen Finger mit der Hand verbindet, so daß die Holung des ersten das erhabene des ersten Gelenckes des andern bedeckt. Endlich, nachdem sie eine Weile in dieser Stellung geblieben, so sagen sie: gehet weiter. Denn fahren sie beyderseits herunter, und indem der Daum das andere Gelencke des Zeigers, den er allemal auf die vorige Weise bedeckt, berühret, so wiederholen sie nochmals das Wort: gehet weiter. Hernach berühren sie sich mit eben diesen Cerimonien das letzte Gelenck dieses Fingers, und sagen: haltet ein.
Man muß noch bemercken, daß der Zeiger in den drey unterschiedenen Zeiten, da die Brüder die Gelencke desselben berühren, so gekrümmt seyn muß, daß er einen erhabenen Raum zwischen ihnen läst, und daß die oben erwehnten Logen bloß mit der. Spitze und nicht mit dem hohlen Daum das erste Gelencke des Zeigers berühren. Sie sind in diesem Stücke von vielen andern gantz unterschieden, als welche so genau und ordentlich sind, daß sie nicht nur bey iedem Griffe sagen: gehet weiter, sondern auch iede Zeit genau bemercken, indem sie die Zahlen eins, zwey, drey, aussprechen.

Die Losung der Brüder Diener ist Nicanor, welches Wort sie gleich vollkommen kenntlich macht. Es wird niemals vor den Zeichen und Griffen, sondern allemal hernach gesprochen. Die Art aber, wie man sich solches vorsagt, ist überaus behutsam und abgemessen. Die Furcht, einen falschen Bruder anzutreffen, der durch Hülffe der Zeichen und Griffe, so er ungefehr entdeckt haben könnte, sich vor ein Mitglied des Ordens ausgeben, und also mit einem der ehrwürdigsten Geheimnisse spotten würde, ist Ursache, daß sich die Freymäurer entschlossen, dieses Wort nicht auf einmal, sondern die Buchstaben, woraus es zusammengesetzt ist, einzeln auszusprechen: so daß, wenn der erste gefragt: was ist die Losung? der andere ihm antwortet: sagt mir den ersten Buchstaben, so will ich euch den andern sagen. Dieses thun sie beyderseits, bis daß der letzte genennt worden, da denn der erste sie in Sylben sammlet, die erste nennt, und sagt Ni, der andere Ca, womit sie bis zur dritten Sylbe fortfahren, und das Wort Nicanor zusammen aussprechen.

Man darff indessen nicht glauben, daß, da die geringsten, Dinge in der Gesellschafft unendliche mal verändert werden, man dieses Wort durchgehends auf einerley Art ausspreche. Es ist in gewissen Englischen und Holländischen Logen gar sehr verändert. Man spricht es da Nikanor. in dem Italiänischen Nichanor, und in einigen Frantzösischen Niquanor aus. Dieser Unterschied macht bisweilen zween Brüdern von verschiedener Nation einen Zweiffel und Argwohn, wenn die Buchstaben nicht eintreffen, die sie, das Losungs-Wort zu formiren, einzeln hersagen. Indessen sieht man leicht, woher dieser Unterschied entstanden seyn mag, wenn man erweget, daß die Diener, so wie alle übrige Brüder, in der Gesellschafft zum Stillschweigen verbunden sind, und ihnen verboten ist, das geringste nicht nur mündlich zu offenbaren, sondern auch nur die geringste Cerimonie auf Stein oder Ertz abzubilden.
Weise Vorsorge! indem sonst ein Bruder durch Hülffe des Grabstichels oder der Feder gar bald Mittel finden würbe, etwas zu offenbaren, ohne sich indessen der geringsten Schwatzhafftigkeit schuldig zu machen, oder das Stillschweigen, so ihm unter der schwersten Straffe, welche ein Hertz, dem ein Geheimniß vertrauet ist, gar wohl vor der Verführung, es bekannt zu machen, bewahren konnte, auferleget ist, zu brechen. Dieses allgemeine Verbot, etwas, es möge seyn was es wolle, zu zeichnen oder zu schreiben, ist demnach an der mannigfaltigen Aussprache des Worts Ursache.
Sie kan indessen auch wohl von der allen Völckern eigenen Gewohnheit iedes Wort des Alphabets auszusprechen, die man sonderlich bey den Engelländern, Italiänern und Frantzosen bemerket, herkommen: obschon, die Wahrheit zu sagen, der eigentliche Ursprung vielmehr in der Unwissenheit einiger Logen, die man verworfene Logen nennen könnte, zu suchen ist, als welche, da sie von den Absichten der Gesellschafft schlecht unterrichtet sind, die Gesetze und Gewohnheit, deren weise Anordnung gar keine Enderung leiden sollte, verstellen und verändern.

Ehe wir diesen Abschnitt endigen, wollen wir noch anmercken: 1) daß es bloß vor den Groß-Meister gehöre, die Brüder hierinnen zu unterrichten, wie denn auch niemand, als sie, diese Zeichen machen können; 2) daß diese Erkentniß der Brüder weder allzu sehr gesucht werden, noch auch zu nachläßig geschehen solle, um denen Unheiligen keinen Verdacht oder einige Verwunderung zu erwecken, wenn zwey Brüder, nachdem sie das gantze Cerimoniel beobachtet, ihm mercken lassen, daß ieder in seinem Mitbruder ein Glied dieser wunderbaren Gesellschafft, und die sich weder an Zeit und Ort, noch an den Unterschied der weit entferntesten Länder, bände, angetroffen habe.

Catechismus der Bruder Diener.

Der Bruder Diener-Catechismus enthält gantz besondere Frag- und Antworten, die von dem Catechismo der andern Brüder völlig abgehen. Es sind Gleichnisse und Sinnbilder, deren sich die Freymäurer, ihre Lehren zu verbergen, bedienen. Alle Brüder Diener und andere sind verbunden, ihn auswendig zu wissen. Man unterscheidet durch solches Mittel die Brüder Diener von den übrigen, und diese Sprache ist so sonderbar, daß die Unheiligen nicht das geringste verstehen würden, wenn man sich derselben gegen sie bedienen wollte. Deswegen ersuche ich sie, die Augen auf dieses herrliche Werck, auf diese kostbare Perlen, so man ihnen nicht, ohne sie zu entheiligen, vorlegen kan, zu werffen. Vor euch allein gehören sie, glückliche Brüder Diener, ihr allein könnt davon urtheilen, ihr allein habt die Gabe, sie weder lächerlich, noch vernünfftigen Menschen unanständig, zu finden.

F. Seyd ihr ein Freymäurer?
A. Der Pedell weiß es.
F. Wer hats ihm gesagt?
A. Eine laute Stimme.
F. Was har diese Stimme geruffen?
A. Er ist aufgenommen.
F. Zu wem hat sie es geruffen?
A. Zu meines gleichen.
F. Wo hat sie hergeruffen?
A. Von der Thürschwelle.
F. Wie vielmal hat sie wiedergeschallt?
A. Dreymal.
F. Wo hat sie angefangen?
A. Vom Mittage.
F. Wo ist sie zum ersten mal laut erschollen?
A. Im Winckel zur rechten nach Mitternacht.
F. Wo hernach?
A. In dem lincken Winckel an eben dieser Seite.
F. Wo zum letzten male?
A. Zwischen Abend und Mitternacht, in einem Loche, so gantz und gar ausser den vier Haupt-Gegenden der Welt führet.
F. Wo sie sich endlich gantz verlohren?
A. An der Seite eines unendlichen Raums, wo der Pedell war.

Auslegung.

Diese eilff ersten Fragen und Antworten werden anfänglich überaus dunckel und schwer scheinen, indessen brauchen wir nur einige kurtze Anmerckungen, sie deutlich zu machen: Denn sie enthalten nichts anders, als eine Beschreibung des Cerimoniels, so bey der Aufnahme eines neuen Bruders beobachtet wird, und wodurch er darthut, daß bey der seinigen nichts ausgelassen werde. Der Pedell ist der erste, so davon Nachricht empfängt: denn man setzt voraus, daß der Hüter der innersten Thüre, oder der vornehmste Thürhüter, so durch die laute Stimme angedeutet wird, sich zu den Brüder Dienern, die dem neuen Bruder gleich sind, wende, wenn er ihnen dieses letzten Aufnahme meldet. Sie wird durch den dreyfachen Wiederschall, das ist, durch den Meister der Loge, so gegen Mittag, und den andern Aufseher, der zur Lincken ist, endlich durch den Wächter der Thür, so auf der Figur des Bodens zwischen Abend und Mitternacht, wiederholet. Man nennt solche ein Loch, wodurch man aus der Welt geht, weil die Loge durch die Freymäurer, als der Ort der Auserwehlten, die Zimmer ausser solcher aber, als ein unendlicher Raum, wo der Pedell, und die übrigen Diener, so man darunter versteht, ob man sie schon nicht nennt, zugegen sind, betrachtet wird.
Dieser Raum begreifft alle Gemächer, die, ob sie schon nicht der Saal, wo die Versammlung gehalten wird, und den man eigentlich die Loge heist, selbst sind, dennoch dazu gehören, und nebst ihr das Gebäude, so die Loge der Freymäurer heist, ausmachen. Man nennt diesen Raum unendlich, anzudeuten, daß der Schoß der Gesellschafft allen Menschen offen, sie selbst aber durch die gantze Welt ausgebreitet sind. Was ausser diesem Raum ist, ist das Chaos, oder die Welt der Unheiligen.

F. Woher kan ich wissen, daß euch solches begegnet sey?
A. Ihr könnt es aus meinem Stillschweigen, aus meinen Griffen und Worten, schliessen.
F. Schweigt, rühret mich an, redet?
A. Er antwortet hierauf durch das Zeichen, das Anrühren und die Losung der Brüder Diener, auf die oben erklärte Art.
F. Wo kommt ihr her?
A. Aus dem Chaos.
F. Wo geht ihr hin?
A. An einen Ort, wo iede Sache an ihrem gehörigen Platze sich befindet.
F. Wer ist der Führer?
A. Nicanor.
F. Wie heist der Ort?
A. Das Haus der Sonne, des Mondes und der Sterne.
F. In was vor einem Zustande seyd ihr hinein gekommen?
A. Im Stande der Blösse und Reinigkeit, wie ein Kind, wenn es auf die Welt kommt, und mit einer Unterwerffung, die mit der Biegsamkeit des Wachses verglichen werden kan.
F. wo habt ihr eure Kleider abgelegt?
A. In der Finsterniß.
F. Und euren Unflat?
A. Im Bade.
F. Wo seyd ihr aus der Finsternis gekommen?
A. Vor dem Thor auf der Treppe.
F. An welcher Seite der 4 Weltgegenden?
A. Gegen Mitternacht.
F. Wer har euch die Augen geöfnet?
A. Die Hand des Herrn.

Auslegung.

Die zwey ersten von diesen Fragen und Antworten bezeichnen die Merckmahle, woran man einen Freymäurer erkennt, gantz deutlich. Die folgenden bedeuten, daß der neue Bruder von der Unwissenheit zur Erkenntniß der Lehren gelangt, so man in der Loge, die das Haus der Sonne, des Mondes und der Sterne, wegen der daselbst befindlichen Weisheit und Erkenntniß genennt wird, vorträgt.
Der neue Mitbruder gehet nackend, rein etc. in dieselbe, weil man voraus setzt, daß die Vorurtheile und Unwissenheit einer Lehrbegierde, die sein Gemüthe und Hertz, die Lehren und Befehle des Ordens anzunehmen, geöfnet, Platz gemacht. Die Finsterniß, worinnen er seine Kleider gelassen, das Ebenbild seiner bösen Neigungen ist der Ort, den man das finstere Zimmer nennt. Das Bad, worinn er sich abgewaschen, ist eine Vorstellung des in der heiligen Schrift so berühmten Bades.
Endlich ist er gantz aus der Finsterniß gekommen, nemlich auf der Treppe, so zum Tempel der Wahrheit führt, die sie des Nicanors Treppe nennen, und welche gegen Mitternacht ist. Die Hand des Herrn, so die Augen des Neuaufzunehmenden völlig freymacht, ist o« Hand des Aufsehers, der ihm die Binde abnimmt.

F. Wie viel Schwierigkeiten habt ihr angetroffen?
A. Dreye in dem Chaos und viere in der Welt.
F. Wie habt ihr sie überwunden?
A. Die Kraft meines rechten Arms hat mir fünff, und Nicanors Hülffe noch zwey mahl den Sieg erworben.
F. Womit hatte man euch die Augen verbunden?
A. Mit einer Art von Thierkreise.
F. Wie viel hatte er Zeichen?
A. Vier.
F. Von was vor Farbe?
A. Die erste und vierte sind weiß, die andere roth, die dritte grün.
F. Was stellen diese Figuren vor?
A. Eben dieienigen, so man meinetwegen auf dem Mosaischen Esterrich gezeichnet?
F. Was bedeuten die so verschiedenen Farben?
A. Einen Oelzweig, 2 Flügel damit zu fliegen, und eine Wage.
F. Von was vor Farbe ist dieser Thierkreis?
A. Von der Farbe der Finsterniß.
F. Wer har euch die Augen damit verbunden?
A. Alecto, Tisiphone und Megaera [Alekto, Tisiphone, Megaira].
F. Wer bat ihn euch abgenommen?
A. Nicanor.
F. Durch wessen Gewalt?
A. Durch die Gewalt der R. N. und F.

Auslegung.

Man versteht hier unter dem Worte Chaos nicht nur die Unwissenheit, sondern auch den Ort, wo man den Neuaufzunehmenden in der Dunckelheit gelassen, oder ins Bad getaucht hat. Die Welt bedeutet den Ort, wo man die Figur auf den Boden zeichnet, und den zu Feyerung der Geheimnisse gewiedmeten Platz, so gleich vor diesem ersten Ort ist.
Die beyden Hindernisse, so der neue Bruder in dem Chaos gefunden und unter der Anführung und Hülffe Nicanors überwältigt hat, sind sein Ausgang aus der finstern Kammer, und die Nochwendigkeit sich ins Wasser tauchen zu lassen. Seine Stärcke hat über fünff andere an andern Orten, so durch das Wort Welt vorgestellt werden, triumphirt: erst durch den Sieg, den er mit dem Degen in der Faust über den Unheiligen, so ihm den Eingang wehren wollen, erhalten, darnach da er die andern Unheiligen zu vier verschiedenen mahlen, nemlich auf ieder Ecke der Figur, umgebracht.
Die verschiedenen Farben des Thierkreises, welchen der neue Bruder bey allen diesen Verrichtungen getragen, sind ein Zeichen der mancherley Hindernisse, der Mittel sie zu überwinden, und der mannigfaltigen Absichten der Freymäurer, die gleichwohl alle auf einen Endzweck gehen. Der Gang, welchen er um die Figuren hält, stellt seinen Wandel durch die Welt vor, und er schlägt sich an den vier Ecken, ehe er in den Orden tritt, um den Sieg, so er über die Vorurtheile und die durch die gantze Welt ausgebreitete Unheilige erhält, vorzubilden. Die Binde, so man ihm um die Augen bindet, ist schwartz, indem sie ihm das Tages-Licht raubt, dessen Abwesenheit nichts anders als die Finsterniß ist. Er bleibt in diesem Zustande, bis seine Augen durch Nicanor seinen Führer, welcher der Aufseher ist, und der es durch die R. N. und F. das ist, durch die Religion, die Natur und Force verrichtet, befreyet werden: indem solches nach der Freymäurer Meinung und in dem Verstande, welchen wir anderswo zeigen wollen, die drey Mittel sind, die Hindernisse zu überwinden. Die drey Furien, welche die Augen des Candidaten verbunden, sind der Aberglaube, die unerkannten Vorzüge der menschlichen Natur und des Gebrauchs, den ieder von seinen eigenen Kräften machen soll.
Der Sieg, welcher die Frucht davon seyn soll, wird die Freymäurer zur Gleichheit und Freyheit führen, als welches ihr grosser Endzweck ist, wie wir anderswo zeigen wollen.

F. Was habt ihr anfänglich gesehen?
A. Nichts deutliches, es schiene mir alles verwirrt zu seyn. ob es sich schon in einer vollkommenen Ordnung befand.
F. Woher kam dieses?
A. Von der Müdigkeit, der Furcht, und Verwunderung.
F. Was macht euch zu fürchten?
A. Der Anblick der Waffen, so mir ein Bild des Krieges vorstellt.
F. Wodurch habt ihr euch ermüdet?
A. Indem ich mich aufhielte, und sachte fortgieng.
F. Worüber habt ihr euch verwundert?
A. Uiber das Esterrich von Mosaischer Arbeit, über das Licht, und die blinckenden Degen.
F. Wozu diente diese Vorstellung des Krieges?
A. Mich zu hindern die angefangene Reise fortzusetzen.
F. Habt ihr sie also geendigt?
A. Ich bin über Berge, Hügel, eine Ebene, und über Flüsse gegangen.
F. Wie vielmahl?
A. Viermahl.
F. Durch was vor einen Weg?
A. Zweymahl ausser der Welt, und einmahl m der Welt.

Auslegung.

Die Unwissenheit des neuen Bruders in den Ursachen der Gebräuche bey seiner Aufnahme, und die traurigen Umstände, so ihm dabey begegnen, sind sehr natürliche Gelegenheiten Verwirrung und Furcht, Müdigkeit und Verwunderung zu empfinden. Das Klirren der Degen bedeutet die Hindernisse, so sich fünff mahl bey dem Gange nach den Thoren, der Zimmer, der Stiegen, und des Bades, so man unter den Bergen, den Hügeln, den Ebenen und den Flüssen versteht, gefunden. Von den vier Reisen werden zwey ausser der Welt, das ist ausser der Loge angestellt, und bestehen in dem Gange aus dem finstern Zimmer zu dem Bade, und aus dem Bade zur Thür der Loge. Die beyden andern geschehen in der Loge, das ist, von dem Thore nach der Mitternächtlichen Seite der Figur, und den andern Weltgegenden, und endlich indem man über die Figur selbst geht.

F. In was vor einem Zustande seyd ihr gereist?
A. Währender meiner zwey Reisen ausser der Welt, und der ersten, so ich in der Welt gethan, bin ich blind gewesen; bey der andern aber habe ich helle gesehen.
F. Waret ihr allein, oder in Gesellschafft?
A. Ich bin allemahl in Gesellschafft gewesen.
F. Waren die, so bey euch waren, eures gleichen?
A. Nein, ia, nein.
F. Wer waren sie also?
A. Ein Engel und ein Geist waren meine Gefährten
[Un Ange & un Esprit, qui étoient mes guides].

Auslegung.

Die, so sich der oben beschriebenen Art, einen Bruder-Diener aufzunehmen, erinnern, werden gar leicht die Fortsetzung dieser Gleichnißreden begreiffen. Die Reisen, so er ohne zu sehen gethan, sind die Wege, so er mit verbundenen Augen angetreten: Die in welcher er gesehen, ist der Weg, welchen er von dem Augenblick an, da man ihm die Augen aufgebunden, zurücke gelegt hat. Er sagt, daß er denen, so ihn begleitet, nicht gleich gewesen, indem er auch in der That denen Brüder-Dienern vor seiner Aufnehmung nicht ähnlich war. Er sagt, daß er es wäre, und dieses findet von der Zeit, da er aufgenommen worden, stat. Indessen fügt er gleich hinzu, daß er es nicht wäre, weil er selbst, nachdem er ein Mitglied geworden, geringer als der Aufseher und alle Brüder Diener ist. Er nennt endlich seine Führer Engel, weil diejenigen, so ihm Unterricht geben und Gesellschafe leisten, alle Geheimnisse des Ordens, inne haben.

F. Wo haben sie euch anfänglich hingeführt?
A. Zu einer Mauer, welche uns weiter zu gehen hinderte.
F. Wie seyd ihr durch sie hindurch gekommen?
A. Indem ich dreymal daran geschlagen habe.
F. Was habt ihr hinter der Mauer angetroffen?
A. Einen Fluß, über welchen ich schwimmen muste.
F. Wie tief war er?
A. Das Wasser gieng mir über den Kopf.
F. Wie seyd ihr darüber gekommen?
A. Durch Hülffe des Engels und des guten Geistes.

Auslegung.

Die Mauer ist die Thüre der finstern Kammer, an welche man drey mahl anpochen muß, der Fluß ist die Badewanne, das Wasser, womit sie angefüllt ist, ist dem Neuaufzunehmenden über den Kopf gegangen, weil man ihn allerdings so tief eingetaucht, damit diese völlige Abwaschung anzeigen möchte, daß er allen Vorurteilen ohne Ausnahme absage.
Man muß endlich anmercken, daß die Zahl der Schläge, so man, wie gedacht, an die Thüre thut, sich auf die Natur, die Religion und Gewalt beziehe, als welche, die drey Hauptgründe sind, die den Verstand erleuchten, bewegen und erhalten, die Lehren des Ordens einzusehen, anzunehmen, und zu vertheidigen.

F. Was habt ihr nach dem Flusse angetroffen?
A. Einen Unheiligen und einen Auserwehlten die sich schlugen.
F. Warum?
A. Der erste widersetzte sich meinem Zutritt und der andere wolte mir ihn verstatten.
F. Welcher von beyden hat überwunden?
A. Keiner von beyden.
F. Wie habt ihr also durchkommen können?
Ä. Der Auserwehlte hat mir einen Degen in die Hand gegeben, womit ich den Unheiligen durchbohrt habe.

Auslegung.

Die so die Cerimonie der Aufnahme gelesen, setzen leicht von was vor einem Streite hier die Rede ist, und was den Verstand dieses Gleichnisses betrifft, so ist genug, wenn man anmerckt, daß es den vorgegebenen Streit der Vernunft zum Besten des Ordens, weder die Vorurtheile, so mit ihr in dem Gemüthe des Neuaufzunehmenden streiten, vorstellen soll.

F. Wo hat man den todten Cörper des Unheiligen hingebracht?
A. In ein rauhes Land ausser der Welt, wo man ihn sehr wohl bewacht.
F. Was habt ihr weiter gefunden?
A. Einen Felsen, über den man unmöglich kommen konnte.
F. Wie sahe er aus?
A. Ich habe ihn nicht gesehen, allein ich habe aus der Erfahrung gelernt, wie es schwer sey ihn zu übersteigen.

Auslegung.

Das rauhe und bewachte Land ist der Theil des Hauses, wo der, so den Unheiligen vorgestellt, sich hinbegiebt. Man sagt, daß er bewacht sey, weil das gantze Gebäude es wircklich ist: unterdessen ist es rauhe und unbewohnt, weil die Gemächer, wo sich der Uiberwundene aufhält, von dem Zimmer, worinnen man die vornehmsten Geheimnisse feyert, und ausser welchen man sie nicht lehrt, gantz abgesondert sind.
Diese Gleichnißrede bedeutet, daß obschon der Neuaufzunehmende seinen Vorurtheilen abgesagt, und von seiner Unwissenheit, so bald er in den Orden getreten, befreyet wird, so ist doch indessen die Classe, in welche man ihn aufnimmt, bloß zur Vorbereitung derer, so davon Mitglieder sind, bestimmt, damit sie einmal die wahre Wissenschafft und eine rechte Gemüthsverfassung erlangen mögen.
Der Felsen ist nichts anders, als die innere Thüre der Loge. Es ist schwer hindurch zu kommen, weil der Zutritt erst nach einem langen Examen verstattet wird. Der Neuangehende wird dies Hinderniß gewahr, ohne es zu sehen, weil er noch immer die Augen verbunden hat.
Der Verstand der Gleichnißrede ist die Schwierigkeit die Wahrheit zu entdecken, als welche man noch nicht kennt, ob man schon einen Geschmack an ihr findet, und einige Neigung vor sie hat.

F. Wie seyd ihr hinauf gestiegen?
A. Vermittelst einiger Worte.
F. Ihr habt euch also der Zunge, und nicht der Füsse zum gehen bedient?
A. Meine Worte haben den Schooß des Felsens eröffnet.
F. Was versteht ihr durch den Schooß des Felsens?
A. Seine Mitten, die sich aufgethan.
F. Durch welche Krafft?
A. Durch das Bellen des Cerberus.

Auslegung.

Di« Worte, so den Felsen öffnen, sind dir Fragen und Antworten des Thürhüters, des Führers, und des Neuangehenden, die die Thüre öffnen können. Das Bellen des Cerberi ist die Stimme des Thürhüters, welcher den Eingang verstattet

F. Was habt ihr bey Fortsetzung eurer Reise angetroffen?
A. Einen neuen Himmel, eine neue Erde, neue Einwohner, und eine neue Manier zu gehen.
F. Wie seyd ihr also in der Welt fortgegangen?
A. Wie die Planeten am Firmament.

Auslegung.

Der Neuangehende befindet sich in einer gantz andern Welt, wenn er zum erstenmahle in die Loge tritt; er gehet wie die Planeten, indem er in der Loge, die man die Welt nennt, fortgehet.

F. Was habt ihr zuerst an diesem Orte gefunden?
A. Einen grossen Streit zwischen den Einwohnern.
F. Wo war der Kampfplatz?
A. In den vier Gegenden der Welt.
F. Wie habt ihr mitten durch diele streitende durchgekonnt?
A. Die Gewalt meines Arms hat sie alle in die Flucht geiagt.

Auslegung.

Dieses ist eine Beschreibung des Streites, den die Brüder in der Loge vorstellen. Er stellt auch die Hindernisse, welche der neue Bruder in den vier Gegenden der Welt, das ist, überall antreffen wird, vor.

F. Was habt ihr weiter angetroffen?
A. Niemanden, sondern man hat mich zwischen die zwey guten Engel gestellt.

Auslegung.

Wir haben gehört, daß man die Führer des Neuaufzunehmenden Engel nenne. Unter diesen Namen werden auch hier die andern Brüder, doch mit dem Unterschied, verstanden, daß man sie nach ihrem Range schlechtweg Engel, oder die guten, oder die besten, oder die allervortrefflichsten Engel nennt. Die beyden besten Engel, zwischen welche man den neuangehenden Bruder stellt, sind die zwey Aufseher.

F. Was haben sie euch gleich gegeben?
A. Das Licht.
F. Wie?
A. Indem sie mir die Binde abgenommen.
F. Auf wessen Befehl?
A. Auf des ersten und vortrefflichsten Engels Befehl.

Auslegung.

Durch diesen obersten Engel versteht man den Meister der Loge; die Worte, so er sagt, indem er verordnet, daß man dem Neuangehenden das Licht wiedergebe, sind die Stimme, so von Mittag, wo der Meister seinen Platz hat, kommt. Von eben der Seite kommt der Geist, so das Licht der Wahrheit in der Seele ausbreitet, und ihr zur Erkenntniß der Geheimnisse beförderlich ist, nachdem er ihr alle Hindernisse überwinden helffen.

F. Was hat euch dieser oberste Engel befohlen?
A. Nach Art des Auserwehlten zu gehen.
F. Wer har euch den Weg gewiesen?
A. Einer der besten Engel.
F. Wo hat er euch hingeführt?
A. In das Allerheiligste.
F. Auf was vor einer Strasse?
A. Auf einer Strasse, die viele Abwege hatte.
F. Wie viel habt ihr Schritte gemacht?
A. Eilffe.

Auslegung.

Die Anmerckungen über die Aufnahme, geben deutlich zu erkennen, von was vor einer Straffe und von was vor Abwegen hier die Rede sey. Wir müssen noch hinzufügen, daß gleichwie der neue Bruder Diener allemahl in einer Classe bleibt, er durch seine Aufnahme, so gleich zu der höchsten Staffel, zu welcher er kommen kan, gelange. Da indessen die Wissenschafft nicht auf einmahl erlangt werden kan, so stellt man ihr unvermercktes Wachsthum unter dem Bilde einer Reise vor, wo man bey iedem Schritt auf Abwege kommt und sich aufhält, vor. Indem man den Strick von dem Halse des Neuangehenden, wenn er in das Allerheiligste gekommen, abnimmt, so will man andeuten, daß, man ihn als frey, als erleuchtet, als wiedergebohren, ansehe.

F. Was habt ihr, da ihr in dem Allerheiligsten angelangt seyd, gethan?
A. Ich habe das rechte Knie gebeugt.
F. Wie habt ihr eure Glieder gestellt?
A. Ich habe sie aufgerichtet, gebogen und ausgestreckt.

Auslegung.

Man kan in der Beschreibung der Aufnahme, umständliche Nachricht von den Bewegungen des Neuaufzunehmenden, so wohl, als ihre Bedeutung finden.

F. Welches ist das erste Geschenkte, so man euch gemacht hat?
A. Ein Rock.
F. Und das andere?
A. Ein paar Stiefeln.

Auslegung.

Der Rock ist das Schurtzfell, die Stiefeln sind die Handschuhe. Wir haben oben gewiesen, was dadurch angedeutet werde.

F. Habt ihr nicht noch andere Geschenke erhalten?
A. Nein, keine Kleider mehr.
F. Was habt ihr also bekommen?
A. Geistliche Geschencke.
F. Sagt mir, was vor welche?
A. Die Erkenntniß des Willens des grossen Baumeisters, der Natur des Menschen, der Ordnung, und des Platzes aller Dinge.
F. Ich verstehe euch nicht, erklärt euch deulicher.
A. Ich thue es, indem ich schweige.
F. Was habt ihr also erhalten?
A. Unendlich viel, so ich durch mein Stillschweigen erzehle.

Auslegung.

Diese geistliche Gaben sind die Erkenntniß der Lehren des Ordens und gleichwie man solche in seinem Hertzen begraben, und vollkommen geheim halten soll, so zeigt man durch Stillschweigen, und indem man das Zeichen des Bruder Dieners macht, seine Erfahrung in der Lehre und den andern Geheimnissen des Ordens.

F. Was habt ihr gesagt, da ihr in das Allerheiligste gekommen waret?
A. Dinge, so ich nicht erzehlen kan.
F. In was vor einer Sprache?
A. In einer gantz neuen Sprache.
F. Wie habt ihr sie sogleich reden können?
A. Der oberste Engel sagte mir, was ich reden sollte.
F. Was habt ihr versprochen?
A. Zu schweigen, zu reden, und Mitleiden zuhaben.

Auslegung.

Dieses gehet auf den Eid, welchen der Meister den Neuaufzunehmenden von Wort zu Wort nachsprechen läst. Sehet unsere Anmerckung von der Aufnehmung und dem Eide.

F. Was habt ihr auf dem Wege, den ihr mit verbundenen Augen angetreten, angetroffen?
A. Ein Esterrich auf Egyptische Art.
F. Was vor ein Licht erleuchtete denselben?
A. Ein neues Sonnen-Licht, so aber nicht hinderte, das Licht der Sterne zu sehen.
F. Wie viel waren Sterne?
A. Drey.
F. Wo waren sie?
A. In dem Allerheiligsten.

Auslegung.

Das Esterrich nach Egyptischer Art ist eben das, welches wir oben das Mosaische genannt haben, das Licht, so allein in der Mitten stehet, ist die Sonne, die drey andern sind die Sterne, deren Schein durch den Glantz der Sonne nicht verdunckelt wird.
Dieses Licht ist das Sinnbild der Lehre welche die Gesellschafft vorträgt, und der Gedanken, so sie einflößt, ohne daß sie die andern Kräffte der Seelen, welche durch die übrigen Lichter vorgestellt werden, vertilgen oder schwächen sollte.
Man konnte auch hierinnen ein Bild des Ordens antreffen, dessen Beamte, durch die Grösse ihres Ranges, das Ansehen der Mitglieder, so nicht dieselbigen Titel führen, keinesweges geringer machen.

F. Was habt ihr am Ende eurer Reise gethan?
A. Ich bin an einen Ort, der ausserhalb der Welt, und wohl bewacht war, gegangen.
F. Was habt ihr da vor Leute angetroffen?
A. Auserwehlte meines gleichen.
F. Wie seyd ihr an diesen Ort ausser der Welt gegangen?'
A. Vermittelst der lauten Stimme, so einen dreyfachen Wiederschall machte, und mich in die Welt geführet hatte.

Auslegung.

Diese Worte beziehen sich auf den Umgang des Neuaufgenommenen, und sind alle im vorhergehenden erklärt worden.

F Habt ihr gegessen und getruncken?
A. Ich habe Manna gegessen und Nectar getruncken.
F. Wo?
A. An der Tafel der Auserwehlten.
F. was hattet ihr vor einen Platz?
A. Ich saß neben dem besten, und vor den guten Engeln.

Auslegung.

Das Manna und Nectar ist das Vergnügen an der Tafel der Freymäurer, oder dasienige, welches ein Bruder bey Erklärung der Lehre findet. Die besten Engel sind die Beamten, und die guten die Meister.

F. Welche Zeit ist es?
A. Es ist die erste Tages-Stunde.

Auslegung.

Man sagt, es sey die erste Tages-Stunde, weil die Brüder Diener nur den ersten Grad des Lichtes und der Erkenntniß empfangen.

F. Wie gehen die Brüder Diener?
A. Gerade, und wenden sich bald auf diese, bald auf iene Seite.
F. In was vor einer Stellung?
A. Als Gefangene, als Streiter, und Uiberwinder.

Auslegung.

Die Brüder Diener gehen gantz gerade von der Thür der Loge an die mitternächtige Seite der Figur: Sie gehen um selbige herum, und wenn sie endlich selbige betreten, so wenden sie sich von den Figuren zur rechten zu einer von denen auf der lincken Hand. Sie gehen als Gefangene in gerader Linie fort, weil man sie an dem Stricke um Hals führt.
Wenn sie um die Figur herumgehen, so schlagen sie sich, und wenn sie bald von dieser, bald von iener Seite auf der Figur gehen, so haben sie alle Hindernisse überwunden, und können sich des Sieges, und der Kenntniß der Geheimnisse erfreuen.

F. Wie ist der vortreffliche Engel gekleidet?
A. Wie ein Mann, der zum Krieg und Frieden bereit ist.
F. Wie die besten Engel?
A. Als Fähndriche.
F. Und die guten Engel?
A. Als Kriegs-Officier und Friedens-Richter.
F. Wie die blossen Engel?
A. Wie auserlesene Soldaten.

Auslegung.

Man darff nicht meynen, daß einer von den Mitgliedern des Ordens einen besondern Habit nach seinem Range trage. Alles, was hier gesagt wird, bezieht sich darauf, daß sie in der That Glieder eines Leibes sind, und den Endzweck haben, daß ieder nach seinem Range und seiner Fähigkeit vor die Freyheit, die Gleichheit und den Frieden streiten solle.

F. Wo kommt ihr her?'
A. Von dem Lichte und der Finsterniß.
F. Wo geht ihr hin?
A. Zum Lichte.
F. Durch welchen Weg?
A. Durch das Licht.

Auslegung.

Diese Worte gründen sich auf die Cerimonie, dem Neuangehenden das Licht zu geben und zu nehmen, davon anderswo geredet worden.

F. Wo kommt der Wind her?
A. Vom Mittag.
F. Wo legt er sich?
A. Ausser der Welt.
F. Von welcher Seite kommt er wieder?
A. Von Mitternacht, und gehet hernach in eine Höhle.

Auslegung.

Dieser Wind bedeutet nichts anders, als sie Stimme, so im Anfange dieses Catechismi erklärt worden. Die Höhle ist die innere Thür der Loge.

F. Wie seyd ihr über die Flüsse gegangen?
A. Wie ein Missethäter.
§. wo habt ihr eure Unschuld dargethan?
A. In dem Allerheiligsten.
F. Wie vielerlei Laster gab man euch schuld?
A. Drey, davon iedes beträchtlich war.
F. Wie viel Gründe habt ihr zu eurer Verteidigung angewendet?
A. Drey, von denen gleichfalls ieder wichtig, und der Sache den Ausschlag zu geben vermögend war.

Auslegung.

Der Neuaufzunehmende ist in dem Stande eines Missethäters, wenn man ihn ins Wasser taucht, weil er da gebunden ist. Er wird vor unschuldig erkannt, wenn man ihm die Hand vor der Thüre, und den Hals vor dem Altare frey macht. Die drey Knoten sind der Aberglauben, die Unwissenheit und Zaghaftigkeit der Unheiligen, so drey wesentliche Gebrechen sind.
Die Religion, die Natur und Gewalt, sind die drey grossen Gründe des Neuaufzunehmenden.

Eid der Freymäurer.

[Serment des Francs-Maçons]

Was den Eid der Freymäurer, dessen sie sich den Aufnahme der Brüder Diener bedienen, anlangt, so ist er an sich eben der, welchen man von den Lehrlingen fodert. Hernach, ob man wohl in allen Logen, und in allen Ländern einigen Unterschied, entweder wegen der Sprache, oder weil man immer gerne Neuerungen macht, oder auch um anderer Ursachen willen, gewahr wird, so ist doch der Verstand allemal einerley.

Wir wollen uns bloß mit demjenigen begnügen, was wir vor das beste, ordentlichste und gewöhnlichste halten, das ist, mit dem, was von den gelehrtesten und ordentlichsten in Engelland und Teutschland beobachtet wird: als zum Exempel zu Londen in der grossen Gesellschafft, vor dem Großmeister des Ordens; zu Berlin vor dem obersten National-Protecetor; zu Franckfurt am Mayn vor dem National-Großmeister, und in der berühmten Loge zu Hamburg. Der Eid lautet von Wort zu Wort also:

Gott, grosser Baumeister der Welt [O Dieu, Grand Architecte de l’Univers], der du alle Dinge durch deine unumschränckte Macht erschaffen hast, und dessen unendliche Weisheit sie in der schönsten Ordnung, die sie zusammen hält, gesetzt: Der du den Menschen ein lehrbegierig Hertz gegeben, und in solchen den Saamen von allerlei Tugenden ausgestreuet, daß sie in ihrem Wandel Früchte des Verstandes und der Frömmigkeit hervorbringen möchten: Der du endlich ihnen die Nothwendigkeit, gesellig zu leben, eingepflantzet hast, sey du ietzo durch deine Gnade mitten unter uns, und verleihe mir N. N. die besondern Gaben und Geschencke, die diese Neigung zum geselligen Leben unterhalten können, damit ich auf solche Art die Verrichtungen, Handlungen, und die Schuldigkeit, wozu ich mich anietzt verbinde, indem ich deine Güte und Hülffe anruffe, erfüllen möge.
Ich verspreche demnach, und schwöre dir, o Gott, und gelobe der vortrefflichen Gesellschafft der Freymäurer, in deren Nahmen sie in dieser Loge zusammengekommen ist, die Geheimnisse, Zeichen, Griffe, Worte, Lehren, und Gebräuche derselben, sie mögen in- oder ausserhalb der Logen üblich seyn, niemals einem Unheiligen zu entdecken, vielmehr will ich ein tieffes Stillschweigen mit dem Munde, der Feder, mit Zeichen und Geberden, beobachten, so daß ich mich weder Sprachen, noch Zeichen, noch Sinnbilder, sie mögen bekannt oder nicht bekannt seyn, weder im Reden und Drucken, noch im Schreiben, oder Graben in Steine, Pflantzen und Metalle bediene.
Mir einem Wort, ich verspreche weder mittelbar noch unmittelbar Ursache zu seyn, daß eines von den Geheimnissen der Gesellschafft, so man mir ietzo oder in folgenden Zeiten anvertrauen wird, kund und ruchtbar werde.
Ich verbinde mich dazu bey der Strafe, welcher ich mich, wenn ich nicht Wort halte, unterwerffe, nemlich daß man mir die Lippen mit einem glüenden Eisen abbrenne, die Hand abhaue, die Zunge ausreisse, und endlich meinen Cörper in einer Loge der Freymäurer, währender Cerimonie der Aufnahme der Brüder Diener, zur ewigen Schande meiner Untreue, und zum Schrecken der übrigen, aufhencke, wenn aber die Gesellschafft geendigt ist, ihn verbrenne, und die Asche den vornehmsten Logen zuschicke, damit sie die andern Brüder sehen, und sich entsetzen, endlich aber sie in die Lufft streuen, und vertilgen, bev allen Brüdern aber ein erschröckliches Andencken meiner Verrätherey übrig bleibe.
Gott helffe mir und sein heiliges Evangelium.

Hierauf küßt der Neuaufzunehmende die Bibel, wenn er vor dem Altar auf den Knien liegt, und die rechte Hand auf dieselbe gelegt hat: ist er aber anderswo unter den Aufsehern, so streckt er die Hände nach Mitternacht, und hebt sie mit dem Kopff gerade, in die Höhe:
Endlich spricht er die übrigen Worte des Eides nach:

O Gott, grosser Erbauer der Welt, ich ruffe dich an, und schwöre dir, und gelobe der vortrefflichen Gesellschafft der Freymäurer, in deren Nahmen sie hier in dieser Loge versammlet ist, daß ich die Geheimnisse, so man mir heute oder künftig anvertrauen wird, allen denen, so ich nach einer scharffen Untersuchung vor wahre Brüder erkennen werde, anvertrauen, sie, wenn sie unwissend, unterrichten, oder wenn sie weise sind, um ihren Unterricht bitten will, so daß ich niemals einen andern Bruder, es sey unter was vor einem Vorwande es wolle, daß ich ein Bruder sey, zu bekennen mich entbrechen [refuserai] werde.
Indessen will ich mich durch Zeichen, Griffe und Worte entdecken, so daß die Zeichen und Griffe bloß in Geberden bestehen sollen: Die Worte will ich bloß mir dem Munde vorbringen, ohne daß es auf einige Weise erlaubt sey, etwas, so die Geheimnisse der Gesellschafft offenbaren könne, zu schreiben, zu drucken, oder zu stechen.
Gott helffe mir und sein heiliges Evangelium.

Sodenn küsset der Aufzunehmende die Bibel, oder streckt die Hände, wie wir oben erzehlt haben, aus.
Endlich fährt er fort, die letzte Eides-Formel in folgenden Worten herzusagen:

O Gott, grosser Erbauer der Welt, ich ruffe dich an, schwöre dir, und gelobe der vortrefflichen Gesellschafft der Freymäurer, in deren Nahmen sie hier versammlet ist, den armen Brüdern, sie mögen Fremde, oder von meiner Nation seyn, in ihrem Elend nach allem meinem Vermögen beyzustehen, sie mir brüderlicher Liebe aufzunehmen, sie zum Meister der Loge, den Beamten der Gesellschafft, zu den Brüdern und zur Versammlung selbst zu führen, damit sie bey ihnen die gewünschte Hülffe finden mögen.
Gott helfe mir und sein heiliges Evangelium.

Hier wiederholen sie die Cerimonie die Bibel zu küssen, oder die Hände, wie wir oben angemerckt, in die Höhe zu heben. Dieses dreymahlige Absetzen in dem Eide, nennt man die drey Zeiten des Sacraments.

Von den Lehrlingen.

[Des Aprentifs]

Man nennet dieienigen, welche neue Mitglieder des Ordens, und zu denen Ehrenstellen, so höher als ihre Classe sind, Anwartschafft haben, Lehrlinge. Die Zeit, so sie in dieser letztern Classe zubringen, ist in Wahrheit eine Art von Noviciat, indem sie dazu gewiedmet ist, daß man die Lehren, so man in der Loge vorträgt, aufmercksam höre, und von seiner Fähigkeit und Gaben Proben ablege.
Um diese letzten genau zu erkennen, wenden die Freymäurer alle ihre Geschicklichkeit an, und bedienen sich der allerfeinsten Politick. Deswegen betrügen sie sich auch sehr selten, und wissen sich ungemein wohl zu verstellen und ausserordentliche Kunststücke zu gebrauchen, die wahren Absichten, so man mit ihnen vorhat, in einer gantz fremden Gestalt vorzustellen.

Ein ieder Unheilige, der in den Orden treten will, muß in allen Stücken den Weg gehen, welchen man, wie wir gesagt, den neuaufzunehmenden Bruder Diener antreten läßt. Der gantze Unterschied besteht in den Nahmen, den Titeln und andern dergleichen Dingen, die, wenn wir sie nochmahls erzehlen wollten, sehr verdrießlich seyn würden. Man hat bloß anzumercken, daß die neuangehenden Lehrlinge nicht durch die Brüder Diener, sondern durch andere Brüder von der Classe, worein sie treten sollen, gewaschen und eingetaucht werden.
Wenn man einen unter ihnen die Hände vor ihren Eintritt in die Loge frey machen will, so muß der andere Aufseher solches thun, und er befielt sodann dem Neuaufzunehmenden, die Spitze seines Degens mit der rechten zu ergreiffen, und solche sich aufs Hertze zu setzen, indem er den Führer bey der lincken hält. Wenn er einmahl um die Figur herum gegangen, so legt er den Eid auf die obige Weise ab, die Binde, die eben so wie der Bruder Diener ihre gemacht ist, wird ihm auf gleiche Art abgenommen. Hernach gehet er über die Figur, und beobachtet dabey folgendes:

Er setzt seine Füsse in Form eines Winckelmasses auf die Thüre nach Mittemacht, steigt mit dem rechten auf die erste Stuffe der Treppe und gehet auf die ordentliche Weise zwölff Stuffen hinauf. Hernach bleibt er einen Augenblick auf der Thürschwelle der Gallerie stehen, thut einen Schritt nach dem Bade, und einen andern, nach der ersten Stuffe der Treppe von 5 Stuffen, so nach der innern Loge geht. Er steigt diese Loge ordentlich hinauf, bleibt einen Augenblick oben stehen, und thut einen Stoß mit dem Fusse auf die Erde. Endlich gehet er mit einem Schritt bis zum Winckelmaß, ferner bis zum Sterne, und endlich noch mit einem Schritt bis zum Circkel. Hier fällt er auf die Knie und wiederholt den Eid.
Darauf folgt die Cerimonie der Uiberreichung des Schurtzfells und der Handschuhe. Man lehret ihm hernach das Zeichen, die Griffe und das Losungs-Wort der Lehrlinge. Der Redner hält eine Rede, und der Secretär thut sein Amt, wie man aus meinem ersten Wercke, (dem verrathenen Orden der Freymäurer [p. 179 & suiv.]) wo die Sache nach der Länge und der Wahrheit gemäß beschrieben ist, abnehmen kan.
Indessen ist zu mercken, daß alle Brüder, denen man das Lehrlingszeichen macht, auf gleiche Art zu antworten verbunden sind, ob sie sich schon in einer höhern Classe befinden. Es folgt solches aus dem angeführten Grundsatze, daß man die Geheimnisse einer Classe den Mitgliedern der niedrigem nicht verrathen solle.

Wir müssen auch noch ein paar Worte von dem Unterschiede der Figur, so wir lm Kupfer beygefügt, und der, so man in dem angeführten Wercke findet, sagen. Diese letztere ist zwar nicht gantz zu verwerffen, allein sie ist nicht ohne Fehler. Erstlich vermischt sie die Figuren der Lehrlinge und Gesellen, und macht aus beyden eine, ob sie schon von einander abgehen. Hernach übergeht man das Bad, die äussere Mauer und viele andere. Dinge, wie man aus der Zusammenhaltung, beyder Wercke abnehmen kan mit Stillschweigen. Man findet allerdings Logen, welche die Figur, wie sie in dem verrathenen Orden der Freymäurer abgebildet ist, vorstellen; allein diese Gesellschafften führen hierinnen einen Mißbrauch, wornach man sich nicht richten darf, ein.

Die Pflichten der Lehrling sind, daß sie die auf dem Boden vor die, so von ihrer Classe sind, gezeichnete Figur abwaschen, die innere Thür der Loge, wie wir oben gemeldet, von innen bewachen, und wenn es nöthig ist, in der Küche an die Hand gehen. Diese letztere Verichtung wird durch viele Personen vom Stande, wie wir bereits gesehen haben, besorgt, die in ihrem Noviciat nicht glaubten, daß die Sorge vor einen Braten ihrem Rang zuwider wäre.
Endlich müssen die Lehrlinge bis zum dritten Gange bey der Tafel dienen, da sie sich denn nebst den andern zu Tische setzen. Ihre Plätze sind zwischen Morgen und Abend, sechzehen an der Zahl. Die andern Brüder haben ihre Stellen in der Loge, wie die Brüder Diener in der ihrigen. Ein Lehrling muß es wenigstens sechs Monat seyn.

Sie müssen nicht nur den Catechismum der Brüder Diener, sondern auch den folgenden, der ihnen eigen ist, auswendig wissen.

F. Seyd ihr ein Freymäurer?
A. Die Lehrlinge kennen mich.
F. Wie gebt ihr euch zu erkennen?
A. Indem ich mich erwürge, anrühre und stammle.
F. Wie viel Reisen habt ihr gethan?
A. Dreymahl neun.
F. Wie?
A. Leichte, schwer, und sehr schwer.
F. Wie viel Hindernisse habt ihr überwunden?
A. Unendlich viele.
F. Welche?
A. Felsen, Meere, und Wälder.
F. Durch welche Krafft?
A. Durch die Krafft meiner Lantze.
F. Wer hat sie euch gegeben?
A. Ein guter Geist.
F. Wider wen habt ihr euch derselben bedient?
A, Wider die bösen Geister.

F. Wo kommt ihr her?
A. Von dem Uibel der Falschheit und des Schadens.
F. Wo geht ihr hin?
A. Zum Guten, zur Wahrheit, zum Nützlichen.
F. Wer zeigt es euch?
A. Ein unauslöschliches Licht.
F. Wer zündet dieses Licht an, und wer erhält es?
A. Der grosse Baumeister.
F. Wer belebt und putzt es?
A. Der Unter-Baumeister.
F. Mit was vor einer Lichtputze?
A. Er bedient sich nichts als der Vernunfft dazu.

F. Welchen Weg zeigt euch dieses Licht?
A. Einen gantz geraden Weg, der aber durch Berge und Ebenen geht.
F. Was haben diese Berge vor eine Gestalt?
A. Die erste ist ein langes Viereck, die andere zeigt den Augen nichts als eine blosse Fläche, die dritte ist eben so, und zwischen den Bergen sind die Ebenen Mosis.
F. Wie seyd ihr über den ersten Berg gekommen?
A. Durch ein offenes Loch.
F. Und über den andern?
A. Durch eine Treppe von zwölff Stuffen, die zu einem andern offenen Loch führte.
F. Und über den dritten?
A. Durch eine Treppe von fünff Stiegen, die zu einem zugemachten Loche gieng.
F. Was habt ihr in der ersten Ebene angetroffen?
A. Sechs finstere Kercker.
F. Und in der andern?
A. Flüsse, ein Loch, zwey Seulen, und ein Handfass [lavoir].
F. Und in der dritten?
A. Drey Lichter, so Strahlen warffen, den aufgehenden Mond, drey Fenster, ein sehr gläntzendes Gestirne, die Gleichheit, das Allerheiligste, den Geist, dessen Hauch das Gute von dem Bösen absondert, die Stärcke, die Gerechtigkeit und Heiligkeit.

F. Welche Zeit ist es?
A. Es ist die erste Stunde eines sehr schönen Tages.
F. Wie wachen die Lehrlinge?
A. Schlafend.
F. Wie schlafen sie?
A. Wachend.
F. Wie gehen sie?
A. Indem sie stille stehen.
F. Wie bleiben sie stille stehen?
A. Indem sie gehen.
F. Wie arbeiten sie?
A. Indem sie nichts thun.
F. In was für einem Zustande sind sie, wenn sie nichts thun?
A. Sie arbeiten.
F. Woher kommt die Verblendung?
A. Von der Schwachheit, dem Willen und der Unwissenheit.
F. Woher kommt das Licht?
A. Von der Stärcke, dem Willen, und der Weisheit.
F. Woher kommt daß Gute?
A. Von den Flügeln.
F. Woher das Nützliche?
A. Von der Gleichheit.
F. Woher die Gerechtigkeit?
A. Von einem Winde, so auf den Stern bläst.

F. Was bedeutet die Seule zur Lincken?
A. Eine stammelnde Sprache.
F. Und die zur Rechten?
A. Das weiß ich nicht.
F. was bedeutet das Handfaß der Gallerie?
A. Den Uiberrest des Unflats.
F. Was die zwey Handfässer in den Winckeln?
A. Sie bedeuten, daß man sich reinigen solle.
F. Was bedeuten die beyden offnen Löcher?
A. Die engen Oerter, durch welche man hindurch muß.
F. Und der aufgehende Mond?
A. Die Geburt des Lehrlings, der noch schwach und blaß ist.
F. Was bedeutet das Geräthe des andern Hauses?
A. Die Wage und die Flügel.

F. Wo seyd ihr aufgenommen worden?
A. In einem Silberfarbenen Lichte.
F. Wo kommt ihr her?
A. Aus der Egyptischen Finsterniß.
F. Wo kommt der Wind her?
A. Von Mittag.
F. Worauf ist das Allerheiligste gegründet?
A. Auf sich selbst.
F. Und das gantze Gebäude?
A. Auf Freyheit und Gleichheit.

F. Habt ihr gearbeitet?
A. Ja, allein meine Arbeit bestand darinn, daß ich den Arbeitern diente.
F. Zu welcher Zeit arbeitet ihr?
A. Bey Tage und bey Nacht.
F. Wie lange habt ihr gearbeitet?
A. Bis die Rechenkunst vollkommen war.

F. Wo liegt das Gebäude?
A. In den Gärten des irdischen Paradieses.
F. Wer seyd ihr, und wie heist ihr?
A. Gabaon Vater des Lupton durch das Licht, ohne Frau, ohne Geburts-Schmerzen, vermehrt, und der die Söhne mit grosser Sorgfalt erzieht.
F. Wie wollt ihr ein Gebäude aufführen?
A. Durch des Baumeisters, durch meine, und der Natur Stärcke.
F. Wie wollt ihr es erhalten?
A. Durch eben diese Mittel.
F. Was vor eine Gestalt wird es haben?
A. Es wird unsichtbar seyn.
F. Wie wird seine Länge, Breite, Hohe und Tiefe seyn?
A. Unendlich.
F. Wie lange wird es dauren?
A. So lange als der grosse Baumeister.
F. Aus wie viel Mauern besteht es?
A. Aus dreyen. Die erste ist von einer unendlichen Länge, Breite und Tieffe, die andere ist nur lang und breit, und die dritte nur breit.
F. Was bedeuten sie?
A. Drey Arten zu bauen.

Wie die Erklärungen, so wir von dem Catechismo der Freymäurer gegeben haben, ein Schlüssel zu diesem sind, und die Kenntniß des Lehrgebäudes des Ordens dazu gleichfalls dienet, so werden wir keine von diesen Fragen weitläufftig erklären. Von dem Eid und der Tafel der Lehrling wollen wir handeln, wenn wir von dem Schotten werden geredet haben.

Von denen Gesellen oder Arbeitern.

Was die Gesellen anbelanget, so finden wir nicht vor nöthig, uns lange bey ihnen aufzuhalten, indem ihre Vorstellung und Beförderung aus der Lehrlinge in der Gesellen-Classe [leur proposition, & leur promotion pour passer de la Classe des Apprentifs à celle des Ouvriers] von der, so dieienigen, welche noch gar keinen Rang in der Gesellschafft haben, über die Unheiligen erhebt, fast gar nicht unterschieden ist.
Stat daß man den, welcher weiter rücken soll, einen Neuaufzunehmenden nennt, so sagt man: diesem: der Bruder Lehrling N., will Geselle werden. Er wird auf die oben beschriebene Art durch den, so ihn vorgeschlagen, an, die äussere Thüre und bis an das Zimmer, so wir oben, als wir von denen aufzunehmenden Lehrlingen geredet, das finstere genannt, und welches ietzo durch das Licht der Sonnen oder einiger Kertzen erleuchtet ist, gebracht.
Hier weist ihm der, so zum Examinator bestellet ist, wie er das Zeichen des Gesellen machen müsse, fragt ihn wegen seines Berufs zu einer höhern Classe, und läst ihn drey vierthel Stunden lang gantz allein in Gedancken. Hierauf treten zwey zu dieser Verrichtung ernannte Gesellen in das Zimmer, und befehlen ihm, sich fertig zu halten. Er muß die Hände creutzweis auf einander legen, welche sie ihm mit einem doppelten Knoten zusammen binden, ohne ihm einen Strick um den Hals zulegen, oder ihm das bey sich habende Metall, oder seine Kleider, die Schuhe ausgenommen, abzunehmen. Man verbindet ihm auch die Augen nicht, sondern legt ihm nur das Schurtzfell und die Handschuh nach Art der Lehrlinge an.
Endlich führt man ihn aus diesem Zimmer zum Bade, wo man ihm die Strümpffe ausziehen, und die Füsse waschen läst. Von da geht er barfuß bis an die innere Thüre der Loge ohne einige Brüder, die sich schlagen, anzutreffen. Sein Führer klopfft zweymal, und sogleich macht der Hüter, so inwendig an der Thüre Wache steht, sie halb auf, und fragt, wie der, so aufgenommen seyn wollt, heisse, und was er vor eine Absicht habe. So bald er solches erfahren, giebt er den Brüdern auf die Art, wie wir oben von denen Brüder Dienern erzehlet, Nachricht. Hernach öffnet man die Thüre, und läst ihn hineingehen. Der andere Aufseher empfängt ihn, und macht die Knoten von seinen Händen los, giebt ihm in die rechte eine Wage, und in die lincke einen Degen. Mit diesem Aufputze lässt er ihn um die auf den Boden gezeichnete Figur herumgehen, und alles, das Geräusche der Degen ausgenommen, geschieht auf die beschriebene Art. Endlich stellt er sich nach Mitternacht zwischen die beyden Aufseher. Man stellt ihn dem Meister unter eben den Gebräuchen, so wir oben bey den Neuaufzunehmenden erzehlet, vor, und dieser befielt ihm den Eid von Wort zu Wort nachzusprechen, sagt zugleich zum Aufseher, ihm die Weise, wie die Gesellen gehen sollen, zu zeigen.

Um dem Leser einen Begriff von dieser letzten zu machen, ist es nöthig, die auf den Boden gemahlte Figur zu beschreiben. Es ist solche ein länglicht Viereck, worinnen nach der mitternächtlichen Seite 9 Stufen, so nach der offenen Thüre einer Gallerie zugehen, gezeichnet sind. In den Ecken der Gallerie stehen die Waschbecken: zur rechten und lincken zwo Seulen, deren die eine mit J, welches Jakin heist, die andere mit B, dem Anfangs-Buchstaben des Wortes Boaz, bezeichnet ist, als welche beyde Wörter die Losung der Lehrlinge und Gesellen sind.
Die Treppe, davon wir geredet, gehet nach der Mauer, so die Gallerie umgiebt. Hernach kommt das mosaische Esterrich und eine Treppe von 4 Stuffen, die auf der Mauer aufgeführet ist, und nach der verschlossenen Thüre des Heiligthums gehet. Man findet in dieser letzten erst ein mosaisches Esterrich, und wenn man von da in gerader Linie fortgehet, ein Waschbecken, ein Winkelmaß, das Allerheiligste, einen Stern, so Strahlen wirfft, eine Flamme, zu deren rechten der halbe Mond, zur lincken die aufgehende Sonne ist: endlich einen Circkel und alle Arten von mathematischen Instrumenten, die zur Baukunst gehören, und die man in der dritten Figur sehen kan.
Hier muß man, anmercken, daß in dem Buche: der verrathene Freymäurer-Orden, die ordentlichen Logen von dem, worinn man einige Enderungen gemacht, in der Beschreibung der Figur der Freymäurer nicht unterschieden werden. Dieses erhellt daraus, daß man zwischen Lehrlingen und Gesellen keinen Unterschied gemacht, noch auch von denen Waschbecken, Handfässern, Mauren, Treppen und Flammen geredet, noch auch den wahren Platz der Figuren gezeiget hat.

Der Gang desienigen, so unter die Gesellen aufgenommen werden soll, bestehet also darinne, daß er die 9 Stuffen der ersten Treppe ordentlich hinaufsteigt: hernach, sobald er an die Thür-Schwelle der Gallerie gekommen, die Füsse in Form eines Winckelmasses setzet, sich an dem Orte ein wenig aufhält, und endlich mit einem Schritte an die Seule J, um welche er herumgehet, und hernach an die Seule B, um die er gleichfalls herumgehet, gelanget. Von da kommt er wieder zu der vorigen Thür-Schwelle, und mit einem Schritte zur Treppe des Allerheiligsten, die er gewöhnlicher massen hinaufsteigt. Hier hält er sich ein wenig auf, setzt die Füsse in Form eines Winckelmasses, sodann beyde in das Becken, bleibt stehen, und berührt mit dem rechten Fuss den Schlegel, und mit dem lincken die Hütte, worein er auch den rechten Fuß setzt. Sodann bleibt er abermals stehen, setzt den lincken Fuß auf die Sonne, und den rechten auf den Stern, welchen er auch über den lincken gesetzt, berührt mit dem rechten den Mond, mit dem lincken die Flamme, und bleibt da stehen.
Endlich kömmt er mit einem Schritte zum Circkel, kniet nieder, giebt seinen Degen dem Aufseher, legt die rechte Hand auf die Bibel, die lincke hält er dem Kopff gerade in die Höhe, und legt in dieser Stellung den Eid ab.
Hernach befielt ihm der Meister sich zu seiner rechten zu stellen, und lehrt ihm sodann die Zeichen, Griffe und Losung der Gesellen. Ihr Zeichen besteht darinne, daß sie die rechte Hand an die Brust, wo das Hertz ist, legen, die vier Finger ausstrecken, und zusammen schließen, den Daum aber fast in Form eines Winckelmasses ausdehnen, den Arm aber von dem Leibe entfernen, daß der Ellbogen weiter in die Höhe kömmt: das ist das Brustschild.
Die Griffe sind wie bey dem Lehrlinge, doch mit dem Unterschiede, daß sie an dem andern Zeige-Finger geschehen. Das Wort ist Boatz, welches man gleichwie das Wort Jakin buchstabirt und ausspricht.

Endlich bekömmt er das Schurtzfell der Gesellen, so eine herunter hängende Klappe hat, und ein paar weisse Handschuhe zum Geschencke. Denn fängt der Redner seine Rede an, und der Meister erklärt ihm die Verrichtung der Gesellen, so blosse Sinnbilder sind. Sie bestehen in Poliren der Bruchsteine, in Aufführung einer Mauer nach der Schnellwage, in Erbauung eines Daches wagerecht, und in Setzung einer Seule, so daß die Ecken oder Winckel gleich seyn, ferner in Abmessung des Fluß-Wassers, in der Wissenschafft die Flüsse fortschiessen zu lassen oder aufzuhalten, sie grösser oder kleiner zu machen: im Zimmern, im Schleiffen des Werckzeuges, in verbrennen und begiessen, in Ausmessung des Sonnen-Lichts, in der Kunst den Monden vollzumachen, und die Winckel eines Stern zu messen: in Verfertigung der Glas-Fenster, im Kalck löschen, in Auszeichnung der Risse, ohne sie auszuführen, und in Unterhaltung der Flamme.
Welche Dinge insgesamt eine natürliche Bedeutung haben, nemlich die Menschen von ihren Vorurtheilen zu befreyen, und eine feste Verschantzung und ein unüberwindliches Bollwerck, zur Vertheidigung der Freyheit und Gleichheit, aufzuführen, ihren Grund auf die Vernunfft zu bauen; endlich aber diese Vortheile unendlich zu vermehren, und sie dem gantzen menschlichen Geschlechte mitzutheilen.
Die Seule mit geraden Winckeln ist gleichfalls ein Vorbild der durch die Gewalt und Natur befestigten Freyheit, welche die Wage vollkommen gleich hält, ohne daß sie auf eine Seite den Ausschlag gebe. Die Flüsse bedeuten die Abwaschung alles Unflats, oder der Vorurtheile, die man auf eine gewisse Zahl setzen kann, indem man sie unter ihre Haupt-Classen bringt, sie aber auch in grösserer und geringerer Menge finden wird, nachdem man sich genau darum bekümmert oder nicht. Die Arbeit in Holtz bedeutet bey ihnen die Geschicklichkeit, eine Verbindung unter den Begriffen ohne Schwierigkeit, und ohne, daß die Kunst Theile daran zu haben scheine, zu machen; indem die guten Arbeiter die Theile ihres Wercks ohne Nägel und ohne Hammerschläge zusammenfügen.
Die Kunst das Handwercksgeräthe, zu schleiffen zeigt die Geschicklichkeit, iemanden Muth und erhabene Gedancken einzuflössen, an: indem selbige uns geschickt machen, das Licht auszumessen, das ist, die Gedancken zu ergründen, und zu einer genauen und vollkommenen Erkenntniß der Dinge, worauf man einen unveränderlichen Entschluß gründen kan, zu gelangen.
Die Winckel der Sterne sind die Schwierigkeiten, so man, ehe man das Lehrgebäude des Ordens einsiehet, überwinden muß. Die Glas-Fenster sind das Licht, so das Hertz und den, Willen bessern, den Verstand und Willen aber erleuchten soll. Die Bereitung des Kalcks zeigt die Vereinigung aller Dinge unter einander an. Denn gleichwie Ziegel und verschiedene Steine vermittelst des Kalcks einen Cörper ausmachen, also vereinigt die Lehre des Ordens die Gemüther, so von einander gantz unterschieden, und einander zuwider sind.
Endlich muß der Geselle die angefangenen Risse auszeichnen, ohne sie zu vollenden, weil er noch nicht in dem hohen Grade der Vollkommenheit, welchen man in dem Orden erlangt, gekommen ist. Er kan deswegen nichts weiter thun, als die nützliche Flamme des Eifers vor das gemeine Wohl, der Liebe und genauesten Vereinigung, deren Hervorbringung und Erhaltung das grosse Werck, und der Haupt-Endzweck des Ordens ist, durch seinen Rath und Unterricht immer mehr und mehr erregen.

Nachdem man den Lehrling auf diese Weise von seiner Schuldigkeit unterrichtet, so thut man kund, daß er wircklich und mit allen Cerimonien zum Gesellen gemacht worden. Endlich lehrt man ihn den Catechismus der Gesellen, dessen Inhalt folgender ist:

F. Seyd ihr ein Geselle?
A. Die Gesellen kennen mich.
F. Woran kennen sie euch?
Ä. Daran, daß ich einen Triangel formire, an den Griffen und Worten.
F. Macht den Triangel, und die Griffe, und redet:
A. An stat der Antwort giebt er das Zeichen, macht die Griffe, und sagt das Losungs-Wort der Gesellen.

F. Habt ihr gearbeitet?
A. Ja, sehr viel.
F. Wie lange?
A. Vom Morgen bis zum Abend auf sieben mal.
F. Woran?
A. Ich habe Linien gezogen, Flächen beschrieben, und Cörper gemessen.
F. Wie lange wird euer Werck dauren?
A. Ich weiß nicht; aber die Zeit der bereits vollendeten Arbeit ist viel grösser, als der künfftigen.
F. Wenn wird es aufhören?
A. Durch die äusserste Bemühung und grösste Arbeit.

F. Was wollt ihr hernach anfangen?
A. Ich werde meine Zeit mit Singen unter einem dickbelaubten und schattigten Ulmen-Baume, und auf einem königlichen Bette zubringen.
F. Habt ihr eine schone Stimme?
A. Ja, eine sehr helle und durchdringende.
F. Auf was vor einem Instrument wollt ihr spielen?
A. Auf allen musicalischen Instrumenten.
F. Von was vor Einkünfften wollt ihr leben?
A. Von den Einkünfften des grossen Baumeisters.
F. Ihr erzehlt mir Träume:
A. Indessen ist, was ich sage, nicht weniger wahr, als das, was zukünfftig ist.
F. Wer hat euch diese Versprechungen gethan?
A. Ich selber, der grosse, der andere und letzte Baumeister, der Meister, die Gesellen, und selbst die Lehrling.

F. Wo kommt ihr her?
A. Aus der Welt der ersten Auserwehlten.
F. Wo geht ihr hin?
A. In die Welt der Auserwehlten, die besser sind, als die ersten.
F. Wie seyd ihr da angekommen?
A. Ich bin über zwey Berge und zwey Ebenen gegangen.
F. Wie seyd ihr über die Berge gekommen?
A. Uiber den ersten vermittelst einer Leiter von neun Stufen, und durch ein Loch, und über den andern auf einer Treppe von vier Stufen.
F. Wie seyd ihr über die Ebenen gegangen?
A. Gantz gerade, und in einem angenehmen Spaziergange.
F. Habt ihr unterweges nichts zu sehen bekommen?
A. Ich bitte um Vergebung, zwey Leuchten auf dem ersten Berge, und zwey Flüsse, in deren einem ich mich gebadet habe.
F. Wo seyd ihr hingereist?
A. In das Allerheiligste, worein ich gehen wollte.
F. Habt ihr euren Endzweck erreicht?
A. Ja, ich bin erst mit dem lincken, hernach mit dem rechten Fuß hineingetreten.
F. Was habt ihr da gesehen?
A. Die aufgehende Sonne, den Mond und seinem Schimmer, und einen hellgläntzenden Stern.
F. Was mehr?
A. Mein Handwercks-Geräthe.

F. In was vor einem Zustande seyd ihr gereist?
A. In dem Stande einer Erleuchtung, so aber nicht vollkommen war.
F. Auf was vor einem Wege?
A. Auf einem geraden und gekrümmten Wege, und durch verschiedene Winckel.
F. Wie viel mal?
A. Einmal, aber nicht in einem fort.
F. Wer ist euch entgegen gekommen?
A. Der friedfertige Hauffe der Auserwehlten.
F. Was sagten sie zu euch?
A. Nichts, sie waren insgesamt stille.
F. Was haben sie mit euch gemacht?
A. Sie haben nur ein Zeichen der Liebe gegeben.

F. Wie seyd ihr in das Allerheiligste eingegangen?
A. Ich bin zweymal mit den Knoten der Finsterniß gebunden hineingegangen.
F. Warum denn?
A. Weil ich zwey Grade des Lichts bekommen sollte.
F. Durch wessen Hülffe seyd ihr aufgelöst worden?
A. Durch die Hülffe des dritten von den vortrefflichen Auserwehlten.
F. Was har er euch gegeben?
A. Einen blossen Degen.
F. Was habt ihr gehört?
A. Eine Trompete, die sehr erhabene Dinge mit einem hellen, aber doch unbegreifflichen Klange erschallen ließ.
F. Wie redete diese Trompete?
A. Durch drey Mäuler.
F. Wer bließ darauf?
A. Ein feuriger Geist.
F. Warum war die Sonne in ihrem Aufgange?
A. Weil ich den Weg sehr früh in der ersten Stunde angetreten habe.

F. Welche Zeit ist es ietzt?
A. Es ist die andere Stunde eines sehr schönen und hellen Tages.
F. Wo ist euer Verstand?
A. In dem Schurtzfell und den Handschuhen.

Das ist der Catechismus der Gesellen, welchen wir mit einigen Anmerckungen beschließen wollen. Die erste ist, daß so lange man den, welcher hinauf steigen soll, führt, die Gesellen, so sich vor seinem Eintritt ihres Zeichens bedient hatten, nunmehro das Lehrlings-Zeichen bis auf die letzte Cerimonie seiner Aufnahme machen müssen. Ist alles vorbey, so nehmen sie das Gesellen-Zeichen wieder an.
Die andere Anmerckung ist, daß ein Geselle unumgänglich verbunden ist, sieben Jahr in dieser Classe zuzubringen, ehe er in eine andere kommen kan. Befördert man ihn vor der Zeit weiter, so ist die Loge, so es thut, nicht mehr ordentlich, und ihre Verordnungen verlieren ihr Ansehen.

Das ist alles, was man bey den Gesellen ins besondere zu beobachten hat. Die Oeffnung der Loge, die Fragen, die Antworten und das Examen, so in dem finstern Zimmer, das man ietzt das Zimmer des Examens nennt, vorgestellt worden, geschehen so, wie in den Logen der Brüder Diener und Lehrling. Ist ia ein Unterschied, so besteht er bloß in dem Nahmen oder andern Kleinigkeiten, die der Leser vor sich selbst bemercken wird.

Von den Meistern.

Bisher haben wir nur von dem, was ausser der Loge vorgehet, und fast bloß aus Cerimonien und Sachen von keiner sonderlichen Wichtigkeit, die uns einen gantz schlechten Begriff von dem Orden machen, besteht, gehandelt.
Ietzo wollen wir auf den Grund der Lehre gehen, die uns, so zu sagen, an der Hand zu dem wahren Verstande der Sinnbilder der Freymäurer führen wird. Die Würde eines Meisters ist die Belohnung derer, welche die Zeit ihrer Arbeit zu Ende gebracht.

Nachdem der Prätendent, so nennen wir den, welcher in eine höhere Classe kommen soll; nachdem, sage ich, derselbe vorgeschlagen, und auf die bereits beschriebene Weise in eine Loge oder Gesellschafft der Meister aufgenommen worden, und die Zeit seiner solennen Aufnahme herangenahet ist, so bringt ihn sein Führer bis an die Thürschwelle des finstern Zimmers, dessen Fenster er feste zugemacht, die Mauern mit schwartzem Tuche bekleidet, und ein einziges Licht, so das Gemach erleuchtet, antrifft.
Bey diesem schwachen Scheine, und in diesem traurigen Gemach, legt er, nach Art der Gesellen, das Schurtzfell an, und bleibt eine halbe Stunde allein. Wenn die Zeit vorbey ist, so kommt der Examinator, grüßt ihn als einen Gesellen, und fragt ihn: ob er einen vollkommenen Beruf habe, in die Classe der Meister zu treten? Der Prätendent beantwortet solches mit Ja. Hierauf vermahnt er ihn zum Gehorsam, und zur Aufmercksamkeit, und fragt ihn: ob er sich mit denen, die sich freuen, freuen, und mit denen, die da weinen, weinen wolle? welches er gleichfalls mit Ja beantwortet. Alsdenn fängt der Examinator zu klagen, zu seuffzen, zu heulen, und alle übrigen Zeichen einer großen Traurigkeit von sich zu geben, an.
Endlich streckt er die Arme aus, bewegt den Kopff und alle Glieder, und schreyt dreymal in dem allertraurigsten Tone: Ach, ach, ach, er ist todt, er ist ermordet, er ist umgebracht! Wenn dieses Schreyen vorbey ist, wendet er sich zu dem Prätendenten und sagt zu ihm:

Bruder Geselle, unser erster Baumeister ist todt, ermordet und umgebracht. Sein Andenken verdienet unsere Thränen, und unsere allergrößte Traurigkeit.

Weint ihr nicht auch? Wir haben euch unsern grossen und bedaurens-würdigen Verlust, den wir erlitten, bishero verborgen gehalten. nun aber ist es Zeit, euch unser Unglück zu entdecken. Eure Treue und euer Fleiß in der Arbeit, haben sich bishero sattsam gewiesen, deswegen verdienet ihr unsere Geheimnisse zu erfahren. Unser Baumeister ist todt, ermordet und umgebracht. Er sagt ferner, daß die ganze Cerimonie, die man bald mit ihm vornehmen würde, in Klagen über den gewaltsamen Tod des großen Baumeisters, der das Wohl aller Freymäurer unterstützt hätte, bestehen würde, und fragt ihn, ob er mit den andern Brüdern weinen wolle?
Nachdem der Neuaufzunehmende ja geantwortet, so antwortet der Examinator,

o daß doch unsere Klagen glücklich und wohl aufgenommen werden möchten: alles ist unserer Thränen würdig, der Ort, die Zeit des Todes und die Ursache, fodern solche insgesamt von uns.

Nachdem man in diesem Zustande zwey Stunden verblieben, so geht der Examinator hinaus, und zwey Meister, die man die Führer nennt, führen den Neuaufzunehmenden aus der Cammer und in die innerste Loge. Wenn sie da angelangt sind, klopffen sie zu drey wiederholten mahlen und also in allem neunmal, an. Auf dieses Geräusche macht man die Thüre halb auf, und der Hüter und Neuaufzunehmende fragen und antworten einander auf die Art, so wir oben bey der Aufnahme der Brüder Diener erzehlet haben. Man ändert dabey nichts, als was man ändern muß, zum Exempel die Titel u. d. g.

Nachdem man diese Gebräuche beobachtet, wird der Neuaufzunehmende in die Loge, so ich hier beschreiben will, geführt. Man muß demnach anfänglich wissen, daß das oben angefühlte Werck die Figuren, so in der Loge der Meister gezeichnet werden, nicht genau und ordentlich angebe. Dieses ist daher gekommen, daß man die Grund-Gesetze des Ordens aus der Acht gelassen, und die ordentlich eingerichteten Logen von den übrigen nicht unterschieden hat. Man hat zwar den Tod und das Leichbegängniß des Hiram, und was den Berg angehet, gantz wohl erzehlt, in dem übrigen aber verschiedene Fehler begangen.
Die Loge der Meister stellt den gantzen Tempel Salomonis mit seinen 3 Mauern, wie in der Figur der Loge der Lehrling, vor: allein er ist da, als ruiniret, zerstört, und gantz umgekehrt abgemahlt. Seine Thore sind zerbrochen, seine Mauern durchlöchert, die Treppen eingerissen, die Seulen umgeworffen, und die Nebengebäude verwüstet. Seine Sonne, Mond, und Sterne sind verfinstert, seine Fenster zerschlagen, die Hütte und der Altar umgeworffen. alles ist, mit einem Worte, in der äussersten Verwirrung und in einem betrübten Zustande.
Indessen muß man den Berg Sinai ausnehmen, auf welchen ein Ast von Caßia noch grünet, und ungeachtet des Ruins des Tempels, beständig bleibt, (anders siehe die 6 Kupffer-Platte, wo die gedachte Figur vorgestellt ist.) Die Brüder stellen sich daherum, auf den in den Logen gebräuchlichen Ort, und nehmen die Plätze nach ihrem Range ein. Es steht da überdieses ein Sarg, der mit neun angezündeten Lichtem erleuchtet ist.

Nachdem man den Neuaufzunehmenden hinein geführt, so befielt der Präsident dem letzten Meister sich auf den Sarg zu legen und die Füsse nach den Altar auszustrecken. Man bedeckt sein Haupt mit einem blutigen Tuche, er muß die rechte Hand auf das Schurtzfell des Ordens legen, und die lincke gerade ausstrecken. Hierauf läst der andere Aufseher den Neuaufzunehmenden, dreymal auf dem Boden herum gehen, und endlich auf dem Platze nach Norden zu, der zwischen der zwey Aufsehern ihrem ist, stehen. Die Brüder haben insgesamt weisse Schnupftücher, Handschutze und Schurtzfelle. Sie seufftzen, ächtzen, und weinen beständig, oder stellen sich wenigstens so; sie wischen sich die Augen, heben die Arme in die Höhe, und machen wunderliche Gebehrden zu Bezeugung ihrer Traurigkeit.

Endlich befielt der Meister dem Aufseher, dem Neuaufzunehmenden die Art des Ganges der Meister zu zeigen, nachdem er ihn wegen seines Beruffs, seines Gehorsams, und der Erfüllung der Zeit seiner Arbeit examinirt hat; Dieser Gang bestehet darinnen, daß er die Füsse in Form eines Winckelmasses auf die Thüre nach Mitternacht stellt: hernach gehet er mit dem rechten Fusse fort, tritt auf die erste Stuffe der Treppen und setzt den lincken auf die dritte. Er steigt die Treppe hinauf, so daß die Zahl der Stuffen, worüber er weg ist, allemahl ungleich ist. Damit fährt er, bis an die sechste Stuffe, fort, wo er die Füsse in Form eines Winkelmasses setzt, und stehen bleibt. Mit dem rechten Fusse geht er ferner nach der Seule B, und mit dem lincken auf die Treppe, die er gleichfalls nach ungeraden Zahlen, hinaufsteigt, die Füsse von neuen als ein Winckelmaß zusammen stellt, und also mit dem oben bezeichneten, ein doppeltes Winckelmaß formirt.
Denn. bleibt er unbeweglich stehen, der Meister aber verläst seinen Platz hinter dem Altar, und kommt zu dem auf dem Sarge ausgestreckten Bruder. Hier wird das Weinen, Seuffzen und Heulen verdoppelt. Der Meister hebt das mit Blut befleckte Tuch, womit man das Haupt des auf dem Sarge liegenden Bruders zugedeckt, auf, und das Klagen wird alsdenn weit hefftiger wiederhohlt. Hernach rückt der Meister die Knie des auf dem Sarge ausgestreckten von einander, stellt sich dazwischen und schreyt.
Unser erster Baumeister ist todt, ermordet und umgebracht: wobey man die Zeichen der Betrübniß von neuen verdoppelt. Endlich nimmt der Master den auf dem Sarge ausgestreckten Bruder bey der rechten Hand, zieht ihn an dem Zeigefinger, und sagt nur: Er ist todt; denn an dem Mittelfinger, und spricht: Er ist ermordet. Endlich hebt er ihn selbst in die Höhe, und schreyt: Er ist umgebracht.
Dieses thut und spricht er auf die von dem Verfasser beschriebene Art. Nachdem der Bruder in die Höhe gerichtet worden, nimmt er seinen Platz ein, der Meister aber befielt dem Neuaufzunehmenden seinen Weg fortzusetzen, welches er auf die von dem angeführten Schrifftsteller beschriebene Art thut, und wird man daselbst, was mit dem Neuangehenden bis zu Ende seiner Aufnahme vorgenommen wird, finden.
Wir wollen nur das, was er entweder mit Fleiß, oder weil es ihm unbekannt gewesen, ausgelassen hat, anführen: der Meister erkläret demnach dem Neuangehenden das Amt der Meister, so in Weinen, in Klagen, in Seuffzen, und in einem erbärmlichen Geschrey bestehet: in Weinen über Hirams Tod, in Klagen über die Grausamkeit seiner Mörder, im Seufftzen nach seiner Auferstehung, und in einem erbärmlichen Geschrey, weil dieses glückliche Wunder nicht bewerckstelligt werden können.

Eine andere Verrichtung der Meister ist, den Gesellen ihre Arbeit, und was sonst zur Wiedererbauung des zerstörten Tempels, wo man Gott, wie sichs gebührt, dienen, und die natürliche Ordnung beobachten soll, gehörig anzuweisen. In dieser Absicht machen die Meister Risse, und lassen solche die Gesellen ausführen, besorgen und vollenden ihre Arbeit, und geben denen Unwissenden den nöthigen Unterricht.

Was die Wiederaufbauung des Tempels betrifft, so verordnen sie den Gesellen, alle Bruchstücke davon zu sammeln, sie zu bearbeiten und von neuen zu rechte zu hauen, daß man den Tempel von denen Werckstücken, woraus er ehedem bestanden, und die man aus seinen verfallenen Mauren zusammen gelesen, wieder aufrichten könnte. Am Ende dieses allegorischen Baues rufft der Meister aus: Unser erster Baumeister ist wieder auferstanden, er lebe, er lebe, er lebe! Alle Brüder wiederholen solches dreymal, mit einem freudigen und triumphirenden Tone, worauf man die Loge schliest und ieder sich auf die beschriebene Weise weg begiebt.

Der Leser wird eine Rede, die man bey einer solchen Gelegenheit gehalten, hier sonder Zweiffel mit Vergnügen lesen.

Brüder, sagt der Redner, weinet und heult, lacht und springt vor Freuden in die Hohe. Er ist todt, und lebt, er ist umgebracht, und befindet sich wohl, er ist ermordet worden, und triumphirt. Man hat niedergerissen was erbauet war, und hat wieder aufgebauet was eingerissen war. Die Macht, die Tugend, das Licht wircken, regieren und erleuchten. Die Sonne, die Sterne, der Mond verfinstern sich, und gläntzen in ihrem völligen Lichte.
Die Mauern sind eingerissen, und doch unbeschädigt. Die Seulen sind zerbrochen und unversehrt. Die Hütte und der Altar sind eingeworffen und erbauet: hier ist das Grab und das Leben. Ist der Berg nicht unbeweglich? Blühen die Bäume nicht? Der Frühling findet sieh im Winter und der Winter im Frühling.
Die Sachen sind verwirrt und nicht verwirrt, sie scheinen es und scheinen es nicht. Wie endlich? es wird die Zeit kommen, da sich das Wasser, Feuer, der Tiger und der Hund, die Schlange und die Taube mir einander vereinigen werden Arbeitet, seyd klug, scharfsinnig, unermüdet. Die Hand und der Geist des Baumeisters leiten uns. Wir wollen es zu Stande bringen. Brüder, weinet und klagt, lacht und springt vor Freuden.

Das ist die Probe einer von ihren Reden, daraus man auf den Geschmack, so in den andern herrschet, schliessen kan. Man wird das Zeichen, die Griffe und das Losungs-Wort des Meisters in dem angeführten Buche finden. Itzt wollen wir das angeführte Gleichniß mit wenig Worten erklären.

Wir haben oben, als wir von dem Lehrgebäude der Freymäurer geredet, schon gesagt, daß sie unter dem Nahmen des Tempel Salomons die Freyheit und Gleichheit verstünden. Deswegen stellen sie solchen bey der Aufnahme der Meister zerstört und alle seine Theile m einer entsetzlichen Verwirrung und Zerrüttung vor, um dem Neuaufzunehmenden fest einzuprägen, daß der Verlust der Freyheit und Gleichheit, der Ursprung alles Uibels, so den Menschen drücke, sey. Der Tod des Hiram ist also der Verlust dieser Freyheit, welche ihm durch die Gewalt und List der Feinde entrissen worden. Indem die Menschen statt der glücklichen Zeit, in welcher sie ruhig lebten, und die Zuflucht zum Tempel der Freyheit und einen Üiberfluß von Guten, der ihre Freude beständig machte, hatten, sie ietzt hingegen von Tyrannen, so ihre Gewalt mißbrauchen, und ihnen das Leben bloß, um es in der Sclaverey zuzubringen, unterdrückt werden, gelassen.
Das ist die Veränderung und der Stand der Dienstbarkeit, welcher der Natur gantz zuwider ist und den man durch die Unordnung des eingerissenen Gebäudes vorstellen will. Man sagt, daß es aus seinen Ruinen wiederum aufgeführt werden solle, indem die durch Gewalt und List unterdrückte Freyheil durch eben diese Mittel wieder hergestellt werden soll. Die Finsternissen der Sonne, der Sterne, und des Mondes bedeuten die Irrthümer in der Religion, die Unwissenheit und Leichtsinnigkeit. die beständig die Menschen unter dem Joch und in ihrem Elende, halten und unglücklich machen. Diese Gestirne gläntzen unaufhörlich, weil die Freymäurer durch die Vorunheile nicht geblendet werden.
Hierauf gründen diese sich widersprechende Reden, davon sich alle, so etwas vortheilhafftes in sich halten, auf die Freymäurer, die andern auf die Unheiligen beziehen. Und gleichwie sie ihr Vorhaben mit der Zelt auszuführen hoffen, so ruffen sie, nachdem sie über den Verlust ihrer Freyheit geseufftzet, freudig und zu wiederholten mahlen aus: Unser erster Baumeister ist wieder auferstanden; das ist, er ist in dem Hertzen und den Unternehmungen des Ordens, in der Mühe, die er sich giebt, und in den Mitteln, deren er sich dazu bedienet, wahrhafftig wiederum lebendig.

Der Catechismus der Meister ist zum Theil in dem angeführten Buche enthalten, das übrige ist folgendes.

Fortsetzung des Catechismi der Meister.

F. Seyd ihr ein Meister?
A. Ich habe geweint und gelacht, ich habe mich gefreuet und geklaget.
F. Worüber?
A. Weil der Meister gestorben und wieder auferstanden ist.
F. Auf was vor Weise ist er gestorben?
A. Man hatte ihn angefallen, ihm 3 Stösse gegeben und ihn umgebracht.
F. Wo?
A. In dem Tempel der Wahrheit.
F. Wer sind seine Feinde gewesen?
A. Drey Ungeheuer.
F. Sind sie gestraft worden?
A. Noch nicht, es wird aber ehestens geschehen.
F. Wer wird sie straffen?
A. Drey Abentheuer.
F. Wenn?
A. So bald die Zeit kommen wird.
F. Durch wessen Hülffe?
A. Durch sie selbst.

F. Wie ist er auferweckt worden?
A. Durch die so die Werckzeuge der Strafe dieser Ungeheuer seyn werden. Ihre Straffe wird die Auferweckung unsers Vaters seyn.
F. Ihr sagt mir erstaunliche Dinge?
A. Ich schweige, ich rede, ich schweige, ich arbeite, ich bin müßig, ich arbeite.
F. Kan der, so auferweck worden, von neuen sterben?
A. Der Baumeister weiß es: was geschehen ist, kan noch einmahl geschehen.
H. Was habt ihr gesehen?
A. Elend.
F. Was vor Elend?.
A. Die Sonne, den Mond, die Sterne, und und [!] den Himmel verdunckelt, und den Tempel des Lichts zerstört.

F. Wo habt ihr den todten Vater gefunden?
A. Zwischen dem umgekehrten Winckelmaß und dem geraden Circkel.
F. Wo ist er begraben worden?
A. Auf einem Berge.
F. Wie heist der Berg?
A. Sinai.
F. Was bedeutet er?'
A. Der Berg Sinai ist der Sitz der Wahrheit.
F. Wer hat den Vater in der Wahrheit begraben?
A. Die Lügen.
F. Wer hat ihn aus dem Grabe gebracht?
A. Die Wahrheit selbst.
F. Wer wird ihn erhalten?
A. Die Vereinigung der unendlichen Dinge.

F. Seyd ihr in die Hütte gegangen?
A. Ich habe sie berührt.
F. Wenn ich euch verliere, wo soll ich euch wieder finden?
A. In mir selbst.
F. wenn ich euch lieben werde, was werdet ihr thun?
A. Ich werde euch lieben, indem ich euch hasse.
F. Wie viel Wege habt ihr zurückgelegt?
A. Drey durch Wendungen, und die andern durch Beschreibung der Triangel.
F. Woraus kan ich schliessen, daß ihr ein wahrer Meister seyd?
A. Daraus, daß ich euch umbringen und wieder erwecken werde.
F. Mir was vor Waffen?
A. Mit den Waffen der Liebe, und dem Schein der Raserey, mit der Raserey, und dem Schein der Liebe.
F. Wie waren die Löcher?
A. Mit Gewalt gemacht.
F. Wo kommt ihr her?
A. Von einem Orte des Weinens und der Freude.
F. Wo gehet ihr hin?
A. An einen Ort des Weinens und der Freude.


Man muß anmercken, daß das Schurtzfell der Meister eine Klappe hat, so in die Höhe geschlagen, und mit einem Knoten an dem Kleide feste gemacht und zugeknüpfft ist. Bey der Aufnahme, und ehe der Neuangehende in die Loge tritt, machen die Meister ihr Zeichen, währender Aufnahme das Gesellen-Zeichen, und wann die Aufnahme vorbey ist, nehmen sie ihr voriges Zeichen wieder an. Wird mehr als einer angenommen, so bleibt der erste auf dem Sarge, bis der andere die oben beschriebene Umgänge gehalten hat, sodenn steht er auf, und kommet ein anderer an die Reihe.

Dem Meister ist keine gewisse Zeit gesetzt. Niemand wird zur Stelle eines Baumeisters erhoben, wenn man bey ihm zuvor nicht gewisse Lust zu den Lehren des Ordens bemerckt hat. Deswegen bleiben auch fast alle beständig Meister, und wenn sie weitere Beförderung verlangen, so schlägt man es ihnen, nach denen Regeln der Ausschliessung, so wir oben, da wir von den Brüder-Dienern geredet, angeführt, glatt ab: Oder man sagt ihnen wenigstens, daß die Zeit, da blosse Meister seyn sollten, noch nicht verflossen sey: oder man versichert sie auch wohl, daß die Stelle eines Schotten im geringsten nicht mehr oder ansehnlicher, als eines Meisters wäre, daß die so den ersten Titel führten, sonst nichts besonders hätten, als daß man sie zu Aufsehern erwehlte, und daß sie noch mehr als andere, und gleichsam Amts wegen, auf alles, was zum Nutzen, zum Vortheile, und zur Ehre des Ordens qereiche, Achtung geben müsten.
Das ist die Entschuldigung, so sie vorbringen, sonderlich wenn Fürsten und grosse Herren ihnen anliegen, sie unter die Schotten aufzunehmen. Allein die Freymäurer widersprechen sich hierinnen, indem man in einer ordentlichen Loge weder Meister noch Aufseher seyn kan, wenn man ein blosser Meister ist. Man kan indessen zu der Würde eines Meisters oder National-Protectors, der den Rang über alle Meister der Logen hat, gelangen, ob man schon ein blosser Lehrling ist, wie die Erfahrung lehrt, daß eines von denen ietzt-lebenden gecrönten Häuptern dergleichen Stelle habe.
Es ist also ein Zeichen, daß man den Grund des Lehrgebäudes der Freymäurer weder selbst wissen, noch andere lehren könne, wenn man kein Schotte ist, indem die Verrichtungen, dabey diese Kenntniß erfodert wird, bloß diesem letztern übergeben werden; da solche hingegen den Großmeistern oder National-Protectoren, welche die Sorge in der Loge, worinnen sie sich befinden, zu präsidiren, und die Neuaufzunehmenden zu unterrichten, den Meistern und Aufsehern der Loge überlassen, nicht eben nöthig ist.

Von denen Baumeistern oder Schotten.

[Des Architectes ou Ecossois]

Was wir bisher von den Brüder-Dienern, Lehrjungen, Gesellen und Meistern gesagt haben, enthält nur etwas weniges von der Lehre und den Absichten des Ordens. Die Decken der Sinnbilder und Geheimnisse bedecken sie sowohl, daß auch der allerscharffsinnigste nicht ohne Mühe etwas davon errathen kan.
Jetzt aber sind wir auf die Baumeister gekommen, von denen wir nichts, als was klar und leicht zu begreiffen ist, beybringen wollen. Wir wollen deswegen von den Augen des Lesers die dicke Binde wegthun, damit die mißtrauischen Freymäurer die meisten ihrer Mitglieder, denen sie nicht völlig trauen, die sie sich aber unvermerckt verbunden haben, bedeckt: wie etwan ein Kind, das einen Vogel an einem Faden hält, dennoch Meister von ihm bleibet, ob es ihn wohl in einer gewissen Weite fliegen läst, so daß er glaubt entwischt zu seyn, wenn sein Meister den Faden, welchen er am Fusse hat, in der Hand hält.

Niemand wird, zu der hohen Würde eines Baumeisters erhoben, bey welchem man nicht die Gaben und Neigungen, so mit dem Endzweck des Ordens vollkommen übereinstimmen, angetroffen hat. Deswegen ist die gantze Zeit, so man in den Classen der Lehrlinge, Gesellen und Meister zubringt, bloß zu einer ernstlichen Untersuchung des Gernüthes und Verstandes gewiedmet. Man braucht dazu so viel Geschicklichkeit und List, daß man die innerste Neigungen entdecket, und die geheimste Gedancken erforschet. Wird man sich darüber wundem, wenn man erwegt, daß die Geschicklichkeit des Ordens die Menschen zu erkennen, von einem in dieser Wissenschafft so erfahrnen Stiffter herkommen, als Cromwell war, dessen Kinder sie sind, und der ihnen die Klugheit, die Geschicklichkeit, die Einsicht und List, nebst der fanatischen Entzückung eintzig und allein zum Erbtheile hinterlassen hat?

Wenn ein neuaufzunehmender Meister Schotte die nöthige Eigenschafften besitzet, so schlägt man ihn in der Loge der letzten, wenn sie alle beysammen sind, vor, und setzt ihm die Zeit zu erscheinen auf die oben in dem Artickel von den Brüder-Dienern beschriebene Weise an.
Der Führer und Examinator sind Baumeister, so wohl als der, welcher die innere Thüre bewacht, denn an der äussern stehen allemahl die. Diener Wache. Ist der Neuaufzunehmende in das finstere Zimmer gekommen, welches eben dasienige ist, worinnen man die BrüderDiener und andern examinirt, so bringt man drey Lichter, welche ein Baumeister auf den Tisch setzt, und alsdenn weggeht. Der Examinator kommt an seine Stat, thut an den Neuangehenden eine lange Ermahnung, guten Muth zufassen, und sich zur Erkenntniß der Lehre der Gesellschafft, so man ihm, ohne Figuren und Sinn-Bilder , erklären will, zu bereiten.
Bey dieser Gelegenheit fallen beyde auf die Knie, und der Examinator spricht mit grosser Andacht ein Gebet, darinnen er Gott um den Beystand des Heil. Geistes, und die Erleuchtung des Neuangehenden, und um die nöthige Gnade, nicht nur den Verstand der Lehre zu fassen, sondern auch Gefallen daran zu haben, und sie mit allem möglichen Eiffer ins Werck zu richten, anruft. Hernach fordert et einen Eid von ihm, daß er alles, was man ihm entdecken werde, verschweigen wolle.

So bald er solchen abgelegt, erkläret er ihm das Lehrgebäude des Ordens, wie wir solches im Anfange dieses Werckes vorgestellt. Hier wenden nun die Freymäurer alle ihre Politick an. Und Proteus hat nie so vielerley Gestalten angenommen, als sie ihnen Lehren geben, um sie unvermerckt auf den grossen Endzweck, die Freyheit und Gleichheit, vorzubereiten und zu führen. Gewiß sie gehen nicht sehr weit von dem ab, der ihnen den Weg gebahnt, und der lieber wollte, daß andere seine Gedancken erriethen, als daß er sie ihnen entdeckte, ob er schon von seinen Reden, wie es die Gelegenheit erfoderte, Meister war. Finden sie einen Candidaten, dessen Geschmack und Neigungen mit ihren Absichten völlig übereinstimmen, so nehmen sie in ihren Reden nicht so viel Ausschweiffungen, ob sie sich schon vornehmlich im Anfange mit vieler Vorsicht heraus lassen.

Nachdem das Gebet sich geendigt, fragt der Examinator den Neuanzunehmenden: ob er sich das Cerimoniel der Baumeister gefallen lassen wolle? Nachdem er ia geantwortet, klingelt der Examinator einmal mit einem kleinen Glöckgen, so auf dem Tische stehet. Sogleich kommen zwey Baumeister, und der Examinator geht weg. Die zwey ersten sagen zu dem Candidaten, daß er eine Wage in die lincke, und einen Degen in die rechte Hand nehmen solle. Alle drey fallen hierauf auf die Knie, und nehmen Gott zum Zeugen, daß sie fest über der Beobachtung seiner Befehle halten, dem Lichte der Natur folgen, und was gut und recht ist, lieben wollen.
Hernach öffnet man die Thore, und die beyden Führer bringen den Neuangehenden an die innere Thüre der Loge, wo ieder 3 mal anpocht. Der Thürhüter macht auf, und fragt den Neuangehenden: ob er den Beruff zur Freyheit und Gleichheit, zum Gehorsam, zum Muth, und zur Standhafftigkeit habe? Er antwortet: Ja. Man führt ihn hinein, und der Thürhüter macht zu.

Was die Figur, so man bey dieser Gelegenheit auf den Boden zeichnet, anlangt, so stellt solche nichts mehr von dem zerstörten oder wiedererbauten Tempel Salomons vor. Sie bestehet in fünff einzeln und creutzweis gesetzten Figuren, so wir in dem fünfften Kupfer vorgestellt haben.
Der Neuaufzunehmende fängt seinen Umgang beym Fuchse an, fährt mit dem Pelican, der Taube, und dem Affen, fort: Endlich bleibt er dem Fuchs gegen über stehen. Der Meister befielt allen, so bey ihm sind, auf die Knie zu fallen, und fängt zum dritten male ein Gebet an, worinnen er sowohl Gott um Beystand, bey ihren reinen und billigen Absichten, als um die Glückseligkeit des Ordens, anrufft. Wir wollen kein Exempel von diesen Gebeten anführen, weil solches denen Lesern verdrießlich seyn möchte, sondern nur anmercken, daß die Freymäurer vormahls göttliche Eingebung, Entzückungen und Uiberschattungen, vorgaben, welche sie vor wahrhaffte Enthusiasten, wenn sie es im Ernst gethan, würden gehalten haben. Was sie aber hier thun, ist nichts als ein blosses Kunststück, den Candidaten zu gewinnen, Verwunderung bey ihm zu erwecken, und ihn beständig an ihre Begriffe und die Beförderung ihrer Vortheile anzugewöhnen. Das ist der Endzweck, wo ihr feines Wesen, vermittelst dieser vorgegebenen Entzückungen, die der Narrheit so ähnlich sind, eigentlich hin gehet.

Zu Ende des Gebets, fodert der Meister den Candidaten, daß er den Eid nochmahls wiederholen solle. Hernach zeigt ihm der andere Aufseher, auf des Meisters Befehl, die Arten zu gehen. Mit dem ersten Schritt läßt er ihn zum Fuchs, mit dem andern zum Affen, mit dem dritten zum Löwen, mit dem viertes zum Pelican, und mit dem fünfften zur Taube, kommen. Denn kommt er dem Meister gegen über zu stehen, der ihn nochmahls schwören läßt, und ihm die Zeichen, Griffe und Losungs-Wörter, so die Baumeister von den andern unterscheiden, bekannt macht.

Das Zeichen besteht darinnen, daß man die rechte Hand auf die lincke Schulter legt, und bis an die rechte Hüffte fuhrt, hernach die linke Hand auf die rechte Schulter legt, und von da unter die lincke Hüffte führt, und daß man endlich die beyden Hände in die Seite stemmt, und gleichsam zwey Handhaben macht. Die Griffe beliehen darinnen, daß man sich bey der Hand nimmt, mit dem mittelsten Finger die Fläche derselben reibt, und sich endlich die Stirne küßt. Das Losungs-Wort ist Adonai, welches so viel als Gott bedeutet, und von Buchstaben zu Buchstaben, so wie die andern Losungs-Wörter, ausgesprochen wird.

Nachdem der Meister dieses erklärt, befielt er dem Redner, seine Rede zu hatten, welche ein Zusammenhang von Subtilitäten ist, die durch eine beständige Entzückung unterhalten werden. Ich will ein Stück einer solchen Rede, so viel mir noch davon beywohnt, hersetzen:

Feinheit, Verstellung, Muth, Liebe, Vergnügen, List, Nachahmung, Raserey, Frömmigkeit, Zufriedenheit, Bosheit, Thorheit, Grausamkeit, Gütigkeit und Freundschafft, sind einerley, und haben gleichen Ursprung. Sie verführen, bringen Freude und Traurigkeit, Vortheile und angenehme Tage. Es sind fünff dergleichen Dinge, so doch nur eines ausmachen. Bald! bald! bald! durch den der da ist, und seyn wird, und gewesen ist.

Das übrige der Rede war von gleicher Art, und so dunckel auch diese Dinge scheinen, so sind sie doch gantz deutlich, wenn man auf die Figuren, welche den Character der Freymäurer bezeichnen, Achtung giebt.
Die Verschlagenheit des Fuchses ist dieienige, unter welcher der Orden seinen Zweck verbirgt.
Die Nachahmung des Affen ist die Demuth des Geistes, und die Geschicklichkeit, womit sich die Freymäurer nach den unterschiedenen Gaben und Neigungen ihrer Candidaten richten. In der That, wenn sie, wie wir oben angemerckt, gantz widrige Neigungen vereinigen, so geschiehet solches dadurch, daß sie sich anfänglich stellen, als ob sie denen Meynungen der andern beyträten, in dem folgenden aber, und gleichsam nach und nach, die so ihnen eigen sind, entdecken, so daß sie uns nur Schritt vor Schritt zu ihrem Lehrgebäude führen.
Der Löwe ist ein Bild des Muthes, welchen die, so Mitglieder der Gesellschafft sind, besitzen, und zeigt, daß es ihnen nicht an den nöthigen Eigenschafften, zu ihrem Zwecke zu gelangen, mangele.
Der Pelican ist ein Bild der Großmuth und Zärtlichkeit, so unter den Brüdern herrschet.
Die Friedfertigkeit der Taube stellt die Ruhe, und alles übrige Vergnügen, so die Frucht der Ausführung dieses grossen Unternehmens seyn wird, vor.
Die Eigenschafften dieser Thiere drücken also die Lehre, und den Endzweck der Freymäurer, nebst den Mitteln, deren sie sich bedienen, aus: indem sie die Verschlagenheit des Fuchses, zu betrügen und zu belustigen, die Demuth, die Nachahmung des Affen, und so gar gewisse Stellungen, die anfänglich, und ehe man ihre Absicht inne wird, nicht viel ernsthaffter als dieses Thieres seine sind, annehmen. Die Stärcke des Löwen ist ein Mittel, ihren Feinden Traurigkeit zu erwecken. Die Gütigkeit des Pelicans bedeutet, ihren Eifer vor das Wohl der Parthey, deren Nutzen sie suchen, und die friedliche und sanfftmüthige Taube ist ein Vorbild der goldenen Zeiten und angenehmen Tage, so in der oben angeführten Rede versprochen worden.

Es ist nicht nöthig sich länger bey Erklärung dieser Reden aufzuhalten. Man siehet den Augenblick, wenn man das fünffte Kupffer betrachtet, den Endzweck des Ordens, und die Mittel, so er zur Ausführung desselben anwenden will. Nur muß man mercken, wie geschickt sie indem, was in der Politick am schwersten ist, in der Kunst, das Falsche iemanden zu überreden, und es vor wahr auszugeben, gekommen sind. Denn sie greiffen, um dem Neuaufzunehmenden das Verlangen nach der Freyheit, und den Vorsatz, das Joch abzuschütteln, einzuflößen, die Religion oder das Regiment nicht offenbar an. Thäten sie es, so würden sie bey den Boshafften und selbst bey Feinden der Obern, Widerstand finden. Wenn wir eine Meinung als falsch verworffen haben, so nehmen wir deswegen nicht gleich eine andere, so ihr gantz entgegen ist, an. Dieses geschieht nicht anders, als wenn man durch verschiedene Zwischenwege, die die Veränderung nicht gleich so mercklich machen, dahin gelanget.
Deswegen fangen die Freymäurer erst an, zu zeigen, wir gerecht, vortheilhafft, und angenehm die allervollkommenste Gleichheit und Freyheit sey. Sie spannen deshalber alle Segel ihrer Beredsamkeit aus. Die Natur des Menschen, der Endzweck des Schöpffers bey seiner Schaffung, die Mittel, die er ihm zu seiner Erhaltung giebt, und die Verehrung, so er von ihm fodert, geben ihnen gnugsamen Beweis ihres Satzes an die Hand. Sie mahlen die Ungerechtigkeit derer, so die Freyheit und Gleichheit verbannt haben, mit sehr heßlichen Farben ab. Sie beweinen die Erniedrigung und Verachtung der menschlichen Natur, welche ihres edelen Ursprungs ungeachtet, unter dem Joch der Dienstbarkeit seuffzet. Was kan man daraus anders als die Grösse des Vortheils, die der Orden dem menschlichen Geschlechte verschafft, wenn er es in seine natürliche Rechte und in seine alten Vorzüge wiederum versetzt, schliessen.
So erheben sie ihren Vorsatz bis an den Himmel. Ihre Geschicklichkeit übertrifft darinnen der grösten Redner ihre: wie wollten sie also eine so angenehme und schmeichlende Sache, als die vollkommene Freyheit und Gleichheit, so uns von allen Arten der Obrigkeit los macht, ist, nicht einem ieden beliebt und anständig machen?

Dl« Freymäurer folgen hierinnen, gleichwie durchgehends, dem verschlagenen Cromwell vollkommen nach. Da selbiger im Jahr 1653 die höchste Gewalt an sich zu reißen suchte, so redete er anfangs sehr hefftig, wie unnütze die Königliche Macht, und was sie vor das Reich vor eine Last wäre: was die Nation vor Schande davon hätte, daß sie sich in die Sclaverey begeben, und einem eintzigen Menschen, der seine Gewalt mißbrauchen, und mit denen Unterthanen, nach seinem Eigensinn umgehen könne, blindlings unterworffen hätte: Endlich beruffte er mit seiner Freunde Einwilligung ungefehr 120 grosse Herren zusammen, denen er eine lange Rede, von der Furcht Gottes, und der seinem Nahmen gebührenden Ehre, hielte, die gantz mit Biblischen Sprüchen ausgeschmückt war: er führte ihnen die wunderbare Gütigkeit, und die beständige Sorgfalt der göttlichen Vorsicht zu Gemüthe, nahm daher Gelegenheit, ihnen die Gültigkeit ihres Beruffs zu zeigen, und versicherte sie mit vielen Gründen, die grösten Theils aus der heiligen Schrifft genommen waren, daß sie einen offenbar rechtmäßigen Beruff hätten, die oberste Gewalt selbst anzunehmen: er schloß endlich mit einer Bitte, vor die Personen, von einem zarten Gewissen, eine besondere Hochachtung zu haben.
Auf diese Art entdeckte er ihnen, daß sie die Besitzer des Regiments und der höchsten Würde seyn sotten. Hernach verordnete er einen Fasttag, um die göttliche, Eingebung vor sie alle zu erbitten.

Unterdessen beschlossen Cromwells Freunde, um seine Anschläge zu befördern, einen Rath, der aus frommen, geschickten und verschwiegenen Leuten bestände, zu setzen, und den Lord-General zum Protector der drey Reiche zu ernennen. Auf gleiche Weise wissen die Freymäurer die Kunst, ihre Absichten zu befördern, da sie indessen mit gantz andern Dingen beschäfftigt zu seyn scheinen. Und es wäre zu wünschen, daß sie nicht eben so weitläufftige Unternehmungen vorhätten, und eben so gefährliche Zusammenkünffte, als ihr Stiffter, anstellten.

Der ausserordentliche Mann, den man, ohne grosse Mühe, den Thron dreyer Reiche besteigen sehen, und der, ohne den Königlichen Titel zu führen, mehr Ansehen und Gewalt, als iemahls ein König vor ihm gehabt, besessen.

Die Mittel, die er angewendet, sind ein tiefes Stillschweigen, viel List, Entzückung, und seine erstaunliche Verstellung gewesen. Und was sind die Stützen der Freymäurer? sind es nicht eben diese Qvalitäten, und eben diese Aufführung?

Der Neugierigkeit des Lesers vollkommene Gnüge zu thun, scheinet es nöthig zu seyn, die Figur der Baumeister, davon wir oben nur einen unvollkommenen Begriff gemacht, hier ausführlicher zu beschreiben.
Zur Rechten des Fuchses ist eine Trommel, zur Rechten des Affens, ein Joch, zur Rechten des Löwens, zwey creutzweis gelegte Degen, zur Rechten des Pelicans, eine Wage, zur Rechten der Taube endlich die Fama [la Renommée], vorgestellt. Diese fünff Thiere nun, und die fünff ihnen beygesetzte Figuren, machen bloß den Grund des Fußbodens aus, auf welchen ein Gebäude von vortrefflicher Bauart, auf folgende Manier vorgestellt ist. Auf iedem Thier, und auf ieder Figur, ist eine Seule, so zum Theil auf das Thier, zum Theil auf die Figur, gegründet ist. Diese Seulen sind von einer festen Materie, und in Gestalt dreyer Schnecken oder Schnuren, so um die Seulen, deren Knöpfe sehr einfach sind, herum gehen. Uiber diesen Seulen ist der Tempel der Wahrheit, der Freyheit, und Gleichheit, aufgeführt; er hat drey Thore, drey Fenster, drey Stockwercke, und vier Vorgibel: das Dach ist nicht gebrochen, und nicht abschüßig, und an den vier Ecken desselben sieht man vier Figuren, oder Statuen, welche Frauen, so eine Wage und Circkel in der Hand haben, vorstellen.

Was wir oben von den Thieren angemerckt haben, führt uns auf die Bedeutung der neben ihnen befindlichen Figuren: Sie haben nehmlich alle einen geheimen Verstand, der sich auf die Gesellschafft bezieht. Sie bedeuten die Befehle des Meisters, den Gehorsam, welchen ihm die Brüder leisten müssen, die Ausführung, oder den Gebrauch der Gewalt, die Freyheit und Gleichheit, so die Früchte davon sind, und endlich den Ruhm, welchen sich die Freymäurer erwerben, werden, wenn sie von der gantzen Welt, als die, so allen Schaden wieder ersetzt, und das menschliche Geschlecht befreyet haben, werden gepriesen werden.

Nachdem wir also die Bedeutung der Figuren und Thiere gewiesen, so ist nichts mehr übrig, als was durch das Gebäude vorgestellt wird, zu zeigen. Der Tempel der Freyheit und Gleichheit, welcher durch die festen Seulen, die die Dauer ihrer sowohl rechtmäßigen als nützlichen und nothwendigen Unternehmung andeuten, unterstützt wird; dieser Tempel, sage ich, gründet sich auf die List, die Verstellung, die Gewalt, die Liebe und den Frieden, und auf das, was wir Befehl, Gehorsam, Ausführung, Gerechtigkeit und Ruhe nennen.
Die drey Gewinde oder Schnuren bedeuten die Stärcke, die Religion und Natur, die so genau und feste unter einander, verbunden sind, daß man sagen könnte, die. Materie dieser Seulen sey nichts anders als die Gewalt, die Religion und Natur. Eben diese Bedeutung haben die drey Fenster, die drey Thüren, und Stockwercke. Ferner zeigen die vier Seiten, die vier Gegenden der Welt, wo die Freymäurer ihre Lehre ausbreiten wollen, an. Die Statuen auf dem Dache stellen endlich, wie man leicht sieht, den Endzweck der Gesellschafft vor, die da verlangt, daß die gantze Welt unterrichtet, und ihre Lehren durchgängig bekannt werden sollen.

Wir halten vor unnöthig, uns bey einigen andern Anmerckungen, die man über die Ordnung dieser sonderbaren Figuren machen könnte, aufzuhalten, indem wir glauben, daß die schon so offt vorgetragene Lehre, und die mehr als einmal erklärten Sinnbilder, einen verständigen Leser vollkommen in den Stand setzen werden, den wahren Verstand einzusehen.
Indessen ist mein Endzweck, in diesem Buche alle Schwierigkeiten zu heben, alle Geheimnisse aufs deutlichste zu entdecken, und alles, bis auf die geringsten Vortheile der Gesellschafft, das ist, bis auf die kleinsten Umstände, so der Orden vorschreibt, ins Licht zu setzen. Mit einem Worte, ich will diese Materie vollständig ausführen, und es würde mir sehr unangenehm seyn, wenn ich einen Umstand übergehen sollte, der vielleicht einmal einen andern Freymäurer aufmuntern könnte, das, was ich weggelassen, zu beschreiben, und bekannt zu machen: ich sage noch mehr, ich will machen, daß die gantze Gesellschafft bekennen soll, es sey kein verborgenes Geheimniß mehr, so meiner Aufmercksamkeit entwischt wäre; und das ist es, wozu ich mich öffentlich anheischig gemacht habe. Ich nehme demnach die gantze Welt zu Zeugen, daß ich mein Wort ehrlich und genau halten will, so daß es mich vergnügen soll, wenn ich die Freymäurer gantz niedergeschlagen, und ohne die geringste Hoffnung, sich zu erholen, sehen werde: so gar daß es ihnen niemand glauben wird, wenn sie mich vor einen Menschen, welcher der Leichtgläubigkeit des Volckes, vornemlich bey so unbekannten Dingen, mißbraucht, ausschreyen und halten werden. Indessen ist mein Vorhaben nicht, die allergeringsten Kleinigkeiten, so aus dem, was ich gesagt habe, folgen, zu beschreiben, sondern ich will der Einbildung des Lesers auch etwas überlassen.

Ich glaube inzwischen, daß es gut seyn werde, von dem Unterschied, so zwischen diesem Plan der Loge, und den vier ersten ist, etwas beyzu bringen. Die Brüder Diener, die Lehrling, die Gesellen und Meister, thun in den vier ersten angeführten Plans nichts, als daß sie mit dem Handwercks-Zeuge den Tempel Salomons von aussen und innen überhaupt bearbeiten, die Schotten aber machen ein volllommenes Gebäude daraus. Man siehet iene als Anfänger an, die sich bey dem Anblick der Schwierigkeit, und der entsetzlichen Arbeit, welche die Erbauung dieses Geheimniß-vollen Tempels erfordert, der nichts mehr als ein Stein-Hauffen, ein gantz ruinirtes Gebäude, und der Plünderung Preis gegeben ist, sich beklagen, wenn sie Meister werden. Diese hingegen, die Schotten, finden von dem Augenblick ihrer Aufnahme, den Tempel in seiner Verhältniß vollkommen, in seiner Einrichtung wunderbar, in seinen Zierrathen sinnreich ausgeschmückt, und endlich völlig aufgeführt.
Wie nun die Wiedererbauung des Salomonischen Tempels ein Sinnbild ihres Endzwecks und ihrer Lehre ist, die Absicht der andern aber, so die vier ersten Aemter bedienen, nur als ein Entwurff aussiehet, so betrachtet man das Werck der letzten Loge, oder der Schotten, als bereits vollkommen, indem ihnen weder von den Geheimnissen, noch Gebräuchen, etwas verborgen ist. Man sehe die Figur, so indessen nichts als Thiere, die einen Theil des Grundes ausmachen, vorstellt.

Dem ungeachtet ist es bey der Aufnahme eines neuen Schotten keine Regel, daß man verbunden sey, ihm gleich augenblicklich die Absichten der Gesellschafft in deutlichen Worten zu zeigen, sondern man sagt sie ihm nur halb, um ihm die allenthalben gebräuchliche Moral und Politic völlig bekannt zu machen. Den Abend seines Antritts erfährt er weiter nichts, als daß Freiheit und Gleichheit unter denen Brüdern der einzige Endzweck der Gesellschafft sind, und daß der gezeichnete Tempel, die Bilder und allegorischen Reden, blosse Gleichnisse sind, die die wahren Absichten denen schwachen Geistern verbergen: welches bey ihm unvermerckt eine grosse Liebe, wahren Verstand zu wissen, und ihrer Meynung völlig beyzutreten, erweckt. Hernach sagen sie, daß diese Freyheit und Gleichheit nicht anders als mit einer grossen Standhafftigkeit der Seele erlangt werden könne. Sie gemessen indessen schon unter einander die Annehmlichkeit dieses Zustandes, nicht nur, indem sie sich wechselsweise. ihre Wissenschafft und Absicht offenbaren, sondern auch in der vollkommensten Vereinigung, Freundschafft und Vertraulichkeit leben.
Wenn also der iüngste Baumeister in den Schottischen Logen Zeichen einer vollkommenen Lehrbegierde und Neigung, die Lehren der Gesellschafft zu fassen, an sich spüren last, so läst man ihn in die Karte gucken, und zeigt ihm die Absicht der Gesellschafft, welche darinnen besteht, daß man die Manschen zu einer vollkommenen Gleichheit, das menschliche Geschlechte aber zu seiner natürlichen Freyheit, bringen will.
Endlich, wenn Zusammenkünffte gehalten werden, sagen sie öffentlich, daß die Worte, alle Menschen unter einander gleich, und das menschliche Geschlechte frey zu machen, alle Personen, sie mögen von Stand und Würden seyn, von welcher sie wollen, ohne Unterscheid, und ohne daß die Fürsten, die obrigkeitlichen Personen, die Grossen oder Kleinen, davon ausgeschlossen wären, in sich begreiffe.

Ist man einmal st weit gekommen, so ist nichts mehr übrig, als die Mittel, diesen Endzweck zu erlangen, auszusinnen.
Wir haben im ersten Theile dieses Buchs einige denselben angeführt, deren sich die Freymäurer, um ihr Vorhaben zu Stande zu bringen, wie sie vorgeben, bedienen. Wir wollen hier ihre gewöhnlichen Reden beyfügen: Derienige, so etwas vorhat, muß keine Gelegenheit, so ihm zu Ausführung seiner Absichten beförderlich seyn kan, vorbey lassen. Oder wenn die Vernunfft, die Religion und Natur sie ermuntert, die allgemeine Freyheit und Gleichheit, als ein Gut, so der gantzen Welt zugehört, als etwas nützliches und vernünfftiges zu suchen, so müssen sie ja um dieser Ursachen willen allen Fleiß anwenden, ihren Endzweck zu erhalten. Man thut demnach alles, sein Unternehmen zu befördern, indem das allererste, was man vornimmt, darinnen besteht, daß man die dabey sich ereignenden Schwierigkeiten überwinden muß.
Nichts erschreckt die Freymäurer mehr, als die Macht der Regenten, und das Ansehen der Obern; beyde werden zu Behauptung ihrer Rechte und ihres Ansehens alles wagen, und sich nimmermehr entschliessen, die Zügel des Regiments freywillig und ungezwungen aus der Hand zu legen, oder sich bis auf den Privat-Stand herunter zu lassen. Es ist also unumgänglich nöthig, diese Schwierigkeit zu überwinden, da denn hernach alles sich von selbst geben wird.
Die Menschen überhaupt, nur die Regenten ausgenommen, werden viel gewinnen, wenn der Ausgang mit der Freymäurer Vornehmen übereinstimmt; weil sie aber besorgen, sie mochten in ihrem Unternehmen nicht fortkommen, die Gesellschafft gantz und gar ruiniren, und solche mit Schande vertilgt sehen, wenn sie der Gewalt der Regenten ihre Gewalt entgegensetzen sollten, so hoffen sie, und schmeicheln sich, Gelegenheit zu finden, denenselben unvermuthet über den Hals zu kommen: da denn dieser listige Uiberfall, wenn er mit der Gewalt vereinigt ist, gleichsam der Schloß-Nagel aller nur erdencklichen List seyn wird.

Ich habe mich vielmals in den Logen befunden, wenn man diese kützliche Materie sorgfältig überlegt hat. Ich hegte die Absicht, das Hertz eines ieden zu erforschen, um mir einen rechten Begriff von der Gesellschafft zu machen. Deswegen wandte ich List und Schmeicheley an, um zu verstehen zugeben, daß ich überaus eiferig und sorgfältig wäre; ich stellte mich, als ob ich der Lehre vollkommen beypflichtete, und nur der Ausführung und Wirckung wegen in Sorgen wäre.
Dergleichen Gedanken machten nun, daß die gantze Gesellschafft ermuntert wurde, mir zu dienen. Die Geschicktesten und Geübtesten gaben sich viel Mühe, meine Zweifel zu beantworten, um so vielmehr, weil sie versichert waren, daß dieses Unternehmen von der Art derienigen wäre, die man leichter ausführen, als überdencken könne. Wie sie. mir also damals ihr Hertz öffneten, so schreiben sich auch alle hier angeführte Umstände von ihnen her.

Ich habe aus ihren Reden geschlossen, daß das Betragen der Gesellschafft Cromwells Aufführung allemal ähnlich sey, und daß die Lehre, die Einfälle, die Handlungen und Gedancken der Freymäurer, eben so viel Copien von dem Original, das sich so grossen Ruhm erworben, sind. Führe ich davon nicht mehrere Proben an, so geschieht es deswegen, damit ich desto muthiger einigen Widerspruch erwarten könne, es mag solches von den unwissenden Freymäurern, oder von den Schotten, die darüber verdrießlich werden könnten, seyn.
Endlich ist zu mercken, daß die Loge der Baumeister allemal sehr geheim, und, wenn es anders möglich ist, mit noch mehr Behutsamkeit, als alle andere Versammlungen der Freymäurer, gehalten werde. Die, so wir hier Baumeister nennen, heißen auch zuweilen Schotten, als welche Nahmen einander vollkommen gleich sind. Andere nennen sie die Reformirten, die Schlangen, die Friedfertigen, und die Verschwiegenen. Woher kommen so viele Nahmen von einerley Bedeutung? Es ist leicht zu begreiffen, wenn man erwegt, daß die Gesellschaft ihr Geheimniß, als den Grund, worauf der glückliche Fortgang ihres Vornehmens gebauet ist, ansieht: und indem man also eine Sache mit verschiedenen Nahmen benennt, so folgt nicht, daß wenn man gegen einige von denen, die diese besondern Titel führen, einigen Verdacht hat, die gantze Gesellschafft überhaupt desselben würdig sey. Vortreffliche Politic, wer weiß nicht zwischen dem gemeinen und besondern Vortheile die Wage zu hallen?

Was das Schurtzfell und die Handschuhe betrifft, so legt sie der Neuaufzunehmende ab, so bald er in die Loge getreten, well die andern Brüder, so Baumeister sind, dergleichen ebenfalls nicht tragen. Sie haben nur ieder eine Wage und einen Degen in den Händen: ihre Loge hat keinen Altar, man legt da den Eid auf die heilige Schrifft ab, so der Meister in der rechten Hand hält. Die Brüder sitzen wie in den andern Logen, und man macht nicht das allergeringste Geräusche.

Ich habe noch ein Wort von den Baumeistern zu sagen. Nachdem sie ihre neuen Mitglieder von der Trommel zum Joch, vom Joch zum Degen, zur Wage, und der Fama geführt, so befehlen sie ihnen, dem Tempel gegen über unbeweglich stehen zu bleiben, die Beine in Form eines Winckelmasses auf die Taube und das Bild der Fama zu setzen, und zugleich das Gesichte auf die Seite des Gebäudes zu kehren. Sodenn befielt ihnen der Meister, dessen Ordnung, Verhältniß, Ausführung, und alle Theile, woraus es besteht, genau zu betrachten. Die drey Fenster, die drey Thüren, die drey Stockwercke, gleichwie die drey um die Seulen gewundene Schnuren, bedeuten die Vernunfft, die Religion und Gewalt. Die vier Seiten und Statuen bedeuten die gantze Welt, wo man Gerechtigkeit, Freyheit und Gleichheit einführen soll. Hier wiederholt man den Eid, und lernt die Art, das Zeichen und die Griffe zu machen, und die Losung.
Der Redner hält hernach seine Rede, die Loge wird geschlossen, und alles ist vollbracht.

Catechismus der Baumeister.

Der Catechismus der Baumeister ist kurtz, und alle sind verbunden, ihn wenig Monate nach ihrer Aufnehmung auswendig zu können.

F. Seyd ihr ein Baumeister?
A. Fragt den Unter-Baumeister.

Auslegung.

Der Meister der Loge ist allezeit ein Baumeister.

F. Woran kennt er euch?
A. An der Art, das Creutz zu machen, die Hände zu legen, und zu reden.

Auslegung.

Das ist das Zeichen, der Griff und das Losungs-Wort.

F. Wie alt seyd ihr?
A. Sechs Monat, sieben Jahre, und eine unbestimmte Zeit,

Auslegung.

Dieses bedeutet, daß man durch die Classen der Lehriungen, der Gesellen und der Meister durch sey.

F. Was habt ihr gefunden?
A. List, Thorheit, Liebe, Friede, bey welchen ich nach der Ordnung der Plätze, welche diese Dinge inne hatten, vorbey gegangen bin.

Auslegung.

Diese verschiedene Dinge sind die auf dem Boden gezeichnete Figuren.

F. Wo komme ihr her?
A. Von dem Licht gegen Mittag.

Auslegung.

Dieses ist von der wahren Erklärung des Lehrgebäudes des Ordens zu verstehen.

F. Wo gehet ihr hin?
A. In den Schooß des Baumeisters, wo ich hergekommen war

Auslegung.

In den Zustand, worein mich Gott bey der Schöpffung gesetzt hatte.

F. Was wollt ihr machen, wenn ihr dahin gelangt seyn werdet?
A. Ich will ruhig leben.
F. Wo hält sich der grosse Baumeister auf?
A. In der Wage, so sich in ihm selbst befindet.

Auslegung.

Dieses bezieht sich darauf, daß die Gerechtigkeit Gott wesentlich, und die Wage ein Sinnbild dieser Figur ist.

F. Wer zeigte euch den Weg?
A. Die Klugheit und die Gewalt.
F. Wie viel Reisen habt ihr gethan?
A. Eine, aber auf verschiedene Art.

Auslegung.

Das ist die, welche er nach seinem Ausgang aus der finstern Kammer thut.

F. Was habt ihr angetroffen?
A. Lauter Leute, die mir vollkommen ähnlich waren.

Auslegung.

Alle, die er in der Loge findet, sind Baumeister, gleich wie er.

F. Mit was vor Geräthe und Gesellschafft seyd ihr gereist?
A. Die Gerechtigkeit und Billigkeit giengen vor mir her.

Auslegung.

Er meynt die Wage, und den Degen, welchen er trug.

F. Wie viel Ungeheuer habt ihr umgebracht
A. Drey.
F. Mit was vor Waffen?
A. Mit Waffen, die dem Scheine nach von einerley Art, aber doch gantz und gar unterschieden waren.

Auslegung.

Diese Ungeheuer sind Aberglauben, Tyranney und Gewalt. Man triumphirt über sie durch die wahre Religion, die Natur und Stärcke, so ihnen ähnlich sind.

F. Wie steht es um eure Gesundheit?
A. Ich gehe mit einem Kinde schwanger, ob ich gleich ein Mann bin.
F. Wie lange werdet ihr es tragen?
A. Das ist nicht ausgemacht, unterdessen komme ich sehr offte nieder.
F. Wer wird die Hebamme seyn?
A. Minerva.
F. Wer der Vetter?
A. Mercurius.
F. Und der Vater?
A. Einer von meines gleichen, und ich.

Auslegung.

Das Kind ist die Absicht des Ordens, welche er verbirgt, und in seinem Schooß zur Reiffe kommen läst. Er kommt nieder, indem er den neuen Gliedern der Gesellschafft Unterricht giebt. Minerva bedeutet hier die List, welche die Freymäurer die Weisheit nennen, und Mercurius die Kunst zu überreden.

F. Wie viel habt ihr Freude?
V. Es ist keine gesetzte Zahl.

Auslegung.

Die Zahl der Brüder ist auch in der That nicht gewiß.

F. Woher ist der Anfang?
A. Von dem Unendlichen, welches das Endliche hervorbringt.

Auslegung.

Gott wird darunter verstanden.

F. Wo wird das Ende herkommen?
A. Es wird niemals kommen.
F. Wo wird man Hülffe finden?
A. Die stärckste wird, von innen, und die kräftigste von aussen kommen.
F. Was habt ihr versprochen?
A. Auszuruhen, indem ich beständig arbeite und das Werck zu Stande zu bringen.

Auslegung.

Dieses druckt die Art aus, wie ein Freymäurer unaufhörlich an der Beförderung seiner Absichten arbeitet, ob er es schon heimlich und unvermerckt thut: so daß man ihn vor müßig hält, wenn er am meisten beschäfftigt ist, die Ausführung seines Vorhabens zu Stande zu bringen

F. Warum führt ihr den Nahmen des Baumeisters?
A. Weil mein Amt ist, Risse von Gebäuden zu machen.
F. Wo nehmt ihr die Kreide her?
A. Von mir selbst.
F. Und den Schiefer, worauf ihr zeichnet?
A. Auch von mir selbst.
F. Wo nehmt ihr Steine, Holtz, und andere nöthige Bau-Materialien her?
A. Von mir selbst und von andern, sowohl von Freunden als von Feinden. von denen die unsern Absichten wohl und übel wollen.

Auslegung.

Die gantze Welt wird entweder mit Vorsatz, oder wider Willen, zu der glücklichen Ausführung der Absichten des Ordens etwas beytragen.

F. Wer wird in dem Gebäude, so ihr aufführet, wohnen?
A. Ich, und alle die, so Lust dazu haben werden.
F. Was vor ein Licht erleuchtet dieses Gebäude?
A. Ein unsichtbares.

Auslegung.

Das ist die Vernunfft.

F. Was vor einer Fackel bedient ihr euch bey der Nacht?
A. Der, welche ich bereits genennt habe.
F. Auf was vor einem Grunde steht dieses Gebäude?
A. Auf dem Fuchsen, dem Affen und Löwen.
F. Was habt ihr vor einen Nutzen davon?
A. Friede und Vergnügen.
F. Was machen die Einwohner?
A. Sie ernehren den Pelican und die Taube.
F. Mit was vor Futter?
A. Mit Worten.

Auslegung.

Diese Worte sind die Reden, die Sinn- und Schattenbilder.

F. Wie heist ihr?
A. Verschlagen und einfältig. . Auslegung.

Klug wie ein Fuchs und friedfertig wie eine Taube.

Von der Sprache und den Zeichen der Freymäurer.

Die Gesellschafft hat allemahl listige Anschläge ersonnen, um nicht betrogen zu werden, indessen muß man bekennen, daß unter allen Cerimonien, welche sie erdacht, sowohl bey der Aufnahme neuer Candidaten, als auch sich selbst untereinander zu kennen, die Sprache durch Zeichen, die geheimste, die schwerste und sicherste sey. Man ist so sorgfältig, daß man solche über aus wenigen lernt, und die Verdienste der Mitglieder nach dieser einzigen Erkenntniß, die als eine Vollkommenheit, so ihres gleichen nicht hat, angesehen wird, beurtheilet. Deswegen ist es nöthig, daß man, wenn man davon unterrichtet zu seyn, verlangt, in die Loge der Schotten aufgenommen werde.

Diese Art der Sprache durch Zeichen ist nun nichts anders, als eine besondere Stellung und Bewegung der Finger, die die Buchstaben des Alphabets in allen Sprachen ausdrückt: so, daß sich die Freymäurer vermittelst derselben, ihre Gedancken eben so deutlich, als wenn sie in ihrer Mutter-Sprache redeten, mittheilen können. Man kan sie hierinnen als Comödianten oder Gauckler, und als Erfinder einer neuen Sprache, so ihnen eigen ist, ansehen. Und gleichwie diese Sprache als etwas neues, besonderes und artiges, anzusehen ist, so wird der Leser nicht verdrießlich oder ungehalten seyn, wenn sie ihm den ersten Anblick nach schwer vorkommt.
Allein wir kommen auf die verschiedenen Zeichen, deren sie sich, um ihre Gedancken einander mitzutheilen, bedienen.

Wenn man das A ausdrücken will, so spannt man 1) den Daumen und Zeige-Finger der rechten Hand aus: 2) macht man die drey übrigen Finger zu, so, daß wenn die beyden ersten auch geschlossen wären, die Hand und Finger die Faust ausmachen würden; 3) legt man die beyden Finger auf die Lippen, so, daß es scheint, als ob der Daum das lincke, und der Zeigefinger das rechte Ohr berühren wolle.

Was das B betrifft, so streckt man den Zeiger aus, und krümmt den Mittelfinger, so daß seine Spitze das andere Glied des Zeigers gleich an dem Orte, der den Mittelfinger gewisser Weise berühret, trifft, die andern Finger müssen übrigens geschlossen seyn.

Beym C macht man einen halben Circkel oder halben Mond mit dem Daum und Zeiger, und hält die andern Finger eingeschlagen.

Beym D streckt man den Mittelfinger aus, und krümmt den Zeiger, so daß die Spitze das andere Gelencke des Mittelfingers an dem Orte, der gerade nach dem Zeiger gewendet ist, berührt: die andern Finger sind indessen alle geschlossen.

Beym E streckt man den Zeiger aus, und setzt die Spitze auf den untern Theil des rechten Auges, die andern Finger muß man geschlossen halten.

Beym F öffnet man die rechte Hand, und legt sie anfangs auf die lincke Schulter, hernach auf die rechte Seite, und endlich zieht man mit der Spitze des kleinen Fingers, indem man ihn beständig von der lincken Schulter auf die rechte Seite führt, eine Linie.

Beym G berührt man die Spitze des rechten Ohres mit dem Daum und Zeiger, indem man auf diese Art den untern Theil des Ohres kneipt. Die andern Finger hält man, sö wie beym A geschlossen. NB Diese Art die Finger zu schliessen, muß man bey allen Gelegenheiten, wo es bloß verordnet ist, die Finger geschlossen zu halten, beobachten, es müste denn seyn, daß man deswegen eine deutliche und genauere Regel hätte.

Das H ist einer von den Buchstaben, welchen man mit vieler Aufmercksamkeit formiren muß. Um solches zu bewerckstelligen, muß man den Zeiger und Mittelfinger der rechten Hand über den Zeiger und Mittelfinger der lincken wohl ausgestreckt halten, und dabey beobachten, daß man sie so, wie die in der andern Hand, ausstrecke. NB Die zwey Finger, an ieder Hand, müssen einer von dem andern abgesondert seyn; ieder Finger aber, die beyden Zeiger sowohl als die beyden Mittelfinger müssen sich berühren.

Beym I hält man den kleinen Finger, der rechten Hand, gerade herunter, und die andern geschlossen.

Beym K streckt man den Zeiger der rechten Hand, und legt ihn auf den Zeiger und Mittelfinger der lincken doch müssen die zwey letztern von einander und abgesondert seyn. NB Es ist zu mercken, daß man den Zeiger der Rechten auf die gedachten Finger der Lincken legen muß, so daß die Spitze des Zeigers, so viel als möglich ist, hervor gehe. Die andern Finger sind indessen geschlossen.

Das L zu bilden, muß man den Mittelfinger der Rechten in die Höhe, die andern aber geschlossen halten.

Bey dem M neigt man den Zeiger, den Mittel- und folgenden Finger der rechten Hand gerade, und schlägt den Daumen und kleinen Finger ein.

Bey dem N wird eben das, was wir von M gesagt, beobachtet, ausgenommen, daß man das M zu formiren, drey Finger gerade neigt, bey dem N aber nur zwey Finger, nehmlich den Zeiger und den mittelsten, vonnöthen hat, welche man gerade neigt. Die andern müssen indessen geschlossen seyn.

Das O zu bilden, macht man mit dem Daumen und Zeiger der Rechten einen Circkel, und hält die andern Finger geschlossen.

Bey dem P hat man nicht mehr Schwierigkeit, als bey dem B, welches vorzustellen, man den Finger gerade in die Höhe hebt. Beym P neigt man den Zeiger gerade, und beobachtet sonst altes, was man bey dem B thun muß.

Bey dem Buchstaben Q erinnere man sich der Art das D zu bilden, so wird man das Q machen können, denn die Art das D zu bilden, besteht darinnen, daß man den Mittelfinger gerade in die Höhe richtet, und das Q vorzustellen, neigt man eben diese Finger gerade, und beobachtet sonst alles, was das D zu bilden nöthig ist.

Das R zu formiren, ist weiter nichts nöthig, als daß man die rechte Faust schliest, den Daumen derselben auf den Mund legt, und den Nagel auf die obern Zähne setzt.

Das S wird gebildet, wenn man die Zeiger der beyden Hände wagerecht ausstreckt, und sie wechselweise zwey oder drey mahl herum drehet, die andern Finger aber indessen geschlossen hält.

Bey dem T setzt man den wagerecht ausgestreckten Zeiger der Rechten auf das letzte und kleineste Gelencke des Zeigers der Lincken, so auch perpendicular ausgestreckt ist. NB Die Spitze des Zeigers muß auf den Theil kommen, der sich gleichsam nach dem Daumen zukehrt; die andern Finger aber müssen geschlossen seyn.

Bey dem Buchstaben U wird der Zeiger und mittelste Finger der Rechten wagerecht gehalten, man muß sie aber wohl abgesondert, und die andern Finger geschlossen halten.

Bey dem V hebt man den Zeiger und Mittelfinger der Rechten wagerecht in die Höhe, aber genau von einander, und die übrigen Finger geschlossen.

Bey dem W hebt man die drey ersten Finger der Rechten, den Daumen, den Zeiger und Mittelfinger, gerade in die Höhe, und hält sie von einander, die übrigen Finger aber geschlossen.

Das X wird fast wie das H gemacht, indem man den Zeiger der Rechten auf den Zeiger der Lincken ausgestreckt setzt, diese Stellung aber muß geschehen, indem man die Hölung des mittelsten Gelenckes der Rechten auf die Hölung des mittlern Gelenckes der Lincken setzt, und die andern Finger geschlossen hält.

Das Y ist von dem W nur darinnen unterschieden, daß man, um das W zu bilden, die Finger gerade in die Höhe hebt, und bey dem Y gerade ausstreckt, die andern Finger aber geschlossen hält.

Bey dem Z setzt man den Zeiger, den Mittel- und folgenden Finger der Rechten, denen Fingern der Lincken gegen über, so daß die drey Finger der einen Hand die an der andern berühren; doch mit dem Unterschiede, daß der Zeiger den Mittelfinger der Rechten, dieser den folgenden, und so auch die Finger der lincken Hand, nicht berühren darf: sonst müssen die Flächen der Hände nach der Erde gerichtet seyn.

Das sind also die Zeichen des Alphabets der Freymäurer; welche allerdings etwas dunckel, und schwer zu machen scheinen werden: indessen bin ich versichert, daß wenn der Leser Achtung geben, und sich in seinem Zimmer darinnen üben wird, diese Sprache ihm im kurtzen eben so bekannt seyn werde, als sie mir ist.

Jedermann weiß, daß es um eine Sprache wohl zu reden nicht genug sey; die Worte derselben auszusprechen, sondern daß es nöthig sey, sich in der Rede bisweilen aufzuhalten, einen gewissen Klang, und Puncte, oder Zeichen unser Erstaunen oder unsere Betrübniß anzudeuten, machen müsse, und daß es gleichsam die Seele der Rede sey, wenn man sich nach diesen Regeln richtet.
Gleiche Beschaffenheit hat es mit der Schrifft, und deswegen sind die Freymäurer der Meinung, daß eben diese Regeln in ihrer Sprache durch Zeichen ausgedrückt werden müsten. Ich rede hier von dem Punct, dem Colon und Comma u. s. w. Was vor eine entsetzliche Verwirrung würden nicht auch die geschicktesten in ihren Stellungen, davon wir ietzt geredet, verursachen, wenn sie nicht durch Regeln diesen Dingen insgesammt begegnet wären, und die Veränderung der Rede, die Fragen, die Antworten, die Verneinungen und Beiahungen u. s. f. bemerckt hätten?
Diese Vorsicht ist den Freymäurern nicht weniger sich zu verstehen, als die Lufft zu Erhaltung des Lebens nöthig. Man macht also das Comma, indem man die rechte Hand mit dem Haupte gerade in die Höhe hebt, und geschwinde und leicht über das Gesichte fährt. Die beyden Puncte, indem man die Faust formirt, und sie damit in Parallel-Linien und etwas horizontal in die Höhe richtet. Der Punct, welcher die Rede, oder vielmehr den Verstand, endigt, wird gebildet, wenn man die rechte Faust geschlossen hält, und ein wenig forthebt, nicht in Parallel-Linien, sondern mit dem Unterschiede, daß die beyden Fäuste über einander, und so wenig als möglich, von einander sind. Das Verwunderungszeichen macht man eben so wie das Fragezeichen, nur mit dem Unterschiede, daß bey dem erstem die geballten Hände, so daß sie sich berühren, auf einander, und die Rechte auf die Lincke gesetzt werde.

Unter allen Cerimonien der Gesellschafft, die wir hier so weitläufftig und sorgfältig erzehlet haben, ist nicht eine, so nicht mancherley Veränderung unterworffen wäre. Wir haben uns darüber nicht verwundert, als wir die Ursache untersucht, so von der grossen Menge der Freymäurer herkommt, deren Naturel und Gemüths-Arten und Neigungen so ungleich sind, ob es schon wider die klaren Verordnungen, den Catechismum, und das Symbolum, so vor die Cerimonien des Ordens eingeführt ist, streitet.
So ist z. E. einem Frantzosen nicht möglich, in dem was er thut, oder vielmehr in dem was er gethan haben würde, Neuerungen zu machen: er mag noch so sehr oder so wenig gebunden seyn, so muß er sich von dieser Art der Fesseln losmachen, seine Einbildungskraft ist genöthigt, ihm die Waffen, sich einen Weg zur Wahrheit zu bahnen, zu geben, und entweder das Gute zum Guten, oder das Böse zum Bösen, hinzuzuthun.
Der Engelländer hat mehr, als andere Völcker, die es entweder nicht können, oder doch die Mittel, so zu thun, unterlassen, die Gabe, eine Sache zu einer grössern Vollkommenheit zu bringen, und wird er nicht, vermöge dieser Neigung in allem, was sich seinem aufgeklärten und durchdringenden Verstande zeigt, eine Aenderung machen?
Wird nicht im Gegentheil, ein Spanier sich vollkommen zu machen, und die Regeln, so ihm vorgeschrieben sind, zu beobachten unterlassen? etc.
Allein ich kan bey dem Alphabet der Freymäurer nicht begreifen, wie es Neuerungen, Streitigkeiten und Irrungen verursachen könne? Warum? Weil wenig Leute sich damit vermengen, und es ihnen also leicht ist, wegen der Redens-Arten übereinzukommen.
Damit der Leser sie desto besser kennen möge, dient zu wissen, daß die Freymäurer ein Alphabet vor die Lehrlinge, eines vor die Gesellen, eines vor die Meister, und ein anderes vor die Schotten ersonnen haben, theils um mehr Feinheit in ihren Geheimnissen zu zeigen, theils um dieselben desto verborgener zu halten, und allemal zu wissen, von was vor einem Range, und von welcher Classe ieder sey, der mit ihnen redet.

Zwischen den Lehrlingen und Brüder-Dienern ist in diesem Stücke kein Unterschied. Indessen haben sie bloß in den selbst lautenden Buchstaben eine Veränderung eingeführt, den Verstand der Sprache der vier vornehmsten Stellen desto leichter zu machen: so, daß da nur die mitlautenden Buchstaben verändert sind, bloß die selbstlautenden einige Aenderung in dem Verstande ihrer Sprache machen.

Die Lehrlinge und BrüderDiener geben einander durch Hülffe des angeführten Alphabets ihre Gedancken zu verstehen, die Gesellen aber drucken die selbstlautenden Buchstaben folgender gestalt aus.

Das A machen sie wie die Lehrlinge, doch mit dem Unterschiede, daß, an statt den Zeiger und Daumen nach dem Horizont zu halten, man sie wagerecht in die Höhe hebt.

Das E ist gleichfalls bey den Lehrlingen und Gesellen wenig unterschieden, nur setzen jene den Zeiger der rechten Hand auf das rechte, diese aber auf das lincke Auge.

Das I wird gleichfalls nach der Art der Lehrlinge gebildet, nur daß die Gesellen den kleinen Finger der lincken Hand dazu gebrauchen.

Das O wird gleichfalls in beyden Classen auf einerley Art vorgestellt, nur daß es die Gesellen mit dem Daum und Zeiger der lincken Hand thun.

In U sind die Lehrling und Gesellen nur darinnen unterschieden, daß diese den Zeiger und Mittelfinger der lincken Hand gebrauchen.

Von V ist eben dieses zu sagen, indem der Unterschied nur in den Fingern besteht, und di» Gesellen den Mittel- und Zeige-Finger der lincken Hand gebrauchen.

Die Lehrling und Gesellen kommen bey dem Buchstaben W gleichfalls überein, nur daß sich diese des Daums, des Zeigers, und Mittelfingers der lincken Hand bedienen.

Bey dem Y beobachten sie eben die Figuren, welche die Lehrlinge machen, nur daß die Gesellen bloß die Finger der lincken Hand anwenden.

Die selbst-lautenden Buchstaben der blossen Meister sind folgende.

Das A macht man, indem man die reckte Hand ausstreckt, die vier Finger genau zusammen schliest, und den Daum, so viel als möglich, von den andern absondert: Man legt die rechte ferner auf die Brust, nebst dem Raum, so zwischen dem Daum und Zeiger ist. NB Keiner von den andern Fingern muß den Hals berühren, ob sie schon mit dem Zeiger in gerader Linie stehen.

Das E machen sie nach Art der Lehrlinge, nur daß sie, an statt sich bloß des Zeigers und des rechten Auges zu bedienen, mit dem Zeiger und Mittelfinger der rechten, beyde Fugen berühren.

Das I bilden sie, indem sie die beyden kleinen Finger der Hände gerade in die Höhe heben, und die andern sehr genau und enge zusammen halten.

Das O machen sie wie die Lehrlinge und Gesellen, nemlich mit dem Daum und Zeigefinger beyder Hände.

Das U machen die Lehrlinge, Gesellen, und Meister auf gleiche Art, nehmlich mit dem Zeiger und Mittelfinger der rechten und lincken Hand.

Zwischen dieser dritten und den beyden ersten Stellen ist in Ausdrückung des V ebenfalls kein Unterschied; indem sich die Meister des Daums und Zeigers der beyden Hände bedienen.

Das W kommt gleichfalls in allen angeführten Classen überein, indem es die Meister mit dem Zeige- und Mittelfinger der beyden Hände machen.

Der Buchstabe Y wird mit dem Daum dem Zeiger und Mittelfinger der beyden Hände, und also auf eben die Art wie von den Lehrlingen und Gesellen gemacht.

Das Alphabet der Meister-Schotten, ist endlich, was die selbst-lautenden Buchstaben betrifft, folgendes:

Das A ist eben wie bey den Lehrlingen, nur legen sie den Raum zwischen dem Daumen und Zeiger an die Stirne.

E wird gebildet, wenn man die beyden Augen mit den beyden Spitzen des Zeigers, nehmlich das rechte mit dem Zeiger der rechten und das das lincke mit dem Zeiger der lincken Hand berühret.

Bey dem I darff man nur den kleinen Finger der rechten gerade in die Höhe heben und die Spitze des kleinen Fingers der lincken gerade ausgestreckt darüber, und in einer geringen Entfernung halten.

Das O wird vorgestellt, wenn man mit dem Daumen und Mittelfinger der beyden Hände einen Circkel macht.

Bey dem U muß man die zwey obersten Theile des Mittel- und Goldfingers der rechten Hand gantz beugen, oder diese Finger herunter drücken, indem man bey dem andern Gelencke anfängt: hernachmuß man den Zeiger und kleinen Finger gerade heben, und dabey beobachten, daß diese Finger genau beysammen und an einander gefügt sind. Auf diese Art ist das U fertig.

Das V kommt heraus, wenn man den Daum und Mittelfinger der rechten gerade hebt, den Zeiger den Gold- und kleinen Finger aber gantz und gar zusammen drückt.

Das W zu formiren muß man den Mittel-, Gold -und kleinen Finger der rechten Hand wagrecht empor heben, die andern aber neigen, das ist, gantz und gar krümmen.

Y wird gebildet, indem man den Daum, den Zeiger und kleinen Finger der rechten Hand ausstreckt, die andern aber herunter gebogen hält.

Das sind die Veränderungen, welche die Freymäurer in den selbstlautenden Buchstaben, nach ihren verschiedenen Classen gemacht haben, und die durchgängig angenommen worden: Dieses aber ist noch nicht alles. Ausser dem Unterschied in den selbstlautenden, findet sich noch ein anderer in den mitlautenden. Es ist dieses ein Irrthum, ein Mißbrauch, und eine Neuerung, dergleichen wir schon mehrere dem Leser gewiesen haben. Gleichwie wir aber diese Aenderung bloß um eine genaue Nachricht von den verborgensten Geheimnissen des Ordens zu geben, ausgeführet, und zugleich erinnert haben, daß sie als eine übele Gewohnheit und Fehler anzusehen sind: so wollen wir deswegen nach Alphabetischer Ordnung, und ohne auf den Klang oder Classe, worinnen man in der Gesellschaft! stehet, Achtung zu haben, davon Erwehnung thun.

Sie haben in Gewohnheit das B zu machen, indem sie den Daum der rechten horizontal aus, strecken. die Spitze des Zeigers zwischen das erste und andere Gelencke des Daumens setzen, beyde Finger nach ihrer verordneten Stellung zusammen halten, und mit dem Zeiger eine Art X von Circkel machen. Die Berührung der beulen Finger geschieht an dem Daum auf der rechtes Seite, wo er neben dem Zeiger steht.

Das D zu machen, wendet man eben die Mittel, als bey dem B an, nur mit dem Unterschiede, daß man, an stat den. Daum auszustrecken, und den Zeiger zu krümmen, den Zeiget ausstreckt, und den Daum, so krumm, als möglich, hält.

Das F sind sie so vorzustellen gewohnt, baß sie die rechte Hand ausgestreckt auf die linke Seite legen, und von da in eine Horizontallinie wieder auf die rechte Seite zurückziehen.

Bey dem G berühren und ziehen sie ein wenig die Spitze der Nase, an stat des Ohres.

Bey dem H legen sie den Zeiger der rechten auf den, Zeiger und Mittelfinger der lincken Creutz-weise, wie oben von den Lehrlingen bemerckt worden, und bilden also dadurch diesen Buchstaben.

Das K machen sie, indem sie stat des Zeigers der rechten Hand den Mittelfinger ausstrecken. Andere bilden das K auf eine andere Art, indem sie den Zeiger der lincken horizontal strecken, und die Spitze des Zeigers und Mittelfingers der rechten Hand, gleichfalls horizontal ausgestreckt, auf das erste und andere Gelenke dieses Fingers setzen.

Man soll den Mittelfinger der rechten Hand bey Bildung des L, in die Höhe zu heben, und die übrigen an einander zu halten, sie die Hand geschlossen, heben den Ellbogen wieder in die Höhe, und bilden also ein Winckelmaß in der Lufft.

Ben dem M bedienen sich einige stat des Mittel-, Gold - und Zeigefingers, bloß des Mitteln und der beyden folgenden Finger, die sie gerade niederlassen. Die anderen bilden das M, indem sie die drey Finger nach dem Alphabet der Lehrlinge in die Höhe heben, oder so, daß sie die Finger gerade halten, den Zeiger der lincken Hand horizontal ausstrecken, und die übrigen Finger gebogen halten.

Der Buchstabe N ist eben diesen Veränderungen unterworffen, denn stat des Zeigers und Mittelfingers neigen sie den Mittel- und Goldfinger, oder den Gold- und kleinen Finger: oder sie heben endlich diese Finger gerade in die Höhe, und setzen den Zeiger der lincken daraus.

Das P formirt man, wenn man mit der Fläche der rechten Hand auf das rechte Knie schlägt.

Das Q wird auf eine gantz andere Art, als die übrigen, ausgedruckt, wenn man nemlich den Hintern mit der rechten Hand berührt.

Das R zu machen, hat man eingeführt, den kleinen Finger der rechter Hand wagrecht und die horizontal gestreckte Spitze des kleinen Fingers der lincken darüber zu halten.

Bey dem S drehen sie, an stat der Finger, die Arme, und geben Achtung, daß die Hände gantz und gar geschlossen sind.

In dem T machen sie viele Aenderungen, denn an stat sich des Zeigers zu bedienen, so gebrauchen sie ohne Unterschied den Daumen, den Mittel- und Goldfinger.

Was das X anlangt, so sind sie von den Lehrlingen bloß darinnen abgegangen, daß sie mit den Goldfingern der beyden Hände diesen Buchstaben bilden, mit dem Unterscheid, daß, da der Mittelfinger bey jenen überzwerch gelegt, die stachen Hände aber nach der Erde gerichtet sind, die stachen Hände der Meister nach dem Himmel zugekehrt werden.

Das Z leidet keine andere Veränderung, als daß die stachen Hände nachdem Himmel zu gekehrt werden.

Die Freymäurer haben auch bey dem Comma eine Neuerung eingeführt, indem sie die rechte Hand, wenn sie solches ausdrücken wollen, mit der Schulter gerade in die Höhe heben, hernach sie fallen lassen, damit von hinten zu bis an die Schultern fahren, und also eine Art von einem halben Circkel machen. Die beyden Puncte werden mit beyden Händen gemacht, indem man auf die beschriebene Art einen halben Circkel mit der rechten Hand, wie bey dem Comma, formirt. Was den Punct, der die Rede schliessen betrifft, so pflegen sie solchen mit einem geringen Neigen des Haupts anzudeuten.

Was das Frage-Zeichen betrifft, so bilden sie es, indem sie das Haupt, in die Hohe heben, daß Gesicht nach dem Himmel richten, und ein wenig hinter sich beugen. Das Verwunderungs-Zeichen wird gemacht, indem man die Hände und Arme gerade gen Himmel hebt.

Das sind die bekanntesten Veränderungen, welche die Freymäurer in ihrem Alphabet eingeführt. Jetzt wollen wir den Gebrauch derselben zeigen. Anfangs muß man mercken, daß man dieses Geheimniß bloß den liebsten in der Gesellschaft, oder denen ältesten, ingleichen denen, so in meisten Elfer vor hie Ehre, das Aufnehmen und den Ruhm des Ordens hegen, mittheilt: so daß die, denen ein so grosses Heiligthum entdeckt wird, vor Auserwehlte, vor Seulen und Stützen der Gesellschafft gehalten werden. Der Tag, daran man es bekannt macht, ist ein Gala-Tag, das ist, ein dazu ausdrücklich bestimmter Tag.

Diese Gesellschafft führt sonst den Nahmen der geheimen Gesellschaft oder der schwarzen Kammer. Einer von den Brüdern ersucht die Freymäurer, welche die Erlaubniß erhalten haben, dem Unterricht von diesem Alphabet beyzuwohnen, sich auf einen gewissen Tag, an dem Ort, wo man die Versammlungen Ordentlich hält, einzufinden. Die Brüder, so recht würdig sind, in diesem Geheimnisse unterwiesen zu seyn, wissen von dieser Nachricht nichts, und sie geschiehet, ohne daß man ihnen etwas davon mercken läst: entweder zu der Zeit, da die ordentliche Loge versammelt, oder der Pedell der Schotten, Vie Gesellschafft von Hause zu Hause einladet.

Indem ich der Schotten erwehne, so bin ich ungewiß, ob es allerdings nöthig sey, daß ein Bruder das Alphabet kenne, um den Platz eines Pedells zu bekleiden. Allein ich kan meine Leser versichern, daß ich nicht einen eintzigen Schotten unter den Freymäurern angetroffen, der nicht in diesem Alphabet vollkommen unterrichtet gewesen wäre, und daß ich im Gegentheil viele Lehrlinge, Gesellen und Meister gefunden habe, welche, da sie die Geheimnisse, Lehren und Gebräuche der Gesellschafft vollkommen wusten, dennoch niemahls von diesem Alphabetreden gehört. Niemand darf sich darüber wundern, indem das Glück, darinnen unterwiesen zu seyn, nicht auf die gantze Gesellschafft, sondern im Gegentheil auf dem besondern guten Willen des Meisters der Schotten und einiger andern Bewilligung ankommt. Deswegen geschieht es offte, daß man das Alphabet einen Freymäurer lehrt, der es nicht wehrt ist, und es hingegen einem andern, der es wohl verdiente zu wissen, abschlägt.

Von dem Mahl der Freymäurer.

Nachdem wir uns zeither mit einer trocknen und dürren Erzehlung der Umstände, so vor oder bey der Aufnahme eines Candidaten beobachtet werden, aufgehalten, und bloß die Ordnung und Stelle eines ieden Bruders, seine Verrichtung und den Rang, welchen er um den Circkel, der auf dein Boden des Sales mit Kreide gezeichnet ist, hat, betrachtet haben: so ist es Zeit aus der Finsterniß, so uns umgeben, hervor zu gehen.
Es öffnet sich anietzt ein gantz anderer Schauplatz, das Licht folgt auf die Dunkelheit, das Lärmen auf das Stillschweigen, und das Vergnügen auf die Eingezogenheit. Eine günstige Gottheit kommt an diesen Ort herab, und sucht mit ihrem mit Epheu bewundenen Stabe allen Kummer und Verdruß davon zu verbannen. Man feyert dem Bacchus ein herrliches Fest, wobey er selbst zugegen ist: mit einem Wort, man bereitet das Mahl der Brüder, und ein ieder macht sich fertig, demselben mit aller Anständigkeit und Höflichkeit, dazu ihn der rühmliche Titel, den er führt, verbindet beyzuwohnen.
Man bilde sich ja nicht ein, daß eine wilde Art die Spiele und aller Ergötzlichkeit aus der Loge, verbanne, und den Aufenthalt darinnen unmenschlich und barbarisch mache. Nein, sie ist von diesen rauchen und stoischen Tugenden gantz entfernet, welche machen, daß man die Heiligkeit des Hertzens auf Kosten des Herzens selbst erkaufft, sie weiß es zu reinigen und auszuschmücken, ohne ein Opffer daran zu verlangen. Indem sie allein mit ihrer Vollkommenheit und ihrem Vergnügen zugleich beschäftigt ist, so hat sie eines mit dem andern genau zu verbinden, und durch eine kluge Mäßigung die Leidenschafften, die dem Menschen, wenn er sie nicht im Zimmer halten kan, schädlich werden, in dem Grade der zu seiner Vollkommenheit nöthig ist, zu erhalten gewust.
Mit einem Worte, bey dieser Gesellschafft, die des goldenen Alters würdig ist, und solches gantz allein zu erhalten, gewust hat, überschreitet das lebhaffteste und stärckste Vergnügen, vermöge einer übernatürlichen Wirckung, niemahls die Grentzen, welche ihm eine von aller Furcht befreyete, und von der Tugend selbst gebilligte Ergötzlichkeit vorschreibt. Hier werden bey einem der Aufrichtigkeit geweiheten Altar, an einer Tafel, wo eine angenehme Freyheit herrscht, und das glückliche Lehrgebäude die gantze Welt zu verbessern, unaufhörlich in Ordnung gebracht wird, die Versicherungen von Treue und Zärtlichkeit, unter Freunden, deren Neigungen im Anfange zwar unterschieden, hernach aber vereinigt werden, das Glück der Gesellschafft, die sie errichtet, zu befördern erneuert. Allein wir müssen uns nunmehro dem Saal, der zu diesem Fest gewiedmet ist, nähern, und was da vorgehet, stillschweigend betrachten.

So bald die Aufnahme geendigt worden, so fängt man an den Boden zu waschen welche Verrichtung dem zuletzt aufgenommenen von Rechts wegen gehört: Die Brüder begeben sich indessen in ein nahes Gemach, wo ihnen erlaubt ist, sich entweder zu setzen oder auf und ab zu gehen. Man trägt die Instrumente, so bey der nunmehr geendigten Cerimonie gebraucht worden, wieder auf den Altar, und denen Speisen, so man ietzt aufträgt, und welches der Koch bereitet hat, Platz zu machen. Kaum hat er ausgeredet, so eilet ieder Bruder begierig, seine Befehle, genau und ordentlich, wie wir ietzo zeigen wollen, zu vollziehen.

Man mag zu diesem Feste, was man vor ein Zimmer will, nehmen, so muß die Tafel vor so viele Personen, als Brüder seyn, und zwar in der Ordnung, welche ieder Bruder zuvor um den Circkel, davon wir oben geredet, gehabt, gedeckt, und die Mitternächtige und andere Seite sehr wohl von einander unterschieden seyn.

Das ist die Einrichtung der Tafel, die man mit Lichtern besetzt, deren drey gerade vor dem Groß-Meister, die andern im Triangel stehen. Auf der Seite dieser Lichter ist eine kleine pergamentene Trommel, nebst dem Klöppel. Das mittlere Theil der Tafel ist mit einem höltzernen Bilde zwey Fuß hoch, dessen Blösse alle Züge der Natur, die die Kunst vollkommen nachgeahmt hat, zeigt, besetzt. Neben demselben steht ein anders von gleicher Materie und Höhe*. Auf seiner Seite stehen zwey andere Trommeln mit ihren Klöppeln, den beyden Aufsehern gegen über.

* Die Bilder der Freyheit und Gleichheit.

Wenn dieser Aufzug in gleicher Weite veranstaltet ist, und alle Brüder versammlet sind, so hat ieder von ihnen sein Schurtzfell, mit allen Bildern, die er in der Loge zu tragen gewohnt ist, um, der Groß-Meister aber öffnet die Tafel folgender Gestalt. Er schlägt auf die Trommel, und nachdem die beyden Aufseher dergleichen gethan, so wiederholen sie die Worte, so der Groß-Meister spricht: Brüder, die Tafel öffnet sich; welches das erste Zeichen ist.
Auf dieses Geräusche gehen die Diener, so die Tafel zubereitet haben, fort, die Brüder aber nehmen die vor sie bereiteten Plätze, und zwar stehend, ein, da indessen der iüngste Lehrling an die Thür gehet, sie zuschließt, und dahinter tritt, bis man ihn abrufft. Sodenn giebt der Groß-Meister das Zeichen nochmals, die beyden Aufseher aber wiederholen es, da er ihnen denn gewisse Stellen des Catechismi zu beantworten, vorlegt, und endlich alle Beamte des Ordens, die er allezeit sich als gegenwärtig vorstellt, indem ihre Lehne-Stühle, sie mögen anwesend seyn oder nicht, bereit stehen, anredet. Nachdem er solches Anreden zum andern mal wiederholt, und das Zeichen der Lehrlinge, so alle Brüder wiederholen müssen, gemacht, so schlägt er nebst den zwey Aufsehern abermals auf die Trommel, nach welchem letzten Zeichen sie alle ihre Plätze «einnehmen.

Indessen wird der iüngste Lehrling, so an der verschlossenen Thüre, um die Bruder, während dieses Vorspiels, von dem Gemach abzuhalten, Wache gehalten, davon abgeruffen. Kaum hat ihm der Groß-Meister nebst den zwey Aufsehern solches zu verstehen gegeben, so macht er sie halb auf, spricht die freudigen Worte: Brüder, die Tafel ist geöffnet, mit lauter Stimme, und nimmt, nachdem die Thür halb offen ist, seinen Platz ein. Diese angenehme Erlaubniß ersetzt ihm die Zeit, da er den Anblick derselben entbehren müssen, gar reichlich wieder.

So bald verlassen die Brüder Diener, die sich haussen vor der Thür versammlet, dieselbe, und öffnen sie niemanden mehr, er sey auch wer er wolle, vor dem Ende der Loge, es müste denn seyn, daß die unordentliche Figur des Circkels einen neuen Ankommenden hinzu zu lassen erlaubte. Hernach helffen sie dem Koch bey seiner mühsamen Verrichtung, und tragen die wohl bereiteten Gerichte, nach der bey dem Cerimonien-Mahl eingeführten Gewohnheit, nach einander auf und ab.

Hier bitte ich mir die Erlaubniß aus, diese Art von Festen, so die Freymäurer unter einander begehen, den wollüstigen Schmausen, wo der Uiberfluß grösser als die gute Zubereitung ist, ihnen zu Ehren, entgegen zu setzen, ich meyne dieienigen Gastgebote, wo die Schwelgerey, so allemal begierig ist, den Geschmack und Appetit, so durch die Leckerey verlohren gegangen, zu erwecken, Erde und Meer, ihrer Ausschweiffung zu dienen, sich gleichsam zinsbar macht, und die Koch-Kunst in allem, was artig und sonderbar ist, erschöpfft.
Eine solche Vergleichung muß ohne Zweifel den Freymäurern zu Ehren gereichen, welche die Vernunfft nie, als nur, um dem Verstande Platz zu machen, verläst: wo der fliessende Nectar bloß dazu dient, die Freundschafft, so ihn austheilt, lebendiger und fruchtbarer zu machen: mit einem Wort, wo man, wenn man ia einige Spuren der Schwelgerey und des Uiberflusses antrifft, daraus nichts anders schliessen kan, als daß man bloß dieselben duldet, die Erkenntlichkeit, so ieder Bruder vor die Gaben der Natur hat, beständig zu erhalten, und die grossen und unzehligen Wohllhaten dieser weisen Mutter, die alles zu dem, was er nöthig hat, und zu seinem Vergnügen beyträgt, desto würdiger bekannt zu machen. Allein ich werde nicht gewahr, daß ich, indem ich mich durch meine Neigung, die geringsten Gewohnheiten dieser ehrwürdigen Gesellschafft zu erheben, hinreissen lasse, einige, die ich, ehe ich fortfahre, nicht weg lassen kan, übergehe.

Man hat demnach zu mercken, daß die Sparsamkeit, so bey iedem Gastgebot wahrgenommen wird, nicht so weit gehe, daß man das nöthigste verabsäume, deswegen hat
1) ein ieder Bruder neben seinem Teller, zwey volle Flaschen, eine mit Wein, die andere mit Wasser, welche Vorsichtigkeit von der Kenntniß seines Naturells, und des Eindrucks, dessen er benöthigt ist, herkommt: ingleichen einen Becher mit einem sehr dicken Boden, um die heutigen Stösse, damit man ihn offt auf die Tafel niedersetzt, auszuhalten
2) Die vier Welt-Gegenden sind nicht auf dem Tische, so wie auf dem Boden gezeichnet, sondern auf viereckigten Tafeln mit Kreide entworffen.
3) Die Lehn-Stühle der Beamten sind mit den Schurtzfellen bedeckt, und ieder von ihnen hat so, wie der Meister, sein besonderes Geschirre, da hingegen die Brüder ohne Unterschied nur Stühle oder Sessel haben.
4) Wenn man so an der Tafel sitzt, daß die Zahl und Menge der Gäste, eine gerade Linie zu halten, nicht verstattet, so setzt man sich in einen oder mehrere halbe Circkel, um den Brüdern das Vergnügen, mit einander zu reden, zu verschaffen.
5) Man beobachtet an der Tafel, die wir die Tafel der Brüder nennen, gewisse Gebräuche, bey denen sie insgesamt zugegen seyn müssen.
6) Zwischen dem Groß-Meister und denen Beamten sind allemal ledige Plätze vor die neuaufgenommenen Brüder, doch nur an den Tagen, da man mit gewissen Cerimonien trinckt, welches ich im folgenden erklären will.

Was das Ende des Gastgebotes, und die Art, es zu beschliessen, betrifft, so ist sie beynahe bis auf die Worte, eben dieienige, welche wir bey dem Anfange und bey der Oeffnung der Tafel angemerckt haben.

Der Groß-Meister schlägt auf die Trommel, und sagt: Brüder, die Tafel wird aufgehoben, welches die beyden Aufseher wiederholen. Auf diese erste Erinnerung begeben sich die Diener weg, und der iüngste Lehrling gehet, wie zuvor, nach der Thüre, die er zuschließt, und bis zum letzten Zeichen daselbst bleibt; da indessen der Groß-Meister das andere Zeichen mit einem neuen Schlage auf die Trommel thut, und eben die Worte, so die Ober-Aufseher allemal wiederholen, ausspricht.
Hernach, nachdem der Groß-Meister das Zeichen der Freymäurer abermals gemacht, so nennt er nochmals die Beamten des Ordens, und nachdem er den Klöppel sowohl, als die beyden Aufseher, genommen, und auf die Trommel geschlagen, so beschließt er die Gesellschafft mit den Worten: Brüder, die Tafel ist aufgehoben; welches hierauf der letzte Lehrling wiederholt, der, nachdem er die Thüre halb aufgemacht, sie allen Dienern hören läst, die in der Loge bleiben, um alles wieder an seinen Ort zu bringen, da indessen die andern Brüder, nachdem sie die Zeichen des Ordens abgelegt, weg, und wieder nach Hause gehen.
Es wird indessen nicht unnöthig seyn, mit wenig Worten, wie ich auch versprochen habe, zu erzehlen, was währender Mahlzeit unter den Brüdern vorgehe, und sie gleichsam wieder zu Tische zu nöthigen, um die Gebräuche, so man bey dem Cerimoinen-Trunck beobachtet, zu sehen: welches um so viel nöthiger ist, weil solche Formel nicht weniger von der Diener ihrer abgehet, ob schon die Sache an sich selbst einerley ist.
Die Brüder trincken also nach der Cerimonie, indem sie einander die Gesundheit des Regenten, in dessen Landen die Loge angelegt ist, zubringen, hernach trincken sie auf der Beamten des Ordens, ihrer Freunde, und der gantzen Gesellschafft Wohlseyn. Diese Art des Zutrinckens geschieht folgender Gestalt. Der Groß Meister steht auf, schlägt auf die Trommel, und nachdem er sich wieder niedergelassen, wendet er sich mit den Worten: Brüder, hört mich, zur Gesellschafft, welches die beyden Aufseher sogleich wiederholen. Endlich setzt der Groß-Meister hinzu: Brüder, last uns die Gesundheiten zubringen. Hierauf folgen viele Gläser voll reinen, oder gemischten, Wein, die man sogleich iedem Bruder austheilet: der Groß-Meister macht hierauf das Lehrlings-Zeichen, grüsset die Brüder insgesamt, und spricht:

Ihr Brüder der ehrwürdigen Loge insgesamt, wir wollen zuförderst das Wohlseyn unsers gnädigen Landes-Herrn trincken, der würdig ist, daß ihn der Himmel mit reichlichen Wohlthaten überschütte, daran alle Glieder der Gesellschaftt Theil nehmen mögen.

Diese Worte werden sowohl, als wenn der Groß-Meister von neuem sagt: Brüder hört mich, durch die beyden Aufseher wiederholt; welche letzte Worte die Feyer des grossen Geheimnisses, damit er ietzo beschäfftigt ist, ihnen kund thun:

Unheilige, tretet herzu, es ist euch erlaubt, und schämt euch, bey dem Anblick dieses Bechers, und der Manier, ihn auszuleeren, über die Unwissenheit, ein Glas, wie sich gebührt, auszutrincken; schämt euch, sage ich, und lernt endlich aus diesem einzigen Exempel, so ich euch zeige, daß die Freymäurer allein sich in allen Dingen von andern Menschen unterscheiden.

Kaum hat der Groß-Meister diese Worte gesprochen, so macht er das Lehrlings-Zeichen, nimmt das Glas
1) in die lincke Hand,
2) hebt es in die Höhe, und streckt die Hände horizontal aus:
3) setzt er es auf die lincke,
4) auf die rechte Schulter,
5) bringt er das Glas zum Munde, indem er die lincke Hand gantz ausstreckt,
6) streckt er die rechte so aus, daß die beyden Aerme Parallel-Linien formiren,
7) läst er die lincke herunter, und gerade auf die Seite fallen,
8) wiederholt der Groß-Meister nebst den Aufsehern die Worte: Brüder, wir wollen die Gesundheit trincken,
9) setzt er das Glas an die Lippen,
10) trinckt er es aus,
11) ist die Cerimonie nebst dem Truncke selbst vorbey.

Das ist die wunderbare Art, ein Glas Wein mit allen nöthigen Umständen auszuleeren. Wunderbare Entdeckung, die man der Loge schuldig ist, und übrigens denen Liebhabern des Truncks weit nützlicher, als der Weinstock selbst ist, indem man dessen Gaben, ohne dieses Geheimniß-volle Vorspiel, durch seine Unmäßigkeit, und die allzu grosse Begierde, sie zu geniessen, entheiligen würde.
Nach dieser nöthigen Anmerkung müssen wir eine andere machen, die nicht weniger nothwendig ist. Es ist nehmlich zu wissen, daß alle Brüder zu gleicher Zeit diese Cerimonie beobachten müssen, so daß wenn einer von ihnen aus Lebhafftigkeit oder Vergessenheit sich um einen einzigen Augenblick versehen hätte, so würden die übrigen Brüder, so ihr Glas beynahe ausgetruncken hatten, so lange inne zu halten, und von neuem anzufangen genöthigt seyn.

Deswegen ist zu mercken, daß wenn man in Cerimonie trinckt, und ein neuer Bruder unter dem Hauffen ist, der Groß-Meister in folgenden Worten Befehl, ihn einzuführen, giebt: Ehrwürdiger Bruder erster Aufseher, laßt den neuaufgenommenen Bruder kommen. Dieses sagt der erste Aufseher dem andern, und dieser dem obersten unter den Brüder-Dienern, welcher ihm in den Saal in treten befielt. So bald er kommt, giebt ihm der Groß-Meister ein Zeichen, an dem vor ihn bestimmten Orte Platz zu nehmen, und befielt ihm mit einem Ton, den der Wein angenehm macht, alles was er machen sehe, nachzuthun.
Der neue Bruder waffnet sich demnach mit einem Glase, und läst sich den Wein wohl schmecken allein das Vergnügen, so man ihm hier macht, kommt ihm hoch gnug zu stehen indem man ihm gleich darnach, sich wegzubegeben, befielt, und man muß in der That ein Freymäurer seyn, wenn man solches ohne Weigerung und so gehorsam beobachten will.
Indessen muß das, was ich von einem solchen Compliment sage, bloß von einem neuaufgenommenen Bruder Diener verstanden werden; mit den übrigen ist es etwas anders, als welchen, so offt sie wollen, zu trincken erlaubt ist, da indessen die Diener solches nur einmal thun, und sich dieser Freyheit ferner nicht bedienen dürften. Eben so ist es bey allen Gelegenheiten, wo man mit Cerimonien trinckt. Alle Diener sind dabey sich einzustellen verbunden, und wenn sie das ihrige gethan haben, so bittet sie der Großmeister sich wieder wegzubegeben.

Wenn der Schmauß bald geendigt ist, so schlägt der Großmeister auf die Trommel, macht das Zeichen und die Verbeugung der Lehrlinge, und spricht diese Worte zum Zeichen, daß die Diener abtreten sollen: Brüder, so iemand unter euch mir etwas zu sagen hat, so thue er es. Sodenn stehet einem ieden, nach der Erlaubnis die er ihm gegeben hat, frey, was er will, vorzutragen. Der ordentliche Vortrag betrifft entweder einen Neuangehenden, der aufgenommen zu werden wünscht, oder einige Neuerung, so man in der Loge machen will, oder die Beförderung, Strafe und Ausschliessung eines Bruders, mit einem Wort, alles was die Gesellschafft und die Brüder-Diener angeht. Hat iemand von diesen letzten über einen von seinen Mitbrüdern, oder auch über andere Klage zu führen, oder den Großmeister etwas, so seiner Aufmercksamkeit werth ist, zu hinterbringen, so muß er sich, weil er nicht das Recht es zu thun hat, an einen von den vornehmsten Brüder-Dienern wenden, als welche die einigen sind, so etwas vortragen dürffen.
Gleich nach dieser Unterredung wird Music gemacht, da die Brüder die Lieder der Lehrlinge singen, die Diener aber indessen an der vor sie bereiteten Tafel von ihrer Bemühung ausruhen. Ihre Tafel ist eben so, wie die erste besetzt, und ihr in allen ähnlich, ausgenommen, daß die vornehmsten des Ordens keine Lehnstühle, noch auch die Zeichen, womit sie sich ordentlich zu zieren pflegen, haben. Uibrigens sind da die vier Weltgegenden bemerckt, die Statue, die Seule, und die Trommeln in gleicher Stellung, nemlich eine vor den ältesten Diener, der unter ihnen den Großmeister vorstellt, und nach Mittag zu sitzt; und zwey andere vor die altem Diener, hie das Amt der Aufseher verwalten, und an der mitternächtlichen Seite sitzen. Die übrigen Brüder sind alle nach ihrem Range gesetzt, und wenn sie alle beysammen sind, so öffnet, continuirt und schliest der allerälteste die Tafel, so wie der Großmeister bey den Brüdern thut, deren Cerimonien diese nachahmen und einander zutrincken, nur mit dem Unterschiede, daß man weder die Beamten noch die Bedienten des Ordens nennt, sondern bloß sagt: Brüder, wir wollen auf die Gesundheit des Printzen trincken.

Die Diener halten sonst nach dein Exempel der Brüder gleichfalls Concert, und unterhalten sich von Dingen, so ihre Classe betreffen, als z. E. einem neuen Diener, den die Loge schon aufgenommen hat, den Zutritt zu verstatten: welche Gefälligkeit von ihnen dependirt, ob es schon demienigen Alten, welcher den Großmeister unter ihnen vorstellt, oder auch wohl dem Aufseher allein zukommt, ihn vorzuschlagen, welchen Vortrag sie durch das das Zeichen und Compliment der Diener thun.

Die Brüder indessen, so wir an der Tafel gelassen, vergnügen sich unter einander, des ernsthafften und gravitätischen Wesens ungeachtet, so sie bey allen ihren Cerimonien beobachten, mit einem unschuldigen Schertz, mit tausend artigen und geschickten Einfällen, die von allem niederträchtigen und groben Wesen weit entfernt sind. In diesem Augenblick fängt sich das angenehme Lermen, und dieienige Munterkeit, so der gantzen Gesellschafft ihr annehmliches Wesen mittheilt, an; und ob sie schon bisweilen bey vielen, die aus gar zu grosser Flüchtigkeit oder Freude, auf ihre Reden und Handlungen nicht Achtung geben, eine Qvelle von gewissen Grobheiten ist, so übersieht doch die Loge diese kleinen Fehler gantz gerne.
Indessen können wir einen der lustigsten und lächerlichsten Streiche, der bey diesen Lustbarkeiten vorgeht, nicht mit Stillschweigen übergehen. Es ist solches die Art, wie die Brüder sich unter einander, wegen der aus Unachtsamkeit und Unbedachtsamkeit begangenen Fehler, anklagen. Sie thun es auf folgende Weise: der Bruder, so bey dem andern einen Fehler bemerckt, steht auf, macht das Lehrlings-Zeichen und Compliment, und sagt: Der Hochehrwürdige Bruder N. hat etwas ungeziemendes begangen, ich bitte mir aus, daß ich ihn deswegen bestraffen darff. Er. erzehlt hernach, worinnen dieser Fehler und diese Unanständigkeit bestanden. Bald ist solcher ein unmäßiges Lachen, bald ein Wort, so man dem Nachbar ins Ohr gesagt, bald daß er seine Serviette fallen lassen, und andere Dinge von gleicher Wichtigkeit. Sodann steht der Angeklagte gleichfalls auf, macht das Zeichen und Compliment der Lehrlinge, und erwartet stillschweigend des Großmeisters Ausspruch, der dem Schuldigen die Straffen, so auf diesen Fehler gesetzt sind, auflegt: Es sind derselben vornemlich vier. Die erste ist eine Minute lang zu stehen, die andre bey Tische zu dienen, die dritte die Gläser auszuspülen, die vierte die Lichter zu putzen, und andere dergleichen Dinge.
Man könnte hier sehr viele Anmerkungen über die Strafen, so man iedem Bruder, der sich währender Mahlzeit vergangen, auflegt, und die Klugheit des Großmeisters und der Gesellschafft, in Dingen, so die Unheiligen, ob sie gleich in der That sehr wichtig sind, vor Possen und Kindereyen halten würden, zeigen: allein wie eine solche Erklärung mir einen neuen Vorwurff machen würde, und es wenigstens billig ist, daß ich, da ich in dem gantzen Wercke schon so viel Geheimnisse verrathen habe, der Gesellschafft wenigstens einige überlasse, die sie wegen der grossen Verrätherey, so ich begangen, gewisser massen beruhigen können, so mag der Leser solche, wenn er Lust hat, errathen.

Uiber dieses ist es Zeit, daß ich zum Schluß eile, welches ich auch, nachdem ich einige Anmerckungen über die Freymäurer überhaupt gemacht haben werde, thun will. Ich gesteht es, diese Anmerckungen könnten wegbleiben, allein die Neigung, die ich habe, von der Gesellschafft, so lange als ich kan, zu reden, und mein Vergnügen, so viel als möglich, zu verlängern, verbindet mich, sie nicht mit Stillschweigen zu übergehen.

Anmerckungen über die Freymäurer überhaupt.

Weil die Ordnung und genaue Betrachtung der unterschiedenen Classen, von denen ich, ohne meine Abhandlung zu unterbrechen, reden müssen, mir nicht verstattet, eine von diesen Anmerckungen beyzubringen, indem sie gemacht haben würde, daß ich die Haupt-Sache aus dem Gesichte verlohren hätte: so ist es nöthig gewesen, sie bis zum Ende des Wercks zu versparen, wo sie der Leser lieber beysammen, als durch das gantze Buch zerstreuet, sehen wird. Es ist noch etwas, sollte ich weitläufftiger seyn, als man geglaubt hätte, so werden diese Gedancken allein mich entschuldigen.
Bey der Beschreibung der Freymäurer muß nichts aussengelassen werden, der geringste Umstand ist zu wichtig, als daß man ihn übergehen solte, und man kan von ihnen sagen, daß sie wie die köstlichen Weine sind, so man bis auf die Hefen trincken muß. Deswegen glaube ich wird man mir verbunden seyn, daß ich hier noch einige Anmerckungen über die Gesellschafft überhaupt beyfüge, obgleich dieser Band auch ohne dieselben würde vollständig und gantz gewesen seyn.

Demnach ist zu mercken, daß die Loge der Diener keinen andern Tag, als Montags Abends um fünff Uhr gehalten werden könne, und daß dazu wenigstens sieben andere Brüder, als der Großmeister, die beyden Aufseher, der Redner, der Schatzmeister, der Secretär und Pedell, erfodert werden. Gleichwohl können auch die Diener die Aemter der letzten, wenn sie abwesend sind, nach ihrem Range und Alter verwalten.
2) Daß ieder Diener vornemlich in den vollständigen Logen, bey seiner Aufnahme zu einer recht heiligen und lobenswürdigen Cerimonie, deren Zweck ich aber gewiesen habe, verbunden sey. Sie bestehet darinnen, daß er zwey oder drey Goldstücke in die Armen-Büchse steckt, welches, wie die Freymäurer sagen, eine Probe der brüderlichen Liebe, so in der Gesellschafft herrschet, ist, die dieses Vergnügen niemahls vollkommen geniessen würde, wenn sie solche nicht auch denen Unglücklichen lebhafft empfinden liesse, als welche, weil sie durch einiges Elend gedrückt werden, deswegen doch nicht ihre Brüder zu seyn und zu heissen, aufhören.
Was die Schurtzfelle und Handschuhe, welche die Brüder tragen, anlangt, so haben wir schon oben gemeldet, daß solche auf der Gesellschafft Kosten angeschafft werden, und daß sie der Schatzmeister allen denen, so sie nöthig haben, mittheile.
Das, was ich von dem Tage, da die Loge beysammen ist, gesagt, muß nicht von denen Brüdern verstanden werden, als welche so offt, als sie es vor gut befinden, zusammen kommen können; welche Freyheit die Diener niemals gehabt haben, indem ich nie ein Exempel davon gehört oder gesehen habe.

Ich muß noch anmercken, wie man einen Bruder, der erst nach Oeffnung der Loge kommt, hineinführt. Ist et ein blosser Diener, so wird er ohne Umstände durch die Hüter der äussersten Thüre, so die Sorge sie zu öffnen allein haben, hineingelassen. Ist er ein Lehrling, Geselle oder Meister, so ist er alsdenn entweder ein Mitglied der Loge, oder einer, der sie besucht, welches in der Art ihn aufzunehmen, einen Unterschied macht. Denn in dem ersten Falle läst man ihn frey und ohne Widerstand zur innersten Thüre, und von da nach der Logen-Thüre gehen, wo er sich zu erkennen giebt, indem er mit dem Gelencke des Fingers anklopfft. Nach welchem Zeichen der Pedell aufmacht, und ihn hinein läst. In dem andern Fall sieht man ihn entweder als ein Mitglied der Loge, oder als einen Fremden an. Hat er den ersten Titel, so läst man ihn ohne Umstände hinein, kommt er aber zum Besuch, so beobachtet man bey der Aufnahme andere Cerimonien. Die Hüter an der ersten Thüre sagen, wenn sie ihn in das erste Gemach geführt haben, Bruder wartet: hernach gehet einer von ihnen, und meldet dem Hüter der innern Thüre, daß ein fremder Bruder da sey. Dieser wetzt sogleich mit dem Degen, und redet den andern Aufseher, der auf dieses Zeichen kommt, nachdem er das Lehrlings-Zeichen und das Compliment der Freymäurer gemacht hat, also an: Ehrwürdiger Bruder, anderer Aufseher, man bringt einen fremden Bruder an die andere Thüre. Der andere Aufseher gehet sodann und klopfft, nachdem er seinen Platz in der Loge genommen, mit seinem Hammer auf des ersten Aufsehers seinen, und spricht, nachdem er das Lehrlings-Zeichen und Compliment gemacht, fort: Ehrwürdiger Bruder, erster Aufseher, es ist ein fremder Bruder da. Dieser letzte beobachtet eben diese Cerimonie vor dem Großmeister, der ihm oder einem andern Beamten befielt, den neuangekommenen Bruder zu examiniren, indem er diese Worte beyfügt: Ehrwürdiger N. ihr möcht den fremden Bruder examiniren, und wenn ihr ihn vor würdig haltet, in die Loge zu kommen, hereinbringen. Sogleich verläst der zu dieser Untersuchung bestellte Bruder ohne weitere Cerimonie, als daß er bey dem Abtritte das Lehrlings - das Diener-Zeichen, nebst dem Complimente macht, das Zimmer, gehet zu dem fremden Bruder, und redet ihn mit aller Ernsthafftigkeit und derienigen Gravität, so der vortrefliche Ort, von dem er reden will, erfodert, also an: Bruder, hier ist die Loge unserer Ehrwürdigen Brüder. Auf diese Worte muß der Fremde mit dem Zeichen und Grusse der Diener antworten, und hernach sagen, was er vor einen Rang und Bedienung in dem Orden habe, er mag nun Meister oder Geselle u. s. f. seyn. Hierauf führt man ihn in das finstere Zimmer, so man verschliest, und nachdem man ihn, seiner Qvalität nach, examinirt hat, so führt ihn der Examinator endlich in die Loge, wo er, wie wir oben gemeldet, die Stelle eines fremden Gastes einnimmt.

So pflegt man alle Fremden, die als Diener kommen, anzunehmen: der älteste der Classe führt ihn in ein finsteres Zimmer, befragt ihn wegen der Zeichen, der Griffe, und des Losungs-Worts, und der Catechismus wird auf gleiche Weise durchgefragt; man meldet der Loge endlich, daß ein fremder Bruder Diener angekommen, den man bey der Untersuchung richtig befunden. Sogleich berichtet es der Wächter seiner Gewohnheit nach, an den andern Aufseher, dieser an den ersten, und der erste Aufseher an den Meister, welcher sagt: es ist gut, und dem fremden Bruder den Zutritt verstattet, der den ersten Platz unter den Dienern sowohl an ihrer als der Brüder Tafel, sobald man sich da einander zuzutrincken gesetzt hat, einnimmt.

Ich könnte mit weniger Aufrichtigkeit, als ich bishero geschrieben, von dem schrecklichen Lermen, so, wie man sagt, bey der Aufnahme eines Bruders gemacht wird, dem Leser etwas weiß machen: Ich könnte mich meiner Einbildungs-Krafft und allen ihren Ausschweiffungen überlassen, ich könnte donnern, blitzen, die Elemente bewegen, und die gantze Natur in dem Augenblick, da die Freymäurer ein neues Mitglied annehmen, erregen. Allein ich bin von einem so unsinnigen Vergnügen sehr weit entfernt, und überlasse solches denen scharfsinnigen Schrifftstellern, die durch den schwachen Horizont, der vor unserm Gesicht ist, hindurch dringen, im Geist in die Königlichen Cabineter gehen, ihre verborgensten Geheimnisse entdecken, die allergeheimste Politick einsehen, und gantz Europa in einer elenden Wochenschrift die Wege zeigen, die Vorschläge, so mit weit grösserem Verstande, als der ihrige ist, ausgeführt werden, angeben.
Indessen wie ich das Geräusche, davon das gemeine Volck so viel Redens macht, und das man in der That um den Neuaufzunehmenden zu fürchten zu machen, bisweilen erregt, vielmahls in Teutschland, Engelland und Franckreich gehört habe, so will ich hier mit aller Aufrichtigkeit, die ich bisher beobachtet, etwas berühren, nachdem ich zuvor angemerckt, daß dieses Geräusche gantz und gar nicht durch die Regeln des Ordens verordnet sey, sondern bloß von dem Eigensinn des Großmeisters, und der andern Brüder herrühre. Dieses Lermen besteht also in der Bewegung der Ketten, Stöcke, Glocken, Trommeln, Petarden, und dergleichen Dinge, so man von der Zeit an, da der Neuaufzunehmende herein getreten, bis daß er an die erste Welt-Gegend auf der Figur gelangt ist, fortsetzt, da es denn gäntzlich aufhöret, und an dessen stat, das von der Gesellschafft verordnete Geklirrt der Degen, so ich oben beschrieben, angeht: da im Gegentheil das Lermen, dessen ich hier Erwehnung gethan, und welches sich noch dreymahl anfängt und nicht eher, als bis der Neuangehende an die andern Gegenden gekommen, aufhört, eigentlich nicht dazu gehört. Indessen muß man bekennen, daß ein solch Spectackel erschrecklich sey, und ein noch so ernsthaffter Chineser dabey ausser sich selbst gesetzt werden würde. Ich habe wahrgenommen, daß viele unter den Candidaten dermassen darüber erschrocken, daß einige über und über gezittert, und weder gehen noch reden können, andere Todes-Schweiß geschwitzt und erblast sind, und mit klopffenden Hertzen und tieffen Seufftzern die Aufseher gebeten und fest gehalten, ja unter den lebendigen und die gar keine Lust zu sterben hatten, sich eingebildet haben, daß sie bereits an dem erschrecklichen Thore wären, wodurch Eneas in die Hölle gegangen:

Spectatum admissi risum teneatis amici.
[Zur Schau zugelassen, könntet ihr, Freunde, anders als Lachen?]

Indessen kan ich nicht umhin, dem aufmercksamen Leser ein paar Exempel, die ich selbst mit angesehen, zu erzehlen, weil sie einen vollkommenen Beweis von dem, was ich ietzt erzehlt, abgeben können, das eine hat sich in Berlin, das andere in Paris zugetragen.

In Berlin ward ein Neuaufzunehmender von einem so grossen Schrecken überfallen, daß er, als er zu der andern Welt-Gegend gekommen, nicht weiter gehen wollte, die Binde, so er vor den Augen hatte, mit Gewalt herunter riß, und das Licht, dessen Beraubung ihm so empfindlich war, wieder, sehen wollte. Die Brüder löschten sogleich voller Verwirrung die Lichter aus, und führten denselben, wie sonsten, bis an die Loge, wo sie ihn wegen der Freyheit die er sich genommen, anfuhren und fragten, ob er Lust hätte, die Cerimonie zu endigen oder wieder wegzugehen. Hätte er das letzte erwehlt, so würde man ihm die Augen wider seinen Willen von neuen verbunden, und ihn in das finstere Zimmer zurück geführt haben, da er seine Kleider wieder anziehen und fortgehen können: Allein weil er um Vergebung seines Fehlers bat, und die Brüder ersuchte, ihm solchen zu vergeben , so banden sie ihm die Binde wieder um, und sagten ohne Unterlaß: Fürchtet euch vor nichts, alles was ihr hört, ist bev der Aufnahme der andern ebenfalls beobachtet worden. Worauf ihn der andere Aufseher um die Figur herum, und sodenn an die vier Welt-Gegenden führte, da ihm indessen sein Führer, der Groß-Meister und die andern Beamten, Muth zusprachen, und ihn wieder zu sich selbst zu bringen, und seine Zaghafftigkeit zu vertreiben suchten: denn man muß wissen, daß sie bey dergleichen Umständen den Neuangehenden auf keine Weise zwingen können, indessen aber lieber sehen, wenn er die angefangene Cerimonie gutwillig aushält, als wenn sie genöthiget werden, ihn wieder aus der Loge hinauszuschaffen.

Bey der andern Begebenheit, die sich in Paris zutrug, hatte der Candidat die Binde bereite abgelegt, als er aus einem ungefähren Eigensinn nicht weiter gehen wollte. Allein er war schon so weit, daß die Brüder nicht darein willigen wollten: und entschlossen waren, Gewalt zu brauchen, wenn er fortführe, sie weiter zu nöthigen. Diese Gewalt war nach ihrer Meynung erlaubt, weil er schon den Eid abgelegt, welches sie auch desto mehr in ihrem Vorsatz bestärckte. Es bestande solche erst in Drohungen, und deren Erfüllung, 2) in Versprechungen, 3) in dem Ansehen der Obrigkeit, oder daß ich recht sage, des Printzen, der Protector der Loge war. Indessen gab sich iener nach einiger Schwierigkeit, und endigte die Cerimonie, so ihm den Weg zu den Geheimnissen bahnte.
Jeder Candidat der sich, ehe man ihm die Binde abgenommen, weigert, die Cerimonien der Aufnahme auszuhalten, kan den Entschluß, welchen er gefast, ändern, es müste denn seyn, daß ihn das Bitten und Zureden der Brüder darinnen bestärckten; sonst kommt er allemahl mit der blossen Versicherung, nichts von dem, was er gehört, zu offenbaren, wieder los.

Ehe ich beschliesse, muß ich nochmahls von dem Circkel, und denen auf dem Boden des Sales gezeichneten Linien, reden. Ob man gleich nicht ausdrücklich sagen kan, vor wen es eigentlich gehöre, sie zu zeichnen, so ist es doch gewiß, daß solches eigentlich die Aufseher sind, und wenn solche es nicht verrichten können, so thut es derienige unter den Brüdern, der am besten zeichnen kan, an ihrer Stelle.
Allein wie wir uns dabey nicht aufhalten wollen, so wollen wir noch etwas von der Aufnahme der Diener sagen, die wir oben nach ihren unterschiedenen Gebräuchen beschrieben haben da wir voraus gesetzt, daß nur ein Bruder aufgenommen wurde: dieselben aber vermehren sich, nachdem ihre Zahl groß und klein ist: indem man, wenn zwey oder mehrere aufzunehmen sind, ihm zwey oder mehrere Führer, sie an die äusserste Thüre der Loge zu führen, zugiebt, da sie denn ferner von verschiedenen Abgeordneten in verschiedene finstere Gemächer gebracht werden, wo ieder seinen besondern Examinator bekommt, der sie nach der nöthigen Vorbereitung zu denen Brüdern bringt.
Endlich wird die Gewohnheit, so man bey einem Candidaten beobachtet, auch bey mehrern in Acht genommen, doch mit dem Unterschied, daß der erste, den man der Gesellschafft vorgestellt, auch nach seiner Aufnahme zuerst in die innere Loge geführet wird, die er, so bald der andere hinzu gelassen werden soll, verläst, denn folgt hernach der dritte, und so die übrigen, doch ist es keinem Diener, bey der Aufnahme eines Bruders zugegen zu seyn, erlaubt.

Ferner ist zu mercken, daß bey dergleichen Aufnahme sich bisweilen mehr als 100 Brüder befinden, da man denn leicht begreifft, daß sie den Circkel nicht ordentlich machen können, indem die Zimmer selten so groß sind, daß sie in dieser Stellung bleiben könnten: welches auch vielleicht die Ursache ist, daß man die Bruder in 4 Classen, die eben so viele Circkel machen, eingetheilt. Wann in einen dieser Circkel, auch ungefehr viel Brüder von gleicher Wurde beysammen seyn, und ihre Zahl grösser in den übrigen Circkeln seyn sollte, so suchen die Aeltesten dieser Irrung abzuhelffen, indem sie in den einen Circkel hinein treten, und den Brüdern einer niedrigen Classe das äussere TheiI zu besetzen, überlassen.
Eben diese Ordnung beobachten sie, indem sie mit den Degen so offt als ein Neuaufzunehmender von einer Welt-Gegend zur andern geht, ein Geräusche machen. Daraus kan man auf die ungeheure Grösse des zur Aufnahme gewiedmeten Sales schliessen, wo der mir Kreide gezeichnete Circkel gar wenig Platz einnimmt, indem er nur fünf Fu lang und drey Fuß breit ist, da man auch keine Sessel oder Lehnstühle, als nur vor den Groß-Meister und die Bedienten des Ordens, hinsetzt.

Das sind die Anmerckungen, die mir, das Werck vollständig zu machen, anzustellen, nöthig geschienen. Die Freymäurer haben in gewissem Verstande gar nicht Ursache darüber böse zu seyn, indem es ihnen gar nicht schädlich, sondern vielmehr nützlich und ersprießlich ist: davon das Publicum die darinnen enthaltenen Nachrichten auch noch so schlecht anwendet, dennoch die Loge ihr Vorhaben bald erfüllen und eben so viel Mitglieder, als Menschen in der Welt sind, zehlen wird.
In der Absicht diesen Vortheil zu erhalten, hat sich auch besonders diese Feder, so sich eben so wohl mit einer andern Materie würde haben beschäfftigen können, gutwillig zum Wachsthum des Ordens gebrauchen lassen, um ieden, der etwan künftig hin in diesen Geheimnissen unterrichtet und eingeweihet zu werden verlangen möchte, das verdrießliche Vorspiel seiner Aufnahme zu ersparen.
Indessen ist doch zu besorgen, daß ich gewisser Weise unrecht angekommen seyn möchte, und an stat des Danckes, den ich von der Gesellschafft erwarten sollte, dem allgemeinen Schicksal derer, die ihr gütiges Naturel, sich die Menschen verbindlich zu machen, antreibt, das ist, mich mit Undanck belohnt zu sehen, ausgesetzt seyn möchte. Allein es liegt nichts daran: die Gesellschafft mag mit mir umgehen wie sie will, so soll sie mir doch das geheime Vergnügen, daß ich ihr dienen können, nicht nehmen: welches Vergnügen gewiß in diesen Zeiten rar ist, obschon ein alter Philosoph sehr weise und großmüthig davon geurtheilt hat:

Beneficii merces ipsum est beneficium.

Siehe auch

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Ausgearbeitet von Dr. phil. Roland Müller, Switzerland / Copyright © by Mueller Science 2001-2015 / All rights reserved - ESOTERIK von Dr. phil. Roland Müller

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