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Affaire des Fiches

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Affaire des Fiches

Quelle: Internationales Freimaurer-Lexikon von Eugen Lennhoff und Oskar Posner (1932)

Jean Bidegain, seit 1894 stellvertretender Sekretär des Grand Orient de France in Paris, war 1904 der Urheber der "Affaire des Fiches". Als damals in Frankreich, das noch unter den Nachwirkungen der Dreyfus-Affäre vibrierte, davon gesprochen wurde, die reaktionäre Kamarilla in der Armee plane einen Staatsstreich mit dem Ziel einer Diktatur, wünschte sich der Kriegsminister André (im Kabinett Combes) über die Loyalität jener Offiziere zu unterrichten, denen höhere Kommanden anvertraut werden sollten.

Ein Major seines Stabes kam auf die Idee, durch das Sekretäriat des Grand Orient eine Sammlung von "Fiches", Informationszetteln, über die Aspiranten auf diese Posten anlegen zu lassen. Dessen Generalsekretär Vadécart kam dem nicht zu verantwortenden Wunsche seltsamerweise nach und wurde später vom Ordensrat ritterlich gedeckt, trotzdem dieser vorher nicht befragt worden war und zweifelsohne ein durch die Konstitution des Grand Orient verbotenes aktives Eingreifen in politische Geschehnisse vorlag.

Bidegain verkaufte sein Wissen in Gestalt entwendeter Dokumente und Kopien um 20.000 Francs durch einen der Führer der antifreimaurerischen Bewegung, Abbé de Bessonies (s. d.), an die klerikale "Ligue de la Patrie". Schwerste Angriffe waren die Folge. In der Kammer wurde die Regierung am 28 Oktober 1904 von dem klerikalen Deputierten Guyot de Villeneuvs interpelliert, ein Mißtrauensvotum gegen den Kriegsminister gefaßt und die Angelegenheit als Agitationsmittel für die Wahlen von 1906 weidlich ausgeschlachtet.

Der Konvent des Grand Orient von 1905 behandelte die Affäre eingehend, er anerkannte daß die verantwortlichen Funktionäre in guten Treuen gehandelt hätten. Bidegain veröffentlichte in der Folge zwei Bücher gegen die Freimaurerei "Le Grand Orient de France" (1915) und "Une conspirations sous la 3e République" (1910) 1919 erwarb er ein Papiergeschaft in Neuilly. Schwere Geldsorgen trieben ihn einige Jahre später in den Tod. 1926 beging er mit seiner Frau Selbstmord.

Einen zweiten Fiches-Skandal gab es 1906, diesmal mit umgekehrten Vorzeichen. Abbé Tourmentin (a d.), der gewesene päpstliche Nuntius Montagnini, der Mgr. Jouin (s d) und andere hatten umfangreiche Zettelkästen angelegt, in denen Beamte, Politiker, Geistliche, Offiziere verzeichnet waren, die in ihren Augen des "Republikanismus" verdächtig waren Diese "Fiches- Pontificales", die zu einer Hausdurchsuchung in der ehemaligen Nuntiatur führten, wirbelten viel Staub auf.


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