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Rezension: Helmut Reinalter - Die Zukunft der Freimaurerei

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Rezension: Helmut Reinalter - Die Zukunft der Freimaurerei

Der österreichische Historiker und Freimaurer Helmut Reinalter ist zweifellos einer der renommiertesten „Freimaurer-Forscher“ im deutschen Sprachraum. Anfang 2018 hat er im Leipziger Salier-Verlag ein weiteres Buch über die Freimaurerei veröffentlicht. Dem Titel nach handelt es zwar von der Zukunft der Freimaurerei, darüber hinaus gibt es jedoch einen tiefen Einblick auch in die historischen Forschungsergebnisse und das breite Wissen Reinalters über die Freimaurerei. Von Rudi Rabe.

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Wie breit dieses Wissen ist, zeigt sich im hinteren Buchteil in der „Freimaurerischen Bibliographie von Helmut Reinalter“. Sie geht über sage und schreibe 22 Seiten mit einer Liste von neun einschlägigen Monographien, gefolgt von 25 Handbüchern, Sammelbänden und Schriftenreihen, für die Reinalter als Herausgeber zeichnete, bis zu einer langen Liste mit gefühlten mehr als 250 Aufsätzen, die mit dem Thema Freimaurerei zu tun haben.

Auch die zehn Kapitel dieses Buches sind ausgewählte Studien und Essays, in denen Reinalter sein Wissen ausbreitet. Einige sind schon ein paar Jahre alt, das erkennt man beim Lesen; andere sind neueren Datums. Eine gewisse Redundanz ist daher unvermeidlich.

Querdurch ist zu spüren, wie sehr dem Freimaurer Helmut Reinalter die Begriffe Ethik und Werte am Herzen liegen. Mehrmals bezieht er sich auf das Projekt "Weltethos" des Theologen Hans Küng. Und er bleibt nicht bei den manchmal doch etwas verbraucht wirkenden Begriffen der Aufklärung wie Freiheit, Gleichheit, Toleranz und so weiter hängen, vielmehr erhebt er den Anspruch, die „unverzichtbaren Grundlagen der Aufklärung kritisch weiter zu entwickeln“. Und so kommt er zum Begriff der „reflexiven Aufklärung“, ein Postulat, auf das sich Reinalter in den letzten Jahren immer wieder bezogen hat - zum Beispiel hier.

Reflexive Aufklärung

Dies ist nichts anderes als Aufklärung über sich selbst, was im Rückgriff auf die Philosophen Horkheimer und Adorno vor allem auch heißt, dass Reinalter vor der bloß instrumentellen Vernunft warnt, also einer Vernunft, die rein zweckrational ist und ohne Ethik auskommt. Außerdem rehabilitiert die reflexive Aufklärung die in der klassischen Aufklärung vernachlässigte, ja gering geschätzte Urteilskraft der Gefühle. Nur so kann laut Reinalter heutzutage Aufklärung im freimaurerischen Sinn verstanden werden.

Dieser Denkansatz ist auch „ein erster Schritt in Richtung auf eine Anerkennung der Zugehörigkeit von Gegenströmungen zum Modernisierungsprozess. Es wird dabei anerkannt, dass bestimmte Phänomene, wie Subjektivismus und Gefühlskultur oder eine nostalgische Hinwendung zur Natur und Vergangenheit, überhaupt erst auf der Grundlage der Moderne entstehen können und somit als deren eigene Resultate anzusehen sind.“

Eine neue Aufklärung hätte das alles „als Teil der Moderne zu erkennen und entsprechend einzuordnen. Im Grundverständnis der Freimaurerei würde dies die Zusammenführung der verschiedenen Dimensionen des Menschen bedeuten: die rationale kognitive Struktur, die Gefühle, Emotionen und Sensibilitäten.“ Reinalter bezeichnet das im letzten Satz des Buches als „Ansatzpunkt für gesellschaftspolitisch aktive Freimaurer, der für das 21. Jahrhundert weitergedacht und konkretisiert werden müsste.“

Wie gesagt ein breit angelegtes Buch, dessen Inhalt deutlich über den Buchtitel hinausreicht. Schließlich ist Reinalter Historiker. Dennoch konzentriert sich diese Rezension auf das eigentliche, in die Zukunft weisende Anliegen Reinalters.



Helmut Reinalter ist emeritierter Universitätsprofessor für Geschichte der Neuzeit und Politische Philosophie an der Universität Innsbruck (bis 2009). Freimaurer wurde er in der Innsbrucker Loge Zu den drei Bergen. Später wechselte er zur Loge ’Einigkeit in Freiheit’ in Innsbruck und danach zur ’Tamino’ in Salzburg. Reinalter war auch Mitbegründer und fünfzehn Jahre lang wissenschaftlicher Leiter der Freimaurer-Akademie der Großloge von Österreich.

Das Buch „Die Zukunft der Freimaurerei“ erschien 2018 im Salier-Verlag, Leipzig.


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