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Traktat: Freimaurer-Vorbild Europa

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Inhaltsverzeichnis

Traktat: Freimaurer-Vorbild Europa

Kent Henderson ist ein hochrangiger und weitgereister Freimaurer, der auf der ganzen Welt viele Logen besuchte. Über die Freimaurerei hat er eine Reihe von Artikeln und mehrere Bücher publiziert.

Australien lobt Europa

Die Kirschen in Nachbars Garten: Schmecken die womöglich auch bei den Freimaurern süßer? Diese Lebensweisheit ging mir durch den Kopf, als ich auf den unten folgenden Text des australischen Freimaurers Kent Henderson gestoßen bin, seines Zeichens immerhin Past Master mehrerer australischer Logen, Mitglied einer Forschungsloge 'Quatuor Coronati', mehrfacher Funktionsträger in seiner australischen Großloge und schließlich Präsident des ‚Masonic Research Council’ in Australien und Neuseeland. Er ist mit seinen masonischen Landsleuten sehr unzufrieden und präsentiert ihnen die kontinentaleuropäische Freimaurerei als Vorbild. Seine Einschätzungen und Ideen habe ich für dieses Traktat ins Deutsche übertragen. Von Rudi Rabe.

Resümee: Bruder Kent spricht von einem Niedergang der Freimaurerei in Australien, aber nicht nur dort, sondern auch in Nordamerika. Für die Jahrzehnte seit dem Zweiten Weltkrieg konstatiert er ein stetiges Abwärts in allen englischsprachigen Übersee-Regionen. Immer wieder schrieb und schreibt er dagegen an. Der unten folgende Text ist aus dem Jahr 2013: eine ‚Zeichnung’ vor der Großloge in Ghana. Es ist eine durchaus temperamentvolle zugleich aber auch scharfsinnige Analyse der Schwächen der australischen und nordamerikanischen Logen und Großlogen.

Kent Henderson bleibt aber nicht bei der Diagnose hängen, viel wichtiger sind ihm seine therapeutischen Überlegungen, für welche er die kontinentaleuropäische Freimaurerei als Vorbild nimmt. Voll des Lobes ist er für „uns“ europäische Freimaurer (für die Briten nur eingeschränkt), so voll des Lobes, dass ich nicht anders konnte, als dieses Lob am Beginn dieser Einleitung doch auch ein wenig zu ironisieren. Vielleicht aus Verlegenheit: Sind wir wirklich so gut?

Kent Henderson hat mir den Text für das Freimaurer-Wiki zur Verfügung gestellt. Auch auf seiner Website behandelt er das Thema unter dem Titel: "Back to the future - a prescription for masonic renewal. The 'European Concept' Lodge Model". ("Zurück zur Zukunft – ein Rezept für die freimaurerische Erneuerung. Das „europäische Logenkonzept“ als Vorbild)".

Ab hier beginnt nun der ins Deutsche übertragene Originaltext mit einer deklarierten Auslassung gegen Ende.


Von einigen Ausnahmen abgesehen musste die Freimaurerei in der Englisch sprechenden Welt in den letzten vier Jahrzehnten einen starken Mitgliederrückgang hinnehmen. Besonders dramatisch war die Entwicklung in Australien, Neuseeland und Nordamerika, weniger dramatisch in Großbritannien. Grosso modo haben sich die Mitgliederzahlen bei den amerikanischen, kanadischen und australischen Großlogen in dieser Periode um bis zu achtzig Prozent reduziert. Die Reaktionen darauf waren Händeringen und Zähneknirschen, und manche Großlogen haben es sogar zuwege gebracht, das Rad wieder neu zu erfinden, um sich dieser Entwicklung entgegen zu stemmen; weitgehend ohne Erfolg.

Viele Rezepte haben sie ausprobiert: Sie haben die Logen nach außen „offener“ gemacht, aktiv nach Publizität gestrebt, den Beitritt erleichtert, und die Freimaurerei als wichtige Wohltätigkeitsorganisation präsentiert. Und intern sind manche Großlogen vom „Masonischen Walzerschritt“ – 1,2,3 – 1,2,3 – der drei Grade abgerückt und haben sich stattdessen bemüht, der masonischen Bildung mehr Aufmerksamkeit zu widmen. Ich werde auf diese wichtige Frage zurückkommen.

Die Ursachen des Mitgliederschwunds

Es gibt eine größere Zahl von Gründen: externe und interne.

Externe Gründe: Es ist klar, dass es in der heutigen Gesellschaft für uns alle immer noch mehr Möglichkeiten der Zerstreuung gibt. Die Freimaurerei ist heutzutage einer großen Konkurrenz ausgesetzt. Vor fünfzig und mehr Jahren war das anders – ein Mann konnte sich auswärts kaum anders als in der Kirche oder in einer Loge umtun.

Das ist anders geworden. Untersuchungen haben gezeigt, dass jetzt das Fernsehen am meisten dazu beiträgt, die Menschen von Außer-Haus-Aktivitäten fernzuhalten. Es ist viel leichter, daheim zu sitzen und sich unterhalten zu lassen als auszugehen und etwas zu tun. Auch andere Vereinigungen mussten starke Rückgänge der Mitgliederzahlen und des Engagements hinnehmen, zum Beispiel die Rotarier und die Pfadfinder.

Zusammen gefasst: Zu Hause vor dem Fernseher sitzen ist die bevorzugte Unterhaltung in der modernen Gesellschaft. Und alle, die sich aufraffen, dennoch außer Haus zu gehen, erwartet eine große Zahl von Ablenkungen, denen sie sich hingeben können. Daher konkurriert die Freimaurerei in einem immer kleiner werdenden Reservoir um Aufmerksamkeit und um Beitrittskandidaten.

Verbunden mit diesen externen Gründen gibt es aber auch interne, die in der Natur der englischsprachigen Freimaurerei selbst liegen. Die Amerikaner, Kanadier und besonders die Australier haben aufgehört, die Logen als egalitäre Organisationen zu verstehen; dies auch als Antwort auf die sinkenden Mitgliederzahlen.

In der masonischen Geschichte Australiens war die Freimaurerei keine egalitäre Bewegung. Sie war nie auf Gleichheit angelegt. Und neben ihren Lehren war immer das Geheimnis eine ihrer größten Stärken.

Vor dem Zweiten Weltkrieg kostete es in Australien zwei Wochenlöhne, um aufgenommen zu werden, und dann jeweils einen Wochenlohn als Jahresbeitrag. Seit dem Krieg wurden die Mitgliedsbeiträge nicht mehr der Inflation angepasst. Hätte man das gemacht, würden sie jetzt entsprechend einem aktuellen Wochenlohn ungefähr 1.200 australische Dollar ausmachen (= 2015 nach dem Wechselkurs etwa 850 Euro). Die Jahresbeiträge liegen derzeit aber bei 250 Dollar, also bei einem Fünftel. Das ist so, weil die Logen ihre Beiträge mit dem fadenscheinigen Argument niedrig hielten, viele Mitglieder würden sonst austreten. Das konnte aber nicht gut gehen. In Wirklichkeit ist das Gegenteil passiert: Nach und nach traten Mitglieder aus, WEIL die Beiträge nicht erhöht wurden.

Der „Toleranz-Faktor“

Die Folge dieser Finanzpolitik: Über die Jahre ist der Standard in den Logen ständig gesunken. Vor allem ist die Qualität des Essens nach den masonischen Arbeiten von einem ordentlichen Bankett in Vorkriegszeiten deutlich abgesunken zu den „kalten Würstchen und schlappen Sandwiches“, die heute bei den meisten australischen Logen an den ‚Weißen Tafeln’ serviert werden. So ähnlich läuft es im großen und ganzen auch in Amerika und Kanada. Als Folge dieser immer weiter gesunkenen Standards haben sich viele Mitglieder abgewandt.

Weil diese Entwicklung anhielt, beschleunigte sich das langsame Abdriften im Laufe der Zeit zu einer regelrechten Flucht. Neu Aufgenommene blieben oft nicht einmal bis zur Erhebung in den dritten Grad; sie traten schon vorher wieder aus. Was ich als den „Toleranz-Faktor“ bezeichne, kann aus meiner Sicht diese Beschleunigung der Austrittsbewegung erklären. Als die Standards weiter fielen, wurde für immer mehr Mitglieder der Punkt erreicht, über den hinauszugehen sie nicht mehr „tolerieren“ wollten. Das führte zu einer Selbstverstärkung: Je niedriger die Standards, desto mehr Austritte. Und die Verbliebenen mussten immer noch weiter abgesunkene Standards hinnehmen. Es gab keinen Impuls, den Trend umzukehren.

Besonders sichtbar wird das Problem auch bei Betrachtung der Demographie der australischen, amerikanischen und kanadischen Logen. Wenn man in diesen Ländern eine Loge besucht, besteht die große Mehrheit wenn nicht alle der anwesenden Brüder aus Past Mastern. Wenn es für die Brüder darum geht, zu bleiben oder auszutreten, sind die, die bleiben, tendenziell jene, die mehr von sich in die Loge investiert haben. Ich nehme an, dass daher Past Master weniger von „Bord“ gehen als gewöhnliche Meister, und was man so hört und sieht, scheint das zu bestätigen.

Als Reaktion auf diesen Trend wurden die Beitritte in Australien und besonders in Nordamerika noch mehr erleichtert indem die Standards für die Aufnahmen zusätzlich herabgesetzt wurden. Um mehr Nachwuchs zu bekommen hat man zum Beispiel den Dresscode verwässert oder bei vielen amerikanischen Großlogen in Zeitungen um neue Mitglieder geworben.

Das alles führte zu sich selbst verstärkenden Schneeballeffekten. Weil die Zahlen im Laufe der Jahre gefallen sind, blieben den Logen immer weniger kompetente Mitglieder für die Bearbeitung der Rituale. Und es wurden Brüder zu Beamten gewählt, die das in den guten alten Zeiten nie geworden wären. Die Folge war ein erheblicher Niedergang der Qualität der rituellen Arbeiten, was die Austrittswelle neuerlich beschleunigte. Stuhlmeister, denen ständig souffliert werden muss, erzeugen keine inspirierende Atmosphäre, aber das ist der Standard, auf den viele Logen herunter gekommen sind.

Eine weitere Folge ist die zunehmende Überalterung der Logen. Jüngere kommen kaum mehr, und so ist in den australischen und nordamerikanischen Großlogen die große Mehrheit der Brüder deutlich über sechzig Jahre alt.

Die Großlogen auf den britischen Inseln

Ich habe es bis jetzt vermieden, die drei Großlogen in England, Schottland und Irland in diese Analyse einzubeziehen. Natürlich sind deren Mitgliederzahlen auch deutlich gefallen, aber nicht so stark wie in anderen wichtigen englischsprachigen Ländern.

Ich glaube, der Grund dafür liegt darin, dass sich diese Großlogen nach außen zwar ebenfalls offener und fokussiert auf Charity präsentieren, nach innen aber das Geheimnis weiter pflegen und ihre Standards hochhalten – vor allem auch bei der Qualität des Essens. Ich kann es zwar nicht beweisen, aber ich vermute ganz stark, dass dieser – sagen wir – weniger liberalisierte Zugang ein wichtiger Grund war, warum der Mitgliederschwund in Britannien im Vergleich zu Australien und Nordamerika schwächer war.

Was ist Freimaurerei?

Um einen Vergleich zu bieten, will ich mich jetzt der kontinentaleuropäischen Freimaurerei zuwenden. Diese hat größtenteils kein Mitgliederproblem. In vielen Regionen Europas nehmen die Mitgliederzahlen zu. Es stellt sich die Frage: Warum? Wir können sicher sein, dass das Fernsehen und die sonstigen Zerstreuungsmöglichkeiten in den europäischen Ländern genau so bedeutend sind wie in den Englischsprachigen. Daraus folgt, die Gründe für den vergleichsweisen Erfolg der kontinentaleuropäischen Maurerei müssen eher interne als externe sein. Und so ist es auch.

Bevor wir die kontinentale Freimaurerpraxis aber nach Hinweisen abklopfen, möchte ich darlegen, was die Freimaurerei meiner Meinung nach überhaupt ist – was wir sind oder was wir alle sein sollten – und was die drei wichtigsten Voraussetzungen für erfolgreiche Logen sind. Es gibt eine große Zahl an Definitionen, was die Freimaurerei ist: vom grundsätzlichen „ein besonderes Moralsystem, das in Allegorien vermittelt und durch Symbole dargestellt wird“ bis zu vielen anderen.

Ich definiere die Freimaurerei ganz einfach: Sie ist eine Vereinigung zur moralischen und ethischen Bildung. Das trifft es, was wir sind.

Der entscheidende Grund, warum die Freimaurerei entstand, ist unser Bedarf an Ethik und Moral. In anderen Worten – und das ist der Schlüssel – wir sind vor allem eine Art Lebensschule. Unsere Aufgabe ist es zu lehren und zu lernen.

Es ist nicht unsere erste Bestimmung, eine Wohltätigkeitsorganisation zu sein, wie uns viele Großlogen in der Öffentlichkeit verkaufen wollen. Wir sind nicht Rotary, es ist nicht unsere wichtigste Aufgabe, Spendengelder zu sammeln und zu verteilen. Das ist nur ein Grund für unsere Existenz, aber nicht der Hauptgrund. Der Hauptgrund ist das Lehren und Lernen. Und das ist es, was die englischsprachigen Logen nicht tun, jedenfalls nicht außerhalb der sehr rudimentären Vermittlung bei den Ritualen der Aufnahme, der Beförderung und Erhebung.

Die drei Säulen

Nun komme ich zu dem, was ich die drei Säulen der Freimaurerei nenne – die drei Pfeiler, die gemeinsam eine erfolgreiche Großloge sowie erfolgreiche Logen tragen. Und nein, es tut mir leid, das sind nicht Weisheit, Stärke und Schönheit! In Wahrheit sind die drei tragenden Säulen diese: Qualitativ hochstehende rituelle Arbeiten, qualitativ hochstehende ‚Weiße Tafeln’ danach, und ganz besonders eine qualitativ hochstehende masonische Bildung und Erziehung.

Für den wirklichen Erfolg braucht man meiner Erfahrung nach alle drei Säulen, wobei die dritte, das masonische Lehren und Lernen, die wichtigste ist. Es wird auf die Dauer nicht möglich sein, erstklassige rituelle Arbeiten und eine sehr gute Lernentwicklung zustande zu bringen, wenn das Essen danach entsetzlich ist (so wie in vielen australischen Logen). Und es wird nicht möglich sein, ein großartiges Dinner abzuhalten, wenn die rituelle Arbeit davor jedes Mal inferior verläuft. Und so weiter.

Der Erfolg der europäischen Freimaurerei

Der Platz in der Welt, wo meistens alle drei Säulen gelingen, ist der Kontinent Europa. Die innere Haltung der europäischen Freimaurerei ist in vielfacher Hinsicht anders als die der meisten englischsprachigen Logen.

Das beginnt schon bei den Mitgliedsbeiträgen. Sie machen pro Jahr etwa einen Wochenlohn oder mehr aus (700 Euro oder mehr). In Europa ist es außerdem nicht leicht, in Logen aufgenommen zu werden. Lange Wartelisten sind üblich, und in manchen Obödienzen werden weniger als 50 Prozent der Bewerber akzeptiert. Ich behaupte, wenn man etwas billig und leicht erreichbar macht, dann will es niemand.

Die Standards sind in Europa sehr hoch und die rituellen Arbeiten erstklassig. Europäische Logen veranstalten kaum ‚Festive Boards’, wie es englische Freimaurer für richtig halten, hingegen veranstalten sie feine Abendessen in Kombination mit der rituellen Arbeit. So halten sie zwei der wichtigen Säulen hoch.

Die entscheidende Säule der europäischen Logen ist jedoch ihre Dritte – das masonische Lehren und Lernen. In Kontinentaleuropa kann es bis zu fünf Jahre dauern bis ein Lehrling den Meistergrad erreicht. In dieser Zeit muss der Kandidat ganz schön viele masonische Fortbildungsveranstaltungen besuchen, und er wird vor seiner Beförderung in einen höheren Grad mündlich und schriftlich geprüft. Bei den meisten europäischen Logenarbeiten sind Diskussionen eingebaut, seien es masonische, philosophische, esoterische und oder wissenschaftliche.

Im Allgemeinen ist die europäische Freimaurerei ziemlich exklusiv. Es ist nicht leicht, aufgenommen zu werden, und wenn es geklappt hat, dauert der Aufstieg, und er muss verdient werden. Die Folge dieses hohen Standards: Weil es schwierig ist, akzeptiert zu werden, wollen viele dabei sein. Und weil die Aufgenommen sehr gefordert werden, wird der gelungene Aufstieg dann wertgeschätzt. Weil das mit hochstehenden Ritualarbeiten und ausgezeichneten Abendessen kombiniert wird, gedeiht die europäische Freimaurerei.

Ausreden und Ausreden

Wollen wir uns nun wieder den masonischen Problemen der englischsprachigen Welt zuwenden. Meiner Ansicht nach ist es ihr großer Fehler, die meiste Zeit der Brüder für das Auswendiglernen des Rituals zu verbrauchen, anstatt den Mitgliedern nahezubringen, was das Ritual überhaupt bedeutet. Ein Bruder wird auf die Dauer nicht in einem Tempel sitzen wollen, wenn er nicht versteht, warum es geht!

Es gibt viele Ausreden. Wie ich schon erwähnte, ist das große Angebot von Ablenkungen für moderne junge Männer einer der Gründe für den Mitgliederschwund. Dass es das gibt, stimmt ja wirklich.

Ich behaupte aber, das ist bis zu einem gewissen Grad ein künstliches Argument dafür, warum junge Männer nicht zur Freimaurerei kommen. Freimaurer glauben ja, ihre Vereinigung sei anderen sozialen Clubs überlegen. Die Wahrheit ist aber: Was immer der Inhalt ist, in schäbiges braunes Packpapier eingewickelt wird ihn kaum jemand kaufen wollen.

Eine der Reaktionen in vielen englischsprachigen Großlogen ging Richtung ‚Public Relations’, also die Freimaurerei in den Medien unterzubringen. Aber wie soll man ein fehlerhaftes Produkt verkaufen? Natürlich ist die freimaurerische Grundidee gesund, aber der Rost und die unschöne Verpackung inspirieren wirklich nicht. Vielleicht kann man mit etwas Medien-Tamtam ein paar Mitglieder anwerben, die sich von irgendeinem Hype beeindrucken lassen, der den Werbeleuten gerade eingefallen ist. Aber wenn die neuen Mitglieder dann dabei sind und erleben, wie alte Männer das Ritual runieren, wie lange und langweilige Reden gehalten werden, wie Essen serviert wird, das sie zu Hause höchstens auf einem Kindergeburtstag auftischen würden, und wie ihnen wenig bis gar nichts von der maurerischen Lehre weitergegeben wird – dann werden sie schleunigst zur typischen englischsprachigen maurerischen Erscheinung: zum Drehtür-Freimaurer.

Freimaurerische Erziehung – eine Therapie

Indem ich das Problem identifiziert habe, wies ich auch schon auf die Therapie hin: die drei großen Säulen. Ich gehe davon aus, dass sich die ersten zwei Säulen – hochqualitative Ritualarbeiten und hochqualitatives Essen – von selbst vestehen.

Und obwohl die wichtigste der drei Säulen, das maurerische Lehren und Lernen, auch selbstverständlich sein sollte, braucht es eine detaillierte Diskussion darüber, wie das gemacht werden soll. Das ist letztlich der Sukkus dessen, was ich sagen will.

Wenn man ein Lehr- und Lernprogramm entwirft, ist folgendes zu berücksichtigen:

  • Wem soll etwas beigebracht werden?
  • Was soll gelehrt werden?
  • Wie soll es durchgeführt werden?

Wem soll etwas beigebracht werden?

Es sind offensichtlich zwei Zielgruppen: neue und alte Mitglieder. Bei neuen Mitgliedern geht es leichter. Und durch die Erziehung der neuen Mitglieder wird auch den älteren etwas beigebracht.

Was soll gelehrt werden?

Meine Methode für den Unterricht neuer Mitglieder basiert auf einer zugleich reichhaltigen wie kompakten Struktur, einer Art Matrix, die leicht zu verstehen und leicht zu vermitteln ist. Es ist eine ausgeklügelte Methode mit unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden.

Wie soll das durchgeführt werden?

Idealerweise wird es von der Großloge koordiniert und in den Logen durchgeführt. Hauptzielgruppe sind neue Mitglieder, aber es soll auch Ältere erreichen.

(Im englischen Original folgen nun ganz konkrete und bis ins Detail ausgeführte Handlungsanweisungen für die „freimaurerische Erziehung“ mit Fallstudien, Formularen, und so fort. Das ist logischerweise für den „home market“ geschrieben, und so überspringe ich diese Passagen und runde das Traktat mit der Zusammenfassung durch Bruder Kent ab.)

Die Quintessenz: ‚Masonische Psychologie’

Das vorrangige Ziel aller Großlogen ist es, die Mitgliedschaft nachhaltig attraktiv zu machen. Dafür ist die leider wenig geschätzte ‚Masonische Psychologie’ sehr wichtig. Der einzige Mensch, der ein neues Mitglied für die Loge gewinnen kann, ist einer, der schon Freimaurer ist. Tatsächlich schaffen das nicht sehr viele. Ich bin wirklich schon langjährigen Freimaurern begegnet, die ihrer Loge noch keinen einzigen Kandidaten zugeführt haben. Warum nicht? Logen, die genügend gute Kandidaten haben, sind Logen mit hohen Standards zumindest beim Ritual und der ‚Weißen Tafel’, also beim Essen danach. Brüder von Logen mit niedrigen Standards schlagen selten neue Mitglieder vor, ganz einfach weil sie befürchten – entweder ganz bewusst oder auch unbewusst – dass ihre Freundschaft darunter leiden könnte. So funktioniert die ‚Masonische Psychologie’. Ein Freimaurer, der mit den Standards seiner Loge unzufrieden ist, will das niemand aus seiner Bekanntschaft zumuten. Er schämt sich.

Die Konzentration auf meine Drei Großen Säulen stellt sich diesem Problem. Wenn Freimaurer mir der Qualität ihrer Loge zufrieden sind, was sehr stark von den zwei ersten Säulen abhängt, dann wachsen Brüder nach. Aber nur die dritte und wichtigste meiner Säulen, das maurerische Lehren und Lernen, bietet die Gewähr, dass die Mitglieder auch bleiben.

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