Kärnten

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Kärnten war vielleicht ein masonischer Spätzünder. Heute ist es jedoch eine Stütze der österreichischen Freimaurerei. Von Rudi Rabe.

Typisches Kärnten: Spätnachmittag am Wörthersee, einem von mehreren größeren Seen, die in die Kärntner Gebirgslandschaft eingebettet sind. Und der ‚Lindwurm’, das Wahrzeichen der Landeshauptstadt Klagenfurt: Sie liegt am Ende des Sees (ganz rechts hinten). Kärnten ist das südlichste österreichische Bundesland mit historisch engen Beziehungen zum italienischen Friaul und zu Slowenien. Von den 550.000 Einwohnern gehört ein Teil zur slowenischen Minderheit. Das ganze zwanzigste Jahrhundert gab es immer wieder ethnische Spannungen: Das hat deutlich abgenommen. Der Alpen-Adria-Raum wächst zusammen.


Stand 2015: Fünf Logen der Großloge von Österreich und zwei Logen des Droit Humain.

Ende des 18. Jahrhunderts: Nur drei Jahre lang gab es in Klagenfurt eine Loge, ab 1783 die ‚Zur wohltätigen Marianna’ (nach der ältesten Tochter Kaiserin Maria Theresias). Schon 1786 musste die Loge als Folge des Freimaurerpatents Josephs II. wieder geschlossen werden. Dann: Während des ganzen 19. Jahrhunderts masonische Funkstille im habsburgischen Österreich und somit auch im Herzogtum Kärnten. Gegen Ende dieser Zeit beteiligte sich eine Gruppe von Kärntnern an der Grenzloge ‚Zur Verbrüderung’ im westungarischen Ödenburg (heute Sopron).

Der Erste Weltkrieg fegte 1918 die Monarchie hinweg, und die neue Republik Österreich garantierte Vereins- und Versammlungsfreiheit. Doch es dauerte noch mehr als ein Jahrzehnt bis 1931 in Kärnten die Loge ‚Paracelsus’ entstand; sie gehörte zur ‚Großloge von Wien’. Schon drei Jahre später musste sie jedoch als Folge des Dollfuß-Putsches und der Umwandlung der Republik in eine konservativ-katholische Diktatur wieder schließen. Das Regime verbot die Freimaurerei zwar nicht, aber es bedrängte sie politisch und gesellschaftlich. Es folgte eine zwölfjährige masonische Pause: zuerst während der schwarzen Diktatur und dann ab 1938, als Österreich ein Teil Hitler-Deutschlands wurde, während der braunen Diktatur bis zu deren Zusammenbruch durch den verlorenen Zweiten Weltkrieg.

1945: Die Kärntner waren die ersten.

Ende April 1945 trennte sich Österreich wieder von Deutschland: Die Zweite Republik wurde ausgerufen. Bei der Neuaufstellung der Freimaurerei war Kärnten neben Wien das zweite Zentrum. Rein zeitlich waren die Kärntner 1945 den Wienern sogar ein paar Tage voraus: Schon am 21. Juni trafen sich sieben Meister der ehemaligen ‚Paracelsus’ in Klagenfurt zu einer ersten ‚Arbeit unter freiem Himmel’. Dies geschah unter Mithilfe von vier englischen Brüdern: Offizieren der britischen Besatzungsmacht, die in Kärnten von 1945 bis zum österreichischen Staatsvertrag 1955 das Sagen hatte.

Die schwierigen frühen Jahre

Wie mühsam aber nicht nur der Aufbau des Landes sondern auch der Freimaurerei war ist in der Broschüre „Die Verschwörung zum Guten – 50 Jahre ‚Zu den drei Säulen im Süden’“ aus dem Jahr 2003 nachzulesen:

„Das Logenleben war so unmittelbar nach dem Kriege nicht sehr intensiv; zu sehr galten die Sorgen der Ernährung, Kleidung, dem Arbeitsplatz. Auch gab es keinen geeigneten Raum für die rituelle Arbeit; so war man dankbar für das Büro eines Bruders, in dem der Tempel allerdings jedes Mal eingerichtet und wieder abgebaut werden musste – falls überhaupt die erforderlichen sieben Meister anwesend waren, was nicht immer der Fall war. Eines Tages entfiel auch diese Möglichkeit, und man führte ein Stammtischleben, bis es Ende 1950 gelang, in Untermiete einen – wenn auch bescheidenen – Tempel mit immerhin maximal 50 Sitzplätzen und einem Vorraum zu installieren. Der Mietzins betrug 500 Schilling monatlich. Geradezu schlagartig gewannen das Logenleben neue Impulse und die Bauhütte erfreulichen Zuwachs.“

Ab den 1950igern ging es steil aufwärts

Kärnten wurde und blieb nun eines der Zentren der neuerstandenen österreichischen Freimaurerei. Die 1945 wiedergegründete ‚Paracelsus’ übersiedelte 1952 mit einem Teil ihrer Brüder nach Villach, die zweitgrößte Kärntner Stadt, und in Klagenfurt entstand zeitgleich die Loge ‚Zu den drei Säulen im Süden’. Dieser Logenname bezieht sich auf Kärnten als Schnittpunkt dreier Kulturen: der österreichischen, der slowenischen und der italienischen.

Ideelles von Kärnten für Slowenien: Diesen freimaurerischen Tapis hat der Kärntner Künstler Karl Brandstätter für die slowenische Loge 'Dialogus' gestaltet.

Schnell wuchs die Mitgliederzahl, und es bildeten sich weitere Logen: 1959 die ‚Enzenberg’ (nach dem Kärntner Humanisten und Freimaurer Franz Josef Graf Enzenberg aus dem späten 18. Jahrhundert); 1975 Wiedergründung der ‚Zur Wohltätigen Marianna’ und 1979 die ‚Pantha Rei’ (nach dem berühmten 'Alles-Fließt-Aphorismus' von Heraklit und Platon; das spezielle Gründungsanliegen dieser Loge war die Beschäftigung mit den Naturwissenschaften).

Alle diese Logen gehören zur ‚Großloge von Österreich’. Sie koordinieren ihre Arbeit in einem Verein der Kärntner (regulären) Logen. Kärnten ist auch der Sitz des ‚Rektifizierten Schottischen Ritus’ (RSR) in Österreich.

Entwicklungshilfe im Süden

Nach der europäischen Wende in den 1990iger Jahren hat die Kärntner Freimaurerei besonders im angrenzenden Slowenien ganz entscheidend beim masonischen Aufbau mitgewirkt. Sie half ideell und materiell, Logen in Slowenien zu gründen.

Die rituellen Arbeiten fanden am Anfang zweisprachig im Klagenfurter Tempel oder in slowenischen Privatwohnungen statt. Nach der dritten Logengründung wurde schließlich am 16. Oktober 1999 in der slowenischen Hauptstadt Ljubljana/Laibach das Licht in die Großloge von Slowenien eingebracht: zum ersten Mal in der Geschichte dieses Landes. Neben den Kärntnern beteiligten sich auch mehrere italienische Brüder aus Triest an diesem Aufbauwerk.

Die Entwicklung ging weiter. 2005 konnten die Kärntner gemeinsam mit den Slowenen der Freimaurerei in Sarajevo, der Hauptstadt von Bosnien und Herzegowina, auf die Welt helfen.


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Siehe auch