2024: Die Freimaurer im neuen Wien Museum

From Freimaurer-Wiki
ÖFlag.jpg
Das architektonisch aufgestockte und völlig neu gestaltete Wien Museum. Foto: Lisa Rastl

Mit seiner einzigartigen Sammlung hochkarätiger Kunstwerke und historischer Exponate bietet das renommierte Wien Museum in seinem 2023 erweiterten Haupthaus am Wiener Karlsplatz Einblicke in die Stadtgeschichte. Die sehenswerte Dauerausstellung “Wien. Meine Geschichte” erzählt als chronologischer Rundgang die Geschichte der Stadt  ̶ von der ersten Besiedelung bis in die Gegenwart. Auf diesem Weg gibt es auch eine kleine Zone, die man als „Freimaurer-Ecke“ bezeichnen könnte. Rudi Rabe hat sie besucht, die folgenden Fotos geschossen und daraus eine kleine Illustrierte gestaltet. Die erklärenden Texte entsprechen jenen, die neben den Exponaten platziert sind.

In der begehbaren „Freimaurer-Ecke“ befinden sich mehrere freimaurerische Exponate, davon zwei, die auch in der internationalen Freimaurerwelt sehr bekannt sind: vor allem das berühmte Wiener Logenbild (um 1785, Maler unbekannt), aber auch der historische vom Museum aufwendig restaurierte Wiener Freimaurerteppich (um 1780, Teppichkünstler unbekannt); beide stammen also aus dem ausgehenden 18. Jahrhundert, als die österreichische Freimaurerei eine goldene Zwischenzeit erlebte. Außerdem werden präsentiert: Abzeichen und Werkzeuge („Regalien“) der Freimaurer; ein Kupferstich mit einer Szene aus der Oper Die Zauberflöte sowie ein Porträt des afrikanisch-wienerischen Freimaurers Angelo Soliman. - Im erklärenden Text heißt es:
➤ „Vereint im Bekenntnis zur Aufklärung: Die Freimaurerei war im Europa des 18. Jahrhunderts eine einflussreiche Bewegung. Gelehrte, Schriftsteller, Pädagogen und Künstler vereinten sich in ihrem gemeinsamen Bekenntnis zur Aufklärung, zu den Wissenschaften und zum Gemeinwohl. Rituale und Symbole der Freimaurerei waren stark von den mittelalterlichen Bauhütten und deren Tradition geheimer Wissensweitergabe beeinflusst. Die Mitglieder nannten sich untereinander „Brüder“, egal ob sie Adelige oder Bürger waren. Frauen waren vom Beitritt ausgeschlossen. - In Wien wurde die erste Vereinigung oder „Loge“ 1742 gegründet. Nach einem vorübergehenden Verbot der Freimaurerei unter Maria Theresia verfolgte ihr Sohn Josef II. einen anderen Weg und erließ 1785 das Freimaurerpatent: Damit wurde die Freimaurerei öffentlich anerkannt, zugleich aber reglementiert und unter staatliche Aufsicht gestellt. (Originaltext Wien Museum)


➤ Ein Blick in eine Freimaurerloge: Das Bild zeigt keine bestimmte Freimaurerloge und auch kein historisch verbürgtes Ritual, sondern hält verschiedene, nicht gleichzeitig stattfindende Vorgänge in einer Loge fest. Im Vordergrund findet sich der Hinweis auf die Neuaufnahme eines „Suchenden“ mit verbundenen Augen. Die meisten Mitglieder sind beim geselligen Zusammensein, also nach der eigentlichen Logenarbeit, dargestellt. Die beiden Figuren rechts von sollen angeblich Wolfgang Amadeus Mozart und den Theaterdirektor und Librettisten der Zauberflöte, Immanuel Schikaneder, darstellen. (Originaltext Wien Museum)


➤ Symbolisches Abbild der Welt: Zu den zahlreichen rituellen Objekten der Freimaurerei gehörten auch speziell gestaltete Teppiche. Sie zeigten meist Gegenstände aus dem Steinmetzhandwerk sowie kosmische und mystische Zeichen. Dieser Tapis wurde beim Abbruch der Stadtbefestigungen in einer eisernen Kiste vergraben aufgefunden. Vermutlich war er nach der Aufhebung der Wiener Logen 1794 versteckt worden. (Originaltext Wien Museum)


➤ Abzeichen und Werkzeuge Wiener Freimaurer: Die Freimaurerei versteht sich als symbolische Baukunst, die an der persönlichen Vervollkommnung und an einer idealen Gesellschaft arbeitet. Sie gliedert sich in die Grade Lehrling, Geselle und Meister. Die Lehrlinge arbeiten mit Maßstab und Hammer am „Rauen Stein“, die Gesellen mit Hammer, Meißel, Lineal und Stemmeisen am „Behauenen Stein“, während dem Meister für die Arbeit am Reißbrett Maßstab, Winkelmaß und Zirkel zugeordnet sind. (Originaltext Wien Museum)


➤ In Licht und Finsternis: Die Zauberflöte gehört zu den beliebtesten Werken der Musikgeschichte. Der Text zur Komposition von Wolfgang Amadeus Mozart stammt von seinem Freimaurerbruder Emanuel Schikaneder. Im Zentrum der Handlung steht die Auseinandersetzung zwischen der Königin der Nacht und Sarastro, dem Herrscher des Sonnenreiches: Während sie die Personifikation von Dunkelheit und die Irrationalität ist, steht er für wohlwollende Erleuchtung. Mozarts Oper bringt somit die zentralen Themen und Ideale der Freimaurerei gerade zu exemplarisch zum Ausdruck. In diesem zeitgenössischen Szenenbild („Es lebe Sarastro“) zieren daher die Worte „Vernunft“, „Weisheit“ und „Natur“ Sarastros Tempel. (Originaltext Wien Museum)


➤ Kindersklave, Kammerdiener, Freimaurer: Angelo Soliman erlebte eine außergewöhnliche Karriere im aufgeklärten Wien. Als Mmadi Make um 1720 in Afrika geboren, wurde er verschleppt und als Kindersklave nach Sizilien verkauft. Unter seinem neuen Namen kam Soliman in den Dienst von Feldmarschall Lobkowitz. Ab 1754 lebte er im Hofstaat der Fürsten Liechtenstein in Wien, zunächst als Kammerdiener, später als Erzieher der Fürstenkinder. Seine umfassende Bildung ermöglichte es ihm, in den aufgeklärten Kreisen der Freimaurerlogen zu verkehren. Keine dieser Verbindungen konnte Soliman allerdings davor bewahren, dass sein Leichnam präpariert und im kaiserlichen Naturalienkabinett als „Attraktion“ ausgestellt wurde. (Originaltext Wien Museum)


Siehe auch

Links

https://www.wienmuseum.at/