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Andrew Michael Ramsay: Die gedruckte Rede 1737

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Andrew Michael Ramsay: Die gedruckte Rede 1737

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Ausarbeitung: Roland Müller


Aus:
C. Lenning: Allgemeines Handbuch der Freimaurerei.
Dritter Band. Leipzig: F. A. Brockhaus 1867, 13-16.

Im Vorgängerband, in
Lennings „Encyclopädie der Freimaurerei“ (3. Band, 1828, 195-200) findet sich bloss eine französische Version der Rede. Sie fehlt 1867.

Weitere deutsche Übersetzungen:
Gustav Adolf Schiffmann: Andreas Michael Ramsay. Eine Studie zur Geschichte der Freimaurerei. Leipzig: Zechel 1878;
Nachdrucke in:
Hochgrade der Freimaurerei. Graz: Akademische Druck- und Verlagsanstalt 1974;
Alec Mellor: Logen, Rituale Hochgrade. Handbuch der Freimaurerei. Graz: Styria 1967; Nachdruck 1985, 245-252;
Allan Oslo: Freimaurer. Humanisten? Häretiker? Hochverräter? Frankfurt am Main: Umschau Verlag 1988; Nachdruck unter dem Titel: Die Freimaurer. Düsseldorf: Albatros 2002, 297-303;
August Horneffer: Freimaurerisches Lesebuch, 1. Band, 1920, 19-22 (bietet unter dem Titel „Die Kreuzfahrer als Vorfahren der Frmr“ nur den zweiten Teil der Rede ab „Jede Familie“, zitiert nach Wilhelm Begemann: Andreas Michael Ramsays Rede über die Freimaurerei, Asträa 1907, 107)
Dieter Möller: Fünf frühe Freimaurerreden 1726-1737. Frankfurt am Main: Bauhütten-Verlag 1966.

Eine weit frühere deutsche Übersetzung aus dem Jahr 1743 findet sich unter dem Titel:
Anrede Des Groß-Meisters der Frey-Maurer in Franckreich, An die Zu Paris versammlete Loge, Im Jahr der Frey-Maurerey 5740;
in: Anhang zum Constitutionen-Buch der Frey-Maurer, 1743, erneut 1762, 127-140;
und in: Der sich selbst vertheidigende Freymäurer. Leipzig 1744, 173-186;
und zwar mit den lateinischen und französischen Zitaten und deren deutscher Übersetzung.

Eine noch frühere, weitgehend unbekannt gebliebene, andere deutsche Übersetzung, bereits in:
Historisches Jahr-Buch vom Jahr Christi 1738, 620-633.


Eine ausführliche Darstellung der zwei verschiedenen Reden findet sich neuerdings in Buchform bei:
Alain Bernheim: Ramsay et ses deux discours. Paris: Télètes 2012.


Zwei frz. Versionen
Die erste bildet die Grundlage von Lennings Übersetzung:
http://reunir.free.fr/fm/txthisto/ramsay1.htm
http://reunir.free.fr/fm/txthisto/ramsay2.htm

frz. und engl.:
http://www.pgracfak.org.uk/documents/ramsaysoration.htm

Eine engl. Version mit ausführlichem Lebensbericht von Martin I. McGregor, 2007:
http://www.freemasons-freemasonry.com/ramsay_biography_oration.html

Der edle Eifer, welchen Sie, meine Herren, zeigen, in den sehr edeln und sehr berühmten Orden der Freimaurer einzutreten, ist ein sicherer Beweis dafür, dass sie bereits alle diejenigen Eigenschaften besitzen, welche nöthig sind um Mitglieder desselben zu werden, das heisst: Menschenliebe, reine Sitten, unverbrüchliche Verschwiegenheit und Geschmack an den schönen Wissenschaften.

Lykurg, Solon, Numa und alle staatsklugen Gesetzgeber haben ihren Staatseinrichtungen keine Dauer verschaffen können; so weise ihre Gesetze waren, so vermochten sie dieselben doch nicht in alle Länder und durch alle Zeiten auszubreiten. Weil sie nichts im Auge hatten als Siege und Eroberungen, Militärgewalt und die Erhebung eines Volkes über ein anderes, so konnten sie nicht allgemein werden, da sie nicht im Einklange standen mit dem Geschmack, dem Geist und den Interessen aller Völker. Sie hatten die Menschenliebe nicht zur Grundlage. Uebel angebrachte Liebe zum Vaterlande, welche fast bis zum Excess ging, zerstörte in den kriegerischen Republiken oft die Liebe und Menschenfreundlichkeit im allgemeinen.

Die Menschen werden in Wirklichkeit nicht unterschieden durch die Verschiedenheit der Sprachen, welche sie sprechen, die Kleidungen, welche sie tragen, die Länder, welche sie bewohnen, noch die Ehrenstellen, welche sie bekleiden. Die ganze Welt ist nichts als eine grosse Republik, von welcher jedes Volk eine Familie und jeder Einzelne ein Kind bildet.
Um diese dem Wesen des Menschen angepassten Grundsätze wieder aufleben zu machen und zu verbreiten wurde unsere Gesellschaft gestiftet. Wir erstreben die Wiedervereinigung aller Menschen von erleuchtetem Geiste, angenehmen Sitten und freundlicher Gemüthsart nicht allein durch die Liebe zu den schönen Künsten, sondern noch mehr durch die erhabenen Grundsätze der Tugend, der Wissenschaft und der Religion, in welchen das Interesse der Brüderschaft mit dem des ganzen menschlichen Geschlechts sich begegnet, woraus alle Nationen gründliche Kenntnisse zu schöpfen vermögen und aus welchen die Unterthanen aller Königreiche lernen können sich gegenseitig zu lieben, ohne auf ihr Vaterland verzichten zu müssen.

Unsere Vorfahren, die Kreuzfahrer, welche sich aus allen christlichen Ländern im heiligen Lande zusammengefunden hatten, wollten in gleicher Weise die sich Fernstehenden aus allen Völkern in eine einzige Brüderschaft vereinigen. Wie sehr ist man diesen ausgezeichneten Männern verpflichtet, welche, ohne dass ein persönliches Interesse sie veranlasste, oder der natürliche Trieb zur Herrschsucht sie leitete, eine Einrichtung ersannen, deren einziger Zweck die Vereinigung der Gemüther und Herzen ist, um aus ihnen im Laufe der Zeit eine durchaus geistige Nation zu bilden, aus welcher, ohne dass den Pflichten Abbruch gethan wird, welche die verschiedenen bestehenden Staaten fordern, ein neues Volk hervorgehen wird, welches aus Mitgliedern verschiedener Völker bestehend, sie alle vereinigen wird durch das Band der Tugend und der Wissenschaft.

Die gesunde Sittlichkeit ist das zweite Erforderniss in unserer Gesellschaft. Die religiösen Orden wurden gestiftet, um die Christenwelt vollkommener zu machen, die militärischen Orden zur Hebung der Liebe zum wahren Ruhm, und der Orden der Freimaurer um Menschen zu bilden, liebenswerthe Menschen, gute Bürger, gute Unterthanen, unerschütterlich in ihren Versprechungen, treue Verehrer des Gottes der Freundschaft, die mehr auf Tugend als auf Belohnungen sehen.
(Die Citate aus lateinischen und französischen Dichtern sind überall ausgelassen.)

Wir beschränken uns indessen nicht blos auf bürgerliche Tugenden. Wir haben unter uns drei Arten von Mitbrüdern: die Novizen oder Lehrlinge, die Gesellen oder Professen, die Meister oder die Vollkommenen. Man erklärt den erster n die sittlichen, den zweiten die heldenmässigen, den dritten die christlichen Tugenden, in einer Weise, dass unser Institut die ganze Philosophie des Gefühls und die ganze Theologie des Herzens in sich fasst.

Da eine schwermüthige, menschenscheue Philosophie den Menschen die Tugend zuwider macht, so suchten sie unsere Vorfahren, die Kreuzfahrer, annehmlicher zu machen durch den Reiz unschuldiger Vergnügen, angenehmer Musik, reiner Freude und vernünftiger Fröhlichkeit. Unsere Feste sind nicht das, was die profane Welt und die unwissende Menge sich einbildet. Alle Laster des Herzens und Geistes sind davon verbannt und man hat die Irreligiosität und Freigeistigkeit sowol wie die Ungläubigkeit und Schwelgerei davon ausgeschlossen.

Daher sind die Pflichten, welche der Orden auferlegt: euere Mitbrüder zu unterstützen durch euer Ansehen, sie zu erleuchten durch euere Kenntnisse, zu erbauen durch euere Tugenden, zu unterstützen in ihren Bedürfnissen, jeden persönlichen Widerwillen aufzugeben und alles hervorzusuchen was zum Frieden und zur Eintracht der Gesellschaft beitragen kann.

Wir haben Geheimnisse: es sind dies figürliche Zeichen und geheiligte Wörter, welche bald eine stumme, bald eine sehr beredte Sprache bilden, um sich selbst in der weitesten Entfernung verständlich zu machen und um Mitbrüder zu erkennen, welche Sprache sie auch sprechen mögen. Es sind dieses die Losungsworte, welche die Kreuzfahrer sich untereinander gaben, um sich gegen die Ueberfälle der Sarazenen zu schützen, welche sich oft unter sie einschlichen, um sie zu ermorden. Diese Zeichen und diese Worte dienen zur Erinnerung entweder an irgend einen Theil unserer Wissenschaft, oder eine gute Sitte, oder ein Glaubensgeheimniss.
Bei uns ist eingetreten was noch bei keiner andern Gesellschaft eingetreten ist: Unsere Logen sind errichtet worden und haben sich ausgebreitet bei allen gesitteten Völkern, und trotz der so zahlreichen Menge von Menschen hat doch noch kein Mitbruder unsere Geheimnisse verrathen. Selbst die Leichtfertigsten, Unbedachtsamsten und am wenigsten zum Schweigen Geneigtesten lernen diese grosse Wissenschaft mit dem Eintritt in unsere Gesellschaft. So gewaltig wirkt die Idee der brüderlichen Eintracht auf die Geister.
Dieses unverletzbare Geheimniss trägt mächtig dazu bei alle Völker zu vereinigen und die Ertheilung von Wohlthaten unter uns leicht und gegenseitig zu machen. Die Geschichte unseres Ordens zählt darüber viele Beispiele auf. Unsere Brüder brauchten sich bei Reisen in die verschiedenen Länder nur bei den Logen zu erkennen zu geben, um sogleich auf jede Art von Unterstützung rechnen zu dürfen, selbst in den Zeiten der blutigsten Kriege, und die vornehmsten Gefangenen fanden dort Brüder, wo sie nichts als Feinde zu finden glaubten.

Wenn Irgendeiner der feierlichen Versprechungen, welche uns verknüpfen, nicht eingedenk sein sollte, so wissen Sie, meine Herren, dass die Strafe, welche wir ihm auflegen, in den Bissen seines Gewissens, der Schande seiner Untreue und dem Ausschluss aus unserer Gesellschaft besteht.

Ja, meine Herren, die berühmten Feste der Ceres zu Eleusis, der Isis in Aegypten, der Minerva zu Athen, der Urania bei den Phöniciern und der Diana in Scythien hatten Aehnlichkeit mit den unserigen. Man feierte dort Mysterien, in welchen sich manche Spuren der alten Religion Noah's und der Patriarchen fanden. Sie endigten mit Mahlzeiten und Trankopfern und man wusste weder etwas von Unmässigkeit noch Ausschweifungen, in welche die Heiden nach und nach verfielen. Die Quelle dieser Verirrungen lag in der Zulassung von Personen beiderlei Geschlechts zu den nächtlichen Versammlungen, entgegen der ursprünglichen Einrichtung. Um solchen Misbräuchen zuvorzukommen ist das weibliche Geschlecht von unserm Orden ausgeschlossen worden. Wir sind nicht so ungerecht dasselbe für unfähig zu halten, das Geheimniss zu bewahren; aber seine Gegenwart könnte unvermerkt auf die Reinheit unserer Grundsätze und Sitten einwirken.

Die vierte Eigenschaft, welche in unserm Orden nothwendig ist, ist der Geschmack an den nützlichen Wissenschaften und den freien Künsten. Daher fordert der Orden von jedem von Ihnen, das grosse Werk zu unterstützen durch Begünstigung, Freigebigkeit oder eigene Arbeit, welches keine Akademie durchzuführen im Stande ist, weil alle solche Gesellschaften nur aus einer sehr kleinen Zahl von Menschen bestehen, deren Bemühungen ein so ausgedehntes Werk nicht zu bewältigen im Stande sind.

Alle Grossmeister in Deutschland, in England, in Italien und anderwärts ermahnen alle Gelehrten und alle Künstler der Brüderschaft, sich zu vereinigen, um die Materialien zusammenzutragen zu einem allgemeinen Wörterbuch der freien Künste und nützlichen Wissenschaften, von welchen allein die Theologie und die Politik ausgeschlossen ist. Man hat dies Unternehmen in London bereits begonnen und durch die Vereinigung unserer Mitbrüder könnte man es in wenigen Jahren vollenden. Man erklärt darin nicht allein die technischen Ausdrücke und deren Herleitung, sondern man gibt auch die Geschichte jeder Wissenschaft und Kunst, ihre Grundlehren und die Art ihrer Ausführung. In diesem einzigen Werke wird somit das Wissen aller Nationen sich vereinen und es wird eine allgemeine Bibliothek darstellen von allem Guten, Grossen, Hervorleuchtenden, Soliden und Nützlichen in allen Wissenschaften und in allen edeln Künsten. Dieses Werk wird sich in jedem Jahrhundert vermehren in dem Masse als sich das Wissen vermehrt und überall nicht allein Nacheiferung erwecken, sondern auch den Geschmack an schönen und nützlichen Dingen ausbreiten.


[Seconde Partie: Origine et Historie de L’Ordre]

Der Name ‚Freimaurer' darf nicht im buchstäblichen, allgemeinen und materiellen Sinne genommen werden, als ob die Stifter der Freimaurerei nur einfache Steinarbeiter gewesen seien, oder sonst lernbegierige Köpfe, welche die Künste vervollkommnen wollten. Es waren nicht blos geschickte Architekten, welche ihr Talent und ihre Güter darbringen wollten zur Errichtung äusserlicher Tempel; sondern auch religiöse und kriegerische Fürsten, welche erleuchten, aufrichten und schützen wollten die lebenden Tempel des Allerhöchsten, wie ich darthun werde bei der Darlegung der Geschichte oder besser der Erneuerung des Ordens.

In jeder Familie, jedem Freistaat, jedem Reich, deren oder dessen Ursprung sich im grauen Alterthume verliert, findet sich Fabelhaftes und Wahres, Märchenhaftes und Geschichtliches.
Einige führen den Ursprung unserer Institution bis zur Zeit Salomo's zurück, andere bis auf Moses, andere bis Abraham, Einige selbst bis zu Noah und selbst bis zu Enoch, welcher die erste Stadt erbaute, und selbst bis zu Adam. Ohne diese Herleitungen verneinen zu wollen, gehe ich zu weniger alten Dingen über. Hier gebe ich darum einen Theil dessen wieder, was ich in den alten Jahrbüchern Grossbritanniens, in den Acten des britischen Parlaments, welche oft von unsern Privilegien sprechen, sowie in der mündlichen Ueberlieferung der englischen Nation gefunden habe, welche seit dem eilften Jahrhundert den Mittelpunkt unserer Brüderschaft gebildet hat.

Zur Zeit der Kreuzzüge nach Palästina vereinigten sich viele verschiedene Fürsten, vornehme Herren und Bürger und legten das Gelübde ab, die Kirchen der Christen im heiligen Lande wieder aufzurichten und sich dafür zu bemühen, dass ihre Bauart wieder auf ihre früheste Einrichtung zurückgeführt werde. Sie kamen überein im Gebrauche verschiedener alter Zeichen und symbolischer Worte, welche dem Innern der Religion entnommen waren, um sich. daran zu erkennen unter den Ungläubigen und Sarazenen. Sie theilten diese Zeichen und Worte niemand mit als denjenigen, welche feierlich versprachen, oft selbst am Fusse des Altars, dass sie solche niemals offenbaren würden. Dieses heilige Versprechen war daher kein verruchter Eidschwur, wie man vorgibt, sondern ein achtungswerthes Band, um die Christen aller Nationen in derselben Brüderschaft zu vereinen.
Einige Zeit nachher verband sich unser Orden auf das Innigste mit den St.-Johannisrittern von Jerusalem. Von da an führten alle unsere Logen den Namen St.-Johannislogen. Diese Vereinigung geschah dem Beispiel der Israeliten gemäss, als sie den zweiten Tempel aufrichten wollten. Während diese mit der einen Hand Kelle und Mörtel handhabten, hielten sie in der andern Schwert und Schild.

Man darf folglich unsern Orden nicht als eine Erneuerung der Bacchanalien ansehen, sondern als einen seit den ältesten Zeiten gegründeten moralischen Orden, der von unsern Vorfahren im heiligen Lande erneuert wurde, um sich der erhabensten Wahrheiten inmitten der unschuldigen Ergötzungen der Gesellschaft zu erinnern. Könige, Fürsten und Herren errichteten nach ihrer Rückkehr aus Palästina in ihren Staaten verschiedene Logen. Zur Zeit der letzten Kreuzzüge sah man bereits verschiedene Logen in Deutschland, Italien, Spanien, Frankreich und von da aus in Schottland, weil letzteres Land mit Frankreich eng verbunden war. Jakob, Lord Steward von Schottland, war Grossmeister einer Loge, die zu Kilwinnen im westlichen Schottland im J. 1286 errichtet worden war, kurz nach dem Tode Königs Alexander III. von Schottland und ein Jahr vor dem Regierungsantritte Jean Baliol's. Dieser Herr nahm die Grafen von Gloster und Ulster, von denen der eine ein Engländer, der andere ein Irländer war, als Freimaurer in seine Loge auf.

Nach und nach geriethen unsere Logen und unsere Feierlichkeiten in den meisten Orten in Vergessenheit. Daher kommt es, dass von so vielen Geschichtschreibern die von Grossbritannien die einzigen sind, welche von unserm Orden sprechen. Nichtsdestoweniger erhielt er sich bei denjenigen Schotten in seinem Glanze, welchen unsere Könige (von Frankreich) während mehrerer Jahrhunderte die Bewachung ihrer geheiligten Personen anvertrauten.
(Möglich, dass unter dieser königlichen Leibwache sich schottische Werkmaurer befanden, denen Zeichen und Worte bekannt waren.)

Nach den bedauernswerthen Unfällen der Kreuzzüge, dem Untergange der christlichen Heere und dem Siege des Bendocdar, Sultans von Aegypten, während des achten und letzten Kreuzzuges, sah der grosse Prinz Eduard, Sohn König Heinrichis lII. von England, dass im heiligen Land für seine Mitbrüder keine Sicherheit mehr sei, aus welchem die christlichen Truppen sich zurückzogen; daher führte er sie alle zurück und diese Colonie von Brüdern liess sich in England nieder. Gleichwie dieser Prinz alles besass was einen Helden ausmacht, so liebte er auch die schönen Künste, erklärte sich als Beschützer unseres Ordens, bewilligte ihm neue Vorrechte, und damals nahmen die Mitglieder dieser Brüderschaft den Namen ‚Freimaurer' an, nach dem Beispiele ihrer Vorfahren.

Seit dieser Zeit war Grossbritannien der Sitz unseres Ordens, die Erhalterin unserer Gesetze und die Bewahrerin unserer Geheimnisse. Die bedauerlichen Religionsstreitigkeiten, welche Europa im sechszehnten Jahrhunderte beunruhigten und zerrütteten, verursachten auch den Verfall des Ordens, der so edlen Ursprungs war. Man veränderte, verbarg und unterdrückte verschiedene unserer Ceremonien und Gebräuche, welche mit den Vorurtheilen der Zeit nicht in Einklang standen. Daher kam es, dass manche unserer Mitbrüder den alten Juden gleich den Geist unserer Gesetze vergassen und nichts davon behielten als den Buchstaben und die äussere Schale. Man hat begonnen diesem abzuhelfen. Es handelt sich um nichts als dass man damit fortfahre und endlich auf die erste Einrichtung zurückkomme. Dieses Unternehmen kann nicht sehr schwer sein in einem Staate, wo die Religion und die Regierung nicht anders als unsern Gesetzen geneigt sein können.

Die königliche Kunst beginnt aus den britischen Inseln wieder nach Frankreich zurückzukehren, das unter der Regierung des liebenswürdigsten der Könige steht, dessen Menschenfreundlichkeit alle Tugenden ermuntert, und unter dem Ministerium eines Mentors (R. versteht darunter den Kardinal Fleury, der damals allmächtig als Minister war.), welcher alles das verwirklicht hat, was man als fabelhaft betrachtete.

In dieser glücklichen Zeit, wo die Friedensliebe die Tugend der Helden geworden, wird diese Nation, eine der geistreichsten Europas, der Mittelpunkt des Ordens werden. Sie wird über unsere Arbeiten, unsere Satzungen und unsere Sitten Anmuth, Feinheit und guten Geschmack ergiessen, die wesentlichsten Eigenschaften eines Ordens, dessen Grund auf Weisheit, Stärke und Geistesschönheit ruht. In Zukunft werden die Franzosen in unsern Logen, gleichwie in den öffentlichen Schulen, ohne zu reisen die Eigenthümlichkeiten aller Nationen kennen lernen und die Ausländer werden durch die Erfahrung belehrt werden, dass Frankreich das Vaterland aller Völker ist, Patria gentis humanae.


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