Johann Adolf Scheibe: Neue Freymäurer-Lieder

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Johann Adolf Scheibe: Neue Freymäurer-Lieder

Bearbeitung: Roland Müller

15 beliebte Lieder aus dem Jahre 1749

Aus:
Neue Freymäurer-Lieder, mit bequemen Melodieen.
Verfertiget und herausgegeben von einem Mitgliede der Loge Zorobabel. Kopenhagen, bei Franz Christian Mumme, 1749.

Das Vorwort ist datiert mit:
Kopenhagen am St. Johannistage 5748
Dero aufrichtig ergebenster Bruder ****

Entgegen der Behauptung im „Allgemeinen Handbuch der Freimaurerei“ (1900, 618) ist der „Inhalt der Sammlung“ keineswegs aufgeteilt. Jedes Lied trägt bloss einen Titel. In späteren Liederbüchern tragen viele Lieder keine Titel.

Zur Eröffnung der Loge

Einer.

Hier ist der Tugend Ehrentempel,
Unreine, fort, entfernet euch!
Die Wohnung reiner Lust und Wonne
Erhellt der Tugend Licht und Sonne:
Was ist ihr wohl an Schönheit gleich?

Chor.

Hier ist der Tugend Ehrentempel,
Unreine, fort, entfernet euch!

Einer.

Ihr, die ihr Recht und Wahrheit ehret,
Kommt, man erwarten euch mit Lust!
Kommt, ihr sollt euch noch mehr erhöhen,
Die Wahrheit sollt ihr würklich sehen:
Ihr Bild strahlt auf der Maurer Brust.

Chor.

Ihr, die ihr Recht und Wahrheit ehret,
Kommt, wir erwarten euch mit Lust!

Einer.

Wer Freundschaft sucht und wünscht und hoffet,
Dem reicht man willig Herz und Hand.
Hier, hier verehrt man ihre Triebe:
Denn Freundschaft, Eintracht, Treue, Liebe
Verknüpft allhier ein festes Band.

Chor.

Wer Freundschaft sucht und wünscht und hoffet,
Dem reicht man willig Herz und Hand.

Einer.

Nicht Rang, noch Gold, noch eitles Wissen
Erheben unsrer Logen Pracht.
Entfernet euch, ihr stolzen Gaben!
Da könnt ihr keinen Zutritt haben,
Wo nur die Tugend glücklich macht.

Chor.

Nicht Rang, noch Gold, noch eitles Wissen
Erheben unsrer Logen Pracht.

Auf die feyerliche Johannisloge.

Der Tag, der unsre Lust vermehret,
Erscheinet, Brüder! o wie schön!
Gepriesen sey, wer ihn verehret,
Und glücklich, die ihn froh begehn!
O Ursprung unerschöpfter Freuden!
Erhabner Orden! Unser Ruhm!
Wer weiß durch dich von Furcht und Leiden?
Du froher Weisheit Eigenthum!
Wer hat dich ehmals uns gegeben?
Wer war der Glücklichste der Welt?
Fragt jenen Meister, der das Leben,
Und alle Welten hergestellt.
O alter Orden! dein Entspringen
Verliert sich in der ältsten Zeit.
Uns aber, die wir dich besingen,
Entzücket deine Trefflichkeit.
Vertrauen, Zärtlichkeit und Freude
Erfüllen jedes Maurers Brust.
In eines jeden Feyerkleide
Wohnt wahre Freundschaft, wache Lust.
O Ketten! die wir küssend ehren,
Und deren Glieder Wollust sind!
Die uns die Tugend lieblich lehren.
Die Tugend? ja, das Himmelskind.

Auf den König.

Die Güter des Ordens sind Freundschaft und Freude.
O Brüder! wer schützet, wer schenket uns beyde?
Der König, der beste, der gütigste Freund.
So sind wir dann glücklich, uns störet kein Schrecken.
Wer wird uns mit Flügeln des Schutzes bedecken?
Der König. der beste, der gütigste Freund.
Es blühet die Eintracht, die Stütze der Länder.
Wer knüpfet. wer schützet die ewigen Bänder?
Der König, der beste, der gütigste Freund.
Die Pflichten des Ordens erfüllen die Brüder.
Wer aber erfrischet, wer stärket die Glieder?
Der König, der beste, der gütigste Freund.
O König! o lebe! wir wünschen dir Glücke!
O lege unzählbare Jahre zurücke,
Zum Wachsthum des Segens. des Friedens, der Ruh!
Ergreifet die Becher mit freudigem Singen!
Auf! laßt uns die Stunden ergetzend verbringen!
Es lebe der König! Trinkt! Jauchzet dazu!

Vier zusätzliche Strophen in:
Gesammelte Freymäurer-Lieder der Loge St. Knuth zum goldenen Lindwurm. In verschiedenen Sprachen. Gedruckt zum Vortheil der Armen. Odense, auf Kosten der Loge, 1778, 4-5

O laßt auch, ihr Brüder! die Gläser froh klingen,
Laßt uns Ihr mit feurigem Herze lobsingen,
Der Mutter des Königs, der Mutter des Staats.
Es soll noch dem Enkel der spätesten Zeiten
Ihr Nachruhm zum Wohlthun, zur Tugend hinleiten.
Sie lebe! Die Mutter des Königs, des Staats.

O Brüder! erinnert mit regem Entzücken
Den Prinzen des Throns, den die Grazien schmücken,
Den Liebling der Reiche, des Vaterlands Lust.
Einst wünschen noch späteste Enkel Dir Segen.
Wir, Königs Sohn! jauchzen Dir freudig entgegen.
Heil über Dir, Liebling! des Vaterlands Lust.

Nie soll uns, o Bruder! Die Falschheit zertrennen,
Nie wollen wir Weisheit, nie Tugend, verkennen.
Drum preiset den Prinzen, der beyde verehrt.
Zum Nutzen der Muse, zum Vortheil des Landes,
Zur Stütze des Staats, des vestesten Bandes.
Leb Friedrich der Weise! Der Tugend verehrt.

Erhabene Töchter! Im Purpur-Gewande!
Verbundne! Dem Throne durch zärtliche Bande!
Lebt, blühet, und wachset mit Ehre gekrönt,
Dem Reiche zum Ruhme, den Ländern zum Segen,
Euch rufen wir Mäurer frohlockend entgegen:
Lebt, blühet und wachset, mit Segen gekrönt!

Lied des Meisters der Loge.

Der Meister.

Kunst! Die uns mit Lust begeistert!
Kunst! Die nur die Einfalt meister!
Edle Kunst! Dich singen wir.
Schicksal! Eine deiner Gaben,
Ja, die größte, die wir haben,
Schicksal, die entspringt von dir:
Denn die Weisheit, Schönheit, Stärke,
Sind die Stützen unsrer Werke.

Chor.

Ja, die Weisheit, Schönheit, Stärke
Sind die Stützen unsrer Werke,
Das, o Schicksal! Dankt man dir.

Der Meister.

Brüder! Eurer Weisheit Proben
Muß ich mit Vergnügen loben:
Euer Werk ist überlegt.
Fahrt so fort in eurem Fleiße,
Unsrer edlen Kunst zum Preise:
Daß ihr alles wohl erwägt:
Denn die Weisheit, Schönheit, Stärke
Sind die Stützen unsrer Werke.

Chor.

Ja, die Weisheit, Schönheit, Stärke,
Sind die Stützen unsrer Werke.
Die man recht un wohl erwägt.

Der Meister.

Aber Brüder! soll ich rathen,
Sey die Zierde eurer Thaten,
Eurer Arbeit Eigenthum.
Abgemessen, schön, gesellig
Macht euch zärtlich und gefällig:
So vermehrt ihr unsern Ruhm.
Denn die Weisheit, Schönheit, Stärke
Sind die Stützen unsrer Werke.

Chor.

Ja, die Weisheit, Schönheit, Stärke,
Sind die Stützen unsrer Werke,
Sind des Ordens Glanz und Ruhm.

Der Meister.

Herzhaft sey auch eur Bemühen,
Daß für euch die Laster fliehen.
Standhaft sey stets eure Brust.
Und vollführt, was ihr beschlossen,
Gründlich, stark und unverdrossen,
Fleissig, sicher und mit Lust.
Denn die Weisheit, Schönheit; Stärke
Sind die Stützen unsrer Werke.

Chor.

Ja, die Weisheit, Schönheit, Stärke
Sind die Stützen unsrer Werke.
Wir vollführen sie mit Lust.

Lied der Vorsteher.

Die Vorsteher.

Ihr Brüder! zur Arbeit! seyd wachsam und munter
Dem Orden zum Ruhme, dem Meister zur Lust!
Erwäget des Ordens erhabene Pflichten!
Auf! laßt uns die trefflichsten Werke verrichten!
Euch sind ja die Regeln der Baukunst bewußt.

Chor.

Es macht uns die Arbeit stets wachsam und munter
Dem Orden zum Ruhme, dem Meister zur Lust.

Die Vorsteher.

Hier sind schon die Risse, der Kalk und die Steine:
Bedachtsam und klüglich erhebt sich der Bau.
Nicht Schätze, nicht Purpur erhöhen die Werke.
Ein höheres Wesen giebt Schönheit und Stärke,
Regieret und schmücket den kostbaren Bau.

Chor.

Wir nehmen die Risse, den Kalk und die Steine.
Bedachtsam und klüglich erhebt sich der Bau.

Die Vorsteher.

O glückliche Brüder! ihr ehret den Orden,
Euch ehret die Arbeit, euch rühmet der Fleiß.
Ehrwürdiger Meister! die Brüder sind fertig,
Sie sind nun des Lohnes der Arbeit gewärtig.
Ja, Brüder! euch krönet der würdigste Preis.

Chor.

O glückliche Brüder! Es blühe der Orden!
Es blühe die Tugend, die Eintracht, der Fleiß!

Das Alter der Freymäurerey.

Was wars, das in den alten Zeiten
Der Griechen kleines Land gestärkt?
Daß man so viele Trefflichkeiten
In ihrer Thaten Reih bemerkt?
Was wars, daß so viel Republiken,
Zur Xerxes Zeit, so fest verband?
O, Eintracht! dich wird man erblicken:
Du schützest, stärkst, erhältst ihr Land.
O dreimal edler Maurerorden!
Du warst es, der sie ihnen gab.
Daß sie durch dich beglücket worden,
Nimmt man aus den Geschichten ab.
Wie? daß schon damals Maurer waren?
O! sie sind älter, als man denkt.
Wer dies nicht glaubt, der wirds erfahren,
So bald man ihm das Schurzfell schenkt.
Wer wars, durch den auf den Gewässern
Die ganze Welt im Kasten schwamm?
Wer kann ein Meisterstück verbessern,
Das von dem Bruder Noah kam?
Und Salomon! erhabner Meister!
Des besten Ordens bester Ruhm!
Dir bleibt, du Muster großer Geister!
Die Ewigkeit zum Eigenthum.
Das Alterthum ist voll Exempel
Von Brüdern ächter Maurerey;
Und unsre Logen sind die Tempel
Des Ruhms, der Eintracht und der Treu.
Schon da die griechsche Freyheit schwankte,
Fand sich noch dann und wann ein Held,
Den man des Ordens Ruhm verdankte:
Dafür rühmt ihn noch itzt die Welt.
Was wirkt, eins Xenophons Bemühn?
Der weise Führer iener Schaar,
Die auch im Rückzug, fast im Fliehen,
Ein Schrecken vieler Völker war.
Doch was erschöpf ich die Geschichte?
Des Ordens Alter steht ja fest.
Er blüht, so lang, bis das Gerüchte
Geschwätz und Lügen unterläßt.

Der Stand des Weisen.

Nicht Macht, nicht Ansehn, Stand und Güter
Erhöhn die Tugend der Gemüther:
Vor ihr ist Gold und Adel klein.
Sie selbst ist sich ihr Stand, ihr Glücke;
Sie selbst bestimmt sich das Geschicke;
Nur sie wird groß und edel seyn.
Der äußre Glanz, wornach die streben,
Die Glück und Gold und Stand erheben,
Ist oft der Weisheit hinderlich.
Was hilfts, wenn dich nur die verehren,
Die Wahn und Eigennutz bethören?
Dein eigner Schatten blendet dich.
Ein Weiser strebt nach andern Dingen;
Ihm muß ein höher Werk gelingen;
Ihn fesselt nie ein eitler Tand.
Ihn wird kein blendend Glücke krönen,
Nie wird er sich nach Gütern sehnen,
Und Sklaven schänden seinen Stand.
Sein Adel bläht nicht das Geblüte,
Die Tugend adelt das Gemüthe,
Nur Sie [!] bestimmt ihm Glück und Zeit.
Mit seinem Stand ist er zufrieden.
Was ihm des Schicksals Schluß beschieden,
Genießt er in Gelassenheit.
Erhabner Orden! reich an Glücke,
An Segen mild, froh an Geschicke,
Dich schmückt der Tugend reines Gold.
Durch dich lernt man sich selbst erkennen,
Geprüfte Freunde Brüder nennen.
Dir bleibt der Stand der Weisen hold.

An das Frauenzimmer.

Euch, ihr Schönen! zu verehren,
siehe: Johann Adolf Scheibe: Zwei Lieder „An das Frauenzimmer“, 1749
Version I

Der Wein.


Bruder Noah! Weinerfinder!
siehe: Das Lied von Noah
Version IV, 1949

Der Genuß des Lebens.

Ja, Brüder! ja, genießt der Tage,
Die euch das milde Schicksal schenkt.
Ein Weiser weiß von keiner Plage,
Die Schwache drückt, und Thoren kränkt.
Die Freude stärket unser Leben:
Kann wohl ein Weiser mürrisch seyn?
Das Gut, wornach wir alle streben,
Kehrt in zufriedne Herzen ein.
Der wird das Leben niemals schmecken,
Den dummes Zagen niederdrückt,
Den künftge Zeiten ängstlich schrecken,
Dem Heucheley den Nacken bückt.
Glück, Ruhe, Lust, vergnügte Zeiten
Bringt uns die holde Weisheit mit;
Und zum Genuß der Ewigkeiten
Führt uns der Weisen freyer Schritt.
Genießt des Lebens, edle Brüder!
In weiser Lust, in froher Ruh.
Und raubt der Tod die welken Glieder,
Schließt ihr die Augen sorglos zu.
Durch euch wird man den Orden ehren,
Streicht eure Zeit so schön vorbey.
Die Welt könnt ihr dadurch belehren:
Daß unser Bau vollkommen sey.

Eine völlig veränderte Version in:
Theodor Gottlieb von Hippel, Hrsg. Lieder für Frey-Mäurer. Philadelphia im Jahr, 3881. Königsberg, bey Johann Jakob Kanter, 1772, 83-84 (nicht mehr in der 2. Aufl. 1775)

Auf, auf genießt der Tage,
Die euch der milde Himmel schenkt!
Der Weise weis von keiner Plage,
Die schwache Thoren muthlos kränkt.

Die Freude stärkt der Menschen Leben,
Und Weisheit lehret fröhlich seyn;
Laßt Thoren nach dem Schatten streben,
Uns nehmen wahre Freuden ein.

Die Freundschaft ist der Wehrt des Lebens,
Ein Glück, das nur der Weise faßt:
Des Scepters Ehre glänzt vergebens,
Und Purpur ohne Dich ist Last.

Dem Bande Heil! das uns verbunden,
Das keiner Wünsche Thorheit kennt,
Wo man in froh durchlebten Stunden
Voll Heiterkeit den Himmel nennt.

Hier kann uns Geld und Rang nicht reizen,
Warum sich der Profan entzweit:
Und wenn wir je nach Gütern geizen;
So ist es Lohn der Ewigkeit.


Eine weiter veränderte Version in:
Gesangbuch für Freymäurer. Königsberg 1787, 13,
unter dem Titel: Der Lebensgenuß

Auf, Brüder, auf genüßt der Tage
So, wie sie euch das Schicksal schenkt;
Mißbraucht sie nie zu ewger Klage
Die muthlos nur das Herz verengt.

Die kluge Freude stärkt das Leben
Und flöst ihm neue Schwungkraft ein,
Nie kann das Gut, nach dem wir streben,
Des Mismuths Theil und Erbe seyn.

Der wird des Lebenslust nie schmecken
Der sich klug in die Zeit nicht schickt,
Und nicht durch finsterer Tage Schrecken
Nach künftgen hellen Tagen blickt.

Genüßt des Lebens kurze Zeiten
In weiser, froher Thätigkeit
Und lernt durch Fleiß euch froh bereiten
Auf thätigfro‘re Ewigkeit.

An das Frauenzimmer.

Einer. Durch der Freundschaft, durch der Liebe
siehe: Johann Adolf Scheibe: Zwei Lieder „An das Frauenzimmer“, 1749
Das zweite Lied

Die Freundschaft.

O Freundschaft! Ausfluß wahrer Güter,
Die mancher wünscht, doch selten kennt.
Untrennbar Bündniß der Gemüther.
Die Flammen edler Glut entbrennt!
O Göttinn! die die Heuchler fliehen,
Von Falschheit fern, an Wahrheit reich,
Um die nur Weise sich bemühen!
Was ist wohl deinem Segen gleich?
O Freundschaft! göttlichste der Gaben,
Die uns Natur und Tugend schenkt!
Oft glauben Fürsten dich zu haben,
Wenn sie ein Heer der Schmeichler lenkt.
Was sind doch Hoheit, Macht und Länder,
Die Diener schnöder Art umgiebt?
Der Heuchler Schwarm schimpft Rang und Bänder,
Entehrt den Fürsten, der ihn liebt.
O Freundschaft! groß an milder Güte!
O wärst du aller Menschen Lust!
Doch dich miskennt oft das Geblüte,
Verwandten bist du unbewußt.
Und die uns zärtlich Freunde nennen,
Macht Wohlstand, Ruhm und Glück getreu.
Die kleinste Noth giebt zu erkennen:
Es war ihr Schwur nur Heucheley.
O Freundschaft! wo soll man dich finden?
Wo trifft man deine Tugend an?
Da niemand Geist und Herz ergründen,
Und andern sich vertrauen kann.
O Weisheit! lehr uns doch die Proben,
Die Freunde rechter Art bewährt.
Kein Ruhm ist groß, kein Glück zu loben,
Wenn uns kein wahrer Freund verehrt.
Wie? welch ein Licht strahlt hier im Zimmer?
Sie ists — die Freundschaft zeiget sich.
Wie heiter ist ihr Glanz, ihr Schimmer!
Wie rein, wie unveränderlich!
Ihr Aug ist stark, voll edler Klarheit,
Und männlich ist ihr freyer Schritt.
Auf ihrem Herzen strahlt die Wahrheit,
Und wahre Freude bringt sie mit.

Trinklied.

Vertont von Karl Heinrich Ludwig Poelitz


Einer.

Unbesorgt, voll edler Freuden,

Chor.

Trinken wir.

Einer.

Hier, wo Lust und Ruh uns weiden,

Chor.

Trinken wir.
Ergreifet die Becher! und rufet dabey:
Es lebe die Freundschaft, die Schönheit, die Treu!

Einer.

In der Freundschaft uns zu üben,

Chor.

Trinken wir.

Einer.

Schöne Kinder recht zu lieben,

Chor.

Trinken wir.
Ergreifet die Becher! und rufet dabey:
Es lebe die Freundschaft, die Schönheit, die Treu!

Einer.

Wahre Treue zu beweisen,

Chor.

Trinken wir.

Einer.

Und des Ordens Ruhm zu preisen,

Chor.

Trinken wir.
Wir trinken mit Freuden, und rufen dabey:
Es lebe die Freundschaft, die Schönheit, die Treu!


Eine veränderte Version in:
Maurerische Gesänge für die Loge Archimedes zu den Drei Reißbretern in Altenburg. Erster Band, 1804, 227-228
Gesänge für die Loge Ernst zum Compaß in Gotha. Fortsetzung 1817, 135-137,
mit der Angabe: B. Moerlin.
Gesangbuch für die Loge Ernst zum Compaß in Gotha. 1860, 142-143,
mit der Angabe:. Ambrosch. -- Dippold.


Einer.
Unbesorgt, voll edler Freude,

Chor.
Trinken wir;

Einer.
Hier in unserm Arbeitskleide

Chor.
Trinken wir.

Einer.
Ergreifet die Becher, und singet dabey:
Es lebe die Weisheit, die Schönheit, die Treu‘.

Chor.
Ergreifet etc.

Einer.
In der Freundschaft uns zu üben,

Chor.
Trinken wir.

Einer.
Unsre Schwestern recht zu lieben,

Chor.
Trinken wir.

Einer.
Ergreifet die Becher! und etc.

Chor.
Ergreifet etc.

Einer.
Wahre Treue zu beweisen,

Chor.
Trinken wir;

Einer.
Und des Ordens Glück zu preisen,

Chor.
Trinken wir.

Einer.
Wir trinken mit Freuden, und singen dabey:
Es lebe die Weisheit, die Schönheit, die Treu‘.

Chor.
Wir trinken etc.

Unschuld und Freude.


mit leichten Abwandlungen auch in:
Freymaeurer-Lieder mit neuen Melodien. 1772, 58-59;
Vollständiges Liederbuch der Freymäurer, 1776, 144-145;
Allgemeines Gesangbuch für Freymäurer, 1784, 34..
Vollständiges Gesangbuch für Freimaurer, 1801, 65-66; auch 1819, 65-66 (eine veränderte Version, 103-104, siehe unten).

mit Übernahme der 1. Strophe und einer neuen zweiten Strophe in:
Johann Wilhelm Bernhard von Hymmen: Freymäurerlieder mit Melodien. Berlin 1771, 32-33,
unter dem Titel: Die Freude

Reihengesang.

Einer.

Die Freude folgt der Tugend,
Die [1771: Und] Unschuld leitet sie;
Sie ist sich immer Jugend,
Das Alter fühlt sie nie.
[1771: Sie fühlt das Alter nie.]
Der finstre Heuchler stöhnet,
Zum Schmerz ist er gewöhnet.
Wenn er die Freude sieht,
So zittert er und flieht.

Chor.

Die Unschuld güldner Zeiten
Muß frohe Lust begleiten.
Sie schmückt der Tugend muntre Pracht.
Trinkt, Brüder! trinkt, verbannt die Sorgen!
Das Leben sey euch Licht und Morgen,
Ein Tag, den Unschuld fröhlich macht.

Einer.

Ein frohes Herze zeigen,
Und einen freyen Muth,
Ist edlen Seelen eigen;
Denn Tugend ist ihr Gut.
Ihr Lästrer reines Scherzens
Des unschuldvollen HerzensI
Zufriedenheit und Lust
Ist euch stets unbewußt.

Chor.

Was kann dem kurzen Leben
Geschmack und Unschuld geben?
Nur sie, der Freude reine Pracht.
Trinkt, Brüder! trinkt, verbannt die Sorgen!
Das Leben sey stets Licht und Morgen!
Ein Tag den Freude glücklich macht.
[1771: neue zweite Strophe:
O Brüder! fern von Sorgen
Genießt die reinste Lust:
Sie, wie ein schöner Morgen
Ermuntert unsre Brust.
In freundschaftlichen Chören
Darf uns der Gram nicht stöhren;
Wir fesseln, Hand in Hand,
Ihn durch der Tugend Band.]

Einer.

Des kurzen Lebens Jahre
Vollenden wir entzückt,
Bis daß man Sarg und Baare
Mit unserm Körper schmückt.
Sagt, Feinde reiner Freuden!
Könnt ihr so ruhig scheiden?
O! Unruh, Furcht und Noth
Verbittern euren Tod.

Chor.

Wen Freud und Unschuld schmücken,
Den wird kein Schicksal drücken:
Die Zeit wird unbesorgt vollbracht.
Trinkt, Brüder! trinkt, verbannt die Sorgen!
Das Leben sey stets Licht und Morgen,
Bis euch der Tod vollkommner macht.


Eine stark veränderte Version in:
Friedrich Wilhelm von Schütz: Versuch einer vollstændigen Samlung Freimaurer-Lieder zum Gebrauch der Loge Ferdinand zum Felsen in Hamburg.1790. 97-98,
Versuch einer vollständigen Sammlung Freimaurerlieder zum Gebrauch deutscher Logen. Herausgegeben von dem Br. F. W: von Schütz. Zwote vermehrte und verbesserte Auflage. Altona, bei Friedrich Bechtold 1800, 102-104,
Vollständiges Gesangbuch für Freimaurer. 1801, 103-104 (die andere Version 65-66, siehe oben)
Lieder für Freymaurer. Hannover 1809, 127-128,
Lieder-Buch für die Große Landes-Loge von Deutschland zu Berlin und ihre Töchter-Logen. Berlin 1832, 163-154,
1857 und 1869
284-285, mit der Angabe: Ged. v. Hagedorn. 1745. – Comp. v. Gürlich.


Freude folget stets der Tugend,
und die Unschuld leitet sie,
die Gefährtinn muntrer Jugend,
selbst das Alter zieret sie;
wenn der Heuchler Freude sieht,
o so zittert er und — flieht.

Chor.
Wenn der Heuchler Freude sieht,
o so zittert er und — flieht.

2. Stets ein frohes Herze zeigen,
 immer einen frohen Muth,
ist nur edlen Seelen eigen,
denn die Tugend ist ihr Gut;
reiner anmuthsvoller Scherz
zieret jedes Maurers Herz.

Chor.
Reiner anmuthsvoller Scherz
zieret jedes Maurers Herz.

3. Unsers kurzen Lebens Tage
müssen heiter uns vergehn,
und es muß uns keine Plage
muthlos und erschrocken sehn;
öffnet endlich sich das Grab,
sieiget unverzagt hinab.

Chor.
Oeffnet endlich sich das Grab,
steiget unverzagt hinab.

4. Wen die Freud' und Unschuld schmücken,
reichen wir vertraut die Hand;
wen die Sorgen niederdrücken,
stärket unser Freundschaftsband.
Trinket, Brüder, sorgenfrei auf
das Wohl der Maurerei!

Chor.
Trinket, Brüder, sorgenfrei
auf das Wohl der Maurerei.

Zum Schlusse der Loge.

Siehe ein völlig anderes Lied „Zum Schluß der Loge“
in: Johann Wilhelm Bernhard von Hymmen: 14 neue Lieder, 1771,
mit der Eingangszeile:
So schließt euch nun, ihr angenehmen Stunden


Einer.

So schließt euch denn, ihr holden Stunden!
Und nach der Arbeit ruhe man!
Das Maaß bestimmet Stund und Zeiten;
Die Ordnung muß die Lust begleiten:
Daß man das Ziel erreichen kann

Chor.

So schließt euch denn, ihr holden Stunden!
Und nach der Arbeit ruhe man!

Einer.

Verandrung ziert die schönsten Werke;
Sie schmückt der Baukunst edle Pracht.
Daraus, ihr Brüder!! zieht die Lehre:
Auch die Verändrung bringet Ehre,
Weil sie die Arbeit schöner macht.

Chor.

Verändrung ziert die schönsten Werke;
Sie schmückt der Baukunst edle Pracht.

Einer.

Doch eure Freundschaft sey beständig,
Nur sie kennt die Verändrung nicht.
Stets in der Tugend höher steigen,
Die Eintracht thätiger zu zeigen,
Das will des Ordens wahre Pflicht.

Chor.

Ja! unsre Freundschaft bleibt beständig;
Und die Verändrung kennt sie nicht.

Einer.

Nun, Brüder! reichet euch die Hände!
Euch schmücke Weisheit, Stärk und Pracht.
Seyd in der Maurer Pflicht geschäfftig!
Zeigt, daß der Orden munter, kräftig
Und alle Glieder sittlich macht.

Chor.

Wir reichen uns die frohen Hände.
Es blühe Weisheit, Stärk und Pracht!


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Ausgearbeitet von Dr. phil. Roland Müller, Switzerland / Copyright © by Mueller Science 2001-2015 / All rights reserved - ESOTERIK von Dr. phil. Roland Müller

Siehe auch

ferner: