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Lichtsymbolik

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Lichtsymbolik

Inhaltsverzeichnis

Lichtsymbolik

Quelle: Lennhoff, Posner, Binder


spielt im freimaurerischen Gebrauchtum eine wichtige Rolle, die neuerdings (1932) beispielsweise in Holland immer stärker in Erscheinung tritt. Der Freimaurer ist Lichtsucher, dem Kandidaten wird solches erteilt, in eine neugegründete Loge wird das Licht eingebracht, bei rituellen Arbeiten der Tempel erleuchtet, die großen und kleinen Lichter sind von ausschlaggebender Bedeutung.

Licht darf als eines der ältesten Symbole gelten, sicherlich als das größte, umfassendste, allgemeinste und verbreitetste, das die mannigfaltigste Auslegung gefunden hat. In Religion und Weltanschauung, in der Kunst und im Bereiche ethischen Höherstrebens hat es seinen Ort.

Schon der älteste uns bekannte Gesetzgeber, der altbabylonische Hammurabi, 2200 v. Chr., bezeichnet sich in der Einleitung des 1901 in Susa entdeckten Gesetzeskodex als einen geistigen Verwandten des Sonnengotts Schamasch, als einen von diesem zur Erleuchtung des Volkes eingesetzten Fürsten, und wird auf einem alten Relief dargestellt, wie er seine Anweisungen von dem Lichtgott empfängt. Astrale Motive sind es, die das alte religiöse Denken im Lande des Euphrat und Tigris beherrschen. Aufstieg und Niedergang der Sonne wird zum kosmischen Vorbild des sie auf Erden stellvertretenden Heros, der dementsprechend auch aufersteht und zum Himmel fährt. Unbesiegbar heißen darum schon die orientalischen Sonnengötter, "es wächst das Licht", "auxei phos", klang der Jubelruf an den vorchristlichen Stätten der Frömmigkeit.

Paul Gerhardt weiht dem Kindlein in der Krippe die Worte: "Ich lag in tiefer Todesnacht, du wurdest meine Sonne, die Sonne, die mir zugedacht, Licht, Leben, Freud' und Wonne. O Sonne, die daß werte Licht des Glaubens in mir zugericht, wie schön sind deine Strahlen!" Der biblische Gott wohnt in einem "Reiche des ewigen Lichtes" und beruft seine Propheten zur Erleuchtung der in Finsternis wandelnden Menschen. Die Gerechten werden "wie die Sonne leuchten in ihres Vaters Reich" "Die Weisen strahlen wie die Sterne, und jene, die zur Gerechtigkeit viele erzogen, wie der Glanz am Firmamente ewiglich". Als "Licht vom Lichte" im christlichen Glaubensbekenntnis gepriesen, nennt sich Christus daß "Licht der Welt", dem die alte messianische Erwartung sich entgegengesehnt hatte.

Farbe und Licht

In Indien, dessen älteste religiöse Dichtungen auf einen ähnlichen Ton gestimmt sind, und Ägypten mit seinem besonderen Sonnenkultus, in den Heiligtümern der Griechen und Römer wie der Christen hat der Kultus die symbolische Sprache der Farben eindrucksvoll gestaltet. (Neuerdings sieht Franz C. Endres, die Grundlage aller esoterischen Lehren der ganzen Erde in dem von den esoterischen Führern der nordisch-atlantischen Menschen vergangener Jahrtausende erschauten immateriellen Licht als Grundlage einer gotterfüllten, götterlosen Religion.
Auch in dem biblischen "Es werde Licht!" erblickt er nicht die Erschaffung von Sonne und Sternen, sondern die ägyptische Erinnerung an dieses altnordische immaterielle Licht, das 8000 Jahre, bevor es in die Genesis geschrieben wurde, symbolischer Mittelpunkt des reinsten Urmysteriums des Nordens gewesen sei).

Aus der religiösen Welt übernommen, hat die Idee des Lichtvollen als des Hohen und Göttlichen in das allgemeinweltanschauliche Denken Aufnahme gefunden und einen neueren Philosophen, wie Hegel, den Satz prägen lassen: "Gott ist Geist; keine Dunkelheit keine Färbung der Mischung tritt in dies reine Licht." Nietzsche kleidet sein Selbsturteil in die Verse:

"Ja, ich weiß, woher ich stamme,
Ungesättigt gleich der Flamme
Glühe und verzehr' ich mich.
Licht wird alles, was ich fasse
Kohle alles, was ich lasse;
Flamme bin ich sicherlich!

Jean Paul rühmt: "Kant ist kein Licht der Welt, sondern ein ganzes strahlendes Sonnensystem auf einmal."

Schiller wiederum war es, der in einem Briefe an Goethe gestand: Über so manches, worüber ich mit mir selbst nicht einig werden konnte, hat die Anschauung Ihres Geistes (denn so muss ich den Totaleindruck Ihrer Ideen auf mich nennen) ein unerwartetes Licht in mir angesteckt." In den Briefen über ästhetische Erziehung prägt er das Wort: "Sobald es Licht wird im Menschen, ist außer ihm keine Nacht mehr. Sobald es stille wird in ihm, legt sich auch der Sturm im Weltall." Goethe läßt seinen erblindenden Faust sprechen: "Die Nacht scheint tiefer, tief hereinzudringen, allein im Inneren leuchtet hellstes Licht." Stephan George fleht in der Litanei des "Siebenten Rings" um kristallene Klarheit und ungetrübte innere Stille: "Leih' deine Kühle, lösche die Brände, tilge das Hoffen, sende das Licht.

"Licht, Liebe, Leben"

" Licht, Liebe, Leben" lauten die drei Worte auf dem Grabstein Herders, der sein Fragment vom Schicksal der Menschheit mit den Versen beginnt: "O Muse, singe mir den hohen Rat des Menschengottes mit der Menschenschar, wie er durch Nächte und durch Dämmerung, durch Finsternis und Irren sie geführt und führen wird zum Lichte. Singe mir, wie er die Strahlen dieses Lichts zerstreut durch Völker, Zonen und Jahrtausende, und alle kennt und alle sammeln wird zu einer Sonne der Glückseligkeit."

Das Licht als Naturerscheinung hat doppelte Eigenschaft: es erleuchtet und erwärmt. Dem entspricht auch zweifache symbolische Bedeutung. Der Gegensatz zwischen mittelalterlichem und neuzeitlichem Geist wird an der Bedeutung des Lichtsymbols besonders offensichtlich.

Natürliches Licht der Vernunft und übernatürliches Licht des Glaubens, lumen naturale und lumen supranaturale scheinen im mittelalterlich-göttlichen Bewußtsein in schöner Harmonie, weil hervorfließend aus demselben ewigen Licht göttlicher Wahrheit. Der Auffassung von der Harmonie dieser beiden Wege der Erkenntnis trat die Aufklärung mit ihrem Streben nach Verselbständigung des natürlichen Lichts der Vernunft entgegen: Welterkenntnis wurde die Grundlage einer bis dahin ungeahnten Weltgestaltung. (J. M. Verweyen in "Wiener Freimaurerzeitung", 1925, Nr. 3.)

Wiedergeburt

Die Lichtsymbolik vor allem als Verbildlichung des Erlebnisses der Wiedergeburt, als Erleuchtung, bildet ein Fundament der Mysterienbünde. Alle Mysterienkulte sind Lichtkulte.

Im Grunde wird der Tod und die Geburt des Lichtes zugleich gefeiert. Jeder Mysterienbund glaubt, daß die "Profanen", die Uneingeweihten, in Finsternis wandeln, und daß die Eingeweihten, die Brr."daß Licht sehen". Die Brr. suchen die Einheit der Gegensätze, die Befreundung des Feindlichen. Der Urgegensatz von Licht und Finsternis, Gut und Böse, Leben und Tod macht dem Menschen am meisten zu schaffen, erfüllt das ganze menschliche Dasein.

Diesen Widerspruch und damit das quälendste Lebensrätsel glaubt der Mysterienbund ganz gelöst zu haben:
Licht und Finsternis sind eins! Leben ist zugleich Tod, Finsternis ist zugleich Licht! Durch die ganze Mysteriensymbolik zieht sich das Bestreben, diese dem Verstand unfaßbare Einsetzung bildlich zu verwirklichen und dem Menschen erlebbar und erfahrbar zu machen, Kampf und Vermählung von Licht und Finsternis, von Leben und Tod künden die Symbole. Die mit dem Lichtkult zusammenhängende Gestirnsymbolik kommt auch in der Verehrung des Ostens zum Ausdruck, läßt diesen zum heiligsten Teil des Mysterientempels werden. Nach Osten wenden sich die Blicke des Mysten, in den "ewigen Osten" geht der verstorbene Freimaurer ein. (Vergl. August Horneffer, "Symbolik der Mysterienbünde".)

Ergänzung

„Auch der Mond, auch die Sonne, auch die Sterne rufen dem Menschen das Erkenne dich selbst zu. Dass er sie sieht und sie so sieht, wie er sie sieht, das ist ein Zeugnis seines eignen Wesens. Das Tier wird nur ergriffen von dem das Leben unmittelbar affizierenden Lichtstrahl, der Mensch dagegen auch noch von dem kalten Strahl des entferntesten Sternes. Nur der Mensch hat reine, intellektuelle, interesselose Freuden und Affekte – nur der Mensch feiert theoretische Augenfeste. Das Auge, das in den Sternenhimmel schaut, jenes nutz- und schadenlose Licht erblickt, welches nichts mit der Erde und ihren Bedürfnissen gemein hat, dieses Auge blickt in diesem Lichte in sein eignes Wesen, seinen eignen Ursprung. Das Auge ist himmlischer Natur. Darum erhebt sich der Mensch über die Erde nur mit dem Auge; darum beginnt die Theorie mit dem Blicke nach dem Himmel. Die ersten Philosophen waren Astronomen. Der Himmel erinnert den Menschen an seine Bestimmung ...“
Ludwig Feuerbach

Siehe auch


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