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Rezension: Karl-Heinz Zunneck: Die geheimen Zeichen und Rituale der Freimaurer

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Inhaltsverzeichnis

Karl-Heinz Zunneck: Die geheimen Zeichen und Rituale der Freimaurer

Rezension von Roland Müller

Karl-Heinz Zunneck: Die geheimen Zeichen und Rituale der Freimaurer (2002)

Karl-Heinz Zunneck: Die geheimen Zeichen und Rituale der Freimaurer. Rottenburg: Jochen Kopp-Verlag 2002, 250 Seiten.

Zu Gregor Schwartz-Bostunitsch: http://www.anthroposophy.com/aktuelles/bostbio.html

Michael Hagemeister: Das Leben des Gregor Schwartz-Bostunitsch. In: Karl Schlögel (Hrsg.): Russische Emigration in Deutschland 1918-1941. Berlin: Akademie 1995, 209-218. Nicholas Goodrick-Clarke: The Occult Roots of Nazism 1890-1935; Diss. Univ. Oxford; Wellingborough: Aquarian Press 1985; New York: New York University Press/ London: Tauris 1992; erneut 2004; frz.: Les Racines occultistes du nazisme. Puiseaux: Pardès 1989; it.: Le radici occulte del nazismo. Carnago: Sugarco 1992; dt.: Die okkulten Wurzeln des Nationalsozialismus. Graz, Stuttgart: Stocker 1997, 2. Aufl. 2000.


Dieses Buch ist ein Skandal. Nicht nur wegen seiner Behauptungen über die Rituale und Zeichen der Freimaurerei, sondern wegen seiner Machart. Schätzungsweise 80% sind fast wörtlich aus einem Anti-Freimaurer-Machwerk aus der Nazi-Zeit abgeschrieben. Wenn ich das nicht selbst in der Bibliothek nachgeprüft hätte – Seite für Seite mit wachsendem Erstaunen -, würde ich das nicht glauben. In fünfzig Jahren ist mir als Bücherfreund so etwas noch nie unter die Augen gekommen.

Was hat der Autor abgeschrieben?

Im ganzen Buch findet sich auch nicht der geringste Hinweis auf die Vorlage. Und der Clou: In einem Zitat (232) über die „antifreimaurerische Agitation“ aus dem „Internationalen Freimaurer-Lexikon“ von Eugen Lennhoff und Oskar Posner (1932) wurde der Name des Autors der Vorlage an zwei Stellen sorgfältig ausgelassen. Die Vorlage ist der damalig Bestseller von Gregor Schwartz-Bostunitsch „Die Freimaurerei“ aus dem Jahre 1928. Die 8. Auflage erschien 1942; eine Neuauflage erfolgte im Jahre 2000 im Rahmen einer ganzen Reihe von Nachdrucken anti-freimaurerischer Schriften aus der Zeit von 1919 bis 1943 (Wichtl, Heise, Ludendorff; Hasselbacher, usw.) im „Verlag für Ganzheitliche Forschung“ in Nordfriesland.

Der 1883 in Kiew geborene und dort bis 1917 als Rechtsanwalt und Hochschullehrer tätige Grigorij V. Svarc-Bostunic kam über die Schweiz als Vortragsredner nach Deutschland, trat ab 1922 im Fahrwasser der völkischen Bewegungen öffentlich auf und tat - laut Internetquellen - ab 1934 als Instrument des Sicherheitsdienstes der SS zur Verfolgung und Auflösung der Freimaurerlogen und der Anthroposophischen Gesellschaft seinen Dienst.

Der UFO-Spezialist Karl-Heinz Zunneck hat die ersten beiden Drittel des Buches (etwa 200 von 300 Seiten) von Schwartz-Bostunitsch weitgehend wörtlich abgeschrieben, mit vielen winzigen Veränderungen allerdings: Die Loge als „Raum“, wo sich die Freimaurer versammeln, wurde zur „Räumlichkeit“ (125), „bekommt“ wurde zu „erhält“, statt „von weisser Farbe“ schreibt Zunneck „weiss“, usw. Fast alle Abbildungen, in schlechter Qualität, wurden aus dem Buch von 1928 übernommen. Unerklärlich ist allerdings, warum das Bild des ersten russischen Ordens nach der Oktoberrevolution 1918, das ein Pentagramm zeigt (S.-B. 196), durch ein anderes ersetzt wurde - obwohl der Text unverändert blieb. Das bekannte Bild von Eliphas Lévi des „Baphomet“ wurde mit einem ähnlichen, aber anti-freimaurerischen ausgetauscht.

Der „mündige Bürger“ macht Witze

Weitgehend weggelassen hat Zunneck das letzte Drittel seiner Vorlage, das die damalige Freimaurerei in den verschiedenen Ländern beschrieb. Aus dem Kapitel „Die Juden in der Freimaurerei“ (S.-B. 228-238) hat er einige wenige unverfängliche Stellen vorne in den Text eingebaut.

Soweit ersichtlich besteht die einzige eigene Leistung des Autors darin, dass er eine Einleitung geschrieben hat, worin er aus Franz Carl Endres’ „Die Symbole des Freimaurers“ (1930) zitiert, und dass er ferner vier Zitate aus dem Lexikon von Lennhoff/ Posner (Loge, Erkennungszeichen, Dreieck, Pentagramm) sowie eines aus Lennhoffs „Die Freimaurer“ (1929: Symbolik) in den Text von Schwartz-Bostunitsch eingestreut und ein 18seitiges Schlusskapitel über „Freimaurerei, Politik und das Verhältnis zur Kirche“ angehängt hat. In letzterem fühlt er sich „als mündiger Bürger zumindest in gewisser Beziehung hinters Licht geführt“ (231), wenn Lennhoff/Posner in ihrem Lexikon die freimaurerischen Weltherrschaftspläne vehement in Abrede stellen.

Der UFO-Spezialist weiss es besser, behauptet, die Freimaurerei habe politischen Charakter und fragt rhetorisch: „Wie sonst lässt sich erklären, dass Politiker Freimaurer waren oder sind?“ Er weiss, dass die Mitgliedschaft in Maurer-Logen die Politiker „bindet“ und wird sogar ironisch, indem er formuliert, wer anderer Ansicht sei, „glaubt auch, dass ein Zitronenfalter-Schmetterling Zitronen falten kann“ (233). Dann behauptet er, Napoleon und ein Henry Truman seien Freimaurer gewesen sowie das im Orden der irischen „Orangemen“ realisierte Ritual sei eindeutig freimaurerischen Ursprungs und „selbst in bezug auf alle anderen Aspekte der Tätigkeit des Ordens gab es deutliche Parallelen zur Maurerei“ (236). Als krönenden Abschluss unterlässt er es nicht zu erwähnen, dass „manche Autoren und Rechercheure“ die Auffassung vertreten, „der heutige Papst sei ein Freimaurer …“

Die uralten Schauergeschichten

Was den Inhalt von Schwartz-Bostunitsch betrifft, kann man nur seufzen: Immer dieses alte Zeug! Da wird zum hundertsten Mal in immer neuen Ansätzen das Ritual vorgeführt, welches die „Vollständige Sammlung der Adon-Hiramistischen Maurerey“ aus dem Jahre 1786 beschreibt (140ff, 163ff, 170ff, 202ff, 218). Die zynische Begründung dafür lautet: „Es geht um die Darstellung der Ursprünglichkeit und Authentizität“ (181). Es fehlen auch nicht der Schwurtext mit dem Kabeltau nach dem „entdeckten Freimaurer“ von 1745 (139, 148ff), die „Schweigende Figur“ (114-115) und der „Bluttrank“ im Schwedischen System (164ff) sowie der Dialog in Goethes Komödie „Gross-Kophta“ (43, 103-107, 134-135). Zunneck hätte es sich einfacher machen können und die heutigen Rituale im vollen Wortlaut für die drei ersten Grade aus dem Buch von Dieter A. Binder „Die diskrete Gesellschaft“ (1988) übernehmen können.

Die Einweihungszeremonien der Schottischen Maurerei (115-123, 153-157, 183-200, 205-212) werden – ohne Quellenangabe - mit der üblichen Schauergeschichte der Aufnahme in den 30. Grad wiedergegeben. Der Prüfling erhielt einen Dolch in die Hand gedrückt, mit dem er „nun einen Feind der Freimaurerei töten müsse“. Hinter dem Vorhang befindet sich das gefesselte Opfer, in Tat und Wahrheit „ein gebundener Hammel, der so befestigt und an einer seiner Lenden rasiert war, dass der Prüfling glaubte, er habe es hier tatsächlich mit einem menschlichen Opfer zu tun“ (185). Schon eine der ersten Behauptungen ist nachweislich falsch: „Reverend Dr. James (Jakob) Anderson“ habe in seinem Konstitutionenbuch von 1723 behauptet, Adam habe „mit seinen Söhnen Loge gehalten“ (36). Weitere Behauptungen sind etwa: Der Erste Aufseher werde auch „Schrecklicher Bruder“ genannt (62, 140), John Toland sei ein Mitbegründer des modernen Freimaurer-Bundes (78), die „Briefmaurer“ hätten sich seit 1710 „accepted masons“ genannt (70) oder der Freimaurer betrete die Loge im Ornat, d. h. mit einem Degen (131), Sinnbild der männlichen Kraft, des Gehorsams und der Gerechtigkeit (135), es sollen schon echte Leichen in der Kammer der verlorenen Schritte aufgestellt worden sein (141-142), usw.

Weitere anti-maurerische Schriften

Die Quellen, welche Schwartz-Bostunitsch benutzte, waren weitgehend obskur, anti-maurerisch und für die Darstellung der Freimaurerei unzuverlässig. Zunneck hat sie beim Abschreiben im Text vollständig übernommen. Seine eigenen zwei Seiten Literaturangaben am Schluss stellen mit nichten einen „Auszug des verwendeten modernen Materials“ dar; er hat es zu grossen Teil nicht benützt. Zudem enthalten sie völlig unmotiviert einige anti-maurerische Schriften (die er auch nicht zitiert) und mehrere ziemlich alte Schriften, dazu zahlreiche Schreibfehler.

Wenn man den Autor mit seinen eigenen Waffen schlagen wollte, könnte man erwähnen: Der Untertitel seines ersten Buches - über „Geheimtechnologien“ (1998) des Dritten Reiches - lautet „50 Jahre Desinformation und die Folgen“. Ein weiterer Titel heisst sogar: „Die totale Manipulation“ (2002).


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