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Friedrich Hasselbacher: Feldlogen im ersten Weltkrieg - Teil 6

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Inhaltsverzeichnis

Friedrich Hasselbacher: Feldlogen im ersten Weltkrieg - Teil 6

Bei der Hetzschrift "Volksverrat der Feldlogen im Weltkriege" handelt es sich um eine Nationalsozialistische-Publikation mit eindeutig demagogischer Zielsetzung, die dazu beitrug, die Freimaurerei im Deutschland des "Dritten Reiches" zu zerstören.
Sie sollte sehr kritisch gelesen werden. Zum besseren Verständnis dieser Auszüge empfiehlt es sich, zunächst die einführende Rezension von Roland Müller zu lesen: Rezension: Friedrich Hasselbacher: Feldlogen



Die Feldloge „Zum eisernen Kreuz“ in Lüttich (1915-1918)

Quelle: Friedrich Hasselbacher: Volksverrat der Feldlogen im Weltkriege. 1941, 43-63 (= 7. erweiterte und völlig neubearbeitete Auflage von: Hoch- und Landesverrat der Feldlogen im Weltkriege. 1935)

[Wiedergabe ohne die im Text erwähnten Abbildungen]

Bruder Hetzel macht Besuche

Der eigentlichen Gründung der Feldloge „Zum eisernen Kreuz" in Lüttich gingen allerlei recht interessante Dinge voraus, die man kennen muß, um von vornherein den Geist, der später diesen Logentempel errichtete, verstehen zu können.

Es war am 4. Sonntag nach der blutigen Erstürmung Lüttichs durch General Ludendorff - also am 30. August 1914 - da begab sich der wenige Tage zuvor dort angekommene Br. Adolf Hetzel, Bleistiftfabrikant aus Nürnberg, Hauptmann und Kompanieführer im Landsturmbataillon „Bayreuth" und damals Mitglied der Loge „Eleusis zur Verschwiegenheit" (Großloge „Zur Sonne") in Begleitung seines Brs. Heinrich Cahn, Jude, Unteroffizier in der 3. Kompanie desselben Landsturmbataillons und Mitglied der Loge „Eleusis zur Verschwiegenheit" in das Gebäude der Logen des Großorients von Belgien in Lüttich. Dort verbrachten die beiden „deutschen" Brr. in trautem Verein mit mehreren Brrn. des „belgischen" Großorients einige Stunden „trotz Krieg in edler Menschlichkeit".

Den Beweis für die Richtigkeit dieser Behauptung haben uns die Teilnehmer der Bruderrunde vom 30. August selbst geliefert, denn sie schrieben gemeinsam an die Loge „Eleusis z. V." eine Postkarte, deren Inhalt uns interessant genug erschien, um sie in photographischer Wiedergabe diesem Buch beizufügen (Abb. 20 und 21). Wir lesen auf der einen Seite dieses Dokuments:

„Geschrieben am 1. Sonntag in Lüttich, 30. 8. 1940 [1914; siehe 1935, 30-31]
Adolf Hetzel u. folgende belgische Br:. die trotz Krieg über alles (!!) noch die Brüderlichkeit stellen.
Brüderliche Grüße den Bayreuther Brüdern der M. am St. (1) P. Malliens
Salut cordial et frat:. à nos t:. c:. fr:. de Bayreuth (2).
A. Cahay R (.+:) (3)
Joseph Englebert
Davio (die Namen sind zum Teil sehr schlecht leserlich)
B .-. Huß
M. Lennemert
B. P. de Sagher“

Auf der Adressenseite aber läßt sich Br. Cahn mit folgenden Worten vernehmen:

„In rührender Brüderlichkeit bei einem Besuche der Loge in Lüttich aufgenommen, senden Euch allen herzlichst Gruß - Es gibt trotz Krieg noch edle Menschlichkeit (!)
Es grüßt in der heiligen Zahl (4)
Heinrich Cahn"

Man muß in seinem Logentum schon sehr erhebliche Fortschritte gemacht haben, um die anationale Gesinnung dieses „edlen Menschentums", sei es als Deutscher, sei es als Belgier, nicht mehr zu verspüren.

Welch eine vernichtende Anklage gegen die „deutsche" Freimaurerei stellt doch allein schon diese Postkarte dar!

Die Gründung der Feldloge in Lüttich

Angesichts solcher Voraussetzungen kann man sich nicht darüber wundern, daß in wenigen Wochen schon sich ein ganz stattlicher Kreis von „deutschen Brrn." zusammenfand, der bereit war, dafür zu sorgen daß „trotz Krieg, über alles, noch die Brüderlichkeit gestellt" würde, damit die „edle Menschlichkeit" nicht ausstürbe.

Am Neujahrstag 1915 trafen. sich alle im „Café-Restaurant du Petit Trianon", Lüttich, Boulevard de la Sauvenière Nr. 12. Es waren versammelt:

  1. Br. Cahn (s. oben).
  2. Br. Karl Fischer, 1. Meister vom Stuhl der Feldloge „Zum eisernen Kreuz" in Lüttich, Mitglied der Loge „Brudertreue am Main" in Schweinfurt (G. L. z. S.).
  3. Br. Dr. Rosenthal, Justizrat, Feldwebelleutnant in der 1. Komp. des Landsturmbat. „Würzburg" in Lüttich, Redner der Loge „Zu den zwei Säulen am Stein" in Würzburg (G. L. z. S.), Jude.
  4. Br. Eberlein, Hauptmann und Kompanieführer im Landsturmbat. „Bayreuth" in Lüttich, Mitglied der Loge „Friedrich zur Frankentreue" in Kulmbach (G. L. z. S.).
  5. Br. Dr. Otto Mainer, Oberleutnant, Ansbach, G. L. v. Preußen.
  6. Br. Hetzel (s. oben).
  7. Br. W. Rinau, Vizefeldwebel, Bremen.
  8. Br. Weingärtner, Vizefeldwebel im Landsturmbat. „Bayreuth", kommandiert zur Paßzentrale des Gouvernements Lüttich, Mitglied der Loge „Furchtlos und treu" in Heilbronn (Gr. Mutterl. d. Eklekt. Freim. B. zu Frankfurt a. M.).
  9. Br. Hans Krampert, Sergeant, Erlangen, G. L. z. Sonne.
  10. Br. Hartmann, Unteroffizier, Bayreuth, G. L. z. Sonne.

Auf dieser Zusammenkunft wurde der Plan zur Gründung einer Feldloge „Zum eisernen Kreuz" besprochen und allseitig gebilligt. Hierüber fertigte Br. Heinrich Cahn ein Protokoll an, das alle Anwesenden unterschrieben. Es liegt uns im Original vor und hat folgenden Wortlaut:

	CAFE-RESTAURANT
	du PETIT TRIANON
	Liége										Liege, le 1. Januar 1915.
	Boulevard de la Sauvenière, 12
	Propriétaire:
	A. MARLIER-VALENTIN

	Salles pour Sociétés
	Noces-Banquets								Freimaurerzusammenkunft
   											der in Lüttich weilenden Br. Br.
	Telephone 1104								der Besatzungstruppen
Einer glücklichen Anregung des 1. Br. Hetzel (Eleusis-Bayreuth) folgend, versammelten sich am ersten Tage im neuen Jahre 10 Brüder der verschiedensten Oriente im Separatzimmer des „Trianon", um, fern von der lieben Heimat, wieder einmal unserer Königl. Kunst huldigen zu können. Die Begrüßung erfolgte in herzlichen, echt freimaurerischen Worten durch den gel. Br. Hauptmann Fischer, Schweinfurt, der es verstand, uns Anwesende sofort in die Atmosphäre der Masonei (Maurerei; F. H.) zu bringen.
Nach kurzer Zeit ergriff alsdann Br. Dr. Rosenthal (Zu den 2 Säulen am Stein, Würzburg) das Wort zu einer Zeichnung über das Thema: „Zwingt uns der Weltkrieg dazu, freimaurerische Grundgedanken aufzugeben oder einzuschränken?"
Die klaren, von weitsehender Warte aus gemachten Ausführungen fanden großen Beifall; den Dank sprach Br. Fischer; an der Diskussion beteiligten sich die Br. Br. Mainer und Fischer. -
Das Ereignis des Abends war wohl der Vorschlag des Br. Fischer, die Br. Br. wollen sich zu einer Feldloge constituieren, die den Namen „zum Eisernen Kreuz" führen soll. Mit hellem Jubel wurde diese Anregung aufgenommen und einstimmig die Gründung beschlossen. Zur Vorbereitung der Geschäfte der neuen Loge wird eine viergliedrige Commission gewählt, bestehend aus den Br. Br. Fischer, Dr. Rosenthal, Rinau, Weingärtner, die bis zur nächsten Zusammenkunft mit Vorschlägen und Details herantreten sollen. Br. Fischer übernimmt, nachdem er von allen Br. Br. herzlich darum ersucht wird, den Vorsitz der neuen Loge. Zum Schlusse gratuliert der neue M. v. St. dem 1. Br. Krampert (Erlangen) zu seinem heutigen Geburtstag, der mit dem Geburtstag der neuen Loge und des neuen Jahres zusammenfällt. Die nächste Zusammenkunft soll Sonntag, 17. Jan. 15 stattfinden.
Nach Verlesung des Protokolls wird die heutige, vielversprechende erste Zusammenkunft geschlossen mit den besten Wünschen für die Zukunft der neuen Bauhütte in Lüttich.
Br. Mainer bringt noch in Vorschlag, als Ritual für die Loge das des Kränzchens „Alexander zu den 3 Sternen", Ansbach, anzunehmen.
gez.: Heinrich Cahn, gez.: Karl Fischer, gez.: Rosenthal, gez.: Eberlein, gez.: Dr. O. Mairier, gez.: Hetzel, gez.: W. Rinau, gez.: Weingärtner, gez.: Hans Krampert, gez.: Hartmann.

Zum Beweis siehe Abbildung 22 und 23 in diesem Buch.

Wie wir in Br. Cahns Verhandlungsniederschrift lesen, hielt Br. Rosenthal während der Zusammenkunft einen Vortrag. Das „Bayreuther Bundesblatt", „Freimaur. Zeitschrift der Groß-Loge „Zur Sonne" (Manuskript nur für Brr. Freimaurer)", Nr. 6, XV. Jahrgang, Bayreuth, März 1915, Seite 177 bis 185, veröffentlichte diese Rede, deren Thema: „Zwingt der Weltkrieg dazu, freimaurerische Grundgedanken aufzugeben oder einzuschränken?" sehr eigenartig berührt und ein bezeichnendes Licht auf die Geistigkeit des Feldlogentums überhaupt wirft.
Wer in solchen Tagen so zu fragen vermochte, wer zu einer Zeit, da es für Deutschland um Sein oder Nichtsein ging, eine derartige Frage auch nur aufzuwerfen oder gar darüber zu debattieren vermochte, der stellte sich allein damit schon bewußt gegen die deutschen Interessen!

Ein echter Deutscher wäre niemals auf derartige Gedanken gekommen, weil er ja nur eines kannte: das Vaterland und dessen Wohlfahrt!

Der Freimaurer aber war um andere Dinge besorgt: um die Haltbarkeit und die Erhaltung des freimaurerischen (Allmenschheits-) Grundgedankens!

Hören wir nun Br. Rosenthal selbst (die Seitenzahlen sind die der oben angegebenen Quelle) Seite 177/178:

„Freimaurerei und Weltkrieg widersprechen einander ihrem innersten Wesen nach. Die Freimaurerei ist eine Einrichtung, die ihr Ziel in der Förderung der Humanität in des Wortes weitestem Umfang sucht, also in der Förderung der Kultur, alles Schönsten und Besten, was die Menschheit und die einzelnen Menschen zu verbessern und veredeln vermag; sie richtet sich ebenso sehr gegen den inneren Menschen und sucht den Sinn für die Ideale zu erwecken und auszubauen, wie zu den äußeren Lebensverhältnissen, an deren sozialer Verbesserung sie auf das lebhafteste interessiert ist, die Gleichheit aller, die Menschenantlitz tragen, ohne Unterschied der Rasse oder des Standes, der Konfession oder des Vermögens; die Verbrüderung der Menschheit ist ihr ureigenstes erziehungsgebiet. Mit all dem tritt der Krieg in den denkbar schroffsten Widerspruch. Er ist der organisierte Kampf der Völker, der organisierte Mord aus Selbsterhaltung, statt der Verbrüderung die Vernichtung."

Seite 181/182:

„Wir haben die Friedensidee aufgegriffen und in Wort und Schrift den Pazifismus vertreten, nicht im Sinne einer Abrüstung, sondern in Richtung auf den Grundgedanken, daß der Wirtschaftsverkehr die Völker immer mehr miteinander verkettet und deshalb territoriale und sonstige Streitfragen im Wege der Verständigung und durch Schiedsgericht ausgetragen werden könnten. Wir glaubten uns diesem Ideal weit näher als wir es sind, bis wir aus diesem Traum am 2. August durch ein schrilles Signal der Kriegstrompete jäh aufgeweckt wurden.
Auf Zeitungsnotizen, daß gar die Freimaurerei am Krieg schuld sei oder daß man in England eine Art Bannspruch über Deutschlands Logen losgelassen habe, verlohnt es sich nicht einzugehen. Vielmehr stehen wir vor dem Konflikt zwischen unseren Zielen und den Tatsachen der Weltgeschichte und haben uns über die Fragen klar zu werden: Zwingt der Weltkrieg dazu, freimaurerische Grundgedanken aufzugeben oder einzuschränken?
Aus den vorangegangenen Ausführungen ergibt sich bereits, in welcher Richtung die Frage zu prüfen ist. Die Freimaurerei ist ihrem innersten Wesen nach international. Sie setzt sich zwar aus nationalen, bei uns sogar in gewissem Umfang territorial abgegrenzten Verbänden zusammen, aber ihr Wesen, ihr innerster Kern ist nicht national. „Wohin auch immer Sie kommen werden, überall auf dem ganzen Erdenrund wird Ihnen die Bruderhand geboten, brüderlicher Verkehr und brüderliches Leben entgegengebracht werden", verheißen wir dem Neueintretenden; daß er sich als Glied der weltumspannenden Bruderkette betrachten dürfe, wird ihm als das Ziel seiner strebenden Wanderung geradezu gewährleistet.
Wie anders als international sollte aber auch ein Verband gerichtet sein, der sich die Verbrüderung der Menschheit, die Bekämpfung aller, die Menschen trennenden Vorurteile zum Ziele gesetzt hat. Wenn er nicht die ganze Menschheit als sein Gebiet, ich möchte sagen als sein Arbeitsfeld ins Auge fassen wollte, wie sollte sonst die Einheit gefunden werden, welche die zum gleichen Ideal strebenden Männer und Verbände der verschiedenen Nationen verbindet?"

Seite 182:

„Sollen etwa diese Beziehungen abgebrochen und der Begriff: „Bruder und Freimaurer" nationalisiert und das Ziel unserer Bestrebungen darauf beschränkt werden, in Deutschland möglichst viele Männer zu humanitärer Gesinnung und Betätigung zu erziehen?
Das wird niemand wollen, dem es um das Wesen der Freimaurerei ernst ist. Gewiß erlebt alles, was international ist, heute einen schweren Schlag."

Seite 183/184:

„Uns kann und soll der Krieg unsere Ideale nicht rauben. Wir müssen, wenn wir uns nicht selbst aufgeben wollen, an den hohen Zielen festhalten und weiterarbeiten, die seit Jahrhunderten den Urbestand der freimaurerischen Bewegung bilden."

Seite 184:

„Der Kriegslärm übertönt unseren Ruf, aber er erstickt ihn nicht."

Seite 185:

„Wenn wir den Glauben an den Fortschritt der Kultur nicht verlieren, dann wollen wir nach dem Krieg mit gleicher Ausdauer und Liebe fortarbeiten, nach dem großen Ziele zu wie ehedem: der ganzen Menschheit dient unser Streben."

Br. Rosenthal ist recht eindeutig. Während einem ungebundenen deutschen Menschen der Krieg ein Ringen um die Freiheit der Heimat und eine bedingungslose Opferbereitschaft forderndes Geschehen war und ist, erscheint er, dem Freimaurer als „organisierter Mord"!

Br. Rosenthal bekennt, daß die Freimaurerei in Deutschland danach gestrebt habe, im Pazifismus ihre Verbrüderungssehnsüchte zu verwirklichen. Er gibt unumwunden zu, daß der Geist der Freimaurerei international sei und nicht nationalisiert oder lokalisiert werden könne. Er betont, daß man an dem „hohen" Ziel des freimaurerischen Gedankens unverrückbar festhalten müsse und gibt dabei den leisen Hinweis, daß man sich gegenüber nichtfreimaurerischen Anfeindungen dadurch schützen könne, daß man vor der Öffentlichkeit Deutschland in den Vordergrund stelle, also den nationalen Mann spiele.
So lesen wir auf Seite 184:

„… und deshalb dürfen und müssen wir als Freimaurer besonders gegenüber den Anfeindungen von außen, stets betonen, daß wir in erster Linie Deutsche und dann erst Freimaurer sind, und über alles stellen auch die Sicherheit, die Ehre, den Bestand und die Größe unseres deutschen Vaterlandes."

Darum tönt zwischen all den oben gegebenen übervölkischen Gedanken und Ausführungen in der Rede des Brs. Rosenthal allerlei von Vaterland, Begeisterung, Hingabe und Treue.
Aber was will das heilten?!
Das sind, das können doch nur Floskeln sein. Die hier wiedergegebenen Stellen der Rede verraten doch einen so eindeutig überstaatlich ausgerichteten freimaurerischen Gedanken, daß die patriotischen Einschiebungen und Zwischenbemerkungen nichts als der Ausdruck eines Logentums sein können, das zu vorsichtig ist, das Bekenntnis zum Freimaurertum allein vorzutragen. Darum verziert Br. Rosenthal seine Verherrlichung des freimaurerischen Grundgedankens mit zeitentsprechenden und zweckmäßigen Arabesken, gibt ihnen gewissermaßen Puder und Schminke.

Dass es so und nicht anders ist, möge eine einzige Stelle deutlich bekunden. Auf Seite 179 lesen wir z. B.:

„Wir würden auch in dem belgischen Freimaurer, mag er uns noch so brüderlich und gastfreundschaftlich entgegenkommen, den falschen Freund vermuten, dem ebenso, wie uns, ja mindestens augenblicklich, die Nationalfrage höher stehen muß als der freimaurerische Gedanke."

Das zeigt wohl deutlich, daß nicht nationale Bekundungen, sondern die internationale Ausrichtung und Praxis das Wesentliche und Gewollte freimaurerischer Grundgedanken ist!

Ich habe zur charakterisierenden Bezeichnung und präzisen Begriffsbestimmung eines solchen Gemengsels von vaterländischen Idealen und weltbürgerlicher Liebe, von Verpflichtung des Volkstums und Schlußfolgerungen aus der „Humanität" und „Toleranz" die jede Debatte aufhebende und erübrigende Formel „Bürgertum zweier Reiche“ geprägt, die wir weiter unten noch eingehender besprechen werden.

Br. Rosenthals Bericht

Zwei Tage nach diesen lichtvollen Ausführungen schrieb Br. Rosenthal dem damaligen Großmeister der Großen Loge „Zur Sonne", Br. Schilling in Bayreuth, einen langen Brief, den wir in photographischer Wiedergabe dem Leser in Abbildung 24 bis 27 unterbreiten und dessen Text folgendermaßen lautet:

	Conseil Provincial
	de Liége.										Lüttich, 3. Januar 1915.
Ehrwürdigster Br:. Großmeister!
In den Kreisen der Br. Br. Freimaurer, die sich aus den hiesigen Besatzungstruppen auf Grund früherer Beziehungen als solche erkannt hatten, war der Gedanke einer Zusammenkunft aufgetaucht und am 1. Januar 1915 verwirklicht worden. Obwohl anzunehmen ist, daß in den sechs Bataillonen Landsturm, Infanterie, die hier in der Stadt und den umliegenden Forts untergebracht sind, nämlich Würzburg, Bamberg, Hof, Bayreuth, Erlangen, Ansbach, noch eine größere Zahl Br. Br. sich findet, war es bisher nicht möglich, mit. allen in Verbindung zu treten und sie von der beabsichtigten Zusammenkunft zu verständigen. Immerhin fanden sich zehn Br. Br. ein, von denen sieben dem Sonnenbund, zwei dem Eklektischen Bund, einer dem Verband der drei Weltkugeln angehört.
Unter dem Vorsitz Br. Karl Fischer, Schweinfurt, verlief der Abend äußerst anregend; Br. Fischer regte schließlich an, uns hier als Feldloge zu konstituieren und den Namen Feldloge zum eisernen Kreuz in Lüttich anzunehmen. Dieser Vorschlag fand einstimmig Annahme. Br. Fischer wurde auch als Vorstand der neuen Freimaurerloge gewählt.
Ich bin beauftragt, Ihnen als Vertreter des Sonnenbundes von dieser Gründung Mitteilung zu machen.
Zugleich erlaube ich mir aber die Bitte anzufügen, Ehrwürdigster Großmeister wolle unserem jungen freimaurerischen Unternehmen wohlwollende Unterstützung angedeihen lassen; in dieser Hinsicht gestatte ich mir jetzt schon die Anfrage, ob etwa in der Großloge zur Sonne noch Material über die innere Verfassung und Betätigung der 1870 begründeten Feldlogen vorhanden ist.
Bezüglich des Rituals hat die Gründungsversammlung bereits beschlossen, das von unserem Kameraden und Br., Oberleutnant Dr. Otto Mainer, Ansbach, verfaßte Ritual zugrunde zu legen.
Dagegen ist die Frage aufgetaucht, wie es mit der Aufnahme von Br. Br. steht, die bisher dem Bunde nicht angehört haben. Wir wären deshalb sehr verbunden, wenn Sie, ehrwürdigster Großmeister, eine Erklärung sämtlicher dem Großlogenbund angehörender Großlagen herbeiführen würden, dahin
1. daß die Feldloge als gerechte und vollkommene Johannisloge von allen deutschen Logen anerkannt wird, evtl. welche Formalitäten zur Herbeiführung dieser Anerkennung zu erfüllen sind,
2. daß die von uns aufgenommenen Br. allseits als Br. Freimaurer anerkannt werden.
Wir gehen in letzter Hinsicht davon aus, daß sich diese Br. Br. nach Beendigung des Krieges und Auflösung der Feldloge der Loge ihres Wohnsitzes bzw. der nächst benachbarten anschließen werden. Wir haben für die Aufnahme bereits einen Kandidaten in der Person eines Neffen von Br. Kesselring im Auge und wären deshalb für baldigen Bescheid sehr verbunden.
Etwaige Mängel der Form dieses Schreibens bitte ich mit Kriegsmäßigkeit zu entschuldigen und begrüße Sie, ehrwürdigster Großmeister, in der uns heiligen Zahl als der Ew. Hochwohlgeboren
treuverb. Br.
gez.: Karl Rosenthal
sonst Rechtsanwalt in Würzburg (Neffe von Freudenthal!), nunmehr Feldwebelleutnant, 1. Komp. Ldst.-Ba. von Würzburg in Lüttich.


So weit Br. Rosenthal. Wir aber stellen fest:

  1. Rosenthal benutzt als Briefpapier - wie der Aufdruck beweist – das des „Conseil Provincial de Liége", also des „Provinzial(Hochgrad-) Kapitels von Lüttich".
  2. Dieses Kapitel (Rat) gehört zum Großorient von Belgien, über den eine amtliche Logenzeitschrift in Deutschland, das „Mecklenburgische Logenblatt", Rostock, 29. Juni 1919, Nr. 23, 47. Jahrgang, Seite 187, schrieb:
    „In den politischen Zielen und in der Wahl der Mittel im politischen Kampfe, ist der belgische Großorient seit vielen Jahren ganz im Schlepptau des Großorients von Frankreich."
  3. Der „Hochwürdigste Bruder Großmeister", an den Rosenthal den Brief richtete, war der Großmeister Br. Max Schilling von der Großloge „Zur Sonne" in Bayreuth, Landgerichtsdirektor und Landsturm-Major.
  4. Br. Rosenthal aber tat noch mehr: er gab in dem Brief zu, welche Truppengestaltung (Infanterie), Truppenart (Landsturm), in welcher Stärke (6 Bataillone), welche Formationen (Würzburg, Bamberg, Hof, Bayreuth, Erlangen und Ansbach) und wo stationiert (in den Forts) Lüttich besetzt hielten. Wir sehen also: gründliche Arbeit.

Br. Schilling antwortete sofort und erwies sich dabei als ein neugieriger Großmeister. In seinem Schreiben - vom 6. Januar 1915 - begrüßte er zuvor den Beschluß, in Lüttich eine Feldloge zu gründen, und bat dann Br. Rosenthal, in Zukunft „auch militärische Verwendung und militärischen Dienstgrad" der Brr. angeben zu wollen. Dieses merkwürdige Ersuchen wurde natürlich von Lüttich aus prompt erfüllt. Zum Beweise sei auf Abbildung 36 verwiesen. Sie zeigt, daß bei der nächsten Zusammenkunft - am 24. Januar 1915 -, als etwa 20 weitere Brr. der Loge beitraten, dabei genauestens der militärische Dienstrang angegeben wurde. Man wird uns natürlich entgegnen, das sei doch die harmloseste Sache der Welt, denn diese Angaben seien wegen der Ausstellung von Logenurkunden nötig gewesen.

Ganz abgesehen davon, daß die Großloge „Zur Sonne" den einzelnen Brrn. keine solchen Urkunden ausstellte, liegt doch ein anderer Gedanke viel mehr im Bereich der Möglichkeit und gibt eine viel wahrscheinlichere Erklärung dafür, weshalb man in Bayreuth so großen Wert auf genaue Angaben legen zu müssen glaubte. Man war nämlich der Auffassung, eine genaue Kenntnis militärischer Einzelheiten könne erforderlichenfalls bei besonderen Geschehnissen oder Zwischenfällen nicht unnützlich sein. Wir lesen nämlich in einem Brief, in dem unser guter Bekannter Br. Hetzel am 11. Januar 1915 auf ein Schreiben des Großmeisters Br. Schilling antwortete, folgende recht merkwürdig anmutende Auskünfte und Zusicherungen:

„… Deine vertraulichen Nachrichten behalte ich scharf im Auge u. werde Dir rechtzeitig alles erforschen u. s. Zt. (d. h. und seiner Zeit, F. H.) Nötiges berichten. Jetzt kann ich hierin noch nichts erreichen, da als Offizier noch große Vorsicht am Platze ist."

Das klingt doch recht bedenklich! Wie muß man es aber erst nennen, wenn man im weiteren Verlauf dieses Briefes Br. Hetzel mitteilen hört:

„Bei einer Kriegs-Gerichtsverhandlung wegen Bestechung (ein Belgier wollte über die holl. Grenze kommen u. den Grenz-Posten bestechen) sind dem Betreffenden u. a. ein Stoß Briefe abgenommen worden, die er im Auftrag des hiesigen Stuhlmeisters (d. h. Meister vom Stuhle einer „belgischen" Loge in Lüttich, F. H.) nach Holland verschaffen wollte, wahrscheinlich Briefe an geflüchtete belgische Brüder, die sich in Holland aufhalten. Darum heißt es momentan etwas vorsichtig sein. Aber ich verspreche Dir, die Augen halte ich offen."

Wird hier nicht „trotz Krieg" der freimaurerische- Grundgedanke „edlen Menschentums" in einer Weise gepflegt, daß dadurch die Möglichkeit des Landes- und Kriegsverrat in eine recht bedrohliche Nähe rückt? Daß wir einem Mann gegenüber, der „trotz Krieg", wie er selbst schrieb, „über alles die Brüderlichkeit" stellt, derartige Bedenken erheben, kann man wohl schwerlich als zu weitgehend ansehen!

Die Lichteinbringung

Die Lichteinbringung ist immer ein besonderer Festakt, denn er bedeutet die offizielle Einweihung einer Loge.

Natürlich wurde diese Handlung des freimaurerischen Brauchtums auch bei der Feldloge in Lüttich vorgenommen. Sie fand am 14. März 1915 im Restaurant „Trianon" (s. oben) statt. Das „Bayreuther Bundesblatt" Nr. 7, XV. Jahrg., Bayreuth, April 1915, berichtet Seite 229 bis 237 - sehr eingehend darüber. Wir entnehmen dieser Darstellung:
Seite 230, daß 19 Brr. erschienen waren.
Seite 234 hören wir Br. Fischer als Meister vom Stuhl folgendes sagen:

„Ernst und weihevoll sei die Stunde, die uns heute zusammengeführt habe, er freue sich aufrichtigst und herzlichst, an offizieller Stelle heute das Wort „Bruder" nennen zu können. Es sei ein bedeutungsvoller Schritt, den wir in dieser ernsten, blutigen Zeit unternommen hätten, aber wir könnten stolz darauf sein, daß wir auch in dieser schweren Zeit als Maurer unserer K. K. (Königlichen Kunst, F. H.) treu geblieben seien; stets wird man in der maurerischen Welt von dieser Loge, die einen so herrlichen Namen trage, sprechen."

Das nicht maurerische Deutschland aber erblickt gerade darin, daß diese Feldloge „einen so herrlichen Namen" trug, etwas Schimpfliches, denn wir sehen darin eine Verunglimpfung des Blutordens des deutschen Frontsoldaten, einen schamlosen Mißbrauch des Eisernen Kreuzes für ihn völlig wesensfremde Gedanken, die den Krieg als „organisiertes Morden" ansprechen. Br. Eberlein ließ es sich nicht nehmen, wie wir auf Seite 236 a. a. O. lesen, eine „künstlerisch ausgestattete Urkunde" vorzulegen, die er hatte anfertigen lassen und die „von sämtlichen Brrn. unterschrieben wurde". Dieses Dokument zeigt unsere Abbildung 28.

Nach der offiziellen Feierlichkeit, wie immer bei solchen Feldlogenveranstaltungen, fleißig gegessen und getrunken.

So lebten sie!

Man würde mich ganz sicher von freimaurerischer Seite der Lüge und Verleumdung zeihen, wenn ich nur behaupten würde, in den Feldlogen habe man geschlemmt und sich Völlereien hingegeben. Glücklicherweise sind wir in der Lage, eine solche Behauptung so eindeutig zu beweisen, daß den Brn. die Lust zur Antwort vergehen dürfte.
Unsere Bilder 29, 30a u. b, 31a u. b, 32 und 33 sind photographische Wiedergaben von Speisefolgen aus Festveranstaltungen der Feldloge von Lüttich. Wir haben absichtlich zeitlich auseinanderliegende Menükarten ausgewählt, um damit gleichzeitig zeigen zu können, daß man 1918 nicht bescheidener geworden war, als man 1915 begonnen hatte.

Betrachten wir zunächst die Speisefolge beim Johannisfest am 4. Juli 1915:

	Schildkrötensuppe
	Vorspeisen
	Lendenbraten am Spieß
	Neue Kartoffeln - Junge Erbsen
	Kalbskern mit Pilzen
	Geflügelsalat
	Frucht-Eis.

Dazu folgende Getränke:

	Rotwein: St. Estèphe		Mosel: Zeltinger
	Burgunder: Moulin à vent	Schaumwein: Delbuk
	Sprudel: Königsbronnen.

Dabei war wohl - fern vom Schuß! - selbst ein „organisiertes Morden" auszuhalten!

So floß die Zeit dahin, und endlich kam das Schicksalsjahr 1918. Feste, Feiern, Tempelarbeiten, gemütliche brüderliche Zusammenkünfte aller Art wechselten in bunter Reihenfolge. Die freimaurerische Presse von Deutschland weiß in fast jeder Nummer etwas Neues aus den Feldlogen zu berichten.

Im Januar 1918 beging die Feldloge in Lüttich die Feier des dreijährigen Bestehens. Die Speisefolge dieses Festes zeigen uns die Bilder 31a und 31b: Fünf verschiedene Gänge! Fünf verschiedene Weine! Und das alles am 20. Januar 1918!
In Berlin und in vielen anderen Städten des Reiches dagegen Hunger und Streik! Glaubt man, daß es den roten Bonzen jemals gelungen wäre, den deutschen Arbeiter zu solch selbstmörderischem Treiben zu verführen, wenn er nur den dritten oder vierten Gang dieser Speisefolge im Magen gehabt hätte?

Und Leute, die so schlemmten und praßten, hielten dabei noch schwungvolle Reden auf Fürsten und Vaterland!

Schlechte Deutsche, Volksgenossen, die sich würde- und verantwortungslos benahmen, gab es auch woanders. Nirgends aber finden wir Beispiele, wie sie die Feldlogen abgaben, die sich geradezu als Kultstätten eines selbstsüchtigen und in solchen Zeiten volksverräterischen Betragens erweisen. Dieser Typ von Menschen war es, der im Kriege im deutschen Volk durch sein scham- und skrupelloses Auftreten so viel „böses Blut" machte und damit der zersetzenden Agitation der notorischen Vaterlandsverräter und Dolchstoßpolitiker Tür und Tor öffnete. Das verlogene Schlagwort „Etappe Gent" wurde von einer ebenso verlogenen Agitation den Massen eingehämmert, jetzt aber zeigt sich unwiderleglich, daß die Wahrheit hieß und heißt: „Etappe Feldloge"!

Selbst wenn irgend jemand in die Loge aufgenommen wurde, war dies für die Brr. eine willkommene Gelegenheit, gut zu essen und zu trinken. Dies zeigt uns das Brudermahl am 21. Juli 1918.
Die Speisekarte dieser kleinen Feierlichkeit weist „nur" vier Gänge auf! Und das damals - Juli 1918! - als der Hungertyphus durch Deutschlands Städte schritt, als würgendes Elend herrschte und die Not riesengroß geworden war! Damals lebte man, wie 1914, in den Feldlogen immer noch herrlich und in Freuden! (Abb. 32 und 33.)

Ich glaube, Millionen und aber Millionen von deutschen Menschen an der Front und in der Heimat hätten aus dem Menü vom 21. Juli 1918 gern auf den ersten, zweiten und vierten Gang verzichtet und wären glücklich gewesen, wenn sie allein den dritten: „Bohnen mit Speck", bekommen hätten! Jeder gute Deutsche wird diese Speisekarten mit Bitterkeit und Empörung ansehen, und kein Freimaurer kann sich mehr darüber wundern, daß wir die Feldlogen als Brutstätten und Zentralen einer verwerflichen, dem völkischen Gedanken und der Volksgemeinschaft todfeindlichen Geistes- und Lebenshaltung ansprechen.

„Furchtlos und treu“

Einen der Brr. von Lüttich wollen wir noch kurz auf seinem „Feldzug" an Hand von Logenblättern verfolgen: den Br. Weingärtner aus Heilbronn, der Mitglied der dortigen Loge des Eklektischen Freimaurerbundes war, die sich prahlend nannte „Furchtlos und treu".
Furchtlos und treu kam Br. Weingärtner, wie wir schon aus den ersten Protokollen der Feldloge sahen, drei Wochen nach Kriegsausbruch nach Lüttich. Vier Jahre später, 1918, am Ende des Krieges, hielt er noch immer in Lüttich eisern Wacht: furchtlos und treu! Das „Bayreuther Bundesblatt" kündet in fast jeder Nummer von seinen Heldentaten. Da lesen wir in Folge 10, 11 dieser „Freimaur. Zeitschrift der Groß-Loge „Zur Sonne" (Manuskript nur für Brr. Freimaurer), Bayreuth, Juli/August 1915 auf Seite 321 (Titelblatt) folgende in fast allen später erscheinenden Nummern wiederkehrende Notiz, die wir hier originaltreu wiedergeben:

Bitte um gef. Beachtung.
Da es in den jetzigen schweren Zeiten für jeden im Feindeslande stehenden Br. doch eine Erholung sein muß, in seinen freien Stunden und insoweit es der Dienst zuläßt, sich mit Brn. mrerisch betätigen zu können, bittet die Großloge „Zur Sonne" in Bayreuth hiermit alle Logen Deutschlands, denen diese Zeilen zu Gesicht kommen, ihre allenfalls in Lüttich und Umgegend im Felde stehenden Brr. auf die dortige Feldloge „Zum eisernen Kreuz“ aufmerksam machen zu wollen, welcher bereits Brr. fast aller mrerischen deutschen Systeme angehören. Nähere Auskunft erteilt gerne Br. Weingärtner, Vizefeldwebel bei der Paß-Zentrale in Lüttich. -
Weitere Verbreitung dieser Bitte durch die mrerische Presse Deutschlands würde dankbarst empfunden.
Schilling, Großmeister.

Welch idealer Zustand! Paßzentrale und Freimaurerzentrale! Eine wahre Patentlösung. Wie schon gesagt, wiederholt sich diese Notiz unverändert bis zum Ende des Krieges.

Halt, nein, nicht ganz unverändert! Denn in Nr. 2/3, XVI. Jahrg., Bayreuth, November/Dezember 1915, lesen wir nicht mehr „Vizefeldwebel", sondern „Feldwebel-Leutnant"! Und in Nr. 8, XVIII. Jahrg., Augustheft 1918, Seite 179, erfahren wir, daß man nähere Auskunft über die Feldloge von Br. Weingärtner, Leutnant bei der Paßzentrale Lüttich, erhalten könne. Es wird meinen Lesern geradezu eine Beruhigung sein, zu erfahren, was das „Bayreuther Bundesblatt" Nr. 10/11, XVI. Jahrg., Bayreuth, Juli/August 1916, Seite 325, vermeldet:

„- Feldloge „Zum eisernen Kreuz", Or. Lüttich. Br. Weingärtner, zur Zeit Feldwebelleutnant bei der Paßzentrale in Lüttich, wurde mit dem Eisernen Kreuz Il. Klasse ausgezeichnet."

So saß Br. Weingärtner, und mit ihm ein guter Teil aller Brr. dieser Feldloge, den ganzen Krieg über in Lüttich, tafelten und feierten, hielten schwülstige Reden auf Deutschlands Größe und überlegten, ob der Weltkrieg Anlaß gäbe, „freimaurerische Grundgedanken einzuschränken oder aufzugeben".

Br. Heizel und sein Kreis

In den Berichten über das Tun und Treiben der einzelnen Feldlogen, die in fast jeder Folge der Kriegsnummern der Logenblätter erschienen, finden wir oft recht interessante Personalien. Im „Bayreuther Bundesblatt" Nr. 10/11, XV. Jahrg., Bayreuth, Juli/August 1915, Seite 369/370, lesen wir folgende Mitteilung, die wir ebenfalls satz- und zeilengetreu abdrucken, so daß sie dem Original genauestens gleicht:

- Feldloge „Zum eisernen Kreuz" in Lüttich
Die Wahlloge vom 20. VI., die wegen Versetzung der betr.
Beamtenstelleninhaber notwendig war, hatte folgendes Ergebnis:
Meister vom Stuhl: Br. Hetzel, Hauptmann und Kompagnieführer im
Landsturmbataillon „Bayreuth" in Lüttich, Mitglied der Loge
„Eleusis zur Verschwiegenheit"-Bayreuth (Großloge „Zur Sonne"
Bayreuth).
I. Aufseher: Br. Eberlein, Hauptmann und Kompagnieführer im
Landsturmbataillon „Bayreuth" in Lüttich, Mitglied der Loge
„Friedrich zur Frankentreue"-Kulmbach (Großloge „Zur Sonne"-
Bayreuth).
II. Aufseher: Br. Domin, Telegr.-Direktor beim Feld-Telegraphenamt
Lüttich, Mitglied der Loge „Carl zu den 3 Adlern" - Erfurt (Große
National-Mutterloge „Zu den 3 Weltkugeln"-Berlin),
Redner: Br. Beyer, Oberarzt im Landsturmbataillon „Bayreuth" in
Lüttich, Mitglied der Loge „Eleusis zur Verschwiegenheit"-
Bayreuth (Großloge "Zur Sonne"-Bayreuth).
Schriftführer: Br. Weingärtner, Vizefeldwebel im Landsturmbataillon
„Bayreuth", kommandiert zur Paß-Zentrale des Gouvernements
Lüttich, Mitglied der Loge „Furchtlos und treu"-Heilbronn (Eklekt.
Freimaurerbund-Frankfurt a. M.).
Schatzmeister: Br. Hilgner, Leutnant der Festungs-Maschinengewehr-
Abteilung Lüttich, Mitglied der Loge „Friedrich Wilhelm zur
Morgenröte"-Berlin (Große Landesloge der Freimaurer von
Deutschland, Berlin).
Zeremonienmeister: Br. Cahn, Feldwebel im Landsturmbataillon
„Bayreuth", 5, Komp., in Lüttich, Mitglied der Loge „Eleusis zur
Verschwiegenheit"-Bayreuth (Großloge „Zur Sonne"-Bayreuth).
Die Adressen sind: Mstr. v. St.: Hauptmann und Kompagnieführer Hetzel, Landsturmbataillon „Bayreuth. 2. Komp., z. Zt. Lüttich. Schriftführer: Vizefeldwebel Weingärtner, Paß-Zentrale Lüttich.
Für die Folgen finden die wöchentlichen Zusammenkünfte jeweils Donnerstag Abend von 6 Uhr ab statt, und jeden 3. Sonntag im Monat wird eine Tempelarbeit abgehalten. Lokal für beide: Restaurant „Trianon", Lüttich, Boulevard de la Sauvenière 12, 1 Treppe hoch.

Leben und Treiben in der Feldloge „Zum eisernen Kreuz“ in Lüttich

Am 1. Januar 1916 feierte die Feldloge ihr einjähriges Bestehen. Das „Bayreuther Bundesblatt" bringt darüber in seiner Nr. 5, XVI. Jahrg., Februar 1916, Seite 131/142, aus der Feder des Meisters vom Stuhl, Br. Karl Fischer, einen genauen Bericht. Darin lesen wir, daß die Logensitzung in der Wohnung des Brs. Schröder stattfand:

„Ziemlich eng aneinandergeschmiegt standen die verschiedenartigen Stühle, die die Sitzgelegenheit für die Brüder bildeten. Ein Klavier war zur Stelle und ringsum blickten aus Ölgemälden und Photographien die Augen der Mitglieder jener belgischen Familie wie erstaunt und fragend über das Schauspiel, das sich ihnen in den Räumen bot, die sonst so ganz anderen Zwecken gedient hatten."

Deutsche Menschen werden allerdings beim Anblick dieser Herren, die es fertigbrachten, sich über das feldgraue Ehrenkleid Freimaurerschürzen zu binden und Logenschärpen zu hängen, wesentlich andere Gefühle als „fragendes Staunen" beseelen!! Die Schamlosigkeit solcher Szenen, wie sie auch unsere Abbildung 38 festhält, wird bei jedem deutschen Volksgenossen hellen Zorn erwecken.

Folgen wir nun dem Bericht im „B. B." weiter. Auf Seite 140 lesen wir dann, daß die Loge „Brudertreue am Main" in einem „warm gehaltenen Beglückwünschungsschreiben" mitgeteilt habe, daß sie „der Feldloge in kürzester Frist einen Ehrenhammer, dessen Herstellung leider nicht zum richtigen Termin geglückt sei, widmen werde". Unsere Abbildung 34 zeigt diesen Hammer. Mit ihm leitet der Mstr. vom Stuhl die Logensitzungen, deren Zeremoniell in Handlung und Inhalt rein jüdisch ist! Und für eine derartige, anationale Angelegenheit wird wieder das Eiserne Kreuz mißbraucht! Bei dieser Gelegenheit sei auch gleich auf Abbildung 35 verwiesen, die einen Buchschmuck für die Feldlogenakten darstellt, bei dem wiederum das Eiserne Kreuz geschändet wurde.

Nachdem die offizielle Tempelfeier zu Ende war, folgte das übliche Brudermahl. Wir lesen darüber Seite 141 des Berichtes wörtlich folgendes:

„Die Brr. begaben sich dann in das Hotel d'Europe, wo um 3 Uhr ein allgemeines Brudermahl ohne (mrische) Bekleidung stattfand. Gleich zu Beginn wurde eine photographische Aufnahme gemacht. Das Festessen, dessen Reichhaltigkeit und Güte im tiefsten Frieden jeder Kritik standgehalten hätte, verlief aufs glänzendste."

Die Reichhaltigkeit solcher Festessen lernten wir ja schon oben an Hand einiger Speisekarten kennen. Den Bruderkreis, der sich bei solcher Gelegenheit zu versammeln und photographieren zu lassen pflegte, zeigt uns die Abbildung 37. Der dritte von links in der ersten Reihe ist unser Freund Hetzel.

In einem Brief des Brs. Kayser, Leutnant d. L., der in Namur stand und ebenfalls der Feldloge in Lüttich angehörte, finden wir folgende recht interessante Feststellungen („Bayreuther Bundesblatt" Nr. 6, XVI. Jahrg., März 1916, Seite 175)

„Die Feldloge tagt zurzeit in einem verlassenen herrschaftlichen Hause, welches drei Brüdern als Quartier dient. Zwei große Räume stehen uns dort zur Verfügung, deren Möblement meist belassen ist, und ist der Tempelraum mit den geringen, der Loge zur Verfügung stehenden Mitteln stimmungsvoll geschmückt. Die Tische für den Meister und die Beamten sind mit blauem Tuch behängt, ebenso die Ständer für die drei kleinen Lichter. Der Tapis ist mit Kreide auf den Fußboden gemalt usw. Die großen Familien-Ölgemälde, Männlein und Weiblein, schauen etwas verwundert auf diese Versammlung.

Alles in Feldgrau, der Meister vom Stuhl, Br. Fischer aus Schweinfurt als Major, ist der einzige Stabsoffizier der Loge, Hauptleute und Rittmeister sind in großer Zahl vertreten, ebenso Leutnants, Offizierstellvertreter und Vizefeldwebel, zwei Ärzte, ein Regierungsbaumeister, ein Feldpostbeamter, ein Konsul, zwei Krankenträger und mehrere Unteroffiziere. Gearbeitet wird in Mütze, aber ohne Handschuhe und sonstige Bekleidung. Einzig und allein wird das Logenabzeichen getragen, und zwar tragen die Beamten dasselbe an einem schwarz-weiß-roten Bande um den Hals, die anderen an einer Schleife in denselben Farben auf der linken Brust.
Das Logenabzeichen stellt ein Winkelmaß dar, in dessen Mitte das Eiserne Kreuz sich befindet. In den drei Ecken des Winkels sind die Buchstaben F. E. K. eingelassen. Der Winkel ist vergoldet, das Kreuz in Emaille, die Buchstaben in blauer Emaille und durchbrochener Arbeit ausgeführt!“ (Dieses Abzeichen s. Abbildung Nr. 16.)

In Nr. 10/11, XVI. Jahrg. des „Bayreuther Bundesblattes" Juli/August 1916, S. 305/314, finden wir einen der Feder des Brs. Weingärtner entsprungenen „Bericht über das am 18. Juni 1916 stattgehabte Johannisfest der Feldloge „Zum eisernen Kreuz" in Lüttich". Darin, lesen wir u. a.:

Seite 306:
„An der Festarbeit nahmen 32 Brr. teil, darunter die Vertreter der Feldloge „Zum Stern von Brabant" in Brüssel und der deutschen Loge „Hansa" in Antwerpen."
Seite 306:
„Nunmehr treten auf Aufforderung des Ehrw. Mstrs. die Brr. Köstler von der Loge „Goethe zur großen Feuerkugel" im Or. Leipzig, Schatto von der Loge „Zum gold'nen Rad" im Or. Osnabrück und Fick von der Loge „Zur Einigkeit" im Or. Wriezen a. d. O. an den Altar, um ihrem Wunsche gemäß unserer engeren Bruderkette einverbrüdert zu werden."
Seite 310:
„Den Jahresbericht erstattet, hieran anschließend, alsdann Br. Weingärtner. Demselben ist zu entnehmen, daß die Feldloge z. Zt. 51 Brüder zählt, davon gehören an:
	19 Brüder der Großloge „Zur Sonne",
	13	„	Großloge „Zu den 3 Weltkugeln",
	6	„	Großloge „Eklektischer Bund", Frankfurt a. M.,
	5 Brüder der Großen Landesloge der Freimaurer von Deutschland,
	4	„	Großen Loge von Preußen, genannt „Zur Freundschaft", in Berlin,
	2	„	Großen Loge in Hamburg,
	1 Bruder dem Großorient in Belgien, (!)
	1 Bruder der unabhängigen Loge in Gera."
Seite 313:
„Die Tafelloge verlief auf schönste, und nur zu bald schlug die Stunde der Trennung. Die Feldlogenbrüder geleiteten noch die auswärtigen Brüder zur Bahn. Ein herzlicher Händedruck und ein „Auf Wiedersehen", dann war das Johannisfest zu Ende -."
Seite 313/314:
„Die Feldlogen sind die Stätten, sind die Bauhütten, aus denen heraus die Freimaurerei neue Richtlinien nehmen wird und nehmen muß, will sie in alle Zukunft eine Quelle der Veredlung der Menschheit sein und bleiben."

Wie der Anfang - so das Ende

November 1918! Das Haßziel überstaatlicher Dolchstoßpolitik war erreicht: „Deutschland soll - das ist unser fester Wille - seine Kriegsflagge niederholen, ohne sie das letzte Mal siegreich heimgebracht zu haben." („Vorwärts", Berlin, 20. Oktober 1918.)

Wir wissen, daß damals bei den durch die Waffenstillstandsbedingungen von Compiègne festgesetzten anormalen Räumungsterminen ungeheure Mengen deutschen Kriegsmaterials sowie Nahrungsmittel und andere Werte zurückgelassen werden mußten.

Aber ein unerhört kostbarer Schatz wurde gerettet und sorgsam in die Heimat überführt: sämtliche Akten, Ritualgegenstände, wie Hämmer, Teppiche usw., ferner alle Logenutensilien und Listen der Feldloge von Lüttich!

Welch ein Glück für Deutschland! Da konnte man mit den Freimaurerbrüdern der anderen Seite in Versailles ruhig einen „Frieden" schließen: Das „Beste" war gerettet - der „freimaurerische Grundgedanke"!

Und Jahre gingen ins Land; Jahre namenlosen Elends, Jahre, in denen von Menschenverbrüderung und der Gleichheit all dessen, was Menschenantlitz trägt, geschwätzt und an das Weltgewissen appelliert wurde.

Da, als Deutschland am freimaurerischen Gedanken fast zugrunde gegangen war, riß Adolf Hitler die Fahne der Freiheit aus dem Dunkel der Not und trug dem deutschen Menschen das Hakenkreuz als leuchtendes Fanal voran.

Damals fanden wir unter den Bergen beschlagnahmter Logenakten auch die „Schätze" der Feldloge von Lüttich. Fast dankbar müssen wir dem Br. Georg Weingärtner dafür sein, daß er im „Bayreuther Bundesblatt" Nr. 5/6, XIX. Jahrg., Mai/Juni 1919, Seite 171., einen Aufruf erließ, den andere Logenblätter nachdruckten, und in dem er die Brr. unter anderem bat:

„Gleichzeit werden die lieben Brüder der Feldloge nochmals dringend gebeten, ihre Photographien für das Logenalbum an den Unterzeichneten einsenden zu wollen, damit die Übergabe des Albums an die Großloge erfolgen kann."

Da kam allerlei zusammen, was uns interessante Aufschlüsse vermittelte.

In derselben Nummer des „Bayreuther Bundesblatt", Seite 172/174, berichtet Br. Weingärtner, der es noch zum Stellvertretenden Meister vom Stuhl der Loge gebracht hatte, über deren Auflösung. Dabei erfahren wir, er habe „nach Auflösung der Feldloge die freimaurerischen Logeneinrichtungsgegenstände, Rituale, Bücher, Gründungsakten usw., soweit es unter den im November 1918 herrschenden Zuständen möglich war, diese in Sicherheit zu bringen, der Großloge Zur Sonne' in Bayreuth übergeben."

Bei dieser Gelegenheit hören wir, daß die Auflösung der Feldloge „laut Beschluß der Logenversammlung vom 20. Oktober 1918" erfolgt sei. Das ist recht interessant, denn es zeigt, daß die Brr. über die kommenden Dinge nicht ganz uninformiert gewesen sein dürften.

Für seine Logenbesorgtheit erhielt Br. Weingärtner ein herzliches Dankschreiben von der Großloge, das er zum Abdruck bringt und mit einem Nachwort versieht, in dem er folgende, durch den Weltkrieg nicht eingeschränkte freimaurerische Grundgedanken verkündet:

Seite 173:
„Unsere geliebte Feldloge ist aufgelöst, nicht aber die Verbindung der Feldlogen-Brüder untereinander. Die von allen Seiten mir zugehenden Zuschriften voll herzlicher Dankesworte und Freundschaftsbezeugungen beweisen mir, daß die Feldloge eine segensreiche Tätigkeit in den 4 Jahren entfaltet hat. Möge das Gute, Erhabene, das echt Maurerische und Brüderliche, das die Feldloge gepflegt und gehegt hat, weiter unter den Brüdern in der Heimat gehütet werden!"
Seite 174:
„Wir brauchen Männer, willensstarke, charakterfeste Männer in unserer heutigen Zeit. Die Brüder der Feldloge können hier bahnbrechend mitwirken zum Segen unserer ganzen Menschheit.

Arbeiten wir alle mit an der Aufgabe unserer Zeit, an der Aufgabe unserer K. K. Dann wird auch die Kette, die einst über den ganzen Erdenrund gespannt war, wieder zusammengeschmiedet werden können."

So endete die Feldloge, die vom Eisernen Kreuz nichts weiter als den Namen hatte, in demselben freimaurerischen Grundgedanken, in dem. sie geboren wurde: „über alles die Brüderlichkeit!"

Anmerkungen

1) Der Belgier kann schlecht Deutsch, es muß heißen M. vom St., d. i. Meister vom Stuhl! Also der Meister der Loge der Belgier!
2) Kameradschaftliche und brüderliche Grüße unseren sehr verbundenen Brüdern von Bayreuth.
3) Bedeutet „Rosis Cruzis", Rosenkreuzer, 18. Logengrad.
4) Die den Freimaurern heilige Zahl, die Drei.


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