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Rezension: Hans-Hermann Höhmann: Freimaurerei. Analysen, Überlegungen, Perspektiven

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Inhaltsverzeichnis

Rezension: Hans-Hermann Höhmann: Freimaurerei. Analysen, Überlegungen, Perspektiven

Freimaurerei für Fortgeschrittene

Hans-Hermann Höhmann: ‚FREIMAUREREI – Analysen, Überlegungen, Perspektiven’, Edition Temmen, 2. Aufl. 2013. Eine Rezension aus ZEIT&MASS, dem Mitgliedermagazin der Großloge von Österreich.
Von Rudi Rabe

Ein Buch für alle, die tiefer in die Freimaurerei eindringen wollen, geschrieben von einem Sozialwissenschaftler, der seit 55 Jahren beim Bund und in dieser Zeit zu einem der Vordenker der deutschen Freimaurerei geworden ist.

Das Buch enthält eine Auswahl der über hundert Texte, die Höhmann in den letzten Jahren veröffentlicht hat. Sie „sind aus einer prinzipiell zustimmenden Haltung heraus geschrieben, sie sprechen aber auch manchen blinden Fleck, ja manches Tabu an, denn wer es gut meint mit der Freimaurerei, darf darüber nicht hinwegsehen“, schreibt der Autor einleitend. Er meint damit „die problematische Geschichte der deutschen (nicht der österreichischen; R.R.) Freimaurerei in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts und ihre unzureichende Aufarbeitung“ sowie „das spezifische Verhältnis zwischen Freimaurerei und gesellschaftlichem Wandel“, das laut Höhmann verbesserbar ist.

Doch das Buch ist keine Abrechnung: „Denn Freimaurerei entfaltet sich im Diskurs, und ‚nichts geht über das laut Denken mit einem Freunde’ (Lessing)“. Das wird besonders anschaulich im Kapitel ‚Analysen und Überlegungen zum Ritual der Freimaurer’. Es enthält drei Beiträge: Über die Rückkehr und die Allgegenwart des Rituellen; über die freimaurerische Symbol- und Ritualwelt (Licht, Wandern, Bauen); und ein „Plädoyer für die Säule der Schönheit – Zur ästhetische Dimension der Freimaurerei“. Diese ist – so Höhmann – in den letzten Jahrzehnten „in starkem Maße verschüttet gewesen“; doch jetzt werde sie wiederentdeckt.

Ein lesenswertes Buch zur Selbstaufklärung.

Rezension: Freimaurerei. Analysen, Überlegungen, Perspektiven

Von Gero Mensel

Freimaurerei Analysen, Überlegungen, Perspektiven

Br. (Prof. Dr.) Hans-Hermann Höhmann, legt hier eine Aufsatzsammlung vor, die seine Erfahrungen und Überlegungen der letzten 50 Jahre widerspiegelt. Nicht nur als Privatperson hat er sich dem Freimaurertum genähert, sondern auch als Sozialwissenschaftler zeigt er neue Perspektiven in der Freimaurerei auf. Doch fangen wir von vorne an.

Die ersten 115 Seiten widmen sich der Entwicklung der Freimaurerei seit ihrem Bestehen. Nicht Legenden sind die Ursprünge der Freimaurerei, sondern „historische Kontinuitäten“ führten schließlich zur Bildung der ersten Großloge am 24. Juni 1717 in London. Der Autor zeigt dann die Entwicklung der Freimaurerei bis heute auf; er lässt dabei auch sehr kritischen Gedanken Raum, besonders auch in Deutschland, wenn er die Entwicklung der Großlogen vom 1. Weltkrieg bis zum Verbot durch den NS-Staat darlegt. Dieser Teil des Buches schließt mit einer Darstellung des Wiederaufbaus der Freimaurerei in Deutschland bis zu der Gründung der VGLvD.

Dieser Abschnitt des Buches wäre es durchaus wert, als eigene, kleine Schrift verlegt zu werden um es neuaufgenommen Brüdern und auch der interessierten Öffentlichkeit an die Hand zu geben.

Im zweiten Teil wendet er sich seinem ureigenen Gebiet, der Soziologie, zu. Er betrachtet dabei die Freimaurerei unter dem Konzept des französischen Soziologen Pierre Bourdieu. Er kann, wie der Autor selbst betont, noch keine Forschungsergebnisse vorlegen, sondern allenfalls Hypothesen. Nach einer kurzen Einführung in das Konzept Bourdieus versucht er es auf die Freimaurerei anzuwenden. Für mich als Nicht-Soziologen war das von dem Autor skizzierte Normenkonzept (s.125) eine gute Handreichung, wie eine Loge ausgerichtet sein sollte:

- Regulierung von Konflikten ohne Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit der Bruderschaft
- Diskurse unter Einbeziehung auch von Externen
- Geselligkeit, die sich auf einem guten Niveau befindet
- rituell überzeugende Arbeiten
- Identitätsbewusstsein der Brüder, mit dem Wissen, wie Freimaurerei praktiziert und somit auch nach außen vermittelt werden kann.

In einem weiteren Kapitel wendet er sich dem Begriff des Sozialkapitals und seiner Anwendung auf die Freimaurerei zu. Im Zuge seiner Betrachtungen über das Sozialkapital in den Logen analysiert er die Mitgliederbewegungen innerhalb der deutschen Freimaurerei 1960 – 2008. Der Autor kommt zu dem Schluss, dass das Sozialkapital der Logen, so es denn in Qualität und Substanz (Menschlichkeit, Geschwisterlichkeit und Toleranz) attraktiv ist, die Chance bietet, eine gesellschaftliche Nachfrage auf sich zu ziehen.

Im Anschluss an diese Analysen greift Br. Hans-Hermann Höhmann die aktuelle Diskurstheorie auf und stellt sich die Frage: Was ist, was will, was soll die Freimaurerei? In seinen Ausführungen befasst sich der Autor mit den Themenkomplexen Freimaurerei & Internet, Freimaurerei & Kirchen sowie Freimaurerei & Gesellschaft und mündet dann in die Diskussion des Freimaurerdiskurses der Gegenwart. 5 Diskursstränge werden identifiziert:

- Nationale Struktur der deutschen Freimaurerei und ihr internationale Einordnung.
- soziale Struktur der Freimaurerei
- Ideenwelt und Werte
- Symbole und Rituale
- Öffentlichkeitsarbeit und öffentliche Aufgaben

Aus der Sicht des Rezensenten bieten diese Diskursstränge ein solides Gerüst für die Arbeit in den Logen.

Abschließend wird noch die Frage des politischen Engagements der Freimaurerei diskutiert. Dem Religionsdiskurs widmet Br. Hans-Hermann Höhmann ein ausführliches Kapitel, das zu dem Schluss kommt, dass der Diskurs „Von Gott und der Religion“ weitergeführt werden wird – nur das „Wie“ bleibt offen.

In dem letzten Kapitel steigt der Autor noch in die Wertediskussion ein. In seinem Resumée kommt er zu folgenden Kernsätzen:

- Werteerziehung ist eine wesentliche Aufgabe der Loge
- Werte müssen eingeübt werden – Ethik der Einübung
- Die Gruppe (Loge) ist notwendig zur Einübung wertebezogener Verhaltensweisen
- Die Grundlage hierzu bildet die rituelle Praxis in den Logen

Diesen Diskursbetrachtungen schließen sich dann Überlegungen zur Symbol- und Ritualwelt sowie zur ästhetischen Dimension der Freimaurerei an. Interessant hierbei ist, dass sich der Autor nicht nur an Freimaurer sondern auch explizit an Freimaurerinnen wendet.


Den Abschluss dieses Buches bilden dann Aufsätze des Autors aus den Jahren 1971 – 2010, die seinen freimaurerischen Horizont ausleuchten. Er beginnt mit der Darstellung seiner Thesen zur Entwicklung der Freimaurerei aus dem Jahre 1971, geht dann weiter über Gedanken zur deutschen Vereinigung und schließt mit dem Bestseller von Dan Brown „Das verlorene Symbol“.

In seinen hier veröffentlichten Aufsätzen wendet sich Br. Hans-Hermann Höhmann an einen anspruchsvollen Leser, der auch bereit sein sollte, sich Themenkreisen und Betrachtungsweisen zu öffnen, die ihm bisher unbekannt waren. Das Buch ist kein Buch zum konsumieren, vielmehr will es erarbeitet werden. Aber dann gibt es dem Leser viele Gedankenanstösse und Diskussionsthemen, die er hoffentlich auch in seine Logen trägt.


Freimaurerei. Analysen, Überlegungen, Perspektiven (Edition Temmen, Bremen, 2011, 19,90€, 335 S., ISBN 978-3-8378-4028-5)

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