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Kurt Reichl

Aus Freimaurer-Wiki

Aus "Finis latomorum" von Albert Lantoine 1950. Passage übersetzt von Alain Bernheim
"Inmitten den Abtrünnigen der Freimaurerei, gibt es Einen, der einen trügerischeren Eifer zeigte. Obwohl wir uns versprochen haben, innerhalb dieser Abhandlung bei allgemeinen Begriffen zu bleiben, so dass unsere Objektivität nicht in Zweifel gebracht werden konnte, sind wir gezwungen die Heuchelei dieses Menschen namens Kurt Reichl, von österreichischer Nationalität (wie der Andere), zu enthüllen.
In unserem Brief an den Papst hatten wir die Gelegenheit ihn zu zitieren, in Zusammenhang mit der Unterredung, die er und Bruder Ossian Lang, der Historiker der Grossloge von New York, ehemals mit Vater Gruber von der Societas Jesu hatten, um zwischen Kirche und Freimaurerei einen weniger sauren modus vivendi zu erreichen. In unserem Brief hatten wir ihn sogar als Philosoph betitelt.
Nun bemühte sich dieser Philosoph, ohne sogar die Ausrede ein Offizier zu sein – d.h. einer, der gezwungen ist zu gehorchen –, Auskünfte über Logen zu erhalten, die wie er behauptete, sich weiter versammelten, um damit die Rolle, die er als Schmarotzer im Grand Hôtel spielte, zu rechtfertigen. Um vertrauliche Mitteilungen zu erhalten und damit seine eigene Heimtücke auch den französichen Brüdern zuzutrauen, versprach er sogar den Beraubten, sie würden wieder zu ihren Gütern gelangen. Von dieser Schändlichkeit können wir einwandfreie Zeugnisse vorlegen."

Inhaltsverzeichnis

Reichl, Kurt

Quelle: Lennhoff, Posner, Binder von 1932

Dr., österreichischer philosophischer Schriftsteller, * 1899, Mitglied der Loge "Zukunft" in Wien, führte mit P. Gruber S. J. von 1926 bis zu dessen Tode 1930 einen umfangreichen Briefwechsel1, der in Verbindung mit einer Reihe grundsätzlicher Artikel Reichls in der Wiener Freimaurer-Zeitung die gegensätzlichen weltanschaulichen Fragen einer Klärung zuführte.

Auf Grund dieses Briefwechsels kam 1928 eine unverbindliche Besprechung in Aachen zustande, an welcher neben P. Gruber und K. Reichl auch noch Lennhoff (Wien) und Ossian Lang (New York) teilnahmen. Das erfreuliche Ergebnis dieser Aussprache mit Gruber war, dass er seine Überzeugung darlegte, dass auch auf katholischer Seite der Kampf gegen die Freimaurerei ausschließlich auf der Ebene weltanschaulicher und wissenschaftlicher Auseinandersetzungen auszutragen und der Lügen- und Bezichtigungsliteratur ein Ende zu machen sei.

Ergänzung

1 diese Briefe, oder vielleicht ein Teil davon, scheinen sich jetzt im United States Holocaust Memorial Museum, Washington D.C. zu befinden:
"556 Papers concerning the Mason's conference in Aachen (Austria). Letters of Gruber and Dr. Reichl concerning various countries (conference probably took place in June 1928). Report of SD Sonderkommando II 1 Wien, regarding Aachener Konferenz, 1928, and contact between Kurt Riechl and Father Hermann Graber, SJ, 2 April 1938; handwritten and typed texts on miscellanous topics regarding Freemasonry, Jewry, Catholicism, etc. 1937 - 1938. 233 pages." Quelle: PS Review of FM


„Dr. Kurt Reichl, der Verräter“

So titelt der Wiener Kulturhistoriker Marcus Patka in seinem Buch ‚Österreichische Freimaurer im Nationalsozialismus‘ (Verlag Böhlau, Wien 2010) ein Kapitel, in dem er den (weiteren) Weg Kurt Reichls schildert: den Weg eines Verräters. Aber davon konnten Eugen Lennhoff und Oskar Posner noch nichts wissen, als sie 1932 obigen Text finalisierten. In einem spannenden Kapitel schildert Marcus Patka über 25 Seiten die Umtriebe Kurt Reichls nach 1932: angereichert mit aufschlußreichen Originaltexten der SS und von Reichl selbst. Hier eine Zusammenfassung von Rudi Rabe für ZEIT&MASS, das Mitgliedermagazin der Großloge von Österreich.

Vom masonischen Jungstar zum Betrüger

Dr. Kurt Reichl (1899 - 1956)

Reichl wurde 1922 schon mit 23 in die Loge ‚Zukunft‘ aufgenommen, und er avancierte rasch zum Jungstar der Wiener Freimaurerei: hyperaktiv war er, bei vielem dabei und allseits geschätzt. Und so legte er bald eine steile masonische Karriere bis in den Schottischen Hochgrad hin.

Doch Anfang 1934 war es vorbei: Wegen seines aufwendigen Lebensstils schlitterte Reichl in finanzielle Schwierigkeiten, die er durch Betrügereien gegenüber Brüdern zu meistern versuchte. Fazit: nach Aufforderung durch den Großbeamtenrat Deckung; nach außen hin ehrenvoll.

Überläufer zu den Nazis

Reichl rächte sich in katholischen und nationalen Medien mit einer Serie verleumderischer Artikel, die vor Verdrehungen und Falschinformationen strotzten: Pseudonym Dr. Gregor Cardon. Und er nahm schließlich 1935 Kontakt mit den Nazis in Deutschland auf, um die Freimaurer zu denunzieren. In einem Treffen mit der Freimaurerabteilung der SS sagte er, den Freimaurern sei er beigetreten, um diese besser durchschauen zu können. Als ihm „ihre vollkommene Verschmelzung mit dem Judentum klar geworden“ sei (SS-Protokoll), hätte er nicht gezögert, die Konsequenzen zu ziehen und auszutreten. Letztlich stellte er die Freimaurerei als eine Art anti- und übernationale Geheimtruppe dar, die weltweit von wenigen jüdischen Oberen geführt werde, deren Identität auch den einfachen Mitgliedern unbekannt sei. Das entsprach dem Weltbild der Nazis, und so glaubten ihm die SS-Leute einigermaßen in der Sache. Sie schätzten ihn aber als opportunistisch ein, und sie mißtrauten ihm daher als Person. Gegen Ende des langen Gesprächsprotokolls hielten sie fest, „das es Dr. Reichl lediglich um seine finanzielle Sicherheit zu tun sei.“

Sogar die SS bleibt mißtrauisch

Manche SSler warnten in der Folge intern vor ihm, sie hielten ihn für jüdisch oder halbjüdisch und für einen Doppelagenten. Dennoch bekam Reichl vom Sicherheitsdienst (SD) der SS in Berlin eine Wohnung und Unterstützung. Er durfte aber nicht mehr öffentlich publizieren und mußte der SS weiter zur Verfügung stehen. Langsam stieg das Vertrauen in Reichl, dieser fühlte sich sicherer, und so schickte er an den hohen SS-General Reinhard Heydrich einen Brief, in dem er seine Kenntnisse und Fähigkeiten anpries, weitere „Enthüllungen“ in Aussicht stellte und um eine fixe Anstellung als Chef einer einschlägigen Propagandaabteilung („Weltdienst“) ersuchte.

Sie verhaftet ihn und stellt ihn kalt

Doch es kam anders. Als die Nazis Österreich okkupierten und die Archive der Wiener Großloge in die Hände bekamen, entdeckten sie, dass Reichl sie bezüglich seines Austritts angelogen hatte. Resultat: Haft und Verhöre für Reichl. Dieser gestand, verwies jedoch auf seine nationalsozialistische Gesinnung, und so wurde er nach fast einem Jahr freigelassen; er blieb unter Polizeiaufsicht.

Weitere Stationen: Mitarbeiter der Deutschen Gesandtschaft in Paris, zuständig für Kontakte mit der katholischen Kirche; ab 1944 in Wien bei der SS-Dienststelle ‚Kirche und Klerus‘. Nach dem Krieg kam Kurt Reichl auf eine Fahndungsliste der Wiener Polizei. Er lebte aber inzwischen im französisch besetzten Innsbruck und blieb vorläufig unbehelligt. Erst 1949 ereilte ihn in Graz eine Anzeige wegen Kriegsverbrechen, und es kam zu Untersuchungen.

Nach dem Krieg Lügen andersherum

Seine Tätigkeit während der Nazi-Zeit stellte Kurt Reichl in einer Aussage schließlich so dar: Verhaftung 1938 weil er Freimaurer war, und das trotz seines „freiwilligen Austritts … wegen sachlicher Verstimmungen“; Rede- und Schreibverbot; Polizeiaufsicht; belastet auch wegen des nicht lückenlosen Ariernachweises sowie wegen Nähe zur katholischen Kirche; finanzielles Überleben durch Beratung unpolitischer Industriekonzerne; gesamtes Gepäck samt wichtigen Schriftstücken in den „Wirren der Befreiungstage unwiederbringlich in Verlust gegangen“. Kein Wort von seiner langjährigen Tätigkeit für SD/SS.

Marcus Patka schließt das Kapitel mit dem Satz: „Man kann Kurt Reichl ohne Bedenken als den übelsten Opportunisten und Verräter in der Geschichte der österreichischen Freimaurerei bezeichnen.“

Kurt Reichl lebte nach dem Krieg hauptsächlich in Graz, verfasste dort ein 'Lexikon steirischer Persönlichkeiten' und starb mit 57 Jahren relativ jung 1956. Er ist in Wien begraben.

Siehe auch


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