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Lessing (Frankfurt am Main)

Aus Freimaurer-Wiki

Loge-lessing.jpg
Johannisloge:

"Lessing"

Orient: Frankfurt am Main
Matr.-Nr.: 769
Gründungsdatum: 1946
Großloge: AFuAMvD

Inhaltsverzeichnis

Lessing (Frankfurt am Main)

Bijoux
Sammel-Urnengrab der Loge Lessing

Logengeschichte

Noch keine fünf Monate nach Kriegsende versammelten sich im September 1945 Brüder aus verschiedenen Logen in Frankfurt. Es stellte sich heraus, daß die Mitgliederzahl jeder einzelnen Loge zu klein war, um eine eigene Loge wieder zu erwecken. So beschlossen die Brüder eine neue Loge zu gründen und gaben ihr den Namen "Lessing". Die Gründungsurkunde wurde am 7. Januar 1946 der Loge "Lessing" feierlich übergeben.

In dem weitgehend zerstörten Frankfurt waren öffentliche Lokale, die einen abgeschlossenen Raum bieten konnten, praktisch nicht vorhanden. Anfang 1946 hatte Dr. med. Emil Selter (Kinderarzt) sein Haus soweit in Stand gesetzt, daß er seine Sprechstunden wieder beginnen konnte, und bot den Brüdern an, sein Wartezimmer als Versammlungsraum zu benutzen. Wegen der Beschränkung auf den Nachmittag, es bestand noch eine nächtliche Ausgangssperre, kam nur der sprechstundenfreie Mittwoch in Frage. So ist der Mittwoch der Tag der Loge "Lessing" geworden und geblieben. Mit Besserung der Verhältnisse im Gaststättengewerbe und Lockerung der Ausgangssperre verlegte die Loge "Lessing" ihre Zusammenkünfte auf den Abend und in das in der gleichen Straße gelegene Restaurant "Casino". Kurze Zeit später (1948) als die Mitgliederzahl auf 34 angewachsen war, ging man zu der befreundeten Loge "Carl und Charlotte zur Treue" nach Offenbach. Immer aber blieb der Wunsch in den Brüdern lebendig, einen eigenen Tempel zu besitzen.

Sie mieteten Räume in Frankfurt in der Mainzer Straße an, die besonders ausgeschmückt waren. Der Ausbau der Räume wurde unter der Leitung von drei Brüdern, die Architekten von Beruf waren, durchgeführt. In diesem Tempel hat die Loge "Lessing" 39 Suchenden das maurerische Licht gegeben und 24 Brüder in der Loge angenommen.

Gerade in dem Zeitpunkt, in dem der Mietvertrag für diese Räume abgelaufen war, ergab sich für die Loge wieder eine Möglichkeit einen Schritt vorwärts zu tun: die Loge "Wilhelm zur Unsterblichkeit" sah sich außer Stande, ihr wieder zurückerhaltenes Haus in der Finkenhofstraße 17 allein zu nutzen. Entweder mußten die Räume für maurerische Zwecke verkleinert werden und der Rest der Liegenschaft neu mit vermietbaren Geschäftsräumen ausgebaut werden, oder das Haus mußte in das Eigentum eines größeren Bruderkreises überführt werden. Unter maßgeblicher Beteiligung von Brüdern der Loge "Lessing" und durch deren Initiative konnte der letztere Weg beschritten werden. Seitdem hält die Loge "Lessing" ihre Vorträge und Tempelarbeiten in diesem Hause ab.

Zeichnungen

Teil des Logenlebens ist die Auseinandersetzung mit Themen durch die Diskussion. Dazu wird von einem Bruder ein Thema recherchiert und ein Vortrag gehalten. Freimaurer nennen dies "eine Zeichnung auflegen". Die Zeichnung bildet die Basis für die folgende Diskussion, die nach den Regeln der freimaurerischen Diskussionskultur abläuft und jedem die Möglichkeit gibt, seinen Horizont zu erweitern und seine Meinungen zu prüfen. Zeichnungen können sich mit freimaurerischen oder alltäglichen Themen beschäftigen, sie können öffentlich oder im geschlossenen Kreise aufgelegt werden. An dieser Stelle möchten wir von nun an eine Auswahl an Zeichnungen veröffentlichen, um Ihnen einen Einblick in das Logenleben zu ermöglichen.

Arbeitsteppich

Übergabe des Arbeitsteppichs. Ausführlich dargestellt auf der Seite Workshop "Arbeitstafel"

Burns Supper

Bernd Schmude, der Vorsitzende der Loge, als Robert Burns
Burns-supper.jpg

Die Loge Lessing Nr. 769 im Orient von Frankfurt hatte am 07.02.2015 zum fünften Mal zu einer besonderen Geburtstagsfeier geladen. Gefeiert wurde der schottische Nationaldichter und Freimaurer Robert Burns.

Burns war bis zu seinem frühen Tod im Alter von 37 Jahren ein begeisterter Freimaurer und diente seiner Loge in Tarbolton, Schottland in verschiedenen Ämtern. Überall auf der Welt, wo sich Freunde der schottischen Kultur und Lebensart zusammenfinden, werden rund um seinen Geburtstag Feiern veranstaltet, die den Dichter, sein Werk, seine Lebensfreude und seine Hingabe an das schöne Geschlecht und auch an die Maurerei in Erinnerung rufen. Der Abend verlief auf vergnügliche Weise und folgte doch im Wesentlichen einem Rahmen, der seit über 200 Jahren wenig geändert wurde.

Die Loge Lessing hat an diesem Abend 2300 Euro gesammelt, die voraussichtlich durch andere freimaurerische Organisationen weiter aufgestockt werden. Die Spenden gehen in diesem Jahr an ein Projekt, dass sich die Hilfe für Langzeitarbeitlose zum Ziel gesetzt hat und dabei einen unkonventionellen Weg beschreitet. Weitere Informationen dazu unter www.neustarter.org.

Traditionell wird der Geburtstag des schottischen Nationaldichters und Freimaurers Robert Burns mit Whisky und anderen schottischen Spezialitäten begangen.

Der Abend verläuft auf sehr vergnügliche Weise und folgt doch im wesentlichen einem Rahmen, der seit über 200 Jahren wenig geändert wurde. Er beginnt mit Musik, sodann werden in Begleitung eines Dudelsackspielers der Haggis, das schottische Nationalgericht sowie andere Köstlichkeiten aufgetragen. Nach dem Essen folgt erneut Musik als Überleitung zum eigentlichen Höhepunkt des Abends, der Geburtstagsfeier für den Dichter mit vorgetragenen Liedern, Toasts, Gedichten und Zitaten.

Selbstverständlich wird das „Wasser des Lebens“ der schottische Malt Whisky, in ausreichender Menge zur Verfügung stehen, denn der Dicher wusste:

„Wen Du beseelt , o Gerstensaft,
der fühlt zu jedem Wagnis Kraft!
Ein Gläschen Bier – weg sind die Zweifel
Mit Whisky trotzen wir dem Teufel!“

Kostenbeitrag

Ein Abend für Freunde des Dichters Robert Burns, der schottischen Lebensfreude sowie Freimaurer und Gäste. Entsprechend dem Anlass ist die Kleidung gediegen.

Der Kostenbeitrag beträgt 30 Euro inkl. Speisen und Getränken. Der Erlös der Veranstaltung kommt einem guten Zweck zu Gute.

Anmeldung

E-Mail: burns@freimaurerloge-lessing.de
oder auch telefonisch: 0177-552 55 00

Videos

Die ersten Tage der Loge Lessing in Frankfurt a.M.

Aus den ersten Tagen der Loge Lessing Nr. 769 im Orient Frankfurt am Main

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Auszug aus der Festschrift zum 25. Jährigen Jubiläum

Auferstanden aus Ruinen.

Noch keine fünf Monate waren nach der bedingungslosen Kapitulation des Hitlerkrieges vergangen, da versammelten sich am Nachmittag des 26. September 1945 auf Einladung des Br.-. Georg G e i e r und in dessen beengten Wohn- und Geschäftsräumen am Kaiserplatz in Frankfurt 11 Brr.-. Freimaurer, die die Verfolgungen des Nationalsozialismus und die Schrecken des Krieges überlebt hatten und wieder in Frankfurt, Offenbach oder der erreichbaren Umgebung dieser Städte wohnten oder ihrem Berufe nachgingen. Es waren dies sechs Mitglieder der früheren Loge „Spinoza" im Orient von Frankfurt am Main und fünf Mitglieder der früheren Loge „Goethe zu den drei Säulen" im Orient Offenbach. Die Zusammenkunft sollte dem Bericht über die Schicksale der Brüder im Einzelnen, einer Diskussion der Situation der Freimaurerei nach der Unterdrückung und einer Prüfung der Aussichten für eine Wiederaufnahme der maurerischen Arbeit dienen.

Die ersten Feststellungen waren im Wesentlichen tröstlich: mit einer Ausnahme war es allen aus politischen oder rassischen Gründen nach 1933 gefährdeten Brüdern gelungen ins Ausland zu gelangen; einer hatte eine Emigration abgelehnt, eine letzte Nachricht von ihm war aus einem Arbeitslager bei Krakau gekommen. Von einem Br.-. war eine Nachricht nach Kriegsende aus französischer Gefangenschaft gekommen, die seine baldige Rückkehr erwarten ließ. Von den emigrierten Brr.-. lagen eingehende Nachrichten nach Kriegsende noch nicht vor. Sehr viel trauriger erschien den Brr.-. die Situation der Freimaurerei im Frankfurter Raum.

Von den 16 Logen aller Systeme, die 1933 in Frankfurt am Main und Offenbach bestanden hatten, gehörten vier von Anbeginn an zu einem christlichen System und waren mit diesen unter der nationalsozialistischen Herrschaft in „christliche Orden" umgewandelt worden, hatten also die freimaurerische Grundlage der Arbeit verlassen. Zwei der sechs Logen des Eklektischen Bundes waren 1933 zu dem „[[Nationalen Christlichen Orden Friedrich der Große]]" übergetreten.

Die am 26. 9. 1945 versammelten Brr.-. waren übereinstimmend der Auffassung, daß in Anbetracht ihres Verhaltens in der Zeit zwischen den beiden Weltkriegen, insbesondere in der Zeit zwischen 1930 und 1935, die drei Berliner (christlichen) Großlogen nicht wieder entstehen könnten und würden. Von mindestens weiteren zwei eklektischen Logen war eine Wiedererweckung zu praktischer Arbeit wegen ihrer hohen Verluste an Mitgliedern nicht zu erwarten. Ein gleiches wurde für vier weitere Logen vermutet, die verschiedenen anderen humanitären Großlogen angehört hatten.

Unter diesen Umständen und nach der Feststellung, daß die eigene Zahl zu klein sei, um beide Logen, aus denen die versammelten Brr.-. stammten, wieder in Arbeit zu setzen, beschlossen die Brr.-. eine n e u e Loge zu gründen, die aber auch nicht den Namen einer der beiden alten Logen tragen sollte. Dazu wurden die Brr.-. durch die Auffassung bewogen, daß das Versagen der Freimaurerei in Deutschland im Jahre 1933 nur möglich gewesen sei durch die unheilvolle Zer- splitterung in 11 Großlogen, und also ein neuer Anfang gemacht werden müsse in einer e i n z i g e n Großloge in Deutschland. Sie lehnten daher auch die Unterstellung der neuen Loge unter die in Israel im Exil noch existierende „Symbolische Großloge von Deutschland", der ihre Logen früher angehört hatten, ab.

Und so beschlossen sie, der neuen Loge den Namen „Lessing" zu geben, sie solange keiner Großloge zu unterstellen, sondern als unabhängige Loge zu arbeiten, bis eine einige deutsche Großloge geschaffen sei, und daher auch kein bestehendes Ritual anzunehmen, sondern ein eigenes Ritual zu bearbeiten, das im Rahmen der überlieferten Tradition allen freimaure- rischen Auffassungen Raum bieten könne.

Die Erwartung der Rückkehr des sechsten der Brr.-. aus der Loge „Goethe zu den drei Säulen" ging bald in Erfüllung und danach wurde noch vor dem Ende des Jahres 1945 die erste Matrikel der Loge aufgestellt, in der die Mitglieder nach ihrem maurerischen Alter (nach ihren ersten Erinnerungsangaben, die aber später durch Unterlagen berichtigt werden konnten) aufgeführt sind.

Matrikel

  • 1. S e lt e r, Dr. med. Emil, Kinderarzt, geb. 1. 1. 01 aufg. 27.12.1919 i. d. L. „Zur bergischen Freiheit" Or.-. Solingen (Gr.-L. Zur Sonne), zuletzt Loge „Spinoza" (Symbolische Großloge von Deutschland) zug. Mstr.
  • 2. W e i n s h e i m e r, Adam, Fachlehrer i. R., geb. 7.10. 74 aufg. 1920 i.d. L. „Sokrates" Or.-. Offenbach (F.z.a.S.), zuletzt Loge „Goethe zu den drei Säulen" (Symbolische Großloge von Deutschland) Mstr.-. v.-. St.-.
  • 3. H i n k e l , Otto, Fabrikant, geb. 26.1.89

aufg. 29.1. 21 i. d. L. „Sokrates" Or.-. Offenbach, zuletzt Loge „Goethe zu den drei Säulen" 111 °

  • 4. H o f m a n n, Eduard, Kaufmann, geb. 28. 4. 75

aufg. 1924 i. d. L. „Sokrates" Or.-. Offenbach, zuletzt Loge „Spinoza" I. Aufs.-.

  • 5. G e i e r , Georg, Kaufmann, geb. 19.10. 91 aufg. 26. 6. 26 i. d. L „Sokrates" Or.-. Offenbach, zuletzt Loge „Spinoza" Sekretär.
  • 6. S c h n e i d e r, Heinrich, Feintäschnermeister, geb. 8. 7. 83 aufg. 1926 i. d. L. „Sokrates" Or.-. Offenbach, zuletzt Loge „Goethe zu den drei Säulen" IiI°
  • 7. K e r n , Ludwig, Prokurist, geb. 25.10. 97 aufg. Oktober 1929 i. d. L. „Sokrates" Or.-. Offenbach, zuletzt Loge „Goethe zu den drei Säulen" lll°
  • 8. V e i t h, Kilian, Malermeister,

geb. 8. 7. 91 aufg. 17.11. 28 i. d. L. „Sokrates" Or.-. Offenbach, zuletzt Loge „Goethe zu den drei Säulen" II I °

  • 9. H u m m e l , Heinrich, Kaufmann, geb. 29.12. 88 aufg. 12. 6. 29 i. d. L. „Sokrates" Or.-. Offenbach, zuletzt Loge „Spinoza" lll°
  • 10. H ü t h e r, Christian, Lederfabrikant, geb. 9. 6. 74 aufg. 9.9.29 i. d. L. „Sokrates" Or.-. Offenbach, zuletzt Loge „Goethe zu den drei Säulen" II°
  • 11. K ü r t e 11, Georg, Wirtschaftstreuhänder, geb. 31.7. 97 aufg. 1932 i. d. L. „Goethe zu den drei Säulen" Or.-. Offenbach, zuletzt Loge „Spinoza" l°
  • 12. E d e I, Ludwig, Malermeister, geb. 12.12. 05 aufg. August 1932 i. d. L. „Goethe zu den drei Säulen" Or.-. Offenbach, zuletzt Loge „Spinoza" l°.

Diese 12 Brr.-. sind die eigentlichen Gründer der Loge „Lessing". Den überkommenen Gebräuchen der Freimaurerei war genüge getan: unter ihnen waren mindestens 7 Brr.-. Mstr.-. und die erforderliche Zahl von mindestens 9 Brr.-. war vorhanden. Das Durchschnittsalter der Gründungsmitglieder betrug - trotz der 12 Jahre Pause in der freimaurerischen Arbeit — nur 56,5 Jahre.

Der erste Beamtenrat, wie er in der Gründungsversammlung gewählt wurde, setzte sich folgendermaßen zusammen:

  • Mstr.-. v.-. St.-. Br.- Selter
  • zug. -. Mstr.-. : Br.. - Weinsheimer
  • I. Aufs.-. : Br.. - Hofmann
  • II. Aufs.-. : .Br. - Hinkel
  • Redner : .Br. - Kern
  • Zer.-.-Mstr.-. : .Br. - Veith
  • Sekretär : .Br. - Geier
  • Schatzmeister .Br. Hummel

Ohne Räume, ohne Rituale, ohne Geräte und Werkzeuge machte sich die neue Loge sofort an die Arbeit. Die Brr.-. Lehrlinge, die das schon seit fast 14 Jahren waren, wurden am 21. November 1945 historisch zu Gesellen befördert, wobei ein Exemplar der 1929 erschienenen Sammlung von Gesellenritualen (herausgegeben von Br.-. Paul Seiter — So- lingen) und ein alter Gesellenkatechismus aus dem Jahre 1917 als Unterlage dienten.

Am 30. Dezember 1945 feierte die Loge „Lessing" die erste Jahresschlussloge. Statt heute eine Schilderung davon zu geben, seien die Worte wiederholt, die bei der Feier des 10jährigen Bestehens der Loge hiervon berichteten, denn sie sind unter einer frischeren Erinnerung formuliert.

"Wenn wir heute die Räume in diesem Hause und vor allem diesen Tempel sehen, dann ist es den meisten von uns sicher unvorstellbar, unter welchen Verhältnissen die Tempelarbeiten der Loge begonnen haben. Die erste feierliche Tempelarbeit fand am 30. Dezember 1945 in der Wohnung des Br.-. Geier, damals im Hause Krebs am Kaiserplatz, statt. Es spricht sehr, sehr vieles für die Annahme, daß diese Jahresschlußloge die erste maurerische Arbeit nach 1935 in Deutschland in einem rituell eingerichteten Tempel war. Dabei sind die letzten Worte das Entscheidende und streng wörtlich zu nehmen. Wenn es sich auch nur um einen halbausgeräumten Wohnraum handelte, so war doch alles vorhanden, was Brauch und Herkommen vorschreiben: Der Teppich mit weißer Plakatfarbe auf schwarzes Papier gemalt; der Altar mit dem Platz des Meisters: ein mit blauem Dekorationsstoff umhangener Tisch, auf dem Bibel, Zirkel und Winkelmaß, letztere handelsübliche eiserne Gebrauchswerkzeuge; die drei Säulen: einfache Lattengestelle mit schwarzem Karton umkleidet, auf ihnen die Lichter der Weisheit, der Stärke und der Schönheit: keine Kerzen — das wäre ein unverantwortlicher Luxus gewesen — sondern kleine, viereckige mit Paraffin gefüllte Pappkästchen, sogenannte Sturmlichte; und die Plätze der beiden Aufseher, hergerichtet wie der Platz des Meisters.

In diesem Raum nun versammelten sich 10 Brr.-. — ein Lehrling, zwei Gesellen und 7 Meister, gerade die Zahl, die erlaubt, eine Loge gesetzmäßig zu eröffnen und nach einem kurzen, aus dem Gedächtnis niedergeschriebenen und noch erhaltenen Ritual feierten sie vielleicht nicht die schönste, sicherlich aber die erhebendste Jahresschlußloge ihres Maurerlebens.

In ihr wurde die Gewissheit gewonnen, dass nicht die Dunkelheit über das Licht gesiegt habe, sondern dass die Freimaurerei lebendig geblieben sei und leben und wachsen werde.

Die an diesen verheißungsvollen Anfang geknüpfte Erwartung, nun sofort mit einem raschen Aufbau der Loge durch die Aufnahme von Suchenden beginnen zu können, trog: die Besatzungsbehörden verweigerten die erforderliche Genehmigung. Ohne diese glaubten die Brr.-. zwar, sich regelmäßig versammeln, Vorträge veranstalten und Tempelarbeiten durchführen zu können, auch eine Vergrößerung der Loge durch die Annahme von früher aufgenommenen Brr.-. glaubte man verantworten zu können.

Als endlich im Mai 1947 die Gründung von Logen durch die Amerikaner gestattet wurde, hatten sich bis dahin noch weitere acht Brr.-. der Loge „Lessing" angeschlossen. Das waren folgende Brr.-. in der Reihenfolge in die sie in die Matrikel der Loge aufgenommen wurden:

  • 13. K u d r n o f s k y , Josef, Kaufmann, geb. 31. 8. 86 aufg. i. d. L. „Zum siegenden Licht" Or.-. Frankfurt am Main (F.z.a.S.) Ill°
  • 14. P f o r r, Karl, Regierungsdirektor, geb. 28.12. 94 aufg. 24. 6. 24 i. d. L. „Pythagoras z. d. drei Strömen" Or.-. Hann.-Münden (G. L. Zur Freundschaft), zuletzt Loge „Eiche auf roter Erde" Or.-. Herne (Drei Weltkugeln) lll°
  • 15. F o r n a c o n , Willi, Postamtmann, geb. 28. 4. 91 aufg. 10.11. 24 i. d. L „Galilei zur ewigen Wahrheit" Or.-. Berlin (Gr.-L. Zur Sonne), zuletzt Loge „Eintracht und Freimütigkeit" Or.-. Frankfurt am Main (Gr.-L. Zur Sonne)
  • 16. D ö n n e , Wilhelm, Kaufmann, geb. 8. 4. 90 aufg. 1923 i. d. Loge „Eintracht und Freimütigkeit" Or.-. Frankfurt am Main lll°
  • 17. F i n c k h , Eduard, Kaufmann, geb. 30. 6. 99 aufg. 15. 3. 31 i. d. L.„Carl zum Brunnen des Heils" Or.-. Heilbronn (Gr.-L von Hamburg) lll°
  • 18. K r a g , Paul, Architekt, geb. 22. 8. 91 aufg. 21. 2. 22 i. d. L „Goethe" Or.-. Frankfurt am Main (Gr.-L. Le droit humain)
  • 19. P e t e r , Otto, Reichsbahnamtmann a. D., geb. 30. 4. 77 aufg. 20. 5. 27 i. d. L. „Wacht am Rhein" Or.-. Düsseldorf (F.z.a.S.) Ill°
  • 20. F u c h s , Friedrich, Ingenieur, geb. 11.11.97 aufg. 1927 i. d. L. „Kaiser Friedrich III" Or.-. Lüderitzbucht

(SWA) (Gr.-L von Hamburg) ll°

Bevor die Loge am Johannisfest 1947 die ersten Suchenden aufnahm, erklärte sie die bisher genannten 20 Brüder als Gründer der Loge „Lessing". Diese hatten das Licht erhalten in den folgenden Großlogen:

  • Groß- und Bundesloge „Zur Sonne": 3
  • Große Loge von Preußen gen. „Zur Freundschaft": 1
  • Große Loge von Hamburg: 2
  • Freimaurerbund „Zur aufgehenden Sonne": 10
  • Internationaler Freimaurerorden „Le droit humain": 1
  • Symbolische Großloge von Deutschland: 3

Obwohl seit der Gründung der Loge fast zwei Jahre vergangen waren und nur vor 1933 aufgenommene Brr.-. sich ihr inzwischen angeschlossen hatten, betrug am Johannistag 1947 das Durchschnittsalter der Mitglieder immer noch nur 56,7 Jahre.

Nach der Genehmigung hat die Loge noch 62 Brr.-. angenommen; 32 von ihnen hatten das maurerische Licht vor 1938 erhalten in folgenden Großlogen:

  • Groß- und Bundesloge „Zur Sonne": 5
  • Große National-Mutterloge „Zu den drei Weltkugeln":11
  • Große Landesloge von Sachsen: 3
  • Große Mutterloge des Eklektischen Freimaurerbundes: 1
  • Große Loge von Hamburg: 6
  • Freimaurerbund „Zur aufgehenden Sonne": 2
  • Deutsche Großloge in der Tschechoslowakischen Republik „Lessing zu den drei Ringen": 2
  • Großloge von New York: 1
  • Großloge von Spanien: 1

Die übrigen 30, nach 1945 initiierten Brr.-. waren aufgenommen in Logen der

  • Großen Landesloge AFAM: 18
  • Großen Landesloge FO: 4
  • Großen National-Mutterloge „Zu den drei Weltkugeln": 5
  • Großloge von Venezuela: 1
  • Großloge der Türkey: 1
  • einer Loge in China: 1

Einigungsloge

Durch nichts könnte der Charakter der Loge „Lessing" als „Einigungsloge" besser bewiesen werden als durch diese Zahlen.

Von den 52 Brr.-., die, vor 1938 aufgenommen, in der Loge „Lessing" aktive Mitglieder wurden, waren

  • 3 Vertriebene aus den verlorenen Ostgebieten,
  • 3 Vertriebene aus der Tschechoslowakei,
  • 7 Flüchtlinge aus der sowjetischen Besatzungszone oder Ostberlin und
  • 4 Heimkehrer aus dem Ausland.

Für über ein Viertel der „alten" Brr.-. trifft also zu, was der Redner der Großloge im Mai 1952 auf dem Großlogentag in Baden-Baden in seinem Referat über das Jahresthema sagte:

„Die Loge gibt — um ein spezielles Problem unserer heutigen Zeit zu streifen — dem Flüchtling und dem Vertriebenen das Gefühl, eingekehrt zu sein in das Haus des Bruders und dort eine Heimat, wenn auch eine n e u e Heimat zu haben."


Rolf Keil2.jpg

Siehe auch

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