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Zur Geschichte des Vereins deutscher Freimaurer - Teil 2

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Inhaltsverzeichnis

Zur Geschichte des Vereins deutscher FrMr.

Quelle: Die Bauhütte, 25. August 1866, No. 35, IX. Jahrgang


(Fortsetzung)

Als Resultat ihrer Prüfung der Tendenzen des Vereins gab die Loge Folgendes an:


1) Dieser Verein ist zwecklos, denn durch die Engbünde und deren mögliche Erweiterung und Reorganisirung oder auch Neubildung bei solchen Systemen, wo sie bis jetzt nicht vorhanden sind, würde zu jedem vernünftigen Ideenaustausch und Besprechung derartiger Reformbedürfnisse hinreichende Gelegenheit geboten sein. Innerhalb derselben würden sich Reformvorschläge unter allen Verhältnissen nicht von der Grundlage der wahren maurer. Geschichtsforschung entfernen können.

2) Er verstösst gegen die Grundsätze der k. K. und ist deshalb dem Geiste der FrMrei feindselig,

a) weil er nicht die unleugbar vorhandenen Geschichtsquellen und Constitutionen als erste Grundlage anerkennt,
b) weil er Lehrlingen und Gesellen den Zutritt unbedenklich gestattet, die nach unsern alten Constitutionen und mit gutem Grunde noch nicht in Logenstreitigkeiten und Systemverschiedenheiten eingeweiht werden sollen,
c) weil er sich die Aufgabe stellt, ungedruckte Handschriften und Urkunden herauszugeben und zu veröffentlichen, ohne dass die Logenregierungen dieses zu überwachen haben,
d) weil er endlich Zwiespalt in die Logen wirft, indem er einen Bund im Bunde zu stiften sucht und dadurch nothwendig das Vertrauen vieler Brüder erschüttern muss.

3) Er ist dem ganzen MrBunde gefährlich, weil er den Verdacht der Staatsregierungen gegen die Thätigkeit der Logen erweckt, da wohl ein geordnetes Logenregiment eine gewisse Garantie der Einhaltung der gesetzlichen Schranken bieten kann, nimmermehr aber ein so vager, der Einzelansicht und erhitzenden Debatte so weiten Spielraum gewährender Verein. Derselbe kann seiner Natur nach der polizeilichen Beaufsichtigung nicht entzogen werden und, ganz abgesehen von der dadurch zu erwartenden Profanation des maurer. Geheimnisses, würden die Logen zu büssen haben, was jener Verein verschuldet.

Hieraus erhellt die allgemeine Schädlichkeit dieses Vereins für die Sache der Maurerei von selbst, und wenn die Grosslogen, denen hier allein das Recht, gegen denselben einzuschreiten und die Initiative gegen dergleichen Unternehmungen überhaupt zu ergreifen zusteht, bis jetzt noch ein stillschweigendes Geschehenlassen geübt haben, so ist das wohl nur dem Umstande zuzuschreiben, dass die Theilnahmserklärungen bis jetzt noch so spärlich erfolgt sind, dass man noch nicht absehen kann, ob sich nicht die ganze Idee im Sande verlaufen werde.

Die Einzel[ ]1 kann hier nichts Anderes thun, als ihre Mitglieder, wie es bereits bei uns geschehen ist, wohlmeinend warnen, sich bei einem solchen Verein zu betheiligen, und wenn trotzdem ein Br öffentlich sich zu demselben bekennen sollte, ihn um Aufklärung darüber angehen, wie er diesen Schritt mit der Verpflichtung gegen das Gesetzbuch vereinbaren zu können meine?

Im Uebrigen aber wollen wir uns nicht verhehlen, dass es theilweise, wie gesagt, sehr edle Bestrebungen sind, welche die Idee zur Bildung dieses Vereins genährt haben, und dass wir Manchem der Brr, die an der Spitze desselben stehen, betreffs ihrer maurer. Gesinnungen, unsere Hochachtung durchaus nicht werden versagen können, wenn wir auch ganz offen erklären, dass sie sich unserer Ansicht nach in der Wahl des Mittels gründlich getäuscht haben. — —


Zur Abwehr und Berichtigung dieses Rundschreibens, welchem bald ein noch härterer Schlag folgte, erliess der Vorstand des Vereins in Nr. 43 der Bauh. (1861) eine ausführliche Erklärung, in welcher es u. A. heisst:

„Der Verein deutscher FrMr hat als solcher weder diese noch jene Ansicht von der FrMrei oder ihrer Geschichte; seine Bestrebungen sind weder dieser noch jener Richtung angehörig. Er ladet vielmehr die Brr aller Richtungen, aller Ansichten und aller Systeme ein, ihm beizutreten, und sein Zweck wird dann am schönsten erfüllt sein, wenn er die grösste Mannichfaltigkeit von Meinungen und Richtungen in seinen Schoosse birgt."

Der Verein deutscher FrMr ist kein Reform-Verein. Er zählt antireformatorisch gesinnte Brüder eben so gern zu seinen Mitgliedern, als reformatorische; und würde, wenn erstere seine Majorität bildeten, nicht aufhören, derselbe Verein zu sein, der er jetzt ist" u. s. w.

„Es bedarf hiernach keines Wortes mehr, um die Absichten unseres Vereins ins Licht zu stellen. Wir geben uns der Hoffnung hin, dass jeder Mr. und jede Logenbehörde, welche unparteiisch und ohne Voreingenommenheit von diesen unsern Bestrebungen Notiz nimmt, nur einen Ausfluss des ächten Maurerstrebens darin finden und sie mit Freuden begrüssen wird als einen ächten neuen Schössling, der immer lebenskräftigen alten alma mater der Mrei, von welchem nur erfreuliche und schöne Früchte zu erwarten stehen. Das Rundschreiben droht mit einem „Einschreiten der Grosslogen gegen den Verein" und die Mstrschaft der [ ] zu den 3 Schwertern" hat die Mitglieder dieser [ ] vor dem Vereine „wohlmeinend gewarnt". Wir geben uns der Ueberzeugung hin, dass diess nur geschehen sei in Folge der hier von uns der Wahrheit gemäss zurückgewiesenen Verkennungen und Entstellungen unserer wahrhaften Absichten. Die Mrei in ihrer Reinheit und ewigen Schönheit ist es gewesen, welche uns zur Gründung jenes Vereins begeistert hat: wird die Maurerei die Blüthen, die sie selbst erzeugt, durch ihr Hauptorgan, ihre Behörden, selbst wieder zerstören wollen?"

Die obige Drohung mit dem Einschreiten der Grosslogen war schon in Erfüllung gegangen, ehe sie ausgesprochen war. Die Grossloge „zu den 3 Weltkugeln" hatte den Vorsitzenden des Vereins gezwungen, sein Amt niederzulegen, weil sie unbegreiflicher Weise seine Wirksamkeit in demselben mit den Logengesetzen nicht verträglich fand. Aus tiefbewegtem Herzen brachte der verehrte Br F. W. Puhlmann den innigsten Dank dar „für das ehrende Vertrauen, für die wohlwollende Liebe, wodurch er an die Spitze des Vereins gestellt wurde, sowie die aufrichtigsten Wünsche für dessen ferneres Gedeihen." (d. d. 22. September 1861). Brieflich fügte derselbe die Bemerkung bei: „Wer in dem Gähren und Gestalten der Zeit sich befindet, hat zu leiden; aber das Wehen des höheren Geistes lässt sich nicht aufhalten."

Zum energischen Kampfe und zum treuen Ausharren bereit, füllte der Vorstand zunächst die entstandene Lücke aus, indem er sich durch Heranziehung des Br van Dalen ergänzte und dem Br Seydel provisorisch den Vorsitz übertrug, welches Amt die Jahresversammlung in Wiesbaden in ein definitives verwandelte.

Ein weiterer, den Verein in seiner Existenz bedrohender Schlag war der unmotivirte Austritt sämmtlicher Mitglieder in Potsdam.

„Im Ganzen hatte überhaupt der Verein" — bemerkt Br K. Paul in seinem Bericht an die eklekt. Logen in Frankfurt a. M. — „bei dem maurer. Publikum wenig ausgesprochene Theilnahme gefunden. In der Theorie konnte man seinen Bestrebungen gewiss weder Berechtigung noch Anerkennung versagen; allein die Grosslogen ignorirten ihn oder massregelten die ihrer Jurisdiction unterstellten Mitglieder; die „FrMrZtg" war auf ihre jüngere und höchst rührige Rivalin und also auch auf deren Lieblingskind, den neuen Verein, nicht eben gut zu sprechen, und gerade von Leipzig aus, seiner Geburtsstätte, machte sich die grösste Opposition gegen ihn geltend. Vom praktischen Standpunkt aus gesehen, stand die Sache für den Verein noch schlimmer: diejenigen deutschen Grosslogen, welche wie Hamburg, Frankfurt, Sachsen und Bayreuth das Humanitätsprinzip bearbeiteten, also 63 Logen, verhielten sich mehr oder weniger passiv; von den andern Grosslogen in Berlin, Hannover, Darmstadt, im Ganzen 228 Logen, war wohl nicht zu erwarten, dass sie so rasch von "ihren Grundprinzipien abgehen würden; — — die Berliner Grosslogen bearbeiten noch Hochgrade. Hier wäre also das eigentliche Arbeitsfeld des Vereins gewesen; aber das Beispiel der Potsdamer Brr schreckte die preussischen FrMr zurück; nur Wenige traten bei. Wer überdies weiss, wie wenig die maurer. Zeitblätter und maurer. Schriften gelesen werden, der wird leicht begreiflich finden, dass das maurer. Publikum von der Existenz des Vereins und seiner Tendenz nicht viel erfuhr."

Was nun die Geschichte des Vereins seit der Gründung in Potsdam angeht, so liegt dieselbe in den Jahresberichten (Mittheilungen I. Bd. 1—3. Heft, II. 1. Heft), sowie in den Berichten über die Jahresversammlungen bereits vor, so dass wir hier billig darauf verzichten können, diesen Theil eingehender darzustellen. Nur einiges Wenige haben wir nachzutragen, indem wir einerseits die (Mittheil. I. 1. S. 8 erwähnte) anonyme Zuschrift*) mittheilen, welche von Leipzig aus nach Wiesbaden gerichtet wurde, um die dortigen Brr gegen den Verein einzunehmen, und andrerseits das Rundschreiben**) auszugsweise einschalten, welches der Vorstand am 19. Mai 1863 an die Mitglieder des Vereins erlassen hat. Es lautet:

„Mit Freuden benutzt der Vereins - Vorstand auch dieses Jahr die Wiederkehr des Tags der Gründung unsers Vereins, um gegenüber den Mitgliedern desselben sich auszusprechen über das Gedeihen der Unternehmungen, über die Erfüllung der Wünsche, über Hoffnungen und Aufgaben, und um damit zugleich in dem brüderlichen Händedrucke, den dieses Schreiben im Geiste durch unsere Kette fortpflanzen soll, den geschlossenen Bund zu erneuen, die Erneuung zu bekräftigen.

Ein Verein, der nur alljährlich als Gesammtheit sich zu fühlen Gelegenheit hat, erhält sein Leben nur durch wenige, in langen Zeiträumen sich folgende Pulsschläge: um so stärker und nachhaltiger müssen diese sein, wenn das Leben nicht schwinden soll. Die Zwischenzeit überlässt uns wieder theils der gesonderten Thätigkeit, theils dem nächsten freundschaftlichen Verkehr, theils nur dem eignen Nachdenken und der Beobachtung des um uns Geschehenden. Es ist eine Zeit innerlicher Sammlung, und je mehr wir sie nutzen, um so fruchtbarer ist dann die neue Begegnung und die jährliche Zusammenkunft: denn was sich in der Vereinsamung einem Jeden ergeben hat, die Ueberzeugungen, die er gewonnen über den Sinn, die Ziele, die Wege des Vereins, alles dies wird alljährlich zusammengetragen an den Ort der Berathung und des Austausches. Möge das Folgende, geliebte Brüder, zu dem von Ihnen im Stillen in diesem Sinne angesammelten Stoffe ein nicht ganz unnützer Beitrag sein.

Nachdem die Potsdamer Versammlung wesentlich die Bedeutung gehabt, den Verein zu constituiren und ein klares Bewusstsein über seinen Zweck zu erzeugen, gab die Zusammenkunft zu Wiesbaden zum ersten Male ein Bild von der hauptsächlichen Thätigkeit desselben, Dass diese Thätigkeit in erster Reihe in den Versammlungen selbst besteht, auf denen allgemein-maurerische Angelegenheiten zum Vortrag, zur Debatte und zur Abstimmung kommen, wodurch Meinung und Urtheil unserer Majorität in streitigen Punkten allgemein bekannt werden und, wo möglich, ein moralisches Gewicht erhalten soll auch für die übrige Maurerwelt; dass also diese Thätigkeit unsers Vereins die erste und hauptsächlichste ist, um welche sich alle übrigen wie um den Mittelpunkt herum gruppiren, wurde immer lebendigere Ueberzeugung. Einmüthig sprach sich die Wiesbadener Versammlung für Allgemeinheit des Maurerbundes aus gegenüber den Verschiedenheiten der Religionen: da musste Jedem deutlich sein, wie schön und fruchtbar diese Wirksamkeit des Vereins werden kann, wenn er durch seine Verhandlungen und Abhörung aller Gründe feste Ueborzeugungen über solche Punkte verbreitet und dadurch unserm erhabenen Bunde zu immer strengerer principieller Einigung verhilft! Also an dieser Art von Thätigkeit vor Allem festzuhalten, sie zu erweitern und auf praktische Erfolge zu lenken, wurde zum Vorsätze und zu heiligem Gelübde unter uns Allen.

Als das wichtigste Mittel hierzu erschien augenblicklich dies, dass wir Alles aufböten, den Besuch der Versammlungen zu verstärken, die Vertretung verschiedener Logen, Systeme und Anschauungen bei denselben zu verallgemeinern. Die Hauptsorge, sagten wir uns, ist die, dass der Verein recht viele Mitglieder habe und recht viele davon an den Verhandlungen und der Abstimmung theilnehmen. Mit andern Worten, es muss dahin gewirkt werden, dass unsere Jahresversammlungen immer entschiedener den Charakter von allgemeinen Maurercongressen gewinnen. Es war ein bedeutsames Zeichen, dass schon zu Wiesbaden eine Loge als solche durch ihren Meister vom Stuhl, den sie förmlich dazu beauftragt hatte, vertreten war: was den Anlass zu der in der That genauer Erwägung werthen Frage gab, ob nicht eine Loge als Gesammtheit Mitglied unsers Vereins werden könne.

Seitdem ist durch das Trentowski'sche Sendschreiben der Gedanke durchgreifender Reformen im Maurerbunde in den Seelen der Brüder angeregt und in der maurerischen Presse verhandelt worden. Wer die Reihe von Artikeln durchgeht, welche die „Bauhütte" in dieser Zeit über die Reformfrage gebracht hat, der wird finden, dass sich bei den verschiedensten Ansichten doch der Ruf nach einem Congresse wiederholt, der das beste Organ sein würde, eine so wichtige und so allgemeine Angelegenheit des Bundes zu berathen, Ueberzeugungen zu gründen, praktische Schritte zu beschliessen. Immer allgemeiner wird die Einsicht, dass es zu solchen Versammlungen nothwendig kommen muss, wenn der Maurerbund in der Ausbildung seines Inhalts, seiner Formen, seiner Verfassung lebendig und fruchtbar fortschreiten soll. Man blickt mit Hoffnung auf unsern Verein und erkennt in seinen wiederkehrenden Versammlungen den Keim zu wiederkehrenden Congressen.

Lassen Sie uns, geliebte Brüder, mit dieser Auffassung der Aufgabe des Vereins unsrer nächsten Zusammenkunft entgegensehen! Lassen Sie uns reiflich bedenken, was wir im Stande sind zu thun, um allmählich unsre Versammlungen zur Bedeutung allgemeiner Congresse zu erheben! Die nächste Versammlung selbst wird uns Gelegenheit bieten, über diesen Punkt unsre Meinungen auszutauschen. Vorläufig lassen Sie uns Alle dazu helfen, dass diese Versammlung zahlreich besucht werde. Diejenigen unter Ihnen, welche einen grösseren Einfluss in der Loge haben, etwa das Amt des Stuhlmeisters bekleiden, mögen Sorge tragen, dass ihre Loge vertreten werde, sei es durch mehrere Brüder oder durch Einen; hier und da nimmt vielleicht die Loge als Gesammtheit die Lasten der Reise auf sich. Namentlich auch muss allgemein bekannt werden, dass Mitgliedschaft nicht erfordert sei zum Besuche der Versammlung, und dass bei allgemein-maurerischen Fragen, die also nicht speciell Vereinsangelegenheiten betreffen, auch die Nicht-Mitglieder abstimmen.

Wenn wir in solcher Weise eifrig wirken für die gemeinsame Sache, von der wir kühn sagen dürfen, dass sie von gleicher Wichtigkeit für den Bund werden kann, wie die Ablösung der Freimaurerei von dem Bauhandwerk im Anfange des 18. Jahrhunderts, so wird das hohe Ziel in sicherer, wenn auch langsamer Annäherung gewisslich erreicht werden. Auch dieses Jahr wieder ist dem Fortleben des Vereins günstig gewesen. Die Stimmung der deutschen wie der ausländischen Brüderschaft gestaltet sich immer mehr zu seinem Vortheil, das anfängliche Mistrauen schwindet, grösseres Verständniss für seine Absichten greift Platz, die Mitgliederzahl und die Mittel sind fortwährend im Wachsen, und Archiv, Bibliothek und Sammlungen werden durch werthvolle Zusendungen bereichert. Um unsere Verbindungen weiter auszudehnen und dem Vereine neue Kräfte und neue Ländergebiete zu gewinnen, haben wir wiederum fünf angesehene Bundesbrüder (in England, Frankreich, den Niederlanden und Schweden) zu correspondirenden Mitgliedern ernannt." — —


Nun erübrigt zur Vervollständigung dieses Geschichtsbildes nur noch 1) eine Zusammenstellung der bis jetzt gefassten Resolutionen; 2) einige statistische Mitteilungen.

Auf der Jahresversammlung zu Wiesbaden wurde folgende Resolution einstimmig gefasst:

1) Der Maurerbund will die weiteste und allgemeinste Vereinigung der Menschen darstellen, wie sie durch das Prinzip der Sittlichkeit, durch die allen Egoismus abschliessende Liebe geboten ist und sonach nothwendig zu den Strebzielen der Menschheit gehört.

2) Sind überhaupt alle Strebziele der Menschheit nur in Form von Gemeinschaften zu verwirklichen, ist aber das Prinzip einer jeden engeren Gemeinschaft, so lange es dem Prinzip jener allgemeinsten Vereinigung nicht als untergeordnet erscheint, noch mit einem Reste von Egoismus vermischt: so ist die Herstellung jener allgemeinsten Vereinigung, des Bundes der Bünde, die Grundlage zur idealen Erreichung aller Menschheitsziele, die Grundlage nämlich zur idealen Herstellung aller engeren Gemeinschaften.

3) Die Basis der weitesten Gemeinschaft ist keine andere, als jene Liebe selbst, deren Wille und Streben Vereinigung ist; denn wäre die Basis eine enger bestimmte, wie z. B. ein bestimmter Glaube, ein bestimmter Stand u. dergl., so wäre die Vereinigung schon eine solche, über welcher noch eine weitere und höhere gedacht werden könnte. Ohne jene Liebe, ohne jenen Willen zur Vereinigung ist aber Vereinigung überhaupt unmöglich.

4) Der Mrbund nimmt daher alle diejenigen ohne Unterschied auf, welche, von dem reinen Motive jener Liebe zur Vereinigung beseelt, den Bund wollen; denn dadurch zeigen sie, dass der Egoismus in ihnen soweit überwunden ist, als er es sein muss, wenn die Zugehörigkeit zum allgemeinsten Bunde der Menschheit nicht Schein, sondern Wahrheit sein soll.

5) Darum bezieht sich die Prüfung des Aufnahmesuchenden nur auf seine moralischen Motive und, zur Sicherstellung derselben, auf seinen Charakter und Lebenswandel. Als Bedingung zur Aufnahme dagegen etwa ein Religionsbekenntniss, Zugehörigkeit zu einer bestimmten Kirche oder sonst eine andere als moralischo Bedingung fordern, das heisst aus der weitesten Vereinigung der Menschheit wiederum eine engere machen, also der Menschheit dem Segen des „Bundes der Bünde" entziehen, die wahrhafte Idee des Mrbundes aufheben.


Auf der Jahresversammlung zu Glauchan wurde beschlossen:

1) Der Verein deutscher Maurer anerkennt die Notwendigkeit von Reformen im Maurerbunde.

2) Er hält für das geeignetste Mittel hierzu die Einberufung eines allgemeinen deutschen Mrtages.

3) Er beauftragt den Vorstand, sich mittelst eines Rundschreibens an mehre Stuhlmstr. mit der Bitte zu wenden, die Einberufung eines solchen in die Hand zu nehmen.


Resolutionen der Jahresversammlung zu Hamm:

Der Verein hält es für wünschenswerth, dass die Suchenden in den Logen aller Systeme vor der Aufnahme mit dem Zweck und der Aufgabe des Bundes genügend bekannt gemacht werden. Die Versammlung hält eine Einigung sämmtlicher deutschen Grosslogen in der Gelöbnissformel bei der Aufnahme für wünschenswerth und heilsam und sie schlägt folgende Formel vor: „Ich N. N. gelobe und verspreche feierlich, den Zweck und die Aufgabe des FrMrbundes fortan nach Kräften zu fördern und die Grundsätze der FrMrei in Gesinnung und That zu bewahren, demgemäss also der eigenen sittlichen und geistigen Vervollkommung nachzustreben und zum Wohle der Menschheit thätigst mitzuwirken. Ferner gelobe und versichere ich, die Familiengeheimnisse des Bundes, d. i. alle maurer. Verhandlungen und Mittheilungen vertraulicher und discreter Natur, sowie die maurer. Symbolik zu verschweigen.


Resolution bezüglich des maurer. Prinzips:

1) Der Mrbund will die weiteste und allgemeinste, auf edle Gesinnung gegründete Vereinigung der Menschen darstellen, wie sie durch das Prinzip der Sittlichkeit, durch die allen Egoismus ausschliessende Liebe geboten ist und sonach nothwendig zu den Strebzielen der Menschheit gehört.

2) Demgemäss ist der FrMrbund für freie Männer von gutem Rufe, ohne Unterschied des Standes, der Nationalität, der Religion und politischer oder sonstiger theoretischer Meinungen, ein Mittelpunkt inniger und treuer Vereinigung, die Grundlage zur Erreichung aller Menschheitsziele im Wahren, Guten und Schönen.

Resolutionen der Jahresversammlung zu Eisenach:

Die Versammlung erklärt den Wunsch, die deutschen und überhaupt alle Grosslogen möchten vollständige statistische Mittheilungen über den Bestand der ihnen untergeordneten Logen nach dem Vorbild der Grossloge von Hannover jährlich zur maurer. Oeffentlichkeit bringen. Sie erklärt ferner den Wunsch, der vom Vereinsvorstand amendirte Entwurf eines allgem. Grundgesetzes für den FrMrbund möge in der Bauhütte und FrMrZtg zur Veröffentlichung gebracht und zur Einsendung erläuternder, bekämpfender und vertheidigender Artikel aufgefordert werden und auf Grund des so gewonnenen Materials die Durchberathung auf der nächsten Versammlung stattfinden.

Die Versammlung erklärt, die nächsten und wichtigsten Strebziele jedes FrMrs und jeder [ ] sind gegenwärtig

a) Einigung im Prinzip der Allgemeinheit;

b) möglichste Beseitigung der gegenwärtigen indirekten Repräsentation der Logen in den Grosslogen und Einführung unmittelbarer, lebendiger Vertretung der Logen durch frei gewählte Angeordnete

c) Aufhebung der maurer. Censur.

d) Beseitigung des sogen. Sprengelrechts.


Der Verein zählte

im Jahre:   1861 1862 1863 1864 1865
Mitglieder:  46   36   56   79   163
Gegenwärtige Mitgliedzahl [Anm.d.Red: 1866]: 205. 

Fußnoten

*) Vier brüderl. Fragen an die ger. und vollk. [ ] in Wiesbaden.

1) Ist der Verein deutscher Maurer von Ihrer Grossloge neuerdings anerkannt, und Ihre [ ] als Tochterl. des eclect. Bundes bevollmächtigt eine Versammlung des obigen Vereins in Ihren Hallen abzuhalten?
2) Erwägen Sie, welche Vorwürfe Ihnen von andern Logen und Brr. gemacht werden können, einem noch von keiner Grossl. (als höchstens der Bayreuther) anerkannten Vereine ohne Weiteres die Thüren Ihrer Halle zu öffnen?, bei welchem sie sogar Mitglieder der nicht anerkannten [ ] post nubila lux in Amsterdam befinden.
3) Haben Sie schon Kenntniss: wie z. B.
a) die Hamburger, Sächsische, sowie 2 Berliner Grosslogen über diesen Verein gesprochen haben?
b) Bebuls einer früher beabsichtigten Versammlung zu Dresden die Logenlocalitäten demselben verweigert wurden?
c) Ingleichen Br. Puhlmann in Potsdam u. A. auf Veranlassung ihrer Grosslogen wiederum ausgetreten?
4) Muss es Ihnen nicht auffallen unter circa 1000 Brn. Leipzigs nur die Brr. Findel und Seydel (die noch auswärtigen Orienten angehören), sonst aber Niemanden als Mitglied des Vereins zu finden?
Leipzig, Ende Juli 1862.
Ein treuverb. Br., der Ihnen Vorsicht anräth.

**) Ein späteres Rundschreiben (den Mrtrag betr.) ist in der „FrMrZtg" allen Brüdern zur Kenntniss gekommen.


1 "[ ]" ist im Originaltext ein liegendes Rechteck.

Geschichte

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