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Friedrich Hasselbacher: Feldlogen im ersten Weltkrieg - Teil 12

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Inhaltsverzeichnis

Friedrich Hasselbacher: Feldlogen im ersten Weltkrieg - Teil 12

Bei der Hetzschrift "Volksverrat der Feldlogen im Weltkriege" handelt es sich um eine Nationalsozialistische-Publikation mit eindeutig demagogischer Zielsetzung, die dazu beitrug, die Freimaurerei im Deutschland des "Dritten Reiches" zu zerstören.
Sie sollte sehr kritisch gelesen werden. Zum besseren Verständnis dieser Auszüge empfiehlt es sich, zunächst die einführende Rezension von Roland Müller zu lesen: Rezension: Friedrich Hasselbacher: Feldlogen



Feldlogen im Osten (1915-1919)

Quelle: Friedrich Hasselbacher: Volksverrat der Feldlogen im Weltkriege. 1941, 115-130 (= 7. erweiterte und völlig neubearbeitete Auflage von: Hoch- und Landesverrat der Feldlogen im Weltkriege. 1935)

Bialystok

Auch in Bialystok gründete man eine Feldloge, die sich der Großen National-Mutterloge, genannt „Zu den drei Weltkugeln“, unterstellte.

Die „Bauhütte", Nr. 48, 61. Jahrg., 30. November 1918, meldete darüber:

„In Bialystok ist eine neue Feldloge am 15. September d. J. unter dem Namen „Deutsche Säule in Litauen" ins Leben gerufen worden, die sich unter die Große National-Mutterloge „Zu den drei Weltkugeln" in Berlin gestellt hat und 23 Brüder zählt. Meister v. St. ist Br. Harder (Ingenieur) von Spandau. Sie arbeitet am ersten Mittwoch und dritten Sonntag im Monat.
Adresse ist: Deutsche Feldpost 75, Feuerwehr."

Ähnliche Mitteilungen im „Herold", Berlin, im „Bayreuther Bundesblatt Nr. 9/10, XVIII. Jahrg., September/Oktober 1918, Seite 238, und anderen Freimaurer-Zeitschriften.

Br. Runkel erzählt uns über das Leben dieser Feldloge, deren Abzeichen unsere Abbildung 6 zeigt, folgendes:

"Im Hochsommer 1916 traten siebzehn Freimaurer in Bialystok, im südlichen Litauen, zusammen, um eine Feldloge zu gründen. Es waren Anhänger der verschiedensten Lehrarten, und es wurde beschlossen, sich der Konstitution der Großen National-Mutterloge zu unterstellen. Zum vorsitzenden Meister wurde Ingenieur Hans Harder gewählt, und die Große Loge erteilte der neuen Johannis-Feldloge, die sich den Namen „Deutsche Säule in Litauen" gegeben hatte, am 7. August 1918 die Stiftungsurkunde.
Über die Tätigkeit dieser Feldloge sind wir aus den überIieferten Niederschriften gut unterrichtet. Danach traten am 12. Juni 1918 die Brüder im Aquarium zu Bialystok zusammen und besprachen die Gründung. Dabei wurde auch die Frage der Ermietung einer Arbeitsstätte erledigt. Bei der Feier des Johannisfestes, die am 23. Juni in der Wohnung eines Bruders stattfand, wurde die Namensgebung vollzogen.
Die Großloge hatte für die Lichteinbringung das Mitglied ihres Bruderdirektoriums Geheimen Sanitätsrat Dr. Emil Adler abgeordnet, der unter allerlei Schwierigkeiten die beschwerliche Reise nach Bialystok zurückgelegt hatte.
Am 15. September 1918 konnte dann die Feier der Lichteinbringung stattfinden. Die „Deutsche Säule in Litauen" hat mit dem Kriegsende auch ihr Ende gefunden. Am 26. November 1918 fanden sich dreizehn Mitglieder zusammen, um die Loge zu schließen. Die Rituale und die Gerätschaften waren bereits vorher wegen der bedrohlichen Zustände verbrannt worden. Nach einigen ergreifenden Ansprachen, die sich um die Gedanken: Logenbruder, Freimaurer und Freimaurerfreundschaft drehten, schloß der vorsitzende Meister die Loge mit drei harten Schlägen."
(Runkel, „Geschichte d. Frmrei. in Deutschland", III, 141.)

Kowno

Diese Angaben über die Feldlogenarbeit hinter der Ostfront werden dem Leser wenig interessant erscheinen. Trotzdem ist es unerläßlich, dies alles hier anzuführen.

Ich will damit zeigen, wie sorgsam die frmrische Publizistik war, das Verhalten. der Feldlogen zu verharmlosen und so darzustellen, als habe es sich dabei um Veranstaltungen gehandelt, die keinerlei Veranlassung zu irgendwie geartetem Mißtrauen gäben.
Was sich aber in Wirklichkeit abspielte und welche Dinge gewissermaßen zwischen den Zeilen solcher Mitteilungen über das Feldlogenleben liegen, wollen wir nunmehr an einem Beispiel, an der Feldloge in Kowno, in allen Einzelheiten kennenlernen.

Auch über die Gründung dieser Feldloge hören wir in den offiziellen Verlautbarungen nichts, was eigentlich irgendwie argwöhnisch stimmen könnte. So schrieb z. B. das „Bayreuther Bundesblatt" Nr. 7, XVI. Jahrg., April 1916, Seite 211:

„- Wie das „Mecklenburgische Logenblatt" mitteilt, haben die seit geraumer Zeit regelmäßig stattfindenden Zusammenkünfte der in Kowno anwesenden Angehörigen deutscher Großlogen zur Errichtung einer deutschen Feldloge unter dem Namen „Feldloge Deutsche Wacht an der Memel" geführt, der sich bereits eine große Anzahl deutscher Brüder angeschlossen hat. Die auf den Grundlagen der Großloge „Zu den drei Weltkugeln" errichtete Feldloge in Kowno wird demnächst eröffnet und eingeweiht werden."

Die Gründung ging mit den uns schon bekannten Formalitäten vor sich:

„Im Dezember des Jahres 1915 beschlossen einige Freimaurer, die kriegsdienstlich sich in Kowno aufhielten, eine Feldloge zu gründen. Die Federführung hatte der Erste Bürgermeister von Köslin, Dr. Pusch, der als Oberbürgermeister in Kowno beamtet war. Dr. Pusch gehörte der Loge „Zu den drei Degen" in Halle an, und er wandte sich zwecks Vermittlung an die Johannisloge „Maria zum goldenen Schwert" im Orient Köslin, die ihrerseits das Bundesdirektorium der Großen National-Mutterloge „Zu den drei Weltkugeln" zu Berlin über die Absicht der Kownoer Freimaurer unterrichtete.

Es waren etwa fünfundzwanzig Brüder der verschiedensten Lehrarten, die am 17. Februar 1916 im Offiziersheim zu Kowno die Gründung beschlossen und sich der Großen National-Mutterloge unterstellt hatten. Zum Meister vom Stuhl war Oberstabsarzt d. L. Dr. Baudler erwählt, und das Amt des zugeordneten Meisters wurde Dr. Pusch übertragen."

(Quelle: Runkel, III, Seite 137.)

Daraufhin erteilte die Große National-Mutterloge, genannt „Zu den drei Weltkugeln", in Berlin der neugegründeten Feldloge das sogenannte Konstitutions-, also Betätigungspatent, dessen letzte Seite unsere Abbildung Nr. 53 zeigt.

Nunmehr konnte die feierliche „Lichteinbringung", d. h. vorschriftsmäßige Inbetriebsetzung der Loge, erfolgen. Wie die Akten der Feldloge ausweisen, war aber bis dahin ein weiter Weg zurückzulegen. Zunächst mußte ein Logenheim beschafft werden. Zu diesem Zweck stahl - Verzeihung! „requirierte" - man einfach ein ganzes Haus, um es unter großen - sicher nicht von den Brrn. bezahlten - Kosten, durch Herausbrechen von Wänden usw., zu einem „schönen Bruderheim" umzubauen. Der abwesende Besitzer wurde gar nicht erst gefragt. Als Br. Cunow, über den wir noch hören werden, darüber seine Bedenken äußerte, sagte man ihm, wenn der Besitzer wiederkäme, würde man ihm einfach ein anderes Haus anweisen.

Wir sehen also auch hier, wie schädigend sich diese Gesellschaft für den deutschen Namen und das Ansehen Deutschlands auswirkte, denn die Bevölkerung, der derartiges nicht verborgen blieb, sagte in solchen Fällen natürlich nicht: „Die Freimaurer haben das getan", sondern „Das waren die Deutschen"!

Daß, wie im Westen, so auch im Osten die Generalkommandos der Gründung von Feldlogen ablehnend gegenüberstanden, störte die Brüder ganz und gar nicht! Was gingen sie die von deutschen Gesichtspunkten ausgehenden Auffassungen höchster Kommandostellen an?

Sie hatten doch viel höheren Interessen zu dienen, sie lebten auf höherer Warte, in ihren Reihen erklang das „schöne" Lied vom Vaterland der Freimaurer, dessen 5. bis 8. Vers nach dem „Freimaurer-Vademecum", Freim. Vorträge, Ansprachen, Gedichte und Tafelreden - Verlag Wilh. Rommel, Frankfurt a. M., 1880, lautete:


„Nein, unser großes Vaterland
Ist, wo des Meisters mächt'ge Hand
Die ew'gen Pole hingestellt
Als Marken seiner weiten Welt!
Wo Nord und Süd und Ost und West
Sich niemals eint und doch nicht lässt!
Das Vaterland des Maurers geht,
So weit der Odem Gottes weht!

Und eine große Kett' umspannt
Sein großes, schönes Vaterland!
So weit der Erdengürtel ist,
So weit die Bruderkette misst!
Von einem Geist wird sie belebt,
Von einem Händedruck durchbebt,
Und ihre vollen Pulse schwellt
Die Liebe für die ganze Welt!

Da ist des Maurers Vaterland,
Wo man sich kennt am Druck der Hand,
Sich kennt am Zeichen und am Wort
In Ost und West, in Süd und Nord,
Wo ew'ge Glut die Scheitel drückt
Und ew'ger Schnee die Berge schmückt.
So weit Gott seinen Himmel spannt,
Reicht unser großes Vaterland.


Der Menschheit tiefstes Herzeleid,
Der Menschheit höchste Seligkeit,
Der ganzen Menschheit Preis und Ruhm
Ist unser schönes Eigentum,
O Meister aller Meister dort!
Sei unser Licht und unser Hort!
Verein' auf ewig unser Band
Und segne unser Vaterland!"


Wer aber „der Menschheit tiefstes Herzeleid" mitempfindet und wessen Herz „der Menschheit höchste Seligkeit" durchjubelt, wer die ganze Welt - so weit der Himmel reicht - als sein Vaterland besingt und feiert, dem sind selbstverständlich jene Denkbahnen viel zu kleinlich, auf denen sich die militärischen Bedenken höherer Kommandostellen bewegen, die die Frmrei ablehnen und eine „Liebe für die ganze Welt", besonders in Kriegszeiten, nicht gerade als etwas Soldatisches ansehen!

Die Brr. in Kowno verhielten sich entsprechend. Sie kümmerten sich nicht einen Augenblick ernstlich um die Ansicht des Oberkommandos, sondern gingen eifrig an den Bau ihres Tempels Salomos. Dazu mußte man nicht nur das Haus „besorgen", sondern auch freimaurerische Einrichtungsgegenstände herbeischaffen, um das Innere als Loge ausstatten zu können. Dazu kam, daß man Schurzfelle, Handschuhe, Logenabzeichen und andere Sachen brauchte, die, aus Glacéleder oder Metall hergestellt, damals normalerweise überhaupt nicht zu beschaffen waren. Die Bezugsquelle für solche Requisiten, die Firma Engel und Kubig, Berlin SW, Ritterstraße 71 (Armeelieferant), teilte den Brüdern mit, daß die Lieferung wegen der Beschlagnahme von Metall, Leder usw. für Kriegszwecke nicht möglich sei.
Doch man fand Aus- und Umwege. Warum sollte Heeresbedarf denn vor Logenbedarf gehen?! Erst kam doch die Frmrei und dann die Landesverteidigung!! Und so wurden die Wünsche der Brr. allen gesetzlichen Bestimmungen zum Hohn erfüllt.

Wir sind auf Grund der vorliegenden beschlagnahmten Logenakten in der Lage, zu zeigen, wie die Sache geschoben wurde. Da finden wir einen Brief des Bruders Burau (Königsberg) an die Firma Engel und Kubig, dem wir entnehmen können, daß die Logenutensilien unter Mißbrauch der amtlichen Adresse des Elektrizitätswerkes beim Oberkommando Ost in Kowno zu Händen des Leutnants der Landwehr Zier (Mitglied der Feldloge) und unter Umgehung der heereswirtschaftlichen Vorschriften geliefert wurden!

An der Einweihung der Feldloge in Kowno, die am 1. April 1916 stattfand, nahm u. a. auch ein Br. Cuno aus Königsberg teil.
Nun war das in den Kriegszeiten nicht so ganz einfach, denn Kowno war nicht nur besetztes Gebiet, sondern auch Festung. Und da konnte man nicht ohne weiteres hinreisen, sondern mußte Gründe, und zwar triftige Gründe, haben,: um die Erlaubnis zu bekommen. Aber - gibt es einen wichtigeren Grund für solche Reiseerlaubnis als die Einweihung einer Feldloge?
Darum hatte man im Polizeipräsidium Königsberg auch nichts eiligeres zu tun, als dem Bruder Cuno eine dies bezügliche Bescheinigung - siehe Abbildung 54 - auszustellen.

Bruder Cuno begab sich also nach Kowno, mit ihm fuhren noch zwei Brüder aus Königsberg und je ein Bruder aus Berlin, Insterburg und Tilsit. Eigentlich wollte eine ganze Horde von Trägern „deutschen Geisteslebens" losziehen,

„das Oberkommando Ost verweigerte jedoch die Reiseerlaubnis, wie es schon vorher Berliner Professoren (war das nicht vielleicht eine Reisegesellschaft von studierten Brrn.?) und auch die Danziger Loge „Eugenia zum gekrönten Löwen" abschlägig beschieden hatte. Br. Becker (1) hat es dann bei Exzellenz Ludendorff persönlich erwirkt, daß aus Königsberg drei Brüder, aus Berlin, Insterburg und Tilsit je ein Bruder zugelassen wurde."

So liest man in der Originalniederschrift des Protokolls, das Br. Dr. Willi Haupt (2) nach dem Bericht (3), den Br. Cuno gab, am 17. Mai 1916 aufsetzte. Ab Insterburg hatten die Brr. - wie der Bericht meldet - „durch Vermittlung des ältesten Sohnes unseres gel. Br. Fischer, zweiter zugeordneter Meister", die Möglichkeit, ein Abteil erster Klasse zu benutzen.
In einem späteren Bericht des Herrn Majors der Landwehr Heinrich Becker (erster Meister vom Stuhl der Feldloge in Kowno, Mitglied der Loge „Zu den drei Kronen", Königsberg), der aus dem Jahre 1926 stammt, ist zu entnehmen, daß schon an der ersten Logensitzung 42 (in Worten zweiundvierzig) Brüder teilnahmen! Kowno muß ja ein wahres Freimaurerdorado gewesen sein!

Sehr interessant ist in dem Bericht Beckers (1926), daß er ebenfalls auf die hier schon aus dem Protokoll des Bruders Haupt erwähnte Billigung durch Ludendorff zu sprechen kommt.

„... mit Genehmigung von Exzellenz Ludendorff, der zwar kein besonderer Freund der Freimaurer war, jedoch den Zusammenschluß der Logenbrüder in Feldlogen in der Etappe berechtigt fand."

Hierzu bemerkte ich in der alten Fassung des vorliegenden Werkes [59]:

„… nie und nimmer hat Ludendorff Feldlogen irgendwie und irgendwann eine Berechtigung zugesprochen. Wir glauben nicht, den General zu bevormunden, wenn wir des weiteren behaupten, daß er, wenn ihm damals schon das alles über diese Dunkelmänner bekannt gewesen wäre, was er nachher feststellen konnte, er den Bruder Becker schon bei der ersten Andeutung mit samt seinen Kumpanen vor ein Kriegsgericht gestellt und mindestens auf Festung geschickt hätte!"

Darum begrüne ich es, daß Exzellenz Ludendorff selbst im „Heiligen Quell" (Nr. 23, 5. März 1936, S. 924 bis 925) dazu das Wort ergriff. Der Feldherr führte dort u. a. folgendes aus:

„Das, was der Freimaurer hier von mir erzählt und nun hier verbreitet wird, ist völlig unwahr. Nie habe ich einem Freimaurer als solchem die Erlaubnis zu der Einreise in das Gebiet des Oberbefehlshabers Ost, um das es sich hier handelt, gegeben, nie ist ein solcher an mich mit solcher Bitte herangetreten, nie habe ich einen Ausspruch getan, daß ich den Zusammenschluß von Logenbrüdern in Feldlogen in der Etappe für berechtigt angesehen hätte.

Ich stand damals der Freimaurerei noch völlig ahnungslos gegenüber und hatte über sie kein ablehnendes noch ein zustimmendes Urteil. Ich hatte es allerdings gewonnen, als Br. Becker 1926 seinen Bericht schrieb. Da konnte er mit Recht schreiben, daß ich kein „besonderer Freund der Freimaurer" war.

Für die Regelung des Verkehrs in das Gebiet des Oberbefehlshabers Ost aus Deutschland stand mir der Oberquartiermeister, General v. Eisenhart-Rothe, zur Verfügung. Dieser hatte auch durch die entsprechende Abteilung Einreiseerlaubnis an Deutsche zu geben, deren Anwesenheit aus irgendeinem militärdienstlichen, verwaltungstechnischen oder politischen Grunde, aus ernsten persönlichen Gründen, z. B. bei Zurückführung von Gefallenen, auch beim Überbringen von Liebesgaben usw., nötig war. In solchen Fällen, in denen ich unmittelbar dienstlich Anteil zu nehmen hatte, kann ich General v. Eisenhart-Rothe angewiesen haben. Ob sich die vorstehend genannten Brr. unter vorstehend angegebenem Vorwand eingeschlichen haben, kann ich natürlich nicht sagen. Daß ihnen das vielleicht möglich gewesen ist, ist bei der Verfreimaurerung des Offizierkorps namentlich des Beurlaubtenstandes - vor dem Weltkriege nicht unmöglich. War doch z. B. der Kommandant von Wilna, General Wegener, Großmeister der Großen National-Mutterloge zu den drei Weltkugeln; es entstand auch dort eine Feldloge. Es werden auch im Stab des Oberbefehlshabers Ost Freimaurer gewesen sein.
Ich habe mit General v. Eisenhart-Rothe einmal über Freimaurer gesprochen. Er kam zu mir und sagte mir, ob ich etwas dagegen habe, wenn die Freimaurer Zusammenkünfte abhielten. Ich werde ihm da wohl gesagt haben, wenn sie sich auf Zimmern oder sonst in öffentlichen Lokalen träfen, warum sollte das nicht stattfinden! Das könnten ja andere Mitglieder des Heeres auch. Daß ich heute nach meiner Kenntnis von der Freimaurerei anders denke, ist gewiß. Ich habe mir diese Kenntnisse erst durch reiches Studium aneignen müssen.
Anderes über meine Unterhaltung mit General v. Eisenhart-Rothe, der heute meinen Kampf gegen die Freimaurerei ablehnt, vermag ich nicht mehr anzugeben. Um Einreiseerlaubnis von Brr. Freimaurern hat er mich nicht gebeten."

Interessant ist auch, daß General Ludendorff in weiterem Verlauf seiner Feststellungen darauf hinweist:

„Daß Brr. Freimaurer bei der Revolutionierung im Osten, namentlich in Warschau, eine sehr bedeutende Rolle gespielt haben, ergibt sich bei der schnellen Ausbreitung der Revolution dort von selbst. Auch Kowno war ein revolutionärer Herd."

Besonders die letzten Worte des Feldherrn verdienen die größte Beachtung. Wir dürfen sie nicht vergessen, wenn wir uns weiter mit den Vorkommnissen beschäftigen, die uns die Berichte über die Gründung und Arbeit der Feldloge in Kowno schildern.

Natürlich nimmt die Feldloge „Deutsche Wacht an der Memel" in Kowno auch bei Br. Runkel einen breiten Raum ein; er gibt uns auch einen Bericht über die offizielle Einweihungsfeier, in dem es zu Anfang heißt, die Feldloge sei durch „eine kleine Anzahl mutiger Brüder" begründet worden. (Was für ein „Mut" eigentlich dazu gehört haben soll, eine Feldloge zu gründen, erscheint uns unerfindlich, denn Kowno lag damals bereits in der tiefsten Etappe!)

In dem bei Runkel zitierten Bericht lesen wir unter Wiederholung der von General Ludendorff nunmehr als unwahr festgestellten Schilderung:

„Dort (im Gebäude der Loge) versammelten sich am Sonnabend, dem 1. April, halb sechs, fünfzig Brüder. Zu den feldgrauen Brüdern waren Vertreter der Loge aus Königsberg (Drei Kronen), Insterburg (Preußischer Adler), Tilsit (Irene) mit Genehmigung der Heeresleitung eingeladen und erschienen. Auch aus dem benachbarten Wilna, wo die dort weilenden Freimaurer ebenfalls die Gründung einer Feldloge beschlossen und deren Bestätigung schon im Bundesdirektorium der Großen National-Mutterloge nachgesucht haben, war eine Abordnung herübergekommen."

Bei der Feierlichkeit wurden die üblichen, von innerer Unwahrhaftigkeit strotzenden Reden gehalten. Eine derselben verbrach der inzwischen verstorbene Sanitätsrat und Generaloberarzt Dr. Alwin Baudler (damals Meister vom Stuhl der Loge „Zu den drei Gleichen" in Arnstadt (Thüringen), Hochgradbruder, Ehrenmitglied der „Drei Weltkugeln", Inhaber zahlreicher Logendiplome und Freimaurerorden). Dann erhob der Herr Geheime Studienrat Dr. Jöckel, Direktor des Oberlyzeums, Meister vom Stuhl der Loge „Zum preußischen Adler" in Insterburg und Hochgradfreimaurer (Ehrenmitglied und Mitglied des Bundesdirektoriums der „Drei Weltkugeln" usw.) seine Stimme zu lichtvollen Ausführungen. Dabei erzählte er:

„daß es für die ganze deutsche Maurerei wohl mancherlei Wege, aber nur ein Ziel gibt."

Das war wenigstens deutlich! Wir könnten also das Wortbild Br. Jöckels noch weiterführen und ihn darum fortfahren lassen:

„Meine Brüder! Weil wir aber auf die Gefühle und die Herkunft der einzelnen Brüder Rücksicht nehmen müssen - denn einen Weg würden sie sich nicht gemeinsam vorschreiben lassen -, so haben wir die verschiedenen Wege (Systeme) mit verschiedenen angestrichenen und markierten Kilometersteinen und Wegweisern ausgestattet: von den schwarzweißroten der Gr. Landesloge bis zu den blutroten der „Aufgehenden Sonne".
So führen wir die Bruderschaft auf verschiedenen Wegen zu demselben Ziel in das Freimaurervaterland „so weit Gott seinen Himmel spannt!"

Herr Prof. Dr. phil. Hans Lullies (Hochgradbruder, Ehrenmitglied der „Drei Weltkugeln", Ehrenmeister der Loge „Zu den drei Kronen" in Königsberg) ließ sich ebenfalls vernehmen und es wurden dann noch mehrere andere Reden gehalten, aber schließlich kam man zu jener Realität, die wir bei der Untersuchung der Feldlogen immer wieder feststellen konnten: Zum Abessen der Menükarte.

Br. Runkel ist so unvorsichtig, aus dem Bericht auch jene Stelle wiederzugeben, in der es heißt:

„Nach dem gebrauchstümlichen Schluß der durch Harmoniumvorträge verschönten Festarbeit (Einweihungsfeierlichkeiten) erwartete die Teilnehmer eine Festtafelfolge, deren Einfachheit noch nicht einmal übertrieben kriegsmäßig war und nicht zu stark an die nicht gar so weit entfernte Front gemahnte."

Das heißt auf gut Deutsch: man hat ausgiebig gegessen und getrunken und hat den Krieg Krieg sein lassen. Wir sehen also, wo immer Feldlogenbrüder zusammen waren, stets das gleiche Bild und das gleiche Verhalten!

Drei Tage weilten die Gäste der neuen Feldloge in Kowno, der auch Zivilisten (4) angehörten.

Dem Bericht des Herrn Dr. Haupt zufolge fuhr der hier schon wiederholt erwähnte Br. Becker die auswärtigen Brüder mit einem Dienstauto spazieren und zeigte ihnen Kowno und Umgebung.

Die Umgebung von Kowno heißt sonst auch „Festung Kowno", und diese wurde den Brüdern eingehend gezeigt. Der als Abbildung 55 abgedruckte Passierschein beweist,

  1. daß die Brüder die ganze Festung besichtigen durften;
  2. daß die Brüder auch an die Geschützstände heran durften. Sie mußten doch genau informiert werden;
  3. daß sie die Scheine nicht nachher vernichteten, sondern gewissermaßen als Beleg ihrer „kriegswissenschaftlichen" Mission mit in ihre Heimatlogen nahmen (5).

Man sieht, die Brüder in Kowno taten, was nur immer in ihren Kräften stand! Der Herr Oberbürgermeister Dr. Walter Pusch ließ alle Arbeit und alle Pflichten seines Amtes stehen und liegen und widmete sich zwei volle Tage ausschließlich den Brüdern von auswärts. Freimaurerpflicht geht eben vor Beamtenpflicht!

Doch wie alles auf Erden einmal ein Ende hat, so schlug auch für die Brr. in Kowno die Abschiedsstunde. Hochbefriedigt fuhren sie nach Hause. Bruder Pusch beugte am Schluß noch jeder Unannehmlichkeit und Kontrolle vor, indem er jedem von ihnen bescheinigte: „bedarf keiner Entlausung und ist seuchenfrei".

Libau

Wenden wir uns nunmehr nach Libau. Auch dort wurde eine Feldloge aufgezogen, über deren Gründung Runkel uns (Seite 136/137) mitteilt:

„Im September 1916 faßte der Hauptmann Otto Kück, im bürgerlichen Leben Fabrikdirektor, in Libau mit noch zwei anderen Freimaurern den Entschluß, die Brüder in der Umgegend zu einem freimaurerischen Kränzchen zusammenzuschließen und schließlich eine Feldloge zu gründen. Schon am 18. Oktober konnte er der Großen Loge von Preußen, genannt „Zur Freundschaft", die Mitteilung machen, daß die Gründung der Feldloge unter dem Namen „Anker und Schwert" beschlossene Sache sei, und fügte zu gleicher Zeit das Gesuch um Genehmigung und Vollmacht bei. Der Großbeamtenrat entsprach seinem Wunsch, und so konnte nach Erledigung der gesetzlichen Vorschriften die Einsetzung erfolgen."
„Am 17. Dezember 1916 vollzog dann der Großmeister Professor Dr. Eberlein persönlich die Einbringung des Lichtes.
Die Loge hat nicht nur unter den Freimaurern, die in der dortigen Gegend im Felde standen, sondern auch in profanen Kreisen sich eines besonderen Ansehens erfreut, wie die große Anzahl von Neuaufnahmen, unter denen sich auch Mitglieder der dortigen Bevölkerung befanden, zeigt.
Es tauchte dann im Jahre 1918 der Gedanke auf, die Feldloge in eine stehende zu verwandeln, wozu von seiten der Großloge am 8. Januar die Zustimmung erteilt wurde. Als Libau im Januar 1919 von den Bolschewisten ernstlich bedroht wurde, schloß die Loge ihre Pforten.
Die Hoffnung, die Arbeit später wieder aufnehmen zu können, erfüllte sich zwar, doch sah sich die Brüderschaft gezwungen, am 20. April 1921 aus dem Verband der Großloge „Zur Freundschaft" auszuscheiden und die Anerkennung einer neu zu gründenden Loge mit dem Namen „Zum Anker" als selbständige Loge nachzusuchen. Die Leitung hatte der Konsul Wilhelm Litten übernommen.

Die freudige Nachricht von der Geburt der Feldloge in Libau durchlief natürlich wieder alle Freimaurer-Zeitungen. Das „Bayreuther Bundesblatt" z. B. schrieb (Nr. 3, XVII. Jahrgang, Dezember 1916, Seite 87)

„Wie wir der „Latomia" entnehmen, hat die Große Loge von Preußen, genannt „Zur Freundschaft", in Berlin, eine neue Feldloge in Libau unter dem Namen „Anker und Schwert" gegründet. Die Lichteinbringung hat am 17. Dezember stattgefunden. Als Meister v. St. ist Br. Köck, Hauptmann der 5. Marine-Kompanie in Libau, ernannt worden."

Diese Loge entfaltete in der Folgezeit eine außerordentlich lebhafte freimaurerische Propaganda, über die Runkel uns ebenfalls berichtet. Beachtenswert ist, daß nach dem Abzug der deutschen Truppen die Loge ihre Arbeiten nicht einstellte, sondern nach kurzer Zeit unter Beibehaltung des Namens und Abzeichens (siehe Abbildung 12) ihre Tätigkeit als feste Johannisloge wieder aufnahm.

Mitau

Über die Feldloge in Mitau, deren Gründung von der Großen Landesloge der Freimaurer von Deutschland ausging und deren Abzeichen unsere Abbildung 13 zeigt, hören wir bei Runkel (Seite 133 ff.)

„Am 14. Mai 1916 waren in Mitau einige zwanzig Brüder zusammengetreten, um eine freimaurerische Vereinigung zu bilden, die sich unter Aufsicht der Königsberger Loge „Zum Totenkopf und Phoenix" stellte. Zum Vorsitzenden wurde der Armeeintendant beim Oberkommando der achten Armee, Wirklicher Geheimer Kriegsrat Wilhelm Augustin Balthasar Wolfradt, gewählt, der auch, als die Vereinigung die Errichtung einer Feldloge unter dem Namen „Zum deutschen Schwert im Osten" beabsichtigte, zum vorsitzenden Logenmeister gewählt wurde.
Die neue Feldloge beantragte durch Vermittlung ihrer Aufsichtsloge die Genehmigung ihres Planes bei der Großen Landesloge der Freimaurer von Deutschland in Berlin. Während die Verhandlungen mit der Großloge schwebten, wurde Geheimrat Balthasar Wolfradt zur Organisation eines Volksernährungsamtes beim Kriegsministerium in Berlin aus der Front (Mitau war für diese Leute „Front"!! F. H.) abberufen. An seiner Stelle übernahm Oberbürgermeister Dr. Seraphim, der der Johannisloge „Totenkopf und Phoenix" angehörte, den Vorsitz."

Die Genehmigung der Feldloge erfolgte ohne jede Schwierigkeit. Die Urkunde lautete:

„Ich genehmige hiermit gern die Errichtung einer neuen Feldloge in Mitau unter der Konstitution der Großen Landesloge der Freimaurer von Deutschland unter dem Namen „Zum deutschen Schwert". Ich wünsche der jungen Loge, deren Eröffnung, wie ich vernehme, zum Johannisfest 1916 stattfinden soll, nach innen wie nach außen eine segensreiche und gedeihliche Entwicklung und entbiete allen dabei beteiligten Brüdern meinen ordensmeisterlichen Gruß.
Gegeben Jagdschloß Klein-Glienicke, den 11. Juni 1916.
Friedrich Leopold, Prinz von Preußen,
Protektor der drei altpreußischen Großlogen,
Ordensmeister."


Der unterzeichnete Protektor Prinz Friedrich Leopold von Preußen wird uns in diesem Buch noch häufiger beschäftigen. Herr Balthasar Wolfradt war sein Nachfolger als Ordensmeister der Großen Landesloge.

Über die feierliche Eröffnung der Feldloge finden wir bei Runkel genaue Angaben:

Die Feldloge hatte ein großes Haus mit geeignetem Garten in Mitau gemietet und darin ihren Tempel errichtet. Die Lichteinbringung erfolgte am 2. Juli, nachmittags 1.30 Uhr, und die Große Landesloge hatte den ersten abgeordneten Landesgroßmeister Generalarzt Dr. Keffel bestimmt, die Loge in Arbeit zu setzen. Wir besitzen dessen eingehenden Bericht über diese Feier, dem wir aus dem Archiv der Großen Landesloge das folgende entnehmen:
„Durch die am 1. August 1915 erfolgte Besetzung der Hauptstadt Kurlands, Mitau, woselbst auch kurze Zeit darauf der Sitz der deutschen Verwaltung (später Militärverwaltung Kurland) errichtet wurde, waren zahlreiche Freimaurer nach Mitau und dessen näherer Umgebung gekommen. Unter diesen machte sich bald das Bedürfnis eines Zusammenschlusses zwecks maurerischer Betätigung geltend; es wurde nach mancherlei Versuchen im April 1916 in der „Mitauer Zeitung" eine Aufforderung an alle Freimaurer erlassen, sich zu einer Besprechung zwecks Gründung eines Kränzchens oder einer Feldloge im Museumssaal in Mitau am Sonntag, dem 14. Mai 1916, einzufinden. Zu dieser Besprechung fanden sich zwanzig Brüder ein. Bruder Balthasar (Carl zu den drei Greifen, Greifswald), Armeeintendant der achten Armee, begrüßte mit herzlichen Worten die Erschienenen, gab seiner Freude Ausdruck über die rege Teilnahme, aus welcher zu schließen sei, daß tatsächlich Bedürfnis und Interesse an und für freimaurerische Betätigung vorhanden sei.
Hiermit war die Tätigkeit der Einberufer der Versammlung - der Brüder Balthasar, Seraphim (Dr. jur., Stadthauptmann von Mitau) und Sieber (Bankier) - erledigt, und es wurde den versammelten Brüdern anheimgegeben, aus ihrer Mitte heraus selbst einen Bruder zu erwählen, der die Leitung übernehmen solle für die Führung der weiteren Verhandlungen. Einstimmig wählte die Versammlung hierauf zum Vorsitzenden den Bruder Balthasar, welcher die Wahl dankend annahm.
Bruder Balthasar richtete nunmehr an die Anwesenden die Frage, ob alle einer in Deutschland anerkannten Johannisloge angehörten, da sich nur solche Brüder an den Versammlungen beteiligen könnten, und bat die Brüder, sich selbst in die ausgelegte Liste einzuzeichnen."

Riga

Die Brüder in Mitau ließen es sich nicht nehmen, auch außerhalb ihrer Stadt für die Freimaurerei zu arbeiten. Sie gründeten in Riga eine Freimaurer-Vereinigung, über die wir im „Bayreuther Bundesblatt", Nr. 2/3, XVIII. Jahrgang, Februar/März 1918, Seite 67, folgende Notiz finden:

„Nach dem „Mecklenburg. Logenblatt" hat die unter der Aufsicht der Feldloge „Zum deutschen Schwert im Osten" (Große Landesloge), Or. Mitau, ins Leben gerufene Freimaurer-Vereinigung „Hanseatentreue" in Riga in den vom Vorsitzenden, Br. Hintzpeter, hergerichteten und ausgestatteten Räumen (Schloßstraße 17/1) am Sonnabend, dem 8. Dezember 1917, ihre Sitzungen eröffnet.
Tatkräftige Unterstützung hierzu hatten die Logen der Freien Hansastädte Bremen, Lübeck und Hamburg geleistet. Der Eröffnungssitzung wohnten auch zwei Rigaer Bürger, Brr. Freimaurer, bei, denen es vergönnt war, nach langer, harter Zeit und vieler Kriegsnot im Bruderkreis mitzuraten und mitzuarbeiten.
- Zuschriften an die Vereinigung in Riga sind an Br. Hintzpeter, Hauptmann und Führer der 1. :Landsturm-Pionier-Kompanie, Il. Armeekorps, Deutsche Feldpost 383, zu senden!

Warschau

In Warschau wurde, um einem dringenden Bedürfnis abzuhelfen, auch eine Feldloge aufgemacht. Sie trug den Namen „Zum Eisernen Kreuz im Osten".

Über die Gründung lesen wir bei Runkel S. (132) folgendes:

„Im Herbst 1915 beschlossen einige Freimaurer, die in Warschau im Kriegsdienst standen, eine Feldloge zu gründen. Sie beauftragten den Rittergutsbesitzer Ökonomierat Franz Schiftan, Meister vom Stuhl der St. Johannisloge „Zum Stern St. Johannis" in Zielenzig, der als Vorsitzender des Schiedsgerichts beim General-Gouvernement in Warschau tätig war, gelegentlich einer Reise nach Berlin die Genehmigung zur Gründung der Feldloge unter dem Namen „Zum Eisernen Kreuz im Osten" bei der Großen Loge von Preußen, genannt Freundschaft, zu betreiben. Ökonomierat Schiftan trug die Bitte der Warschauer Brüder persönlich vor und fand günstige Aufnahme."

Dieser Besuch hatte am 4. November 1915 stattgefunden, und schon am 8. November richtete die Großloge an den zum Führer der Feldloge ausersehenen Oberstabsarzt d. R. Dr. Arthur Spaethe, Mitglied der St. Johannisloge „Boanerges zur Bruderliebe" in Hamburg, ein bei Runkel abgedrucktes Genehmigungsschreiben.

Wie üblich meldete die freimaurerische Presse dann bald darauf die Geburt einer neuen Feldloge:

„Eine weitere Feldloge „Zum Eisernen Kreuz" ist in Warschau am 15. November v. J. unter Mitwirkung des Meisters v. St. der Loge „Zum Stern St. Johannis" im Or. Zielenzig, Br. Schiftan, von 27 Brüdern verschiedener Lehrarten gegründet worden. Sie ist der Großen Loge von Preußen, genannt „Zur Freundschaft", unterstellt.
Zum Meister v. St. ist der Stabsarzt Br. Dr. Spaethe in Warschau, zum I. zug. Meister v. St. Br. Schiftan, zum II. zug. Meister v. St. Br. Matschke, Veterinärdezernent der Zivilverwaltung, erwählt worden."
(„Bayreuther Bundesblatt", Nr. 4, XVI. Jahrgang, Januar 1916, Seite 116.)

Br. Runkel berichtet uns (Seite 132), die Loge in Warschau habe „ein außerordentlich reges freimaurerisches, gesellschaftliches Leben" entwickelt. Dies bestätigt auch das „Bayreuther Bundesblatt", von dem wir erfahren (Nr. 1/2, XVII. Jahrgang, Oktober/November 1916, Seite 59), anläßlich des einjährigen Bestehens der Feldloge beabsichtigen „die Mitglieder und Freunde unserer Feldloge am Sonntag, dem 19. November, nachmittags 4 Uhr, im Logenheim, ehem. russ. Gymnasium zu Warschau (beim Kopernikus-Denkmal), zu einer Festarbeit mit darauffolgender Tafelloge sich zu vereinen".
Wie es bei diesen Tafellogen zuzugehen pflegte, haben wir ja hier bereits festgestellt!

Welcher Geist in der Feldloge zu Warschau herrschte, zeigt uns unsere Abbildung 17, die das Abzeichen der Feldloge darstellt: Eine tollere Verhöhnung des Eisernen Kreuzes ist wohl nicht denkbar! Das Original-Eiserne Kreuz mit Winkel, Zirkel und flammendem Stern, diesen typischen Symbolen der Weltfreimaurerei, zusammengenietet! Schamloser konnte sich der Feldlogengeist nicht offenbaren!

Wenn wir von der ganzen Freimaurerei nichts weiter als das Abzeichen dieser einen einzigen Feldloge kennen würden, so müßte dieses schon für jeden anständigen Deutschen genügen, der Freimaurerei und ihren Bestrebungen den Kampf anzusagen. Eine Weltanschauung, aus der derartige Kombinationen möglich sind, muß dem völkischen Gedanken naturnotwendig diametral entgegengesetzt sein. Eine Symbiose, also ein Verschmelzen, von freimaurerischer und völkischer Idee führt immer zu einer Beschimpfung der dem Volk heiligen Symbole und dem Mißbrauch derselben zu Zwecken, die dem völkischen Empfinden in ethischer wie in moralischer Hinsicht widersprechen.

Die Feldloge in Warschau hatte, wie alle anderen, wiederholte Wechsel in ihrer Leitung.

Wir lesen, um nur eine Stelle noch anzuführen, im „Bayreuther Bundesblatt", Nr. 7, XVII. Jahrgang, April 1917:

„Der Meister vom Stuhl der Feldloge „Zum Eisernen Kreuz im Osten" zu Warschau, Br. Dr. Spaethe, ist als Armee-Hygieniker nach einem anderen Kriegsschauplatz versetzt worden. Die Feldloge hat ihn zum Ehrenmeister ernannt. Zum vorsitzenden Meister ist der Br. Schiftan (Rittergutsbesitzer und Kgl. Ökonomierat, zur Zeit landwirtschaftlicher Referent beim Verwaltungschef des General-Gouvernements Warschau), zum ersten zugeordneten Meister der Br. Heck (Hauptmann d. L. beim Polizei-Präsidium Warschau) gewählt worden.
Anfragen und Mitteilungen betreffs der Feldloge sind zu richten an den Schriftführer Br. Wagner :(Unteroffizier im Kraftwagenpark des General-Gouvernements Warschau)."

Dies möge für die Feldloge in Warschau genügen. (Ich verweise nochmals auf die unter „Kowno" zitierte Erklärung von General Ludendorff!)

Wilna

In Wilna kam es ebenfalls zur Gründung einer Feldloge, die den Namen „Wilna zum Flammenden Schwert" annahm (Abzeichen s. Abbildung 18) und unter der großen National-Mutterloge „Zu den drei Weltkugeln" arbeitete. Die feierliche Eröffnung fand am 13. Mai 1916 statt. Nach dem Kriege lebte diese Feldloge als Johannisloge in Berlin fort.

Wir finden z. B. in C. van Dalens „Kalender für Freimaurer", Verlag Bruno Zechel, Leipzig 1931, Seite 100:

„Wilna zum Flammenden Schwert. Frmr. Feldlogen-Verein unt. Aufsicht d. Gr. Nat.-M.-L. Gegr. 13. Mai 1916. Etwa 50 Brr. 1. Vors.: Leopold Verch, Fabrikant, Charlottenburg 2, Leibnizstraße 104. 2. Vors.: Walter Hecht, Stadtbaurat, Stettin. Schriftf.: Otto Schmidt, Reg.-Rat, Kohlhasenbrück, Post Neubabelsberg, Königsweg 18."


Anmerkungen

1) Becker, Adolf, Dr. med., Mitgl. der Loge „Irene" in Tilsit, ständig besuchender Bruder der Loge „Zum Totenkopf und Phönix" in Königsberg.

2) Haupt, Willi, Dr., Studiendirektor, Mitglied der Loge „Zu den drei Kronen", Hochgradfreimaurer: Mitglied der Schottenloge „Andreas zum goldenen (Chanukka) Leuchter" und Delegierter des „Inneren Orients", Königsberg.

3) In diesem Bericht findet man auch die oben erwähnte Hausangelegenheit.

4) Zivilisten: u. a. folgende Brüder:
Der Schriftsteller Carl Breuer, Berlin-Friedenau, Mitglied der Loge „Zu den drei Degen" in Halle. Der Gastwirt Max Steinbock, der erst in der Feldloge zum Bruder gemacht wurde.
Der Vertreter der Hamburg-Amerika-Linie Edgar Wolters, Mitglied der Loge „Zur goldenen Kugel" in Hamburg.

5) Der Unterzeichner dieser Erlaubnisscheine, Herr Oberleutnant Schültke, gehörte dem Bruderkreise der Feldloge an, hatte den 2. Grad, war Leiter der Spionageabwehr in Kowno und - konnte sich nach 1933 (!) „auf nichts mehr besinnen".


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