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Graz

Aus Freimaurer-Wiki

Der Hauptplatz in Graz ... auf diesem Bild anlässlich 'Genusshauptstadt Graz 2015' besonders festlich. Die steirische Landeshauptstadt ist mit fast 270.000 Einwohnern nach Wien die zweitgrößte Stadt Österreichs. Ganz oben auf dem Schlossberg der alte Uhrturm, das Wahrzeichen der Stadt. - Foto: info-graz, übernommen von flickr.com Creative Commons.
Schloss Radvanje/Rothwein am Stadtrand von Maribor/Marburg in Slowenien (bis 1918 Untersteiermark). Nach den Forschungen von Historikern arbeitete hier 1782 die erste steirische Loge 'Zu den vereinigten Herzen'. Schon nach kurzer Zeit übersiedeltesie in die Landeshauptstadt Graz. Das Foto wurde 2014 aufgenommen. Das Haus war desolat mit (wie nicht selten in ehemals kommunistischen Ländern) verworrenen Eigentumsverhältnissen. Foto: Rudi Rabe.
Joseph II. am Opernring in Graz. Auf dem Sockel der Büste sind unter der Wölbung drei Punkte: ein typisches Freimaurerzeichen. Der Sohn Maria Theresias war von 1765 bis zu seinem Tod 1790 römisch-deutscher Kaiser: ein Vertreter des aufgeklärten Absolutismus („alles für das Volk, aber nichts durch das Volk“). In seiner Regierungszeit erlebte die österreichische Freimaurerei einen ersten Höhepunkt. Allerdings gab es auch gewisse theatralische und ideologische Auswüchse. Um diese einzudämmen, schrieb Joseph II. auf Anregung führender Freimaurer für die Zeit ab 1886 vor, wie viele Logen es in jeder Stadt geben durfte: in Graz eine. Weniger als ein Jahrzehnt später verbot Josephs Nachnachfolger Franz I./II. die Freimaurerei für sein ganzes Reich. Das hatte Auswirkungen bis zum Ende der Habsburgermonarchie 1918.
Foto: Wikimedia Commons.

Inhaltsverzeichnis

Graz

Die Entwicklung der Freimaurerei in der Steiermark von den masonischen Anfängen im späten 18. Jahrhundert bis ins 21. Jahrhundert. Von Karel Kubinzky und Rudi Rabe.

Stand 2016:

Fünf Logen der ‚Großloge von Österreich’ mit nicht ganz 300 Mitgliedern.
Und zwei gemischte Logen des ‚Droit Humain’.

Die Anfänge unter Kaiser Joseph II

Die erste Freimaurerloge der Steiermark wurde 1782 von vierzehn Brüdern im Schloss Rothwein bei Marburg gegründet (heute Schloss Radvanje bei Maribor in Slowenien; damals Untersteiermark: Foto rechts). Die Loge trug den Namen ‚Zu den vereinigten Herzen’. Im darauf folgenden Jahr wurde ihr Standort in die steirische Landeshauptstadt Graz verlegt.

Wo sich diese Loge in Graz befand, ist nicht mit Sicherheit feststellbar. Wohl aber sind ihre Mitgliedslisten bekannt. Aus diesen geht hervor, dass die Brüderzahl in Graz in ganz kurzer Zeit regelrecht explodierte: 1784 werden hundert Namen genannt, Männer die an die Aufklärung und die Reformen des Josephinischen Zeitalters glaubten. Die Hälfte waren Adelige, darunter auch Graf Trauttmansdorff, der spätere Erzbischof von Olmütz und ab 1816 Kardinal: der einzige österreichische Freimaurer, von dem eine Ernennung zum Kardinal bekannt ist. Oder Karl Graf Attems und Weichart sowie die Kaufleute Anton Gadolla und Franz Dobler. Auch Offiziere der Grazer Garnison und Geistliche waren Mitglieder. Stuhlmeister war Sigmund Freiherr von Schwitzen. In der Loge scheint allerdings ein ziemliches Kommen und Gehen gewesen zu sein: Schon 1785 wurden nur mehr 67 Mitglieder genannt.

1789: Unter dem Eindruck der beginnenden Französischen Revolution (14. Juli: Sturm auf die Bastille) verschlechterten sich im Habsburgerreich die Bedingungen für alle aufgeklärten Vereine. Und so beschloss die Loge im September einstimmig ihre Einschläferung (= Aussetzung). Der Stuhlmeister Carl von Wachendorff schickte die letzte Liste mit den 53 Mitgliedern an die Wiener Regierung mit der Bitte, "bis zur Wiedereröffnung der hiesigen Loge" von der Einreichung weiterer Bestätigungen "gnädigst enthoben zu werden". Was der Bruder sich wohl nicht vorstellen konnte: Es sollte 137 Jahre dauern, bis 1926.

Nach 1800: Im Umfeld von Erzherzog Johann, dem Bruder des Kaisers und bis heute geschätzten Förderers der Steiermark, befanden sich etliche ehemalige Freimaurer. Eine der steirischen Logen trägt heute seinen Namen.

Wenig Bewegung im 19. Jahrhundert

Im habsburgischen Österreich und so auch in Graz blieb die Freimaurerei im ganzen 19. Jahrhundert verboten. Aber einige Ansätze gab es doch: Steirer traten, als sie 1848 Mitglieder der Frankfurter Nationalversammlung waren, dem Bund der Freimaurer bei. Und im späten 19. Jahrhundert waren einige Grazer Mitglieder der Loge ‚Zur Verbrüderung’ in Ödenburg (heute Sopron) in der ungarischen Reichshälfte, wo ein neues Vereinsgesetzt ab 1867 die Gründung von Logen zuließ.

Nach dem Ersten Weltkrieg

1926 wurde eine Loge des liberalen Freimaurerbundes ‚Zur aufgehenden Sonne’ mit Standort Graz der ‚Großloge von Wien’ angegliedert. Sie trug nun den Namen ‚Wolfgang Amadeus Mozart’ und arbeitete von 1927 bis 1936. Einige Grazer waren in diesen Jahren auch Mitglieder einer in Wien aktiven Loge eines deutschen Systems.

1926 wurde auch das heute weltbekannte Bild ‚Innenansicht einer Wiener Loge’ von einer Kroisbacher Familie nach Wien verkauft. Es ist im Wien-Museum ausgestellt.

Graz war damals aber auch der Ort antimasonischer Publikationen. Und zur Zeit des Nationalsozialismus gab es in der Stadt einen antifreimaurerischen Ausstellungsraum.

Die Zeit seit dem Zweiten Weltkrieg

1964: In Graz lebende Brüder aus Wien, Klagenfurt und Hamburg fanden in den 1960er Jahren zusammen und gründeten unter dem Schutz der ‚Großloge von Österreich’ eine Loge mit dem Traditionsnamen 'Zu den vereinigten Herzen': erste provisorische Arbeit ("unter freiem Himmel") im Brauhaus Puntigam.

1970: Schon sechs Jahre später kam es zur Lichteinbringung einer zweiten Loge ('Die Brücke'). Die zehn Gründungsmitglieder kamen alle von den 'Vereinigten Herzen'.

Im Oktober 1984 feierten beide gemeinsam die zweihundertste Wiederkehr des Tages der ersten Logengründung auf damals steirischen Boden in Marburg. Es gab eine interne Ausstellung.

1985: Brüder beider Logen gründen die 'Erzherzog Johann'. Dieser Name hat in der Steiermark einen besonderen Klang: Im steirischen Herzogtum war der Erzherzog (1782 bis 1859) aus dem Hause Habsburg ein halbes Jahrhundert lang Förderer und Modernisierer von Industrie, Landwirtschaft und Eisenbahnwesen sowie im Kultur- und Bildungsbereich.

2002 Gründung der 'Symbolon' und 2014 der Loge 'Zur Aufrichtigkeit'. Damit gab es jetzt in Graz fünf Logen der 'Großloge von Österreich'.

Es finden in Graz auch rituelle Arbeiten der Hochgradfreimaurerei statt. Und ohne Zusammenhang mit der ‚Großloge von Österreich’ existieren hier auch zwei Logen des Freimaurersystems Droit Humain.


Alte Freimaurerzeichen im Grazer Stadtbild

Karl-Albrecht (Karel) Kubinzky, Co-Autor dieses Wiki-Artikels, ist Stadthistoriker in Graz. Er erkennt im Grazer Stadtbild masonische Bezüge, die selbst einem Freimaurer erst auffallen, wenn er darauf hingewiesen wird, wie zum Beispiel die drei Punkte auf dem Denkmal für Joseph II. (Foto rechts oben). Er identifiziert auch freimaurerische Zeichen auf und in einigen Häusern, die alle im 19. Jahrhundert errichtet worden sind. Dass solche Zeichen vorhanden sind, ist durchaus bemerkenswert, gab es doch wegen des habsburgischen Verbots ab den 1790igern bis nach dem Ersten Weltkrieg in Graz keine Logen. Wohl aber sind einzelne Grazer Bürger im Ausland in Logen aufgenommen worden (siehe oben), daher wohl das Naheverhältnis zur freimaurerischen Symbolik.

Laut Kubinzkys Expertise gibt es mindestens drei Häuser, auf oder in denen freimaurerische Motive auszumachen sind oder waren. So besaß etwa das Eckhaus Rösselmühlgasse-Dreihakengasse einschlägige Symbole über dem Tor.

Das zweite Haus ist das für Leonhard Schönhofer 1838 errichtete dominante Gebäude auf der Nordseite des Freiheitsplatzes, die Hausnummer 4 (‚Lambrechterhof’). Kubinzky: "Es zeigt im Giebelfeld (siehe Foto unten) unverkennbar Bezüge zur Freimaurerei, die sich unter dem Motto 'Von der Bestialität zur Idealität' zusammenfassen lassen. Von der durch wilde Tiere (Untugenden, Gefahren) verfolgten Unschuld auf der linken Seite führt die Darstellung auf der rechten Seite zu den Symbolen des Tempels der Weisheit, einem Genius(-Borni) – siehe Ignaz von Born - auf einem rauen Stein sitzend bis zum typischen Akaziensymbol. Zu dieser Komposition passt auch das Auge Gottes im Dreieck oben in der Mitte und die beiden Säulen der Hausfront. Durch 160 Jahre wurden diese Symbole nicht richtig gedeutet.“


Freiheitsplatzes Nr. 4 (‚Lambrechterhof’)


Das dritte einschlägige Gebäude ist das Haus Paulustorgasse 1-3 (umgangssprachlich ‚Freimaurerhaus’). Es wurde 1830 von und für Baumeister Franz Xaver Aichinger errichtet und ermöglicht mit seinem Torbogen (Berechtigten) die Fahrt vom Karmeliterplatz auf den Grazer Schlossberg. Freimaurerische Bezüge zeigt das Relief über dem Haustor:


Paulustorgasse 1-3 (umgangssprachlich ‚Freimaurerhaus’.


Im Stiegenhaus des Hauses stehen Büsten der vier Freimaurer Mozart, Johann Mattheson (Musiker und Dichter), Leopold Herzog von Braunschweig und Goethe sowie ein Putto mit Freimaurerwerkzeug (Schärpe, Schurz und Zirkel).



Kubinzky: „Da der Plastikschmuck des Hauses komplett aus der Welt der Freimaurerei stammt, interpretiere ich auch das Gesicht auf dem Schlussstein in der Mitte des Torbogens als Meister Hiram." (Eine Freimaurerlegende).


Paulustorgasse 1-3 (umgangssprachlich ‚Freimaurerhaus’), Durchfahrt auf den Schlossberg.


Straßennamen: In Graz sind außerdem acht Straßen nach Freimaurern benannt, die einen persönlichen Bezug zu Graz haben. 22 Straßennamen tragen die Namen von Freimaurern mit überregionaler Bedeutung.


Siehe auch Karel Kubinzkys Deutung des ursprünglich aus Graz stammenden berühmten Logenbildes:
Wien, ein altes Logenbild, und Bruder Mozart


Ein neues Freimaurerzeichen im Grazer Stadtbild

Geheimnisvolle Spuren: Jeder Freimaurer, der offenen Auges zum ersten Mal an dieser übermannshohen Erinnerungstafel (3,45 x 2,15 Meter = 7,4 Quadratmeter) vorbei geht, wird wohl wie angewurzelt stehen bleiben und sich vor allem über die beiden Säulen wundern. Sie entsprechen den beiden Säulen, die den Eingang jedes Freimaurertempels flankieren. Die Erinnerungstafel steht in Graz beim Zugang zur Terrassenhaussiedlung Sankt Peter.


Walter Laggner (1923 - 1997) war einer der Architekten der Werkgruppe Graz, welche die Terrassenhaussiedlung Sankt Peter mit mehr als 500 Wohnungen in den 1970er Jahren baute. Freimaurer war er von 1959 bis zu seinem Tod: zuerst in Klagenfurt und ab 1964 in Graz bei der Loge 'Zu den vereinigten Herzen'.
Das Foto sandte uns der deutsche Bruder Gerhard, der in der Terrassenhaussiedlung Sankt Peter wohnt, mit folgenden Zeilen:
„Auch wenn diese ’Verewigung’ aus den 90ern stammt, so ist sie doch ein seltenes Beispiel dafür, dass der Freimaurerei verbundene Menschen in der heutigen Zeit noch Spuren auf und an Bauwerken hinterlassen. Ich habe bei der Hausverwaltung nachgefragt, ob mir jemand zu dieser Gedenktafel eine Auskunft erteilen kann. Da weiß aber niemand etwas über die Entstehungsgeschichte und die symbolische Bedeutung.“
ÖFlag.jpg


Andere Bundesländer

  • Kärnten: 5 GLvÖ-Logen in Klagenfurt und Villach; 2 DH.
  • Niederösterreich: vier GLvÖ-Logen verteilt im Land.
  • Oberösterreich: drei GLvÖ-Logen und eine des DH in Linz.
  • Salzburg: drei Logen der GLvÖ und eine des DH.
  • Tirol: drei Logen des GLvÖ und eine des DH in Innsbruck.
  • Burgenland: seit 1971 nach langer Pause eine GLvÖ-Loge.
  • Vorarlberg: seit 2005 zum ersten Mal eine Loge.

Siehe auch


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