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Rezension: Monika Hauf: Der Mythos der Freimaurer

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Inhaltsverzeichnis

Monika Hauf: Der Mythos der Freimaurer

Rezension von Roland Müller

Monika Hauf: Der Mythos der Freimaurer. Leipzig: Bohmeier-Verlag 2003, 143 Seiten.

Das ist ein erstaunliches Buch: eine Verteidigung der Freimaurerei durch eine Frau. Die Autorin, laut Internetangaben Jahrgang 1959 und als Übersetzerin in Nordspanien wohnend, hat bereits mehrere „Sachbücher“ verfasst, beispielsweise über die Templer (1995) und die Rosenkreuzer (2000), über den Jakobsweg (2002) und das Ungeheuer von Loch Ness (2003), neuerdings über die Prieuré de Sion (2004).

Gut informiert

Frau Hauf hat sich ausserordentlich gut über die Legenden wie auch über die Geschichte der Freimaurerei informiert. Sie ist vermutlich besser im Bild als die meisten Freimaurer selber. Sie stützt sich vorwiegend auf spanische Literatur, auch auf Anti-Freimaurerliteratur, dafür nicht auf die im deutschsprachigen Bereich geläufigen Klassiker wie Eugen Lennhoff und Oskar Posner oder Jan Lagutt, Alec Mellor, Jürgen Holtorf, Dieter A. Binder und Helmut Reinalter.

Drei Absichten

Offenbar hat Frau Hauf drei Absichten:

1) Sie möchte Menschen, denen der Begriff „Freimaurer“ überhaupt nichts sagt, die Freimaurerei näher bringen. Doch das ist wohl nicht gelungen. Denn die Autorin lässt sich nicht nur des langen und breiten über die verschiedenen Versionen der Hirams-Legende und MozartsZauberflöte“ aus, sondern erläutert auch recht schulmeisterhaft die verwirrende Geschichte der Jakobiter und Stuart-Logen sowie die bunte Vielfalt der Hochgrade. Überdies streut sie über den ganzen Text Hinweise auf Bibelstellen.

2) Sie möchte zeigen, dass als psychologische Kompensation des Ausschlusses von Frauen mancherlei „weibliche“ Symbole in der Loge vorkommen. Nun ist das bei über 200 verschiedenen Symbolen und Bräuchen nicht besonders aufregend. Der fünfeckige Flammenstern, Ähren und Akazienzweige sowie die Wiedergeburt sollen auf eine „Sonderstellung des weiblichen Elements in den Logen“ (89), ja sogar eine „Vorrangstellung“ (8) deuten; das „weibliche Konzept“ sei in den Logen allgegenwärtig (101).

3) Sie möchte die Freimaurerei vor der Verketzerung und Verteufelung in Schutz nehmen. Als kritische Katholikin weist sie darauf hin, dass die katholische Kirche schon seit Anbeginn Andersdenkende oder im Geheimen Wirkende verfemt und verfolgt hat (115, 123ff). Ferner streicht sie heraus, dass die Freimaurer - mit Ausnahmen - kaum konspirativ und aufrührerisch tätig waren, sondern von der Idee her demokratisch und tolerant sind (124, 129, 134-135). Durchaus positiv sieht sie auch die „Arbeit am rauen Stein“, d. h. das Vorwärtsstreben, das Suchen nach Erkenntnis (141) und das Bemühen der Freimaurer, sich selber zu vervollkommnen (71).

Tief in die Geschichte

Besonders angetan hat es Frau Hauf der sogenannten „Perfektionsritus“ des Kaufmanns Etienne Morin von 1758 mit 25 Graden, der Vorläufer des „Alten und Angenommenen Schottischen Ritus“. Für die Beschreibung der heutigen Rituale stützt sie sich auf diejenigen der „englischen Grossloge“ (8).

Frau Hauf versucht aktuell zu sein. Daher beschreibt sie auch die merkwürdigen Figuren, Ornamente, Säulen und Proportionen in der Kapelle von Rosslyn (um 1446-86 erbaut). Ob es für die Freimaurerei wichtig ist, dass die Sinclairs von Rosslyn vielleicht schon hundert Jahre vor Kolumbus in Amerika waren(8, 60, 86), ist zu bezweifeln. Immer wieder erwähnt werden die altgriechischen Mysterien von Eleusis, der römische Mithraskult und die Templer, dagegen nur kurz die Gnosis, die Rosenkreuzer und Compagnons. Unbestritten ist, dass die Freimaurerei sowohl heidnische wie christliche Elemente aufweist, Legenden aus der Zeit vor Christus als auch Legenden aus dem Handwerk des Mittelalters.

Überstrapazierte Symbole

Etwas bemühend ist die stete Überstrapazierung der Symboldeutungen. So soll etwa das Ablegen aller Metalle vor der Aufnahme (8, 29-30, 33) einer Erinnerung an die frühen Zeiten des Matriarchats sein: Wenn die Erdgöttin Hertha auf der Erde erschien, mussten die Waffen schweigen (83). Oder der Buchstabe „G“ sei eigentlich ein „W“, und wenn man dieses umdrehe erhalte man ein weibliches „M“ (93), das an Ishtar und Astarte, Venus und Artemis erinnert. Die Londoner „Mason’s Hall“ liege nicht von ungefähr an der „Great Queen Street“ und ihr Grundriss erinnere „verblüffend an die schematische Darstellung der Gebärmutter mit dem Geburtskanal“ (100). Oder die Raute („Mandorla“), welche durch das Übereinanderlegen von Zirkel und Winkelmass gebildet wird, sei – wie die Wendeltreppe (101) - eine Anspielung auf die weiblichen Geschlechtsorgane (100). Oder das freimaurerische Ritual von Tod und Wiedergeburt erinnere an die rituelle Tötung eines Stiers (95) im Mithraskult und an die „Bluttaufe“ im Kybelekult (116). Noch abenteuerlicher sind die Spekulationen (120-122), dass zwei Namen der vier Logen, welche 1717 die Grossloge in England gründeten, an den Heiligen Gral erinnerten („Kelch und Trauben“ resp. „Gans und Bratrost“), ein weiterer an den Sündenfall im Paradies („Apfelbaum“) und der vierte an die Kabbala („Krone“).

Interessant auch für Freimaurer

Das Buch mag für kundige Freimaurer einige interessante Fakten und auch ein paar Denkanstösse bringen. Die Darstellung ist leidlich systematisch, allerdings nicht chronologisch. Das Verständnis für den Gehalt der Freimaurerei scheint naturgemäss zu fehlen.

Immer wieder weist Frau Hauf darauf hin, dass es für die meisten Ereignisse verschiedene Beschreibungen und Theorien gibt, welche bezüglich Jahresdaten und Zusammenhänge weit voneinander abweichen. Das macht auch freimaurerischen Forschern zu schaffen. Dass viele Symbole zweideutig sind (138-141; vlg. die Widersprüche in der Zauberflöte, 108-111) – beispielsweise können Werkzeuge auch als Mordwaffen dienen (92) – wird von Freimaurern ebenfalls zugegeben. Ferner beklagt Frau Hauf die Spaltung der weltumspannenden Maurerei in „reguläre“ und nicht-reguläre Obödienzien (13, 137) – was tatsächlich den Ideen der „Brüderlichkeit“ und Toleranz widerspricht.

Einige kleinere Fehler fallen auf: Es waren gewiss nicht James Anderson und John Theophilus Desaguliers, welche die Hirams-Legende ins Freimaurer-Ritual einfügten (30). Weitaus die meisten Freimaurer sind nicht die Söhne von Vätern, welche bereits Freimaurer waren (12). Der den Frauen zugängliche Orden „Eastern Star“ ist nicht der englischen Grossloge unterstellt (89, 119), sondern eine amerikanische Einrichtung mit Hauptsitz in Washington. Etwas ungewohnt sind auch die Bezeichnungen „Metall-Tabu“ (29, 83), „Schlagschnur“ (13), „ mosaikartiger Teppich“ (12) oder „Mosaikpflaster“ und „zackige Einfassung“ (83); jedenfalls sind letztere nicht Zierraten, sondern Zieraten.


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