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Traktat: Arbeit am Rauhen Stein

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Inhaltsverzeichnis

Die Arbeit am Rauhen Stein

Von Br A.G.

Die Arbeit am „Rauhen Stein“ ist eine Voraussetzung um den Tempel der Humanität errichten zu können.

Jeder Freimaurer hat sich freiwillig verpflichtet, an seinen Ecken und Kanten, seinem Charakter, zu feilen, um ein verträglicher und besserer Mensch zu werden, der harmonisch in das Gesamtgefüge unserer Gesellschaft passt. Voraussetzung ist dabei, sich nicht gedankenlos unterzuordnen oder anzupassen, also anderen nachzugeben ohne dass diese die gleichen Mühen auf sich nehmen. Das Ziel ist die Harmonie, der einvernehmliche Kompromiss aller Parteien, also aller Menschen, die sich aus Überzeugung den gleichen Werten, die da sind Freiheit, Gleichheit, Gerechtigkeit, Menschliebe, Toleranz und Mäßigung verschreiben.

Historisches

Laut Endres ist der „rauhe Stein“ als Symbol uralt „und wurde schon in der ägyptischen Esoterik verwendet. Er findet sich in der Darstellung der Isis wieder, die ihrem Schosse den rohen zu bearbeitenden Stein wie ein Kind hält“ (62, 92).

Laut Dosch nennt bereits die Strassburger Ordnung von 1459 den Lehrling „Diener am rauen Stein“. Der genaue Wortlaut lautet: „Es sol auch kein Werckmann noch Meister seiner Diener, den er von ruhem uff zu diener uffgenommen hett, und der noch in seinen lerjoren ist, zu Parlierer machen“.

In der Ordnung von 1563 (Art. 15) ist dem Meister erlaubt, dass er „zwen raue und ein kunstdiener“ sowie Gesellen haben darf.

Als Kleinodien der Maurerloge gibt es zwei unterschiedlich behauene Steine bereits im Katechismus von 1696 (Knoop/ Jones, 1968, 221, 235). Die „Arbeit am rauen Stein“ kommt erst in „A Mason’s Confession“ (1727) und bei Prichard (1730) vor.

Symbolik

Ein unbehauener Stein als Zeichen für unser stetes Streben, unseren inneren Schweinehund zu besiegen, hin zu einem geläuterten und vernunftbezogenen Menschen. Der ernsthaft an sich arbeitende Freimaurer befürwortet dieses edle Ansinnen, das Streben nach einem reiferen, vollkommeneren Selbst und nicht nach Vervollkommnung des eigenen EGO und einer egozentrischen Lebensführung.

Doch jeder weiß aus Erfahrung wie schwer es ist, sich zu ändern, sich seinem gesunden Menschenverstand zu bedienen, frei aller hitzigen Emotionen, frei von Vorurteilen, Neid und Illusionen. Daher nützt es wenig die Ideale auf der Fahne zu tragen, sie müssen im Herzen Wurzeln schlagen, wobei diese Arbeit zu einer Lebensaufgabe wächst. Dies impliziert auch, dass der behauene kubische Stein nie ebenmäßig, nie wirklich vollkommen sein kann. Er wird immer Makel aufweisen.

Nur das immerwährende Wachrütteln, die kritische Selbstbetrachtung ermöglicht einen Fortschritt in Hinblick auf einen wohlgefälligeren Stein. Nur wer in sich geht und sich selbst erkennt, kann auch die Härte und Sturheit, die in der Natur eines Steines nun mal liegen, überwinden. Hierzu bedarf es einer weitgehend objektiven Selbsterkenntnis, wobei der Begriff „objektiv“ eines der ersten Hindernisse darstellt, denn wie kann man in Selbstbetrachtung objektiv sein? Die Betrachtung sowie das Ergebnis hängen immer vom Betrachter und dessen Standpunkt ab.

Begrenzt sich der Betrachter auf sich selbst, bleibt das Ergebnis rein subjektiv geprägt. Wie er aber in den Augen anderer wirkt, bleibt ihm erstmal verborgen. Erst wenn ihm der Spiegel vorgehalten wird, wie im Gesellengrad des Schröder Ritual, lernt er sich selbst zu sehen, so wie er von außen wahrgenommen wird.
Der Spiegel soll den Menschen ermahnen, die Wirklichkeit und Wahrheit seiner eigenen Unvollkommenheit und die seiner Taten zu erkennen.

Nur im Dialog mit dem Empfänger, kann erarbeitet werden, ob die Botschaft vom Sender so angekommen ist, wie dieser es beabsichtigt hat, was aber erst im zweiten Schritt Aufschluss darüber gewährt, wie der Empfänger die Botschaft wertet. Ist sie vielleicht beleidigend, bevormundend, respektlos, ermahnend und belehrend oder ist sie unterstützend, hilfreich, verständnisvoll und freundschaftlich?

Die eigentliche Arbeit am Rauhen Stein führt zwar jeder für sich selbst aus, aber die Maßstäbe und das Muster einer Idealvorlage liefert die Gemeinschaft, die auch den Erfolg der Arbeit beurteilt. Wer deren Meinung ausschließt, wird in seinen Bemühungen um den Rauhen Stein immer Fehlern ausgesetzt sein, die auf der Subjektivität beruhen. Um zu lernen benötigt der Mensch die Resonanz seiner Mitmenschen.
Dazu verwendet er als Werkzeug das Winkelmass, das er immer an seinem Werk anlegen muss, um es zu prüfen. Doch ein Gesellenwerk wird eben nicht nur vom Gesellen selbst geprüft, sondern auch vom Meister und dem Auftraggeber des Gesellenstücks. Der Meister ist der erfahrene Bruder, der respektvoll und hilfreich zur Seite steht. Der Auftraggeber entspricht der Gesellschaft als Ganzes, dem sich der Geselle und Freimaurer verpflichtet hat. Seinen Stein in das Bauwerk harmonisch einzufügen vermag er nur dann, wenn er sich all den anderen Steinen in Form und Verhalten angenähert hat. Deshalb schaut der Geselle auch um sich, um seinen Stein mit den anderen zu vergleichen.

Schauberg schreibt: Der Geselle soll sich selbst zum kubischen Steine, zum brauchbaren Steine in dem großen Baue der Menschheit durch Ablegung und Entfernung seiner Fehler und Gebrechen formen, aber, um die Fehler und Gebrechen ablegen und entfernen zu können, muss er dieselben zuerst kennen und so wird die Selbsterkenntnis die Bedingung und das Mittel der Selbstvervollkommnung. Besonders lehrte auch Pythagoras, dass der Mensch beständig auf sich achten solle, um innerlich und äußerlich ein würdiger Mensch zu sein und sich als sittliches Kunstwerk zur Wirklichkeit zu bringen; der pythagoräische Bund war ein Versuch zur praktischen Ausführung dieser Lehre und ein gleicher Versuch ist der Maurerbund.
In gleichem Sinne sprach Goethe: Die Arbeit macht den Gesellen." - Auch das Gebot des Pythagoras, Morgens beim Aufstehen die Pflichten des Tages zu überdenken und Abends vor dem Schlafengehen sich Rechenschaft zu geben, wie sie erfüllt worden seien, - was habe ich gefehlt, was recht getan, was pflichtwidrig, verfehlt?, ist ein sich täglich vorzuhaltender maurerischer Spiegel.

Die Parsen sollen gleichfalls, wie der Sad-der Bundeheschi vorschreibt, am Abende, ehe sie einschlafen, nochmals sämtliche Taten , die sie den ganzen Tag über vollbracht haben, durchdenken und prüfen, ob sie gesündigt habe. Höher aufgefasst, ist der Spiegel, in welchem der Maurergeselle sein eigenes Bild suchen und erkennen soll, ein Memento mori, - der warnende Zuruf, dass er dort nach seinen Taten hier werde gerichtet und gemessen werden, dass ein ewiger Richter und ein ewiges Winkelmass sei.
Nach den indischen Vorstellungen bedient daher der Todtenrichter Yama sich eines Spiegels, in welchem er die guten und die bösen Handlungen des Menschen erblickt und prüfet, um ein gerechtes Urtheil über sie zu fällen. Der Spiegel, in hier der Todtenrichter Yama blickt, bevor er sein Urtheil fällt, ist wohl die Seele des Verstorbenen und zu Richtenden selbst, indem sie das getreue Spiegelbild seines vorausgegangenen guten oder schlechten Lebens ist und sein muss, - der Zustand und die Beschaffenheit, in welchem die Seele des Menschen aus diesem Leben scheidet. ihr jenseitiges Schicksal und Sein bestimmt, - der Sterbende sein eigener Todtenrichter ist.
Soweit Bruder Schauberg dazu!

Am Rauhen Stein arbeiten heißt, sich selbst überwinden. Raue Stellen zu glätten tut weh und kostet unendlich viel Energie.
Hermann Hesse hat dazu geschrieben: Nichts auf der Welt ist dem Menschen mehr zuwider, als den Weg zu gehen, der ihn zu sich selber führt.

So ist die Arbeit am Rauhen Stein eine der obersten Pflichten eines Freimaurers, wenn auch die schwerste. Ohne sie kann der Tempel der Humanität nie zustande kommen. Bedenken wir, dass uns keiner zwang, diese Bürden aufzunehmen, wir akzeptierten sie freiwillig, was die ständige Wiederholung der Rituale uns nicht vergessen lassen will.
Deshalb ist dem Gesellen auch das Pentagramm als Flammender Stern zugedacht. Als Symbol für die Balance der fünf Elemente Erde, Luft, Wasser, Feuer und der Quinta essentia, dem Licht, das wiederum für einen gesunden erkenntnisorientierten Geist steht. Symbole, die der Geselle bereits im Lehrlingsgrad kennengelernt hat. Um diese Elemente harmonisch zu ordnen bedarf es der menschlichen Vernunft, des logischen Denkens und eines Wahrheit suchenden Geistes. Wie dem Freimaurergesellen so diente auch einst dem Pythagoras der fünfeckige Stern als Symbol des sittlichen und geistigen Wohlbefindens und Wohlverhaltens (Hugiea).

Siehe auch


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