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Toast

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Eine sogenannte „Kanone“: ein traditionell geformtes freimaurerisches Glas, das für maurerische Toasts verwendet wird. Der Fuß des Glases ist zu dessen Schutz besonders widerstandsfähig.
Sammlung Schinner im Freimaurermuseum Rosenau in Österreich.
Mir einer festlichen Tafelloge und natürlich mehreren Toasts feierten im Jahr 1962 vierhundert Brüder das 225-Jahr-Jubiläum der ältesten deutschen Loge ’Absalom zu den drei Nesseln’ im Mozartsaal des Hamburger Logenhauses.
Ein freimaurerischer Toast im 19. Jahrhundert: F-T Bègue Clavel (1798-1852) in: "Histoire pitoresque de la franc-maçonnerie". Kupferstich von 1843.

Inhaltsverzeichnis

Der freimaurerische Toast

Der freimaurerische Toast und die Tafelloge
Ursprünge und Ausführungen

Autor: Karl Zechmeister
Loge Quatuor Coronati der Großloge von Österreich

Als sich in London im frühen 18. Jahrhundert vier Logen zur ersten Großloge der Geschichte zusammenschlossen, taten sie das in einem Gasthof. Was lag näher, als dort neben der Berufung auf alte maurerische Überlieferung auch das leibliche Wohl nicht zu kurz kommen zu lassen.

Anzunehmen ist, dass schon damals der Wirt ein gewichtiges Wort mitzureden hatte. Man durfte nicht nur die Logenarbeiten besorgen, sondern musste auch konsumieren. Damit wurden der Wirt und der Gasthof unbewusst zum Geburtshelfer des freimaurerischen Banketts oder der Tafelloge. Die ersten Logen nannten sich auch nach dem Namen von Gasthäusern, Loge zum Bierhaus, Loge zur Gans oder auch Loge zum Bratrost.

In einem Überblick sei dargestellt, wie die Königliche Kunst mit den Traditionen des freimaurerischen Toasts und den damit verbundenen Feierlichkeiten umgegangen ist und umgeht.

Historisches zum Wort Toast

Quelle: Table Lodge Zeremonie, Chambaraya Wadeyar 2002

Wie aus dem Trinkspruch ein Toast wurde?

Das Wort Toast kommt vermutlich von einem Stückchen Toastbrot mit Honig, das üblicherweise im 17. Jahrhundert in ein volles Glas Wein gelegt wurde und dort auf der Flüssigkeit schwamm. Es sollte dem Getränk einen guten Geschmack verleihen während der Trinker das Glas leerte. Der Spruch, der die Trinker aufforderte auf die Gesundheit, auf das Heil, also auf das Ganzbleiben und -werden zu trinken, wurde wegen des ersten und besten Schluckes Toast genannt (siehe: The Festive Board W.J.Boune 1997).

Alte Trinksitten

Die Trankopfer der alten Römer, von diesen Libationen ("Gesundheiten") genannt, bestand im Ausgießen einiger Tropfen von einer Flüssigkeit, besonders Wein, um damit der Gottheit ihren Anteil zu geben. Die Griechen pflegten beim Übergang vom Gastmahl zum Trinkgelage ein Trankopfer darzubringen. Es symbolisierte bei ihnen die Genesung der Lebenskräfte. Die Libation war entweder dem guten Geiste oder der Gesundheit dargebracht worden.

Im alten englischen Lehrlingsritual trinken die Brüder nach der Beeidigung des Neuaufgenommen einen Toast und der Neophyt – also der Neue - dankt für die Aufnahme durch ein Trankopfer, dem Verspritzen von ein paar Tropfen Wein und einem kräftigen Schluck aus dem Glas.

Brüderliche Zusammenkünfte

Um den Tafellogen, die in der ersten Zeit ein Teil der freimaurerischen Arbeit waren, und daher selbst durchaus nicht gesondert abgehalten wurden, eine bestimmte Form zu geben, wurden sehr früh Trinksitten in die Freimaurerei eingeführt, aus denen die studentischen Trinksitten zum Teil abgeleitet sind (als Beispiel fu¨r eine studentische Trinksitte sei eine aus dem Bereich der Burschenschaften genannt: Einen Salamander reiben!).

Alle historischen Quellen aus der Gründerzeit der Freimaurerei stimmen in der Feststellung überein, dass die freimaurerische Tafel vor allem, weil es üblich war in Gasthöfen zu tagen, mehr oder weniger selbstverständlich zur Arbeit gehörte. Mehr noch: Sie bildete eine Einheit mit der eigentlichen Arbeit, die jene britischen Väter der Königlichen Kunst mitunter außerordentlich in die Länge zu ziehen pflegten, so dass es sich als zweckmäßig erwies, während solchen Mammutsitzungen zu rufen: Von der Arbeit zur Erfrischung. Zu diesem Zweck wurde die Loge nicht etwa rituell geschlossen, nein, man bezog diese Erfrischung einfach in das Ritual ein und entwickelte allmählich auch dafür feste – wie es sich zeigen wird – allerdings nicht unverrückbare freimaurerische Formen.

Der freimaurerische Brauch, Gesundheiten mit einem dreimaligen Feuer auszubringen ist uralter Herkunft. Dreimaliges Feuer heißt hier: Das Glas in drei Tempi zum Mund bringen und dann trinken.

Der deutsche Spruch „Trinck einmal und stehe; trinck zweimal und gehe; trinckstu zum drittenmal, so bezahl!“, der die Zahl der Becher oder Gläser andeutet, erinnert an ein römisches Sprichwort, indem drei oder fünf, nur nicht vier Gläser zu trinken ausgelobt wurde. Der Spruch scheint von den Griechen entlehnt worden sein, die drei und fünf für Glückszahlen hielten.

Der freimaurerische Toast

Der freimaurerische Toast ist ein essentieller Teil der feierlichen freimaurerischen Zusammenkünfte geworden. Die vielen Trinksprüche und damit auch das intensive Trinken wurde von unseren Altvorderen sozusagen ritualisiert und einer Regelung zugeführt. Sie legten fest, auf wen und in welcher Reihenfolge die Mitglieder einander bei Festen zutranken. Die französischen Militärlogen übernahmen den Brauch und führten, wie es sich für Militärs gehört, einen zackigen Ablauf ein. In abgeschwächter Form wird diese Sitte noch heute gepflegt.

Eine spezielle Form der freimaurerischen Arbeit ist die Abhaltung einer Tafelloge. Die Toasts werden in vorbestimmter Reihenfolge gehalten und die Inhalte der Texte sind länderspezifisch in unterschiedlicher Form und Länge. Beginnend mit zwei Sätzen bis zu einer veritablen Zeichnung mit einer Dauer von 15 Minuten ist in Österreich jede Variante vertreten.

In den österreichischen Logen werden die vorgeschriebenen 5+1 Toasts gehalten. Üblicherweise sind die Toasts flüchtig, da deren Inhalte nicht archiviert oder aufgeschrieben weitergegeben werden, ganz im Gegensatz zu den Zeichnungen, die manchmal sogar als Buch herausgegeben werden. Eine Ausnahme bildet der Tyler’s Toast der in verschiedenen Varianten auch schriftlich existiert.

Kanonen und Kanonaden in England

Das Wort Kanonen meint in diesem Zusammenhang die speziellen freimaurerischen Trinkgläser, die für Toasts verwendet werden. Sie haben einen besonders dicken Boden, damit sie ein hartes Aufsetzen auf den Tisch heil überstehen.

Die britischen Freimaurer griffen, wie der New Catechism of Free Masonry von 1744 ausweist, die französische Interpretation der Trink- und Tafelsitten auf. „Brüder, wir sind bereit, die Tafelloge zu eröffnen“, heißt es in diesem Dokument, um auf alle üblichen Gesundheiten zu trinken, mit allen Ehren der Freimaurerei und mit dreimal drei. Und dann taucht eine Ritualformel auf, die sich in mehreren freimaurerischen Lehrarten bis heute gehalten hat: „Zur Ordnung, meine Brüder, ladet die Kanonen für das erste Feuer!“ Darauf meldet der erste Aufseher der Loge: „Ehrwürdiger Meister, die Kanonen sind geladen!“ Der Meister: „Wir trinken auf die Gesundheit des Königs, Bruder erster Aufseher, erteile den Befehl.“ Der erste Aufseher: „Meine Brüder, schaut auf den ehrwürdigen Meister und tut wie er!“ Der Meister: „Rechte Hand an Eure Waffe und: Zur Ordnung!“

Danach werden die Gläser in Brusthöhe und auf Armlänge vor sich gehalten, bis der Meister mit kräftiger Stimme ruft: „Feuer, großes Feuer, meine Brüder!“ Das Ganze wiederholt sich auf dreimal drei. Der letzte Zug aus dem Glase ist der größte – in Frankreich hatte man ihn Grand Coup genannt. Die Gläser werden danach hart auf den Tisch gesetzt, und die Brüder klatschen unter dem Ruf „Vivat!“ in die Hände.

Ein „feuriger Trinkspruch“ - dies ist allmählich auch in den allgemeinen Sprachgebrauch übergegangen. Ende der vierziger und Anfang der fünfziger Jahre des 18. Jahrhunderts entstanden in England die ersten so genannten Feuergläser (firing glasses), benannt nach dem gefeuerten Toast der Freimaurer. Schon diese Gläser hatten einen stark ausgebildeten und verstärkten Fuß, damit sie beim kräftigen Absetzen nicht zu Bruch gingen.

Die gefeuerten Trinksprüche oder der Kanon der Gesundheiten, den man den Trinksprüchen gleich zu Beginn der modernen Freimaurerei im 18. Jahrhundert zuordnete, hatte zunächst mit Kanonen überhaupt nichts zu tun. James Anderson hatte mit dem Kanon nichts anderes gemeint, als die Reglementierung der Trinksprüche. Das griechische Wort Kanon heißt Stab, Richtschnur, Regel. Kanonisch heißt, der Regel entsprechend. Zweifelsohne war die Festlegung der ersten vier Gesundheiten im Sinne dieses Kanons erfolgt.

Ehe man es sich versah, wurde die Ausbringung guter Wünsche und deren Bekräftigung durch das Zutrinken mit einer anderen Sitte zusammengewürfelt. An den Fürstenhäusern der damaligen Zeit war es üblich, gute Wunsche durch Böllerschüsse aus Kanonen zu bekräftigen. Symbolisch entsprach dies durchaus dem freimaurerischen Zutrunk, der letztlich nichts anderes ausdrückte. Vor allem entsprach das Böllern und der damit verbundene Abglanz höfischen Zeremoniells der Mentalität damaliger Zeitgenossen. Bald nach der Gründung der modernen Freimaurerei sprach man darum schon nicht mehr von Kanon im Sinne der Regel, sondern von Kanonen als Gläsern und nannte die Gesundheiten Kanonaden (so heißen sie teilweise heute noch).

Als auch noch das mehrstimmige freimaurerische Trinklied – der Kanon – eingeführt wurde, war eine Begriffsverwirrung entstanden, die wir heute nur noch mit Mühe entwirren können. Durchgesetzt hat sich letztlich die symbolische Umsetzung höfischer Böllerschüsse. Nachdem man die Waffen, die Gewehre oder Kanonen (die Gläser) geladen (gefüllt) hatte, feuerte man, das heißt, man trank und brachte Kanonaden (Trinksprüche oder Gesundheiten) aus. Wie erwähnt, hatten die Franzosen diese Entwicklung – möglicherweise durch einen Übersetzungsfehler – eingeleitet, die Engländer hatten sie übernommen und ergänzt, und die Deutschen taten ein übriges: Sie böllerten mitunter zusätzlich zur symbolischen Kanonade auch mit tatsächlichen Kanonen (siehe Messerli Alfred „Ladet eure Kanonen“).

Frère et Compagnons de la Maçonnerie

Frankreich exerziert an der Tafel des Banketts. Damit will ich sagen: Die britische Freimaurerei war innerhalb kürzester Zeit etabliert. Während die Freimaurerei im freien England immer noch einer spannenden gesellschaftlichen Spielart ähnelte, griff man in Frankreich die Ideale des Bundes begierig auf und adoptierte vor allem das Stichwort frei als Kampfansage gegen alles Unfreie. Das war der Grund, warum man schon früh begann, die feuchtfröhlichen Tafelsitten vom eigentlichen freimaurerischen Kern kurzerhand abzutrennen. Die Franzosen schufen die separate Tafelloge. Und diese entwickelte sich völlig unterschiedlich zu der des englischen Mutterlandes, wobei sie sowohl von den alten Handwerkerbräuchen, als auch von der in England praktizierten lockeren Fröhlichkeit abwich. Im Gegensatz dazu brachten die Franzosen ein kämpferisches, soldatisches Element ins Spiel und schufen eine Art Exerzierreglement.

Wir lesen darüber in der ‚Vossischen Zeitung’ von 1738: „Ein jeder hat die Bouteille vor sich, und wenn es an ein Trincken gehen soll, wird geruffen: Ladet! worauf sie alle aufstehen und das gläserne Gewehr ergreifen. Ferner commandiret der Grossmeister: Pulver auf die Pfanne, welches soviel heisset als Wein in das Glas schenken. Weiter rufft er: Legt an! Gebt Feuer! Unter welchen Worten man das Glas auf drey Tempo zum Munde bringet und gedachte Gesundheit trincket. Wenn das Glas ausgeleeret ist, hält man es erst an die lincke, hernach an die rechte Brust und drittens mitten vor die Herzgrube, alles auf dreymal Absetzen, so wird es auch mit drey Tempo in gerader Linie wieder auf den Tisch gesetzt. Endlich klatschet man dreymal in die Hände und schreyet dreymal Vivat!“

Die Tafelloge haben wir aus Frankreich übernommen. Da die Gastronomen an der eigentlichen freimaurerischen Arbeit verständlicherweise nicht so viel Interesse hatten wie am üppigen Tafeln und reichem Weinkonsum, haben sie das Schwergewicht ihrer freimaurerischen Inszenierung vor allem auf die umsatzträchtige Tafelloge gelegt. Mit der ursprünglichen Freimaurerei hatte das allerdings nicht mehr viel zu tun.

Am 14. September 1737 erließ Ludwig XV. ein Verbot an alle Wirte, Freimaurerlogen zu bewirten. Dahinter verbarg sich in erster Linie ein Versammlungsverbot für die Freimaurer.

Toasts in den deutschen Logen

Die ersten deutschen freimaurerischen Spuren sind gleichermaßen englisch und französisch. Die erste Loge in Hamburg erhielt 1733 das Patent von der englischen Großloge. Aber schon die Logengründungen von 1738 und 1740 erfolgten aus eigenem Recht und ohne britische Patenschaft, aber mit französischem Patent. Bis 1756 gab es bereits 60 deutsche Logen, in Frankreich waren es bis zum gleichen Zeitpunkt über 200 Logen. Viele der neuen deutschen Logen gaben sich französische Namen, wie ‚Trois Globes’ (drei Weltkugeln) oder ‚La Premiere’. In den meisten deutschen Logen wurde zunächst auch französisch gesprochen.

Im Jahre 1738 hat unter den deutschen Brüdern eine Schrift die Runde gemacht, die neben der englischen auch von der französischen Freimaurerei kündete: „Gründliche Nachricht von den Freimaurern“. Durch diese Schrift erfuhren die deutschen Freimaurer erstmals auch etwas von der französischen Freimaurerei und übernahmen sofort deren Trink- und Tafelsitten.

1741 erschien endlich das Andersonsche Konstitutionenbuch, also die sogenannten „Alten Pflichten“, in deutscher Übersetzung unter Berücksichtigung der erweiterten Fassung von 1738. Damit hatten die deutschen Freimaurer erstmals auch reguläre Dokumente in deutscher Sprache zur Verfügung. Dennoch mochten sich die meisten deutschen Logen der damaligen Zeit mit der moralisch-geselligen Form der englischen Freimaurerei nicht so recht anzufreunden. Französische Lebensart und französische Sprache galten durch den Preußenkönig als höfisch, und natürlich pflegten auch die Freimaurer das Französische. Man bewegte sich zwar mit den freimaurerischen Arbeiten mitunter noch innerhalb der britischen Regularität, aber die Trink- und Tafelsitten waren und blieben ganz und gar französisch.

Erst über den französischen und deutschen Umweg sind sie ins Mutterland England gelangt, haben dort ebenfalls vorübergehend die Tafelrituale beeinflusst und sind durch England wiederum in alle Welt verbreitet worden. Durch diesen Akt hat man französische Tafelbräuche sozusagen im Nachhinein offiziell sanktioniert.

England selbst ist im 19.Jahrhundert von der französischen Tafelloge abgekommen und wie- der zum Bankett zurückgekehrt.

Am blauen Band ausrichten

Schließlich sei auch noch das Richten der Flaschen und Gläser bei der rituellen Tafelloge erwähnt. Wir haben in der Mitte des Tischs der Länge nach das blaue Band der Freimaurerei. Das Richten heißt, dass man die Flaschen und Gläser auf dieses blaue Band stellt. Es bedeutet, dass auf dem Tisch vor der rituellen Tafelloge und vor dem Ausbringen der Gesundheiten eine vorgegebene Ordnung herrschen muss. Man wollte vermutlich der wilden Unordnung bei den früheren ausgelassenen Zechereien der Freimaurer entgegen wirken. Aber das ist eine Interpretation!

Klassische Toast-Abfolge

Die klassische Abfolge sah zuerst drei dann fünf Trinksprüche vor, die manchmal auf neun aufgestockt wurden. Sogar in Andersons „Alten Pflichten“ von 1738 waren sie schon festgelegt. Die Trinksprüche waren immer kurz und prägnant.

In der Folge eine Auflistung der damals und jetzt in England üblichen Toast-Reihenfolge. The Toast to

  1. the King And The Craft (schon bei Anderson)
  2. the Grandmaster (dieser und der nächste Toast wurde im 18. Jahrhundert hinzugefügt)
  3. the Grand Stewarts
  4. the Worshipful Master
  5. the Initiate
  6. the Tylers Toast

Der Toast auf den König sollte die Freimaurerei mit dem König verbinden, egal ob er ein Bruder war oder nicht. Der Toast auf den verehrten Meister wurde von einem dreistrophigen Meisterlied begleitet, während die Aufseher und der Sänger um den Meister ein Dreieck mit ihren Körpern formten. Der Toast auf die Initiierten ist sicherlich der wichtigste masonische Toast, heißt er doch die Neophyten als neue Mitglieder in der Freimaurerei willkommen.

Nach jedem Toast, genauer nach dem Trunk, wurde applaudiert (siehe: Notes on Masonic Fire, Yoshio Washizu). Diese Anfeuerung („Masonic Fire“) wird auf verschiedene Weise gegeben. Der Brauch ist von den Salutschüssen abgeleitet, die nach wichtigen Toasts beim Militär im 17.Jahrhundert abgegeben wurden. Die Freimaurer haben das für ihre Zwecke adaptiert und knallen mit den Gläsern, die Kanonen genannt werden, auf den Tisch. Die Abwandlung vom Kanonenschuss und Gläserknallen ist der Applaus.

Die Toasts in Österreich

Meist werden nach einer Rezeption, also der Aufnahme neuer Brüder, an der sogenannten „Weißen Tafel“ (= Festmahl nach der Rezeption, im freimaurerischen Jargon WT genannt) Toasts ausgebracht. Am Beginn der WT kann der Meister vom Stuhl die Gäste auffordern, ihre Grußadressen zu überbringen, wenn dies noch nicht im Tempel bei der rituellen Arbeit erfolgt ist. Nach den Grußadressen kommt der förmliche Teil mit den fünf vorgeschriebenen Toasts.

Toastabfolge:

  1. Toast: Aufs Vaterland
  2. Toast: Auf die Großloge; es folgt eine Antwort des Großmeisters oder seines Vertreters.
  3. Toast: Auf die Frauen und Künstler
  4. Toast: Auf die Neophyten; es folgt die Antwort eines der Neophyten
  5. Toast: Der Tyler´s Toast

Einige Toasts werden manchmal hinzugefügt wie zum Beispiel der Toast auf die Gäste. Die folgenden Erklärungen zu den gesprochen Inhalten dieser freimaurerischen Toasts mögen zu mehr Verständnis führen.

  1. Toast auf das Vaterland: Der erste Toast ist der Toast auf den König oder auf das Vaterland in unserer republikanischen Zeit. Warum? Wir sagen, dass wir die Gesetze einhalten und so treue Untertanen unseres Landes sind, daher bekunden wir dies auch.
  2. Toast auf die Großloge: Dann bringen wir auf das uns einigende Band, die Großloge und den Großmeister, einen Toast aus. - Der Großmeister oder, wenn er nicht anwesend ist, sein Vertreter antwortet.
  3. Toast auf die Neophyten: Danach in der richtigen Reihenfolge ein Toast auf alle Brüder, die der Anlass zu diesem Fest waren – bei der Rezeption sind es die Neuaufgenommenen, die Neophyten. – Ein Neuer antwortet.
  4. Toast auf die Frauen und Künstler: Nun folgt der Toast auf die Frauen und Künstler. Es ist wohl gemeint, wir trinken auf die Künstler, die uns diesen Abend mit ihrer Musik erfreut haben. Kombiniert mit dem Toast auf die Frauen, die uns das Essen bereitet und serviert haben. Zur Zeit trinken wir auf die Kunst, ganz allgemein gesehen, und danach auf die Frau die unserem Herzen am nächsten steht - nur auf diese.
  5. Tyler´s Toast: Und als Abschluss der Stille Toast, eine Kombination auf die Abwesenden und Verstorbenen, also die in den sogenannten „ewigen Osten“ eingegangenen Brüder. Die „Stille Salve“ folgt dem Toast, dies ist ein leichtes Klopfen mit der flachen Hand auf den Oberarm.

Weitere Beispiele für freimaurerische Toasts

▶︎ Aus Guidelines for Table Lodge, Grand Lodge of Maine: Toasts auf besuchenden Brüder

  • A Toast to all our difference!
  • A Toast to common ground!
  • A Toast to what we are seeking!
  • A Toast to what we´ve found,
  • To what brings us together,
  • To what sets us apart.
  • A Toast to many different souls,
  • United with one heart!

▶︎ Nachtrag zum Tyler´s Toast

Mitunter wird auf der Höhe der Festfreude als „Memento mori“ der Toten und der eigenen Sterblichkeit in der Form des Tyler´s Toasts gedacht. Er ist kein Bestandteil des Rituals, wenn er ausgebracht wird, ist er jedoch immer eine Abrundung der gesamten Feier. Die Wortwahl variiert von Jurisdiktion zu Jurisdiktion, noch ist er überall als Tyler´s Toast bekannt, weil er oft nicht vom Tyler ausgebracht wird.

Wie fast alle freimaurerische Ritualhandlungen wurde auch der Toast in antifreimaurerischen Büchern verfälscht bis verunglimpft.
Dies ist ein Beispiel aus dem Schwindlerbuch von Leo Taxil im späten 19. Jahrhundert: „Les Mystères de la Franc-Maçonnerie (Die Geheimnisse der Freimaurerei), Paris, 1886.
In der Bildunterzeile heißt es: Pour la septième toast, on apporte un punch enflammé sur la table triangulaire = für den siebenten Toast stellt man einen entzündeten Punsch auf den dreieckigen Tisch.

Die Antwort der Brüder auf den Tyler´s Toast ist die Stille Salve. In verschiedenen Logen wird das laut, in andern leise, in Form einer „Batterie de deuil“ (franz. = freimaurerische Bekundung der Trauer) oder „Stillen Salve“ getan. Das dreimal leise Schlagen mit der Hand auf das Glas ist eine solche Batterie de deuil aber auch das leise Klopfen auf den Unterarm.

▶︎ Der Tyler´s Toast auf Schottisch

Diese erweiterte Form des Tyler´s Toasts wird traditionellerweise dem schottischen Poeten und Bruder Robert Burns zugeschrieben und klingt so:

Brethren of the Mystic Tie,
The night is waning fast,
Good night, good night,
Is the sweet refrain,
This toast must be the last, Happy to meet,
Sad to part,
And happy to meet again!
To all poor and distressed masons,
wherever dispersed,
over the face of earth and water;
wishing them a speedy relief from all their sufferings,
and a safe return to their native country,
if they so desire.

▶︎ Der Closing Toast

Das Schließen der rituellen Arbeit mit einem kurzen Gedenken und eine Erinnerung an die Brüderlichkeit, welche die Erde umschließen soll, ist in diesem kurzen Toast enthalten.

Master : „Brother Tyler, the Craft awaits your toast!“
Tyler: „Let us drink the ago old traditional toast of the Craft!
To all Freemasons wheresoever dispersed over the face of earth.
May our brethren of all nations be united
under the mantle of universal friendship
and brotherhood for the benefit of all mankind.“

Master : „Together, brethren.“
(All arise, pick up glasses, present with the Master)
Tyler: „To all Freemasons Wheresoever Dispersed!“
Brethren: „To all Freemasons Wheresoever Dispersed!“
(All drink, deposit glasses in unison)
Master: „Stay as long as you wish, brethren, or go as your occasion call you.“




Trinksprüche, Maurerische Toaste

Quelle: Internationales Freimaurer-Lexikon von Eugen Lennhoff und Oskar Posner (1932)

In den alten Freimaurerlogen Englands spielte sich Arbeit und Erholung am Wirtstische ab. Daher wurden die sogenannten "Gesundheiten" wàhrend der Arbeit ausgebracht. Aus den dabei entwickelten Trinksprüchen entstand mit der Zeit ein Kanon offizieller und mehr persönlicher Gesundheiten, die in maurerische Form gekleidet wurden (s. Trinksitten).

Man trank auf die heiligen Schutzpatrone, den König und die Kunst (the King and the Craft), auf die Großbeamten, den Großmeister und die Großloge, auf alle Brüder, man gedachte der Schwestern ("Die Maurer, Maurerfrauen und Maurers Schwarm und das was liegen will in Maurers Arm"), an vaterländische Gedenktage, auch der Armee und der Flotte usw.

Zwischen den Trinksprüchen wurden passende Lieder gesungen, die Maurer lieder und die Nationalhymne u. a m. In den Londoner Logen wurde nach einem Briefe von Großmeister Manningham 1757 auch regelmäßig des Herzogs Franz von Lothringen und des Königs Friedrich von Preußen gedacht. Nach Anderson soll die Sitte der Trinksprüche von Desaguliers (s. d.) wiederbelebt worden sein.

Diese Fülle von Gesundheiten ist aus dem feuchtfröhlichem Geiste des merry old England zu erklären. Die alten englischen Freimaurer waren sehr trinkfeste Leute. Heutigen tags hat man dieses Übermaß der Gesundheiten eingeschränkt An der Tafel (Tafelloge) werden die sogenannten offiziellen Trinksprüche ausgebracht. Sie gelten dem Staatsüberhaupt, Volk und Heimat, dem Großmeister, der Großloge, den besuchenden Brr., den Schwestern und den zerstreuten Brr. auf dem Erdenrunde.

Die Durchführung vollzieht sich meist nach einem Gebrauchtum. In manchen Logen ist auch der sogenannte stille Trinkepruch üblich, der nach einer uralten, Schon den Römern bekannten Sitte auf der Höhe der Festesfreude als memento mori der Toten gedenken laßt.




Toast to absent and seafaring brethren

Englischer Logenbrauch, bei der Tafelloge der abwesenden und auf hoher See befindlichen Brüder zu gedenken. Dieser Trinkspruch wird alter Sitte gamäß mit dem Glockenschlage 10 Uhr abends gehalten, damit die abwesenden Brüder die Zeit berechnen können, zu welcher ihre Loge ihrer gedenkt.

Ähnlich in deutschen Logen der stille Toast, in den alle dahingeschiedenen Brüder, alle kranken sowie jene, die sich zu ihrer letzten Reise anschicken, einbezogen werden.

Siehe auch

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